True Romance.

18. November 2009 von Dani S. Tonet

Blog 60, 19. November 2009

[Dieser Blog erfolgt gemäss Wunsch von F.Z. aus W. ‹gwundrigis› Frage sei heutemit ebenfalls beantwortet.]

* * * * * * *

Das Blind Date am Dienstagabend im Theater erweist sich als schlaue Idee. Denn der junge Mann gefällt mir auf Anhieb überdurchschnittlich, woran die Flasche Moët, mit der wir unsere Vorstellung im Windschatten der Kirchmauer beginnen, für einmal gänzlich unbeteiligt ist.
Well done, Dani!, denkt es in mir.

Ein nur teilkluger Mann hat mir einst damit die Kappe gefüllt, dass sich die (typischerweise) total verklemmten Schweizstämmigen mit Vorliebe im Kino oder sonstwo treffen, wo nicht geredet werden muss, weil dies umständehalber gar nicht möglich ist.

Er fand das blödsinnig.

Ich finde das grossartig. Erstens kann ich den Unbekannten, der sich plötzlich Arm an Armlehne mit mir in einem abgedunkelten Raum befindet, aus dem Augenwinkel heraus beobachten. Ist das Köpfchen hell? Lacht er, wann er sollte? Beflügelt mich sein Geruch? Reicht sein Geschmack bis zu den Socken? Harmonieren unsere Energiefelder? Kann er still sitzen oder gehört er zur Gattung der Extremitätenvibratoren (dann würde ich mich spätestens in der Pause höflich entschuldigen), versprüht er Charme auf seine Sitznachtbaren rechts und kommentiert er die Extravaganza drei Reihen weiter vorne links?

Nicht auszudenken, wenn während dieser ganzen multidimensionalen Analyse auch noch geschwätzt werden müsste.

Und Dean macht alles richtig.

Und weil wir nicht reden müssen, weil wir nicht können, kann ich mich gaschromatographenähnlich in aller Ruhe auf unsere biochemischen Reaxen konzentrieren. Das Stück hab ich ohnehin schon gesehen.
Und die Vibes, um einen dämlichen Begriff zu bemühen, sind sogar hochqualitativ.

Nach der Pause rücke ich halbwegs unauffällig mein Knie gen‘ rechts. Er bewegt sich nicht. So sitzen wir eine Dreiviertelstunde aneinandergeklebt und ich bin auf gar nichts anderes mehr fokussiert als diesen Unterschenkel in der leicht glänzenden RAL 5004-farbenen G-Star Raw.
Weil das Azuraugenkind (Uniformwirkung; guilty as charged) glücklicherweise praktisch nebenan wohnt, ist es, auch effizienzbezogen kalkuliert, nahe liegend, den Digestif bei ihm einzunehmen.

Nach einer Flasche Rotwein zum ersten Blabla wird es plötzlich in eigenartigen Abständen hell im Innenhof. Schulter an Schulter postieren wir uns mit einem kleinen Feldstecher am Fenster. Ein weibliches Wesen posiert in einem weissen Seidenbademantel auf dem Balkon gegenüber für einen mit Kamera bewaffneten Mann.

Bitzklick-Klickbitz-Blitzkick! Immer wieder pulsiert die Nacht. Sie lehnt im Türrahmen, die Hüfte lasziv nach vorne reckend, dann, am Geländer stehend, rutscht der Bademantel über die Schultern. Sie catwalkt auf den Holzdielen und lässt das gute Stück zu Boden gleiten. Dann verschwinden sie im Inneren, wo das Geblitze in Bälde stoppt.
Weil sie dringend pinkeln muss.

Deans und meine Flasche ist noch nicht ausgetrunken, als er
«zieh dich aus»

sagt. Was ja per se ein unwiderstehlicher Satz ist.

Ich hatte noch nie Sex in einem Zimmer mit einer Hantelbank als (zudem raumbestimmendem) Möblierungselement und was ich als innendekoratrix‘sches Maximal-No-Go bezeichnet hätte, erweist sich als ausnehmend praktisch. Und äusserst stabil.

Als ich zwei Stunden später meine Unterwäsche in die Tasche stopfe, den Zipper meiner Ponyfellstiefeletten wieder hochziehe und durch die Nacht stöckle, schlägt der Kirchturm halb 3. Dummerweise habe ich schon um neun zum Kaffeetrinken abgemacht.

Weil nicht nur ich an Dean Gefallen gefunden habe, sondern Dean auch an mir, beschliessen wir, das mit dem ‹Daten› zu wiederholen. Und weil wir weiterhin keine Lust haben, zu reden und das mit dem Theater passé ist, lassen wir uns etwas anderes einfallen.

«22.18 Uhr Turnhalle Sihlhölzli, erste Toilette links»
schreibe ich Dean zum Beispiel um halb 9. Er hat sich entsprechend einzufinden.

«17.36 Uhr Kantonsschule Stadelhofen, Musik- und Theaterraum»
rächt er sich ein paar Tage später, worauf ich mit
«01.15 Uhr Zoo Zürich, Parkplatz»

kontere.

Da kommt uns aber ein Security mit einer dicken Lampe in die Quere. Nackt ohne Licht im Wald A8-fahren ist aber auch ziemlich lustig.

Sexspot-Spotting macht Alltagswege in der Stadt zu einem besonderen Erlebnis. Wie klettere ich am besten auf dieses Baugerüst? Wann ist der See so temperiert, dass aufs Badi-Enge-Floss rausgeschwommen werden kann? Wie lange bleibt die S7 im Depot in Hinteroberwinterthur? Wie sind die Kundenströme in den Garderoben der grossen Kaufhäuser? [Special Tipp: Jelmoli Sportabteilung, Samstagmorgen, 9.45 Uhr.]

Auf der Liste meiner All-Time-Best-Of hält
«21.58 Tiefenbrunnen, Männergarderobe.»

einen Podestplatz.

Eine sternenklare Vollmondnacht. Kalt. Zuerst. Weiter vorne der Sprungturm. Dahinter die Lichtlein des linken Seeufers. Wie der Spaziergänger mit dem Hund eingebrochen ist, ist magischähnlich schleierhaft. Die Umkleidekabine. Das Geländer. Die Holzbank. Wären Dean oder ich romantisch veranlagt (oder würden auch gern reden) wäre das der einzige valable Ort für einen Heiratsantrag.

Ein paar Mal später haben Dean ich uns getrennt. Was gut schmeckt, soll nicht ausgelutscht werden, hab ich gesagt und auch hierin waren wir uns ohne grosses Gerede einig.

Regionallust.

11. November 2009 von Dani S. Tonet

Blog 59, 12 November 2009

[Dieser Text ist auf Wunsch von D. R. aus 8004 Zürich entstanden.]

* * * * * * * *
PROLOG:

But that false fruit
Far other operation first displayed,

Carnal desire inflaming; he on Eve

Began to cast lascivious eyes; she him
As wantonly repaid; in lust they burn:
Till Adam thus ‚gan Eve to dalliance move.

(John Milton. Paradise Lost.)

* * * * * * * *

Die beste Metzgerei liegt leider nicht auf Stadtgebiet, sondern im goldufrigen Küsnacht, wo das Haushaltsetat für die entsprechenden Fleischesgelüste das der Normalverbrauchenden um ein Mehrfaches übersteigt. Wenn man sich derart ungern ausserhalb der Stadtgrenze bewegt, tut auch die Metzgerei am Züriberg höchsten Ansprüchen Genüge.
Seit Wochen stehe ich nun im Dreitagerhythmus in jener Fleischbank und sauge den Duft frisch abgehängter Sauen, Lämmer, Rinder und Kälber in meine Lungen.
Im Moment hat es mir das Bündnerfleisch gerade besonders angetan.

«Sie. Heisst es eigentlich ‹ein Laib› Bündnerfleisch?»
«Wir sagen einfach Bündnerfleisch ‹am Stück›.»
«Aber darf ich ‹ein Laib› Bündnerfleisch sagen?»
«Sie dürfen auch ‹einen Laib› Bündnerfleisch kaufen; ja sogar mehrere.»
«Für’s erste würde mir ‹ein Laib› Bündnerfleisch gerade reichen.»
«Na dann darf ich Ihnen ‹einen Laib› Bündnerfleisch reichen?»
«Hmm. Ich warte mal noch ein wenig.»
«Dann darf’s auch heute nichts anderes sein?»
«Danke, mir steht der Sinn nach ‹einem Laib› Bündnerfleisch.»
«Wild wäre grad brandaktuell.»
«Ich hab keinen Bock auf Hirsch, Mann!»
«Nun denn – bis übermorgen, Frau Tonet. Wollen Sie noch ‹ein Redli Wurst› probieren?»
«N e e e i i n !»

Jedes Mal das gleiche, Scherzkeks.

Bündnerfleisch ist klasse. Nur die allerbesten, allerfrischsten, auserwähltesten Muskelstücke von herrlichen, jungen, potenten Rindchen werden – mit allersorgfältigster Spezialbehandlung – zu festen, harten Leibern verzaubert. Dabei bleibt Bündnerfleisch trotz intensivem Drücken und Pressen zart und saftig, die blutige Flüssigkeit verteilt sich perfekt im Inneren. Ausgereifte Meisterstücke.

Bünd-ner-fleisch.
Zuerst ein Kussmund. Dann ein kehliger-hauchender Laut, bevor die Zunge – ganz kurz nur – die Zähne touchiert, um sich sogleich wieder zurückzuziehen und die Lippen beim «Schhh» erwartungsvoll geöffnet zurückzulassen.

Vierzehn Tage und etwa vier Besuche später.

«Grüäzi. Einen Laib Bündnerfleisch, gerne.»
« Frau Tonet! Aber gern doch – endlich!»
«Tja, gut Ding wollt Weile haben.»
«Welches Stück hätten Sie denn gerne? Das hier?»
«Nö. Ich will das da hinten. Das lange, dicke.»
«Natürlich. Das wären dann 35 Zentimeter.»
«Vitsch bien.»

Nach einer kurzen Fahrt in einem nach billigem Zitrusmix-Tannenbaum stinkenden Taxi sind wir endlich bei mir zuhause. Ganz allein zu zweit.

Als erstes befreie ich das arme Ding von seinem Vakuumkleid.

Wow. Der Laib Bündnerfleisch duftet grandios. Würzig. Herb. Männlich. Und fühlt sich wahnsinnig an. Sorgfältig lasse ich das Ding wieder auf den Tisch gleiten.

So ein Laib kann einfach so dastehen. Oder da liegen. Stundenlang könnt man sich in stiller Kontemplation nach dem Verzehr verzehren. Er ist sich selbst genug.
Beinahe.

Ich rieche am Salz auf meiner Haut. So ein Laib Bündnerfleisch liesse sich auch ablecken, anknabbern, abfotografieren, abhobeln, mit Honigsenf eincremen, zerstückeln, zerhacken, zerfetzen…

Besonders mag ich Bündnerfleisch in grossen Stücken, an denen man – an jedem einzelnen – stundenlang lutschen und rumkauen kann, bis am Ende ein weissliches Fasermuster übrig bleibt, das je nachdem auch ausgespuckt werden kann.

Aufregung. Weiss ich zwar, wo das Abenteuer uns hinführen wird, ist der Weg zum Himmel doch sehr vieltreppig. Ich greife zum Messer und eröffne das Gefecht. Stunden dauert der sinnliche Kampf.

Dann bin ich fertig mit dem Laib Bündnerfleisch. Und er auch.

Da wächst nichts nach. Und auch sonst hat so ein Laib Bündnerfleisch durchaus seine Nachteile. Man wird ihn nicht mehr restfrei los. Nur unter Einsatz von Zahnseide.

Das war der Anfang meiner Tour de Suisse.

Weiter geht es via Waadtländer Saucisson über die St. Galler Brat- bis zum Finale Grande: der Berner Zungenwurst.

Und zwischendurch das eine oder andere Basler Läckerli.

Männer(körper)welt.

4. November 2009 von Dani S. Tonet

Blog 58, 5. November 2009

Wer mich kennt, weiss: Madame steht auf Uniformen. Ob es mit unserer staatsverbrieften Gewaltentrennung oder mit meiner (prä-inseminierten) Vergangenheit zu tun hat – I neither know nor care. Leider gibt es hierzulande kaum welche von den iLike-Navy-Matröschen. Aber ich versteife mich auch leicht in alle anderen Schutzbefehlenden, die mit ihren grauen, blauen, ja vor allem schwarzen (bloss keine Camouflage!) Berufsgewändern und den rätselhaften Codierungen mittels Streifchen, Bändern, Nudeln, Aufnähern, Ansteckern und womöglich sogar Medaillen diesen immensen Liebeskugeleffekt auf mich ausüben.

Selbstredend, dass ich RSS-Feeds der Medienmitteilungen von Stadt- und Kantonspolizei (aka die potenteren mit den hübscheren Uniformen) abonniert habe und drum nicht nur weiss, wann welche Strasse gerade gesperrt wird, wo Enkeltrickbetrüger Alte ausnehmen oder Dackel in den Flüssen absaufen, sondern auch, dass an der Urania-Hauptwache vor ein paar Monaten eine ‹Fachstelle für Feedbackmanagement› (FBM) institutionalisiert worden ist.

Als unmotorisierte und tagsüber meist gesetzestreue Bürgerin komme ich leider kaum in Konflikt mit dem Staat und in Kontakt mit den netten Herren in der aphrodisierenden Kluft mit ihren schicken  Accessoires. Diesem Glück muss nachgeholfen werden.

Und da konstruktive Kritik immer willkommen ist, verlange ich am Mittwoch kurz vor Mittag am Empfang der Giacometti-Halle die werten Herren des FBM zu sprechen.
Die Stelle beantworte eigentlich primär Briefe, Mails und Telefonanrufe, heisst es. Weil ich aber kein Jota von meinem Plan abweiche, Dienstleistungslevel nun mal Dienstleistungslevel sein soll und es sich bei mir zudem um einen verkappten 20-Minuten-Fuzzi auf Testbesuch handeln könnte, greift die vereidigte Empfangslady zum Hörer und innert sehr effizienter Frist werde ich abgeholt und nach oben geleitet. Dutzende umwerfende Polizisten in grossartigen taubenblauen Jacken mit taubengrauen Baumwoll-Baggie-Pants kreuzen unseren Weg und besamen meinen Hormonhaushalt. Schliesslich streckt mir ein Tom D. [Name aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen geändert] eine schlanke, kräftige Hand hin und fragt nach meinen Wünschen. Wenn der wüsste.

Ich placiere eine formvollendete Reklamation gegen den Imbécile, der meine liebste Bar am letzten Samstagmorgen lärmverklagt hat. Dabei hatte ich mit dem Mann im Pyjama eine ausnehmend nette Diskussion vom kleinen Zugangsweg über die Hecke hinweg zu seinem Zürisackbalkon. Meinem Empfinden nach hatten wir uns auch ohne einen Hausbesuch meinerseits gütlich geeinigt. Und dann alarmiert die linke Sau trotzdem die Schmier und plötzlich stehen vier gottähnliche Gesetzeshüter im Raum, was mich in einen üblen Interessenkonflikt stürzt.

Tom D. notiert mit gerunzelter Stirn brav mit, oder tut zumindest so. Schliesslich schaut er mich seufzend an.

«Und Ihr Anliegen an uns, Frau Tonet?»

Strategiewechsel.

«Ich bin dezidiert der Ansicht, dass die uniformierten Einsatzkräfte in der Stadt total unterdotiert sind. Es braucht eine massive Verstärkung der sichtbaren Präsenz! Gerade für Frauen ist dies eminent wichtig, wegen des …äh, Sicherheitsgefühls.»

Er zieht nun beide Brauen hoch, das Kinn senkt sich Richtung Kehlkopf. Ich setze meine grabredenernste Miene auf und versuche gleichzeitig, mit den Wimpern eine Bach-Fuge zu klimpern.
Als er zur Replik ansetzt, klingelt sein Telefon. Ich erlaube ihm queenelisabethanisch (in der Hoffnung, einen brisanten Fall mitlauschen zu können), mir seine Aufmerksamkeit zu entziehen

Dass Tom D. in Zivil im Büro sitzen muss, grenzt übrigens an eine Frechheit.

«Samstagmorgen passt. Um neun?»
Ein halsbrechender, langhändig geplanter Spezialtruppeneinsatz?

«Nee du, ich geh lieber an die Geräte.»
Geräte? Was für Geräte? Schiesskeller? Auch gut!

«Ausdauer können wir ja noch anhängen.»

Irgendwann begreife ich, dass Tom D. sich grad für einen Workout im Fitnesszentrum verabredet. Im Laufe des Gesprächs wird mir auch klar, wo das Drilldich-Rencontre stattfinden soll. Stadtpolizist Tom D. in Trainingskleidern (mit Firmenlogo!) –  mit Garantie ein adretter Anblick.

Statt am Samstagmorgen um sieben direkt ins Bett zu kippen, trinke ich in einem Kafi einen Cappuccino, überschminke meine Augenringe und putze die Zähne mit einem Zitronenschnitz. Punkt acht Uhr durchschreite ich die Wärmewelle der Globus-Eingangstüre. Ist das ein Fitty? Globus verbinde ich mit Essen und Shoppen, deshalb ist mir hier die Szenerie nicht ganz klar… Die schwarz-dunkelvioletten, very fancy Reebok werden wohl nur einmal meine Füsse zieren, aber egal. Auch ein Handtuch und ein sauberes T-Shirt finden den Weg in meine Tasche. Raus aus dem Konsumtempel. Es bleibt genügend Zeit für einen zweiten und dritten Cappuccino, bevor ich um Viertel vor Neun einen Einzeleintritt in die tomsche Formfabrik löse, wo etwa fünfzehn Durchgeknallten bereits das Salzwasser aus den Poren läuft. Igitt.

Ich positioniere mich strategisch neben der einen oder anderen Oma und vor den zwei Schwulen auf einem dieser ‹Supersusis-machen-hier-biz-auf-easy-peasy-fürs-Gewissen-und-den-been-here-been-seen-Effekt›-Fahrrädern. Damit meine Schuhe nicht brandneu ausschauen, habe ich mir vorhin etwas Salatsauce vom Buffet auf die Kappen geschmiert und einen Kaugummi in die Sohle eingeknetet.

Von hier aus hab ich tollen Ausblick. Als mir gerade ein erster Schweisstropfen auf das Schlüsselbein rinnt (es könnte auch die Restanz eines Bieres, das mir jemand im Verlauf der Nacht angeleert hat, sein), taucht Tom D. auf, begleitet von einem ähnlich muskelsehnigen, hellhaarigen Skaterboy. Vor lauter Gucken vergesse ich zu pedalen.

Wie vorausgeahnt, klettert Tom D. (Blondie wartet, wie man das unter Fight-Club-Buddies so macht, nebenher) bald auf einen dieser Schulter- und Rückenmuskulatur-Trainingsgeräte, eine Art unterstütztes Klimmzug-Dings.

Rauf und runter. Rauf und runter. Rauf und runter. Rauf und Runter. Die straffe Haut unter dem hellgrauen Tanktop ist noch immer leicht gebräunt.

Wow. So eine perfekt geformte Hinteransicht gab’s noch nie. Alles spannt und löst sich; der Latissimus dorsi in harmonischer Antagonie mit dem Teres major!
Wowowow.

Auch die perfekte Kollaboration von Supraspinatus mit Teres minor, Infraspinatus und Subscapularis ist ein einziges Blake-Gedicht.

Ich verliere mich total in diesem Wunder der Natur, mein ‹Fett-Weg-Programm› ist längst abgelaufen und ich trete im Leerlauf weiter.

Plötzlich scheinen sich Toms Muskeln zu verselbständigen, ich sehe nur noch überall Zucken und Senken, seitlich verschwindet was, dafür wächst oben aus dem Schulterblatt etwas anderes hervor, Plipp! rechts, Plopp! links, ein Blähen unten, ein Strecken oben und plötzlich muss ich an Gunter Hagens Lederveston denken und wie er diesen Wahnsinnsrücken abhäutet, die pumpenden, kontrahierenden Muskeln freilegt und nach seinem Präparationswerkzeug greift; weg sind das graue, nassgeschwitzte Shirt und die gebräunte, bläulich tätowierte, weiche Haut, gelbweiss und dunkelrot ist Tom D., eine spasmische Masse, eine einzige blutige, blutende Maschine, die auf-ab-auf-ab-auf-ab-auf-ab…

Ich falle beinahe vom Rad und kotze die drei Kaffee und die schätzungsweise vier Gin Tonic und drei Prosecco halb neben den Behälter für die Papiertüechli, mit denen die Gerätschaften aus Hygienegründen nach Verwendung entkeimt werden müssen.

Ich huste den Rest in den Eimer, wische mir den Mund mit dem Handrücken ab und desinfiziere meine in Mitleidenschaft gezogenen neuen Sneakers.

Schon besser.

Ich sehe mich nach Tom D. um. Er arbeitet mittlerweile weiter vorne an seinen ‹Abdominals›.
Mit genüsslichen Schraubbewegungen.

*******

PS: wer das schlauste nächste Blogthema/die schrägsexieste Story  inputtet (an dani.tonet ät gmx.ch), wird nächste Woche ins illegale Restaurant ausgeführt.

Leftovers.

28. Oktober 2009 von Dani S. Tonet

Blog 57, 29. Oktober 2009

Simone hat Paulo in der Grubenstrasse kennen gelernt. Es ist gegen drei Uhr morgens, sie will gerade gehen, als er plötzlich mit zwei Kollegen auftaucht. Weil sie an den grossen, moccabraunen Augen kleben bleibt, überredet sie sich, zu bleiben, verabschiedet sich von ihren Freundinnen und steuert mit einem frischen Glas Vodka/Süssmost gradlinig auf ihn zu.

«Chin-Chin.»
Das Eis bricht.

Simone und Paulo sinken ineinander ab, vertiefen sich in einem Gespräch über Nebensächlichkeiten, von dem sie am nächsten Tag nur die Hälfte memorisieren kann, teilweise infolge akustischer Hindernisse und ihrem beträchtlichen Alkoholisierungsgrad, aber auch, weil sie sich überhaupt primär darauf konzentriert hat, wie Paulo sich bewegt, artikuliert und wie seine Augen dabei leuchten, als darauf, was dabei herausgekommen ist.

Logo fragt Paulo nach ihrer Nummer, aber Simone lächelt eleusinisch und meint, in Zürich treffe man sich ohnehin früher oder später wieder. So trennen sich ihre Wege auf unbestimmte Zeit. Simone entschwindet in einem Taxi, ohne dass Paulo die Adresse mitkriegt, die sie dem alten Türken nennt. Er geht zu Fuss zum Goldbrunnenplatz.

Drei Wochen sind sie nun schon getrennt und Simone zweifelt bereits latent an ihren eigenen Worten. Dann aber berühren sich ihre Umlaufbahnen am nachtschwangeren Freitagmorgen unter der Autobahnbrücke.

«Du hast Dir ganz schön Zeit gelassen.»
«Du hast am falschen Ort gesucht.»
«Selbstbewusst am Rand der Selbstüberschätzung. Wer sagt, ich hätte gesucht?»
«Niemand. Aber Du schaust drein, als hättest Du gefunden.»

Auch nach dieser Nacht schieben sie lediglich ihre beiden Fahrräder den endlosen Weg der Limmat entlang zurück. Simone verabschiedet sich beim Platzspitz.

«Bis… irgendwann.»
«Ja, bis irgendwann. Bald.»

Erst fünf Tage später findet Zuzana in der Tasche von Paulos Jeans den Zettel mit Simones Natelnummer. Gut sichtbar deponiert sie ihn auf den Herd.

Er schilt sich halblaut einen verdammten Idioten und schreibt Simone – es ist schon weit nach Mitternacht – ein SMS.
«Der Diamant von einer Putzfrau hat Dich heute morgen gefunden.»

Am Donnerstag treffen sie sich auf eine Flasche Pollerhof im Piazza. Es ist schon ziemlich spät, als sie durch den Nieselregen nahe nebeneinander Richtung Innenstadt spazieren. Paulo ist happy. Noch ist alles offen. Das Bier in der leeren Spelunke an der Ecke Hallwylplatz, deren Name sich Paulo nicht merkt, korreliert zwar negativ mit der Präsentation, die er am nächsten Morgen halten muss, aber für Bedenkenzeit ist es ohnehin zu spät.

Simone daneben hat schon nach dem ersten Glas des hellgrünen Österreichers auf der Toilette ihre goldene botswanische Münze in der Luft tanzen lassen. Sie ist nicht auf das Rhinozenross, sondern auf das Staatswappen gefallen und sie hat gelächelt.

Paulo hat bereits aufgehört, damit zu rechnen und zudem ist das dämliche PowerPoint noch nicht ganz fertig und überhaupt ist es tami spät, als sie es sagt.

«Du kommst zu mir.»
Wenn es auch definitiv keine Frage ist, hört es sich doch nicht an wie ein Imperativ und Simone wohnt, zudem alleine, auch grad an der Morgartenstrasse.

«OK»,
denkt sie zwei Stunden später, als sie aufsteht und zur Toilette geht,
«das war ja nun leider wirklich nicht der Hammer.»

Ob Paulo anders empfindet, ist nicht auszumachen, aber als er die Schuhe anzieht, ist sie ein wenig froh, dass er nicht gefragt hat, ob er bleiben dürfe oder solle.

Schon am Sonntag aber treffen sie sich nochmals, wo, weiss ich nicht mehr, und Paulo ist plötzlich wieder in ihrer Wohnung, ihrem Schlafzimmer, in ihrem Bett und diesmal viel forscher, es muss am Pollerhof gelegen haben, oder das Bier war doch zuviel und überhaupt ist eine Sache mit Entwicklungspotential letztlich spannender als Knabenschiessen und Mariä Himmelfahrt zusammen und nächstes Mal nur noch Auffahrt und dann gleich Fronleichnam.

Als Paulo Anstalten macht, zu gehen, zieht Simone ihm die Shorts wieder aus.

Später benutzt er zum ersten Mal ihre Zahnbürste mit.

Irgendwie geht das dann einfach so weiter und ist so weit, so gut. Wenn Simone und Paulo auch kein Pärchen sind, hat das Ganze etwas angenehm Beziehungsverwandtes. Langsam fügen sich Steinchen zusammen, man geht ins Kino oder beugt sich beim Katerfrühstück gemeinsam über eine Sonntagszeitung. Auch Paulos WG-Gspänli Mikael findet Simone recht cool.

Meist übernachtet Paulo aber bei Simone: keine Rücksicht auf Lärmbelastung nehmen zu müssen, macht die Sache eben doch einfacher und für sie ist es auch vorteilhafter, wenn sie nicht die ganze Kosmetikscheisse jedes Mal hin- und herzügeln muss.

Eines Tages bringt Paulo allerdings Gepäck mit. Eine gelbe Zahnbürste.
Die liegt am Abend, als Simone von der Agentur heimkommt, noch immer auf dem Lavabo.

Sie dreht den postgelben Eindringling mit den schwarzweissen Borsten, brandneu, erst zwei Mal benutzt, irritiert in den Händen. Schliesslich stellt sie das Ding in ihren Spiegelschrank, ständig im Augenwinkel mag sie es irgendwie doch nicht haben, wenn auch sie regelmässig sämtliche Körperflüssigkeiten austauschen.

Wann immer sie den Schrank öffnet, fällt ihr Blick nun auf die gelbe Zahnbürste rechts oben. Ein Token. Ein Symbol. Ein fremder Besitz. In ihrer Wohnung. Ein erster Schritt zum Zweitschlüssel? Simone schliesst den Schrank.

«Hoppla!,»
spöttelt Sonja, der aber auch gar nichts verborgen bleibt,
«jetzt aber! Es gilt Ernst!»

«Quatsch. Ist letztlich eine Frage der Hygiene.»
Simone kontert zähneknirschend.

Wochenlang wohnt die ‹Tigerente› in Simones Badezimmer mit. Mal steht sie an ihrem Platz im Schrank, mal schmiegt sie sich sogar im Zahnglashalter an Simones eigenes, perlweisses Bürsteli. Und mehr oder weniger regelmässig kommt sie auch zum Einsatz. Manchmal freut sich Simone sogar ein wenig über den gelben Griff, der aus dem Glas ragt und sie an die Moccaaugen denken lässt.

Als dann, irgendwann später, jemand anderes, mit andersfarbigen Boxershorts und grünen, höchstens grünbraunen, Augen in ihrem Bad steht, ist Simone versucht, ihm die gelbe Zahnbürste hinzustrecken.

Aber irgendwie schafft sie es doch nicht und stopft sie statt dessen zwischen ihre wimpertuscheschwarzen Wattepads in den Mülleimer.

Sternstunde

21. Oktober 2009 von Dani S. Tonet

Blog 56, 22. Oktober 2009

Im Zweifelsfall entscheide ich, meiner genetisch determinierten Vernunftbegabung zum Trotz, immer zugunsten der Form. Und ich bin zwar emotional und ideell technophil, in der Praxis aber meistens totally lost. Heisst, ich brauche (liebstens männliche) Unterstützung für die Aktivierung meiner Zünden-Drücken-Drehen-Ölheizung, aber auch, um den schon wieder verloren gegangenen Radiosender oder den Timer der Waschmaschine zu programmieren.

Die Verweigerung hängt durchaus auch mit dem Mangel an Ästhetik zusammen.

Welch Lichtblick war deshalb der Markteintritt des kleinen ‹i›! Hoffnungsvoll warte ich nun auf iBeamer, iElektrozahnbürsteli und, wenn wir grad dabei sind, auch iVelopumpe und iHILTI; Bohren ist schliesslich schrecklich sexy.

Digitalisierung ist grossartig. Ausser in der Fotografie. Tausend Mal straffrei knipsen – das macht jeden Idioten zum potentiellen Paparazzo-Casting-Teilnehmer. Kurz umentschlossen hab ich mir deshalb im Internet zwei alte Kameras gekauft; eine Kodak Instamatic 100 und den grossen Bruder 333. Strahlend stelle ich die zwei auf die Theke von Zürichs renommiertestem Fotoladen.

«Läck isch die Frau futzdumm.»
mag er sich zwar denken, ist aber meinem Kinderaugenleuchtencharme völlig erlegen und belehrt mich, dass, leider Gottes, weder Batterien noch Filme für «antike Gschwüre wie diese» noch existieren.

«Antike Geschwüre? Erlauben Sie mal! Die sind maximal so alt wie ich!»
«Nun ja, Mademoiselle, im Kamerazeitalter ist das leider SEHR alt. Bei Ihnen hingegen…»

«Und … was mach ich jetzt?»

Er klettert ins Schaufenster und kramt eine Rollei 35 T, Made in Germany, hervor. Die 25 Mal soviel kostet wie meine beiden offenbar unnützen Lieblinge zusammen.

«Aber Sie! Das ist keine Instamatic. Da hat’s hundert Dinger dran zum Drehen!»
«Natürlich, meine Liebe
[sic!]. Blende und Belichtung.»

«Vergessen Sie’s!»,

sag ich, das schwere, eckige, metallige Wahnsinnsding elektrisiert in den Händen drehend.

Die wogenden Emotionen schwappen flux auf den schnuckeligen Verkäufer, der nun – extra für mich! – dem Baby eine Batterie einlegt und mir mit bewundernswerter Seelenruhe en detail mindestens drei Mal erklärt, wie ich links (denn Sie müssen nur den Nippel) wegen Verwackelungsgefahr 60 irgendwas einstellen (und mit der kleinen Kurbel) dann rechts so lange drehen muss, bis die Kelle auf der Oberseite mit dem (Licht?)Messer übereinstimmt. Das Beste: Mit dem Blitz, den er quasi mitschenken würde, braucht’s die ganzen Knöpfe nicht.

Ich bin total geflasht.
Und restfrei überzeugt.
Und will das Teil grad mitsamt dem Mann heimnehmen.
Und habe aber ein Date mit Markant.
Und hüpfe drum happy aus dem Laden.

Und setze die Kamera auf Dani Tonet’s Wunschliste

Ja! Ich will:

  • täglich frische Aal-Sushis, auch wenn die grad aussterben,
  • dass auf dieser Welt Frieden herrscht und alle Kriege sofort aufhören,
  • ein Schuh-Abo von Christian Louboutin,
  • dass keine Frauen mehr beschnitten oder gesteinigt werden,
  • dass Heidi Klum ihr Schwangerschaftsfett fünf Jahre lang nicht runterkriegt,
  • dass es genug Arbeit für alle Menschen gibt,
  • dass sich meine Bettwäsche von selber wäscht und wechselt (oder dafür ein Gentech-Tier abgerichtet wird),
  • dass die Umweltverschmutzung aufhört und sich unser Planet erholt,
  • dass ich mit Pudelblut Action Painting üben kann,
  • dass die Folter abgeschafft wird,
  • 474 Nagellacke im Kühlschrank, die niemals eintrocknen,
  • dass alle Menschen immer genug zu essen haben,
  • dass Martina Hingis bei mir daheim auf MDMA Pole-Dance übt,
  • dass die Gorillas nicht aussterben,
  • einen dunkelhäutigen, muskulösen Masseur, oben ohne mit weissem Tuch um die Lenden, der nach getaner Arbeit wieder im Schrank verschwindet und keinen Mucks macht,
  • dass AIDS vollständig heilbar wird,
  • dass ich mich von Mittwoch bis Sonntag von Austern, Taittinger und Mohrenköpfen ernähren kann,
  • dass es keine Rassendiskriminierung mehr gibt,
  • dass Mämä mir lebenslänglich ‹entry on demand› gewährt,
  • dass es keine Kindersoldaten mehr geben muss,
  • dass sich Robert Patterson und Mark Wahlberg darum schlammcatchen, wer (zuerst) mit mir Sex haben darf,
  • dass alle Menschen genügend Geld haben,
  • einen frisch geduschten jungen Glarner Alpkäser,
  • dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben,
  • eine eigene Nerz-Farm,
  • dass es keine Kinderprostitution mehr gibt,
  • dass Sven Epiney zwei Mal täglich bei mir abstaubt,
  • dass Waffen nur noch im Museen hängen,
  • drei Flaschen Pimm’s in Flims mit Kaminsims.
  • dass dumme Menschen keine Kinder mehr kriegen können,
  • eine Rollei. Und zwar schnurstracks. Und nicht für 500 Stutz.

Ich jage meinen Mac quer durch die Onlineangebote. Auch auf privatmarkt.ch speise ich ihm ‹Rollei 35 T› ein. Da, spuckt das Schätzchen was Komisches aus: Das Bild eines weissfleischigen Männerkörpers (Américaine, aber kopflos) mit einem genitalen Zensurbalken.

Hallo, Rollei??

Titel: «Büro blowjob»

Hallo, Rollei??

Text:
«
Ich muss leider noch bis um 17:30 im Büro sitzen.
Ich arbeite in einem Grossbetrieb in der Stadt ZH.
Ich suche ein Dame die zu mir kommt, mir einen
Blowjob verpasst und wieder geht.
Bin 35 jährig 177cm 72kg blond und wenig beh… »

Weiter geht’s leider nicht. Vielleicht, weil ihm das Ding schon abgegangen ist, bevor er fertig töggelen konnte.

Und ich denke nur: http://tinyurl.com/danitonet1

Französisch, s’îl vous plait.

14. Oktober 2009 von Dani S. Tonet

Blog 55, 15. Oktober 2009

Herr D.C. aus dem ländlichen Luzern hat mich gebeten, zur Abwechslung doch bitte mal wegzukommen vom Monothematismus und über etwas mehr ‹Gesellschaftsorientiertes› (wie vage!) zu schreiben.

Nun denn.

Wir werden immer dicker.
‹Unseren› Kids wird in der Primarschule mittlerweile – nach sämtlichen transirgendwasfetthaltigen Vanillegipfeli – sogar die (kariesfördernde!) Banane verboten (ob sie den Aufklärungsunterricht entsprechend mit Dildos machen?).

Seit ein paar Jahren fallen mir aber die vielen Vierzehnjährigen in engen Röhrlijeans auf, denen Fettwülstchen über den Hüften hervorquellen und ‹Bäuchlein› vornedran hängen, die mit den (auch die sind wenigstens stetig gewachsen) Brüsten locker konkurrieren.
André Reithebuch hat sich kürzlich im 20Minuten als Mr. Reitheranzen präsentiert (obwohl Miss Fäh ja geradezu dazu reizte, den Magen zu entleeren).

Neben klassischem Fehlverhalten wie Alkoholexzessen von Donnerstagapéro bis Sonntagafterhour gibt es eine ganze Reihe soziokultureller (for you D.C.!) Faktoren, die die Adipositionierung der Industrienationen vorantreiben. Als da wären ausschliesslich sitzende Tätigkeiten, Bewegungsfäule, Computergaming, Nahrungsaufnahme als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung, Portionengrössen, Glutamat, Mangel an alternativen Produkten etc.

Aber all das interessiert ja nicht.

Die einzige Nation (ausserhalb der Caritasländer natürlich), die noch erfolgreich schlank ist, sind offenbar die Franzosen. Oder hat jemand grad eine fette Franzfrau zur Hand? Mir fallen nur Carla Brunis Schlupfwarzen in der Comte-Ausstellung ein.

Mireille Gulliano behauptet, es genau zu wissen. Und an der ist nur das Portemonnaie dick. Mit French Women Don’t Get Fat hat sie den Nerv von Millionen (Frauen?) getroffen. Der simple Dünnwerden/Dünnbleiben-Französinnentrick ist zudem super simpel: Schlaf. Schlaf, Schlaf und nochmals Schlaf.

Die 10 Schrittchen zur ultimativen Schlankschönheit sind:

«1. Move, move, move during the day!»
Beweg Deinen Arsch, Mädchen. Damit Du abends zur Sau bist. Eine lausige halbe Stunde Yoga oder Nordic Walking (wie sexy!) täglich – und du fällst so was von tot ins Bett!

«2. Stay away from stimulants»
Nulldiät in Bezug auf Koffein, Nikotin, Alk. Denn das Trio schlägt auf die Nerven. Und wer aufgekratzt ist, kann – Pädäräbäm! – natürlich nicht schlafen. (Die Autorin ist wohl noch nie im rauschkomatös irgendwo rumgelegen).

«3. Try to go to bed and wake up at the same time every day.»
Fühle dich bei dir daheim,
gänzlich wie im Erziehungsheim.

«4. Reserve the bedroom for sleeping only.»
Heisst, kein Essen zwischen den Kissen, kein TV-Glotzen, kein Loungen. Ficken bitte nur morgens. Ja, denn nur Männer schlafen ‹danach› wie Götter, Frauen sind so richtig aufgedreht und wollen reden, reden reden.
Und reden macht fett.

«5. Herbal teas work magic.»
Überhaupt besteht Alkohol aus reinen Kalorien. Kamille, ‹wohlriechendes› Eisenkraut und Fenchel beruhigen dagegen herrlich. Dass man nachts vielleicht drei Mal aufsteht, um zu pissen, macht‘s sogar noch besser. Denn hey: Bewegung macht müde!

«6. Turn off the lights earlier
Licht sagt dem Hirn: Achtung, Action! Drum: aus damit. Meinen nervigen Kanarienvogel hab ich damit gekillt, dass ich das Tuch über seinem Käfig eines Morgens vergessen habe, wieder wegzumachen.

«7. Turn off the computer and TV at least a half hour, but preferably an hour, before bedtime.»
Voll easy. Da du ja um sechs aus dem Büro gehst, um die Häuser walkst und um acht ins Bett gehst, bist völlig du de-elektromagnetisiert.

«8. If you can’t sleep for a full half hour, get up and read a book or listen to soothing music for a little while. »
Bloss nicht liegen bleiben und sich zum Schlafen zwingen, das strengt die Nerven an. Und dafür gäbe es bessere Mittelchen. Die sind allerdings verboten.

«9. Avoid having a very large meal before bedtime
Dinner Cancelling olé. Denn wer nicht isst, weil er/sie pennt, wird doppelt dünn.
Nouvelle Cuisine ist so yesterday!

«10. Create an environment that is conducive to sleep »
Am besten was Zappendusteres. Ein privater Samadhi-Tank oder ein Sarg.
Mit einer Plastiktüte über dem Kopf schläft es sich übrigens besonders lang.

That’s it. Full metal Jacket. Die ganze Chose. Des Pudels Kern. Dieser Brunz wurde in 37 Sprachen übersetzt, über eine Kiste mal verkauft und war New York Times #1 Bestseller.

Ok. Die Französinnen mögen, obwohl sie die höchste ausseramerikanische Mc-Donalds-Dichte ihr Eigen nennen, nicht fett sein.

Aber wer will eine Frau, die zwar dünn ist, dafür clean, asexuell, vor dem Schlusssignet Tagesschau am Ende, dafür morgens um sieben Uhr schon tipptoppfit und die literweise nach Scheisse riechende Teekannen in sich hineinleert und Nordic Walking-Stöcke im Entrée deponiert?

Laetitia Casta schwebt kurz durch meine Gedanken, als nacktes Dornröschen auf einem hellblauen Himmelbett, bis auf die Knochenhaut abgemagert.

Was sagte noch Giselle ‹the french bitch›?
«Fuck… fuck… fuckity fuck.»

Bing Bing Boah.

7. Oktober 2009 von Dani S. Tonet

Blog 54, 7. Oktober 2009

«Dani!»

(Beachte die interpunktionsimplizierte Dringlichkeit.)

«Sonja! ¿Qué pasa?»«Ich war doch gestern beim Chick Doc.»«Jahreskontrolle, ich weiss. Und?»«Ja. Ich hab ein Problem.»
«Krebsabstrich?»

«Njet, der ist OK. Aber mein Beckenbodenmuskeloderwas sei total am Arsch.»
«Himmel. Musst Du in den Inkontinentialkrieg ziehen?»«Schlimmer! Intim-Physio! Ich soll einen (glaubs?) Finger reingedingst kriegen und soll pressen üben. Oder klemmen. Oder wasimmer. »«Üüüübel!»
«Dabei mach ich doch Pilates.»

Ich sag ja: All das Yogazeugs ist der grösste Hippiebrunz ever.

«Und, wann öffnest Du Dich für Dr. M?»
«Gar nicht. Ich hab ihm gesteckt, dass er seine Pfoten sonstwo hintun könne.»

Da fällt mir eine Art ‹Hausmittelchen› gegen lose Beckenböden ein. Bevor ich Sonja damit die Tür einrenne, konsultiere ich Dr. Wikipedia.

«Rin-no-tama [aka Lust- oder Orgasmuskugeln] sind ein Sexhilfsmittel, das ursprünglich aus Japan stammt. Es wird nach Wunsch im Alltag und nicht während des Sexspiels getragen.»

Durchaus plausibel. Sonst: ‹Ääähm, Sorry, da ist schon besetzt.›

«Heute gängige Modelle bestehen aus zwei 3 bis 4 cm grossen Hohlkugeln aus Kunststoff. Diese enthalten jeweils eine kleinere Kugel aus einem schwereren Metall. Die beiden Kugeln sind mit einer kurzen Schnur verbunden. An der unteren Kugel befindet sich eine Rückholschnur [vaginaler Defibrillator?]. Die Kugeln werden in die Scheide eingeführt und in Richtung des Muttermundes geschoben. Während des Gehens oder sonstigen Körperbewegungen [sic!] schwingen die Metallkugeln in den Hohlkugeln und verbreiten als angenehm empfundene [sic!] Vibrationen im Unterleib. Die Schwingungen sind allerdings kaum stark genug, um direkt zum Höhepunkt zu führen, können aber das sexuelle Verlangen steigern.»

Eine Art Tiefen-Om-Singen mit Nebeneffekt.

«Es gibt unterschiedliche Arten, Rin-no-tama zu tragen. [...] Die subtilste [sic!] Methode ist wohl folgende: Die Kugeln werden mit dem Pubococcygeus-Muskel (kurz PC-Muskel) gehalten. Dies hat den Nebeneffekt, dass sie so wesentlich zum Training dieses Muskels beitragen. Ein gut trainierter Pubococcygeal-Muskel ist wiederum für die Empfindungen beider Partner beim Liebesspiel vorteilhaft. Ausserdem beugt er einigen Formen der Harninkontinenz vor.»

Eh voilà.

Ich treffe Sonja auf zwei Uhr zum Kaffee im Schoffel und schleppe sie dann in den kleinen Magic X Erotic Megastore am Limmatquai.
Die germaniastämmige Sexworkerin berät uns ausführlich. Modelle ohne Rückholschnürchen beispielsweise seien ‹nur für Fortgeschrittene›.

Aus lustvoller Solidarität greife ich mit zu und schon sind wir im Besitz von «love yourself! – Fun Factory SMARTBALLS – ein zutiefst [sic!] weibliches Vergnügen!» im Wert von 54 Franken 90 in elegantem Schwarz/Silber. Form equals function.

Um Risiken und Aussenwirkungen zu vermeiden, lese ich im Gehen die Packungsbeilage, während Sonja ihr Set einer chinesischen Tellertänzerin gleich am Indexfinger schwingt.

«Eine trainierte Vaginal- und Beckenbodenmuskulatur sorgt auch für mehr Spass beim Sex. Von Hebammen empfohlen.»

Mehr Spass am Sex – molto bene. Aber auf den Einsatz der Hebamme als logische consecutio verzichte ich dankend. In der Umkleidekabine von Company’s streifen wir das neue Indoor-Accessoire unter und trinken Campari auf dem Hechtplatz.

Beim Sitzen merkt sich logischerweise wenig. Vielleicht müsste man die Treppe zur Toilette runterhüpfen? Dong-dong-dong kommen die Dinger in Schwingung. Jippii.

Sonjas Mittagspause ist vorbei. Ich probiere derweil alle möglichen modi vivendi aus; renne, hopse, schlage Räder, spiele Käfer.

Mazza grande. Ganz grosse Klasse. Nach zwei Stunden reicht’s vorerst mit dem Training. Platsch-plopp. Juicy-doo, Hurrah nochmals.

Brav mit warmem Wasser abgewaschen, desinfiziert und zum Trocknen an die Türfalle gehängt.

«Und?»
«Woa! Gut drin gut dran – gut drauf.»
«Na dann: Gut Nacht.»

Samstagnacht, Bombay Bar.
Sing Bing, Swingdaiding, es tanzen so schön, die Geister die ich rief.

Zwischenfazit.
Jungs: vergesst die Suche nach dem G-Punkt.

… Girls: vergesst die Jungs bei der Suche nach dem G-Punkt.

Suchtpotential. Ich trage klein Cheech&Chong permanent. Meine Bewegungsunlust hat sich massiv verringert, ich verbrenne Kalorien am Schwungmeter, lache und singe, tanze, springe.

Friedensnobelpreiswürdig. Wenn Frauen dauerscharf sind können Männer kaum Kriege führen.

Wieso lächeln mich alle an? Der Monobiker mit dem grauen Pulli wendet gar den hübschen Kopf.

Im Toilettenspiegel mein eigenes Grinsen.

Alles klar.

Liebe ist … kein Zufall.

1. Oktober 2009 von Dani S. Tonet

Blog 53, 1. Oktober 2009

Wer in der digitalen Welt nach seinem Seelenpartner taucht (was sich übrigens nur empfiehlt, wenn man sich im Job todlangweilt oder sozialisoliert, inhaftiert oder notfrustriert ist), hat vor allem eins: die Qual der Wahl.

Soll das künftige Visavis rauchen dürfen? Kinder wollen, haben, sich (wenigstens) vorstellen? Muss sie 100-65-85 sein? Darf er die 190er-Latte berühren? Was mache ich, wenn ich Steinböcke nur mit Waage aszendiert leiden kann? Wer seine Statur mit ‹normal› (statt mit ‹athletisch› oder ‹schlank›) angekreuzt hat, trägt mindestens 6 Kilo zu viel mit sich rum. Und Hauptsache sind letztlich doch die blauen Augen.

Bei der Online-Gspänlisuche wird nichts dem Zufall überlassen, weissknöchlige Hände umkrallen das Schicksalssteuer. Die gravierendste Entscheidung ist die der Plattformwahl.

singles.ch ist bekannterweise die Restschublade. Überhaupt sind Gratisangebote hohler Schall, weil sich alles nur spasseshalber drin rumtreibt oder bereits vergeben und abenteuerbockig ist.

Drum gilt: je teurer – je elitärer – je besser. Je weher am Portemonnaie desto dicker die Hunde.

So selbstpreist sich zum Beispiel ElitePartner.ch als «DIE Plattform für Akademiker & Singles mit Niveau.»

Eine Studie mit über 1000 (deutschen) Mitmischenden beweist: «Akademiker meinen: Die wahrscheinlich [sic!] erfolgreichste Online-Partnervermittlung.»

(Analgo der «wahrscheinlich längsten Praline der Welt.» Dabei: WER hat’s erfunden?)

Schweres Geschütz ist angefahren:

«Renommierte Psychologen entwickelten eigens für ElitePartner ein wissenschaftliches Matching, mit dem Sie besonders hohe Erfolgschancen bei Ihrer Partnersuche haben.»

Backe backe Traummann.

Wer sich ruckzuck in die zehntausenden brach lauernden Singles stürzen will, hat sich zu früh gefreut. Nach dem Basislogin wird das Innerste rausgekehrt. Versaut es mir alle Chancen, wenn ich schon bei Geburtsdatum und Wohnort lüge? Familienstand, Ausbildung, akademischer Grad (die meinen’s ernst), Grösse, Augen- und Haarfarbe. Dann wird’s richtig mühsam:

«Wenn Ihr Wunsch darin besteht, einen Partner zu finden, mit dem Sie auch längerfristig – vielleicht [sic!] sogar ein Leben lang – verbunden bleiben möchten: Was glauben Sie, sind dann für Sie die wirklich [!] entscheidenden Dinge, auf die es in einer glücklichen Beziehung ankommt? Worauf legen Sie besonderen Wert?»

‹Liebe und Zuneigung› steht zur Debatte, aber auch ‹gemeinsame Verantwortung für Kinder übernehmen›. Gleich wird mir schlecht. Auch mit ‹gegenseitige Treue› ist wenig anfangbar.

Die Fussbemerkung zur Optik ist zum Verlieben.

«In vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Menschen manchmal [!] dazu neigen, sich in Bezug auf die eigene Attraktivität etwas [!] zu überschätzen. Das gilt für Männer mehr als für Frauen [q.e.d.!]. Deshalb wird empfohlen, die Ansprüche und Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, sondern einfach [!] realistisch zu sein»

Nach Hobbies & Co. geht’s ab in die Tiefenpsychologie.

«In Diskussionen kann ich meinen Standpunkt darlegen, ohne andere zu verärgern.»

«Ich komme mir mit meinen starken Empfindungen meinem Partner manchmal hilflos und ausgeliefert vor.»

«Ich habe Schwierigkeiten damit, andere Menschen bezüglich ihres Charakters anschaulich zu beschreiben.»

Und speziell für mich:

«Ohne meine Freiräume könnte ich nicht existieren.»

Auf die bevorzugte Wohnform («Künstlerwohnung» vs. «ruhige [!] Stadtvilla» etc.), folgen die Suchtmittel- und Kinderfragen vor der verfügbaren Gefühlsmenge gegenüber Vögeln, Fischen, Katzen und Hunden. Tierlihalter sind auf meiner schwarzen Liste weit oben.

Schliesslich darf ich ‹interessanten Mitgliedern› optionale Gretchenfragen stellen, so wie: ‹Isst Du Kiwi mit Schale?› ‹Putzt du vor Analsex die Zähne?› ‹Was hältst Du von Chihuahua-Trampling?›

Bevor ich erfahre, was es kostet, hier so richtig mitzumischen, gibt’s als Goodie eine Persönlichkeits-(Kurz)Analyse.

«[…] Zu Ihnen passt ein Partner, der einen stärken ausgeprägten Wunsch nach Nähe hat – dabei sollte dieses Nähebedürfnis jedoch nicht allzu stark [!] sein.»

Wow.

«Als Partner passt besonders gut jemand zu Ihnen, der zwar eher [!] Ihren Gegenpart repräsentiert, aber Ihnen dennoch nicht allzu sehr [!] entgegengesetzt ist.»

Wow2.

«Sie haben eine hohe Ausprägung in Richtung Dominanz erzielt. Ideal wäre ein Partner, dessen Ausprägung zwar merklich [!], aber nicht allzu sehr [!] von Ihrem Wert abweicht.»

Wow3.

«Sie glauben sowohl an ‹das Schicksal› und gleichzeitig an das ‹Wachstum› in einer Beziehung. Das ist äußerst [!] positiv, denn Studien zufolge [!] sind diejenigen mit ihrer Partnerschaft besonders zufrieden, die in beiden Bereichen einen hohen Wert erzielen.»

Wow4. Mich kratzt ein Affe am Arsch.

Dann komm’ ich endlich an meine generisch generierten Traumprinzen ran. Immerhin 13 323 passen offenbar just perfect.

Das Abdaten dürfte etwa dreieinhalb Jahre dauern.

Winkeladvokaten tummeln sich genauso im Froschteich wie Beamte, IT-Berater und der Wissenschaftler aus Baden-Württemberg.

Gegen die verschwommenen Gesichter hilft nur die Premium-Mitgliedschaft. Defaultmässig werden 12 Monate (à 48.-) vorgeschlagen, mindestens aber 3. Also 264 Franken.

Die Kohle liegt abgezählt vor mir auf dem Tisch.

Die kann man sicher auch schlauer ausgeben.

Mal sehen.

Rasch in die Stiefel geschlüpft und raus in die Nacht.

Aber nur unter der Bedingung.

24. September 2009 von Dani S. Tonet

Blog 52, 24. September 2009

Selma, gestern im Bar Sol. In ihrem Umfeld ist eben wieder eine langjährige Beziehung in die Brüche gegangen. Wie immer war sie es, die den entscheidenden Schritt gemacht hat. Und wie immer ist sie es, die dem alten Zopf hinterherleidet, während er, selbst zu bequem zu entscheiden, sich mit seiner neu gewonnenen Freiheit schnellstens und bestens anfreundet. Das ist trotzdem gut so. Denn wie meistens wird er in Kürze weiter kochen. In einem neuen Topf zwar, doch dasselbe Süppchen. Sie aber wird, wie immer, beim nächsten Mal (das wohl noch eine Weile auf sich warten lassen wird) die selben Fehler nicht mehr machen, oder machen lassen. Dafür andere.

Ich erzähle von dem Date, das ich morgen habe und den zwei von letzter Woche.

Selma, seit Jahren ziemlich glücklich verbandelt, seufzt ein wenig neidisch ob der Spannungen des Singlealltags.

Sofort verteidige ich ihren Mackermann, der indessen während mehr als einem Drittel seines Lebens lernen konnte, seine Selma richtig anzupacken und zudem natürlicherweise über die Gabe verfügt, mehr als ihren Wahnsinnsbusen auch nach einer Dekade noch auch non-manuell zu ästimieren.

Dieses Haus scheint also auf stabilem Boden zu ruhen. Und man sollte es dort stehen lassen.

Und doch. Mal wieder fremde Hosen runter zu lassen, birgt für Selma durchaus grossen Reiz. Denn das Stadttor könnte irgendwann schliessen und man wäre nicht draussen, in Freiheit und im Abenteuer, sondern drin, sicher zwar, aber auch gefangen, eingesperrt.

Und ein wenig geht es auch ums Prinzip. Und Selma ist durchaus eine attraktive Erscheinung, die auch im nüchternen Zustand wenig Mühe hätte, einen Folgsmann zu finden.

Gerade hat sie es wieder mal angesprochen.

«Meinst Du, ich bin die letzte Frau, mit der Du in Deinem Leben geschlafen hast?»

Eine schwierige Frage, Glatteisig. Aber auch hier kommen ihnen die unvorstellbar vielen Jahre zugute.

«Hm. Ich glaube nicht. Irgendwie. Auch wenn ich weiss, dass Du die Frau meines Lebens bist.»

Hm. Er also auch.

Ich finde das grossartig. Simple Game: beide wollen extern poppen und doch zusammenbleiben. Also null problemo.
Ich bin immer für kreative Lösungen.

«Schreib ihm doch einen Gutschein: Bon für einmal Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt.»

«Daran hab ich auch schon gedacht.»

«Und was würde das Stecherchen dazu sagen?»

«Er wär vermutlich sogar einverstanden.»

Darauf hebe ich mein Glas.

Sie aber windet sich auf ihrem Stuhl.

«Hmm? Ein Sechser im Lotto und du stocherst im Fettrand Deines Entrecôte rum?»

«Meinst Du, er würde sich dann im Büro oder sonstwo so langsam auf Pirsch begeben? Das würde ich glaub nicht aushalten.»

Berechtigter Einwand. Schliesslich wollen wir ja nicht in der Scheidung enden. Also schreiben wir:

«Bon für einmal Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen.»

«Und wenn er sich dann verknallt?»

Auch das darf natürlich nicht passieren. Ein neuer Passus.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot.»

«Ich stelle mir grad vor, er liegt mit einer anderen Frau in unserem Bett oder unserem Sofa. Oder er vögelt so eine Schlampe auf meinem Küchentisch!»

Das wäre ganz übel. Aber lässt sich abwenden.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu.»

«Aber dann kann ich ja nie mehr in Ruhe in die Ferien oder mal ein Wochenende weg!»

Puh. Madame hat Ansprüche.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit.»

«Und wenn sie besser bläst als ich?»

Mädel, langsam wird’s schwierig. Ich weiss nicht, ob ich das schlucken würde.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit. Kein Oralsex (an Dir).»

«Sollen wir Analsex auch grad reinnehmen? Und wie ist’s mit Knutschen? Und was, wenn er einen Dreier haben könnte?»

«Gut dass Du daran denkst! Knutschen dürfte er aber. Glaubs.»

Das macht dann:

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit. Kein Oralsex (an Dir). Kein Analsex. Der Bon gilt nur für EINE Person.»

Gut so? Können wir endlich in Druck gehen?

«Ach weißt Du, ich würd mir das glaub dann immer so plastisch ausmalen.»

«Selma, mein Herz, weißt Du was? Vergiss es einfach.»

Manchmal sollt der Schuster bei seinen Leisten bleiben.

Der Chefarzt.

3. September 2009 von Dani S. Tonet

Blog 50, 3. September 2009

Mit Partnervermittlungsinstituten habe ich gemischte Erfahrungen gemacht. Ach Quatsch. Unter dem Strich war (auch wenn ich Kollegschaft mit mittlerweile fünf verheirateten, teilsbekinderten Pärchen pflege, die sich auf diesem fantasievollen Weg kennen gelernt haben, darunter mein eigener Ex) alles Scheisse.

Item. Ein Zeitvertrieb ist’s allemal, und für die exakte Beobachtung der (zwischen-)menschlichen Spezies nicht der allerdümmste.

Eines Mittags treff ich also diesen Chefchirurgen eines unserer Spitäler zum ‹Lunchen› im Terrasse. Der Doktor ist mit 36 Lenzen eigentlich oberhalb meiner Altersgrenze, aber da ich noch kaum Gelegenheit hatte, mit der Kittelspezies zu üben, hab ich mir gedacht: Was soll’s.

Herr Doktor – ein Deutscher – würde gar nicht übel aussehen, hätte er nicht mindestens zehn Kilo Übergewicht unter dem rosa (Autsch!) Polo-Shirt von Hilfiger. Er doziert auch gleich, in der bekannten Selbstverständlichkeit über seine diätischen Massnahmen, da, als er realisiert habe, dass er eines Tages ausgesehen habe wie «eine fette Sau», die Notbremse gezogen habe.

Warum er dann grad die feiste Pasta bestellt, ist mir zwar unbegreiflich, erklärt aber das Wulstproblem.

Er berichtet weiter von seinen diversen, wichtigen (internationalen!) Projekten ohne die Dreh- und Schaufelbewegungen der Gabel zu unterbrechen. Ich beobachte mehr die Bewegung seiner malmenden Lippen denn auf Inhaltliches zu lauschen. Seine Attitüde bezeugt Befehlsgewohntheit, er hat sich förmlich in den Sessel reingfläzt, die Arme über die Lederlehne ausgebreitet, die Beine fussballerstyle gespreizt, die Eier ‹at gunpoint›.

Wir trinken irgend einen Chardonnay. Er langt kräftig zu. Ich hoffe, er muss kein Skalpell mehr führen. Nach dem Kaffee ruft der Blackberry. Ich bin nicht unglücklich darüber und leere in Ruhe die Flasche.

Später hab ich eine Einladung zum Dinner im Postfach. Am Samstag in einem Monat (er reist morgen kongresswärts nach San Francisco), bei ihm zu Hause, «vernachlässigbar wenige Minuten ausserhalb der Stadt mit Sicht auf den schönen Greifensee». Aber ja doch, Herr Doktor.

* * * * * * * *

Er holt mich mit einem SUV der günstigeren Sorte vom Bahnhof ab, kommerzieller House in den Boxen. Wir fahren. «Scheisse, Dani, was machst Du hier in diesem Auto mit diesem Typen?», frage ich mich, zu spät.

Das Haus ist grauenvoll und grauenhaft. Seit einem Jahr geschieden ist die halbe Hauseinrichtung wohl Überbleibsel seiner Frau, der ganze Rest ist so teuer wie geschmacklos. Ich kompensiere mit grosszügigen Schlucken eines ausnahmsweise sehr guten, zu seinem Hemd passenden Rosé, zu dem es Melonenbällchen mit spanischen Rohschinken vom Traiteur gibt.

Das Gespräch plätschert dahin, ich frage viel, um wenig sagen zu müssen und er antwortet noch so bereitwillig und ausführlich.

Ich hab gleich (Ja!, das Haus war mit ausschlaggebend) entschieden, mich von dem Typen nicht auf den Rücken legen zu lassen, auch wenn er offenbar einiges abgenommen hat in den letzten vier Wochen) und werde vorsichtiger mit dem Alkohol, um die Herrschaft über meine geistigen Kräfte nicht zu unterminieren.

Er säuft dafür wie ein Loch, noch vor dem Hauptgang ist die dritte Flasche offen. Es gibt (der Mann, seit zwei Monaten auf ‹eBalance›, weiss ALLES über Kalorienbilanzen – und dann hat man ja auch noch einen Arzttitel) Rindsfilet aus Argentinien («da ist null Fett dran») und ebenfalls grilliertes Gemüse («davon nimmst Du kein Gramm zu!»)

Es dunkelt langsam ein, wird aber deswegen nicht gemütlicher. Die Kühle wird mit einem dieser schrecklichen Gaspilze bekämpft. Gerade als ich langsam tiefer in die Kissen rutsche, sagt er, mit leicht glasigem Blick, so nebenher: «Du hast bestimmt zwei Liebhaber», was nur teilweise zutrifft, denn Jonas darf ruhig mitgezählt werden, so weit ist dieses Genf schliesslich auch nicht ab vom Schuss.

«Sind wir endlich beim Thema, hast dir aber ganz schön Zeit gelassen», denke ich und behalte meine Geheimnisse für mich, um ihn nicht zusätzlich anzustacheln, bin ich doch mit meiner eigenen Wankelmütigkeit nur zu gut vertraut.

Er ist zu betrunken, um sich nicht vom Thema abbringen zu lassen und seine Exfrau («sie hat wohl dieses schöne Haus für Euch ausgesucht?») ist ein dankbarer Lustkiller. Es ist spät.

«Du kannst gut hier übernachten, Platz ist ja genug.»
Allerdings. Etwa fünf Zimmer zuviel.

«Kannst gern mein Bett haben, ich kann auch unten auf der Couch schlafen.»
Allerdings. Das glaub ich sofort.

«Nö Du, geht nicht, ich hab morgen ein strenges Programm, kannst Du mir bitte ein Taxi bestellen?»

Er ist zu gut erzogen, um nicht souverän zu reagieren, wenn wütende Enttäuschung im Kerzenlicht in seinen Augen reflektiert. Ein edles Rindsfilet – für Nix und Wiedernix.

Die nächsten Tage ignoriere ich seine SMS und Mails.
Dafür stehe ich am Donnerstagnachmittag um vier Uhr vor seiner Tür Bürotür.

Das mit dem weissen Kittel musste ich einfach noch in meine Biografie rein…pappen.

Teilnackte Frauen.

27. August 2009 von Dani S. Tonet

Blog 49, 27 August 2009

Die Hitzetage habe ich zu knapp hundert Prozent in den Zürcher Badeanstalten verbracht. Zwischen Eiskaffees, Fusssohlennässen (Schwimm- und schwimmähnliche Motorik kann ich nicht ab), Frühabendbierchen und Raketenglacés hab ich irgendwann davon abgelassen, Männer zu beobachten, sondern nur noch den Frauen nachgeschaut.

Von denen gibt’s gehäuft in den jeweiligen Séparées der Badis Enge, Uto und – hardcorestyle – Frauenbadi.

Das Uto ist grossartig geeignet für Lattenprostitution. Am Dienstagnachmittag nach Sommerferienende sind hier alle (Wirtschaftskrisenopfer?) um Mitte zwanzig, gehen samstagabends (in High Heels) ans Rundfunk, tragen B-Coups und sind dünn, obwohl sie sich von Zweifelchips und Kamblyguezli ernähren.

Unten, wo die Alten eingesessen hocken, sieht‘s etwas anders aus. Das Ganze scheint sich in zwei Lager zu teilen. Die Seniorinnen sind raschen an Wasser und Latrinen, die Jungschar näher an der Sonne. Weil die topless-Quote unter 30% liegt, zieht es mich ans Stadthausquai.

Am Donnerstagmittag ist’s auch hier noch immer pumpenvoll; wer kreuz und quer auf den Dielen liegt, leidet unter fremden Wasser-, Schweiss- und Sonnencremespritzern

Etwa acht Meter vor mir hat sich die magere Mittvierzigerin ‹Hare Hare› ein Plätzchen ergattert. Ovale Brille mit selbsttönenden Gläsern, kurze, braune Locken unter einer Art weisser Derwisch-Kappe, auf der linken Wange ein kleiner-Finger-grosses hellbraunes Muttermal. Sie zieht das Oberteil über, zurrt es fest und gleitet, einer hungrigen Würgeschlange in einem Leopardenbikini gleich, ins Wasser.

Ängstliche Heteras kolportieren, dass es in der Frauenbadi vor lüsternen Lesben wimmle. ‹Hare Hare› muss eine von ihnen sein. Der limmatabwärts treibende Turban hebt und senkt sich leicht. Als sie unten wieder aussteigt, ist sie ausserhalb meiner Sichtschärfe zum Cellulitebeulenzählen.

Dafür paddelt mir das kugelrunde Gesicht des ‹Bombay Babe› entgegen. Es zieht die langen, schwarzen Haare ab Halsmittel nass hinter sich her. Es erklimmt die Metalltritte. Wow. Ein Traumbusen, eine Grundfläche wie ein Dessertteller und maximal kugelrund! Männern gefällt das wohl weniger. Ich aber würd mich am liebsten kopfüber drauf und drein stürzen. Als dann aber ein Ranzen wie ein verboxtes Daunenkissen mit ihr aus dem Wasser geboren wird, ist’s denn auch vorbei mit dem Greifreiz.

‹Frä Rottenmeier› trägt heute eine kurze, dunkle Bubenfrisur, made by Gidor Haut Coiffure. Sie versteckt sich so gut wie möglich in einem schwarzen Einteiler mit einer Art Regenbogenforellenmuster. Ihr faltiger Hals lässt mich ungern darüber nachdenken, wie es unten dran weiter gehen mag. Schnell weggeguckt zu den ‹3 Bibis›, ungeschminkt, knapp im Teenie-Alter, die sich auf der Treppe aneinanderdrängen. Keimende Brüstchen, Hauche von Nichts hinter weiss-rot gepunkteten Bikinioberteilen und unbewachsene Schambereiche unter passenden Mini-Höschen. Gesprächsthema sind die Ferien in Finnland, wo die 17-jährige Cousine offenbar nachts «Hihi, auf dem Hotelgang in Unterhosen [Zwischenrufe, grösste Aufregung] Ja, echt, rumgetanzt ist.» Das sind noch Skandale. Das Wasser ist 26° heiss. Die ‹3 Bibis› spielen Schere-Stein-Papier drum, wer zuerst rein muss, Stufe für Stufe.

Neid. Ich will zurück in diese heile Welt, wo ist die VIP-List?

Koffein. Auf dem Weg zur Toilette passiere ich ‹Burka Jadoch!›, zu zweit an der Zahl. Das Haupt in eine Art schwarzen Haarsack verpackt, sitzen sie auf den obersten Treppenstufen des Kinderbeckens und tätscheln die Hintern der Babies auf ihren Knien. Die Kinderwägen sind praktischerweise gleich am Beckenrand parkiert, damit

a) niemand sonst Platz hat und

b) alles schön in Sicherheit ist,

man weiss ja nie.

Kriegsgebiet ganz ohne Bademodenprobleme; man trägt ganz einfach langes T-Shirt.

Die ‹Kultur-Lesbe› hat sich direkt neben ‹Hare Hare› reingequetscht, Hornbrille, blonder Pferdeschwanz, Enddreissigerin, riesiger Vorbau in einem schwarzen Bikini parkiert. ‹Hare Hare› starrt genauso fasziniert wie ich. Sie hat dünne, weisse Beine, aber einen grossen, kugligen, unschwangeren Dickbauch. Verraten haben sie die hellgrünen Rändchen am Bikini.

Dann ein weiterer Lichtblick. ‹Bambi›, zarte zwanzig, Gazellenkörper, kleine Brüste mit hellen, passend kleinen Brustwarzen, umrahmt von einem Bikiniabdruck. Die langen, dunklen Locken sind hochgesteckt, runde Wimpern als Blickfang im zierlichen Gesicht. Mindestens zwanzig Augenpaare beobachten, wie ihr Wahnsinnskörper sanft unter den Wassermassen verschwindet und wie sie dann mit kräftigen Zügen das Becken durchquert, immer und immer wieder, ohne einen roten Kopf zu kriegen.

Um mich von diesem Anblick zu erholen, rolle auf den Rücken und lege mir das Shirt über den Kopf. Die Konversation von Mutter und Tochter schräg gegenüber (für Mama und mich ist sonnenklar, dass die Kleine den Waschlappen rausschmeissen muss) wird immer unspannender. Sachte döse ich weg.

Eine Stunde später hat sich das Bild massiv verändert.

Wohin ich auch blicke: fette Hintern, wulstige Bäuche, Schenkel voller Beulen, schmale, furchige Lippen, übergebräunte Haut, magersüchtige Oberarme und hohle Brustkästen, welke Busen oder überquellende, weisse Prallballone ohne Form und Halt.

Mir wird irgendwie … kotzig.

So ist das: dann ist der Mensch ein Mensch. Face it. Das sind sie. ‹Die Zürcherinnen›.

Das sind wir. Das ist die unge-DOVE-te Realität, das ist das Leben ohne Photoshop.

Ich schiebe mir die neuen Ray-Bans näher an die Augen, packe meine Siebensachen und bin weg.

Denn Spannern die quasi-zufällig am Geländer ausserhalb rumhängen zische ich verächtlich zu, bevor ich sie, wie immer, mit meinem Handy fotografiere.

Welcher denn nun?

20. August 2009 von Dani S. Tonet

Blog 48, 20. August 2009

Nach dem 250-Gramm-Beefburger mit Country Fries und viel Weisswein piepiept in den ersten zehn Kinominuten das Handy, das ich (natürlich) vergessen habe, zum Stummen zu bringen.

Nate. Nate ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, mit dem ich was hatte, bis er vor zwei Jahren (s)eine blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte akquiriert hat, die bis heute seine ungeteilte Aufmerksamkeit fordert. Nate mit den Sternentattoos in den Leisten. Nate, in den ich am Streetparadeweekend reingetanzt bin und der mich, als seine blonde, langhaarige, langbeinige, um zwei Jahre gealterte Schnitte grad auf der Toilette weilte, gefragt hat, ob wir mal wieder vögeln wollen. Klar, hab ich gesagt.

Vor allem, weil die blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte zwar um zwei Jahre gealtert aber immer noch fünf Jahre jünger ist als ich.

In den ersten zehn Kinominuten piepiept also Nate und fragt, was ich am Donnerstag um 2200 vorhabe.

Dann der Film.

Fünf Frauen und vier Männer. (Heisst: eine geht leer aus.) Die Struktur ist simpel:

Frau_01 ist total erfolglos und pendelt zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Mann_01 (eigentlich ein Freund von Mann_03, der Frau_01 gedatet hat, aber nichts von ihr wollte) wird zum persönlichen Beziehungsberater von Frau_01.

Und verliebt sich Ende (natürlich!) in sie – und sie sich in ihn. Ende gut, alles gut

Frau_02 und Mann_02 sind seit sieben Jahren fast ganz glücklich verheiratet. Frau_02 will unbedingt heiraten. Mann_02 ist – obwohl er Frau_02 abgöttisch liebt – grundsätzlich gegen die Ehe. Sie trennen sich. Durch widrigste Umstände finden sie wieder zusammen.

Als Frau_02 schliesslich einwilligt, auf die Ehe zu verzichten, macht Mann_02 (natürlich!) gleich einen Antrag. Ende gut, alles gut.

Mann_03 steht total auf die Yogalehrerin Frau_03. Frau_03 hat sich aber in Mann_04 verknallt, der mit Frau_04 fast ganz glücklich verheiratet ist (Frau_04 hat auf Heirat bestanden!).

Frau_03 und Mann_04 haben eine heisse Affäre. Sie fliegen auf und Frau_04 verlässt Mann_04.

Am Ende sind Mann_04 und Frau_04 alleine. Frau_03, eh eine Schlampe ist, reist nach Indien. Ende gut, alles gut. [Und merke: Frauen, besteht nicht auf Heirat!]

Mann_03 und Frau_05 (eine Freundin von Frau_03) verlieben relativ unspektakulär ineinander. Ende gut, alles gut.

In den letzten zehn Minuten piepiept mein Handy.

Andy. Andy ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, ohne blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte. Und ohne Sternentattoos in den Leisten.

Andy fragt, was ich am Donnerstagabend vorhabe.

Während ich die Schnitte und den Sternenhimmel gegen andere Qualitäten abwäge, ist vorn an der Leinwand Ende gut, alles aufgestanden und weg.

Selma wischt sich neben mir den letzten Rest Tränen aus den Augen und sagt, während wir die Treppe runter stolpern, sie wolle auch mal wieder so richtig frisch verliebt sein und alles.

Zwei Zigaretten später hat sie es sich anders überlegt und freut sich, dass sie heim kann zu ihrem Macker. Wo sie laut unter der Bettdecke furzen darf.

Ende gut, alles gut.

Alles unter Kontrolle.

13. August 2009 von Dani S. Tonet

Blog 47, 13. August 2009

Saskia ist 168 Zentimeter gross und bringt knappe 50 Kilogramm Muskel und Knochen auf die Waagschale. Hals über Kopf hat sich Rudy in die adrette Brünette mit dem kinnlangen Bob, den zierlichen Hüften und dem waschbrettflachen Bauch verguckt. Mit seinen musikalischen Talenten (und der zugehörigen CD-Collection), etwas westamerikanischem Charme und dem darin wohnhaft scheinenden Weltmannstum sowie seinen beruflichen Erfolgsgeschichten gelingt es ihm, ihr Herz nach einigen Werbewochen zu erobern. Saskia gefällt an Rudy – wenn er auch alles andere als ein Hingucker ist – zudem, dass er, im Unterschied zu den anderen Männern, die sie kennen gelernt hat in den letzten Monaten und Jahren, sehr kinderaffin ist. Sein Drängeln diesbezüglich schiebt sie jeweils sanft, aber bestimmt zurück, will sie ja auch, aber halt nicht grad. Die nächsten drei Lebensjahre sind dem bevorstehenden Executive MBA und den entsprechenden Karrierefrüchten vorbehalten.

Ihren unregelmässigen Zyklus ist sich Saskia seit langem gewohnt und sie ist auch nicht traurig, wenn sie wochenlang nicht menstruieren muss, im Gegenteil: Je weniger Tampon desto Lebendqualität. Umso bestürzter  ist sie drum, als ihr der Frauenarzt bei der Jahresroutineüberholung mit einem süssen Lächeln mitteilt, dass sie schwanger sei.

Schwanger? Jetzt? Sie? Unmöglich. Sie verhüte zwar mit Gummi, aber da sei nichts kaputt gegangen, könne gar nicht, allermeistens sei sie es nämlich selbst, die Rudys eingeknotete Flüssigkeit im Abfall entsorge, weil er dazu neige, das neben dem Bett oder Sofa hingelegte Depot zu ‹vergessen›. Man müsse umgehend einen zweiten Test machen.

Dr. Blanchard ist leicht erstaunt ob dieser Reaktion, vermeldet aber, dass der Zustand garantiert sei und zudem bereits in die siebzehnte Woche fortgeschritten ist. Er könne gern zum Beweis das Ultraschallgerät einführen.

«Und wieso merk ich davon nichts?»

Saskia ist kreidebleich. Auch die Übelkeit ist jetzt da.

Dr. Blanchard erklärt, wenn auch einiges gewöhnt, mittlerweile doch leicht alarmiert, dass dies, bei ihrem tiefen BMI, wohl möglich sei, der Bauch wölbe sich unterschiedlich rasch, ob sie aber kein Spannen in den Brüsten gespürt habe?

Jetzt wo er’s sagt ist’s klar; aber bis vor drei Minuten hat Saskia ihre Überempfindlichkeit auf den (über)fälligen Zyklus geführt.

«Ich will aber kein Kind! … Oder wenigstens nicht jetzt!»

«Sie können nicht mehr abtreiben, Frau P. Der Fötus ist schon zu gross. »

«Ist Ihnen der Vater des Kindes bekannt??»
«Natürlich! Mein Partner. Rudy.»

«Dann würde ich vorschlagen, dass Sie sich darauf einstellen, Eltern zu werden, Frau P. Alles Gute!»

Saskia könnte kotzen.
Auskotzen, das Ding, das sich, wieauchimmer, an einem Durexgummi vorbeigemogelt hat! Schluchzend ruft sie Rudy an, der sofort alles stehen und liegen lässt, sich auf sein weisses Velo schwingt, zu ihr rast und sie tröstet.

Nach ein paar Wochen hat sich Saskia an den Gedanken gewöhnen müssen, bald mit Rudy eine Familie zu sein. Sie weiss, dass sie den Heiratsantrag, der am Wochenende bevorsteht, annehmen wird. Für den Abschluss des MBA wird es allerdings nicht mehr reichen.

Ein paar Monate später ist Rob Louis dann da. Die Geburt war ein dreissigstündiger Horror, aber wie es so geht, das erste zahnlose verziehen der Mundwinkel und die unfokussierten blauen Kulleräuglein  – und alles ist vergessen.

Beim Gedanken an die Karriere, die nun lange wird ruhen müssen, lässt Frau T, wie sie seit acht Wochen heisst, den Blick über Mann, Kind und Ring schweifen und schläft dann – der Bauch wieder flach wie vor neun Monaten – auf dem frisch bezogenen Kissen ein.

Nach ein paar Wochen hat sie völlig adaptiert.

Rudy kümmert sich liebevoll um klein Rob, ein Herz und eine Seele sind die beiden, fast schon bräuchte es Saskia nicht, Rob scheint Rudy genug zu sein. Das denkt Saskia ab und zu, wenn ihr Herz und Hirn ganz nüchtern sind.

Dann findet sie ihren Mann auch beinahe hässlich, wenn sie ihn so schräg von hinten betrachtet.

«Schatz, ich muss Dir etwas beichten.»

Rudy eröffnet die kleine Feier zum ersten Hochzeitstag. Rob, glücklicherweise ein ruhiges Kind, schlummert friedlich in seiner Wiege.

Er habe damals, als sie so niedlich angeheitert von der Party mit ihre Freundinnen heimgekommen sei und sie Sex gehabt hätten, ‹zwischendurch den Gummi ausgezogen›.

«Du hast WAS?»

Sie wisse ja, wie er die Dinger gehasst habe, weil er einfach nichts spüre beim Vögeln, wenn ‹er› so eingepfercht sei.

«Du hast WAS?»

Und er habe ja eh unbedingt Kinder wollen. Das habe er immer gesagt. Und sie sehe ja, dass er ein exzellenter Vater sei. Nicht? Zudem liebe er sie über alle Massen. Schatz.

«Du hast WAS?»

Rudy ist erstaunt, dass der Schuss so nach hinten losgeht, sie ist doch glücklich, seine Saskia! Das sieht er ja. Und alles hat sie, alles!

Fünf Monate später sieht Rudy nur noch wenig von Rob. Saskia hat gedroht, ihn öffentlich anzuprangern, wenn die Scheidung nicht innert Wochen durch sei.

Das ‹unsichere› Vergnügen hat nun seinen Preis. Genau 9600.-

Pro Monat.

Threesome.

6. August 2009 von Dani S. Tonet

Blog 46, 6. August 2009

Neben mir liest eine etwa fünfzigjährige, attraktive Blondine mit Power-Yogafigur ein gelbes Buch mit dem Titel «Warum Männer mauern – Wie Sie Ihren passiv-aggressiven Mann besser verstehen und mit ihm glücklich werden».

Ob es genusmaskulin auffällt, dass die meisten Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig irgendwann ihren Geburtstag unter dem Prädikat ‹women only› zelebrieren?

Die, die auch in den Folgejahren weiter als unhappy single vegetieren, ziehen diesen netten Brauch vorzugsweise unlimitiert weiter. Denn «so unter Frauen ist es ja ohnehin viiiel gemütlicher!»

Liebstens trifft man sich zum Abfeiern des Alterns an einem Samstag- oder Sonntagmorgen zum Cüpli-Brunch im Toto oder im Blunt; schliesslich soll niemand auf die Idee kommen, es handle sich bei der netten Gruppierung um einen Polterabend.

Ist das weibliche Réduit in den Schutz eigene Herde Not oder Tugend?

Der Vorteil ist, dass die singuläre Singelin in der Menge nicht auffällt – jede könnte betroffen sein. Und man kann sich optimal damit entschuldigen, dass es ohnehin schwierig und viiiel zu komplex gewesen wäre, unter den laufenden Affären denjenigen herauszuschälen, der das Privileg verdient hätte, mit am Tisch zu sitzen.

Der Nachteil liegt ebenso auf der Hand: Parties aller Art sind ideale Kennenlernereien – umso mehr, wenn die potentiellen Kandidaten sogar im Umfeld der eigenen Freunde rumschwimmen. Das minimiert das Risiko, sich mit einen Psychopathen einzulassen.

Und ist es nicht so dass auch das ‹getrennte Schlafzimmer› – während unseren Jugendjahren der sicherste Vorbote der Elternscheidung – je länger (oder je älter) desto Usance wird?

Ist das geteilte Singleleben der Preis der Individualisierung?

Dazu kommt, dass die postmoderne, finanziell unabhängige Frau im Restaurant paritätisch teilt sich dafür in der Partnerwahl viel selektiver ist (auch wenn die Spezies ‹Dieselnutte› deswegen noch nicht ausgestorben ist.)

Ist Segregation die Endlösung?

Wer das Glück hat, sein dreissigstes Lebensjahr erreicht zu haben, ist mit Sicherheit beziehungsgeschädigt und / oder nach zwei bis zwanzig Pleiten, Pech & Pannen desillusioniert (die Geschichte vom Märliprinzen erzähle ich ein anderes Mal), heldenhaft vernarbt und tüchtig traumatisiert.

Zwischensubsumma:

  • Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt.
  • Die Kehrmedaille der Emanzipierung ist das Multioptionsprinzip.
  • Frauenkörper wollen Kinder gebären.
  • Männerkörper wollen Frauenkörper schwängern.
  • Sex ausserhalb der Ehe oder (Langzeit-)Beziehung ist meistens viel besser (und immer abwechslungsreicher!)
  • (ewige) Treue ist eine Illusion.
  • Will jemand lernen müssen, mit einem Passivaggressiven leben zu können?
  • Man stirbt allein. Für alles andere gibt’s Freunde.
  • Das tönt alles ziemlich beschissen.

Good News: Katharsis ist in Reichweite!

Mein aktuelles Lieblingsmodell lebt meine entfernten Cousine aus Westnordeutschland. Cousine Sinikka ist 33, single und tiefschwanger.

Und verheiratet. Mit Tim, einem Glanzstück der Gattung ‹hammerhammer›.

Sinikka und Tim bewohnen ein frisch gekauftes 190 m2-Häuschen. Das Babyzimmer ist fertig eingerichtet, obwohl’s noch vier Monate ist bis Showdown.

Tim hat ein eigenes Schlafzimmer.

Vor der Beamerwand steht ein Monstersofa. Das Gemöbels ist so gross, dass auch die rundliche Sofia locker Platz hat, meistens inmitten von Sinikka und Tim. Sofia und Sinikka haben selten Sex, ein paar Mal im Jahr, wenn sie grad Lust haben.

Mit Tim hat keine der beiden Sex.

Tim ist stockschwul, also die Idealgeburt eines Vaters.
Wenn die Familie der Zukunft aus zwei coolen, schwach bisexuelle Müttern und einem wahnsinnig gutaussehenden Homodaddy (der als Designer ein Vermögen verdient und seit er zehn Jahre alt ist unbedingt Nachwuchs möchte) besteht, sage sogar ich: JA ICH WILL!

Sofia ist unfruchtbar, deshalb hat Sinikka ihre Gebärmutter geopfert. Gleich nach der Geburt wird sie ihren ‹Love Channel› operativ wiederverengen und auf den Bürostuhl zurückkehren, damit Sofie, die Herzensmama, schön daheim bleiben und das Goof aufziehen kann.

Der Rest vom Sexhunger – inklusive der von Tim – wird ausnahmslos auswärts gestillt.

Der perfekte Deal.

books. water. drugs. sleep.

29. Juli 2009 von Dani S. Tonet

Le Blog macht grad Sommerpause. Kommt bald zurück.

Sie ist es.

16. Juli 2009 von Dani S. Tonet

Blog 45, 16. Juli 2009

Die zweite (oder dritte?) grosse Liebe meines Lebens ist mit – nicht gerade süssen, sondern vielmehr schwermetallenen, langblonden, kiffenden – sechzehn Jahren drei Wochen lang an Pfeifferschem Drüsenfieber, auch bekannt unter dem Namen ‹Kusskrankheit›, darniedergelegen.

Den Geruch, den Chris danach, in den zwei Wochen vor unserer Trennung, ausgeschwitzt hat, kann ich noch immer jederzeit im Zerebralspeicher abrufen; einen ranzig-bitteren Mix aus Chemie und verseuchtem Hämoglobin. (Der Gestank war aber weniger Schlussmachgrund als Chris‘ bester Freund Andreas).

Vor kurzem hat mein Kamerad Laurent seine etwa siebzehnte Beziehung beendet. Ein Jahr beinahe hat er’s immerhin durchgehalten mit der Dame. Trotz Ermüdungserscheinungen habe ich mich dazu durchgerungen, nachzufragen, weshalb es denn auch diesmal wieder nicht hat sein sollen.

Et voilà, das Geschichtchen.

«Weisst Du, letztlich war sie nicht die Frau meines Lebens.»

«Offenbar.»

«Da ist es besser, man geht.»

«Besser. Definitiv.»

«…Dani?»

«Lori?»

«Ich hab die Frau meines Lebens gefunden.»

«Ach, was!»

[Dem spinnt’s total, hab ich gedacht. Typischer Frischalleinfühlschmerz.]

«Du wirst es nicht glauben.»

«Klingt, als will ich’s nicht mal hören.»

«Es ist Zdenka.»

«Stinka-Zdenka?»

«Dani, bitte!»

«Sorry.»

«…DIE Zdenka?»

«Yep.»

Da hab ich ihm das Telefon aufgelegt.

Nase so voll wie nach einem G.

Scheisse, aber echt.

Zdenka. Zdenka mit Schuhgrösse 35 und Kleidergrösse 34.

Natürlich hab ich eine halbe Stunde später wieder angerufen.

Dafür sind wir Freunde ja da.

Zdenka die Tschechen-Zora.

Z d e n k a. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Zdenka. Loris Exex. Aber nicht nur. Auch Loris Exexexex.

Heisst: Freundin Nummer dreizehn: Schluss. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber.

Und jetzt: zurück zu Zdenka.

Zurück zu Zdenka, die’s nicht goutiert hat, dass Lori mal kurz («In einem Anfall kompletter geistiger Umnachtung») die Hand in Barbaras Höschen gesteckt hat.

«Laurent?»

«…Dani.»

«Bitte, bitte, bitte nicht. NICHT.»

«Ach, sie will mich eh nicht zurück. Das heisst, doch. Aber erst nach neun Bewährungsmonaten.»

«Nach neun Monaten Zölibat?»

«Ähm. Yep.»

«Ähä.»

«Ich werde es hinkriegen.»

«Ähä.»

«Nenn mir einen guten Grund. Nein, nenn mir zehn Gründe, gut können sie gar nicht sein.»

[Drei Stunden später, per Mail:]

«1. Ich denke nur noch an sie. Bei Tag und bei Nacht. Ich träume sogar von ihr.

2. Ich bin ständig total scharf auf sie, andere Frauen interessieren mich einen Dreck.

3. Ich finde sie immer noch… einfach GROSSARTIG.

4. Wir treffen uns wieder regelmässig und verstehen uns super.

5 . Ich kann nicht mehr schlafen.

6. Ich kann kaum mehr essen.

7. Sie zweimal zu verlassen waren die grössten Fehler meines Lebens.

8 . Niemand kennt mich besser als sie.

9 . Alles was mich jemals an ihr gestört habe, finde ich nun wunderbar.

10. Ich bin bereit, sie mit all ihren Fehlern und Schwächen zu akzeptieren.

11. Ich weiss und spüre es: SIE IST ES EINFACH.»

Der Gute hat einen an der Waffel. Aber dikke.

Zdenkamich hat ihm ins Rückenmark gebislet. Oder Becherovka gefixt.

Ich order ihm einen Exorzisten.

Allzu gut erinnere ich mich an die ersten beiden Runden mit dem Dummchen. Hin und weg war der Gute, primär ob ihrem hirnfreien Sex-appeal.

Hingehalten hat‘s jeweils für einen Monat. Maximal.

Und nun stilisiert er sie dirnix wieder zur grössten Liebe aller Zeiten?

Den Brunz, den er mir da zusammenlistet, erinnert mich an meine Prä-BRAVO-Zeiten, der Mann krankt offensichtlich an einem Hormondefekt. Hoffentlich temporär.

Jetzt will er eine Schwangerschaftsdauer lang auf sie warten, sie dann in seine starken Ärmchen schliessen, aufs weisse Pferd heben und mit ihr ins Schloss Jindřichův Hradec entreiten, wo sie die dritte Entjungferung feiern können?

«Lorimeinlieber. Muss ich lügen?»

«Schone mich! Ich leide genug an der Qual, die grosse Liebe, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben, aber nicht leben zu können! Nach der zweitgrössten Liebe suchen zu müssen, scheint mir – schlichtweg – unerträglich!»

Die Sache stinkt. Bis hinter den Himmel.

«Kauf Dir ein Blacksocks-Abo, Romeo. Und hol Dir einen Porno in der Videothek.»

My best friend’s wedding.

9. Juli 2009 von Dani S. Tonet

Blog 44, 9. Juli 2009

Mit den Exinnen und Exen, die wir in unserem Biografie-Package mitschleifen, ist das ja so eine Sache..

Während die einen schön säuberlich nachbearbeitet, etikettiert und archiviert sind, liegen andere wie Bomben im Magen, prall gefüllt mit Hass und Zorn aus tiefster Herzensmitte, bereits bei der Erwähnung des zugehörigen Namens funkt die Lunte, und verletzter Stolz und das ganze blutende Ego kommen zum Vorschein. Wieder andere tragen wir auch nach Jahren schon wie alte Pelzmäntel in den Kellerabteilen mit uns rum, oder haben sie als kleine oder grosse Rucksäcke und Bauchtäschchen stets mit dabei, wenn wir auch jemand anderen am Händchen halten.

Bei zwei von meinen kann ich mich ohne fotografische Zeitdokumente nicht mehr an die Augenfarbe erinnern. Und bei Martin studier’ ich seit Tagen am Namen seiner Schwester rum, die ich immerhin bei jeder Familienfestivität (und sie fanden leider in hoher Frequenz statt) zu Gesicht bekam. Auf einer Dämliche-Puten-Skala hat sie’s gut und gern auf eine 8.5 gebracht.

Natürlich hab ich auch Lieblings-Exen.

Und ich hab all die Exen und Exinnen meiner Freunde und Freundinnen. Von denen ist Ion mein liebster Freundesfreund-Ex. Ion hat meine Freundin Solonge während immerhin acht Monaten durchs Leben begleitet. Die beiden waren extrem glücklich. Seit einem kurzen Zwischenglück mit einem Pascal ist Solonge jetzt wieder alleine glücklich.

Meine Favoriten-Freundesfreund-Exin ist Anna. Weil Ralph aber zu meinen wirklich dicken Lieblingsfreunden gehört und sich die beiden (weil Ralph die Sache verbockt hat), so richtig verfeindet haben, leben Anna und ich eine Form der telekinetischen Fernliebe.

Ralph und Anna waren ein perfektes Paar. Sie Frau Dr. Kunsthistorikerin mit einer eigenen Galerie (ja, Papa hat Geld, aber trotzdem) auf dem Direktweg zur Art Basel, er Leiter eines Heims für ziemlich schwer erziehbare Jugendliche. Ihre (ehemalige) gemeinsame Wohnung: Viereinhalb Viermeterdecken-Jugendstilzimmer an der Tödistrasse mit original ungewachsten Fischgratböden, Bulthaup-Kochinsel, Füsschen-Badewanne mit Regenbrause etc. Ach ja: Plus eigene 20qm-Terrasse mit Glühbirnenbeleuchtung, chilenischer Hängematte und einem dieser Dampflok-Weltmeister-Grilldinger. Alles äusserst adrett mit Original-Designermöbeln dekoriert. Selbstredend war Anna für die Wandornamente zuständig. Nicht genug, sehen Anna und Ralph beide blendend aus, sind kerngesund, supersportlich und überhaupt. Im Kühlschrank stets nur Comestible-Gemüse, Fleisch vom Biobauern, Alpkäse vom Markt und Sündenpfühlchen von Teuscher. Und – nein, es gab da wirklich keinen Makel – sie hatten natürlich auch ein grossartiges Sexleben. Das haben mir beide getrennt befragt ständig und gerne bestätigt. Alle haben sie beneidet.

Dass es trotzdem nicht geklappt hat, ist eine ganz andere und dumme Geschichte, die ich hier und heute aber nicht erzählen will.

Als Anna, nachdem Ralph die Sache verbockt hat, über Nacht aus dem gemeinsamen Reich ausgezogen ist und innert Wochenfrist ihre Bilder abgeholt und den ganzen während fünf Jahren zusammen angesammelten Hausrat bis auf das wenige, was beide in den eheähnlichen Zustand eingebracht haben, an ein Brockenhaus verschenkt hat (sie war wirklich sehr enttäuscht), lebte Ralph noch rund sechs Wochen im ausgehöhlten Walbauch.Immerhin kamen die grossen Fenster besser zur Geltung.

Ralph war am Boden zerstört. Und da lag er auch meistens, wenn ich mit Zigaretten, Schnaps und einem halben Kilo Rind bei ihm reinschneite.

«Du musst hier raus.»

«Ich weiss.»

«Dann mach.»

«Und wenn sie doch zurück kommt?»

«Vergiss es.»

Ich hab ihn dann in einer Wohnung an der Zentralstrasse mit zwei niedlichen Zimmerchen und einem gemütlichen Balkon einquartiert.

Wie Männer so sind, hat sich Ralph denn auch rasch wieder gefangen. Nach zweieinhalb Leidensmonaten fing er an, wieder auszugehen. Und wenn gut aussehende Männer, die dazu noch in sozialen Berufen aktiv sind (in leitender Position womöglich), ausgehen, finden das die Weiblein ziemlich attraktiv.

Immer öfter, wenn ich einen Kontrollbesuch machen wollte, standen Dornröschenpeeptoes, Sandaletten oder Stiefeletten in den Grössen 36 bis 39 ordentlich neben seinen Turnschuhen vor der Tür. Ich war beruhigt.

Nach fünf Monaten hatte er sich in seinem neuen Leben eingerichtet.

«Heut hab ich mir endlich Tisch und Stühle gekauft. Nico hat seinen alten gerade abgeholt.»

«Grossartig!»

«Kommst Du übermorgen zum Trinken?»

Ich war länger nicht mehr bei ihm gewesen.

«Hübsch.»

«Danke!»

Das war eiskalt gelogen.

Ein schwarzer Holztisch und Thonet-Imitate von Interio. Ein dunkelgrünes Ecksofa von Möbel Pfister. Zwei schwarze Regale, ein heller Teppich und ein Bild von Ikea. Ein Ficus Benjamini in einem blauen Topf. Eine bemalte Truhe vom Brockenhaus und – ein kleiner Lichtblick – eine 60er-Jahre-Minibar von Hektor-Living.

Das war also Ralph. Ohne Anna.

Im Kühlschrank halbverfaulter Rucola-Salat und drei vertrocknete Limes, drei Bierdosen und Fertig-Tomatensauce. Von Aldi.

Die gab’s dann auch zum Abendessen. Mit Migros-Eierteigwaren, einem faden Salat und schrecklichem Besteck. Das Pferd war von der Quartiersmetzg. Wein erstklassig. Der Grappa erst recht.

Gutes Fleisch und guter Wein. Das ist Ralph.

Der Rest: verstaucht kann man nicht sagen. Geprellt um Geschmack, der gute Ralph.

Ralph ohne Anna. Ist das so? Sind wir, reduziert auf uns selbst, nur halb so gut?

Erschreckend. Aber drum heisst’s wohl so schön ‹die bessere Hälfte›.

Ach, hätte er’s doch bloss nicht verbockt.

Ob er das darf?

2. Juli 2009 von Dani S. Tonet

Blog 43, 2. Juli 2009

Simone hatte – der Ausdruck ist ja so charmant –‹a crush on him›.Bei ‹him› handelt es sich um Marco Mancuso, einen Demi-Parmigiano mit hellgrünen Augen und grossen braunen Locken, die sein schmal geschnittenes Gesicht im waxlosen Pflegefall optimal umrahmen. Wer an ihm Details bemängelt, will wohl seinen Geist, (der Mann übt den Arztberuf aus), seinen kräftigen Körperbau und die vollen Lippen preisen, aber das Fehlen von Witz, die allseits intensive Körperbehaarung und die etwas zu vernachlässigten Bisswerkzeuge bedauern.

Simone hat sich darob nur zeitweise stören mögen; meist war sie, wie bemerkt, durchwegs entzückt ob ihm, der sich zudem – auf so tschinggenuntypische Weise – scheu, ja fast schon verklemmt gab im gemeinsamen Umgang. Als sie ihn an einem wundersam warmen Frühlingstag nach einem leicht alkoholischen Getränk ‹auf dem Kies› auf dem leeren Helvetiaplatz umschlungen und geküsst hatte, schien er gar ein wenig erschrocken.

Simone befleissigte sich noch ein Momentchen und verbalisierte zu einem gegebenen Zeitpunkt die leisen Empfindungen, die sie zu verspüren glaubte. Monsignore Mancuso bedauerte sehr, diese im Moment zumindest nicht im geforderten Sinne erwidern zu können. So gab Simone das Werben auf und verhielt sich fortan kühler und unzugänglicher.

Dessen ungeachtet sah man sich weiterhin ab und an, wohl auch in Ermangelung von etwas anderem oder zumindest besserem. Auch das mit dem Schnäbeln liess Simone fortan tunlichst bleiben und Marco schien es nicht zu vermissen. So wendete Simone ihre Aufmerksamkeit zwischenzeitlich anderen Herren zu, worob Marco etwas in Vergessenheit geriet.

Nun wollte es das Schicksal, dass Simone und ihre Hausbewohnerin Sonja eine kleine Festivität im trauten Heime planten, zu der ebenfalls geladene Marco auch erschien.

Simone hatte sich in dieser Nacht um andere mehr zu kümmern und Marco schien etwas verloren in der grossen Runde. Sonja sah sich deshalb genötigt, sich der Verlegenheit des gutaussehenden jungen Mannes anzunehmen, indem sie ihn, wie es ihrer Art entspricht, gehörig anstachelte, um ihn zum Leben zu erwecken. Dies schien Marco zu gefallen, liess er sich doch gern herausfordern und versuchte, aus sich heraus ähnliche Sprachspiele zu generieren und Sonja zu weiteren ähnlichen Aktivitäten zu verführen.

Gleich am nächsten Morgen fügte Marco Sonja zu seinen Gesichtsbuchfreunden hinzu. Ein durchaus reger Mailverkehr nahm seinen Anfang. Marco entsprach Sonjas Vorstellungen eines potenziellen Bräutigams zwar nicht, mit anmutigen Briefchen bedacht und nach seinem Befinden befragt zu werden, war jedoch annehmlich.Weil Sonja darauf bald für ein ihr geeigneter scheinendes Wesen entflammte, dünnte der Verkehr zwischen den beiden stetig aus.

Darüber war Simone nicht traurig, empfand sie doch Marcos Scharren an den Toren ihrer Freundin leicht befremdlich, wenn es ihr auch fern lag, sich zwischen ein sich gegebenenfalls anbahnendes Glück zu zwängen.

Wenige Monate später hatte sich zwischen Marco und Simone ein neuen Faden gespannt. Da Simone sich aber der vorsichtigen Zurückweisung Marcos noch immer lebendig bewusst war, wusste sie selbst nicht, wie gross ihr Verlangen wirklich war, sich in seine Augen zu versenken und sie sagte sich, umso froher zu sein, einen Freund gefunden zu haben, mit dem sich angenehme Stunden verbringen liessen.

Marco verkehrt infolge seiner beruflichen Tätigkeit bei einer privaten Klinik an einem waldigen Hügel mit einem Klientel, das als recht gut situiert bezeichnet werden darf. Als er eines Mittwochabends zu einer kleinen Gartenfeier geladen wurde, fragte er Simone, ob sie ihn begleiten möge. Diese sagte sogleich zu, da ihr das Anwesen, in dem die Feierlichkeit stattfinden würde, von Namen her bekannt war.

Was niemand zum Vornhinein wusste: An diesem Abend würde Stella ebenfalls zugegen sein, eine enge Vertraute Simones. Was das ein freudiges Aufeinandertreffen der beiden jungen Damen! Marco und Stella waren sich an besagtem Fest bereits kurz begegnet und schienen deshalb ebenfalls bereits vertraut. Nur wenige Worte wechselten die beiden aber an diesem Abend, an dem sich Marco rührend um Simone kümmerte.

Wenige Tage später erfuhr Simone, dass Marco Stella am Morgen des Donnerstags bereits auf dem Gesichtsbuch aufgesucht und ihr eine Notiz geschrieben hatte. Da erinnerte sie sich auch, wie Marco sie, die zu diesem Zeitpunkt keinerlei Bedenken gehegt hatte, ganz unauffällig, als hätte er es bereits gewusst, aber wieder vergessen, nach Stellas Familiennamen gefragt hatte.

Stella fühlte aber ihrerseits kein vertieftes Interesse am jungen Ingenieurssohn, wenn ihr auch seine flattierenden Annäherungen insgesamt nicht ungelegen waren.

Simone aber wunderte sich ob Marco. Sonja und Stella waren so unterschiedlich wie die Tag- und Nachtgestirne! Wie konnte er sich, in Aufeinanderfolge zumindest, für beide begeistern? Anstatt damit sich selbst nur zu löchern, setzte sich Simone hin und fragte ihn dasselbe geradeheraus in einem getippten Zettel. Gleichzeitig fügte sie, wie es ihr sinnvoll erschien, an, dass ihr ‹hortus› wohl ein ‹locus amoenus› sei, sie diesen aber für ihn ‹conclusus› sehe, da sie sich weder als Schleuse sehe noch, zumal ungefragt, als solche zu betätigen gedenke.

Daraufhin versiegten die Worte zwischen Marco und Simone. Und zwischen Marco und Sonja. Und zwischen Marco und Stella.

End of the Story: Ein offenbar desperater, suchender, frauenscharfer, wahlloser, gut situierter, bestens aussehender Typ ist auf dem freien Markt verfügbar.
Bloss: wer will schon sowas?

Frauengespräche.

25. Juni 2009 von Dani S. Tonet

Blog 42, 25. Juni 2009

Noch vor der zweiten Flasche Wein, die Selma vom letzten Elternbesuch hat mitlaufen lassen, sind wir beim Thema. Es fängt harmlos an, indem ich die noch immer recht frisch verliebte Sara nach der geradigen Qualität ihres Sexlebens frage.

Erwartungsgemäss bestätigt sich: Pärchen verfügen zwar (durch die permanente Verfügbarkeit des Anderen) eine gewisse Regelmässigkeit in Bezug auf Frequenz, wir Singles vögeln dafür wenn, dann gleich richtig. Und: bei uns können sich glücklicherweise keine bemühenden Gewohnheiten einschleichen («Er macht immer…», «Sie macht immer…»); Experimentierfreude, Hemmungs- und eine gewisse Rücksichtslosigkeit bleiben brav erhalten. Dafür – ich gebe es zu – gibt’s für Singles ab und an auch Nullnummern, wenn man sich infolge Alkoholüberkonsums vergreift oder so viel kifft, dass die horizontale Lage automatisch traumlos macht.

Männer um die dreissig, stellen wir fest, sind zudem leider definitiv nicht mehr die potenten Hengstchen, die sie mit neunzehn noch waren. Bye-bye Libido. Da ist nicht nur schlecht.

Falles die Liebesglut aber weiter proportional abnehmen wird: ‹Guetnacht am Sächsi› – im wahrsten Sinne des Wortes. Alle sieben Tage entspricht am Ende doch nur der Periodizität des Niederurner Wochenblatts.

Angeregt durch viel kühlen Chardonnay aus dem Burgenland und die Vorzüge und Nachteile unserer fixen und temporären Gespielen sind wir uneinig über eine Beobachtung, die Selma neuerdings macht.

«Wir fragen uns gerade, wieso Du in letzter Zeit beim Sex manchmal [das ‹immer› fällt nach kurzer Erörterung wieder raus] Deinen Schwanz am Schaft festhältst»,

SMSen wir ihrem Langzeitlover Lars.

Während Sara vermutet, dass dies zur Vermeidung eines vorzeitigen Orgasmus diene, behaupte ich, dass er im Gegenteil einer zusätzlichen Stimulation bedürfe.

Lars ist folgsam. Drei Minuten später schnurrt das iPhone.

«Ich wusste gar nicht, dass ich das bei Dani auch mache.»

«Wie denn, mit Handschellen? Rück schon raus, wir kommen sonst nicht weiter mit unseren Analysen.»

Während Lars überlegt, wenden wir der offenbar individuellen Notwendigkeit von Gleitcrèmes zu.

«Kurze Erklärung: Empfindungsoptimierung: mehr reiben als rollen.»

Ausgelassene Diskussion. Was reiben, was rollen? Mit einer leeren Flasche und einer Serviette demonstriert Selma den Unterschied.

«Vorhaut-Rollen? Ist das der Beschneidungseffekt oder was?»

«Gut kombiniert, Mädels.»

Ich will es genau wissen und schnapp mir Selmas Mobile.

«Als Bremse oder zum Beschleunigen? PS: Achtung, Glatteis.»

Nun bleibt’s zehn Minuten ruhig. Vermutlich muss die portable Playstation grad herhalten. Als wir schon längst weiter sind, leuchtet das Display.

«Wann trägst Du mal wieder Strapse, Baby?»

«Träum ruhig weiter Schuckel.»

«Selma, so geht das nicht. Jetzt montierst Du die Dinger, gehst heim und kletterst auf den Typen drauf.»

«Aber ich hab gar nicht so Zeugs.»

«Nichts? Nada? Niente?»

«Ein Cockring sollte noch irgendwo rumliegen. Wenn er nicht schon längt im Abfall gelandet ist.»

Nun, dieses Problem lässt sich ziemlich leicht lösen. Ich hole meine Special-Box aus dem Schrank und wir kramen die richtigen Utensilien für Selma raus. Eine entzückende Modeschau! Den ausgeleierten schwarzen Slip entsorge ich im Badezimmereimer. Eine gute Stunde später ist sie ready to rumble.

«Hab Spass, Kleines.»,

Sara und ich winken der blonden Hochsteckfrisur hinterher und leeren, was noch offen rumsteht.

Fünfundzwanzig Minuten später singt mein Nokia.

«Fuck. Lars schläft schon. Hörbar tief.»

«Na und? Dann weck ihn gefälligst auf!»

Sieben Minuten später.

«Nein Danke. Nicht mit den Blähungen.»

Look who’s talking

19. Juni 2009 von Dani S. Tonet

Blog 41, 18. Juni 2009

Heute hatte ich das Privileg, im Tram (ich verabscheue diese weissblauen Massentransportmittel) ein epochales Gespräch mitzuhören. In den Sitzreihen vor mir drei Frauen, Mitte bis Ende dreissig. Schräg gegenüber auf dem Einzelsitz Nummer eins, dunkler Kurzhaarschnitt, die Schenkel wie ein Diego Benaglio beim Wimpernzupfen gespreizt, damit der tief hängende Bauch (siebter Monat?) genüsslich dazwischen darniedersinken kann. Von Nummer zwei und drei sehe ich nur Hinterköpfe und Hälse. Man befindet sich allesamt im gleichen ‚Zustand’. Die fruchtbare Trinitas kommt nämlich grad vom Geburtsvorbereitungskurs für künstlich befruchtete ü30erinnen.

Nummer eins (schlank, ecrufarbenes V-Neck-Shirt, schwarze Birkenstock-Sandalen, unlackierte Zehennägel) erzählt gerade genüsslich, dass sie noch immer reinhauen kann, ohne ein Gramm zuzulegen (kein Wunder, Alkoholabstinenz ist die beste Diät).
Nummer zwei (orange gefärbte, schulterlange, dünne Haare, blasser, nichtssagender Nacken, mausfarbenes Oberteil, geschmacklose Haarklammer) seufzt es neidvoll.

  • Hach. Ich darf dafür überhaupt nichts mehr essen.
  • Wieso denn nicht?
  • Ich hab eh schon 15 Kilo zuviel. [Allerdings.]
  • Jaaa … aber das geht doch auch wieder weg.
  • [Hört lieber sich selbst reden] Auf Salziges hab ich nämlich gar keine Lust, auch sonst nicht auf all das, wo man überall liest. Ich hab einfach auf alles Appetit.
  • Dann iss doch einfach!
  • Das kannst DU gut sagen, Du nimmst ja nicht zu.
  • Ich ess halt sehr gesund.
  • Ich auch! [Absolut! Alles nur Bio-Kaloriechen.]

Die dritte im Bunde (blond, Pferdeschwanz, lila Lacoste-Poloshirt), die jüngste der Truppe, hat sich  aufs Nicken spezialisiert. Mit ihrem dürren Hals hat sie wohl schon vor der Befruchtung kaum was gegessen.

  • [Neuer Anlauf] Ich bin irgendwie soo wütend heute!
  • Aber weshalb denn?
  • Die Hebamme hat gesagt, ich solle keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehmen. Oder nur ganz wenig. Und ich liiiiebe Kohlenhydrate!
  • [Unisono, entrüstet.] Was? Wieso denn das?
  • [Die Aufmerksamkeit geniessend:] Dabei hab ich SOLCHE Lust auf Kohlenhydrate!
  • [Alarmiert] Und warum solltest Du denn keine essen?
  • Weil sonst das Kind zu gross wird.

Zwischen den Stationen Kaserne und Stauffacher füllt sich der Dreier mit blankem Entsetzen.
Ein Kind, am Wachstum hindern, in ventro bereits! Auf low-carb-Diet gesetzte Föten!
Diese Hebamme verdient den Tod!
Grad als Birkenstock mit Coolness berichtet, dass ihr ghanesischer Macker nicht bei der Geburt dabeisein wird, weil das ‚da unten’ [geographisch, nicht physiologisch] eine reine Weibsangelegenheit sei (es lebe die Emanzipation!) darf ich, (Hurrah!), aussteigen.

Später dann, nach Dinner for One (Pasta, eine Flasche chilenischer Weisser), Economist, Serienplausch und Skype-Geplätscher, will ich noch einige Facebook-Nachrichten beantworten.
Auf der ‚Home-Site’ lachen mir schon wieder diese Schnuckelchen entgegen. Sunnita, Remo, Davide und wie sie alle heissen. Babyfotos. Embryonenbilder. Schreihalschnappschüsse. Görendias.
Weshalb muss das Heranwachsen jedes angehenden Idioten online dokumentiert werden? Wieso eröffnen sie den Trabanten keine eigenen Accounts und befreunden Klein-Anna mit Klein-Mark und Klein-Rotkäppchen? Und lassen uns Erwachsene aus dem Spiel? Marina interessiert mich nicht, weder im Zirkus noch im Zoo, in der Badewanne, schlafend, auf Papis Schoss, im Schlafanzug, mit verschmiertem Maul, mit zahnlosem Grinsen, verkackten Hosen, fleckigem Lätzchen, rotflaumiger Glatze, Badeschaumrücken undsoweiter und so fort.
Mich interessieren auch keine Weihnachts-, Geburtstags, Ostern-, Pfingst-, Auffahrts- und Fronleichnamsdokumentationen. Echt  n i c h t. Ehrlich.

Auch Status-Updates wie „Sucht mal wieder Loris Lieblingsauto“ sind genau so jämmerlich wie „hat noch Stillmilch übrig zum Kochen“.

Wenn alle Kinder mit allen Kindern ‚friend’ wären, gäbs vielleicht dereinst auch keinen Krieg mehr!
Und man stelle sich all die spannenden Gruppen vor: Nuggi-Groupies, Windelsparwoche-bei  Aldi-Fetischisteni, Babyficker-Lynchtruppe undsoweiter. Und die Events erst: „Linus sagt schon sagt ‚Pipi machen!’“, „Noras Baby Shower“, „Hannes’ [garantiert alkfreie].B-Day-Fete“
Wenn alle aufhören würden, Kohlenhydrate zu essen, würde sich das Übel vielleicht ja doch verkleinern.

Mal links, mal rechts.

10. Juni 2009 von Dani S. Tonet

Blog 40, 11. Juni 2009

«Du spinnst total.»

«Tu ich nicht! Ich fühl doch, dass was nicht stimmt.»

«Du bist paranoid, Schatz.»

«Schwörst Du’s?»

«Was, schwören?»

«Das nichts ist.»

«Natürlich ist nichts.»

«Schwörst Du’s?»

«Du spinnst wirklich. Ich weiss nicht echt. Du gehörst doch in Behandlung.»

Natürlich WILL Mirena gar nicht glauben, dass David sie betrügen könnte. Aber was tun, wenn einen die Intuition mit dem Vorschlaghammer prügelt? Aber: vielleicht hat David ja Recht und sie ist wirklich total psycho? Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht und Leiden… So ist das nämlich.

Soll sie doch die Therapeutin anrufen, bei der sie vor ein paar Jahren einige Stunden abgesessen hat, um über Roger hinwegzukommen? Ist es ihr Schicksal, von allen hintergangen zu werden? Oder projiziert sie am Ende ihre Vergangenheit auf David?

Trotzdem: der benimmt sich komisch. Aber wenn sie ihm mit ihrem Misstrauen weiterhin auf den Sack, geht ohnehin alles bachab. Deshalb muss stimmen, was er sagt.

Bin ich die Einzige? Ist sie mir treu? Ewige Fragen. In einem Internet-Forum hat neulich wieder jemand wissen wollen, was zu tun ist, wenn der Partner ‹fremd geht›. Ein gefressenes Thema, zudem nun wirklich keiner keine Meinung hat.

Der Diskurs erstreckt sich auf drei Ebenen:

a) Definition. Wo fängt’s an, wo hört’s auf?

Einig sind sich die meisten, dass ‹es› halt irgendwie einfach, nun ja…

«Wenn im Urlaub mal was passiert» ist’s aber (offenbar) was ganz anderes, als eine Affäre, definiert « durch Wiederholung», sowie – was immer das meint – «vorsätzliches Fremdgehen».

Ist dem so? Zählt am Ende nicht nur die nackte Tatsache? Ist Alkohol ein mildernder Umstand? Und ‹darf› man sich für die wohlverdienten Ferien am schönen Strand nicht wirklich noch ein kleines ‹Extra› gönnen? Wenn da schon alles in süssen Badeanzügen rumrennt und die Körper eingeölt wie sexfeucht in der Sonne glänzen. Aber auch die Wintersportorte, wo Bretterhütten so feste an ‹Power mit dem Bauer› erinnern und die Bilder der den ersten Porno-Streifen auf RTL (‹Bumsfidel im Muotatal›) aus den Tiefen der Erinnerungen auftauchen?

Für Frauen viel wichtiger ist, ob es ihm WRIKLICH «nur um Sex» ging, oder – was viel schlimmer wäre! – veritable Gefühle zwischen die quietschenden Latten getropft sind.

Was ich praktisch ebenfalls nur von den Ladies höre, ist das – notabene sehr häufig praktizierte – ‹virtuelle› Fremdvögeln. Wo hört denn die Unschuld auf? Ist der ‹Brainfuck› durch seine Nicht-Greifbarkeit nicht «eigentlich viel fieser?» Wer kann sie erraten?

b) Gestehen versus Verschweigen resp. Wissenwollen versus Ignoranz.

Gehören «jegliches Verstecken, Lügen oder Abstreiten» zu den No-Gos? Oder soll man lieber nicht wissen wollen, «wie oft man sich noch verarschen lassen will» und drum die Oron mit Wachs verpaxen? Kann Offenheit die Beziehung auch auf einen höheren (oder auch tieferen) Level bringen? Und, stell Dir vor!, Du erfährst nach fünf herrlichen Beziehungsjahren, dass er oder sie seit drei Jahren – nicht oft, nur so fünf, sechs Mal im Jahr – ihren Spass mit anderen gesucht und gefunden hat? Dann kommt man sich doch «erst recht HARDCORE [sic!] verarscht vor…». Nun, niemand hat behauptet, das Leben sei leicht.

Der Tenor geht generell Richtung zugeben. Denn: was stillschweigend gemacht (oder akzeptiert) ist, führt, durch seine Konsequenzlosigkeit, «automatisch zur Wiederholung». Und das ist ja das Letzte, was die ‹Opferseite› haben will.

Auch beim Geständnis sind hingegen Nuancen zu berücksichtigen. Soll die Beziehung daran (zwangs)wachsen oder hofft man nur auf Absolution? Falls dem so wäre, gilt für die post-seitengesprungene Phase: «die Eier haben und es danach gewissentlich vergessen».

c) Konsequenz versus Toleranz.

«Mal über den Zaun fressen» müsse ja nicht zwingend zur Trennung einer gut (?) funktionierenden Beziehung führen, meint einer. Eine kontert esoterisch, dass, «freier lebt, wer verzeihen kann».

Vielleicht sollten gewisse Dinge besser bereits bei der Partnerwahl berücksichtigt werden. Falls man nämlich was abkriegt, bei dem oder der das Fremdgehen in der «Persönlichkeitsstruktur» angelegt ist, wäre es durchwegs von Vorteil, man würde dies «möglichst schnell erfahren». Hopp und weg!

Eine ‹offene Beziehung› als Swingerpaar, kann sich kaum jemand vorstellen, so tief ist uns die Monogamie als einzig akzeptierte Lebensform eingeimpft, schliesslich sind «sogar die Enten ein Leben lang treu». Und die schwulen Pinguine kümmern sich rührend einträchtig um den (nicht-gemeinsamen) Nachwuchs.

Offenbar hatten die meisten Foren-User bereits das Vergnügen mit dem Fremdgang, aktiv und/ oder passiv. Nur eine behauptet, ihren Partner dermassen gut zu kennen, dass sie «es von Meilen her riechen würde und ganz genau wüsste, ob und wenn er fremd geht oder gegangen ist».

Mirena hat sich übrigens tatsächlich bei Frau Höhninger (die auch Feldenkrais im Angebot führt) angemeldet und fünf Sessions lang an ihrer übersteigerten Eifersucht gearbeitet.

Bis sie eine Abends im gemeinsamen Abfalleimer im gemeinsamen Büro das Mail einer gemeinsamen (wie Mirena geglaubt hat) Freundin findet. Die Analsex offenbar ziemlich toll findet. Vorzugsweise mit David.

Stehende Revolution.

3. Juni 2009 von Dani S. Tonet

Blog 39, 4. Juni 2009

Fight Club.
Ohne die elende Diskussion darüber, ob das Buch besser oder nicht etc. zu perpetuieren: der Film ist klasse. Und besonders spannend die Mini-Genitalschau ganz zum Schluss mit der (grossen) offenen Frage: ist das gute Stück erigiert? Und falls ja: vollständig?
Nicht, dass sich etwas daran ändern würde, dass Norton (und Brad, bevor er Kindergärtner wurde) besser in persona in jederfraus Leben liegen würden, kann man sich in trauten Kreisen doch erstaunlich lange über diese Frage – und ihre Konsequenzen – auslassen.

‹Bei Männern stehen Selbstvertrauen und Zufriedenheit oft im Zusammenhang mit der eigenen Erektionsqualität.›
Behauptet eine deutsche Website. (Und ich weiss jetzt, woran’s hängt, wenn der niedliche Anzugkasper mittags im La Stanza jeweils so miesepetrig im Salat stochert.)

Weit mehr noch gibt’s auf www.mann-info.de zu lernen:
‹Vor genau 10 Jahren startete eine weltweite Bewegung: Männer gewannen ihr Selbstbewusstsein zurück, Paare erlebten wieder eine erfüllte Sexualität.›

Vor einer Dekade waren wir allesamt längst sexuell aktiv. Bei mir aktuell waren damals kleine weisse, rosa und gelbliche Dinger, Lochpapierchen und Mini-Grips, mit denen Zürcher Clubs und Wiesen und Wälder der verlasseneren Schweizer Regionen frequentiert worden sind. Anders war da, ja. Aber eine sexuelle Revolution? Handelt es sich hier vielleicht um eine neue Loge? Cum & Dick statt Skulls & Bones?

Weit gefehlt. Vor rund zehn Jährchen nämlich haben die Männer (wohl nicht die, die damals ihre randschwarzen Pupillen im Spiegel gemessen haben) ‹ihre verloren gegangene Erektionsfähigkeit› wieder gewonnen. Nichtsdestotrotz dank findigen Pipetten der Pharmaindustrie. ‹Viva la Revolución› lobt sich die Homepage denn stinkend.
Unter der Rubrik ‹für revolutionäre Männer› gibt’s ein tolles Quiz mit Fragen wie ‹Ich stehe vor allem auf wilden und ungezügelten Sex›, oder ‹Das Bild vom potenten Mann, das in den Medien vermittelt wird, verunsichert mich.›
Bei diesem ultimativen Männertest bin ich als Draufgänger ziemlich gut weggekommen:
‹Dieser Typ braucht Sex wie die Luft zum Atmen. Möglichst wild, ausschweifend und viel, dann fühlt er sich selbstbewusst und als ganzer Mann. Der Draufgänger ist meist Single.›

Touché! Aber: selbst ich gelte als potentieller Potenzmittelkunde, denn mein hoher Stellenwert der Liebeskraft ‹bringt natürlich auch latent vorhandene Versagensängste mit sich.›

Die Frauenabteilung ist ungleich unspannender. Hier geht’s – wie so gern – um Soft Skills. Wir sollen lernen, ‹richtig› zu reagieren, wenn bei ihm das dritte Bein lahmt.
Wichtigster Tipp: ‹Bloss keine Szene machen!› Lieber abwarten (und sich selig masturbieren) und dann, bei einem gemütlichen Spaziergang, so ganz between the lines und zwei Cumulo-Nimbus-Wölkchen, etwas im Stile von ‹ich habe den Eindruck, dass es Dich belastet, wie unser Liebesleben im Moment läuft. Wenn Du mal darüber sprechen willst, gerne›, einfliessen lassen.

Genau! JA GERNE, lass uns dein Versagen in aller Breite und Tiefe BESPRECHEN, Schatzi, Du kannst mir alles sagen, nicht, dass mich das besonders anturnt, aber ich hab ja noch Deine Kreditkarte und die Hälfte des Hauses bringt mir auch nicht grad viel und da ist ja ohnehin noch der Tanzlehrer, mit dem ich ab und an… Also ALLES nicht so schlimm!

Vielleicht müsste man die Pillen mit LSD beschichten, damit die Sache einen urbanen Kick bekommt? Stehn oder nicht stehn, ist hier der Shakespeare.
Auf den Che Viagra natürlich Antwort hat. Stolz präsentiert er die vierstufige ‹Erection Hardness Grading Scale›:

I.    Penis ist grösser, aber nicht hart [sieht zumindest besser aus]
II.    Penis ist hart, aber nicht hart genug für die Penetration [auch nicht hart genug zum kochen?]
III.   Penis ist hart genug für die Penetration, aber nicht komplett hart
IV.    Penis ist komplett hart und komplett steif [Hurra! Es kann losgehen!]

Wessen Selbstbewusstsein anhand dieser Skala nun eingebrochen ist, der sollte vielleicht mal seinen Arzt zum Dinner laden. Ich glaub, die Pillen sind blau, eine typische Männerfarbe, technisch, kühl, klar, stark. (Die blaue Pille, die ich mal erwischt hatte, war ziemlich sicher mit was gestreckt, was in die Rubrik Ungeziefervernichtung fällt.)
Übrigens: es sind keineswegs nur alte Säcke, die Tabletten schlucken müssen, es kann – so Grafik – bereits um die 30 rum losgehen mit dem Hampelmannen.

Interessanterweise hatte ich gerade vorgestern die Gelegenheit, einen Härtegrad lll zu diagnostizieren. Ramon hat’s nicht besonders witzig gefunden. Ein Kerlchen mit mehr Härtegrad auf der Platte hätte wohl gesagt, ‹Ach geh. Zum Blasen reiche es allemal.›
Bei Ramon hingegen ist das Ding mühsamerweise grad in Phase ll runter… gehangen.
Ich hab ihm dann selbst überlassen, es wieder hinzukriegen.
Aber das gemeinsame Experimentieren bleibt wohl in der Pilotphase stecken. Oder eben nicht.

I kissed a Girl.

27. Mai 2009 von Dani S. Tonet

I kissed a Girl.

Blog 38, 28. Mai 2009

[für Sonja]

Meine Cousine heiratet. Wir haben immer geglaubt, zu wissen, dass sie die allerallerletzte ist, die einen abkriegen wird. Nun ja. Ihr ‹Spouse› ist Engländer, ein waschechter Bristolian (oder Bristolese?). Und da fliegen wir nun (fast) alle zusammen hin; Vater plus Freundin, Geschwister plus Anhang, Tante plus Mann, Tochter von Tante plus Freund. Plus Dani.

‹Anne, sag mal, da gibt’s hoffentlich ein paar hübsche männliche Einzelmasken an Eurer Fete? In Bristol würd ich ganz gern eine Flagge parken.›
‹Sieht schlecht aus, Cousinchen, nix Singletisch. Aber Du könntest am Kindertisch mitfeiern.›
‹Ihr kennt ausser mir keine Singles?›
‹Hier heiratet man halt früh. Und von meiner Seite haben alle abgesagt. Zu weit für einsame Nächte.›
‹Scheisse. Gibt’s genug zu trinken?›
‹Welcome to bloody Britain, Sweetie.›

Paps und ich trinken im Flieger den Trolley leer, er aus beruflicher, ich aus privater Motivation. Angekommen beziehen alle ihre Doppel- und Dani ihr Einzelzimmer. Die Hausbar very british, indeed. Neben dem Kühlschrank steht ein Teekocher. Knapp zwanzig Grad. Grog-Time.
Am nächsten Morgen die Kirche. Ich stehe lange am Eingang, damit mich alle registrieren können, schlüpfe dann in die hinterste Bankreihe und schleiche mich acht Minuten nach Start raus.
Bald wird Anne von und vor Gott vereint sein.
Eigentlich wollte ich pünktlich zu you may kiss the bride! zurück sein. Aber ich bin nicht allein da draussen. Maria-José Fernandez de Santa Irchendwas de Irchendwo, hockt im Schneidersitz auf dem Kies. Südamerikanerin, aber scheinbar ohne südamerikanisches Blut, die vormals wohl dunklen Haare knallorange gefärbt, der Bubikopf nur drei Zentimeter länger als die Fransen, die ihr bis zu den Augenlidern reichen. Die Haut ist ebenfalls viel zu blass, das Spanglish ähnlich entzückend, besonders im Mix mit der Kehlkopfkrebsstimme. Maria-José raucht zwei Zigaretten zugleich; eine hält sie in der Linken, die andere klemmt (vermutlich ob dem Handygespräch vergessen) im Mundwinkel.

‹Hi. Mari-Jo.›
‹Dani [resp. Dany].›
‹Groom-Side?›
‹Bright-Bride-Happy-go-Lucky-Side.›
‹Ah, just fuck it.›
‹And where’s your honey? ›
‹Back home. He’s sick.›

Eine Strohwitwe als potentielle Tischgenossin, welch Geschenk des Himmels, Amen.
Bis sich die Kirche wieder von innen öffnet, hat Mari-Jo ihr (und mein halbes) Päckchen verqualmt und ihr Lebensflickwerk kanzleimarktstandmässig vor mir ausgerollt.
Das Hochzeitspaar, höchstglücklich, tritt unter den bewölkten Himmel. Fotoapparate blitzen, klicken und verpixeln. Wir gratulieren. Am Apéro gibt’s irgendwas elisabethanisches Unessbares und sehr viel zu trinken. Das haben sie drauf, die Angelsachsen.
Danach zum Glück keine Car-Tour, sondern Freizeit bis um sieben, wo man sich zum grossen Fressen in einem Castle in der Nähe wieder zusammenfinden wird.

Die Hotelbaar ist beinahe geleert. Daddy hat seinen dunkelgrauen Nadelstreifenanzug montiert, das Plus ein paar Falten aus dem Gesicht gepudert. Geschwister plus sehen aus als würden sie morgen selbst vor den Altar treten und Dani hat das etwas zu kurze Schwarze zu den violetten Stilettos übergestreift. Damit stöckelt sie durch den Raum, auf der Suche nach dem Ball (des Bräutigams Hobby), an dem ein Zettel mit ihrem Namen klebt.
Platz gefunden. Papa plus sitzen schräg vis-à-vis. Auch sonst nur graues Haar. Geschwister plus sind an einem Tisch mit anderen gut aussehenden jungen Pärchen.

Mein schwerer Blick findet Mari-Jo in einem engen, langen, froschgrünen, rückenfreien Kleid, die auf die Reklamation eines ekligen Tischgenossen hin gerade eine Zigarette in ihrer Untertasse ausdrückt. Ich gleite (sofern das mit dem Miniding möglich ist) auf den freien Platz neben ihr und zieh die unbequemen Schuhe, die ich nur wegen der roten Sohle gekauft habe, aus.
Mari-Jo, die an der University of Bristol Filmwissenschaften studiert, verlässt den Tisch schon vor der Vorspeise zwei Mal. Zwischen ihren Gläsern liegen vier angefangene Päckchen Marlboro. Ich liebe sie und der Rest des Tisches hasst uns – zumindest die Frauen mit den frisch polierten Eheringen.
Nach einem ganz, ganz, ganz hässlichen Salat mit einer Art warmen Algenstengeln mit Zimtbelag und anderen undefinierbaren Dingen (in Senf eingelegte Pfefferminzschokolade?) schliesse ich mich ihr an und wir rauchen ein paar Zigaretten im lauschigen Hof. Nach dem Essen packen Gareths Cricket-Kollegen Instrumente aus und singen melancholische Bierschlachtlieder, während wir uns, vom Regen befeuchtet, in die Toilette im oberen Stock des niedlichen Schlösschens (die etwa so gross ist wie mein Wohnzimmer zuhause) verziehen.
Mari-Jo hat, während Anne und Gareth sich für den Brauttanz aufgestellt haben, zwei fast volle Weinflaschen von einem Servierwagen geklaut. Gleich verschwindet sie ganz in ihrem Qualm. Sie steckt mir eine Zigarette zwischen die Zehen (die Schuhe sind unter dem Tisch liegen geblieben) und setzt die Flasche an.

Fünfzehn Minuten später stehen wir beide vor dem goldgerahmten Gipsspiegel und vergleichen Zahnstellungen, Irisfarben, Nasenrücken, Schlüsselbeine und Bauchnäbel. Mari-Jo zeigt die Narben ihrer Brustvergrösserung, zwei unauffällige zentimeterlange Schnittchen links und rechts aussen am Ansatz. Made in Rio.

Sie küsst zuerst den Spiegel (mit Zigarette im Mundwinkel) und dann mich.
Damit stösst sie (nach vier Jahren) Sam vom Thrönchen. Der Marlboro-Cherry-Mix ist fantastique. Und sie kriegt’s irgendwie sogar hin, gleichzeitig zu rauchen. Ich bin beeindruckt.

‹And your home-honey?›
‹Robin es un hipocondríaco! Fuck him.›

Die brasilianischen Schönheitschirurgen haben’s wirklich raus. Gerade als Mari-Jo den Reissverschluss meines Kleidchens aufzippert, steht, ¡puta madre! das Plus von Papa Tonet im Türrahmen. Die halbnackte Mari-Jo winkt sie heran
‹Come here, Baby, let’s party!›
während ich meine Lippen nachmale.

Stiefmama, total ab der Rolle, tritt zurück.
Bei der Verfolgung stolpert Mari-Jo unglücklich über den Froschstoff zwischen ihren Knöcheln und kotzt einen spannenden Mix aus ‹Cold Roast Scottish Beef with Horseradish Cream› und ‹Syrup Sponge Pudding with Lashings of Custard› auf den Teppich.

Bristol really rocks! – nicht nur wegen Damien Hirst und Bansky.

Touch of the Heart.

21. Mai 2009 von Dani S. Tonet

Blog 37, 20. Mai 2009

Moni ist 34 schon gaaaaaaaaaanz lang Single. Und irgendwann ist sie auch über die Rum-vögelphase hinaus ‹gewachsen› (das scheint tatsächlich zu gehen), das mit dem Anmachen – Abschleppen – Am-falschen-Ort-Aufwachen hat offenbar auch seine Halbwertszeitigkeiten (und hinten, oben, vorne undsoweiter bleibt letztlich hinten, oben, vorne undsoweiter).

Vor ein paar Wochen dann ist eine asiatische Delegation zu Besuch (eine akzeptierte Form der Industriespionage) und es gilt, ein attraktives Programm für die möglicherweise solven-ten Schlitzäuglein zu organisieren. Man wird also erst in Zürich rumgondeln und dann den obligaten Trip aufs Jungfraujoch draufpacken, inklusive Übernachtung in Grindelwald. Moni bucht Hotelzimmer, einen Car und den gut trainierten Reiseführer, dessen All-in-One-Angebot den CEO ebenfalls überzeugt.

Ebensolcher gute Fang holt die fünfzehn Personen am Carparkplatz am Stadthausquai ab, wo das schöne Reisli beginnt. Gegen Abend merkt Moni, dass ihr der Typ in live sogar noch besser gefällt. Ihre Assistentin und Vertraute versucht, das Glück zu beschleunigen und per-foriert Mirko P. mit Fragen, um ihn in der Nähe zu halten. Und Mirko scheint das Geplänkel mit den jungen Damen den kleinen Schlipsträgern mit den Fotoapparaten und den Notiz-blocks vorzuziehen. Abends, in Grindelwald, sind Führer und Fahrer aber an einem anderen Ort einquartiert. Das Angebot zum Hook-up hat Mirko abgelehnt.
Auf der Heimfahrt zieht Moni sämtliche Register und quetscht ihm beim Ausstieg ihr Visiten-kärtchen zwischen die Finger; vielleicht will er ja die Firma mal besichtigen kommen? Mann hat ja tendenziell grosses Interesse – insbesondere an dieser Form von Industrie.

Eine Woche später hat sich Mr. Superguide noch nicht gemeldet, obwohl er, so Moni, non-verbal durchaus Interesse bekundet hat. Wir sind bei der ersten Gimlet-Runde und Moni schwärmt und schwärmt und schwärmt und schwärmt und ist ganz kirre, jede Sekunde der Carfahrt, jeder kluge Satz in Deutsch und Japsisch wird wiederholt. Langweilig.

Moni ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht auf Facebook. Dort finden wir Mirko zwar, können ihn aber nicht ausspionieren. Also adde ich den Jungen kurzerhand. Moni ist in heller Aufregung. Zwei Stunden später können wir bereits ernten. Mirko und ich sind jetzt di-cke.

Hoi Dani!

Du, das tuet mer hurrä [??] leid, aber ich chan mi mit em beschte willä nümmä a dich erinne-re, au wenn mr din namä sehr bekannt vor chunt.

lg mirko

Zehn Minuten später folgt:

Aaah, jetzt… klar! Sorry.. Isch mer extrem peinlich, aber jetzt han is au entlich kapiert ;-)
Hey, gahts dr guet?

Nun bin ich irritiert.
Hat er unser Spiel durchschaut und einen online Link zwischen Moni und mir gefunden?
Eine Reihe Fotos sind gepostet; vier davon zeigen ihn mit einer Frau an der Seite, könnte die beste aber durchaus auch die Freundin sein. Moni ist enttäuscht. Noch geben wir nicht auf.

Hallo Mirko
Ich mag Dein Profil. Coole Pix. Allerdings glaub ich nicht (mehr) dass Du der Mirko P. ist, der mit meinem Bruder früher Basketball gespielt hat (oder meine Mutter würde sagen: «Der ist aber gut rausgekommen!»). Woher kennst Du mich denn – glaubenderweise?
Eigenartigerweise kommt mir dafür Deine Freundin (?) vertraut vor. Sind wir hier alle auf ominöse Art miteinander verbandelt?

Minuten später.

Dani, Dani!
Die Spannung steigt [der Trick wirkt immer: hochdeutsch merzt Mundart aus. Ist so ein Über-legenheitsding] Ich habe Dich für eine Sandkasten-Kollegin aus Biberbrugg gehalten. Kennst Du einen Andy Bickel? Meine Freundin [voilà!] heisst Diana Krueger und kommt aus Stutt-gart. Sie hat allerdings lange in Basel gearbeitet. Vielleicht hilft das weiter? Im Moment woh-nen wir grad in Freiburg im Breisgau.

Er bleibt maximal uninteressant. Moni trauert noch immer.

Ich beobachte das rundum bei Zwangsasketinnen. Ihre Nervenenden sind (auch wenn man das glauben würde) alles andere als abgestumpft, im Gegenteil. Sogar zufällige oder eindeutig asexuelle Berührungen von Freunden und Verwandten bringen emotionales Gletschereis zur Schmelze – en Masse.

Aus dem gleichen Grund, behaupte ich, gehen die Alten zu Stosszeiten einkaufen: um gratis eine Prise Körperkontakt zu ergattern – und sei’ auch nur an der Migroskasse. Sind Männer auch so? Oder sind die happy, wenn sie ihren Schwanz in die Hand nehmen können?

Meine Mädels sehen sich schon im Trauzimmer, wenn sie einmal speziell nett (eigene Wahrnehmung!) angelächelt, respektive wahrgenommen – und nicht einfach als other hu-man being ignoriert worden sind. Dass man einen Abend lang mit einem Typen quatschen kann (oder sogar noch ein wenig Fummeln danach, oder sogar mehr) und das aber auch gar nichts bedeuten muss, ist in ihrer Vorstellungskraft in die Ferne gerückt.

Dass dies das Finden zusätzlich erschwert, ist einleuchtend. Frage bloss: was tun?
Moni werde ich nun wohl mal an eine dieser Nurkuschel-Nosex-Feten schicken. Oder ihr ei-nen Callboy buchen. Hat jemand eine gute Adresse?

Fit for Fun.

14. Mai 2009 von Dani S. Tonet

Blog 36, 14. Mai 2009

Sonja hat neulich im Modus grösster Aufregung überlaut ins Handy gemeint

‹Ich hab grad den Mann für Dich entdeckt!›,

[was heissen musste: blitzgescheit, also im Vollstbesitz seiner geistigen (und möglichst vieler physischer) Kräfte, eloquent, widerstandsfähig, ausdauernd, lebensgewandt, ca. 185 cm, möglichst dicht- (nicht überall) und dunkelhaarig, attraktiv, pervers, blauäugig, von Humor und dummen Ideen stotzend, reise- und feierfreudig, trinkfest, unverheiratet, bindungsfähig (aber nicht –willig), unabhängig, gebildet, kreativ, wohlerzogen, etc.]

Natürlich musste die Sache einen Haken haben. Hatte sie auch.

‹Er trainiert immer am Donnerstagabend im Holmes, so zwischen halb 7 und 8.›

Fuck. Ich und Sport. Ich und Fitnesszentrum ganz zu Schweigen (ausser die Nass- und Relax-Zonen, die sind ganz gut zu gebrauchen; man kann sogar im Ruheraum vom Hamam Sex haben).

‹Wie sicher bist Du?›

‹108%.›

Nun denn. Frau kümmert sich also um einen Einzeleintritt in eine Welt, in der Dumme bereit sind, für den Aufbau ihrer Gewebefasern zu zahlen. Und das nicht zu knapp. (Und dann dieser Claim, Bitteschön: are you fit for business? Unsere Devise ist: ein gesundes Leben ist ein glückliches Leben. Goodness!) Zum Glück bin ich ab halb sieben abends eh meist nicht mehr nüchtern.

Ich stelle eingangs klar, dass ich keinen Tätschmeister um mich haben will, der mich am Händchen packt und rumführt oder gar fürsorglich tatscht, ob die Qualen an meinem Trizeps bereits Spuren hinterlassen.

Zum Glück war ich neulich an der Trainerfete im Plazda, die schwarzen Hosen mit den goldenen Stripes machen sich auch im originalen Kontext ganz ausgezeichnet. Ich platzier mich also strategisch schlau auf einem der Liegevelos (stark schwitzen ist unsexy) und tu grad, als wär ich die schaumgeborene Venus zwischen den glänzenden Foltergerätschaften. Sonja ist auch da, natürlich, schliesslich muss ich das Mensch identifizieren können.

Nach etwa zwanzig Minuten hab ich die entsprechende Zeitung ausgelesen und keinen Bock mehr, in Pedalen zu treten, die mich nicht vorwärts bringen. Ich belege eine der strangen Gerätschaften, schraub irgendwas an den Gewichten rum und setz mich rein. ‹Abdominals› werden hier getrimmt.

‹Schön die Wirbelsäule gerade halten! Jetzt ausatmen und laaaaaangsam ausdrehen. ›

Die fremde Hand auf meinem linken Schulterblatt übt sanften Druck nach rechts.

‹Du musst wohl das Gewicht etwas runterschrauben.›

Ach ja?

Und schon hab ich ganz tierisch die Lust verloren. Ich besteige einen Normalo-Home-Trainer, stell den Widerstand auf nahezu Null und schnapp mir ein Bolero. Sonja, mittlerweile hochroten Kopfes, hat den Hotshot noch nicht gesichtet.

Es dunkelt langsam ein. Mister Wunderbar will heut nicht auftauchen. Ich spüle die Anstrengung mit etwas Mittelprozentigem runter und suche noch bis halb drei Uhr morgens auf eigene Faust nach der Wundertüte. Vergeblich.

Eine Woche darauf wird das Experiment wiederholt. Die ca. 173 Kalorien, die ich letztes Mal abgebaut habe, sind immer noch deutlich zu spüren; dünn bin ich geworden, wie Anton. Paarungssuche ist offenbar ein grandioser Fitnessfaktor.

‹Ein ganz klein wenig musst Du schon schwitzen, das ist ausgezeichnet für den Pheromon-Haushalt. Zudem steht der Typ bestimmt auf sportliche Frauen, so wie der aussieht.›

Heiei. Was lass ich hier nicht alles mit mir anstellen.

Diesmal hab ich Glück. Auch ohne Sonjas weit aufgerissene Augen und der nicht zu übersehenden Pantomime hab ich ihn gleich entdeckt. Damn, she is right, sowas gehörte fast schon eingesperrt. Ich beobachte ihn eine geschlagene Stunde beim Workout. Fuck.

In der ‹Sukhothai Sports Lounge› zieh ich mir wartenderweise einen Power-Irgendwas-Shake rein.

Aber das Goldstück entschwindet nach Absolvieren seines Programms auf direktestem Weg.

‹Na, hab ich recht gehabt?›

‹Yeppa. Aber er ist mir entkommen. Duscht – welch Schande – grad einsam und alleine.›

‹Dann bis nächste Woche?›

‹Nein. Mit dem Laden hier bin ich fertig. Aber schuldest Du mir nicht noch was, von wegen letzen Monat, dieser blonde im La Catrina…?›

Wie es sich für eine wirklich wirklich gute Freundin gehört, steigt Sonja sofort von ihrem Monster runter.

Ich warte mit einem zweiten Supershake in der coolen Lounge.

‹Joachim B.›

‹Joachim?? Auweia.›

‹Jo. Klingt doch super. Bang-Bang-Jo-Jo.›

Ich check Jo-Man auf Xing und Facebook. Und werde fündig. Natürlich. Hübsch, hübsch, wenn auch schlimmstenfalls etwas bieder, der Herr Banker. Wenigstens IT-Abteilung.

Ich schreib den Mann an und schlage vor, dass wir uns – da ich die traditionelle Ausübung von Sport nicht besonders angenehm und inspirierend fände – nächste Woche nach seinem Programm auf ein paar Drinks treffen könnten oder er – falls er nicht auf Bewegung verzichten möchte – mich im Dampfbad erwarten könne.

Ich warte 20 Stunden bevor ich meinen FB-Account checke.

Keine Antwort.

Arschloch.

Sein Profil: Recent activities.

Joachim B. went from being ‹single› to ‹in a relationship›

Na, Kleiner? Bammel gekriegt?

Na dann Prost.

6. Mai 2009 von Dani S. Tonet

Blog 35, 7. Mai 2009

Ich stehe an der Bar. Um mir das Rauchen abzugewöhnen, halt ich mich mit links an meinem dritten (oder ist es schon das vierte?) Eve fest und führe mit der rechten jeweils die Shot-Gläser, die mir Geerd van Irgendwaas (der seine tour du monde spannenderweise mit der Destination Zürich begonnen hat), hinstellt, an die knallrote Kriegsbemalung.
Hinter Geerd, der die Pläne seiner viermonatigen Exkursion vor mir ausfaltet, hab ich Hannes ideal im Blickfeld. Nur knapp haben wir uns zugenickt, als ich den Laden vor einer halben Stunde betreten habe. Von experimenteller Leidenschaft und blauen Fleckengeprägte Szenen machen Netzhaut-Revue. Doch Hannes ist definitiv, feinsäuberlich mit Häkchen versehen, auf der Liste weiter nach unten gerutscht. Der Mann ist irgendwie nicht ganz sauber. Über den langen Zeitraum von drei Jahren haben wir, mal mehr, mal weniger, miteinander getechtelt, bevor definitiv Zeit war für den Tapeten- resp. Therapeutenwechsel.

Während Geerd grad blümerant per Interrail nach Istanbul (?) oder so pilgert, beobachte ich, wie Hannes eine maximal 18jährige, kurzhaarige, niedliche Landratte bescharwenzelt. Er zieht offenbar alle Register; ich kann ihr Gekicher bis über Geerds linke Schulter hören, während Hannes’ Hand an ihrem Steissbein (wer trägt heute noch rückenfreie Shirts mit Boa-Constrictor-Print?) nach irgendwas zu suchen scheint.
Seine Zudringlichkeiten stören einen jungen Mann mit schief aufgesetzter Baseballmütze empfindlich. Bocksteif lehnt er an der Pornostange der kleinen Tanzfläche und starrt wütend auf den hannes’schen Handrücken, der wie ein Geschwür unter dem Schlangenleibchen wuchert. Nervös zieht er an einer Kette Zigaretten.

Proost!
…wünscht mir Geerd, zum fünften Mal wohl schon; bald werde ich das Poledancing-Ding benötigen, um in der Vertikalen zu bleiben. Neuken in de keuken (oder wie ging das schon wieder?) Ein guter Koch war er ja schon, Johannes-Man.
Geerd hat noch keinen Schlafplatz und spekuliert darauf, nicht den ganzen Rest der Nacht an der Langstrasse verbringen zu müssen. Der Arme hat bereits einen unerwartet grossen Teil seines Ferienbatzens verprasst. Tja, Zürich ist ein Teures Pflaster, nicht nur im Monopoly.
Da fallen mir plötzlich die Giftpfeile auf, die aus einer anderen Ecke ebenfalls auf den beutescharfen Hannes abgefeuert werden. Der arme Bursche heut kein optimales Energiefeld gefunden. Eine niedliche Brünette starrt mit strichschmalen Lippen auf den fleissig flirtenden Hannes P, während ihre (blonde) Freundin – offenbar beruhigend – auf sie einredet und sie schliesslich toilettenwärts wegzieht. Ich kippe meinen Irgendwas und entschuldige mich kurz bei Geerd, der erschrickt, dass jemand zweites das Wort ergriffen hat.

Während ich in der linken Kabine eine Zigarette (meine sechste heute) anzünde, spitz ich die Ohren.
Das verdammte Arschloch!
Ey, Katy, reg dich ab. Der Typ ist es doch nicht wert.
Hast Du den Goof gesehen, den er anbaggert?
Ja, hab ich. Sagt doch alles!
Und mir die grosse Liebe geschworen.

Ich bin hellhörig. Die grosse Liebe geschworen? Mein Hannes? Unmöglich.
Das verdammte, verdammte Arschloch!
Ja, das ist er. Echt. Komm, Katy, lass uns einfach gehen. Vergiss den Typen.
Dieses verdammte, verdammte, verdammte Arschloch.

Schluchzen. Blondes Murmeln.
Ich schnapp mir mein Bier und sperr die Türe auf.
Sorry, Mädchen, vergiss den Typen, echt, der ist nicht ganz sauber.
Wer bist Du denn?

Dani stellt sich vor.

Und woher kennst Du den Hannes?
Dani erklärt kurz.
Drei Jahre? Du hattest drei Jahre lang was mit Hannes?
Dani ist affirmativ.
Hannes war die letzten fünf Jahre mein Freund.
Fester Freund?
War das der falsche Zeitpunkt, ihr mitzuteilen, dass drei meiner nicht-näheren Bekanntinnen auch was mit Hannes gehabt haben in den vergangenen vierzehn Monaten. Aber ich sag‘s ja: der Typ ist nicht ganz sauber.
Während mir grad das eine oder andere Licht aufgeht, versucht die Freundin erfolglos, Brunhilde zu besänftigen. Die stürmt aus der Toilette. Direkt auf die Tanzfläche.

Hups. Ich schnapp mein Frauenbier, schnippe die Zigarette ins Lavabo und ab hinterher. Gerade rechtzeitig seh ich eine dunkelblau lackierte Rechte auf eine hannes’sche linke Wange klatschen. Wow, das hat geknallt. Hannes, ganz im Hier und Jetzt, befreit sein Pfötchen aus der Schlangenhaut und – ich glaub‘s nicht! – schlägt prompt zurück.
Ich hab ja gesagt, der Typ ist nicht ganz sauber.

Da leint sich der junge Schnuderi mit dem Tschäpper von der Stange (es gibt sie eben doch noch, die Männer mit Cohones. Nur sind die IQ meist etwas niedriger) und zieht dem Hannes – zack! – glatt die Bierflasche über den dichtbehaarten Hinterkopf. Das Schlangenmädchen kreischt. Die Flasche ist noch ganz, war wohl noch zu voll.
Hannes geht sauber zu Boden.
Kein Blut fliesst.
1…-2…-3…-
zähle ich ihn an und wende mich dann wieder Geerd und meinem nächsten Shot zu.
Der blöde Oranje hat von allem nichts mitbekommen.
Proost!, Op Uw Gezonheid!

Point Break.

19. April 2009 von Dani S. Tonet

\tough stuff hier. Ein harter Kampf. \dani gegen die indonesische Tastatur.

Auch die Uebertragungszeiten uebertreffen jeden noch so multiplen Orgasmus.  Doch dazu spaeter mehr. Der Blog macht grad Langzeitsiesta.

Gänsefüsschen-Sex

8. April 2009 von Dani S. Tonet

Blog 33, 9. April 2009

Neulich wollt ich mein Keyboard von Hochkomma-Anführungszeichen auf die Gänsefüsse umpolen, um nervige Umwege zu sparen.

Ich mag Technik. Sogar sehr. Vor allem, wenn sie mit ‹i› beginnt, wie bei ‹Internet› und noch lieber ganz in weiss wie bei iMac, iPhone, iSex, iPod (in der Reihenfolge). Aber: das Zeug soll bittschön gefälligst autonom funktionieren. Und zwar 7/24, vom Innenleben dieser Dinger mag ich rein gar nix verstehen, dafür haben sich entsprechende Synapsen in den Hirnen anderer passender verlötet. Zum Beispiel bei Alex und Markus. Alex, ein guter Freund von mir, arbeitet in einer mac-optimierten Umgebung. Sein Gspänli Markus ist extrem bewandert in weltverbessernden Anliegen wie meinem, garantiert hat er sich als Düsentrieb seines Kantonsschulklassenzugs Sympathien erkauft, indem er Sharp-Taschenrechner mit illegalen Differenzialrechnungs-programmen für Idiotinnen gefüttert hat.

Wir haben uns letzten Winter an einem Promo-Anlass kennen gelernt und ich habe einen Stein in sein Brett gesetzt, indem ich einen der ausgestellten Laptops wegen eines lächerlichen halben Caipirinhas zum Totalabsturz gebracht hab.

Markus entspricht dem IT-Standard-Arbeitstyp glücklicherweise kaum, trotz kinnlangem Haar schaut er glücklicherweise leidlich aus, ist, kurzum, ein vitaler Typ, der auch auf Geox, TEWA und Birkenstock verzichten und die Schuhe unter dem Pult anbehalten kann.

Ich mail drum Alex meine typographischen Knacknüsse und der klemmt sich, wie sich das für einen Dienstleistungsladen gehört, sofort dahinter.

Von: Vukov, Alex

Gesendet: Mittwoch, 9. Januar 2008 09:34

An: Bärlocher Markus, Tonet Dani

Betreff: Gänsefüsschen

Ciao Markus

Das mit den Gänsefüsschen statt Bogensekunden; kriegst Du das irgendwie automatisiert hin? Dani Tonet lässt bitten, Du weisst schon, die vom iSushi-Event im September.

Alex

Von: Bärlocher Markus*
Gesendet: Donnerstag, 10. Januar 2008 16:25
An: Tonet Dani
Betreff: Gänsefüsschen

Belle Dame [registriere ich mit sanftem Erstaunen]

Wer sich Mühseligkeiten in Zukunft sparen möchte, kann sich die Arbeit von angefügtem Worddokument abnehmen lassen. Einfach öffnen und den Button klicken.

Your private helpdesk

Markus

< Datei: Gaensefuesschen.doc >>

Von: Tonet Dani

Gesendet: Donnerstag, 19. März 2009 17:14

An: Bärlocher Markus

Betreff: AW: Gänsefüsschen

Lieber Markus

Hat allerbestens funktioniert. Den Service-Level nehm ich als neuen Benchmark. Gut ist aus Dir kein gezähmter Amtsschimmel geworden.

Einen Kaffee hast Du Dir dafür verdient. Wie man hört, sind Eure Automaten sogar ganz passabel. Also ab mit Dir.

Dani «guillemetée» Tonet

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Montag, 23. März 2009 09:44
An: Tonet Dani
Betreff: Gänsefüsschen

Immer zu Ihren Diensten, Frau Tonet. A propos Service: ich muss gleich meinen 45jährigen Ford vorführen. Drücken Sie mir die Daumen (stellen Sie dafür das Drinkglas besser auf einer sicheren Unterlage ab).

vlg Markus

PS: der Kaffee war hervorragend. Danke für den Tipp.

< Datei: IMG_3654.jpg >>

[Das Attachement zeigt einen sich (allerdings vollständig angezogenen) auf einer silbernen Kühlerhaube räkelnden Markus mit Sonnenbrille. Hübscher Anblick.]

Von: Tonet Dani
Gesendet: Montag, 23. März 2009 11:21
An: Bärlocher Markus
Betreff: AW: Gänsefüsschen

Hopplaschorsch. Da drück ich doch liebstens kräftig zu. Vor allem, wenn ich mit dem Gran Torino zum Mittagessen abgeholt werde. Resp. zum Champagnerbrunch, ich bin nämlich erst grad aufgewacht.

Es grüsst Sie herzlich

Dani mit Bleigänsefüsschen

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 13:24
An: Tonet Dani
Betreff: AW: Gänsefüsschen

Hurra! Hat geklappt – im zweiten Anlauf. Zum Mittagessen? Nee. Ich hole Frauen nur zum Znacht ab; die Kerzen leuchten dann schöner ;-)

Grüessli

Markus

[Wenn er jetzt geschrieben hätte «das Kerzenlicht spiegelt sich besser in Deinen Augen» hätt ich diesen ohnehin schon leicht grenzwertigen Mailverkehr sofort abgebrochen.]

Von: Tonet Dani
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 13:30
An: Bärlocher Markus
Betreff: AW: Gänsefüsschen

Die non-existente Romantikerin ist verlockt. Bleibt zu hoffen, dass die Zündkerze nicht grad ausglüht. [Das war rein automechanisch gemeint.]

Das Foto hab ich übrigens eben bei flickr hochgeladen.

Und Du wirst wohl entweder von den Mister-Schweiz-Machern oder von Auto Motor Sport für den nächsten Weihnachtskalender aufgeboten, eventuell auch von beiden.

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 13:35
An: Tonet Dani
Betreff: AW: Gänsefüsschen

Voilà – das hab ich jetzt davon…

Sag mir, wann ich Dich abholen soll, um Dir das wieder auszureden. Oder genügt die Drohung, dass das Zollzeichen-Killerprogramm einen saugefährlichen Virus enthält, der auf mein Kommando hin deine Festplatte slurpt?

Von: Tonet Dani
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 17:17
An: Bärlocher Markus
Betreff: AW: Gänsefüsschen

Abholen ist eine Frage der Destination. Während der Wagen zum weit fahren animiert, lockt die städtische Szenegastronomie zum nahe bleiben.

HD kannst Du gern geslurpt haben, wenn Du auf Bilder nackter Männer abfährst, vielleicht ist sogar ein Sujet für die Kühlerhaube dabei.

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 17:29
An: Tonet Dani
Betreff: AW: Gänsefüsschen

… die Amtwort hast du dir aber lange überlegt! – ich entführ Dich natürlich gern zum Dinner.

Was darf’s denn küchenmässig sein? Indisch, thai, mexikanisch? Oder cool-konservativ ins Morgenstern oder Bederhof?

vlg Markus

PS: Parkplatzsuche in der City hat noch aus jedem Ausflug einen Road-Trip gemacht.

Von: Tonet Dani
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 17:31
An: Bärlocher Markus
Betreff: Erscheinungsbild Gänsefüsschen

Guten Morgen Cowboy

Bin grad absorbiert mit Zeugs, meld mich nächste Woche frischen Kopfes, ok?

PS: Bederhof find ich parkiertechnisch zu wenig anspruchsvoll.

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 17:50
An: Tonet Dani
Betreff: AW: Gänsefüsschen

… ich wollt Dich nicht überrumpeln, gäll, Du kannst mich auch für eine (kleine) Spritztour [sic!] buchen (da wär ich zwar (ein wenig) enttäuscht, wär aber auch OK).

Ein schönes WE wünsch ich Dir.

Markus

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2009 18:17
An: Tonet Dani
Betreff: AW: Gänsefüsschen

Übrigens, falls der Kopf unerwartet früher wieder rein ist, hier meine private Mailadresse: mbaerlocher@gmail.com.

vlg Markus

Übers Wochenende hab ich mir einen Moment überlegt, ob Markus ein Mann ist, den man ‹für eine Spritztour› brauchen äh buchen und sich dann seiner – je nachdem, aber höchstwahrscheinlich – wieder dechargieren kann.

Indessen wär eine formelle Absage zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt für die Lösung künftiger Mac-User-Probleme äusserst unvorteilhaft.

… und auch sonst eine kleine Schande. Wenn ich an die Kühlerhaube denke.

Von: Bärlocher Markus
Gesendet: Samstag, 4. April 2009 17:50
An: Tonet Dani
Betreff: Spritztour

Ich weiss nicht, ob ich’s schade finden soll oder nicht, dass wir’s nicht bis zum Restaurant geschafft haben. Kompliment noch an die kreative Parkplatzfinderin.

Ich hol das mit der Einladung natürlich gerne nach (wann?).

Küsse

Markus

PS: der alte Ford hat sich ganz gut gehalten, find ich. Ich hab zumindest noch keine bleibenden Schäden entdeckt.

* Name der Redaktion wohlbekannt.

PärliGroove – Glück gegen Geld ((Ich bin übrigens auch eine Facebook-Gruppe))

1. April 2009 von Dani S. Tonet

Blog 32, 2. April 2009

An Experimentierfreudigkeit mangelt mir nie. Gänzlich im Dienste der passiv-aktiven Allgemeinheit hab ich mich mehrfach ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste im Zürcher Nachtleben kielholen lassen und dabei Schnäbigrössen studiert, hab aufopfernd online gedatet, mit paarungswilligen Perversen unterschiedlicher Dienstgrade gechattet und einen Beinahminderjährigen beim Wixen unterstützt. Von da ging‘s ungebremst weiter, über Swissdate zu Flirt-Kino-Event und Speeddating.

Desillusioniert (aber noch nicht entmutigt) hab ich mich an einen neuen Selbstversuch gewagt und das Kuppelangebot von ‹Das Haus›, dem Schuppen an der Langstrasse, in dem man all-in-one hübsche Höschen posten, mit Kafi bekleckern und im Anschluss im Kellergewölbe gleich noch schweissräuchern kann, ausgecheckt.

«Find your Schatz Afterwork» heisst die noch junge monatlich dienstagabends stattfindende Brause. Die Schatzsuche startet bereits um 6 pm, was vorteilhaft scheint, denn man kommt

a) früh ins Bett (schliesslich ist erst Wochenanfang) und ist

b) rechtzeitig zum Spielfilm wieder zuhause (falls das Ganze als weiterer Flop kristallisiert).

Nundenn. Mütze auf und quer durch den Regenwind, ist ja gleich ums Eck. Weil ich um die Zeit meist noch nicht allzu lang wach bin, treffe ich eineinhalb Stunden verspätet am locus delicti ein. Die Membercard braucht‘s diesmal nicht, heut sind Hinz und Kunz mit Herz willkommen. Abgetaucht in einen mit dicken Hoden und reifen Eizellen gefüllten Keller.

Seerosen auf Monet’schen Teichen gleich floatet hier und da ein Geschöpf im Raum, sitzt hier und da ein loses Konglomerat von Leben auf einem Chesterfield-Lounge-Floss. Die Atmosphäre erinnert an eine Geburtstagsparty erwachsener Agglos. Niemand tanzt. Niemand flirtet (oder höchstens auf einer telepathischen Stufe), die Stimmung ist ruhig bis leicht depressiv.

Neuankömmlinge beiderlei Geschlechtsteile werden mit aufflackernder Aufmerksamkeit analysiert, sowohl bei Des- als auch bei Interesse aber versinken die Blicke rasch in den durchsichtigen Flüssigkeiten oder gründeln im Bierschaum weiter.

Dabei gäbe es doch so viele verbindende Elemente! Sind wir nicht alle mit (beinahe handtellergrossen) grünen oder roten (Achtung, vergeben!) Punkten geschmückt? Hans und Heiri haben Farbe bekannt.

Aber die (von einer ‹Masse› zu reden wäre inadäquat) Wassermauerblümchen bewegen sich kaum, das Ganze präsentiert sich – trotz leidlicher musikalischer Untermalung – als ausserordentlich statische Angelegenheit. Ich ziehe eine Runde durch die Blumenbörse, erhasche den einen oder anderen sehnsuchtsvollen Blick und denke: «Dauerabo im Parkhaus vom Tivoli Spreitenbach schon erneuert?»

Soviel zum Erfolg der städtischen Integrationspolitik.

Ich kapier‘s echt nicht. Grün überpunktet rot bei weitem. Heisst: man ist (resp. wär) hier in Jägerlaune und in Beuteschaftsmodus. Und doch wird getan, als wär man zufällig hier reingefallen und hätt sich aus purem Masochismus grün geisseln lassen.

Ich hab zum Glück mein Blind-Date vorreserviert, bin drum (Pustekuchen!) feinst raus und muss mich nicht bücken, um die unterste Schachtel der Restposten zu durchwühlen.

Da stehen sie bereit: Nina, Jeanne und Madame Sangroyal. Nina recherchognosziert in halboffizieller Mission für eine unleicht vermittelbare Kollegin. Sie hat die Hansen und Kunzen in vergangenen Viertelstunden allesamt vorgekostet und zeigt sich äusserst unbefriedigt. Jeanne mit dem blonden Pferdeschwanz ist schlichtweg umwerfend, nicht nur, weil sie gleichzeitig masturbieren und Take That reinziehen kann. Und in Mademoiselle Duchesse de Ménars hab ich mich gradwegs ein Biz verknallt.Le quartet inférnal est complet.

Einig über den Grad der Töte dieser Hose ziehen wir uns ins Sansibar zurück. Die grünen Sticker werden lippenstiftgeküsst dem Toilettenspiegel vermacht. Die Adams sind vergessen, runtergespült mit Vodka Lemon.

Wohlbehalten zurück im trauten Heim, (ohne Glied, aber auch ohne la Duchesse mit dem supersexy Wimpernsatz), grüble ich über den abverreckten ‹Event› nach.

Folgende Schlussfolgerungen lassen sich ziehen:

  • Aargauer sind stinkelangweilig.
  • Zürcher auch.
  • Event-Promo in 20Minuten zieht äquivalentes Publikum an.
  • Dienstag ist kein Dating-Tag.
  • Sich einen Punkt an den Körper kleben ist herabwürdigend.
  • Non-Sigles haben an Single-Feten nichts verloren.
  • Find your Schatz› ist ein Flop. (Und ein bescheuerter Brand.)
  • Speedflirting ist mindestens gleich beschissen. [http://danitonet.wordpress.com/2009/03/25/7-minuten-weg-vom-gluck/]
  • Internet-Partnersuche ist Waste of Lifetime
  • Pisst’s heute ist das Allerletzte [http://danitonet.wordpress.com/2009/01/08/matchmaker-rainmaker/]

Fazit: es gibt eine grosse potenzielle Zielgruppe für Paarungsanlässe. Aber die Kuppelchose muss schlauer aufgegleist werden.

Deshalb gründe ich eine Spielgruppe: Per sofort kann man sich für Projekt ‹PärliGroove – Glück gegen Geld› auf Facebook um die vakanten Stellen des CFO, COO, CIO, CMO und CTO bewerben.

Wer will mit?

Der Link: http://www.facebook.com/home.php?#/group.php?gid=67501873671&ref=ts

Let’s get this fucking started.

7 Minuten weg vom Glück.

25. März 2009 von Dani S. Tonet

Blog 31

Hach.

Ist, was bleibt nach dieser (aber nur beinahe) transzendenten Erfahrung, die in jede unanständige Biografie mit rein gehört: Speedflirting (aka Speeddating aka ‹effizientes Matchmaking›). Wie versprochen hab ich mich der verheissungsschwangeren Situation gestellt, in je sieben Minuten einen Mann (oder dergleichen) nach dem anderen vorgesetzt zu kriegen. Mini-Tête-à-Têtes, säuberlich gestaffelt.

Die Vorfreude hält sich an diesem Abend allerdings in Grenzen, ich bin müde und gereizt, habe den ganzen Tag nix Anständiges zu Essen gekriegt, das kann kaum mehr gut kommen. Aber auch nur besser werden (wenn das Glas halb voll ist). Die endlos scheinende Fahrt nach Wollishofen (Gott, lebt hier jemand freiwillig?) und der uncharmante Banlieu-Laden, in dem andere dafür zahlen, halböffentlich 40 oder 50 werden, ist kein Stimmungsaufheller. Glücklicherweise hab ich Romy und Lilly mit an Bord, mit denen ich zumindest dekadenlang noch über das unglaubliche Erlebte werde parlieren können. Oder (wenn das Glas halb voll ist): die Brautjungfernschaften sind zumindest von vornherein schon besiegelt. You never know.

Der knackige Dave empfängt uns im frischweissen Hemd und freundlich betont. Er drückt uns die matchentscheidende Speisekarte und den roten, gebrandeten Kugelschreiber in die Hand, morituri te salutant, gefolgt vom breit beworbenen Gutschein für einen Drink, was hier einem Prosecco, einem Bier, einem Glas Wein oder einem Orangensaft gleichkommt. Nun gut. Dann knöpft uns Dave die 77 Franken ab.

Sieben Felder zeigt das Menu. Sieben Mal werden sieben Prinzesschen und sieben Zwerglein Ja oder Nein bekreuzigen. Und vierzehn Mal sackt Dave siebenundsiebzig in Hoffnung investierte Franken ein.

Karin, das andere Geschäftsleitungsmitglied, ist (offensichtlich) wenigstens bereits trächtig. Sie hat den Gatten bei einem (wo sonst?) der eigenen Events kennen gelernt. Dümmer nur, dass der Zeuger kein offizieller Kandidat, sondern Kapitän des Gummiboots, der die paarungswilligen auf der Lütschinen rumschippert (und eigentlich schon vergeben) war.

Die rotbelichtete Gemeinschaftszentrumsatmosphäre widert latent an. Aber die Zielgruppe des heutigen Abends ist ‹um die 30› ganz so schlimm sollt’s also nicht werden (wennauch das Proseccoglas bereits leer ist).

Die Typen warten im Dancefloor-Bereich rechts, die Chicks linkerhand bei der Bar. Nach einem kurzen Briefing werden die Geschlechter aufeinander losgelassen. Wir, insgesamt tendenziell überschminkt aber durchaus geniessbar, verteilen uns an Tischchen, an denen uns rote Schokoladenherzli und eine entsprechend ausgeschnittene Tischnummern erwarten. Die Glocke erklingelt süsslich.

Ein erster Bewerber setzt sich vis-à-vis auf einen der schwarzen Lederstühle. ‹Tiger›, entnehm ich seinem (ebenfalls herzförmigen) Namensschild und notiere es auf meinem Zettel. Er liest ‹Urban Bitch› von meiner Brust ab. Blond, blauäugig, weisses Hemd, dunkelblauer Anzug, leicht nach Rauch riechend. Wo die Grosskatze herkommt? Almodobar? Valman? Wir werden beide soeben speedflirtmässig entjungfert, stellen wir fest. Somit ist der erste Satz gefallen. Wohl ein infolge seiner Simplizität beliebter Gesprächsauftakt. Ich schiele nach links und rechts, wo Romy und Lilly positioniert sind und mein nächstes und mein letztes Objekt Platz genommen haben. Und evaluieren

Seufz.

Eine Minute vorbei. Tigerchen ist ganz okay, wir unterhalten uns über Geschlechtsumwandlungen und Swissdate-Kandidierende, die selbstredend allesamt viel ärmere Schweine sind als wir. Advokat ist man erwartungsgemäss, kristallisiert sich grad noch raus, bevor die silberne Concierge-Bimmel ertönt. Das waren die ersten vierhundertzwanzig Sekunden.

Ich kreuze ein ‹Nein› neben Tiger, der höchstens einen Löwen im Aszendent trägt. Da steht schon der nächste in der Reihe, Schlag auf Schlag geht’s hier, ich konnt mir kaum des ersten Recken Gesicht merken. Von ‹Gizmo› (den originellen Namen verdankt er seinem Einsatz als Blauring-Latrinenbauer vor einem Viertelleben) einverleibe ich alles, was es in sieben Minuten über Heizkraftwerke zu lernen gibt. Das Muster seines T-Shirts ist irgendwie irritierend. Ob man als Kraftwerk-Operateur Power in der Hose hat, frag ich mich, aber das Alias spricht eigentlich für sich. Romy schien der Mogwai ein gaugleicher Graus.

«Ein Coop-Kind! Und lieber Katzen als Hunde! Und ein Pflock!»

Die sieben Minuten mit ‹namenlos› und ‹Hans› hätt ich lieber zu Gunsten eines neuen Drinks geopfert, Hans, der Aromenmaschinenparkwärter wär sogar einen Toilettenstopp wert gewesen.

«Na, Jean-Grenouille, was ist denn dein Lieblingsaroma?»

«Himbeer mag ich. Und Cassis.»

Einzigartig! Sehnsüchtig beinahe reminisziere ich die eben verflossene Zeit mit ‹Octopus›, einem HSG-Absolventen (nicht besonders punkteeinträglich, aber wenigstens kann der Mann eine PC-Tastatur bedienen). Das Meeresfrüchtchen klassifiziert unser Gespräch als «nett, aber oberflächlich», worauf ich den Fehler mache, ‹Hans› danach zu fragen, nach welcher Modalität er gern sterben möchte.

«Alt. Aber noch gesund. Liegend, im Bett oder so. Am liebsten mit Sicht auf ein Meer. Das wär schön.»

[Das war noch vor der Cassis- und Himbeer-Sauce.]

Langsam bezweifle ich nicht nur den Sinn meiner Existenz en général, sondern (akut) meine Anwesenheit in diesem Karussell der Lust. Mein Blick schweift quer durch den Raum zu ‹namenlos›, der indessen drei Plätze weiter vorn, bei Nummer sechs sitzt und ihr hundertpro auch grad von seiner WG (mit männlicher Besatzung, selbstredend) in Niederhasli berichtet. Und seinen automechanischen Fingerfertigkeiten.

Einen Moment lang erwäge ich, ‹Hans› zu fragen, ob er jemals Cassis-Himbeer-Sauce aus jemandes Vagina geleckt habe. Aber ich bin sogar dafür zu erschöpft und realisiere resignierend, dass die humanistische Grundausbildung wohl doch besser gefruchtet hat als gedacht. Dani la Philanthrope Tonet.

Einen Zwischenlichtblick bietet ‹Leander›, wenn auch er dringend einen anderen Coiffeur finden sollte. Mit dem gmögigen Churerdeutsch verfügt er zudem über Vorschusslorbeeren. Und als Lichtexperte hat er vermutlich – ungleich ‹namenlos› et. al. – Kenntnis davon, dass es a) Städte gibt in diesem Land und diese b) kulturelle Aktivitäten im Portefeuille haben. Als ‹Leander› dann aber seinen Notizblock zückt und unser Geblabla zu protokollieren beginnt, erlischt auch dieser Ofen bevor die Zeit um ist.

Zum sechsten Male schon hat die Schwangere geklingelt. Mein Sahnehäubchen ist ‹The Traveller›, ein etwa ein Meter neunzig grosser Hüne mit eiskalten, riesigen Händen, der so einiges zu berichten hat über all inclusive-Schifffahrten, von deren Verticken er leben muss.

Dann ist’s auch schon vorbei.

Hach.

Sieben Mal parliert, sieben Mal nichts passiert. Seufz. Dabei hatte ich meine Ansprüche extra in den Keller geschraubt. Romy das Zahlengenie überredet mich dazu, bei allen ‹Ja› in die Urne zu legen und damit ein 360°-Feedbacks (und im besten Falle einen Ego-Boosts oder whatever) zu generieren.

Also gut. Vielleicht gibt’s wenigstens einen hübschen Follow-up. Und dann ist da ja auch noch Projekt Sug Arbabe (http://danitonet.wordpress.com/2008/10/30/wuestensohn-gesucht/)

Dave verspricht, dass heut bereits um Mitternacht alles online bereitsteht und die übereinstimmenden Jas gegenseitig mit e-Mail und Telefonnummern versorgt werden. Damit es «so richtig losgehen» kann. Aber das Flirten ist auch jetzt noch – «aber keinstenfalls doch!» – vorbei, man kann, darf, ja: soll! die Gelegenheit nutzen, sich jetzt gleich im Anschluss nach Belieben weiter ineinander zu vertiefen. Dabei denkt Dave wohl auch an die Nötli, die wir armen Enttäuschten in die Kasse der Bar spülen können, dürfen, ja sollen!

Wir schlüpfen rasch in unsere Mäntel und verlassen den auf Sand gelaufenen Kahn.

Schnell: zurück in die Stadt! In unsere Lieblingsbar. Zu unserem Lieblingsbar-Keeper. Der ist zwar stockeschwul. Aber wenigstens ein Mann.

Offenbar ist das das Beste, was Zürich noch zu bieten hat.

Der Mann fürs Leben.

18. März 2009 von Dani S. Tonet

Blog 30

Im Zuge der allgemeinen Vergangenheitsbewältigung (und weil Saturn, Pluto und Uranus grad in so schöner Triage stehen) eine weitere Geschichte aus der nahen Vergangenheit:

Man imaginiere. Samstag, 01.10 pm. Ein bekannter Zürcher ‹Untergrund›-Klub. Simone (27), ist bei einem Alkoholisierungsgrad angelangt, in dem sie der strikten Überzeugung ist, mit jeder und (insbesondere) jedem irgendwoher irgendwie bekannt zu sein. Und – wie wir dank Facebook und Crossing wissen – lassen sich in Zürich Six Degrees of Separation auf höchstens drei reduzieren.
Kehrseite von Simones Cuba Libre-Höhenflug ist, dass sie, im Austauschverfahren quasi, ihre (wahren) Bekannten nicht mehr erkennt, ganz so, als ob im Hirn ein Auswechseln gewisser Parameter induziert würde. So ist es denn Pascal, der sie (den Blick ebenfalls etwas unkontrolliert), anspricht, man war zusammen auf dem Gymnasium. Es folgen sinnbefreite Dialoge, an die sich infolgedessen auch niemand erinnern kann.

Im Augenwinkel hält Simone aber nicht den (ohnehin seit Jahren vergebenen) Schulkameraden, sondern seinen besten Kumpel Mick, quasi einen Verwandten ersten Grades. Pascal macht die beiden offiziell bekannt. Nach zwei-drei Salüüundaberhallo-Sambuca-Shots scheint man sich seit Jahren schon, beinahe über das aktuelle Leben hinaus, zu kennen.
Ein perfektes Paar, die schlanke, grosse Simone und der dunkelblonde braunäugige Mick, nurmehr Augen füreinander haben sie, sodass sich Simone einen (nunmehr noch bekneipteren) Moment überlegt, ob sie hier vielleicht etwas Ernsthaftes am Zipfel hat.
Pascal verlässt die rauschende Party wie es sich für seinesgleichen gehört gegen drei Uhr. Während einer von Micks bierverursachten Latrinenabstinenzen wird Simone auf rüde Weise angemacht. Mick rettet das arme Kind aus einer verfänglichen Situation. Man einigt sich, darauf, sich für den Rest der Nacht (der Einfachheit halber) als frisch verlobtes Pärchen zu verkaufen. Wem immer sich Simone oder Mick in welch immer lauterer Absicht nähert, wird in Folge die frohe Botschaft aufgezwungen.

Nur natürlich scheint es, dass man gegen Viertel nach Vier die Ehetauglichkeiten testet und den Tanzenden mit knutschendem Stillstand mitten auf dem Dancefloor auf den Sack geht. Egal. Die Welt rundum hat aufgehört zu existieren. Überhaupt ist Simone etwas schwindlig; nur zu gern lehnt sie sich an Micks fitgestählte Brust und lässt sich die Hände unter den Rocksaum schieben. Sterne explodieren, die Bartheke bebt, Mücken sterben zu Tausenden, es ist ein Ros entsprungen-

«Zu mir oder zu Dir?»
schreit Mick in Simones gehörgeschütztes linkes, mit seinem Speichel befeuchtetes Ohr.
«Lebst Du auch allein?»
Kopfschütteln.
«Also dann, Bräutigam.»

Auf dem Gepäckträger ist Simone froh, kann sie die Arme um die schlanken Hüften schlingen. Dass sie während der Fahrt an seinem Hosenladen nestelt, wäre ihr nur aufgefallen, wenn man sie darauf angesprochen hätte.
Im 70er-Jahre-Fahrstuhl drückt Mick den roten Knopf. Halt im dreieinhalbten Stock.
Ihr Slip steckt in seiner Jackentasche, sein schwarzes Hemd ist bügelreif.

«Ich möchte wenigstens unsere ersten Ehejahre gern noch kinderfrei geniessen. Fahren wir weiter?»
So bremst sie die Stimme der Vernunft.
«Gleich.»

Die folgenden Details lassen sich leicht ohne mich ausschmücken. Als Leitlinien: die Kleider bleiben unmittelbar hinter der Haustüre liegen, nach dem Sicherheits-Austritt ins Bad startet der erste Rundgang des vorgeholten Hochzeitsmorgens in der Küche und endet auf dem bereits etwas fleckigen Langfaserteppich im Wohnzimmer. Mick ist hörbar einer, der gern redet, während, wie sich an seinen Wohlgefallensäusserungen unschwer erkennen lässt.

Simone, mit zunehmender Nüchternheit multi-taskend, kalkuliert.

«Body: 9. Gesicht: 7. Kleider, 8. Schnitt: 8. Küssen: 10. Oral: 6. Rest: 8. Schnitt: 8.»
Anwälte mag sie nicht besonders.
«Job: 4. Musikgeschmack: 9. Schnitt: 6.5. Schnitt Total: 7.5. Okay.»

Es ist schon lange heller Freitag, als beide, total fertig, dahinschlummern.
Nur einen Moment später, scheint es, schält sich Mick aus den Laken. Simone den nackten, sie denkt «spurenfreien» Rücken zuwendend, meint er:
«Wow. Das war echt geil.»
Mit dem rechten Fuss zeichnet Simone das Rückgrat nach.
«Auch wenn ich das nicht hätte tun sollen.»
Der Fuss hängt in der Luft.
«Achwasdenn. Bist Du verlobt?»
«Yep.»
«Das war ein Witz.»
«Nein, Sugarplum.»

Der Fuss ist konsterniert. Die grosse Zeh sinniert:
«Spinnt das Arschloch?»

Die Ferse meint.
«Wenigstens hast Du ihn nun nicht am Hals.»

Mick lutscht noch einmal kurz herzhaft an Simones frisch lackierten Zehen, fragt um Duscherlaubnis und ist zehn Minuten später auf dem Weg ins Office.
Es ist ziemlich genau neun Uhr fünfundvierzig.

Um halb zwei loggt sich Simone auf Facebook ein. Da. New Friend Request. Mick. Mit Nachricht.
«Wow. Grossartig. Immer noch halb besoffen. Und immer noch scharf. Wann sehen wir uns wieder?»

Simone klickt weiter. Zu Nicole. Da haben wir sie ja. Die Echtzeit-Verlobte. Dünner ist sie, aber nicht viel. Und hat ein Pferdegebiss. Mit dem sie strahlt. Mit Mick. Auf Koh Phi Phi. Und in Prag. Und an eines Manuels Geburtstagsparty. Simone zeichnet zwei Hörnchen neben das lachende Gesicht und holt sich ein Glas Orangensaft. Zeit, nüchtern zu werden.

Später am Nachmittag empfindet sie die Spuren ihrer Fingerabdrücke auf dem Bildschirm plötzlich als störend.

18 Franken für ein Ei.

11. März 2009 von Dani S. Tonet

Blog 29

Das ewz Stattkino lädt dieses Jahr am letzten Februarfreitag zur alljährlichen Singlesause. Das alemannische Erzeugnis Shoppen, ein Streifen über neun männliche Restposten und ebenso viele abgefreakte Antagonistinnen, die im Kreis rum speed-daten soll die Stimmung im riesigen Raum für die rauschend knisternde Party mit den zwei schicken Plattenteller-Puppen anfeuchten.
Damit die verklemmten Zürcherinnen und Zürcher und ihnen zugewandte Orte aus Aarwest wagen, das Gegengeschlecht anzugreifen, wird allesamt beim Eintritt von einem Portraitisten fotografiert. In der Proseccopause wirt ein Schlüsselanhänger mit dem Fahndungsbild eines potentiellen Nacht-Partners ausgeteilt. Liegt’s am Film, liegt’s am Singlesein – die Frauendichte ist so hoch, dass den Jungs grad zwei Key-Charms in den Schoss fallen, sinngemäss hängt an jedem auch ein passender Schlüssel zu Herz oder Hosenladen. Simone öffnet ihr weisses Kotztütchen. An ihrem  Plexiglasportraithalter funkelt ein violettes low-profile-Kaba-Produkt. An Lynns baumelt der noch zündtaugliche Qualitätsfunker eines geleasten 540er-BMW – und ein ratsherrengängiger Montessoribrillenträger kurz vor dem Zenith grinst ihr entgegen. Dankend schüttelt sie den Kopf und legt den Dorian Gray zurück in den Bauchladen des Kuppelkrämers. Die zweite Blindwahl ist einiges besser (oder zumindest jünger). Simones potentieller Partner geht sogar als passabel durch. Sophie von drei Reihen weiter vorn hat mehr Pech gehabt und prompt einen der Idioten, die mit Freundin angereist sind, erwischt.

Nun heisst’s: Sondierungsstart. Denn wer findet und/oder gefunden wird, kriegt einen Drink (for free). Die beiden jungen Damen wiegen sich unerkannt barwärts und stellen sich in beobachtende Lauerposition. Kurz vor Pausenende zupft Lynn Simone am Ärmel.

«Da! Deiner.»
«Wo?»
«7 Uhr, zwei Meter.»
«Was? Wo? Neben der mit dem petrolfarbenen Halstuch?»
«Nein. Nicht zwei Meter gross. Der davor.»
«Manno. Du hast Recht. Oder?»
«Hundertprozent. Die beiden Ohrringe.»
«Tatsächlich. Und nebendran – shit – das ist glaub meiner.»
«Hurra. Fotogener als wahr.»
«Natural Born PC-Supporter.»
«Shit. Was nun?»
«Fuck it. Get drunk. Ran an den Speck. »

«Hola Chicos! Sieht aus als hätten wir hier eine Matching Situation.»
«Hey! Ciao Girls!»

Der Rest ist Rest. Sie trinken die (lahmen) Drinks. Lynn überragt ihren Schlüsselträger um Stiletthöhe. Simones überragt sie um etwa 4 Zentimeter, immerhin. Erste Wahl sind wohl beide nicht, aber im Verhältnis zum Rest unter dem, sagen wir, oberen Fünftel. Das macht die Not zur Tugend. Lynn wär durchaus nicht abgeneigt, besonders nicht Simones Beute gegenüber. Die aber wendet den Blick nicht von Simones Dekolleté. Hantiert im Geiste mit dem Schlüssel am Studentengräbli rum.
Die Party kommt nicht in Gang, die Abziehenden überzählen die Neuankömmlinge bei Faktor 3,2. So ziehen sie denn weiter. Die beiden Jungs im Schlepptau landet man im BV. Leere Gläser mehren sich. Die Attraktivität der beiden doppelt sich. Alter Algorithmus.

Wie heisst man noch mal? (Jeff? Tommy?) Jimmy der Winzling. Wird immer witziger. Der andere (Serge? Michael?) ist verschwunden. Egal. Plötzlich steht er wieder da, zwinkert Simone vertraulich zu, steckt ihr einen Zettel in den Ausschnitt, sturztrinkt sein Glas leer und ist weg.

«Hotel Rothaus, Zimmer 103. Erwarte Dich in 25 Minuten.»
Simone zieht die Brauen hoch.
«Was hast Du?»
«Eingeladen zum Hotelfick.»
Lynn seufzt. Mal wieder den Zonk erwischt.
«Und?»
Simone hat was verschwiegen. «Hot Kisses» stand da noch. Total Turnoff.
Tommyjeff ist nun ganz hinüber. Lynn seufzt.
«Hon, ich geh dann mal.»
«Neid. Viel Spass.»
«Aufs Taxi. Und das hier – nun nimm schon – geht auf’s Haus. Erster Stock links.»
«Spinnst Du? Der wartet doch auf Dich!»
«Scheiss drauf. Nimm schon. Je vous souhaite beaucoup de plaisir.»
Tommyjeff ist auf dem Pissoir.
Indessen: Abgang Simone gen Taxistand.
Abgang Lynn gen Rothaus.

Den Name des Menschen mit Genus: maskulin hat sich nicht nachkonstruieren lassen.
Das Hotel, so Lynn, war ziemlich gut.
Aber Volts&Visions war eben doch der bessere Name.

I gave you a style, Gucci this Fendi that

5. März 2009 von Dani S. Tonet

Blog 28

In 20 Minuten erfährt sich eine merkenswerte Menge. Über schnelle Stars (Stress im Druck) und schöne Autos (Hostessen in Genf sexuell belästigt), aber auch zu allen anderen Sphären des Daseins.

Nach drei Minuten erblättere ich meine momentane Lieblingsreklame. Im Bild ein Pärchen, Mitte und Ende Dreissig, dunkelhaarig, halbwegs gutaussehend, Wange an Wange gepresst in die Kamera grinsend schaut sie ein wenig in die Röhre, als ob sie in der Nacht zuvor über das Linienende hinaus gekokst oder die Barbiturate noch nicht ganz ausgeschlafen hätte. Ihre Rechte klammert sich an seine Schädeldecke. Eine Reissprobe.

In der Schlagzeile das Quote:

«Wir waren kahl – jetzt sind wir glücklich!» [dank Cesare Ragazzis patentierter Haarverdichtungsmethode CNC®]

Ich freu mich immer unangemessen für happy Simona und Paolo, weil ich neuerdings mehr Menschen kenne, bei denen es sich genau umgekehrt verhält.

Einst waren sie glücklich – jetzt sind sie blank.

Roby zum Beispiel, auf dessen Spesenkärtchen ich im Talacker das eine oder andere Kampftrinken gewonnen und zerronnen habe.

«Sehen wir uns nächste Woche zum Mittagessen?» mailt er frischfröhlich am Donnerstagnachmittag und verschwindet dann wie Bruno Manser im Februarnebel. Nicht, dass mich das speziell gestört hätte.

Zehn Tage später befriendet er mich auf Facebook.

«Na, unter welchem Tisch bist Du liegen geblieben?»

«Ich hab meinen Job verloren, Per sofort freigestellt.»

Aus die Maus. Tja. Ähnlich düster sieht’s bei Clemens und Jacob aus.

Nicht, dass mich das speziell gestört hätte. Schliesslich haben die beiden kaum ihren Weg durch die Mathe-Matur gefunden – um dann eine Handvoll Jahre später bei einer grossen Schweizer Kreditanstalt einen Vierhunderttausender im Jahr abzuzweigen. Wenn Hänschen nicht rechnen kann, wird wieder in die Hände gespuckt.

Jaja. Nicht, dass mich das speziell gestört hätte. Was braucht’s neben ein wenig Prada Meinhof, Zigaretten, Pimm‘s oder Vodka Shorley? Und die finanziert mir Mama Sozialstaat, kürzungsresistent durch die Allianz der Linken, Grünen und Christen.

Auch ennet dem Teich ist vielerorts definitiv fertig mit den Herren Lagerfeld, Louboutin und Vuitton. Die New York Times rechnet vor, warum ihre verhätschelten Schlipsträger aus Manhattan-Süd mit einer halben Kiste im Jahr nicht klarkommen können (zumindest mit Regierung und zwei Trabanten auf der Ausgabenliste). Von den 500K bleiben nämlich (wenn man die Kohlen nicht in der Schweiz bunkert) nach dem Gewäsch der Steuerbehörde nur noch 293 000.

Davon werde die Wohnung mit drei Schlafzimmern und ein simples Zweithäuschen in den Hamptons finanziert sowie Ausgaben für die kleinen Süssen (Supernanny, Schule, Ballett- und Klavierunterricht) und Fitnesscenter, Bodyguard, Whole Sales Food und die paar Klamöttchen für die Alte und den eigenen Anzugbestand abgedrückt. Unter dem Strich summieren sich rund 800K. Dass das irgendwie nicht aufgeht, geht sogar Hänschen auf.

Unsereins würd sagen: nicht, dass mich das besonders stören würde. Dann wird halt konsolidiert.

Aber da wird offenbar der gesellschaftliche Druck zum Stress. Die Selbsthilfegruppe für streichungsgeplagte Bankiersgattinnen ‹Dating a Banker Anonymous› [http://www.dabagirls.com/] ist zwar vermutlich ein PR-Gag, aber nur schon die Vorstellung, dass die Sekundär- und Tertiärliebchen reihenweise abserviert werden, weil die Angetraute neuerdings die Konten überwacht, find ich durchwegs amüsant.

Life is a bitch.

Zum Haarölseichen.

Und am Schluss der Bademantel

25. Februar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 27

Er ist einer von denen, die nie heiraten wollte, auch wenn’s ihm selbst nie zum Scheidungssohn gereicht hat. Als er seine mehrjährige Freundin dann während einer der wöchentlichen Sexsessions schwanger kriegt und das Kind nach zwei Jahren noch gesund ist und ihm immer noch ähnlich sieht überlegt er sich’s nochmals. Freitag der 13. – das prädestinierte Verehelichungsdatum. Der ehemalige Fussball-Kollege Deniz zeichnet für das Polterabendprogramm verantwortlich. Da sich an einem kalten Mittwochabend wenig Schlaues anstellen lässt, macht er sich auch nicht allzu viele Gedanken. Gestartet wird mit saftigem Grillfleisch (auf Kosten des Bräutigams), gefolgt von gähnender Ratlosigkeit. Mit am Tisch: zwei verheiratete Überfünfziger (Hanspeter und Jimmy), ein geschiedener Mittvierziger (Geri) und vier stramme Jungs in den frühen Dreissigern (Markus, Pascal, Denzi und Stewy), allesamt in festen Händen.
Während die Gierden des Magens gestillt werden, macht sich – primär bei der älteren Generation – noch ein anderes Hüngerli breit. Eifrig wird diskutiert, wo’s noch weiter gehen könnte. Da sich die muntere Bande im beschaulichen Zürcher Oberland rumtreibt, sind der Optionen gar weniger als in den Quergassen der Langstrasse.
Den Digestif genehmigt man sich im Viper in Dübendorf, einem schmuddligen Laden, angereichert mit Ostprostituierten, die mehr Geld in Silikon und Wasserstoffperoxyd als in ihre Körperhygiene investieren. Auch Pfuschereien sind zu sehen (Gott hat nämlich wenig von Nippeln, die senkrecht gen Himmel schauen).
Der alten Garde ist das alles zuwenig. Mit Kennerblick und Speichel im Mundwinkel listen die Grauhaarigen die Bordelle und Clubs im Umkreis von 20 Kilometern auf. Nicht alle sind einverstanden mit einem Vögelausflug. Den einen hat die Tittenschau genügt, die anderen wollen den Wagen – koste es was es wolle – noch einparken. Der Heiratskandidat schweigt zu allem bereit, denn heut schlägt die zweitletzte Stunde seiner Freiheit.
Kurz vor Mitternacht macht sich eine um zwei Spielverderber reduzierte Formation auf ins Globe nach Schwerzenbach (www.club-globe.ch). Dass der Laden auch eine innenarchitektonische Sensation ist, ist ein zusätzlicher Stimulus. 90 Franken kostet der Eintritt, ein halbes Stündchen ‚Service’ (Waschen und Polieren) 130.- Ran an den Speck – heut zahlt schliesslich die Haushaltskasse.
Innendrin gibt’s für jeden Gusto das passende Dekor: Die Pool-Bar simuliert sechs Quadratmeter Hawaii, während sich die Vancouver Shower vor allem für nasse Hot-Spring-Spielchen eignen. In der Zermatter Jagdhütte wird jedes Reh genüsslich zerlegt und in St. Petersburg gibt’s wangenknochige Rotschöpfe, im Bangkok-Restroom enge schmale kleine Schwarzhaarige und in der Havanna VIP-Lounge lassen sich Schwänze und Zigarren quervergleichen. Für ‚Erlebnisberichte’ muss man sich allerdings einloggen.

Von peter88 erfahren wir: „Ich ging am Samstag hin und wollte nur einen kurzen Rundgang machen und sie meinte, es wäre zu voll, aber sie sagte, würde ich die 90.- zahlen würde ich rein kommen. Am Montag zwischen 17:30 und 18:00 gingen wir wieder hin und wollten auch die 90.- bezahlen, mann wir haben uns so darauf gefreut, als wir am Empfang kamen sahen wir 3 wunderschöne Frauen alle ganz nackt!!! Mann die waren Hammer ich konnte es irgendwie nicht glauben.“

Krass. Ganz nackte Frauen. Wo gibt’s denn so was.

Heat! Heat! scheint nicht nur reifer, sondern auch tiefer in der Szene drinzustecken: „Im Globe gibt es seit neustem eine Angelina. Weiss jemand, ob das dieselbe ist, welche letzten Herbst im Swiss-FKK gearbeitet hat? Ich habe die Swiss-FKK-Angelina (sehr junge, superschlanke Bulgarin, spricht nur englisch) jedenfalls nicht gesehen, als ich neulich viele Stunden im Club war und Angelina (ohne Bild) auf dem Tagesplan. Vermute, es ist eine andere. Bestätigen kann ich es aber nicht.“

All die –inas, -onas, -anas und –ettes, die da schön sauber auf den Präsentiertellern lauern, da krieg ich selbst gleich Appetit. Gleich geht’s der Fremdenpolizei, die sich ebenso ab und an aufmacht zur Stipp- (oder Stich-)Visite.

Maitai ist arg besorgt darum, wer’s ihm wohl nächstes Mal so richtig besorgen mag: „Wen hat es denn bei der letzten Kontrolle von unseren Lieblingen getroffen?“

fire fire postet gleich die Medienmitteilung (one for all and all for one!): „Angehörige der Kantonspolizei Zürich haben am Dienstagnachmittag (20.1.2009) in Schwerzenbach einen Club kontrolliert und dabei vier Frauen festgenommen und drei verzeigt. Bei der Aktion wurden insgesamt 20 Personen einer Kontrolle unterzogen. Dabei wurden zwei 25-jährige Brasilianerinnen und zwei 22- und 23-jährige Rumäninnen festgenommen, die über keine Arbeitsbewilligung verfügten.“

Ein paar Illegale weniger, die durch frische Arbeitslose, zum Beispiel aus den Rängen der Finanzdienstleisterinnen, ersetzt werden können. Heimische Arbeitskräfte sind ja auch sozial nachhaltiger. Und mit den Arbeitsbedingungen kann nicht mal Google konkurrieren. Oder wer möchte nicht gern arbeiten „ wie in den Ferien?“
Im Globe geht’s nicht nur fröhlich, sondern auch sehr feucht zu und her: „Swimming-Pool, Whirl-Pool, Disco, Fitness, Sauna, Solarium und ein grosser Aussenbereich im Sommer.“ – alles gratis zur Mitbenutzung! Keinen Zehnten zur Abgabe (wie bei ICF), keine Zuhälter-Kurtaxen… Das bisschen Ficken  fällt da auch nicht mehr gross ins Gewicht. Vor allem, wenn man die Gäste frei auswählen darf, genauso wie die Anzahl Einsätze pro Tag. Zudem sind Wohngelegenheiten verfügbar (wenn das Schlafen während dem Akt nicht ausreichen sollte).
Ihr müsst Euch allerdings sputen, Girls, das Maximalalter ist bei 35 angesetzt. Dann ist fertig Honig geschmiert und milchiges geschluckt.
Ich stell mir grad vor, dass Hanspeter nächstes Mal im „Angkor-Raum“ auf Tina trifft, seine Tochter.

Die perfekte Form

19. Februar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 26

Gibt es eine offizielle Definition des perfekten Penis? Wenn ich Internetforen abgrase, entdecke ich gar Vieles, in erster Linie viel Müll.

Donna 77 meint zum Beispiel: «er darf lang sein, dick sein, und muss lange stehen. Langsein deshalb, um auch alle möglichen Stellungen praktizieren zu können. Also nicht unter 20 cm.»

jewgraf-hh ergänzt: «kerzengerade, hart wie Krupp-Stahl und steht die ganze Nacht (ohne Viagra).»

Immanuela ist etwas konkreter: «Ich finde, er sollte schön rosa sein und nicht zu lang und zu schmal sondern so mittellang und so normal dick. Ist schwierig zu beschreiben. Am geilsten find ich, wenn man noch die Ansätze von Adern im Penis sieht. Bei dem Anblick von einem geilen harten Schwanz könnt ich so schon abgehn.»

Damit ergeht es ihr ganz anders als meiner Freundin Suzy, die sie «allesamt hässlich» findet, egal ob lang oder klein, dick oder dünn, beschnitten oder mit Handörgelifalte.

Aber die Unterschiede sind ja durchaus riesig – nicht nur in Bezug auf die Grösse. Krumme Dinger mag infolge ihrer unberechenbaren Deviationsdynamik und ihrem schlecht in Hand und/oder Mund-Liegen wohl keine wirklich gerne. Zu den weiteren (optionalen) Attributen zählen: haarig vs. blank, adrig vs. glatt, sanfthautfarben vs. knallblutrot. Sauber ist durchaus ein Plus; Urinrückstände gehören – wenn überhaupt – bitte nur ins Züri-WC. Auch Wohlgeruch ist ein Muss, Modrigkeit ist sich besser mit Miso-Suppe im Ginger.

Verbindliche Eckwerte finden sich bei der Sextoy-Industrie. Ein (anatomisch nachempfundener) Kunstschwanz ist bei e-Shops wie laetitia.ch schweinchenrosa oder negroidschwarz (female fantasies!), unbehaart (natürlich), leicht adrig und sanft gebogen. Die Masse: rund 18 bis 22 cm lang, Radius von 2 bis 2.5 Zentimetern. Offenbar soll man beim Anblick der Dinger weder an den eigenen Sohn im Prä-Teenager-Alter noch an die irgendwann eventuell bevorstehende Erstgeburt denken. Aber wie soll frau sich nun feien for unschönen Überraschungen, resp: wie find ich nun den perfekten Penis?
[Man erinnere sich an: http://danitonet.wordpress.com/2008/08/28/unter-des-kaiser-kleidern/.]

Watzlawick hat gelehrt, dass wir nicht nicht kommunizieren können, sondern permanent nonverbale Signale aussenden; durch unsere Mimik, unsere Kleidung, unseren Geruch etc. Unser Körper labert quasi ständig vor sich hin. Das ist – bei petzenden Fingerabdrücken – durchaus ärgerlich, kann aber auch sehr praktisch sein, wie im Falle der Faustregel «an der Nase eines Mannes erkennt man seinen Johannes.»

Diese Metaebene unserer Körpersprache kann man sich verschiedentlich zunutze machen; einerseits in der Medizin (Iris-Diagnose, Ohrmuschel-Akupunkturmasochismus), aber auch viel tiefschürfender, ist doch zum Beispiel in unseren Handlinien unsere Vergangenheit mitsamt der Zukunft säuberlich abgebildet. Das ganze Schicksal hat sich in uns eingegraben! – und erst noch Shiva-gebührenfrei. Auch die Hornhaut an unseren Füssen plappert und gibt Aufschluss über die letzten Sandstrandferien. Oder die Qualität unserer Schuhe. Oder unser Budget für Pédicure. Sehr beruhigend ist auch die erwiesene Wahrheit, dass, wenn der Ringfinger länger ist als der Zeigefinger, der Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schwul ist. Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht, analog dazu, dass ein nicht-beringter Mann durchaus verheiratet sein kann, wie wir alle wissen.

Nun hat ja diese Körpervermesserei nicht nur etwas Narzisstisches, sondern auch etwas Nazistisches. Eine selbst ernannte Pathognomin erster Sahnegüte hat das Werzumteufeltutsichdasan-Blatt ‹punkt.ch› vor einer Weile aufgegabelt (danke für den Input, Stella). Tatjana Strobel hat sich in den Kampf ums Zürcher Stadtpräsidium eingemischt und als Entscheidungshilfe eine Gesichtsanalyse vorgelegt. Wohl, weil zwei Frauen ü40 nicht mehr aufgrund Busen, Beine und Arsch qualifiziert werden.

Während «das quadratische Gesicht» von Kathrin Martelli dafür spricht, dass sie «sehr willensstark und entschlussfreudig» ist und drum Zürich «mit einem sparsamen Einsatz von Gefühlen und wenig Charisma» repräsentieren wird, zeugt Corine Mauchs «ovaler Schädel»

von einem «sehr lebhaften Geist». Mit ihrer Art kann sie andere aber auch buchstäblich «vor den [ovalen? ] Kopf stossen».

Am 29. März wird klar sein, wer seine Binden und OB ab Mai in der präsidialen Toilette verstauen wird. Wenn sich die beiden Girls bisher auch noch keinen anständigen Cockfight geleistet haben, werden wir uns wenigstens für eine Weile nicht mehr mit Johannesfragen rumquälen müssen. Zürich sagt: «Yes we can?» und hievt ein Weibchen auf den Thron. Dass Mauch das Rennen machen wird, ist offensichtlich. Klein, graublonde Locken, blaue Augen – die Frau ist stocklesbisch.

Und was Berlin kann, können wir schliesslich schon lange.

Und besser, natürlich.

Bravo!

12. Februar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 25

«Hilfe, mein Penis ist zu kurz!»

«Hilfe, ich komme viel zu früh!»

«Hilfe meine Mutter hat mich beim Onanieren erwischt!»

«Hilfe, mein Freund betrügt mich!»

«Hilfe, sie kommt nur beim Oralsex!»

Wer könnte nicht ad hoc eine ellenlange Liste mit Hilferufen ans Dr. Sommer-Team aus dem Gedächtnis aufrufen? Wen von uns haben die Bravo-Sexexperten nicht ab und an aus der Misere gerettet? Sommers waren (zumindest in der Prä-Google-Zeit) unbezahlbar, sie hatten Antwort, wo Peers die Schultern zuckten und Eltern unbefragbar waren. Sommers haben etwa einen Drittel meiner Sexualaufklärung auf dem Gewissen und zeichnen massgeblich verantwortlich, dass ich (schon?) mit 14 unbedingt ausprobieren wollte, was es mit diesem ominösen ‹ersten Mal› konkret auf sich hat.

Wenn ich heute den Blick am Abend lese, bin ich stolz, dass eine von uns Head of Corporate Dr. Sommer Communications geworden ist, Eveline von Arx, seriös schaut sie aus, ein wenig, als würd sie sich während ihrer Arbeit selbst aufklären oder das Ganze für alle anderen machen – nur nicht für sich.

Sind die Probleme der Jugendlichen noch dieselben wie damals? Oder etwa nicht?

Tief bin ich die Winden gestiegen. Und hab für Euch die BRAVO N° 13 vom 21. März 1966 und die N°8 vom 16. Februar 1970 von Spinnweben und Spermaflecken befreit.

Das Cover der 70er-Nummer ziert Who-the-Fuck-is-Barry Ryan. Und Ricky Shayne, der «schnellste Star der Welt» hat sich wohl auch schon lang in die ewigen Jagdgründe gerast.

Innendrin: Schwarzweissbilder, viel langes Haar (insbesondere auch im Gesicht), Creedence Clearwater Revival und Schmetterling-Stickers fürs Auto von Karstadt. Das Programm der SRG endete unter der Woche nach der Tagesschau um 22.15. Auch Snickers gab’s schon, «Erdnuss-Genuss im Schoko-Guss», lang lebe Frank Bodin, Werber des Jahres.

Dann, Seite 43 die Sprechstunde bei Dr. Jochen Sommer (in Wahrheit der Bielefelder Arzt Dr. Martin Goldstein). Die grossen Fragen der Woche waren:

«Weil er kleiner ist, lacht man uns aus.»

Interessiert nicht.

«Kann ich durch die Operation besser lieben?»

… ein Klassiker! Beim Sex hat’s nicht geklappt und jetzt will sie mit der Operationsschere hinters Hymen. Dr. Sommer sagt, es sei Psychologisch und sie solle sich an eine PRO FAMILIA [sic!]-Abteilung wenden.

«Einsam sitze ich in meinem Zimmer», schreibt Peter aus Gelsenkirchen, frisch umgezogen findet er mit «Jungen nur Zigarettenfreundschaft und bekam von Mädchen zweimal einen Korb.»

«Kann ich ihn von seiner Trunksucht heilen?»

Der Case der 17jhärigen Monika ist brenzlig. Sie evaluiert, sich mit ihrem 23jährigen Freund zu verloben, hat daneben aber einen «netten jungen Mann» kennengelernt. Was nun? Beigesellen? Trennen? «Der Freund, den ich schon länger kenn [sic!] ist treu, aber er trinkt mir halt zu viel.»

Genau. Untreu wie die Bohne – einfach mit der Flasche.

1966 gab’s noch keinen Dr. Goldstein-Sommer, der kam erst 1969. Davor war die erfolgreiche Pulp-Fiction-Autorin Marie Louise Fischer für das Wohl und Wohlige der Jungen verantwortlich. Unter den Pseudonymina Dr. Christoph Vollmer und Dr. Kirsten Lindstroem verfasste Fischer damals die aufsehenerregenden Serien Knigge für Verliebte und Liebe ohne Geheimnis. Coverboys und -girls der Ausgabe sind die Goldener-OTTO-Sieger George Harrison, Mamorsteinundeisendrafi Deutscher, drei Unbekannte und – unser aller heiss geliebter Winnetou.

Innen sehr faserigeres Papier, wenig Farbe und noch mehr unbekannte, längst vergessene Gesichter und Geschichten. Wehmütig streiche ich mit dem Finger zärtlich über den ‹Philips Cassetten-Recorder 3301›, «Schwupp, die Cassette rein – schnapp, den Knopf gedrückt».

Dann: der Knigge. Es geht um den Geschlechtstrieb, der bei Mädchen und Buben irgendwann (falls bei Männern nicht vor 18 wird geraten, einen Arzt aufzusuchen, auch wenn (natürlich!) keinerlei Anlass zur Sorge bestehe. Schon 66 haben wir’s, schwarz auf vergilbt. Das ewig währende Dilemma. Bei den Geschlechtlein erwacht der Trieb. Die Fräulein beginnen sich (unbewusst!) aufreizend zu kleiden; Röckli werden kürzer, Blüsli enger. Die Jungs daneben werden (ungewollt!) schlicht und ergreifend dauerspitz.

Und schon ist der Adam&Eve-Clinch komplett. Denn: Während die Mädchen nur die Eheringe im hübschen Hinterköpfchen haben, ist es bei den Jungs «nicht Liebe, die sie treibt – ich glaube, das sollte man nicht oft genug wiederholen –, es ist nichts als der noch unbeherrschte [!]Trieb.»

Glück haben die Ricken, die von ihrem Elternhaus aus gezwungen werden, sich als Mauerblümchen zu (ver)kleiden, denn sie sind aus der Gefahrenzone. Das böse Mädchen aber (wenn auch hungrig nur nach Liebe), «möchte, obwohl es noch viel zu früh dazu ist, eine feste Bindung, der Junge – genauso voreilig – möchte ans Ziel seiner Wünsche kommen».

Irgendwann checkt das Mädel, dass das Bübel nur poppen will und zieht sich frustriert und enttäuscht zurück. Er, unbefriedigt, lernt daneben das Tricksen, speilt Gefühle vor, wo keine sind. Sie gibt sich schliesslich hin – und – zack! – er ist weg.

«Wenn sie Pech hat, merkt sie jetzt auch noch, dass sie ein Kind bekommt.»

Die Scheisse kommt knüppeldick. Und schuld ist (resp. war 1966) natürlich Eva, die ewige Verführerin.

Die Lösung? Ganz einfach. Die junge Frau muss lernen, sich zu zügeln, denn die «wunderschöne grosse Liebe» kann eine Frau nur dann empfinden, «wenn sie ihr Herz und sich selber nicht dem ersten, sondern dem einzigen, dem wirklichen Partner fürs Leben schenkt.»

Kommt das irgendwem irgendwie bekannt vor?

Täte mir Leid.

So ging das damals zu und her, vor den ausgelassenen 68ern. In der Rubrik ‹Dr. Vollmer gibt Rat in Liebesproblemen› sind die Gräben der Zeit weniger tief. Karin aus D. ist einsam, Gertraude [sic!] aus K. streitet ständig mit ihrem Freund, Magdalena aus M. ist in einen anderen verliebt als den, mit dem sie verlobt ist. Kennen wir alles.

Den Time-Tunnel macht der 17jährige Herbert aus S. deutlich:

«Ich sehe sehr gut aus, worauf ich mir allerdings nichts einbilde [!]. Ich gehöre zu einem grossen Freundeskreis, einer ganz tadellosen [!] Clique. Nur leider sind wir 12 Jungen und 14 Mädchen, so dass immer zwei Mädchen beim Tanz übrig bleiben.»

Der grossherzige Herbert erbarmt sich der armen zwei ab und an, was seiner Lena überhaupt nicht in den Kram passt. Einmal, «mitten in bei einem zärtlichen [sic!] Tango» mit einer der Überzähligen, wird Lena richtig ranzig und verpasst ihm «in Gegenwart aller ein paar heftige Ohrfeigen».

Nicht genug krallt sie sich gleich einen der restlichen 11. Und Herbert gilt als Susi, die sich von einem Weibsstück hat verprügeln lassen. Hart – und nicht immer herzlich war das Leben also auch damals.

Zu ihren besten Zeiten hatte die Dr. Sommer-Redaktion 3000-5000 Briefe pro Woche [!] zu beantworten, wohl Nachbeben der Kraft der Blumen. 1972 wurden zwei Ausgaben mit Artikeln zum Thema Selbstbefriedigung infolge ihrer jugendgefährdenden Wirkung indiziert. In der DDR gab’s gar kein Applaus für Bravo.

Aber das Leben war auch simpler. Man musste sich beispielsweise noch keine Gedanken darüber machen, ob die Intimfritte jetzt herz- oder pfeilförmig zu sein hat und über anal – Ja oder Nein wurde auch nicht öffentliche debattiert.

Heut hat Dr. Sommer (natürlich) seine eigene Sub-Site auf dem Web. Und was entdecke ich da?

«Tipps für Jungs, die den ganzen Tag immer wieder an Sex denken müssen.» Marie-Louise Fischer grüsst nach über 40 Jahren aus der Gruft:

«Für viele junge Mädchen kommt zuerst die Liebe, dann erst der Sex. Bei den hormongeplagten Jungs ist das oft umgekehrt. Erst wenn ihr Hunger auf Sex gestillt ist, ist auch Raum für Liebesgefühle. Dieser Unterschied führt oft dazu, dass ein Junge bereits mit einem Mädchen schlafen will, während sie noch vom ersten Kuss träumt. Klar, dass dieser Interessenskonflikt dann auch oft zu Problemen führt.» (Die ganze Antwort unter: http://www.bravo.de/online/render.php?render=082737)

Meine Fresse. Die Welt ist immer noch rund.

So, jetzt geh ich mal in halbeigener Sache gucken. Eine Freundin möchte nämlich ihren Facebook-Status von ‹it’s complicated› auf ‹Single› wechseln.

Darf man das?

Boys, boys, boys.

5. Februar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 24

Wenn man vom rechtspoplulistischen Politikblast mal absieht, publiziert die Weltwoche ab und an ganz brauchbare Sachesächeli, vor allem mit Popular Culture-Themen hab ich schon öfters Zeit mit Köppels Truppe verprasst.

Neugierig gemacht hat mich da neulich der Artikel von Beatrice Schlag zu den «ewigen Buben». Sich darunter was vorstellen fällt überhaupt nicht schwer: Man gehe eines schönen Abends ins Longstreet, Forum, Bar 3000, Dani H. etc. – oder noch etwas später in einen der Clubs im Quartier (im Hive stechen sie übrigens am besten hervor).

Cool sind sie, wenn auch etwas verbraucht, beim sechsten Cuba Libre mit den Kumpels oder dem achten Bier, Halbdesignerjeans und ausgelatschte Sneakers; die Garde der Architekten mit den zartmelierten Ohrapartien, Grafiker, Musiker, Marketing-Co-Leiter und Eventmanager sie, die kaum den Weg aus der Stadt kennen und allesamt um die fünfunddreissig sind. Soziologen rätseln, so Schlag, ob der Berufsjugendlichen, von denen offenbar «keiner mehr ein Mann werden» wolle. Viele von ihnen sind Single, alle aber unverheiratet – und nicht nur kinderlos, sondern auch tendenziell trabantenfeindlich eingestellt. Für die Verantwortung fühlen sie sich (noch?) nicht reif und es ist arg zu bezweifeln, ob sie es jemals sein werden, die Verantwortung scheint inkompatibel mit dem Lebensstandard einer Generation, die am Dienstag noch keine Gedanken an Samstag verschwenden kann.

‹Brunokoch› hat sich (wohl nachdem er seinen Rausch mit einem komatösen Tiefschlaf ausgekatert hat) zu einem online-Kommentar durchgerungen.

«Tatsache ist: In Zeiten in denen Sex relativ frei verfügbar ist (wechselnde Partnerschaften, Bordellbesuch, Internet), ist der Marktwert einer Frau mit Kinderwunsch extrem gesunken. Warum sich einen Klotz ans Bein binden?»

Recht hat er. Und zu Recht scheint Die Welt darüber zu sinnieren, ob die Männer am Ende schuld seien an der niedrigen Geburtenrate. Erwachsen werden müssen ist zum Druck geworden. Was gehört sich noch, was darf ich nicht (mehr)? Wann sind die Simpsonst-Shorts definitiv gestrichen? Wann wird’s peinlich, noch zu kiffen?

Wer von Mittwoch bis Samstag die Gassen frequentiert weiss: die Anzahl unbekannter Gesichter im Club verhält sich negativ proportional zur Intensität des Ausgangverhaltens.

Nach Tom zum Beispiel, der in seinem Kaputzenpulli dumm und allein in der alten Börse auftaucht, kann ich zum Beispiel die Uhr richten und weiss auch, dass der israelische Zahnarzt einer der letzten ist, der die Tanzfläche im Hive verlässt (unten natürlich, wo die härteren Beats gespielt werden). Alles wird zunehmend ‹worn out›; Redundanz schafft stilisierte Gewöhnlichkeit.

What for?, frag ich mich, zudem der ungesunde Lebenswandel sich ebenfalls disproportional zur physischen Jugendlichkeit verhält. Dagegen sind weder Kraut noch Creme gewachsen.

Und, Brunokoch, der Du Dich offenbar immer noch an den stereotypen yourporn-Filmli aufgeilen kannst: Internet-Sex ist auch eine Form von Realitätsflucht. Und man kann bestens altern vor dem Bildschirm.

Verantwortung. Das finden wir im Job. Verbindlichkeit – dafür haben wir unsere Freunde. Freundschaft (wissen ü30) – hält länger als Partnerschaft (ausser die Pseudofreundschaften mit den Peers des aktuellen Lebensabschnittspartners). Oder wer hat noch Kontakt zu den Eventualschwiegereltern von 1997?

Wozu also sich auf ein Arrangement einlassen, das früher oder später zur Plage wird? Kollektives Singleleben ist weitaus interessanter, wie auch das ausschweifende Single-Sexleben.

Während uns Frauen früher oder später die biologischen Uhren zurückpfeifen, ist bei den Männern aber der Faden ganz verloren gegangen. Warum?

Niemand weiss es genau, Theorien gibt’s mehr als zur Entstehung der Welt, keiner der von Schlag aufgezeigten Erklärungsansätze befriedigt und die amerikanischen sind ohnehin nicht auf die Histoire unseres Landes adaptierbar. Aber: die Wahrheit muss irgendwo da draussen sein.

Fleissig wird online mitgerätselt, viel Schlaues gibt’s aber nicht draus. Um eine offenbar besonders traumatisierte arme Sau scheint’s sich beim Alias ‹Vater› zu handeln:

«Soso da wundert sich die Damenwelt, dass wir Männer immer seltener Väter werden wollen. In der heutigen Zeit ist das Vatersein mit massiven unkalkulierbaren Risiken verbunden: Mit einem Bein steht man im Knast, mit dem anderen in der Obdachlosigkeit. Wenn die Herzensdame genug hat, lässt sie ihn sitzen und verklagt ihn auf Unterhalt.»

Mir kommen glatt die Tränen. Am verantwortungsvollen Vorausschauen scheint‘s Papi nicht zu mangeln. Oder ist er bereits inhaftiert? Unschöne, existenzangstmotivierte Börsengeschäfte? Oder mit dem Zimmermannsersatz im Haus auf die lieben Kleinen los (besser das Problem auf einen Schlag lösen, als jeden Monat Alimente zahlen?).

Alias ‹KdN› [Kuno die Niete? Kannst du noch?] scheint ebenfalls gebranntes Kind zu sein:

«Wenn wir [Sorry, Kuno, ich musste ein paar stilistische Dummheiten entfernen] uns entscheiden, keine Kinder zu haben, im Leben andere Werte zu leben und keine Frau, keine Familie und keine einseitige Abhängigkeit wollen, dann ist das unser Recht, schreibt darüber, was Ihr wollt! Die Frage, ob Mann heute Kinder haben will, ist vergleichbar mit der Frage, ob Frau abtreiben will! Euer Bauch gehört Euch! Unser Schwanz aber, gehört uns!»

Kuno hat offensichtlich eine Schrägneigung zu unsinnigen Vergleichen.

Aber das mit der Abtreibung bringt mich auf ein anderes Thema resp. eine andere Diskussion in einem anderen Forum:

Susi8001 schrieb am 24. Januar:

«Ich bin schwanger und will abtreiben. Eigentlich ist unsere Beziehung ziemlich am Ende. Mein Noch-Freund sagt, dass er nie wieder ein Wort mit mir sprechen wird, wenn ich abtreibe. Wie findet ihr das?»

Auch dieser Hilferuf hat die Welt arg beschäftigt. Die weibliche Hälfte hat sich auf den emotionalen Teil verlagert à la ‹‹Geh, wohin Dein Herz Dich trägt!››. Die etwas Klügeren unter uns raten, derartige Diskurse nicht online, sondern im Kreise der Direktbetroffenen zu regeln: «Du willst wohl nicht im Ernst Deine Entscheidung von den Tipps auf diesem Thread abhängig machen????»

Nichtsdestotrotz hat das Thema (bei Redaktionsschluss) 56 Antworten generiert. Die Lösung, scheint’s (und damit wären wir wieder bei der Weltwoche), ist die Flucht in die Vorpubertät resp. die Phase nach der Menopause und/oder Fertilität – der Ansatz Mondkind›:

«Mir ist es auch schon mal passiert, dass ein Gummi zerrissen ist oder gar in mir drin geblieben ist [sic!]…..es kann immer was daneben gehen… [im wahrsten Sinne des Wortes] Die einzige sichere Verhütung ist ganz einfach Abstinenz.»

Das möchte der ewigjunge ‹Heindoof›, mein absoluter Lieblings-Kommentator auf dieser Seite

«genau so kriege ich 20-21 Mal pro Monat Analsex. im Boni-Jargon nennt man das Win-Win. geil gell ;-P»

Der Link zu den Dingern:

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-01/artikel-2009-01-die-ewigen-buben.html

http://www.ronorp.net/forum/messages/Jetzt_gilts_ernst

Gesucht: (temporärer) Heizkörper.

29. Januar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 23

Sol und Simone finden Ende Oktober: Kälte ist beschissen. Aber Kälte: kommt bestimmt. Und Nacht.
Das muss irgendwie überbrückt werden. Wie wär’s mit einem Mann als Zeitvertrieb und Zusatzofen? Aber im Frühling, wenn die eigene Hypophyse wieder wärmendes Material produziert, muss er wieder weg. Das sollte doch zu finden sein, denken die zwei und zwar mit Leichtigkeit und am schnellsten wohl über eine Annonce. Anschlagzettel in den Bars und Clubs, die man selber frequentiert? Oder kann man sich dann da nicht mehr sehen lassen, je nachdem? Ist die Auswahl zu klein?
Einmal mehr wird Urbi et Orpi strapaziert, der e-Newsletter, damals für eine Community von Coolen, heut Wohnungstauschmarkt für Hinz und Kunz und die wachsende Zürcher @web.de und @gmx.de-Gemeinschaft.

Die Girls feilen an ihrem Text. Dann lassen sie den Hund ab der Leine.

MANN FÜR DEN WINTER.
Da die Jagdsaison aus meteorologischen Gründen erschwert ist, suchen zwei Girls (29/30, fit & gescheit) eine temporäre feste Beziehung für den Zeitraum vom 1.12.08 bis 1.3.09 (maximal bis 1.4.09). Bist Du inspiriert, clever, gutaussehend und experimentierfreudig? Dann freuen wir uns auf Deine Ideen und Dein Foto.

Pacifico1 beisst als erster an, ein Mark van Huisseling-Verschnitt (vielleicht ist er’s ja). Kurz und bündig.

‹‹Interessante Nachricht. Habt Ihr auch ein Foto?
…auf ein winterlich kaltes Bier in Züri?››

Urteil: Desinspirierend.
Dominik fasst sich etwas langatmiger

‹Hallo
Habe das Inserat unten gesehen und fand es interessant
[Danke, gnädig!] Habe noch nie so was gelesen, dass so was gesucht wird. Aber clever, gutaussehend und experimentierfreudig bin ich schon [spürt man sofort!]. Ideen hätte ich auch und Fotos auch. Inspiration habe ich auch, sonst hätte mich das Mail nicht zum schreiben inspiriert [wie raffiniert!].
Hmmm…., die letzte Frau, der ich meine Bilder schickte, meinte, dass ich toll aussehe [sogar mit Zeugenangaben!] Um mal Oberflächlichkeit etwas zu reduzieren, wo alles nur ums Äussere geht, schicke ich Euch Bilder nur sofern ich auch eine Antwort kriege.››

Weisst Du was, Dominik? Schieb dir dein Gefasel sonst wo hin. Auch Hans schreiben sie grad ab, der ist ‹‹in den Vierzigern, flexibel und für (fast) alles zu verwenden!›› [= alt und verbraucht?]

So leicht ist‘s offenbar doch nicht… Oder möchte jemand Nico Laus haben?

‹‹Sali ihr Zwei

Danke, dass ich mal herzhaft lachen durfte…echt klasse. [...Blabla..] In dem von euch genannten Zeitraum kann ich noch derartige [er würd lieber knutschen als vögeln] Termine reinschieben;-) Hahahaha. [zum Totlachen, echt.]

So denn, ich bin 28, akad., extrovertiert, infantil [= sexy?], desorientiert [=sexy?], aber lieb [=sexy?] und co. [was denn noch?]. und scheisse sehe ich auch nicht aus [= sexy?] – und dick bin ich auch nicht.
Kann zudem kochen und saugut knutschen
[= sexy!]. Kann euch ja mal ein par Fotos rüberballern [so wie Fürze, nachdem Du gekocht hast?] …aber erst, wenn ihr damit angefangen habt [= sexy?].
Man, hab ich Hunger…ich geh jetzt schnell in die Cefeteria und ess ne Wurst (klingt ekelig, ist aber voll geil) [= sexy?].

Muss noch mehr zu Nico Laus gesagt werden? I don’t think so. Next ist Caro, die ihren besten Kumpel verschachern will.

‹Ich habe ich einen besten Freund, der unbedingt eine tolle Frau an seiner Seite verdient hat! Er ist 34, gross, sportlich, eher der nordländische Typ, aber nicht blond. sehr charming, humorvoll, offen für vieles, kann leider nicht kochen, dafür kennt er die feinsten Restis in der Stadt ;-)
Was haltet ihr davon, heute Abend auf einen Drink zu gehen mit ihm und mir irgendwo in der Stadt? wenn ihr wollt, bring ich auch mehrere Exemplare [sic!] mit.››

Natürlich waren Simone und Sol zur Stelle. Der Nordländer und Konsorten müssen dann aber die Schnäbis eingezogen haben – jedenfalls hören die zwei nichts mehr von Caro.
Als einziger macht sich Theo Gedanken über seine Zukunft. Abgeschrieben wurde er nicht wegen seiner Ratsherrengänge im Format des Washingtoner Kapitols oder seiner Zwergenhaftigkeit, sondern infolge seiner Unfähigkeit zur Konzentration auf das Wesentliche. Bis Theos mail gelesen ist, ist der März auch schon vorbei.

‹‹Hi Ihr Auf-Zeit-Jägerinnen
…und was ist, wenn sich das Ablaufdatum nicht so einfach einhalten lässt?
Bekomm ich dann Ärger mit Euren vom Auslandstudium zurückgekehrten Männern?! Je nach dem würde ich es mit ihnen aufnehmen können/wollen. Was soll ich Euch erzählen von mir?

Wollt ich Referenzen über meine Sozialkompetenzen oder nur meine Masse?
Extrovertiert und gerne in Gesellschaft, lebensfroh und auch ein Geniesser, selbstständig und doch von allem abhängig, dynamisierend, charmant und unverklemmt, ….ein ruhender Pol, manchmal [= also im Herzen ein Langweiler].

Sonnezeichen [Sogar mit Fachbegriff!]: Widder/ Aszendent: Stier. [Quasi von Natur aus gehörnt?]
Chinesisches Zeichen: [Eso-Fritze? Besserwisser?]
Grösse auch im liegen [wie ist das zu verstehen?]: 172cm [Grösse ist gut!]
Gewicht: 68kg, BMI so um die 22 glaub ich, da ist nicht viel Fett dran… [Allerdings. Viel Muskel aber auch nicht.]

Sport (wichtig): Motorrad, Snowboard, Krafttraining und so achli Fitness [genau. Von allem ein Bizli.] Musik: Bumbum [Uuu!], Rock, Goa, Elektro und good old Techno es muss einfach stimmig sein und die Leute sollen tanzen. Bei Ambiente natürlich [logo!] kuscheln und sich gegenseitig anwärmen.

IQ: keine Ahnung, es reicht gut zum leben. Eröffne demnächst meine eigene Firma [krass!]. So ab 1.3.2008 habe ich dann auch fast keine Zeit mehr für stundelange Kuscheleinheiten [hat irgendjemand hier von stundenlangen Kuscheleinheiten geredet?] und wild things [sofort her mit Dir, Dr. Prachtsexemplar!].››

Sol und Simone wissen gar nicht wo anfangen mit Neinsagen. Da nehmen sie noch lieber den Marc mit dem kecken Käppi. Auch hier muss man die Spreu vom Geplapper trennen – sogar, wenn der Mann ein ‹Privatkonzertchen› in Petto hält.

‹‹[...Blabla...] da ich noch kein entsprechendes Mandat für diesen Winter habe, könnte ich mir ja mal überlegen, mich zu bewerben [tu das doch, bitte]. mit ‹sportiv und akad.› kann ich mithalten, zudem gehöre ich zu der seltenen [jetzt kommt die Beweihräucherung] Spezies Mann, die auch beim Bewegen zur Musik [man beachte die Formulierung] nicht aussieht, als würde man(n) zu den Worten anstatt zum takt tanzen. [...Blabla...]››

Sol und Simones Favorit wäre ja ‹Ben Stiller›, der Superschnuckel mit Chlausenmütze.
‹‹it needs two for tango››. Leider sind seine Füsse beim vorgeschlagenen Bewerbungstermin bereits erkaltet.
Ich nehm’s gleich vorweg. Das Rennen macht schliesslich, eine Art Notlösung infolge fortgeschrittener Zeit, Kristian, dem (aber das sollen die zwei erst später rausfinden) ‹Christian› zu hundskommun war.

‹‹[...] Am liebsten wär mir ein spontanes, unverbindliches [eigentlich hätte das sie gewarnt lassen sein sollen] live-Treffen, denn so erfahren beide Parteien am schnellsten, ob die aufgenommene Fährte weiterverfolgt werden kann oder soll. Seid ihr dabei?››

Ja. Sie waren’s. Und so treffen sich Sol und Simone eines schönen Donnerstagabends mit Kristian im Plüsch. Gleich beim Eingang entdecken sie einen mutmasslichen Kadaver und flüstern sich ‹‹den bitte nicht!›› und huschen in die hinteren Gefilde des Lokals. Aber: er ist es. Natürlich.
Man barhockt sich, bestellt Bier und Wein. Chris… äh Kristian ist langweilig wie er aussieht, jedes Wort muss ihm aus der Nasenhöhle gesaugt werden. Sol kramt sogar mögliche Sandkastenfreunde des gebürtigen Berners (wo sie studiert hat) aus den Hirnwindungen. Nichts. Und schlimmer: Der Typ will und will und will und will nicht abzischen, obwohl er gleich zu Gesprächsbeginn gesagt hat, dass er früh raus muss am nächsten Tag. Heieiei!
Die Rettung folgt schliesslich durch die unfreiwilligen Befreiungsarmee in Form von Marco, Jo und Sean. Sol und Simone stürzen sich förmlich auf die drei.
Chkristian sitzt noch etwa zehn Minuten neben zwei verwaisten Stühlen, bevor er sich endlich vom Acker macht.

Sol und Simone geben in Folge das Wintermann-Projekt auf.
Und vielleicht werden sie lesbisch und bleiben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Yes we can.

21. Januar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 22

«Dani, lass Dir eins gesagt sein.»
Auweia, was jetzt wohl kommt?

«Es gibt nichts, was es nicht gibt.»
Ach.

Was nicht gesagt sein muss: Mütter sind allwissend. Wenn ich jetzt, seelenfriedlich, den Mac auf dem Schoss und umzingelt von AHV-Nünipässlern durchs verschneite Zürcher Oberland gleitend darüber nachdenke, nüchternen Verstandes und Pansens‘, ist alles logisch, wenn auch durchzogen mit Restanzen von Ekel. Was wiederum praktisch ist, da, was Busen hat, tendenziell dauerdiätiert. Mehr Grund also für Publicity für dieses internet’sche Peripheriegoldvreneli. Sind in Zeiten der Konjunkturstagnation Innovationen bekannterweise gefragt. Dazu passt, dass (wie allerorts zu lesen war) der Mensch, wenn der Gurt zur Hüftcorsage wird, sich zunehmend zuhause einmummt (‹Cocooning›).

Beate Uhse floriert gemäss Eigenangaben antizyklisch, weil man sich in Notzeiten auf die Früchte des eigenen Gartens beschränkt (resp. sich damit begnügt), für den man neues (Stech-)Werkzeug anschafft. Immer noch günstiger als eine Woche Balearen!
Wer sich allein vergnügen will/muss, kauft entsprechend Equipment für Autisten. Zuliebst, wenn dieses direkt dem Zentrum der Lust erstammt – da könnte Restnestwärme dranhängen.

Die Schreibe ist von www.meinslip.ch, ‹der Schweizer [Aufgepasst!] Dufthöschen-Community›.

Anregend wird ins Thema eingeführt.
«Hallo liebe Dufthöschen-Gemeinschaft. Auf www.meinslip.ch habt Ihr die Möglichkeit, auf einfachste Weise [also ohne, dass man jemanden umständlichst dazu vögeln müsste] getragene Slips, Hotpans [sic!], Tangas, Dessus [sic!], oder auch gebrauchte Sexspielsachen zu erwerben.»

Ein Secondhand-Shop der besonderen Art. Mit professionellem Controlling.
«Wir von MeinSlip.ch sind auch bemüht das [sic!] Ihr keine Fakes Inserate [sic!] zu sehen bekommt. Jeder User, der seine getragenen Höschen bei uns anbietet wird überprüft.
Damit ist sichergestellt das [sic!] das Höschen auch echt ist!!!»
Wie wohl? Le ‹Maître d’Odeur› himself?

Wie so ein getragenes Höschen riecht? Ich hab meine string-, slip- und pantiestragenden Freundinnen gebeten, die Riechorgane in die Wäsche zu tauchen.

«Ich parfumier meine Unterwäsche. Bei mir riecht alles immer nach Lancôme.»
«Hmm. Gute Frage. Milchig-cremig. Ein wenig pudrig. Mit einer Note Shiitake.»
«Ich kann’s echt grad nicht sagen. Ich hab den ganzen Tag nur Babyscheisse in der Nase.»
« Meine Unterhosen riechen nach dem Klebstoff der Slipeinlagen.»
«Jetzt grad? Nach Bianchi und dem Eisenwarenhändler an der Hohlstrasse.»
Ansprechend aromatisch.

Sorayas Spürsinn sagt:
«Spezielle Frage. Ich würde sagen, anfangs etwas in Richtung gesäuerte Milchprodukte. Quark mit irgendwas (Spargel?). Aber eher verkochte, im Kühlschrank vergessene? Mungosprossen, die zu lange in ihren Saft rum lagen? Oder auch kräftige Bouillon. Wartet man länger wird’s dann eher zur Fischsuppe –  aber irgendwie süsslich-fischig. Gezuckerte Bouillabaisse?»

Na toll. Ich glaub, ich kleb mir jetzt auch Einlagen in den Schritt.

Offenbar gibt’s aber einen (exquisiten?) Kreis von Zuckerbouillabaisse-Gourmands hierzulande. Manche stehen dabei sogar auf den Fleischvogel in der Brühe. Zu Verkauf bei myslip.ch steht drum auch Serenas Vibrator:

«Mein kleines Spielzeug, hol es Dir schnell!!! Willst du meinen geilen kleinen Vibrator mit dem ich vorher schön gespielt habe??? Na dann hol in dir doch!!!!!! Ich schicke ihn luftdicht [logo!] verpackt und diskret zu dir!!! Das Porto ist im Preis inbegriffen!!! »

Und das für ganze fünfzig Stutz. Schnäppchenalarm! Serena hat mehr noch zu bieten (immer schön mit Bild, übrigens!), zum Beispiel einen (getragenen) Büstenhalter:

«Mein verschwitzter schwarzer Sport-BH [besonders sportlich sieht sie zwar nicht aus, tönen tut’s aber gut.] Los hol dir [wie denn? Wird ja alles versandt] meinen verschwitzen BH und lass dich von meinem Duft berauschen!!! [Alternatives Anästhetikum?]»
Dieses schöne Teil gibt‘s für schweissnasse 39 Fränkli.

Die ‹geile Hausfrau› von nebenan (könnte durchaus meine dumme Zicke von Nachbarin sein), hat ein anderes Feld besetzt. Im ähnlichen Preissegment gibt‘s bei ihr zudem mehr Stoff:
«Strumpfhose – Nun, es komm die Zeit, wo ich wieder Strumpfhosen tragen werde [quasi ein saisonales Angebot] aber ohne Unterhöschen! Möchtest du meine Strumpfhosen beschnuppern sehr intensiver Duft!!! [so wie Boullalbaisse mit Mäusepisse?]»
Da nähmt ich doch lieber den Geilehausfrauen-Slip: «Mein Fützli [wie züchtig!] ist immer geil und feucht. Möchtest du dich überzeugen: mein Slip den ich trage sagt alles!!»
Ebenfalls für schlappe 45.- zu haben.

Was bei einen feucht ist, ist bei Susan triefnass.
«Nassgeriebenes [oder nassgepisstes?] Höschen. Hi. Ich bin ständig geil und mache es mir am liebsten mit Höschen. Jetzt dachte ich mir [!!] du willst vielleicht daran riechen. Deshalb verkaufe ich es dir»
Wie grossherzig! Wie altruistisch! Bei anderen gilt. Ich bin auch ein Prinz Charles: «gut duftender in [!!] der Muschi aufbewarter [sic!] Slip zu verkaufen.»
Das Ding wird mir auch zerknüllt ankommen!

Gezuckerte Fischsuppe mit Nagetierurin. Lara, 21-jährige Alchimistin, fügt eine weitere Essenz bei: «Gebe erstmals [!] mein 3 Tage [!!] getragenes Höschen zum Verkauf.»

Das Olfaktorische ist das eine. In diesem Kontext müssten meine Adidas Roma, die ich seit 19 Jahren mit mir rumzügle, ein Vermögen wert sein. Wie auch die Socken, die man in den Gummistiefeln getragen hat. Oder das offene Joghurt, das ich vor den Ferien nach dem Bettfrühstück auf dem Boden hab liegen lassen.

Als Business-Modell hingegen ist meinslip.ch eine wahre Goldgrube. Wenn ich da für ein Billighöschen im H&M-Ausverkauf 3.90 Franken rechne, plus 2.20 Franken (maximal) Versandkosten und dann einen fünfundvierziger verrechne, macht das satte 38.90.- Franken Gewinn.
Und: nie mehr waschen. Ergo: Achtung, fertig, los!
«Geld mit deinem getragenen Slip verdienen – Gleich hier anmelden!»

While you’re at it.

15. Januar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 21

Ich schulde Raoul Antwort auf einen letztjährigen Kommentar, der da lautet:
20.12.2008: «Ich bin wohl etwas downer to earth als viele meiner Geschlechtsgenossen, und ich sage auch mal ‹Stecher› [was sagt man denn oben im Himmel?]. Letzthin habe ich den Ausdruck wieder vermehrt gebraucht und einige offenbar irritiert. Frage an die Expertin: wann darf ich den Ausdrucks ‹Stecher› verwenden, wann sollte ich ihn meiden?
XXX Raul»

Hurrah – ich bin auch eine Zeitschriftentante! Das gibt mir die Freiheit, etwas auszuholen.
Neulich hab ich nämlich im Men’s Health, meiner – nach den Nutrition-Facts von Kaugummis und Bergdoktor-Heftchen – drittgenehmsten Lektüre, Aufschluss gefunden. Es ging (ganz wie bei Dr. Thomas Burgner übrigens) um Timing, ein allzeit delikates Thema. Wann es Zeit ist, heimzugehen, hab ich bereits erörtert [http://danitonet.wordpress.com/2008/08/28/unter-des-kaiser-kleidern], wie auch, wann man mit Vögeln aufhören sollte [http://danitonet.wordpress.com/2008/12/11/endlich-mehr-leistung]. Die dramatischere Frage ist doch aber, wann man damit anfangen soll, denn letztendlich ist die Strichliste entscheidend ausschlaggebend. Quantität vor Qualität, maximale Erfahrungsvielfalt als zahlkräftigstes Element der Postmilleniumsgesellschaft.

Men’s Health sticht deshalb, einmal mehr, den Nagel ins richtige Loch:
«Wenn es einen Mann richtig erwischt hat [gibt’s das überhaupt?], ist er meistens ziemlich vorsichtig, was den ersten Sex mit seiner neuen Flamme angeht. Er will ihr ehrenhaft zeigen, dass es ihm nicht nur um das Eine geht [was schon im Ansatz gelogen ist]. Das ist im Prinzip lobenswert, kann aber schlimme Folgen haben.»

Achtung, jetzt wird’s reizvoll!
«Wer zu lange wartet, riskiert, aus der Sicht der Frau enteiert [sic!] zu werden, das bedeutet: Er entwickelt sich zu einem guten Kumpel und muss irgendwann zusehen, wie die Liebste mit einem anderen in die Kiste geht. Deswegen sollten ein erwachsener Mann und eine erwachsene Frau [man beachte die suspekte Verwendung des Zusatzes ‹erwachsen› in diesem Kontext!] nach dem dritten Date unbedingt Sex haben! Beim ersten Date ist es zu früh, es sei denn, beide wollen nur eine heisse Nacht erleben, mehr nicht [...].
Wenn der Mann alles richtig gemacht hat, charmant und witzig war, wird sie vielleicht [sic!] schon in der ersten Nacht von seinen Fähigkeiten als Liebhaber träumen. Beim zweiten Date muss das aufkeimende Begehren der Frau mit Gesten und Komplimenten massiv angestachelt werden, sie muss aber noch ein wenig zappeln. Beim dritten Treffen ist die Dame dann reif [Aha; erwachsen gleich reif gleich ü40!], hat sich schon Tage vorher überlegt, welche Dessous sie anzieht [selig glaube!] und zählt gierig die Minuten, bis sie ihre Schätze [herrlicher Euphemismus für Atomgemüse zwischen Orangendellen!] endlich zeigen darf. Jedenfalls, wenn Ihr Auftreten bislang Eindruck hinterlassen hat. Aber ansonsten hätten Sie das dritte Date ja auch gar nicht erst erlebt [grossartig formallogisch aufgearbeitet!].»

Dieses elende «Three strikes, and you are out» (respektive: in) -Zeugs geht mir auf den Stock wie die US-Einreiseformalismen. Ist es nicht vielmehr so, dass wir Frauen darauf abgerichtet worden sind, uns nicht zu schnell zu verschenken (womit wir wieder bei den Schätzen wären), auf rares Engelchen zu machen, damit wir nicht in die Kategorie ‹just fuck – never marry› ge…stossen werden?

Dabei, ökonomisch gedacht, zwei Dates mit einem beim dritten Date lausigen Lover endlose, unwiederbringbare Stunden zuviel sind. Besser, man würd’ gleich zur Sache liegen. Eventuell hat man sich ja nachher nichts mehr zu sagen. Und könnt dann wenigstens weiterpoppen. Oder eben aufs nächste Tram warten.
Und, bevor ich’s vergesse: Unsere beste Unterwäsche tragen wir, wennschon, beim ersten Date. Danach müsste Mann gemäss Waschplan-Schnitt 6 Tage Geduld zeigen. Aber Jungs können Hans und Moritz eh nicht von Carine Gilson (Kleinodien!) unterscheiden. Deshalb lieber nackt als im Pelz.

Soviel dazu. Und, Raoul, ein Management Summary zu Deiner Frage zur Verwendung von ‹Stecher› (‹Spritzer› wär übrigens, effizienzorientiertmodern, adäquater):

‹Stecher› sagen ist nicht per se verwendungswürdig oder nicht. It all depends. Vom Timing. Vom Zeitpunkt. Vom Moment. Vom Kontext. Von der Tonalität. Vom Publikum. Gegenüber der ‹Herz Dame› würde ich tendenziell eine wohlklingendere Wendung wählen, ist ‹Stecher› doch der H&M unter den Fickwörtern.

Falls Du aber primär ‹Stecher› sagst, weil du gerade zwei Mal im Jahr einen ‹Lucky Strike› landest, dann würde ich die zwei trotz ausgeprägten Verbalästhetizismus’ gerade sein lassen.

Matchmaker. Rainmaker.

8. Januar 2009 von Dani S. Tonet

Blog 20

Vor einer Weile hab ich mich für eine Schweizer Datingshow beworben. Genau. Die, die keine Sau schaut und die (spätestens nach der dreiundzwanzigsten Wiederholung) dann doch alle gesehen haben (die nonsingle und männlich tendenziell unfreiwillig vor oder nach irgendwelchen Hockey- oder Fussball-Summaries, die eiskalten, saisonalbedingt nichtpedikürten Pfötchen ihrer Partnerinnen unter dem A…llerwertesten verstaut).

Ein süsses Foto hab ich von mir eingesandt, le Moustache frisch barbiert und mit Murrey’s airwax pomadiert, die Augen schwarz getüncht, die obersten drei der vier Knöpfe der ungebügelten Schneeweisschen-Weste weit geschlossen, gradlinig in die Linse gezwinkert. Und natürlich ist ein paar Tage später der Standbefehl eingegangen.
Zur zu frühen Morgenstunde musst ich ein Taxi in die züriwestsche Industriehaine zwingen, wo meine Zuhälterinnentauglichkeit unter Beweis gestellt wurde. Obwohl meinereins mit einer Dumpfbacke und einem kleinwüchsigen Männervernascher durchaus mitpimpen könnte, bestand meine Ambition primär im Aufmischen der Schlieremerchind.

Schnauzeidank krieg ich gleich beim Entrée die Linse einer bei diesem Nationalstolz von einem Sender rumschwirrenden Praktikantinnenkamerakinder, auf mich gezielt. Ich halt das kaffeefleckige Cosmopolitan vor die alkoholgebleichte Visage und entziehe mich allen Statements, was das Interesse nicht wirklich vermindert. Ich verkrümle mich deshalb auf die Toilette, rauche ein paar Zigaretten und kokle dabei das zehnseitige Vertragswerk, das ich eben unterzeichnet habe an. Das darf ich nicht, und das darf ich nicht, und das muss ich bis ans Lebensende und das gehört unter Androhung der Todesstrafe zu den don’ts (wie zum Beispiel auch das Ausplappern der Vertragsinhalte). Und ich hab auch alles schon vergessen. Burn after Reading.)

Ich glätte le Moustache mit Spucke, schmiere noch mehr indische Asche um die Augen, putze mit dem Finger den frischen Teerbelag von den Lumineers und setz mich wieder auf eine der Warteraumsfestbänke. Die Kamera ist jetzt bei der Trize-Miss-Zentralschweiz 2005, die einen nervositätsbedingten Schweissfleck im Studentengräbli hat, dämliches Landei, man trägt auch keine rosa T-Shirts mit Schweissdrüsenüberfunktion.
Mein vierter Automatenespresso besänftigt den Kater leider auch nicht wirklich.
Schliesslich führt mich der (wenigstens passabel aussehende) Aufnahmeleiter vor die Jury.

Dead Woman walking.
Zu dritt hocken sie hinter dem Richterpult. Hinter sich eine hübsche Grafik, alles schon mal anderer Stelle gesichtet, nur der Text ist neu. Willkommen bei ‹Pisst’s heute? – Das Casting›.

Als ich vor die abgetakelte Ganzkopfmècheszahlerin und dem auch im Sitzen nicht grösser gewordenen Romantikdialektler torkle, merk ich, dass mein Hosenladen offen steht. Ups. Mit einem Anflug von Erstaunen registriere ich am rechten Bankrand ein weiteres ebenso unförmiges wie unfähiges Mitglied des Supreme Court. Den Wetterfrosch himself. Mich beisst ein Storch. Lang lebe das Lokalfernsehen.

«Salüü Dani, säuselt Alphablondie.»
Gleich fragt sie mich, was ich in meinem Kühlschrank stehen habe.
«Pimm’s. Etwa vier Flaschen. Nein, drei sind’s glaub noch», komm ich ihr zuvor.
Was die so guckt? Bin ich etwa die mit dem IQ einer durchschnittlichen 80er-Jahre Bilddiagonale?

Der kleine Henker springt ein.
«Dani. Erzähl uns doch mal was von Dir.»
«Aha. Wir backen Allgemeinplätzchen. Natürlich. Gratulation zur neuen Sendung.»

Frau Buser möchte mich dismissionieren. Der kleine Auch. Die Wetterkröte starrt auf den weit geschlossen Blusenkragen, bläst die Backen und quakt.
«Wohldenn, Dani. In Deiner Bewerbung steht, dass Du Blog-Autorin bist. Worum geht’s denn dabei?»
«Meteorologie.»
Petrus ist nun aufgewickt und schaut mir zum ersten Mal in die Augen, Zahn um Zahn.

«Was dürfen wir uns darunter vorstellen?»
«Nun, ich schreibe über die verschiedenen Liegen, äh, Lagen, oder das vaginale Klima, das nach steifen Brisen lechzt, adiabatische Abkühlungen jenseits des Analen, welche Scheisstypen man im Regen stehen lassen und dergleichen mehr. Also ich seh mich drum als absolute Starbesetzung für Pisst’s heute?»

Die Wetterkröte sinniert irritiert über Cumulonimbus (oder den Nimbus 2000) nach. Das Hellharige schweigt.
Besonders lustig finden sie mich nicht. Aber ich sie wollen mich fertig machen, bevor sie mich rauskippen. Codewort ‹Leidernein›.

Der kleine Kuppler zieht die Galgenschnur.
«Nun, Dani, dann zeig uns doch zum Schluss noch, ob Du sonst noch was kannst. Schau dort in Kamera zwei und eröffne für uns eine Sendung.»

Dani, geblendet von all dem Licht im Raum, zieht die Janis-Joplin-Brille auf, die ihr der jüdische Künstler gestern in den frühen Morgenstunden in die Jeans gesteckt hat und räuspert sich.
«Hallo Tröten und Idiotinnen. Willkommen bei einer weiteren überflüssigen Episode von Pisst’s heute. Hinter mir pisst sich die 23-jährige mickrige Melanie grad in die Hosen, völlig grundlos, wird sie doch auch heute allein ins Bett fallen, wenn auch wenigstens sturzbesoffen auf unsere Kosten, Konzessionsgelder können wir Euch ja dummerweise immer noch keine abknöpfen. Und dann ist da auch noch der dumme Dirk. Er ist Sodomist. Und wir haben ja giggerige Gänse, spröde Schnepfen und kichernde Kühe à gogo an Lager. Wie zum Beispiel Amanda, Mirella und Karen, die hinten grad noch die Pickel aus dem Gesicht geschminkt kriegen. Dirk wird sich wünschen, es gäbe einen Publikumsjoker. Tja, Pech gehabt.»

Die zwei Schicksalsgöttinen sind ruhig. Der Wettergott ist – für einmal – ruhig. Ich ziehe die linke Augenbraue hoch und schaue sie erwartungsvoll an.

«Dani (schwuler Blick auf meine Unterlagen) Tonet. Was zum Teufel hast Du hier verloren?»
«Keine Ahnung. Ich bin eines Morgens aufgewacht und hab gedacht: Pisst’s heute? Und die Antwort war: Scheisse, Mann, was heisst hier heute? Es pisst jeden Samstag.»

Sag’s doch einfach.

26. Dezember 2008 von Dani S. Tonet

Sissy hat Patric zum dritten Mal getroffen. Ein richtiges Date war’s eigentlich nicht, denn die beiden kennen sich schon seit Jahren, haben sie doch beide bei PWC gearbeitet, damals, grad nach der Uni und sich dann nie ganz aus den Augen verloren. Für Sissy war Patric zu keinem Zeitpunkt eine Option dargestellt. Und das nicht nur optisch. Aber sie mochte ihn ganz gut und das Sozialleben besteht schliesslich nicht nur aus Liebschaften, sondern auch aus ‹Freunden› und ‹Kollegen›.

Dass aus dem ‹Abmachen› plötzlich ein ‹Daten› wurde, also ein ‹hidden meaning› in den sporadischen Treffen injiziert worden wäre, hat Sissy irgendwie verpasst. Wieso auch nicht mit Patric am Sonntagnachmittag in den Zoo gehen? – Das macht sie mit ihrem Gottebüebli schliesslich auch. Und ins Kino geht man eh mit Hans und Heiri. Und gute Kollegen lädt man schliesslich auch mal zum Abendessen ein, nicht nur am Singlesonntagabend wenn man vor Langeweile und Einsamkeit darbt wie die Karotte im Wochenbett, sondern durchaus auch mal an einem der verheissungsvolleren Wochen-End-Tage. Und so ein wenig Zweisamkeit probeleben schadet auch nicht nach dem dritten Singlejahr, man muss ja schliesslich in Übung bleiben, das Kompromisseingehenwollen geht ja ziemlich rassig ab.
Nach einer Flasche Weisswein zum Apéro, einem halben Liter Roten und einem vom Reformhaus vorgemischten Eierschwämmlirisotto lässt Sissy zwischen zwei Anekdoten aus den Pubertätskapriolen ihres Nachzüglerbruders verlauten, sie hätte Kopfweh.

Patrics Santaclaus-Hohoho-ähnliche Laute sind unterspurt von Murmelworten wie «Frauen» und «typisch» und Sissy fragt sich plötzlich, ob er auch nur im Leisesten, Mindesten, Geringsten irgendwann in den letzten dreieinviertel Stunden (oder, schlimmer, Wochen, Monaten oder Jahren) auf die abstruse Idee gekommen ist, dass sie jemals mit ihm hätte in die Klappe hüpfen wollen, denn sie hätte auch nach der trippelten Menge Alkoholoide niemals auch nur den leisesten Gedanken daran verschenkt. Plötzlich schaut sie Patric mit anderen Augen an. Und plötzlich findet sie ihn irgendwie doof. Und auch alles, was erin den letzten Stunden, Wochen, Monaten und Jahren gesagt hat, auch. Und sie hat ja immer gesagt, dass er ihr nicht besonders gefällt. Aber eigentlich gefällt er ihr überhaupt nicht.
Das Kopfweh wird dann so stark, dass sich Patric besser auf den Heimweg macht.

Mann und Frau gleich Sex – oder Ex? (oder wenigstens seriell?)

Mein ‹Kollege› (?) Gregor wünscht sich, dass von Anfang klar(er) kommuniziert werden kann. Warum kann man die Chicks nicht einfach beim Meeting Point schon fragen «Was meinst Du, kommt’s heut noch zum Sex zwischen uns oder nicht?»
Er fänd das viel effizienter.

Ich bin im Grundsatz einig. Das Wissen, dass es in spätestens fünf Stunden Sex gibt, kann was ziemlich anregendes haben. Auch sonst hab ich schon gute Erfahrungen mit dem Klartextkonzept gemacht. Zum Beispiel mit Florian, mit dem ich letzte Woche in einem Club etwas geschäkert hab. Beim Tanzen packt er mich und findet: « Weisst Du, eigentlich geht’s mir nur ums Ficken. Aber ein wenig tanzen geht notfalls auch in Ordnung.» Ich hab das irgendwie gut gefunden.
Auch, dass es beim Tanzen geblieben ist.

Drei Haken hat das Ganze allerdings:

a) Was ist, wenn sie ‹eher nein› sagt? Kriegt ihr dann plötzlich Migräne?
b) Wenn du als Frau so direkt bist, kommt’s nicht gut, auch wenn sie nicht enden wollen, zu betonen, dass das die Erfüllung jedes Träumes ist, die schöne (bestenfalls) Unbekannte, die anrauscht, sich das Schlafittchen schnappt und ihn in die Toilette schleppt. Aber: Das Restwenig Jagdtrieb darf dem Mann nicht (auch noch) streitig gemacht werden.
c) Männer gehen fälschlicherweise davon aus, dass Frauen insgeheim von Anfang an beschlossen haben, ob’s am Ende ‹was gibt› oder nicht und sie die Jungs stundenlang zappeln und werben (und Drinks bezahlen) lassen, um ihnen dann am Schluss die Gnade zu erweisen. Oder eben nicht. Und das stimmt nicht. Sex ja oder nein hängt nicht nur vom Knistern in der Luft, der Dosis Spiritus oder seinen hässlichen Schuhen, dem süssen Schmuck am Hals oder der spannenden Linie der Vene am Innenarm ab, sondern von einem einzigen doofen Spruch oder Witz, der einem in letzer Sekunde möglicherweise der Lust beraubt.

Ich zumindest würde aber öfters mal ‹Dankenein› sagen, wenn man mich schon um zehn pm und vor dem zweiten Pimm‘s fragt. Aber die Chancen können in der Spätfolge durchaus, wenn das etablierte Prozedere seinen Lauf nimmt. Nicht vergessen: Manchinnen saufen das gegenüber attraktiv. Anderinnen trinken, um das nicht mehr so straffe eigene Bindegewebe zu vergessen.

Kodak Instamatic.

18. Dezember 2008 von Dani S. Tonet

Blog 18

 

Ich hab hat eine niedliche Foto-Sammlung auf meinem Handy. Neben einigen selbstgeschnappschossten Sujets (vornehmlich spannende Muster von Bodenkaugummis oder illegal entsorgte Hundekacksäckli) findet sich da der eine oder andere Roland.

Zum Beispiel Roland, strahlend, zwischen dem verschmierten Daumen und Zeigefinger eine Zuckerwatte (für seinen Göttisohn) geklemmt. Roland, strahlend, im Hintergrund das Yawl-Rigg (seines Onkels). Roland, strahlend, vor unberührten Sanddünen (inklusive Oakley-Sportbrille). Grossartig. Roland, strahlend, neben einem Grande-two-pound-cinnamon-latte-(to-go) mit Namensetikette. Roland, dem (irgendwo auf der Welt) grad die untergehende Sonne aus dem Arsch scheint.

 

Allesamt Zeugnisse davon, wie sehr Roman, das Kameraauge auf sich selbst richtend, an mich gedacht hat. In fast allen Lebenslagen. Quasi.

 

Als ich dann, nach Ablauf der 24-Monate-Frist, mein Natel-Abo verlängert und ein noch hightechigeres Gerät hinterher geworfen gekriegt hab, hab ich entdeckt, dass Roland, strahlend, die identischen Bildli auch an – je nach dem zwei oder auch vier – andere, mir (wenigstens) fremde Nummern versandt hat.

Das war’s dann mit mir und Roland.

Aber nicht mit dem Photophänomen. Neuerdings krieg ich Bildli von Thomi, Mike und Serge. Auch die sind viel unterwegs. Und denken immer an mich. Ein richtiges virtuelles Poesiealbum.

Ich frag mich aber: Was soll das? Und, vor allem: was soll ich damit? Ausdrucken und eine Kühlschrankgalerie eröffnen? Ein Memory basteln? Gut und recht, wenn das Ego im Zentrum steht und im – mehr oder weniger – goldenen Schnitt festgehalten wird. Für die Ewigkeit. Aber muss man dabei Dritte als externe Natelharddisks missbrauchen?

 

Offensichtlich sind wir, wenn auch mittlerweile alle um die drei Jahrzehnte alt, keinen Schritt weiter als damals, ende Primarschule, wo man mittwochs und samstags den Schwarzweiss-Fotoapparat beim Central mit Fränklern stopft und galt: Wer in Fötelisammlungen drin ist, ist dabei. Wer in möglichst vielen Fötelisammlungen drin ist, ist der Coole von der Schule.

Exakt wie bei Facebook: je mehr drin, je dabei, desto Lebensqualität. Der ewige Kampf gegen Vergänglichkeit und Vergessenheit.

 

Meine MMS-Kronjuwele ist ein Fotoquartett. Fast schon ein Daumenkino. Nacktföteli. Uuu! Nicht von mir, natürlich. Pascal le Beau. Vom Kopf bis zum erigierten Zeh.

Ich zeig die nicht gross rum. Nicht aus Respekt gegenüber seiner privaten Intimsphäre, die er in dem Moment verwirkt hat, in dem er send gedrückt hat.

Aber wir Frauen sind ja nicht speziell schlüsselreizaffin. Und Männer interessieren sich nicht für die Schwänze anderer. Und dann ist Pascal auch noch (mit einer anderen) verlobt. Und war es bereits, als er sendgedrückt hat. Und wir haben uns im Guten getrennt. Gut für ihn.

 

Markus hat in der fünften Klasse ein Polaroid-Föteli von seinem Dings rumgezeigt. Aber natürlich nicht allen. Nur den Auserwählten. Das war ziemlich eklig.

Endlich. Mehr Leistung.

11. Dezember 2008 von Dani S. Tonet

Blog 17

Wie das so geht: Die wirklich hübschen Details unserer Geschichten und Geschichtchen erzählen oder erfahren wir tendenziell im Nachhinein, wenn man sich, während man seinen eigenen Worten lauscht, nicht mehr permanent fragen muss «was zum Teufel mach ich da eigentlich?»

Ab wie vielen Wochen hat man den Titel des Lebenspartners oder der Lebenspartnerin abverdient?

Sonja hatte diesen Sommer ein ausgiebiges ‹Gschleipf› mit Detlef dem G-Punkt-Genie. (http://danitonet.wordpress.com/2008/10/23/gestatten-mein-name-ist-punkt-g-punkt-wer-sucht-der-findet-teil-ll/). Nachdem Detlef dann [Anm. d. Red: endlich!] mehr oder minder charmant konsequent darauf hingewiesen worden ist, das Beziehungszeitliche zu segnen und er den Inhalt dieser Botschaft zu guter Letzt auch verstanden und umgesetzt hat (indem er sich wenige Tage später mit einer fadenscheinigen Person haltehändchend auf dem Üetliberg schlendernd besichtigen liess), war Sonja zwar um einen Master of G Spot ärmer, dafür um einen Totsch in ihrer Biografie reicher.

Endlich wieder Kaffee und Zigaretten zum Frühstück.

Wie sich das gehört.

Endlich keine dieser beknackten Smoothies und (mit vermüesletem Rauchlachs angereichertes, peterliverziertes) Omelett mehr.

Endlich keine Kamelhaare mehr im Entrée.

Endlich keinen Microscooter mehr an der freien Hand auf der anderen Seite.

Endlich keine Croc’s mehr im Blickfeld.

Endlich nicht mehr einschlafen.

Während dem Sex. Wenn das Gräfenberg’sche Zonen-Exploring vorbei ist. Zum dritten Male. Aber er immer noch nicht fertig. Gott.

Endlich keine sich im Steissbereich sammelnden Rinnsale mehr.

Endlich keine sich an Haarstähnen abseilende und auf ihre Stirn oder die (geschlossenen) Lider perlende Schweisströpfchen mehr.

Einmal, als das angestrengte Geruckels auch nach einem Mini-Powernap nicht aufgehört hat und sogar das allerletzte Nachzügler-Lustgefühl mit dem TGV in Lyon angekommen ist, hat Sonja Detlef gefragt, warum er sich eigentlich abrackere wie ein die Abhalfterung fürchtendes Ross.

Weil er bereits letztes Mal [Anm. d. Red: also am Morgen zuvor] schon nicht so gut performt habe. So Detlefs denkwürdige Replik.

Was um Himmels Willen wollte er (notabene auf Kosten der Abnutzung ihrer Genitalien) beweisen?

Invalid

Ejaculatio praecox ist scheisse, selbstredend. Aber mit Ejaculatio retardata (ein vermuteter Vorläufer von Anorgasmie) durchaus noch zu toppen.

Dass Frauen mehr Zeit brauchen, ist ein dummes Ondit zum Zwecke der Invalidisierung des weiblichen Geschlechts. Oder: das war vielleicht mal. Willkommen im Zeitalter nach der sexuellen Revolution.

Eine gute Performance heisst drum keinesfalls: je länger je besser. Sondern, die Karre so steuern, dass nicht der Reservetank angezapft werden muss, wenn das Rennen schon lang verloren ist. It’s all about Timing. Und Technik. UND Grösse.

Drum der simple Rat (und der gilt ganz besonders für die, deren Hauptqualitäten im penislosen g-punkten liegen): sieben Minuten Überzeit sind mehr als genug. Sonst überschreitet das Gedankenshopping die Kreditkarten-Limite.

Und, bitte, nicht vergessen: Wenn alles nichts hilft: raus damit und help yourself. In Gottes Namen.

Sonja kann wieder in Frieden und Ruhe schlafen.

Endlich.

Ohne dass einer dabei sein Schnäbi reinhat.

Was sie wollen.

4. Dezember 2008 von Dani S. Tonet

Blog 16

Da gibt’s einen in Zürich, der behauptet, er wisse es. Und damit Geld verdient.

A.F. – The Man. Anachronistische nadelgestreiften Accessoires verleihen dem stocklos behüteten Kavelier der Schule von gestern eine schnöselhafte Couleur. Wässrigeblaue Augen mögen von intensivem Alkoholzuspruch zeugen. Alles in allem: definitiv nicht mein Typ. Keiner, nach dem frau sich den Hals verkehren würde, nicht im überschaubaren Club, auf der vollen Strasse schon gar nicht. Dennoch hat er’s in die NZZ am Sonntag gebracht.

Er weiss.

Was Frauen wollen.

Behauptet er.

Und – er kriegt sie auch.

Sagt er.

Und Du kannst das auch.

Glaubt er.

Für läppische 3230 weiht er Dich rätzfätz zum Don Giovanotti.

Schreibt er.

Gigoloterie ist lernbar – welch Offenbarung!

Ich weiss auch, was Frauen wollen. Ganz einfach. Häufig. Manchmal, wenigstens. Und irgendwie wohl doch nicht, letztlich. Die Kriegsjahre, die die Schweizermänner glücklicherweise nicht derart dezimiert haben, sind vorbei und die goldenen Nachkriegsjährchen ebenfalls. Essig mit der Zeit, in der wir Frauen hinter den Herdplatten für das gattliche Wohlergehen sorgten, Kegel schniegelten und striegelten und ohne eigenes Vermögen auf dem Konto brav und angepasst in Heiraten vor uns hinvegetierten bis in die späten Siebziger. Die Emanzipation ging Hand in Hand einher mit dem Siegeszug der elektrischen Waschmaschine. Welch ein Zeitgewinn!

Und, effizienzorientiert wie Frauen von Natur aus sind, haben sie die ersparte Zeit in ihre persönliche Weiterentwicklung investiert. Das Schulsystem war (absurderweise) immer schon auf weibliche Qualitäten (ruhig sein, zuhören) ausgerichtet. Der Siegeszug des weiblichen Geschlechts nahm seinen Lauft. Frauen drücken heute im Schnitt länger die Schulbank. Das heisst: bis die besser ausgebildeten Weibchen mehr Führungspositionen innehaben, ist nur noch eine Frage der Zeit. Das macht Angst. Zum Beispiel der Volkspartei, die findet, vier Frauen im Bundesrat seien (mindestens) ein Schlumpfinchen zuviel und deshalb zwei Bauern aufs Schachbrett stellen. Aber fertig abgedriftet.

Noch gar nicht lang ist’s her, das war alles ganz einfach. Da hatte ein Mann zu sein wie Richard Gere in Pretty Woman oder in einer anderen seiner bärenäugigen Parts, die einem heutertage nach wenigen Minuten kotzen lassen. Aktuelle Role Models sind dünn gesägt. David Beckham – vor der Zenithübertretung – hat Profil wohl nicht schlecht erfüllt. Linkerhand der fürsorgliche, rührige Familienpapa und daneben das wilde Tier auf dem Rasen. Und im Bett natürlich, die Potenz ist ja augenscheinlich. Frauen wollen beides. Alles. Das ganze Spektrum. Von Anständig über charmant und distinguiert esoterisch formvollendet gebildet undsoweiter bis sensibel und zärtlich. Und dazu animalisch, biestig, cholerisch, draufgängerisch, egomanisch, bis machohaft, testosteronend, transpirierend, unabhängig und wild. Solche Männer sagen, „Schnauze, Baby und komm her“ und, drei-vier Stunden später, „Liebste, das verstehe ich vollumfänglich, du hast Recht, so zu reagieren, komm, ich koch uns einen ayurvedischen Blütentee.

Beides. Alles. Und zwar auf Knopfdruck. Sonst verzichten wir dankend. Sorgen können wir nämlich für uns selbst.

Das macht den Mann zum Luxusartikel, ein Supplement. Und stellt ihn vor Probleme. Dafür lernt er, zu reden. Mit seinem Therapeuten.

Was Mr. Augenwasser in seinem Boot Camp «AFQ» (Alpha Male Qualities) vermittelt, hat er der NZZ nicht verraten. Schliesslich lebt er davon. Seine 3-Phase-Strategie lässt aber erahnen, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat: in der ersten Phase hat man Mr. Social zu inkarnieren, dann Mr. Comfort und zum Schluss Mr. Seducer. Der Plan hat nur ein Ziel: Sex. Die Versprechungen sind hoch: in maximal sieben Stunden ist man am Ziel (ohne Angaben, auf wie viele Jahre sich diese verteilen und, falls am Stück, ob man dann noch Kraft für dafür in petto hat).

Ich trau der Sache nicht. Denn ich weiss, der einzig wahre Rat wäre: Vergiss es. Unter dem Strich wirst du niemals genügen.

Möglicherweise könnte aber ein kleiner Spezialkurs die Chancen der Mitglieder unserer wachsenden deutschen Exilcommunity erhöhen. Die kommen bei den Schweizerfrauen offenbar ganz schlecht an und weg.

Mehr davon.

27. November 2008 von Dani S. Tonet

Blog 15

Neulich beim Pastis mit Sissy. Sieht danach aus, als wär sie demnächst wieder in festen Händen (obwohl, ob der Sprenzel Patric richtig an- und zupacken kann, ist ziemlich zweifelhaft). Nicht deswegen aber ist sich Sissy der Sache nicht sicher. Sondern, weil ihre Libido in der ‹committeten› Form der Partnerschaft nach einem Jahr maximal nach einem anderen Genkonglomerat resp. anderen Handauflegern schreit – und sie diesem Ruf früher oder später nachzugeben gezwungen ist.

Dass die Lustkurve vieler Frauen in Beziehungen, je ‚fester’ diese eben werden, desto steiler fallen, ist hinlänglich bekannt. Nicht, dass Männer deshalb weniger fremdspazieren. Sie sind aber doch allzeit bereit, auch bei der eigenen Partnerin in die Bresche zu springen. Es geht bei ihnen offenbar vielmehr darum, (überhaupt) jemanden für Bettgeschichtchen zur Verfügung zu haben. Das ist verständlich, schliesslich ist der Aufriss ein anstrengendes, zeit- und geldintensives Unternehmen, das zudem ziemlich rezessionsanfällig ist. Während der Schuster also auch dabei willens ist, möchten die Leisten lieber aus dem Business aussteigen. Entweder, sie tun’s dann, oder sie rutschen langsam aber sicher in die Asexualität ab.

«Wie viel Sex ist denn überhaupt genug?», wollt ich von der Community des online Newsletters, der die Zürchernden so cool machen, wissen.

Die erste Antwort ist mein liebstes Votum zugleich. Sequelle, ganz pragmatisch, klammert den Lustfaktor gänzlich aus: «Nie ist zuwenig, zuviel ist, wenn’s gerötet ist und brennt.»

Das nenn ich Einsatz! Wie schon die Toten Hosen anno dazumal wussten: «Auch wenn es weh tut, rein muss er doch!» Daniel würd sich dem bestimmt anschliessen. Mit seinem neuen Ikea-Bett geht’s nämlich wie geölt: zählst Du noch oder f***** Du schon?

Herr Nebensatz äussert sich daneben viel genügsamer. «In einer Beziehung habe ich zweimal pro Woche Sex, und das finde ich toll. Habe ich keine Beziehung, habe ich so gut wie nie Sex, und das finde ich gar nicht toll.»

Ob er älter ist als 15?

Auch Nimmersatt Blake outet sich als Testosteronross. «Jeden tag, am Wochenende täglich zweimal.»

Ob das den Wünschen oder der (gelebten) Realität entspricht? So oft zum Zug zu kommen, wär ihm zu gönnen Aber bitte ohne Brennen, Rötungen und Vaginalmykose.

Lucid, bereits befreit von den Zwängen der Triebe, behauptet, Sex müsse eine gewisse Exklusivität behalten: «Täglich? muss ja furchtbar öde werden mit der Zeit…je nieer, desto besser.» Das gute daran, Schleimhäutchen und G-Punkt werden nicht abgewetzt und weder Schmerzenslaute noch Haushaltsgeld müssen auf dem Behandlungsaltar der Brazilian Waxerin geopfert werden.

Slomo bringt mit dem modus vivendi einen wichtigen Faktor ins Spiel: «Wie wird überhaupt gezählt? Zählt die ‹frühmorgendliche Halbschlafnummer oder letztlich nur das ‹Reinraus›?» (Ja, Slomo! Halbe Sachen sind doch immer beschissen.)

Der foren-lesende und forumsfragen-beantwortende Heindoof hat klug konstatiert: «Ich halte es so, falls ich jemals zu bloggen beginne, hab ich zu wenig.» Gut gebrüllt, Löwe.

Auch Rotzgöre findet meine Frage doof. Von Statistiken hält sie nichts, Strichleinlisten sind scheisse, es zählt einzig die Qualität. Dennoch (inkonsequent?) gilt für sie ‹persönlich› je öfter je besser. Weil sie aber grad Single ist (und offenbar total erfolglos), bedient sie sich gern auch ihrer zwei [sic!] Hände. Weiter so. Mal vüre mal hindere mal links mal rächts. Aber zählen tut’s trotzdem nicht.

Wer noch immer nicht schlauer ist, nehme Chouchous Antwort als Zollstock: «Ich find gut: bei jedem Treffen mit dem Partner (also 3-4 x pro Woche) plus am Wochenende und in den Ferien mehr, weil mehr Zeit.»

Astrologisch gesehen, würde sich für die drei bis vier Mal pro Woche Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag empfehlen. Und dann ist ja schon Wochenende.

Dass es dann wenigstens am freien Dienstag nicht mehr brennt, ist zu hoffen. Aber da kann der Apotheker vielleicht weiter helfen, oder ein Profi von der Dienerstrasse.

Fazit: Schlaue Erkenntnisse zu diesem Thema gibt’s keine. Ich arbeite deshalb gerade an meinem ersten populärpsychologischen Werk: Die Sex Diät – Wie SIE immer Lust hat – und ER die Stange hält.

Das Werk wird ziemlich kurz. Jojo-Effekt.

The Fucker Phenomenon

20. November 2008 von Dani S. Tonet

Blog 14

Da hab ich neulich diesen unglaublich tollen Typen kennen gelernt. Genau meine Krawattenweite. Einer, nach dem man sich umdreht, wenn auch erst nach zwei Zweitblickreaktionssekunden. Dann war’s aber nicht nur der optische Liebreiz, sondern das Mensch war auch noch hinlänglich gescheit, ertragbar ökologisch, beachtlich hochkultursouverän und ebenso partypräsentabel, respektabel kinderaffin, erstaunlich intact-homed, zulänglich beziehungserprobt, passabel nichtvegetabil und tunlichst gutküssend. Und: welch seltenes matchmaking Killerkriterium: Er findet Prince genauso beschissen wie ich.

Und doch.

Und doch hat’s irgendwie nicht gereicht. Zusammen weg, am Tresen vom Volkshaus abstürzen, der erste Knutschversuch (während) in der Toilette auch ein Elchtest, am späten Samstagnachmittag in die Pampa im Fotomuseum an der Dark Side-Ausstellung rumlatschen, (je) vier Correttos im Ziegel au Lac in der Mittwochsmittagspause (drin natürlich, trotz schönstem Herbstsonnenschein) schlürfen. Sogar seine Schuhe (zumindest die geprüften drei Paare), waren soweit ok. Und da bin ich WIRKLICH heikel.

Und doch.

Und doch fehlte da was. Meine Mutter würd mich an die Fahnenstange hissen wenn sie wüsste, dass ich die fein geschliffene Zweikarätertrouvaille Dominic M. mirnix dirnix abgesägt hab, den fleischgewordenen Märliprinzen, das Swissdate aller Herzblätter.

Dafür hab ich mich Hals über Kopf in die Affäre mit Jacques J. gestürzt. Gefällt. Was für ein Typ.

Und was für ein fischglitschiges, wassermannwindiges, bindungsinkompatibles, gesellschaftsschädigendes Arschloch erster Güte, Migros Sélection (ohne Cumulus-Punkte), epochal.

Setzte man sie auf Waagschalen würde Dominic ungespitzt bis äne Tubak durchsinken und Jacques’ Kopf auf der Milchstrasse von einem SUV plattgefahren.

Und doch.

Und doch wär ich mit Jack-Ass nach Burkina Faso ausgewandert. Sans papiers.

Warum wählt Frau unabhängig von IQ, Alter, Hautfarbe, Füllfederhalterbrand, Fersenhornhaut oder Vorliebe für Taschentücher mit Kamillenbeschichtung im Zweifelsfall den Verderben bergenden – und bringenden – Darmausgang?

Dazu gibt’s selbstredend eine hübsche Palette populärwissenschaftlicher Thesen, insbesondere da die Frage auch die <Netten>, ewigen Zweiten unter den Y-Chromosomaten brennend interessiert. (Denen rat ich drum dringlich, sich unter die bereits Geschiedenen zu mischen, möglichst die mit Trabanten am Hals, die haben’s vielleicht gelernt.)

Eine Auswahl an Erklärungsmodellen für <The Fucker Phenomenon> (TFP):

These l: Psychogenetik. Frauen, stigmatisiert von tausend Jahren Gewaltanwendung, perpetuieren (unbewusst) die Opferrolle.

Lösung: keine. Kapitulieren und weiterleiden.

These ll: Autodiagnostik. Frau leidet (unverschuldet) an einem Konstruktionsfehler. Nix zu machen.

Lösung. Die Jungs, resp. die artigen, braven, netten, anständigen Langweiler müssen ran an die Töpfe, lernen, das ihrer Natur fremde <Eau de Cul> zu destillieren und damit Frau (unter dem olfaktorischen Deckmantel des Maliziösen) zu ködern.

(Ob das funktioniert, wag ich zu bezweifeln. Meine Gene riechen Wimps&Posers jedenfalls wie die Madenmarroni in der braunen Doppeltüte.)

These lll: Hybris chronica. Frauen sind defaultmässig besser und klüger. Und sie glauben (die eigene Morphogenetik projizierend) ans Gute in Gottes Geschöpfen. In der Annahme, <in des Arschlochs Tiefen die Perlen zu fischen>, quasi das Arschloch vom schnuckligen Biest zum biestigen Schnuckel disziplinieren zu können, irren sie hingegen (ausnahmsweise).

Lösung: keine. Auch für Dich nicht, Herzchen.

Zum Trost: das Arschloch hat immerhin Kaulquappen-Potential. Der fade Krötenkönig aber ist und bleibt ein Lurch.

These lV: Periodensystem der Hormone. Ein Arschloch riecht stierisch wie Stanley Kowalski, nach reinem 5 alpha-androst-16-en-3-one. Und: wo der Samen viele, sind der (potenziellen) Sprosse gar zahlreiche. Was Frau dabei gern vergisst: das potente Arschloch will möglichst zahlreiche Weibchen schwängern (oder wenigstens vögeln), um sich (oder zumindest sein Ego) maximal zu multiplizieren. Und: wenn der Arsch so unwiderstehlich selbstüberzogen stinkt, denkt sie an eine Korrelation von hoher Selbst-Konfidenz und groooossem Spielzeug. Und ist doppelt enttäuscht. Gross ist nur geplustert – und der Carrera-Bolide in Wahrheit ein fehlverpackter Märklin-Güterwagen.

Lösung: (einfach aber unästhetisch): Wäscheklammer auf die Nase – und das Arschloch stinkt und rottet unbemerkt alleine vor sich hin.

These V: Familienstellung (frei nach Hellinger). Die Wurzel des Übels ist nicht der (vermeintliche) Dreckskerl, sondern die eigene Mutter, der Frau mit dem <Traumschwiegersohn> selbst im heiratsüberreifen Alter noch gerecht werden wollen.

Lösung: Für Frau Mutter mittels Leasingvertrag eines dieser schnüsigen Bürschchen aus dem nahen oder fernen Osten einfliegen. Und selber mit dem Testosteronboss freudig und glücklich bis ans Ende der Tage wandeln.

Deshalb: doch.

Dominic M. musste abtreten.

Ach.

Ich glaub, es lag letztlich daran, dass er einen Golden Retriever hatte.

Und da bin ich etwas heikel.

Nimmsiplies sucht den Super-Al-Fackatah.

13. November 2008 von Dani S. Tonet

Blog 13

Das Resultat des – meiner Ansicht nach kaumwiderstehlichen – Aufrufs, (die) Cochones zu zeigen, war, nun ja, wenn auch weniger zahlreich als erwartet, doch irgendwie noch unterhaltsam. Wahrer Mann ist rare Ware, scheint’s. Aber am Ende des Tages tut’s zum Glück ein einziges passables Exemplar.

Die versprochene (Zwischen-)Bilanz:

Prima vista dismissed mit BC(Body Count): 5 sind alle, die nicht kapiert haben, dass Sug Arbabe ≠ Dani Tonet, ich fungiere ausschliesslich als agens cuplens.

Wenig anzufangen war auch mit Frank(mit-k)s Erguss:

«Schweissbäche werden wie Tsunamis über deinen Körper rollen…»

Wessen Schweiss, bitte? Leidet der Mensch an einem Drüsenproblem?

Er scheint es selbst gemerkt zu haben. Selbstkorrektur des aka Franc(mit-c):

«Hier bin ich… [wieder] habe spanische Wurzeln und das entsprechende Temperament in allen Lebenslagen…[Lebenslagen? Temperamentvolle Knoblauchtapas?] liebe die Lust auszuleben [bis sie aus ist], hemmungslos, leidenschaftlich und ausdauernd… Möchte dich ja nicht in Stich lassen [da fällt das Stich-Wort!] und auch die CH-Männer nicht schlecht aussehen lassen… [Hä?] also, melde Dich für Weiteres… bin offen für Neues… ;o))»

Was mich anbelangt: klingt absolut überzeugend.

Der Unbekannte alias ‹arab-kam!› rät allerdings dringend ab:

«Hallo!!!, ‹…und ich hab das Temperament eines Vollblut-Arabers und die Lässigkeit eines kamerunschen Taxifahrers…› tut mir echt leid, Franc[mit-c] (und natürlich auch alle Spanischen Männer), echt, du bist zu geil für diese Welt…..würg, jetzt hab ich mich verschluckt. [Nicht an Frank(mit-k)s Schweissbächen, so hoff ich doch!]»

Spielt ruhig Gladiatorerlis auf meiner Site. Das tut gut, in einer überintellektualisierten Welt, in der nicht mal Profis mehr anständig Fussball spielen können.

Bilanz Facebook-Gruppe. BC: 7. Ernüchternd wenig Kreativität ist hier an den Tag gelegt worden. Etwas mehr Efford für Frau Nimmsiplies, Effendis!

Gestrichen sind auch die Zujungen (BC: 3), obgleich mangelnde Übung egalisierende Effekte zeitigen könnte. Aber: ich erinnere an http://danitonet.wordpress.com/2008/09/25/inho-und-der-kleine-mann/.

Andere Versatzstücke (BC: 2) fallen durch die Maschen, weil sie die goldene 40 bereits überschritten haben. Der «bekennende Cunnilinguist» hat zudem nicht kapiert, dass es ums Vögeln geht, nicht um’s – eben.

Raul (noch so ein Spanioggel?) klagt nicht über Begriffsstutzigkeit und scheint ein Mann von Tat. Oder zumindest Klartext. Und hat in der Schule Brecht gelesen:

«da fällt mir noch ein:

komm, sei mein Passagier

ficke, ficke, fick’ mit mir.»

Danke, Raoul, sehr hübsch.

Mein persönlicher Favorit ist – Sandra:

«Ich hab auch so die eine oder andere Freundin, die langsam ‹verspinnwebt› [sic!] und hab mir ebenfalls schon Gedanken macht, wie man die wieder an den Mann bringt.»

Gelesen, Jungs? Da gibt es offenbar dutzende, wenn nicht hunderte Miss Nimmsipliesen auf den Strassen aufzugabeln, also Kopf aus dem Sand und die Fahne in den Wind.

Infrage kommt – wenn auch unter Vorbehalten – ein goldbehaartes Christenkind namens André.

«Hallo Kameltreiber, Beduinenjazzer und Windhosenjäger

What the f’oup’s is that wiederemol [Ein Ostschweizer. Oha lätz.] klingt sehr verlockend muss ja ne Hammerbraut sein… und die findet keiner, weil sie in der Wüste schwebt… kaum zu glauben, dass die hier versteigert werden soll… smile

However whatever ich geh zum Coiffeur und lass mir braune Chruseln aufkleben, damit meine Freunde ihren Kopf nicht hinhalten müssen…»

Aktueller Killer-Kandidat ist aber ‹Sultan Al Thom›. Keiner hat das Eloquenzgebot exemplarischer umgesetzt als er. Urteilt selbst:

«Salam!

(Er steigt von seinem Hengst herab; dieser schnaubt ein wenig.)

Man sagt, hier werde ein Maid aus purem Zucker geboten, die seit vierzig (in arabischen Zahlen: 40) Monden nicht mehr ihre Hände in stramme Pobacken gekrallt habe?

(Er hebt eine Augenbraue und guckt rhetorisch, falls man das überhaupt kann. Der Hengst tut es ihm überraschenderweise gleich.)

Gut. Ich bin Ihr Mann. Ich bin Spezialist für solche Fälle – ich bin sicher, der Ruf meiner Liebhaberqualitäten ist längst zu Ihnen gelangt?

(Wieder die Augenbraue, diesmal gähnt aber das Pferd.)

Perfekte Manieren. Aufmerksamkeit. Einfühlungsvermögen. Einfallsreichtum. Eloquenz. Grosszügigkeit. Gelassenheit. Endloses Körperfeuer.

(Zu den letzten Worten wiehert das Pferd und bäumt sich auf. Es ist nicht ganz klar, ob es dafür abgerichtet wurde.)

Ich habe hier ein Bild von mir. Lassen Sie es der geheimnisvollen Göttin zukommen. Und sagen sie ihr, dass Skaterboyphantasien etwas für Mädchen sind. Frauen haben keine Vorstellungen, sondern Ansprüche. [Wo er das wohl her hat?]

(Er besteigt den Hengst.)

(Er sprengt davon.)»

Mir wär’s zuviel Gepferdeflüster.

Zuviel Blabla überhaupt. Dem Pferd wäre vielleicht sogar der Vorzug zu geben.

Aber Sug Arbabe hat den Schleier spaltweit geöffnet.

«Liebe Dani

Dein Bote ist angekommen und hat mir die Nachricht des unbekannten Sultans überbracht. Ich bin verwirrt – wie kannst Du mich nach 40 Monden Einsamkeit direkt mit einem strammpobackigen Machthaber mit gelocktem (blonden) Haar konfrontieren? Dessen männlicher, testosterongetränkter Schweiss (mit leichter Kamelnote) selbst durchs anonyme Netz bis zu mir in die Einsamkeit der Wüste dringt und das ((villicht nümä?) umesuscht konservierte) Gänsehäutchen bereits auferstehen lässt?

Wie kannst Du meine in der Einsamkeit gleichsam revirginisierte Seele mit einem Liebesprofi konfrontieren?

Doch die Nächte werden kälter in der Wüste, der Wind herber und die Oasen stellen sich immer öfter als Fata Morganas heraus. Statt in die (nackten) Pobacken greife ich in nackten Fels, statt den Strom sprudelnden Rotweins trinke ich staubigen Sand.

Deshalb, liebe Dani: sollte man dem schönen Sultan mit Samtzunge allenfalls Einlass gewähren ins Jungfrauenzelt?

In Erwartung Deines weisen Rates,

Sug Arbabe al Fackatah ben Nimmsiplies»

Den weiteren launigen Verkehrsverlauf leg ich hier aus Platzgründen nicht offen.

Eine erste ‹Kamelwäägete› ist mittlerweil vereinbart worden und findet dieser Tage statt.

Und wenn sie danach doch nicht in die prallen Backen beissen will, steht Stella schon in der Schlange:

«Wenn Sugarbabe ihn nicht will: ich nehm’ ihn!!!!»

Auch gut.

Bloss: Was mach ich dann mit Frau Nimmsiplies? Auf die gute alte Einer-geht-noch-rein-Vodka-Apfelsaft-Tournee. Bis die letzten Selektionskriterien fallen. Wie man das halt so macht in Zürich.

Haha, fuck you.

6. November 2008 von Dani S. Tonet

Blog 12

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Präambel in eigener Sache

Mehr Fakten zu Futurum (oder Fatum) von Sug Arbabe Al Fackatah ben Nimmsiplis’ Faktotum gibt’s nächste Woche.

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Wisst Ihr, was ich nicht besonders lustig finde?

Wenn Typen, die Chicks zuhause haben, andere Frauen mit billigen Sex-Sprüchen langweilen.

Was ich auch nicht besonders lustig finde?

Wenn Typen, die Chicks zuhause haben, mit anderen Frauen rumhantieren.

Was ich noch auch nicht besonders lustig finde?

Wenn Typen, die Chicks zuhause haben, mit anderen Frauen rumhantieren und ihre Kollegen dabei zu Zwangskomplizen machen.

Was ich gar nicht lustig finde?

Wenn Typen, die am Morgen aus meinem Bett kriechen finden, sie seien verlobt.

(Nun, so was vergisst sich verständlicherweise leicht über Nacht.)

Aber das ist eine andere Geschichte.

Svenja hat was mit Marc laufen. Marc hat definitiv auch was mit Svenja laufen. Davon weiss Sybille-Rita aber nix, denn es gilt als taktisch ungeschickt, die Frau, mit der man vor einem Monat zusammengezogen ist, derartig vor den Kopf zu stossen.

Und mit Sybille-Rita ist ja alles okay. Gut, sie ist nicht blond und auch nicht so schlank und eigentlich wär Svenja überhaupt der bessere Match. Aber Trennungen sind immer so unbequem.

Marc lässt seine Phantasien und Pfötchen aber nicht von Svenja und fährt die Mehrspur. Selbstzufrieden und egoschwanger.

Mit der sensiblen Nase des Defraudanten riecht er rasch, wenn Svenja kurz vor dem Absprung ist und wirft Zuckerwerk, nach dem sie in liebender Hoffnung kussmundet. Dabei geht Marc nicht besonders achtsam vor. Sybille-Rita hätte das eine oder andere SMS wohl wenig goutiert. Auch der kreative Brief in Form eines selbstgefalteten Origami-Vögelchens mit den Top-Ten Bücher-, Platten-, DVD- und Things-to-do-before-you-die (inklusive Sex (mit ihr) in der uniqen Abflughalle)-Listen wär eher disamusing gewesen.

Gefühlsbezeugungen sind immerhin nur cunnilingual erfolgt.

Obschon der Rest der Welt, parsprototoisiert durch Suzie und mich, uns einig sind, dass, wer sich wie ein Arschloch verhält, auch eins sein muss, verbeisst sich Svenja in die Wolle des Wölfchens.

Nach ein paar Wochen Techtelmechtel wird es Marc zu brenzlig und/oder emotional. Er zieht das Schnäbi ein und bricht den Kontakt ab.

Svenja löscht ihn aus.

Wenigstens auf Facebook.

Eins der legendären Zwischendrin-Dankandich-Denkanmich-SMS.

Svenja re-friendrequestet.

An der Verlobungsparty (Jaja, man muss die Feste feiern, solang der Krug noch in der Küche steht) von Svetlana F. und André S. schleicht man sich wieder über die Kreuzung. Svenja, infiziert mit dem Hoffnungsschimmervirus, fucking beautiful im neuen Stiefeloutfit auf der Matte, mutgetrunken für den worst case, was sich als bitternötig erweist, da Knacky Marc den ganzen Abend mit Sybille-Rita, Svenja the Curare-Pokerface knutscht. Blablahallihallo-Intermezzo.

Svenja’s Stilettos umzingelt von anderen Schlänglein.

Die Fete ist aus.

Abgang Svenja nach links.

Abgang Marc und Sybille-Rita, händchenhaltendlos.

Nächster Morgen, zehn Uhr. SMS-Alarm.

Ich hab mir gedacht, dass Du auch dort sein wirst. Dumme Konstellation. Hab mich trotzdem gefreut, dich zu sehen. Ausser Floskeln hatten wir uns nichts zu sagen. [Marc scheint klar zu sehen]. War das die Situation? [Marc fragt dumm. Ist dumm.]. Oder ist alles gesagt zwischen uns? [Marc wirft Feuersteine.] Rhetorische Fragen. [Marc lügt]. Jedenfalls warst Du super sexyschön anzusehen gestern Nacht. [Marc wirft Feuersteine und ist offenbar scharf].

Soweit das Facebook-Reporting vom Sonntagmittag.

Sechsunddreissig Minuten später. Reaxe Suzie.

HORNOCHSE. IDIOT. DUBBEL. WI****

Dreiundachtzig Minuten später. Reaxe Dani.

Kantonale Jagddirektion hat Schaf ‹JJ Zottel› zum Abschuss freigegeben. Petri Heil. Ich geh schon mal das Rotkraut pflücken.

Siebzehn Stunden später. Gegenschlag Svenja.

Marc findet abends einen Wisch an die (gemeinsame) Haustür geklebt.

Weisst du was? Fuck You. Ist zwischen uns alles gesagt? Ist zwischen Sybille-Rita und Dir (ausser Floskeln) alles gesagt? Soll ich etwas dazu sagen? Rhetorische Fragen?

Suzie facebookfreutsich.

Bang bang, he hit the ground, bang bang, that awful sound!!!

[Marc ist offenbar sauer.]

[Marc facebook-blockt Svenja].

Die Rache des Hörnlimannes, u-uhh.

Die Moral von der Geschicht?

Wer sich verhält wie ein Arschloch. IST ein Arschloch.

PS: Svenja ist heut happy mit Diego. Und Frauen sind eben doch die besseren. Männer.

Weisse Massai sucht Wüstensohn zwecks gemeinsamen Sandsturms

30. Oktober 2008 von Dani S. Tonet

(Blog Nummer 11)

Männer. Dies ist kein Witz. Das ist ein echter sexologischer Notfall.

Sugarbabe needs Sex.
(Ausrufezeichen.)

Nicht vierzig Tage; vierzig Monde bald, unaufhaltbare, unaushaltbare, ist ‹es› her. Noch immer aber reitet sie (so spät durch Savannannacht und Windsturm) tapfer über das nicht teilen wollende Sandmeer, die zarte Zeltaraberin Sug Arbabe al Fackatah ben Nimmsiplies.

Dank der christlichen Askese in der Wüste gleichermassen geläutert wie revirginisiert, die Hitze von Milliarden täglich in flirrender Dürre (umesuscht!) aufgehitzter potentieller Gänse-häutchen konservierend gleich einer auf göttlichen Guss wartenden Feigenkaktusblüte.

Ich hab ihr die Feuchtträume vom Himmel versprochen, auf Paulo Coelhos Analchimist ge-schworen, an dieser Stelle eine Karawane mutwilliger Sandflöhe zu akquirieren, um die Drainage zu stoppen, bevor die handgeklöppelten Spitzen unter dem Kaftan zu Staub zer-fallen.

Lasset mich nicht im Stich, o Ihr Prinzen der Sahara, Hengste der Tundra, Neffen der Steppe, Löwen Namibias, lasset mich (vor allem aber: Sug Arbabe) nicht im sauertrockenen Regen stehen. Die Periode der Dürre muss ihr Ende finden.

(Und Danis Ruf steht auf dem Spiel.)

Walle walle, manche Strecke
dass zum Zwecke
Wasser fliesse
und mit weichem, vollen Schwalle
zur Oase sich ergiesse.

(Und Euer Ruf steht auf dem Spiel, Schweizermänner und Stammhalter zugewandter Orte.)

Da wir hier nicht auf dem Sandstrich stehen und ich (nicht unbezahlt) Frauenhandel betreibe, sind der Anforderungen zwar nicht viele, aber das Kamelchen hat dennoch sein (krisenre-sistentes) Goldkopfpreisli:

Wanted: Wüstensohn
Falls Du NICHT (Ausrufezeichen) zu den
(zweitmeinungsbelegt oder versiegelbrieft) denkfähigen, (grazil) wünschelberuteten, (ausge-reiften) vollentwickelten Beduinen
mit
(marginalen) Skaterboyapplikationen und (vorzugsweise) (stimulativem) Zynismus gehörst,
die zudem
(ausgesprochen) zungenfertig, (masslos) geistesgegenwärtigen, (immerhin) erfolgreich, (hochgradig) eloquent und (optional) dunkellockig sind, dann
TRIFFT OBIGES ALLES HOFFENTLICH WENIGSTENS AUF DEINEN BESTEN FREUND ODER BRUDER ZU.

Melde Dich!

Es locken … 1001 Nächte (oder mindestens eine angebrochene) unter barem Sternenhimmel (wahlweise auch unter Beton-, Täfer- oder Tapetendächern), und – als Supplement – zwei Weinschläuche vom Mercado di Gran Canaria (1983), ein Paar beiger Jodhpurhosen mit roten Dragonerstreifen, zwei dürftige, von mir gestiftete, hellblaue indische Maharadschapantoffeln mit Paillettenverzierungen und ein ausgetragener Tschador mit Arafat-Muster, der aber nach Lemon Pie von Starbuck’s reicht.

Und, natürlich (und nicht zuletzt): Sug Arbabe (Ausrufezeichen).
Was gibt’s zu ihr zu sagen? Ihr Humor ist so trocken wie und Ihr Haar so schwarz wie ihre Aphorismen. Dazu ist sie so alt wie frau heut zu sein hat, wirft einen gradebeinigen Schmal-schatten, ist helläugig und, falls blitzgescheit ein Adjektiv ist, die Donnergöttin in Person.

Also, der Stich ist bei Euch, lasst mich nicht im.

Dies ist keine Desperato-Hydrations-Aktion bevor die Pflanzen heute eingewintert werden, sondern ein purer Vertrauensbeweis erster Sahnengüte meiner Freundin Sug Arbabes in meine säerischen Fähigkeiten.

Drum: haltet Eure Fackeln in den Sturm, Jungs!

Bewerben könnt Ihr Euch bei mir. Via Facebook-Gruppe ‹Sug Arbabe al Fackatah ben Nimmsiplies›. Oder per Mail: sugarbabe-and-den-mann@weibsvolk.org

I’ll keep you posted.

Die Exklusivrechte sind bei mir.

Gestatten, mein Name ist Punkt. G-Punkt. (Wer sucht, der findet, Teil ll)

23. Oktober 2008 von Dani S. Tonet

Nachtrag zum letzten Blog zwecks Anschwellen der Allgemeinbildung: Irgendwo in der helveto-germanischen Hemisphäre muss ein wüster HC-HP-Pornoring die Zauberstäbe swingern. Wer sucht, findet mich mittlerweile nämlich auch – trotz grammatikalischer inkorrektheit – mit Kombis wie «snape schiebt sein schwanz in harry» oder «snape vögelt harry hart». Aiuto! Äh: Expecto Penetrationem!

Für heut hab ich mich aber versprochenerweise auf die Suche nach dem magischen Knopf im weiblichen Vaginalbereich gemacht. Mythos oder nicht – medizinaltechnisch ist der G-Spot ein trinkgeldgrosses Gebiet, das unter besonders geeigneten Laborbedingungen (warm, dunkel, feucht) von Ernst Gräfenberg entdeckt worden ist und zwar ums Jahr 499 pCC (nach Cristoforo Colombo). Seit einiger Zeit ist der G-Spot im Geschwätz, weil man sich diese erogene Zone angeblich chirurgisch aufpeppen (resp. aufpoppen) lassen kann (mit zwei Optionen, davon langatmiger die Eigenfettverspritzung). So spart man sich für eine Weile den Aufpreis für die Noppenkondome und kann in der Dildoabteilung die hübscheren, aalglatten, functionfollowsformvollendeten Dingsda ins Einkaufskörbli legen. Wenn der Hügel nicht zum Propheten etc.

Neulich beim Frühstück, die gute alte Mädchenrunde. Nachdem Sadie bei zwei Rühreiern ohne Salz gebeichtet hat, dass sie mit einem Typen im Bett war, den ich aus dem Kindergarten kenne (und er war übrigens genau so gut, wie er aussieht) und Sugarbabe ihrem Jahres-Sexziel einen südenglischen Schritt näher gekommen ist, war der Fragenball bei Sonja, die vierzehn Monate bei ‹Detlef dem Rainfall› hängen geblieben ist, obgleich er sich nach dreizehn Wochen schon als Klassenwiederholer herauskristallisiert hat. Hirn halb, unten dafür volle Kraft voraus. Kann Sex wirklich so gut sein, dass man über ein halbes Jahr lang auf der Titanic zu Boden sinkt?

Offenbar ja.

Detlef hatte nämlich den G-Punkt-Trick raus. Mit googleintensiver Recherche auf Seiten, von denen honorable Mistressen wie wir noch nie gehört haben, hat er sich auf die Schleimspur der ominösen pawlow’schen ‹Klingel des Jaulens› gemacht. Und ist irgendwann in der Praxis fündig geworden. Kleine Streitigkeiten und grosses Nerve-Reiben hin oder her: Finger rein, Schalter gedrückt und gülden ward das Himmelszelt.

Sugarbabe und Stella hängen die Kinnladen bis zu den Knien. G-Punkt kennen sie wohl vom Hörensagen, aber das Sehen ist ihnen darob noch nie vergangen. Sie hielten den Schnittpunkt zwischen Orgasmus und Ohnmacht für den raffinierten Trick eines antiemanzipierten alten Sacks, der in der Zeit kurz vor der sexuellen Revolution die Unterdrückung der weiblichen Sexualität – und damit der Frau herself – wieder zuzementieren wollte. Ihr genügt nicht, Weibsbilder, die ihr unfähig seid in die höchsten Sphären der Wollust vorzudringen! Drum tifig den Finger raus und kusch zurück an den Herd.

Sadie, die gute Hausfrau, denkt allzeit praktisch.

«Einer, der den G-Punkt nicht findet, kommt mir gar nicht in die Hütte.»

Bamm. Fadengrad – dreht sich der Spiess wieder gegen das Geschlecht mit dem Spiess. Der ewige Spiess-Ruten-Lauf. Dabei geht’s denen doch schon schlecht genug. Die Spermiogramme werden immer lausiger, Erektionsstörungen werden zur Regel (und starten früher) und dann auch noch der Hodenkrebs. Performance, Performance Performance.

Arme Jungs!

Sugababe, grossäugig.

«Findest Du denn den G-Punkt auch selbst?»

Sonja, grinsend.

«Ich grüble aus Prinzip nicht in mir rum. Das überlass ich anderen.»

Sadie, abgeklärt.

«Ich hab ihn auch schon gefunden»

(Dass es mein Kindergartenschlägereiengatte nicht geschafft hat, ist wenn auch späte, dennoch wohlige Genugtuung.)

Ich halt mich zurück. Die wissen noch nicht, dass ich mir das Ding in München hab plastisch optimieren lassen. Ich brauch noch ein paar Testäffchen, bevor ich abschliessend beurteilen kann, dass sich Aufwand und Kosten gelohnt haben.

Stella und Sugarbabe verabschieden sich.

«Wir gehen dann mal.»

«Nach Hause.»

«Grübeln.»

«Aber nicht zu viel sinnieren. Ganz nach Gefühl gehen.»

«Wer grübelt, der»

«… sollte danach die Hände waschen.»

Also Jungs, schnappt Euch das GPS und macht Euch auf zum Gipfelsturm. Praktisch im Winter: Ihr müsst Euch dazu nicht mal ausziehen. Aber nicht vergessen: Wer googelt, der sollte davor die Pfötchen waschen.

Zum Trost: Der Optionen sind gar viele. Wenn Ihr’s bei Gräfenberg nicht hinkriegt, könnt ihr auf die gute alte C-Punkt-Variante zurückgreifen (fortgeschrittenere finden den U-Punkt). Und im Zweifelsfall: der A-Punkt funktioniert garantiert immer.

Falls alles zu nichts führt: Finger ab de Röschti. Und heim mit Euch. Aber bitte nicht erst am nächsten Morgen.

Wer sucht, der findet irgendwas.

16. Oktober 2008 von Dani S. Tonet

Eichingers RAF-Zweieinhalbstünder lohnt sich. Die Rückschau auf die Schamfrisuren der 69er ist sehr hübsch, und einige Bleibtreu’sche Aperçus gewähren hohen Hörwert. In den aktiven Sprachgebrauch aufgenommen verdient beispielsweise das (mit Kundalini-Energie intonierte) «Was ist ’n das für eine bourgeoise Frage!»

 

Der (zwischen-)menschliche Ausdruck als Resultat und logische Konsequenz des Werte- und Bildungshintergrunds. Angewandte Soziolinguistik kann auch an dieser Stelle zu erstaunlichen Resultaten führen. Kein Wunder, wird ja gerade im Kontext der sog. neuen Medien permanent der ethische Zerfall einer (idealisierten) Gesellschaft moniert. Genau diese Errungenschaften ermöglichen aber durchaus tiefe Einsicht in die Gewohnheiten meiner Leser- und Nutzerschaft (keine Sorge, es wird kein IP-Adressen-Sudoku gespielt).

Aktuell verzeichnet der danitonet-Blog 2477 Hits (die Hunderten eigenen Zugriffe werden nicht gezählt). Dank der unglaublichen inhaltlichen und sprachlichen Varianz findet ihn auch, wer ihn gar nicht gesuchmaschinengewaschen hat. «restposten dani» zum Beispiel ist eine klassische Fehlleitung hierher, wie auch «kiefertÄfer» und degoutante Kombinationen wie «stiefkinder oralsex» und «buben blasen» (diese IPs gehen stracks ins Netz der Cyberdreckwasserpolizei.)

 

Nach «dani tonet» steht an zweiter Stelle meiner Suchstatistik (erstaunlicherweise) «youporno», dicht gefolgt von (verständlicherweise) «duporno». Auch wer simpel und ehrlich «porno» eingibt, wird mir zugeführt. Vielen Dank! Da gilt: je ‹Porno› desto ‹Dani Tonet›, werde ich in der Tradition des ceterum censeo carthaginem weiterhin exzessiv von eindeutigem Wortmaterial Gebrauch machen; es wird nämlich der Styorpor normalerweise zur Objektsicherung eingesetzt, insbesondere weil Philippo R. Nowak ein grandioser Skiläufer war und man bei Whitney-Britney Toi-Toi auch ohne Erlaubnis ein sinnloses Wort wie ‹Porno› anhängen kann und schon ist die Pornostatistik um vier resp. fünf Pornonennungen gestiegen. To beep or not to be.

 

In den obersten Rängen figuriert auch die berühmt-beliebte «Teebeuteltechnik» (cf. http://danitonet.wordpress.com/2008/08/14/puste-kuchen/).Seit ich sie selbst täglich anwende, passen sechsundzwanzig (geschälte) Baumnüsse oder drei Kugeln Ben & Jerry’s in meinen Mund. Beides voluminöser als drei Hodensäcke. Übung macht den Tee trinkbar.

 

Unermüdlich scheint das Thema ohnehin, wie diverse Einzelnennungen belegen: «männliche hoden in den mund» ist the question, oder – wodurch auch immer – «schleck mir meine dicken hoden», klassisch, «freundin blowjob» und langweilig «er liess seinen schwanz in meine hand» werden von mir aufgefangen. So ein Blog hat offensichtlich durchaus einen edukativen Wert. Gilt auch für «domitilla cantat» (cf. Blog http://danitonet.wordpress.com/2008/08/28/unter-des-kaiser-kleidern/).

 

Richtig spannend wird’s bei «hoden angucken sauna», «sandy sex südtirol» (autsch, hoffentlich keine Treffer auf youporn und «rammeltechnik». Internet eignet sich eben auch für seriöse Recherchen.

 

Von einem eindeutigen Haute Coiffure-Trend zeugen Google-Treffer wie «men intimfrisur», «was ist unter den kleider», «dichte schambehaarung», «zeige bilder von intimfrisuren» – Achtung es wird immer besser! – «dichte pelzige schamhaare» sowie (vom gleichen verzweifelten Sucher) «dicke pelzige schwarze schamhaare».

 

Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen (aber nicht im Hals stecken lassen!) Dicke, dichte, pelzige, schwarze (was sonst!) Schamhaare. Die sich anfühlen wie ein Bataillon auf dem Rücken liegender, weichgespülter toter Kellerspinnen. Mjammy!

Ich hoffe, die Herren waren ob der Realitäten nicht allzu enttäuscht. Simone war’s nämlich letzten Winter (noch) nicht nach dichten pelzigen Schamhaaren zumute:

«Ich glaub so schwarze [Hosenträger] mit weissen Nähten hat man zu Nazizeiten getragen. [...Nach fünf Minuten, beinahe sicher zuhause, tauchte Herr Hintertür plötzlich auf gleicher Höhe neben ihr auf, bis zur Nase] in einen dicken Schal eingewickelt und mit frisch durchlüfteten Kringeln.» (cf. http://danitonet.wordpress.com/2008/08/06/sex-mit-dem-ex/)

 

Und das war’s dann schon mit der Analogie. Sorry, Herr Pelzlecker. Ab heute werden sie bei mir aber noch fündiger.

 

Fazit. Gemessen am Suchverhalten lässt sich die Leserschaft über die Gauss’sche Glocke kurven. 80% gutbourgeoise Fragen, 10% leicht pervertiert, 10% lebensunfähig und analphabetisch. Da bei mir aber das Angebot die Nachfrage steuert, lässt dies unschöne Rückschlüsse auf meine eigene Persönlichkeit zu. Konkret: wenn ich nur alte Wollsocken verticke, gibt’s bei mir nur alte Wollsocken.

Deshalb mehr zum Thema «G-Punkt. Wer sucht, gewinnt.» am nächsten Donnerstag.

 

 

Face the Facts

9. Oktober 2008 von Dani S. Tonet

Mein kleiner Bruder hat mich, einige Jahre ist das her, mal allen Ernstes gefragt, ob ich noch niemals jemanden mit einer Tackermaschine hätte ‹zu Boden nageln› wollen. So schlecht schien mir die Idee heut morgen um neun plötzlich nicht mehr. Aber das war noch vor

«Tschüs Du..»

«Ciao. Du kommst raus unten, die Tür ist jetzt offen.»

«Schade. An die geschlossenen Türen könnt ich mich durchaus gewöhnen.»

«Tja. Ich glaub ein Mal reicht mir.»

«Sicher….?»

«Du ich muss gleich.»

«Schade. Das war eben ein ziemlich unerwarteter Segen.»

«Yep, könnte man so sagen.»

«Jetzt werd ich noch am Türschild Deinen Namen ablesen.»

«Tu das.»

«Bevor du mich aussperrst.»

Genau.

«Und nie mehr wieder reinlässt.»

Who knows.

aber das war noch vor, was eben rausgeht, hier reinkam. Die Uhr schlägt halb zwölf. Ich bin hungrig.

Mathias hab ich am Karaoke from Hell – Seasons Opening mitlaufen lassen, keine Ahnung, weshalb, er stand mit seinem Bier halt so da und ich mit meinem Drink daneben und irgendwie, nun ja wie’s halt so geht, manchmal eine gute Idee, dann wieder weniger, am Ende hält sich’s wohl so ungefähr die Waage.

Wer sagt, ich hätte ein paar männliche Hormone zuviel, soll lernen, dass Frauen, die nach dem Sex nicht einfach nur schlafen wollen, schlicht Verlustängste haben, infolge schlechter Selbstvertrauen. Komm wir kuscheln noch ein wenig hat ja nichts gekostet drum halt mich noch ein Bisschen fest wenigstens und schleich dich nicht davon sag mir wie toll ich war lass weder Zettel noch Geld auf dem Nachttisch liegen sei bitte noch da wenn ich erwache spritz nicht den Spiegel voll beim Zähneputzen lass uns heiraten in einem Monat ich bleib besser die ganze Nacht wach und passe auf auf uns.

Mir wär zuliebst, sie packten ihre Shorts, Slips und Schlipse zusammen und machten sich gleich vom Acker, Wiedersehen nicht ganz ausgeschlossen. So schlecht hat er seine Sache nicht gemacht, der Mathias, auf mein Gespür kann ich mich doch ab und an noch verlassen. Als ich mit dem zweiten Kaffee und der dritten Zigarette auf dem Balkon stehe wuselt der noch immer in meiner Wohnung rum, Langduscher kann ich nicht ausstehen.

«Ich geh dann mal.»

«Okay. Die Tür unten ist wohl noch geschlossen, die paranoiden Nachbarn gehen erst um neun. Nimm den Schlüssel mit runter, kannst ihn in den Briefkasten legen, ich hol ihn dann später.»

«Ich kann auch aufschliessen und ihn nochmals raufbringen.»

«Keine Umstände.»

«Na dann.»

«Na dann: einen schönen Tag.»

«Bis bald.»

«Yep.»

Ich atme tief durch eine frische Chesterfield, unter mir der Morgenverkehr, die Fraggles seit bald zwei Stunden am Pressluftpusten. Ich muss los, um zehn sollt ich im Felix sein.

Verdammter Hirnamputant! Der Typ gehört eingesperrt, Höllenhunde, was hab ich Vollidiotin mir da geangelt, Scheissmathias noch mal ist natürlich schon über alle Berge, verdammter Idiot.

Face the facts. Ich hab noch zehn Zigaretten im Päckli und zwei Schluck kalten Kaffee. Ich steh in grauen Sportsocken, rotem Spitzenslip, schwarzem Tank-Top und meiner uralten Barbour-Wachsjacke auf dem Balkon im dritten Stock, muss mitteldringend für kleine Mädchen, frier mir den Arsch ab und unten reissen sie schon wieder die Strasse auf. Das Beste: ein kleiner dämlicher Wichser, den ich ziemlich zufällig gestern gevögelt hab, hat mich gerade aus meiner Wohnung gesperrt. Die Dreifachverglasung scheint mir fragwürdig kompatibel mit dem alten Metallaschenbecher. Verflucht. Derart bescheuert hat der Tölpel doch gar nicht ausgesehen. Mathias. ‹Geschenk Gottes›. Na ja, göttlich wär übertrieben, dafür hab ich nun die Bescherung, Scheisse wie peinlich ist denn das?

Das Feuerzeug macht’s auch nicht mehr lange. Lageanalyse.

Die begriffsstutzigen Fraggles winken zurück, Volltrottel, können die eine Anmache nicht von einer Frau in Not unterscheiden? «Hallo! Hilfe!», nein, nicht Die Art von Hilfe, verdammt, redet keiner von Euch die Landessprache, kann ja nicht sein, da, eine Frau mit Kinderwagen, «Hallo Sie da, Hilfe!», nein, nur weil ich ungeduscht vom dritten Stock runterschreie, bin ich noch lange keine durchgeknallte Psychopathin, gehen sie doch nicht einfach weiter, weit ist’s ja mit der Tugend nicht mehr her in diesem Scheissland, ist das schweinekalt. Zehntausende Menschen tagaus tagein und grad jetzt muss keine Sau mehr hier durch, kann ja nicht sein, fucking Fraggles, ich zieh mich bestimmt nicht aus hier oben, haut ab zurück ins Pfefferland Herrgott noch mal.

«Hallo! Hallo! Sie da, ja Sie mein ich! Können Sie mir helfen? Ob Du mir helfen kannst. Ja. Mein… meine Freundin hat mich dummerweise ausgesperrt. Ausgesperrt. Ja. Auf den Balkon. Genau», Schlaumeier, «was? Ich hör Dich so schlecht. Meine Schlüssel sind im Briefkasten. Ja im Haus drin, blöderweise. Nein. Die Tür ist zu. Genau. Du bist ein Engel. Ja. Bei allen. Wie? Ja, wohl alle schon weg. Ja, danke.»

Weg ist er. Komm ja zurück, Bürschchen.

«Niemand da, hab ich gedacht. Wie? Was? Ich versteh Dich nicht.»

Ob jemand einen Ersatzschlüssel hat? Ersatzschlüssel? Ja. Meine Mutter. Die Natelnummer? Keine Ahnung. Was? Kann ich nicht auswendig. Was? Nein, echt nicht, keine Ahnung. Hä? Ja die Verwaltung. Wie? Livit. Li-Vit. L-i-v-i-t. Was?».

Hat der Typ doch sein Handy zuhause. Sieben verhagelte Katzen noch mal. «Danke für’s Wiederkommen.»

Die drittletzte Zigarette. Wehe du haust ab. Vom Restaurant aus anrufen. Für eine halbnackte Brünette mit ungeputzten Zähnen und Scheissfrisur?

«Schon zurück? Wie? Sie schicken den Hauswart? Halbe Stunde?» Bis dann bin ich tot. «Wie? Macht nichts. Hä? Schubs mal die verdammten Gelbhelme ins Loch, das sie grad buddeln! Was? Ja den dicken kleinen zuerst.» Humor hat er ja, der Typ. Und schlecht ausschauen tut er auch nicht, Anzugfuzzy hin oder her.

«Nene, schön warm hier oben. Hä? Spätsommerlich, genau. Yoga? Genau, Rasenteppich-Balkonschlampen-Yoga. Ra-sen-tep-pich-Bal-kon… Nein, nicht rasend. Rasentepp, ach, vergiss es. Starbucks? Für mich ein Cappuccino. Einmal geworfen. Genau. Thrown. Not stirred. Aber geh du doch. Wieso warten? Wie? Akt der was? Ach, Solidarität.»

Gott ist der süss. Gib mir eine Zahnbürste, Gott, bitte. Und mein Kajal. Und den Deo. Nach etwa zwanzig Minuten Schreien über fünfzehn Meter und zweihundert Dezibel Pressluft ist Hauswart Hauri endlich da. Mister Unbekannterfrauenindernotrotkreuzler lässt sich die Tür aufschliessen. Zwei Minuten später bin ich endlich erlöst.

«Wow. Es gibt noch nette Menschen. Und dann noch gutaussehende. Es gibt also noch gutaussehende, nette Menschen. Unglaublich. Gutaussehende, attraktive, nette Menschen. Männer. Wow.» Ich bin ziemlich durch den Wind.

«Trinkst Du einen Kaffee? Minimal-Merci?»

Während die Napoli auf dem Gasherd steht und sich Superman in meiner Wohnung umsieht, flitz ich, Gummispuren vernichtend, unter die Dusche, die Zahnbürste im Mund.

Wie ich das hingekriegt hab? Verrat ich nicht. Nur soviel: ein guter Kaffee ist ein heisser Anfang.

High Flight with Harry Potter.

2. Oktober 2008 von Dani S. Tonet

Wenn vier Singlefrauen um die dreissig sechzehn Tage lang von einer griechischen Insel zur nächsten tänzeln, hinterlassen sie primär Tausende Kaugummipapierchen und Zigarettenstummel, leere Gläser, Flaschen und Watterondellen, aber auch Slips und Schmuckstücke, blondierte Haarsträhnen in nonexistenten Siphons, Flip-Flop-Abdrücke und tiefe Löcher in den paillettenbesetzten und gehäkelten Portemonnaies. Zeugen singen zudem Liedchen von ouzoaufgeweichten Lachanfällen, Markigem mit minimalem cerebralem Einsatz, fragwürdigen Anmach- und Abschleppereien, Streitigkeiten um Nichtigkeiten infolge prä- oder postmenstrueller Syndromata etc..
Allein der umfassende kollektive Vergangenheitsbewältigungsversuch allein kann Wochen andauern, Adam Riese peilt 4 Mal rund 15 Jahre Geschlechtsreife über den Daumen und kollabiert ob der Möglichkeit von unendlich recycle- und repetierbarem Klatsch und Tratsch zu rund sechzig aktuellen und ehemaligen Erfahrungsberichten um das Gegengeschlecht. Nektar, Ambrosia und Fringe Benefit für mich: Materialvorrat für Wochen.

Aber eins nach dem Anderen. Eines schönen Morgens, resp. um etwa zwei Uhr, sitzen wir parlierend, einen Bellini in der Hand, die Füsse im Pool mit den ambitionierten Aqua-Gymnastik-Tussis, die klatschend in knalligen Bikinis vor dem brustpelzigen Animator Charis Papavernaschis um die Wette auf- und abhüpfen. (Randbemerkung: Auch nach Mykonos reisen nur Idioten.)
Kurzprofil: Von uns vieren liest Sugarbabe liebstens Gala, Stella mit besonderer Hingabe antiquierte Klassiker à la Anna Karenina ist tot, ich (mit der Nagelschere bewaffnet) alte Pornomagazine und Nummer vier Eso-Scheisse in Sonderhaufengrösse (Dein Seelenpartner sucht Dich! oder Dein Körper  liebt dich jetzt ganz besonders). In dieser eigentümlichen Interessenskumulation kommen wir auf Harry Potter zu sprechen, wohl infolge der Analogie von Charis’ Brust zu Dany Radcliffes intensiver Bauch- (und entsprechend vermuteter Scham-)Behaarung. Ich gestehe dieserstellig, dass ich seit 2004 unter den Passivmembern der NGG (Nickelbrillen-Groupie-Gesellschaft) figuriere. Ich zeichne zudem für die Petition WFDIHP8EGW (Wir fordern dass in Harry Potter 8 endlich gevögelt wird) verantwortlich und warte mit Spannung auf das Feedback der Verlagsheinis zu den 472 eingesandten Unterschriftenbögen.

Stella und ich bespritzen grad unbemerkt die hochgesteckten Frisürchen der Poolschlampen. Als wir seufzend über Snapes SM-Kellerverlies schweben, schaltet sich InStyle-Spice mitten in der Quiddich-Debatte ein.

„Nimbus 2000? Das ist ein Sextoy.“
„Nein Schätzchen, der Nimbus 2000 ist der beste Renn-Besen auf dem Planeten.“

Sugababe bleibt bei ihrer Behauptung und verwettet vier Vodka-Lemon gegen Stella.
Der Task bleibt ungeklärt. Zuhause mach ich mich an die Recherche, einen Solidaritätsdrink hab ich proaktiv zum Verschwinden gebracht, Simsalabim, ganz einfach war das.

Schnell komm ich der Sache auf die Spur. Spiegel.de deckt Ungutes auf. Mit seinem zinnorganischen Verbindungen und chlorierten Kunststoffen sei der Spielzeug-Zauberbesen Nimbus 2000 eine echte Schadstoffbombe. Aha! Schlechte Noten verteilte auch der Spiel-gut-Ausschuss, der den pädagogischen Wert der Fanartikel beurteilte. Harry Potter sei ursprünglich nicht dafür gedacht worden, „für was er jetzt missbraucht wird.“
Oha jetzt kommt’s aber knüppeldick.
„Nämlich den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Hmm. Sieg für Gala-Spice? Simsalabim Nummer zwei für mich.

Expecto Patronum!

… Und da ist HP nicht mehr schwerelos geniessbar. Das Empire Rowling hat seinen Heiligenschein verloren. Der Nimbus 2000 outet sich als Highflyer. Der etwas anderen Art.

„Harry Potter broom Harry Potter broom sweeps Britain“, titelt eine zweifelhafte Website.
Dabei wollte Mattel mit dem Nimbus 2000 Vibrating Action Broom mit seinem Swooshing-through-the-Air-Sound doch nur die (uneigennützigen) Eltern der (anständigen) kleinen HP-Fans in die Spielzeugabteilung locken.
Das Ding kann die Schwerkraft nicht aufheben. Egal. Es kann viel mehr! Ungeahnt sind die Steighöhen. Dank geringer Falltiefe landet frau vorzugsweise zuckend auf dem Rücken, die Beine um den … Zauberstab geschlungen.

Autsch. Das gute Ding verfügt über einen 63 Zoll-Stock, Buchenholz massiv, von tamilischen Heimatwerks-Schnitzexperten mit Hingabe und Liebe gefertigt. Ride a Tsunami!
Stundenlang können sich ordentliche Töchter, Mütter und Grossmütter mit diesem Putzwerkzeug vergnügen. Eine Vierzehnjährige klagt, dass ihr Besen immer klebrig ist. Nachdem ihre Mama ihr Schlafzimmer aufgeräumt hat. Und dann sind auch alle Borsten steif! Hart ist es, das Leben, wahrlich. Bleibt nur Flucht nach vorn. Zum Beispiel nach Mykonos.
Oder direkt in den Himmel. Mit dem Nimbus 2000. Das Ding muss ich haben. Harry, ich Ähm, komme!

Leider, erfahre ich, hat’s das satanische Spielstück nicht lang gemacht. Die Sittenwächter sind nach Produktionsstopp ins Nirwana entschwunden. Die letzten Nimben zwischen den Schenkeln. Vibrantissimo.
Dagegen hilft der 1-2-3-Second-Hand-Dabei. Zwei 2000 sind aktuell gelistet. 19.99 und 15 USD haben sie (während der Rezession) noch an materiellem Wert.

„These brooms were banned from the shelf because people were using them for other purposes then what was intended.“
Meiner ist aber in tiptoppem Zustand, er kommt „from a non smoking environment!!“ [sic!]. Er ist zwar nicht ganz neu, aber in tipptoppem Zustand und, besonders wichtig: „i have tested it and it works.“ Egal, dass die drei benötigten Batterien nicht dabei sind, weil sie sie grad noch runtergeholt hat.
Tic –Tac zick-zack-zück die Mastercard.

Drei – Zwei – Eins! … mei..

Verdammte Scheisse, jetzt hat mein Meerschweinchen gerade ein Kondom gefressen.

Inho und der kleine Mann

25. September 2008 von Dani S. Tonet

Shannon hat mir erzählt, dass ihr Sohn Moritz, mein Patenkind, mit Dauermasturbieren angefangen habe. An sich bei Männern nichts Aussergewöhnliches. Nur ist petit Maurice gerade mal drei Jahre alt.
Ohne dieses relevante Vorwissen hab ich Shannon eines schönen Singlesamstagnachmittags einen Besuch abgestattet. Mitten im friedlichen Zopfteigtierchenbasteln ist der Kleine plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Nichts ahnend mach ich mich auf die Suche und finde ihn im Bettchen liegend, die Hand zwischen den Beinen, angestrengt hin- und her rutschend, die grossen Locken im Nacken schweissgekräuselt. Wortlos grossäugig steh ich vor Shannon, den Daumen gen Kinderzimmer, die neue Löwenhöhle, gerichtet. „Alles im grünen Bereich“, beruhigt sie mich, der niedliche Kinderarzt habe zugesichert, dass das zur aktuellen Entwicklungsphase gehöre. Lustig findet sie’s ja auch nicht, aber solang er nicht ihre – und, Bittschön!, meine – Hosenbeine missbraucht, lässt sie ihn gewähren. Etwa zwanzig Minuten später, mein Gott ist der ausdauernd, steht der transpirierende Moritz in der Küche und gräbt die schuldhaften Fingerchen in einen Teighaufen.
Ich setz meinen Scheinigenheil auf.
„Wo warst Du denn?“
„Im Zimmer.“
„Und was hast Du im Zimmer gemacht, hmm?“
Mal schauen wann sie lernen, zu lügen.
„Schnäbi reiben.“
So so.
„Und das ist gut?“
Das war eine blöde Idee von mir, denn jetzt ist er in den Demonstrationsmodus gefallen. Auf dem Sofa. Shannon, leicht entnervt, schickt ihn weg. Stracks verschwindet er im Schlafzimmer. Wenn Shannon hundertfache Tode sterben sollte, will ich dieses Kind nicht in meinem Haushalt haben.

Am Abend betrinke ich mich ganz furchtbar. Frühmorgens werde ich angechattet. Ein Bürschchen, gerade den Teeniejahren entwachsen und, gleich mir, um halb vier Uhr nachtaktiv und hormonell, wenn auch nicht, ungleich mir, promillemässig, gut dotiert, aktiv.
Schnuckliges Geschöpf, dunkelblond und hellblauäugig, der Körper, sagt sein Strandfoto, an der Schwelle zum Mannwerden, was unmittelbar Retro-Gefühle bei mir auslöst; zu seinen Gunsten. Hardcore frech, das Gemüse. Ein ‚Tschütteler’. Dass er noch Reifezeit braucht, scheint ihm bewusst, sein Alias endet auf -inho.
Let’s get down to business.
„und bist du denn wild und laut beim sex baby hmm??? ich mags wenn eine geil reitet uhhhh.“
Au Mannkind, wenn schon ohne Contenance, dann bittschön zumindest mit Elegance.
„haha will doch nur bissel reden weil bin so spitz süsse und massiere mich grad ;-) …“

So geht das noch ein wenig weiterinho, es gelingt ihm gar, mich ins Skype-Hype-Happyland zu locken, wo er seine Webcam aktiviert.
Ich: „Geht nicht. Kaputtbenutzt.“
Dabei will ich nur mein von Chesterfield und Champagner gezeichnetes Gesicht nicht präsentieren, Alter macht eben doch eitel. Er schluckt. Auch das.

Als ich von der Toilette zurückkomme, das im Glas sprudelnde Alka Seltzer balancierend, liegt Adonis in günstigen Boxershorts in blauer Bettwäsche. 320 x 240 Pixel gross.
„Bettzeit, Inho?“
Das Kind ist offensichtlich auch grad in einer Entwicklungsphase. Alles im grünen Bereich, man muss sie gewähren lassen. Sonst drohen Traumata und sie enden als verwahrte Triebtäter. Seufz.
„Hey turnt dich das an?“
Wahnsinn, Billy, ich mach mir gleich in die Hose.
A propos. Moritz blieb (noch) brav im Cordhöschen stecken. Inho aber lässt grad die Hüllen fallen… und sieht plötzlich gar nicht mehr so blut- ähm jung aus, damn, klein Moritz mit den vier Zentimetern ist vergessen und ein gutes Stück nüchterner rücke ich näher an den Bildschirm.
So spannend ist’s denn leider auch nicht. Zu oft gesehen, was hier reibt und früher rutschte. Inho wird flüsterleise, die Eltern im Nebenzimmer in der Nachtruhe.
„Zeig mal dein Gesicht, dein Schwanz interessiert mich eigentlich nicht.“
Er rückt vor seine Webcam und beschämt mich mit seinen zwanzig Jahren und seinem verlegenen Blick, aus ist’s mit der Koketterie, die Linse eben doch das Tor zur Seele.
OK, ich erlöse dich.
Schon ist er wieder hochgerutscht und weiter geht’s, meine verbale Unterstützung ist gefragt, ich lalle etwas vor mich hin und dann ist auch schon Showdown.

Telefon mit Shannon. Du bei Moritz, sag mal, da kommt nichts, ähm, raus, oder?
Ich will ja weder heiraten noch Kinder werfen, aber allenfalls müssen meine frisch verliebten und Solo-Freundinnen vor ungeahnten Gefahren bewahrt werden.
Aber es sei ‚nur’ der Schwellkörper, der so verdammt früh aktiviert werde, igittigitt, das reicht mir schon.
Inho der Nimmersatt?
„hatte es dir gefallen gestern ;) ?? warst ja noch lange online 5 uhr hmm.“

Plötzlich schiebt sich Moritz’ heller Schopf über Inhos Gesicht, mir wird ein wenig schwindlig und ich falle vorwärts in die Vergangenheit.

Sing und schwing das Bein,
lass die Sorgen Sorgen sein,
schaltet wieder ein,
zum nächsten Fraggle-Spass.

I scream. You porn.

10. September 2008 von Dani S. Tonet

(Ein Selbstunbefriedigungsversuch.)

Dass ich mich bis anhin noch nicht ins DuPorno-Land verirrt habe hat weniger mit Prüderie als vielmehr mit meiner grundsätzlichen Aversion gegen Filmli, die ich nicht selbst verantworte, zu tun. Gilt also auch für die Clips, die Ihr mir auf mein Facebook-Profil appliziert. Und natürlich für die DuRöhre, Urmutter aller autodidaktischen Stars&Sternchen, Bildräuber und Regisseure.

Auf Suzys Anregung (muss die Gurke beim dritten Pimms gewesen sein), stelle ich mich dem nun. Abendfüllend und auf Nachtreize hoffend.

DuPorno ist Besitztum von Lord Sam Anonymus, DuRöhre (natürlich) Adoptivkind des Buntebuchstaben-Imperiums (gewinnt deshalb im Buntebuchstabenfight um Faktor 100). DuRöhre zeichnet gemäss Expertise für 10 Prozent des gesamten iDatenverkehrs verantwortlich. Frau weiss aber: Sex sells. Und wenn’s Saftiges nur auf DuPorno gibt, könnte die Site der DuRöhre bald den Rang ablaufen; bereits hat sie’s nämlich auf der Weltrangliste der meistgeklickten Websites auf Platz 32 geschafft.

But: Let’s get physical.

Startseitenvergleich: DuRöhre im propernetten Weiss, DuPorno in sündigem Schwarz. Explizit pornographische Löchli lächeln mir ins Gesicht, bestens verschlagwortet: «Anal Creampie», oder, wenn auch weniger anmächelig, «Old is Gold» und «Thick cum on hot tits», da passt mir schon le Zizi auf dem Startbild nicht. Die Schau beginnt. Ich zieh mir «amateur ex girlfriend fucking» rein, und hoff auf Aufklärung bezüglich des Bezugswortes von ‹Amateur›. Als Konkurrenz wähl ich – ebenfalls ab Startseite (‹Most Active Videos›) «Hamilton & Raikonen» [sic!]. Dass es hier voll abgehen wird, ist Programm, Homophilie ist trendy.

DuRöhre zuerst. 2:49 Minuten. Sprache: Babylonisch. Hektisch, zutiefst erregte Männerstimme, laufend lauter und schneller werdend, viele schtiös und gjös, dann, plötzlich, weibliche Klänge, ebenfalls klimatischem Kreischen nah, selbstlautarm und reich an r vor und auf b, weiss nicht, ob die Exaltation die Vokale frisst, oder wir bei «Ljubljana Live am Abendsky» sind. Im Bild: Wildes Balzgehabe von Räikkönen und Hamilton, bis zum Hals versenkt im Männerfetisch aus rot gespritztem Metall mit aphrodisierend kontrastierendem schwarzen Gummi. Der Mann hat das Ruder in der Hand. Da schaltet sich die Fistelstimme aus dem Off zu, heftigst geht es nun zu und her, zumindest soweit ich verstehe, was ich sehe, fremd sind mir diese Taktiken und Positionswechsel. Hamilton nimmt Räikkönen von hinten! Dann sind sie in der Parallel-Löffelstellung, bevor sich Räikkönen an Hamiltons Arsch festsaugt. Sie holen das Letzte aus sich raus. Steigerungslauf der Stimmen aus dem Hintergrund, dann, plötzlich, (Lust-)Tropfen auf der Kameralinse. Aber die beiden ziehen’s noch eine Runde weiter, es wird geritten, was das Zeug hält, die ganzen Pferde explodieren unter der Hose äh Haube. Plötzlich ein vorne auf Stoss-Stangen-Spanking lauernder dritter Player im fancy Silberdress! Gnadenlos wird er von der harten Spielwiese gedrängt, aber dann kommen weitere dazu, wir sind mitten in einem Gang Bang der ganz toughen Sorte. Dann zeigt Ferrari seine Potenz und drückt ab. Räikkönen bumst!
– voll in die Wand.

Fertig luschtig. Wow, ich bin schweissgebadet.

Der andere Clip: Satte 20 Minuten 48 Sekunden. Sprache: anglikanisch, stark reduziertes Vokabular. Ein scheu in die Kamera schauendes Blondchen sich bis auf Hömmli und Hösli ausgezogen – muss sie ganz alleine bleiben? – ach nein, da klettert schon der Ex (?) Amateur (?) fudiblutt obendrauf und zack sind wir (er vor allem) mittendrin im Missionarsspass (ich harre schon der Teebeuteltechnik in actio!)  Knutsch-knutsch und das Händchen im Slip, selbigen ausziehend, die wohlgeformten Beinchen verbreitert und das Zünglein an der Waage. Offensichtlich logistisch komplex mit der Kamera, die will auf dem Stativ die Augen nicht am rechten Ort haben, konstatiert sein prüfender Rück-Blick, also wird sie gaaanz in nahe rangerückt. Nur: wo’s naturgemäss eher dunkel ist, bringt’s schlicht nix. Ein schwarzes Loch. Eindrucksvoll. Aber das Mädchen macht dafür ein-zwei Tönlein im Hintergrund. Dann ist auch sie splittrig, aber jetzt ist, scheisse, ganz Sense wegen einer dreiminütigen Bildstörung. (Amateur!). Ah voilà, da ist er wieder, aber der hat da was im Steissbeinbereich, einen braunen Fleck oder Dreck, der hüpft wie die Hoden auf und ab. Rammeltechnik, gähn, aber ihr scheint es zu behagen, hau den Lukas, denk ich, der Fuss baumelt im Takt über seinem Oberschenkel. «Come» grunz-grunz und auf steht er und macht irgendwas aber ich seh nur seinen weissen Arsch. …was ist jetzt? Ach, wohl nur eine Zwischen-uiuiui-Phase, er will ja schliesslich nicht schon jetzt ablosen. Auf und ab und auf und ab und auf und ab, Gummi hab ich hier keinen gesehen, dafür einen grauen Plastik-Vorhang hinten, vor der Kiefertäfer-Wand und neben dem weissen Draht-Rollgestell. Das Mädchen kommt eventuell, es kneift jedenfalls in das schwarzbraune Ding am Rücken.

Kamerawechsel. Side shot, Américaine. Endlich wird das Blondie mal gekehrt, immerhin schon Halbzeit. «O my god» wiederholt sie glaubwürdig, als hätte sie ihn gesehen, mitten im Federnest. Farbenflimmern vermiest mir wieder das Vergnügen. Jetzt will sie, dass er aufhört, er aber nicht, obwohl sie schon ganz erschöpft «Ohbabitte» sagt und dann weiterbetet. «Oh baby» wird zu «go baby», sie bewegt nicht mal mehr ansatzweise das Becken mit sondern vergräbt sich ganz im Kissen. Hilft nix. Neue Taktik: «Baby come-on fuck me» und ein (verhältnismässiger) Heiden-Lärm scheinen ihn etwas zu beschleunigen. Endlich sieht man mal mehr, nämlich den Schatten seiner dichten, bis zum Nabel wuchernden Schambehaarung, unglaublich was der Mann schlecht UND ineffizient ist, den hätt ich auch dismissed. Endlich hat auch er Gott gesichtet und bricht darob auf ihrem Rücken zusammen. Seine letzte Amtshandlung gilt der Kamera. Danke.

Ich brauche ein Pralinato. Und einen Grappa.

Eins zu Doppelnull für DuRöhre. (Nebenbei: F1 und Co. gehören für mich zu den meistgehassten Autistenhobbies.)
Fazit: Wenn Du schon lausigen Sex hast, dann bitte Pfoten weg vom Rec-Button. Und: Ich zahle nach wie vor gern für Qualitätsbilder.

«amateur_soffie_fucking_again_and_taking_load» ist auch dann wenig empfehlenswert, wenn man vor lauter Langeweile schon im Sarg liegt. Das weibliche Dings bräuchte eine Zahnkorrektur. Und gefälligst einen Einkaufs-Assistenten in der Lingerie-Abteilung.

Dritter Versuch. Ich füttere DuPornos Suchmaschine. ‹Apocalypse›. No matches found. ‹Häschen›. No matches found.
Andersrum. Ich geb «amateur ex girflfriend» bei DuRöhre ein. Ein paar Treffer: bei «Ex-girlfriend webcam video» bestätige ich meine Adultessenz, bevor eine 17jährige im Tanga mit einem Stuhl tanzen darf, während im Hintergrund die Hauskatze durch die Stube tappst. Süsser Hintern, immerhin, wenn auch ein Mismatch mit den Clown-Kniesocken. Nach einer Minute hab ich die Message raus, das Gehopse und Geschwinge dauert noch 3:59 Minuten an. Kaum nackte Haut – feel the difference!

Gegenversuch: Was macht DuPorno mit ‹Hamilton›?
«EX Slut Lindsay Hamilton».
Das möchtet Ihr nicht sehen.

Ich schwör’s.

Du. Oder keiner.

9. September 2009 von Dani S. Tonet

Blog 51, 10. September 2009

Sasha ist seit mehr als drei Jahren Single. In dieser ‹Zwischenphase› hat sie aber kein Betonritzengräsleindasein gefristet, sondern war mit einer schönen Sinuskurve auf dem Aussenmarkt aktiv. Neben kürzeren Trockenphasen hat sie’s auf fünf Monatsaffären, eine halbjährige Halbbeziehung und etwas um die dreissig One-Night-Stands gebracht.

Bei meinem letzten Besuch entdecke ich – das Browserfrenster ist offen – dass sie offenbar bei mehreren Online-Partnervermittlungsinstituten angemeldet ist. Meine hochgezogenen Augenbrauen samt Stirnrunzeln quittiert sie mit Tränen im Augenwinkel und dem Geständnis, dass sich die Titanin unter den Hardcoresingles eigentlich überreif fühlt für eine feste Beziehung.

Nur ist ER offenbar entweder schon tot, noch ungeboren wahnsinnig gut versteckt.

Ich geb’s zu: ich habe sie nicht um Erlaubnis gefragt.

Und mein bisheriger Erfolg mit einem ähnlichen Projekt (http://danitonet.wordpress.com/2008/10/30/wuestensohn-gesucht/) ist halbwegs kläglich gescheitert.

Aber Sasha ist fruchtbar
Und Sasha ist total klug.
Und Sasha ist hübsch.
Und Sasha hat ‹Spirit›.
Und Sasha ist sexy.
Sasha ist super.

Und ich mag Hochzeitsfeiern.(So ab zwei Uhr morgens, wenn der Pflichtteil vorbei ist).

Deshalb such ich jetzt für Sasha den Mann. Bitte ernst meinen. ONS kann sie sich nämlich ziemlich gut selber organisieren.

Also, Danileser, bist Du:

  • jüngstens 30, ältestens 36 (Sasha ist so alt wie ich)
  • mindestens ein High Heel grösser (Sasha misst 167.5)
  • klug (vorzugsweise klüger als Sasha; könnte aber schwierig werden
  • nicht auf den Mund gefallen (Sasha hat eine grosse Klappe)
  • angekommen im Leben (Sasha braucht ein echtes Gegenüber)
  • von dir überzeugt, aber nicht eingenommen (Sasha mag weder Susis noch Arschlöcher)
  • kräftig, aber nicht aufgeblasen (Sasha findet Gewichlistemmer scheisse)
  • Kopfbehaart (Sasha mag Kappen und Mützen, aber nicht aus Haut)
  • Alles andere als Blond (Sasha würde zur Not auch Rot nehmen)
  • einer mit Schalk in den Augen (mit Sasha geht’s sonst gar nicht)
  • offen für alles und in jeder Hinsicht (rechts ist für Sasha No-Go,ein enger Horizont der totale Turnoff)
  • mehrsprachig (Sasha ist Globetrotteress)
  • buchstabenfreundlich (Sasha mag Paperbacks)
  • nachhaltigkeitsaffin (Sasha trennt sogar Joghurtdeckeli)
  • fussballfeindlich (Sasha sind zwei Bälle zwischen den Beinen mehr als genug
  • draussentauglich (Sasha rennt gern bei Gewitter rum)
  • ein Städter im Herz mit einer Naturseele (andersrum ginge für Sasha auch)
  • konsequenter Sitzpinkler und Händchenwascher? (Sasha mag’s sauber)
  • kultiviert und stilvoll (Sasha braucht tonhallentaugliches Schuhwerk)
  • jenseits der Drogentestphase (für Sasha ist eine Linie ab und zu OK)
  • eher Vodka Lemon als Hopfen und Malz (Sasha hasst Stinkatem)
  • handwerklich begabt (Sasha findet, das gilt auch für Waschmaschine, Staubsauger und andere Putzgerätschaften)
  • genussorientiert (Sasha verabscheut Kalorienzähler)
  • gleichermassen mitteilungsbedürftig wie zuhörfähig? (Sasha will einen, der die Venus-Mars-Grenze überwunden hat)
  • kinderfreundlich (Sasha will dann mal)
  • erfahren (Sasha meint: auch im Leben)
  • unfähig, T-Shirts (ohne Spezialprint) und Socken verkehrt herum in den Waschkorb zu schmeissen? (Sasha ist auch ein wenig Anankastin)
  • lieber Chez Babette als im Toto (Terrasse geht für Sasha gar nicht)
  • frohnatürlich (Sasha hasst Lebensverweigerer)
  • eher ein Künstler als ein Banker (Sasha hätt liebstens was dazwischen)
  • (nice to have) mit asiatischem Einschlag gesegnet (Sasha mag auch arabisches Blut, beides bitte nicht zu Lasten der Körpergrösse)

So das wär’s.

Mal zum Anfang zumindest.

Falls Du grad «Ha! Das bin ja ich!» denkst, meld Dich bitte fotografisch begleitet bei dani.tonet(at)gmx.ch

Alles weitere dann bilateral.

PS (wichtig): deine Körperteile sollten nicht angeschrieben sein.

Ein Mann, kein Wort

4. September 2008 von Dani S. Tonet

Das Blöde am Single sein ist ja auch, dass man niemanden hat, mit dem man sich in die Haare kriegen und dem man Playstation-Games wie Cookies zerbröseln, Zahnbürsten scheren, Socken auf den Boden bostichen oder das Zwetschgenjoghurt mit Wasabi veredeln kann. So kann ich bei Bedarf nur ganz allein vor mich hinfluchen und zetern, was bedeutend weniger Spass macht, als seinen ganzen Dreck einem Vis-à-vis um die Ohren zu schleudern und die spielend erlernten, grundsätzlich hoch gehaltenen Maximen der gewaltfreien Kommunikation mit dem ersten «Arschloch» in den Wind zu streichen.

‹Streiten will gelernt sein?› Keine Rede, wenn das zartkleine Ego den Rappel kriegt, sich mit Hassgefühlen aufbläht, die den Nacken hoch kriechen, das Hirn wie New Orleans flachschwemmen und die Syntax nur noch «Du!irgendwas!»-Sätze fabriziert.

Sandy zum Beispiel. Verbringt ein wundervolles Weekend mit Ihrem neuen Freund. Zwei Nächte im Südtirol, Bozen-Besichtigung, Wandern hier (wasimmer daran schön sei soll), Wellness da, den Digestif in der einzigen annähernd hippen Bar und den Dreigänger davor im fast schon romantischen Landgasthof. Charly verzichtet ganze drei Mal auf ‹Sport Aktuell› (ein ziemlich grosses Opfer!). Immerhin gibt’s dafür beide Nächte und einmal am Morgen Sex als Supplement. Auch die Heimfahrt friedlich, Sandy fährt und macht ihre Sache anständig. So far so good.

Während sie zuhaus die Taschen ausräumt, kümmert er sich um den Poulet-Curry Salat (Bell), köpft dann ein Bier und setzt sich vor die 50 Zoll’, die Sandy niemals in die gemeinsame Wohnung übersiedeln lassen wird. Nach dem Salatgenuss kuschelt sie sich auf dem Sofa an ihn, ein DVD rundet das schöne Gemeinsam ab. Sandy pflegt sich nach dem Abspann nachthübsch, Charly blättert in der Küche durch die NZZ am Sonntag. Statt links zweigt er dann aber wieder rechts ab und reaktiviert den TV. Sandy ruft durch die Daunen.

«Charly?»

«Hmm.»

«Was machst du?»

«F1 schauen.»

«Jetzt läuft Autorennen?»

«HD-Recorder.»

Schweigen.

«Es ist schon zwölf.»

Nun trennen sich der beiden Wege. Charly ist gänzlich in die Tücken und Reize der schnellen Autöli vertieft. Auch bei Sandy läuft ein Film. Der geht etwa so: Und dann waren sie gemeinsam im Wochenende und dann hatten sie eine wirklich (wirklich!) ganz schöne Zeit zusammen und er hat auch fast nicht TV geschaut weil sie ihm besseres gezeigt hat und dann war man ihm zuliebe an jeder Garage die Neuwagen angucken und dann hat er ja trotzdem immer am Abend kurz die Nachrichten schauen können und dann war sie ja wirklich gut im Bett und dann war da so viel Nähe und er hat zugehört und sogar recht persönliche Sachen erzählt und sie hat gedacht, sie kennt

«Charlie?»

«Hmmm?»

ihn langsam so gut und dann hat er doch so den Plausch gehabt am Wandern obwohl er eigentlich gemeint hat er hasst es und dann hat sie ihn doch auch ausschlafen lassen obwohl sie so viel früher schon hätte loslaufen wollen und die Route hat sie auch

«Willst Du nicht ins Bett kommen?»

«Gleich.»

abgekürzt damit er nicht grad so viel bergauf muss und im Wellness ist man lang in der Sauna geblieben weil er die Hitze mag und dann hat sie eigentlich diese Stellung gar nicht soo gern nun ja schon aber nicht so wie er und dann dann kommt man nach Hause und sie geht extra zu ihm weil sein Arbeitsweg von ihr aus mühsam ist und dann kann er nichts aber auch nichts besseres als vor die Glotze hängen dabei hat sie doch schon

«Charlie!»

«Ich kann nicht schlafen bei dem Scheissmotorenlärm!»

tausend mal gesagt dass sie das nicht mag und überhaupt wie viel ist sie ihm denn wert etwa nicht mal so viel wie ein verdammtes verfluchtes Autorennen?

Und dann lodert das Feuer unterm Dach hervor und Sandy steht im Negligé auf den kühlen Steinplatten und Charlie findet sie trotzdem nicht mal hübsch weil sie ihm schon tierisch auf den Sack geht, spinnt die jetzt, hat er sich doch die grösste Mühe gegeben und drei Tage lang nur nach ihrer Pfeife getanzt.

Sandy verbringt den Rest der Nacht dann in ihrem eigenen Bett. Nach einem Schmollmontag und zwei bis drei Telefonstunden später ist’s dann am Mittwochmittag wieder gut. Bis zur nächsten HG-Detonation, schliesslich steht das Plasmadings immer noch da rum.

Mit der situativen Überlegenheit meines Happy-Single-Status mache ich Sandy weis, dass jeder Mann ausgeprägt pathologisch weltabgewandte Züge aufweist und man ihm einfach genügend Raum für sein privates Autisten-Hobby, wie Spielkonsolen-Gamen (Staatsfeind Nummer 1), TV-Glotzen, ambitioniertes Modellheli-Bauen, Uhren- oder Töff-Heftli-Lesen, dilettantisches Liedli-Mixen, online Texas Hold’em-Pseudopokern, Zinnsoldaten-Malen, Marathon-Laufen (und natürlich ständig dafür trainieren) oder Permanent-Sounds- und Sexclips-Downloaden, zugestehen soll – und alles wird gut.

Denn es hat aber auch gar nichts mit dir als Frau zu tun, sondern nur mit seinem ureigenen ‹Ich-bin-ein-Genus-maskulin-und-du-bist-anstrengend-anders-Komma-deshalb-beschäftige-ich-mich-jetzt-mit-etwas-Komma-das-nach-meinen-Gesetzen-der-Logik-funktioniert-Komma-hock-mich-in-meine-Höhle-und-regenerie-vor-mich-hin-Punkt-lass-mich-in-Ruhe-Ausrufezeichen›-Selbstgefühl.

Nach einer Flasche Nulleiner Château Coutet Barsac auf meinem kleinen Balkon ist Sandy weg und ich konstatiere erleichtert, dass Affären eben doch ihre besondere Qualität haben.

Bevor Power-Buttons gedrückt werden, bin ich jedenfalls immer schon wieder weg.

Im Bad hängt die Neonröhre, die Reto vor einer Woche erst repariert hat, im Wackelkontaktstatus fest und – als wäre das nicht genug – eine riesige Spinne klebt direkt über meinem Bett. Ich fluche Höllenhunde und Mordio, aber die DVD verfehlt das meterdicke Kreuzding auch beim dritten Versuch.

Ich verziehe mich mit der Restpackung Truffes Cru Sauvage aufs Sofa und zieh mir den ganzen Serienrestabend auf SF2 (mit allen Wiederholungen) rein.

Spätnachts das SMS von Sandy.

«Bin immer noch genervt. 1000 Danke für Wein und Weisheit. Du bist zu beneiden, echt.»

«A votre service. seventwentyfour.»

«Merci. hast du noch nachtbesuch gekriegt ;-) ? oder was treibst du so?»

«Ach, nichts.»

Unter des Kaiser Kleidern

28. August 2008 von Dani S. Tonet

Es ist Zeit zu gehen. Bloss: wann? Mann merke: was nach 3 ante meridiem mit Doppel-X auf der Helix in den Clubs rumwurstet, ist ein Restposten. Beim Gegengeschlecht kann guten Gewissens maximal eine Stunde zugegeben werden. Manchmal hat Mars mehr Stehvermögen. Und ist endogen unvernünftiger. Und pauschal verdächtiger.

Die Erfahrung Tausender arztromanerfahrener Leserinnen zeigt: till dawn pirschende Ü30, haben meist eine Hausfrau, u30 eine ‹Partnerin› zuhause halb-schlafend. Und ü35jährige ledige Männer sind per se verdächtig und meidenswert. Öfter als gern gesehene Gäste sind auch Strohwitwer. Regel ll (wenn Du nicht solo heim willst): Ready, aim, shoot – und ab damit. Drei ist Deadline, sonst sofort heim. Schönheitsschlaf ist nicht zu unterschätzen, Konservierung kommt vor Restaurierung. Folgeregel lll: Erste Frage prüft die Verfügbarkeit (keine Sau interessiert sich für Namen und man versteht eh nix da Bumbum), der Pokerblick derweil den linken (bei Deutschen und Amis rechten) Ringfinger. Uns sonst… Nun ja, nenn es simpel Erfahrungspunkte.

Eisprung? Prosecco mit Schweppes? Allzu überdosiert war ich, meiner Erinnerung trauend, nicht, aber immerhin genug, dass ich mich in dem kleinen Loch mit der tief hängenden Decke hab zurücklassen lassen – bis weit nach der ethischen Sperrstunde.

In meiner kohlensäureüberschäumenden Aufgeschlossenheit hab ich mich an einen mindestens fünf Jahre jüngeren und eher kleinen Mann rangetanzt oder umgekehrt, und wie’s eben so geht, küsst sich’s plötzlich und überraschen gut. Heisst, er hat mich irritierend an meinen allerallerersten Freund erinnert, mit dem konnte ich stundenlang knutschen. Da war ich nicht mal halb so alt wie heute.

Vom Blätzen wird man aber mit steigendem Alter abnehmend satt und so stand der junge Mann mit dem stolzen Namen eines römischen Imperators plötzlich (nun ja, das ist gelogen), in meinem Badezimmer und ich hocke auf dem Lavaborand, der, wie die ganze Wohnung, tiefgefroren scheint. Maximal-Minergie dank System-Totalausfall. Und dafür zahle ich 2136 Franken im Monat.

Shit, denke ich am Punkt XY des Ausziehprozesses, und, echt?, und dann, vergiss es. Aber anständig wie ich bin, mache ich tonlos gute Miene zum Minispiel, wer ist schon perfekt, obwohl, da keine mir bekannte Technik mehr helfen wird.

Die Girls am nächsten Abend: „Fuckauweia, das kenn ich. Wie heisst er?“

(Der innergeschlechtliche Austausch funktioniert bei uns so zuverlässig wie globale Giftwarnungen bei den Ratten.)

Ich mach’s (so) kurz (wie’s war). Bastelbastelundprobier bleibt, was an Herrschaftlichkeit kaum vorhanden auch noch von des Alkohols Gravitationskraft gepeinigt. Irgendwann hisse ich das weisse Laken. Der Kaiser taucht nebenan unter. Reduit-Plan.

Es ist heller Tag. Eine Fliege missbraucht meine Stirn als Fussmatte. Noch immer schläft der Junge selig auf meinem steinharten Fouton. Mutterinstinkte lassen Gerechtigkeit walten. Ich quäle mich auf die wackligen Beine, dusche mir die Stempel vom Handgelenk und zieh komplexe Kleidung über, um klar zu stellen: ich behalt die Hosen an.

Imperator dormit. Ich koche Kaffee und frühstücke. Imperator dormit. Ich klappere lautstark mit dem Wochengeschirr. Imperator dormit. Ich räume die ganzen drei Zimmer auf. Imperator dormit. Ich putze drei Fenster. Imperator dormit. Ich krame die Latexresten im Bad zusammen. Imperator dormit. Ich checke meine Facebook-Friends und telefoniere mit Selma. Imperator dormit. Domitilla cantat. Imperator dormit. Es gibt nichts mehr zu tun. Imperator dormit. Domitilla ululate. ululatImperator dormit.

Seufz. Tiptiptipptipptippptitppptipppptipoooo. Imperator ocules aperit.

Du, ich muss weg. Heisst: Du musst weg.

Wie spät ist es.

Drei. (Ich habs gesagt: drei ist Deadline.)

Was, schon?

Tja.

Hey…

Ähm Sorry, ich bin etwas im Stress. Hier, Dein Zeugs.

Merci.

Hey….

Ja.

Gibst Du mir noch deine Nummer?

Schreib mir Deine auf. Warte. Hier.

Der Kaiser schlüpft in seine Kleider und ist weg. Ich werfe den Zettel in den Züri-Sack, binde eine blaue Schlaufe, mache ein Kreuz in die Agenda und geh im Migros Sojasauce kaufen. Im Radio läuft Morcheeba. Rome wasn’t built in a day

Glaubt mir nur.

21. August 2008 von Dani S. Tonet

Seit heute Abend warte ich mit einem Body-Count von 149 Facebook-Friends auf. Tja, Leute, die Fünf Freunde-Zeit ist tot.

Heisst auch: ich darf mich guten Gewissens als Episodenkolporteuse prostituieren. Anbei deshalb ein weiteres, echtes Vorkommnis aus dem skandal-intensiven Leben der Simone O. aus Zürich 3: Wenn’s spannend wird, dann sind wir dabei.

Simone also tummelt sich, ein paar Wochen ist’s her, ziemlich unschuldig, wenn auch nicht absichtslos, auf einem Party-Portal. Vordergründig als online-Fotoalben und nicht als Single-Wühltische angelegt, kann man hier vorzüglich mit seiner (grösstmöglichen) Entourage usgehen, lautspitzen, latetillen etc. Added Value für Narzissten, Exhibitionisten und alle anderen, die gecheckt haben, welches die echten Asset unserer Dekade sind (bevor 2012 die Welt untergeht). Blöder nur, dass die sehr willigen Singlemänner (meist sind sie nicht mal das), tendenziell jünger als beschränkt sind.

Simone richtet, auf der ehrbaren Suche nach der Momentaufnahme mit dem schnuckeligen, betrunkenen Typen an der Nuit Blanche, ein Profil ein. Kaum ist sie verfügbar, hagelt es Posts, Freundanfragen (eine Restanz des infantilen Willst du mit mir gehen?), Profilbewertungen etc. Erster Rang unter den Konversationsstarts: «Lust auf Spass?», variiert: «Bist Du für Spass zu haben?» Oder: «Hey hübsche Lady.»

Dümmlingjüngling Jens (deutscher Code-Name?) hat sich eine raffiniertere Market Approach Strategy ausgedacht. Differenciate – or die.

«Magst du eine erotische geschichte lesen?»

«Ähm, weiss nicht. kommt auf die qualität an.»

«Das siehst du wenn du sie gelesen hast! Wie heisst du?»

(Ähm.) «Enomis» (nicht sehr kreativ, zugegeben)

«Bist du französin? (schleck) :-P »

(iik. ) «Nee. ist griechisch.»

«Ah klaro. War letzten sommer auf mykonos. hammergeile parties.»

(Läck isch de bescheuert.)

Drei Sekunden später ein 40-zeiliges Mail. Der erste Satz: Also, liebe Enomis.

«Simples copy-pasting find ich ziemlich cheap.»

«Jetzt lies doch erst mal!»

Simone führt den roten Faden also ein. Kribbeln im Unterleib als bescheidenes Supplement an einem tristen Dienstagabend fällt infolge Kopfhautkratzen und Dialektsudokuraten aus. Wo findet man i züch dir vorsichtig s’blüsli us? Blüsli? Ich? Idiom = Idiot?

Unappetitlich wird’s auch noch: fühlsch, wia sich min schwanz starch mit bluet gfüllt hät (die Fleischer – und es gibt sie doch!). Wie gut er immerhin über Simone’s Intimfrisur informiert ist (sie hat sich gerade seit zwei Wochen die Beine nicht epiliert). D’ schamlippa bis zum kitzler ufa sind blank rasiert, nur vom kitzler ufwärts häsch es ganz fins hoorströssli stohloh. Müsst das nicht Hoorströössli heissen? Bin ich jetzt pingelig?

Jens ist im Grund ein anständiger Bub, Heiratswunschkandidat beinah, seinem Tunscheli treu, schliesslich ist es s’erschti mol sit johra für beidi, womer sex händ mitema andera partner. Nach Monaten der Abstinenz wagt er, anlässlich der gesetzesfreien Zone Streetparade, im Herzen des drogenverseuchten Zürich mal wieder so richtig einen draufzumachen. Santé!

Dann der Hardcore-Part, Weichnerver bitte überlesen: so richtig hart und ufs perversischti ramm (ein Panzergrenadier?) en dir immer und immer wider ina. Btte vorstellen: ina-usa-ina-usa, Burgen und Höhlen und manchen unterirdischen Gang, hat der Mann angestaute Aggressionen. Bald ist’s denn auch schon vorbei: … jo … joo … jooo, es wird geil … und immer geiler … (halt bitte einfach die Fresse!). Ganze 1388 Wörter dauert die Orgie. Nachdem Simone zur Krönung erfahren darf, wie sein Saft schmeggt, geht man – was sonst – zurück in den Technotaumel und tut grad so, als ob nüt gsi wär. Wir halten dicht und zusammen, was immer auch kommt.

Simone gänzlich durchgenudelt, unternimmt den einzigen situationsadäquaten Schritt und klickt mit zitternder Maus ‹Delete Account›.

Nächtelang (immer und immer wider) fieberfantasiert sie von Jens’ dursichtiga tröpfli. Die sind ganz wenig zähflüssig und schmeggend liecht süesslich. Womit auch das endlich geklärt wäre. Wir sind jedem Rätsel auf der Spur – wir lösen sie.

Puste Kuchen

14. August 2008 von Dani S. Tonet

Neulich in der Badi, Melanome gegen gleichmässige Bräune aufwägend zwar ‹oben ohne›, aber proaktiv rechts hinten bei den Bäumen (unter den Schattenschwangeren und den schützenden Blicken der Gatten und Väter) hat Sarah vor versammelter Frauschaft den perfekten Blow Job vordemonstriert.
Wir haben definitiv dazugelernt seit Ende Teeniezeit. Wir, respektive ich, mussten aber dreissig werden, bis wir an das gut gehütete Geheimnis herangekommen sind.

Diesen Mai, bittere Erinnerung, hab ich nämlich nicht nur die obligatorische Estée-Lauder-Wrinkle-Lab-schiessmichtot-Tube eingewickelt gekriegt, sondern auch Lou Paget’s «Die perfekte Liebhaberin»
Zusatz: «Sextechniken, die ihn verrückt machen».

(An dieser Stelle hab ich mir gesagt, dass sex = f im Dienstleistungsunternehmensszeitalter eine durchaus funktionale genetische Prädisposition ist.)

Die Kapitelübersicht überrascht mit Alinea wie «Sicherheit ist wichtig (und sinnlich) [sic!]», oder «Gleitmittel oder kein Gleitmittel» Unterpunkt: «Das ist keine Frage».
(An dieser Stelle hab ich mich gefragt, an welches Geschlecht sich dieses Werk richtet.)

Die Inhaltsverzeichnisdramaturgie klimaxisiert bei biblisch sieben (unmittelbar vor «Bis zum Äussersten gehen») mit: «Bringen Sie ihn um den Verstand»
(An dieser Stelle hab ich mich gefragt, was man Hiob denn noch wegnehmen könnte.)

Unterpunkt «Das grösste Geschenk – oraler Sex».
(An dieser Stelle hab ich mich gefragt: Geschenk im Sinne von «Jetzt haben wir die Bescherung»?)

Bereits der Kapitelbeginn ist zitierwürdig: «Sie sind wahrscheinlich nicht die Einzige, die dieses Buch an dieser Stelle aufgeschlagen und die anderen Kapitel übersprungen hat.»
(An dieser Stelle hab ich mich ertappt gefühlt. Macht mich das zur Pfeife? Flöte? Tröte?)

Ich lerne (schnell), dass Männer Oralsex so lieben, weil sie dabei die Kontrolle aufgeben. (uuuh, scary), vor allem aber (aufgepasst!) weil sie «dabei nichts tun müssen» [sic!].
(An dieser Stelle hab ich mich gefragt, wieso mich das nicht überrascht.)

Paget, die gemäss Wikipedia nicht mal existiert, konstatiert des Weiteren, dass ihr der Begriff ‹ihm einen blasen› nicht munde, weil «dabei ja überhaupt nicht geblasen wird».
(An dieser Stelle hab ich im Geiste unzählige Aha!-Erlebnisse vertont.)

Aus Rücksicht auf die männliche Leserschaft (falls vorhanden) sowie aus Platzgründen, lasse ich die Abschnitte zum Thema «Würgen» und «schwer zu schlucken?» inklusive der entsprechenden Geheimtipps aus.
(Selma, du findest das Anti-Sperma-Kotz-Fizz-Asana auf Seite 159f.)

Wichtig sei jedenfalls, dass wir Frauen uns von unseren Händen helfen lassen.
(An dieser Stelle hab ich mir gesagt: Das haben wir in Selbstversuchen hinlänglich geübt.)

Das bringt ’s insbesondere bei der «Auf- und Abbewegung», wenn sich «die Hand, die direkt an Ihrem Mund anliegt, in einer halben Pirouettenbewegung vor und zurück [bewegt]».
Voilà! Très simples Blas- äh Äxgüsi: Kolbenballett!
Keinesfalls zu vernachlässigen sind die «Stiefkinder» des Penis (selbsterklärend), die ebenfalls bespielt sein wollen, sowie das sich enorm nach «Streicheleinheiten» sehnende Schamhaar. Die Handkante darf dabei wie ein «Gummischrubber» [sic!] zum Einsatz kommen.
(An dieser Stelle hab ich mich endlich so richtig hausfrauendaheimelig gefühlt).

Wenn Ihr ans Üben geht, Mädels, lasst euch die «Teebeuteltechnik» ans Herz legen. Ganz einfach: Der Mann macht den Vierfüsslerstand, auch bekannt als Vorbote von Adho Mukha Shavanasana. Sie «gleitet» [sic!], unter ihn, «lenkt» [sic!] seine Hoden in ihren Mund, während der (spätestens jetzt erhärtete) Penis auf ihrer «Stirn herumtanzt».
Tanze Samba mit mir, Samba-Samba die ganze Nacht!

Extrem wichtig: «Wenn Ihr Mund gross genug ist, nehmen Sie beide Hoden auf. Wenn Sie es nicht schaffen, keine Sorge – den meisten Frauen gelingt das nicht».
(An dieser Stelle wage ich kaum noch darüber nachzudenken, ob es nicht unterschiedliche Keimdrüsengrössen geben könnte. Zumindest theoretisch.)

Kapitel sieben überrascht mit weiteren Spezereien und Spezialitäten im Bereich weibliches Mund- und Handwerk. Man(n) kriegt fast echte Lust, einem einen zu blasen. Oder zumindest geblasen zu bekommen.

Hallelujah. The Fun Suck is born. Denn wenn der Blow Job bis anhin offensichtlich falsch besamt, äh benamst war, darf, respektive soll, was bisher Hard Work war, neuerdings wenigstens Spass machen

Sex mit dem Ex

6. August 2008 von Dani S. Tonet

Meine Freundin Simone hatte am 24. Dezember Sex mit ihrem Ex.
Das ist ein ziemlich blöder Reim, abgelutscht und auch lyriktechnisch unideal, da es sich nicht – was assoziativ näher läge – um einen Stab- (wie beispielsweise in böse Buben blasen Bienen), sondern einen Endreim handelt. Consonance on the final consonants, das klingt zumindest ziemlich zierlich.

Simone also hatte einen Endreim, und zwar am Weihnachtsmorgen. Nun haben ja viele Frauen – so zum Beispiel Sonja – nicht gern Morgensex, Ex hin oder her; sei es wegen dem nicht gerade kussaffinen pelzigen Belag im Mund oder anderen Säften wie Schweiss, Smegma, etc; Schleimverwandtes startet ja gern mit S.

Aber von vorne: Simone war am einzigen Ort, an dem die Limmatstadt auch am Heiligabend was zu bieten hat, wo sich die Szene nach Abernten der Früchte des Stammbaums hinverschiebt, gut genährt und angetrunken.

Gleich zu Beginn hat sie ihn gespottet, den schweineschwänzchenlockigen Dunkelblonden, dem sein Codename ‹Herr Hintertür› ihm stadtweit vorauseilt. Harmlos sah er aus, was aber auch an der heiligen Unschuld des Datums liegen mochte. Herr Hintertür war uns als killing-her-softly Langzeitaffäre unserer gemeinsamen Freundin Sandra bekannt, die uns mit leb- resp. leibhaften Geschichten in den Grundfesten erschüttert hat.

Solidarisch taxierte Simone den von zwei unbekannten Frauen eskortierten Hintertür grimmig. Derselbige quittierte die Stechapfelblicke mit irritiertem Surfergrinsen. Sie behielt ihn im Augenwinkel.
Als sie um viertel vor vier ihre Jacke abholte, verströmte er direkt hinter ihr an der Garderobe seine Testosteronmoleküle.

Hübsche Hosenträger.

(Die hatte sie von mir ausgeliehen, hatte sie nun davon). Hintertür mit klassischem Bariton. Plötzlich konnte sie sich seine Überredungskünste plastisch vorstellen. Dass er sie wegen eines Accessoires anquatschte, war schliesslich schiere Stringenz.

Ich glaub so schwarze mit weissen Nähten hat man zu Nazizeiten getragen. Sieht aber gut aus.

Arme Simone. Eh schon schmal und ob so viel Gewaltphantasie förmlich platt gemacht. Sie schnappte sich ihren halbgetrocknetessozialistenblutroten Mantel, schwang ihre Röhrlijeans über die Radstange und fuhr wortlos verärgert auf und davon.
Nach fünf Minuten, beinahe sicher zuhause, tauchte Herr Hintertür plötzlich auf gleicher Höhe neben ihr auf, bis zur Nase in einen dicken Schal eingewickelt und mit frisch durchlüfteten Kringeln. Er entschuldigte sich für den Nobelpreisspruch.

Du bist Jürg, nicht wahr?

Nee. Timon. Aber du bist nicht die erste Verwechslerin, muss sich um ein famoses Exemplar handeln.
Ach du Schande.

Simone wird umgehend unglaublich umgänglich. Wer wacht weihnachtsmorgens gern alleine auf?
Timon ist eindeutig in Flirtlaune, die verbale Entgleisung ist bereits entfallen. Seite an Seite stehen ihre Räder zwischen den Tramschienen, unweit liegt ein marrokanischer Taxifahrer unter seinem Wagen, es muss sein erster Radwechsel sein, eine kaputte kobaltblaue Christbaumkugel hat sich in die Szenerie mitverirrt und irgendwie ist das alles plötzlich schrecklich romantisch.
Nicht-Hintertür-Jürg hat Simone mittlerweile zum Kaffee eingeladen oder möchte mit ihr Joggen gehen (Men’s Health-Strategie?) Okay, ob heute oder morgen spielt schliesslich keine Rolle. Winterkälte dringt knochentief.

Simone wohnt an der Josefstrasse. Und Timon in einem der Fierzhäuschen.
How come?
Das gehört den Eltern.
Familienbesitz?
Nein, die Eltern der Freundin.
Ach. Bescherung war doch schon, vor ein paar Stunden erst? Seine Nummer hat sie falsch abgespeichert. Absichtlich.

Und so kam es, das Simone Marc anrief, um fünf Uhr morgens.
Bist du noch wach?
Und Marc hatte alleine im Bett gelegen, wie Simone wusste, weil Laura Heiligabend immer bei ihren Eltern in Steckborn übernachtet.

Der Sex war so, wie das mit dem Ex halt immer ist. Und am Ende macht man sich auf alles einen Reim. Auch wenn’s irgendwie keinen Sinn macht.