PärliGroove – Glück gegen Geld ((Ich bin übrigens auch eine Facebook-Gruppe))

By Dani S. Tonet

Blog 32, 2. April 2009

An Experimentierfreudigkeit mangelt mir nie. Gänzlich im Dienste der passiv-aktiven Allgemeinheit hab ich mich mehrfach ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste im Zürcher Nachtleben kielholen lassen und dabei Schnäbigrössen studiert, hab aufopfernd online gedatet, mit paarungswilligen Perversen unterschiedlicher Dienstgrade gechattet und einen Beinahminderjährigen beim Wixen unterstützt. Von da ging‘s ungebremst weiter, über Swissdate zu Flirt-Kino-Event und Speeddating.

Desillusioniert (aber noch nicht entmutigt) hab ich mich an einen neuen Selbstversuch gewagt und das Kuppelangebot von ‹Das Haus›, dem Schuppen an der Langstrasse, in dem man all-in-one hübsche Höschen posten, mit Kafi bekleckern und im Anschluss im Kellergewölbe gleich noch schweissräuchern kann, ausgecheckt.

«Find your Schatz Afterwork» heisst die noch junge monatlich dienstagabends stattfindende Brause. Die Schatzsuche startet bereits um 6 pm, was vorteilhaft scheint, denn man kommt

a) früh ins Bett (schliesslich ist erst Wochenanfang) und ist

b) rechtzeitig zum Spielfilm wieder zuhause (falls das Ganze als weiterer Flop kristallisiert).

Nundenn. Mütze auf und quer durch den Regenwind, ist ja gleich ums Eck. Weil ich um die Zeit meist noch nicht allzu lang wach bin, treffe ich eineinhalb Stunden verspätet am locus delicti ein. Die Membercard braucht‘s diesmal nicht, heut sind Hinz und Kunz mit Herz willkommen. Abgetaucht in einen mit dicken Hoden und reifen Eizellen gefüllten Keller.

Seerosen auf Monet’schen Teichen gleich floatet hier und da ein Geschöpf im Raum, sitzt hier und da ein loses Konglomerat von Leben auf einem Chesterfield-Lounge-Floss. Die Atmosphäre erinnert an eine Geburtstagsparty erwachsener Agglos. Niemand tanzt. Niemand flirtet (oder höchstens auf einer telepathischen Stufe), die Stimmung ist ruhig bis leicht depressiv.

Neuankömmlinge beiderlei Geschlechtsteile werden mit aufflackernder Aufmerksamkeit analysiert, sowohl bei Des- als auch bei Interesse aber versinken die Blicke rasch in den durchsichtigen Flüssigkeiten oder gründeln im Bierschaum weiter.

Dabei gäbe es doch so viele verbindende Elemente! Sind wir nicht alle mit (beinahe handtellergrossen) grünen oder roten (Achtung, vergeben!) Punkten geschmückt? Hans und Heiri haben Farbe bekannt.

Aber die (von einer ‹Masse› zu reden wäre inadäquat) Wassermauerblümchen bewegen sich kaum, das Ganze präsentiert sich – trotz leidlicher musikalischer Untermalung – als ausserordentlich statische Angelegenheit. Ich ziehe eine Runde durch die Blumenbörse, erhasche den einen oder anderen sehnsuchtsvollen Blick und denke: «Dauerabo im Parkhaus vom Tivoli Spreitenbach schon erneuert?»

Soviel zum Erfolg der städtischen Integrationspolitik.

Ich kapier‘s echt nicht. Grün überpunktet rot bei weitem. Heisst: man ist (resp. wär) hier in Jägerlaune und in Beuteschaftsmodus. Und doch wird getan, als wär man zufällig hier reingefallen und hätt sich aus purem Masochismus grün geisseln lassen.

Ich hab zum Glück mein Blind-Date vorreserviert, bin drum (Pustekuchen!) feinst raus und muss mich nicht bücken, um die unterste Schachtel der Restposten zu durchwühlen.

Da stehen sie bereit: Nina, Jeanne und Madame Sangroyal. Nina recherchognosziert in halboffizieller Mission für eine unleicht vermittelbare Kollegin. Sie hat die Hansen und Kunzen in vergangenen Viertelstunden allesamt vorgekostet und zeigt sich äusserst unbefriedigt. Jeanne mit dem blonden Pferdeschwanz ist schlichtweg umwerfend, nicht nur, weil sie gleichzeitig masturbieren und Take That reinziehen kann. Und in Mademoiselle Duchesse de Ménars hab ich mich gradwegs ein Biz verknallt.Le quartet inférnal est complet.

Einig über den Grad der Töte dieser Hose ziehen wir uns ins Sansibar zurück. Die grünen Sticker werden lippenstiftgeküsst dem Toilettenspiegel vermacht. Die Adams sind vergessen, runtergespült mit Vodka Lemon.

Wohlbehalten zurück im trauten Heim, (ohne Glied, aber auch ohne la Duchesse mit dem supersexy Wimpernsatz), grüble ich über den abverreckten ‹Event› nach.

Folgende Schlussfolgerungen lassen sich ziehen:

  • Aargauer sind stinkelangweilig.
  • Zürcher auch.
  • Event-Promo in 20Minuten zieht äquivalentes Publikum an.
  • Dienstag ist kein Dating-Tag.
  • Sich einen Punkt an den Körper kleben ist herabwürdigend.
  • Non-Sigles haben an Single-Feten nichts verloren.
  • Find your Schatz› ist ein Flop. (Und ein bescheuerter Brand.)
  • Speedflirting ist mindestens gleich beschissen. [http://danitonet.wordpress.com/2009/03/25/7-minuten-weg-vom-gluck/]
  • Internet-Partnersuche ist Waste of Lifetime
  • Pisst’s heute ist das Allerletzte [http://danitonet.wordpress.com/2009/01/08/matchmaker-rainmaker/]

Fazit: es gibt eine grosse potenzielle Zielgruppe für Paarungsanlässe. Aber die Kuppelchose muss schlauer aufgegleist werden.

Deshalb gründe ich eine Spielgruppe: Per sofort kann man sich für Projekt ‹PärliGroove – Glück gegen Geld› auf Facebook um die vakanten Stellen des CFO, COO, CIO, CMO und CTO bewerben.

Wer will mit?

Der Link: http://www.facebook.com/home.php?#/group.php?gid=67501873671&ref=ts

Let’s get this fucking started.

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Eine Antwort zu „PärliGroove – Glück gegen Geld ((Ich bin übrigens auch eine Facebook-Gruppe))“

  1. A sagt:

    Hei Maitli – also, all die Verkupplungsdinger funktionieren nicht, got it. Aber: was funktioniert denn? Wie lernt man denn heute am besten jemanden kennen?
    Kannst du mir bitte per Mail antworten – Danke.

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