Mal links, mal rechts.

By Dani S. Tonet

Blog 40, 11. Juni 2009

«Du spinnst total.»

«Tu ich nicht! Ich fühl doch, dass was nicht stimmt.»

«Du bist paranoid, Schatz.»

«Schwörst Du’s?»

«Was, schwören?»

«Das nichts ist.»

«Natürlich ist nichts.»

«Schwörst Du’s?»

«Du spinnst wirklich. Ich weiss nicht echt. Du gehörst doch in Behandlung.»

Natürlich WILL Mirena gar nicht glauben, dass David sie betrügen könnte. Aber was tun, wenn einen die Intuition mit dem Vorschlaghammer prügelt? Aber: vielleicht hat David ja Recht und sie ist wirklich total psycho? Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht und Leiden… So ist das nämlich.

Soll sie doch die Therapeutin anrufen, bei der sie vor ein paar Jahren einige Stunden abgesessen hat, um über Roger hinwegzukommen? Ist es ihr Schicksal, von allen hintergangen zu werden? Oder projiziert sie am Ende ihre Vergangenheit auf David?

Trotzdem: der benimmt sich komisch. Aber wenn sie ihm mit ihrem Misstrauen weiterhin auf den Sack, geht ohnehin alles bachab. Deshalb muss stimmen, was er sagt.

Bin ich die Einzige? Ist sie mir treu? Ewige Fragen. In einem Internet-Forum hat neulich wieder jemand wissen wollen, was zu tun ist, wenn der Partner ‹fremd geht›. Ein gefressenes Thema, zudem nun wirklich keiner keine Meinung hat.

Der Diskurs erstreckt sich auf drei Ebenen:

a) Definition. Wo fängt’s an, wo hört’s auf?

Einig sind sich die meisten, dass ‹es› halt irgendwie einfach, nun ja…

«Wenn im Urlaub mal was passiert» ist’s aber (offenbar) was ganz anderes, als eine Affäre, definiert « durch Wiederholung», sowie – was immer das meint – «vorsätzliches Fremdgehen».

Ist dem so? Zählt am Ende nicht nur die nackte Tatsache? Ist Alkohol ein mildernder Umstand? Und ‹darf› man sich für die wohlverdienten Ferien am schönen Strand nicht wirklich noch ein kleines ‹Extra› gönnen? Wenn da schon alles in süssen Badeanzügen rumrennt und die Körper eingeölt wie sexfeucht in der Sonne glänzen. Aber auch die Wintersportorte, wo Bretterhütten so feste an ‹Power mit dem Bauer› erinnern und die Bilder der den ersten Porno-Streifen auf RTL (‹Bumsfidel im Muotatal›) aus den Tiefen der Erinnerungen auftauchen?

Für Frauen viel wichtiger ist, ob es ihm WRIKLICH «nur um Sex» ging, oder – was viel schlimmer wäre! – veritable Gefühle zwischen die quietschenden Latten getropft sind.

Was ich praktisch ebenfalls nur von den Ladies höre, ist das – notabene sehr häufig praktizierte – ‹virtuelle› Fremdvögeln. Wo hört denn die Unschuld auf? Ist der ‹Brainfuck› durch seine Nicht-Greifbarkeit nicht «eigentlich viel fieser?» Wer kann sie erraten?

b) Gestehen versus Verschweigen resp. Wissenwollen versus Ignoranz.

Gehören «jegliches Verstecken, Lügen oder Abstreiten» zu den No-Gos? Oder soll man lieber nicht wissen wollen, «wie oft man sich noch verarschen lassen will» und drum die Oron mit Wachs verpaxen? Kann Offenheit die Beziehung auch auf einen höheren (oder auch tieferen) Level bringen? Und, stell Dir vor!, Du erfährst nach fünf herrlichen Beziehungsjahren, dass er oder sie seit drei Jahren – nicht oft, nur so fünf, sechs Mal im Jahr – ihren Spass mit anderen gesucht und gefunden hat? Dann kommt man sich doch «erst recht HARDCORE [sic!] verarscht vor…». Nun, niemand hat behauptet, das Leben sei leicht.

Der Tenor geht generell Richtung zugeben. Denn: was stillschweigend gemacht (oder akzeptiert) ist, führt, durch seine Konsequenzlosigkeit, «automatisch zur Wiederholung». Und das ist ja das Letzte, was die ‹Opferseite› haben will.

Auch beim Geständnis sind hingegen Nuancen zu berücksichtigen. Soll die Beziehung daran (zwangs)wachsen oder hofft man nur auf Absolution? Falls dem so wäre, gilt für die post-seitengesprungene Phase: «die Eier haben und es danach gewissentlich vergessen».

c) Konsequenz versus Toleranz.

«Mal über den Zaun fressen» müsse ja nicht zwingend zur Trennung einer gut (?) funktionierenden Beziehung führen, meint einer. Eine kontert esoterisch, dass, «freier lebt, wer verzeihen kann».

Vielleicht sollten gewisse Dinge besser bereits bei der Partnerwahl berücksichtigt werden. Falls man nämlich was abkriegt, bei dem oder der das Fremdgehen in der «Persönlichkeitsstruktur» angelegt ist, wäre es durchwegs von Vorteil, man würde dies «möglichst schnell erfahren». Hopp und weg!

Eine ‹offene Beziehung› als Swingerpaar, kann sich kaum jemand vorstellen, so tief ist uns die Monogamie als einzig akzeptierte Lebensform eingeimpft, schliesslich sind «sogar die Enten ein Leben lang treu». Und die schwulen Pinguine kümmern sich rührend einträchtig um den (nicht-gemeinsamen) Nachwuchs.

Offenbar hatten die meisten Foren-User bereits das Vergnügen mit dem Fremdgang, aktiv und/ oder passiv. Nur eine behauptet, ihren Partner dermassen gut zu kennen, dass sie «es von Meilen her riechen würde und ganz genau wüsste, ob und wenn er fremd geht oder gegangen ist».

Mirena hat sich übrigens tatsächlich bei Frau Höhninger (die auch Feldenkrais im Angebot führt) angemeldet und fünf Sessions lang an ihrer übersteigerten Eifersucht gearbeitet.

Bis sie eine Abends im gemeinsamen Abfalleimer im gemeinsamen Büro das Mail einer gemeinsamen (wie Mirena geglaubt hat) Freundin findet. Die Analsex offenbar ziemlich toll findet. Vorzugsweise mit David.

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