Blog 46, 6. August 2009
Neben mir liest eine etwa fünfzigjährige, attraktive Blondine mit Power-Yogafigur ein gelbes Buch mit dem Titel «Warum Männer mauern – Wie Sie Ihren passiv-aggressiven Mann besser verstehen und mit ihm glücklich werden».
Ob es genusmaskulin auffällt, dass die meisten Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig irgendwann ihren Geburtstag unter dem Prädikat ‹women only› zelebrieren?
Die, die auch in den Folgejahren weiter als unhappy single vegetieren, ziehen diesen netten Brauch vorzugsweise unlimitiert weiter. Denn «so unter Frauen ist es ja ohnehin viiiel gemütlicher!»
Liebstens trifft man sich zum Abfeiern des Alterns an einem Samstag- oder Sonntagmorgen zum Cüpli-Brunch im Toto oder im Blunt; schliesslich soll niemand auf die Idee kommen, es handle sich bei der netten Gruppierung um einen Polterabend.
Ist das weibliche Réduit in den Schutz eigene Herde Not oder Tugend?
Der Vorteil ist, dass die singuläre Singelin in der Menge nicht auffällt – jede könnte betroffen sein. Und man kann sich optimal damit entschuldigen, dass es ohnehin schwierig und viiiel zu komplex gewesen wäre, unter den laufenden Affären denjenigen herauszuschälen, der das Privileg verdient hätte, mit am Tisch zu sitzen.
Der Nachteil liegt ebenso auf der Hand: Parties aller Art sind ideale Kennenlernereien – umso mehr, wenn die potentiellen Kandidaten sogar im Umfeld der eigenen Freunde rumschwimmen. Das minimiert das Risiko, sich mit einen Psychopathen einzulassen.
Und ist es nicht so dass auch das ‹getrennte Schlafzimmer› – während unseren Jugendjahren der sicherste Vorbote der Elternscheidung – je länger (oder je älter) desto Usance wird?
Ist das geteilte Singleleben der Preis der Individualisierung?
Dazu kommt, dass die postmoderne, finanziell unabhängige Frau im Restaurant paritätisch teilt sich dafür in der Partnerwahl viel selektiver ist (auch wenn die Spezies ‹Dieselnutte› deswegen noch nicht ausgestorben ist.)
Ist Segregation die Endlösung?
Wer das Glück hat, sein dreissigstes Lebensjahr erreicht zu haben, ist mit Sicherheit beziehungsgeschädigt und / oder nach zwei bis zwanzig Pleiten, Pech & Pannen desillusioniert (die Geschichte vom Märliprinzen erzähle ich ein anderes Mal), heldenhaft vernarbt und tüchtig traumatisiert.
Zwischensubsumma:
- Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt.
- Die Kehrmedaille der Emanzipierung ist das Multioptionsprinzip.
- Frauenkörper wollen Kinder gebären.
- Männerkörper wollen Frauenkörper schwängern.
- Sex ausserhalb der Ehe oder (Langzeit-)Beziehung ist meistens viel besser (und immer abwechslungsreicher!)
- (ewige) Treue ist eine Illusion.
- Will jemand lernen müssen, mit einem Passivaggressiven leben zu können?
- Man stirbt allein. Für alles andere gibt’s Freunde.
- Das tönt alles ziemlich beschissen.
Good News: Katharsis ist in Reichweite!
Mein aktuelles Lieblingsmodell lebt meine entfernten Cousine aus Westnordeutschland. Cousine Sinikka ist 33, single und tiefschwanger.
Und verheiratet. Mit Tim, einem Glanzstück der Gattung ‹hammerhammer›.
Sinikka und Tim bewohnen ein frisch gekauftes 190 m2-Häuschen. Das Babyzimmer ist fertig eingerichtet, obwohl’s noch vier Monate ist bis Showdown.
Tim hat ein eigenes Schlafzimmer.
Vor der Beamerwand steht ein Monstersofa. Das Gemöbels ist so gross, dass auch die rundliche Sofia locker Platz hat, meistens inmitten von Sinikka und Tim. Sofia und Sinikka haben selten Sex, ein paar Mal im Jahr, wenn sie grad Lust haben.
Mit Tim hat keine der beiden Sex.
Tim ist stockschwul, also die Idealgeburt eines Vaters.
Wenn die Familie der Zukunft aus zwei coolen, schwach bisexuelle Müttern und einem wahnsinnig gutaussehenden Homodaddy (der als Designer ein Vermögen verdient und seit er zehn Jahre alt ist unbedingt Nachwuchs möchte) besteht, sage sogar ich: JA ICH WILL!
Sofia ist unfruchtbar, deshalb hat Sinikka ihre Gebärmutter geopfert. Gleich nach der Geburt wird sie ihren ‹Love Channel› operativ wiederverengen und auf den Bürostuhl zurückkehren, damit Sofie, die Herzensmama, schön daheim bleiben und das Goof aufziehen kann.
Der Rest vom Sexhunger – inklusive der von Tim – wird ausnahmslos auswärts gestillt.
Der perfekte Deal.
1 Kommentar
13. September 2009 um 13:12
Der perfekte Deal? Auch für das Kind? Ich sage nicht, dass das nicht funktionieren kann, aber so einfach ist es dann wohl doch nicht.