tunnel of love

im tantrahimmel. taumel der ekstase.
bald aber (energiespar-) licht am anfang des tunnels.

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Schäfchen, weisse und schwarze.

[hübschen Baslern (Plural) gewidmet]

Blog 88, 24. November 2010

Fesselspiele sind ja ganz lustig; auch, weil – je nach Level – nicht nur der Ganoven-, sondern auch der doppelte Bulin, der Klemmheist-, der Garda-, der Prohaska- oder der Bandschlingenknoten, vielleicht gar der Schostek, zum Einsatz kommen. Leider hat die (möglicherweise) Stunden dauernde Phase des kunstvoll gefesselt Werdens aber auch etwas Profanes, ja sogar Langweiliges, das sich am besten mit Ego-Monologen überbrücken lässt.

* **

Ich liege auf dem Sofa, das Bettzeug ist total verschmiert mit in Mascarpone aufgelöstem Kakaopulver. Löffellos Tiramisu essen ist fantastisch und die Idee, sich die kühlschrankkalte Masse überall hin zu schmieren, hab ich, vor ein paar Stunden zumindest, auch ganz gross gefunden.

Jetzt teste ich allein, was ich mit Samadi letzte Woche diskutiert habe: Was passiert, wenn man an dem Punkt, an dem man eigentlich seinen Kopf (oder ihn oder seine Hand), teilweise sogar brachial, als Folge totaler Überreizung von sich stossen müsste, nicht aufhört?

Das Ergebnis ist zweipunktig: a) legt man besser ein Tuch aufs Sofa und b) hört’s dann schlichtweg nicht auf – und scheitert drum letztlich an der Erschöpfung des Gegenübers, respektive, in meinem Fall am Akku des Vibrators und am schlechten Gewissen wegen fehlendem Tuch auf dem Sofa meines Roomies.

* **

Kielwasser-Samstag!
An unserer Party mit und für Freunde haben sich zum Glück auch ein paar Unbekannte eingefunden. Ein scharfkantiger kleiner Kauz, irgendwie noch attraktiv, der in der Bar zu wohnen scheint (und sich entsprechend ernährt), beisst mich ständig von allen Seiten ins Schlüsselbein.

Stella bemerkt mein allmähliches Schwachwerden und zieht die Bremse mit
«Dani, NJET! Nicht mit dem!»
,
und ich antworte
«aber ich bin im Modus!»
,
worauf sie sich umsieht und erst
«dann knutsch mit mir!»
,
vorschlägt,
und dann
«oder nimm ihn!»
,
– und damit meint sie ihren Freund –,
was ein rührendes Zeichen echter Freundschaft ist.

Zwei Minuten später schiebt sie mir diesen Pariser, mit dem nicht memorisierbaren bretonischen Vornamen, den sie in einer Ecke entdeckt hat, unter die Nase und vois-là, le Français wird, suffliert vom Alkohol, sogar plus que fédéral, bilingue bin ich (Fellatio nicht eingerechnet), und der Mann mit den stark gebogenen schwarzen Wimpern und den Kringellocken finde ich ganz niedlich (und ich mag Quantenphysiker grundsätzlich), bis er mich langweilt mit seiner romantischen Vorstellung der Fraufürsleben inklusive Kasumpel (denkt mit 29 ans Kindermachen!), die er demnächst in seiner Heimatstadt der Liebe zu finden gedenke, und ich monologisiere (innen)
«Schengen heisst auch, Freiheit des Gehens»
,
und gehe auch, Richtung Toilette nämlich, dummerweise direkt in die Arme eines anderen.

Vorsichtig – aufgrund frischer Erfahrung – frage ich den
«sprichst Du französisch?»
,
und der antwortet
«nein, griechisch»,

und ich sage
«
Efcharistó,
womit sich meine Griechischkenntnisse auch gleich erschöpfen, dafür knutschen wir (was ich, im Nachhinein, auch etwas komisch finde) und zwischendurch sagt er
«Marko»
,
woraus ich schliesse, dass ich gefragt haben muss, und ergänze
«Marko mit ‹k›»,

und er sagt
«woher weisst Du das»
,
und ich habe keine Ahnung, aber er kommt aus Mazedonien und ich weiss noch, dass ich mich gefragt habe, wieso Marko aus Mazedonien griechisch spricht, aber ich krieg die Karte in meinem Kopf nicht zusammen, dafür fällt mir Wag the Dog ein, also knutschen wir weiter bis ich merke
«ich muss zur Toilette»
,
wo ich über Sugarbabe und Kristof (auch mit K), unsere Eingangskontrolle (wo ich schon lange Wachablösung machen sollte) stolpere, und wir trinken einen Shot, und als ich endlich die Tür öffne, steht Efcharistó! hinter mir, und ich denke, nun denn, und er schliesst die Tür (von innen) und mit der selben Hand zieht er, irgendwie, in einer perfekt einstudierten Bewegung – und ich denke
«der Mann kann sicher auch knüpfen»
,
meinen Rock samt T-Shirt hoch und meinen String samt Nylons runter und ich finde
«Marko aus Mazedonien ist tammi schnell»
,
weil mit der anderen Hand hat er seine Hose aufgemacht und runter gelassen und einen Finger in mich geschoben, und ich realisiere, wie ich das alles gar nicht richtig mitkriege und der Shot haut rein und ich scheine plötzlich zu schrumpfen und höre
«und wenn er dann sagt: Sie hatte einen Unfall, ich bring Dich gleich ins Spital, steigst Du trotzdem NIEMALS ein!»
,
und frage mich, was meine Mutter in meinem WC zu suchen hat (mit Marko aus Mazedonien!), aber da gleitet dieses Aktenzeichen XY-Signet vor meine Scheibe und Marko aus Mazedonien nestelt irgendwas in seiner Hosentasche und ich lasse seinen los und sage
«ich muss was trinken»
,
und er findet
«ist doch feucht genug»
,
und ich sage
«Schlecht. Cola»
,
und das ist glaubwürdig und wahr, und ich öffne die Tür, und er sagt
«warte, ich muss meine Hose wieder anziehen»
,
und das geht plötzlich tammilangsam, und dann bin ich raus und sage zu Sammy an der Bar
«Shot, bitte, ich war mit Marko aus Mazedonien und meiner Mutter auf der Toilette»
,
(und war notabene noch immer nicht auf Toilette) und sie meint wissend
«Marko aus Mazedonien»
,
als wäre das ein alter Bekannter und doppelt
«und niemand hätte dich schreien gehört»
,
nach, und wir trinken die Shots nickend, und irgendwer hat zugehört und sagt
«Selber schuld, wer zweimal Nein stimmt, aus Prinzip und zum links und intellektuell sein»
,
und ich denke an Paris und dieses nicht lokalisierbare Mazedonien.

Da kommt, endlich, Lukas zur Tür rein und Stella hat mich überall gesucht und ist erleichtert und warnt erneut
«nicht den Beisser!»
,
denn der schaut von dort drüben her und ich sage
«und auch nicht Marko aus Mazedonien. Ich geh jetzt nämlich mit Lukas»
,
und sie küsst mich, und er fragt
«zu mir?»
,
und ich halte
«zu mir»
,
für sicherer.

Dafür müsste ich jetzt waschen und hab dieses Problem mit dem Sofa.
Und sage trotzdem 2 x ‹Nein›.
Dafür nicht mehr so rasch
‹Efcharistó›.

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Ich habe ihn geliebt. Echt.

Blog 87, 12. November 2010

«Hallo Dani. Lange nicht gesehen. Ich komm eben aus den Ferien zurück. Stellen wir mal wieder was an? LG, Philippe.»

Wieder? Und wer zum -† ist Philippe?

Nach einem halben Tag Memory-Mühe, fällt mir ein drittklassiges Dates mit einem Zappel (war das im August?) ein. Nach zweieinhalb Campari Soda im Si o No war ich schwer davon ausgegangen, dass man sich bezüglich des gegenseitigen Attraktionsgrad einig sei. Offenbar doch nicht. Zweite Chance? Nicht bei mir.

Vier Tage später meldet sich ein jahrlang Vergessener mit zweideutigen Ideen. Und jäh verstehe ich, warum: In weniger als vierzehn Monaten geht die Welt unter. Und es spätherbstet.
Und wie Rilke räsonierte:
«Wer jetzt allein ist, der wird es lange bleiben.»

Nestwärmeschreie.

Gott, das ist alles so billig. Meines Empfindens dürfte sich der Sommer auf die Möglichkeit reduzieren, permanent High Heels tragen zu können. Mit dem Gehitze kann ich überhaupt nichts anfangen. Entgegen der Meinung der Masse, die lieber piepmatzmässig im Zweiernest überwintert, steigt bei mir mit sinkenden Temperaturen die polyorientierte Experimentierfreude.

Da Empathie aber vom Pöbel als massgebendes Element sozialer Verträglichkeit gewertet wird, bitte ich Alexis, sich für ein Vabanque zur Verfügung zu stellen: ‹Lex & Dani – sie liebten sich für eine Woche›. Er willigt so sofort ein, dass ich einen Moment seine Motivation hinterfrage.

An einem bierseligen Abend disputieren wir die Modalitäten. Beziehung. Heiligesch. Wie geht das schon wieder?

«Ich nehme an, wir wohnen zusammen?»
Und schon haben wir es. Dieses… Wort.
‹Wir›.

«Puuh. Muss das sein?»
«Come-on, Mädchen. All in. Oder fold.»
«D‘accord. Aber ‹wir› wohnen, wennschon, bei mir. Vom Muster deines Aalto wird mir schlecht.»
«Ganz schön kompliziert, das Du.»
«Anspruchsvoll, das Ich. Und Du hast gerade für die volle Ladung Scheisse votiert.»
«Eine gemeinsame Wohnung definiert sich gemeinhin durch Einrichtungskompromisse.»

Seufz.

«Bon. Du darfst den Weinbestand auffüllen!»
«Der TV kommt mit.»
«Das Teil kommt so was von nicht mit! Dafür der Vitra-Sessel, der kann dann bleiben, wenn wir uns trennen. Und der schwarze Shaggy-Teppich.»
« Wozu dein Lieblingswieschen? Hat man in Beziehungen nicht ohnehin keinen Sex?»
«Auch wahr. Aber Du sollst Dich ja schon ein wenig zuhause fühlen bei ‹uns›.»
«Der TV kommt mit.»
«Okay. Aber bei ‹uns› herrscht striktes Fussballverbot.»
«Wo bleibt die Toleranz, Daniherz?»
«‹Nathan der Weise› hab ich längst gelesen. Liebling.»

Wird wohl eine lange Woche.

Samstagnachmittag. Zwei kopfschüttelnde Kollegen helfen ihm, den Teppich, vier Kisten, eine Sporttasche und eine grässliche Zimmerpflanze (dazu da, mich zu ärgern) zu zügeln. Sie trinken Bier, während ich gestresst und zickig tue, wie sich das gehört und das dämliche Nespressodings im Keller verstecke.

Zum Glück muss Lex gleich weiter, Hochzeitsparty der Schwester seiner Ex (gibt ja Frauen, die ihre Verflossenen als Antisingle-Schutzschild buchen) und wird am Brienzer-, Thuner- oder Woimmersee nächtigen. Unser Reich ist also mein.

Als ich am Sonntag gegen sieben heimkomme, ist er schon da.
«Was gibt’s denn zu essen, Herzchen?»,
fragt er süffisant.

«Rohes Fleisch»,
falle ich ihm frischverliebtenähnlich um den Hals und amüsiere mich ob seines konsternierten Gesichtsausdrucks.

Danach verquatschen wir mit zwei Château Lascombes 03 in die Puppen, bis das Theater per gemeinsames Zähneputzen einen romantischen Exitus findet. Gar nicht so schlecht, das Arrangement.

Als ich am Montag heimkomme, läuft die verdammte Kiste. Lex schläft auf dem Sofa. Ich stupse die dreiviertelleere Bierflasche mit der Fussspitze an und beobachte das Versickern des Goldbraun im Shaggy. Wäre es uncharmant, ihn hier liegen zu lassen?

Ich weiss nicht, ob ihn das Klavierkonzert (Rachmaninoff, Nr. 2, Op.18) weckt oder dass ich auf seinem Brustkasten knie.
«Hola Principessa. Oje. Dieses Glitzern in den Augen kenne ich.»

«Partytime»,
flüstere ich.

Dienstag sind wir beide nicht zu Hause und Mittwoch übernachte ich woanders. An die Doppelkiste könnte ich mich glatt gewöhnen.

Wird er vermissen, dass ich drei bis fünf Mal täglich anrufe?
«Schatz
[ein Wort mit Todesstrafpotenzial] ich stehe gerade im Globus, brauchen ‹wir› noch was?»
oder
«Du glaubst nicht, was mir gerade passiert ist, ich war im Odeon…»,

oder
«Jetzt hat Charles angerufen, bei Brunello…»,

… und dann ein end- und belangloses Gebabbel über Alltäglichkeiten. Part of the Game.

Er revanchiert sich mit grandiosen SMS und halbseitigen e-Mails, in denen er mich ‹Zuckerleck› und ‹Shaggybangy› nennt. Ich wappne mich für den Gegenschlag auf http://kosenamen.sradonia.net.

Den Donnerstag opfern wir einem Duett nach Drehbuch. Gemeinsames Kochen (heisst: ich trinke Martini und unterstütze den Entstehungsprozess seines Tartars aus salzweissem Krabbenfleisch mit Aphorismen und Limericks), gefolgt von gemeinsamem DVD-gucken (Cold Souls), bei dem unsere Füsse gemeinsam einen Hocker teilen und wir abwechselnd gemeinsam Mandeln im Honig- und Schokomantel von Fine Food in den Topf unserer gemeinsamen Zimmerpflanze spicken. Einer meiner Zigarettenstummel landet blöderweise auf dem gemeinsamen Teppich.

Danach entschuldige ich mich mit Kopfschmerzen ins Bett. Hehe. Willkommen im real life, Baby. Es besteht auf gemeinsamer Kissennutzung, kuriose Ersatzehepflichthandlung.

Freitag sind wir physisch getrennt, aber durch einen intensiven SMS-Dialog verbunden unterwegs, kommen synchron kurz nach vier schon heim und runden den Abend mit Goslings Black Seal ab.

Samstagnachmittag. Einkaufen im Jelmoli. Hurra Pärchenfete! Sonja kommt mit Florian und Michael (mein Beuteschema!) mit irgend einer Doris. Es gibt scharfe Kürbis-Orangensuppe mit irgendwas, Marronirisotto (wegen Irgendeinervegidoris) und Zabaglione mit Dahlienblüten. Ich suche den Champagner aus.

Lex macht sich als perfekter Gastgeber auch fantastisch als Pärchenhälfte. Kost mich konstant (mündlich und manuell), und überhaupt stehen wir den anderen in nichts nach (den Kurzdisput zwischen Dore und Michi – «Jetzt iss doch nicht immer so schnell» – quittiere ich mit empathischem Verachtungsblick). Vom obligaten Müntschi nach dem ‹Anstossen› bin ich Extremfan. Wir wiederholen es bis zum Exzess.

«Prost, Schatz.»
«Prost, mein Gummihäschen.»
«Prost, mein Utzibutzi.»
«Prost, mein Apfelpopöchen.»
«Prost, mein Suppihuppi.»

Vier Stunden später.
«Jungs,Mädels! Wohin geht’s weiter?»

Man tauscht Blicke. Flo und Michi unterdrücken Interesse.
«Nun, denke, wir verabschieden uns sonst langsam.»

Au ja, hinfort mit Euch!

Ich hindere Alexis am Abwaschen, und wir ziehen los. Im Sherif starten wir mit dem Begiessen der tristen Tatsachen. Nach fünf bis acht weiteren Stopps muss ich heim. Das Intensivmischtrinken schreit nach Alka Seltzer-Ponstan-Cocktail.
Alexis will in seine Jacke schlüpfen.

«Bleib mal schön hier, Texlex. Nix mit Co-Abhängigkeitszeugs.»

Er instruiert den Taxifahrer. Der Muff im Fonds unterstützt meinen Brechreiz.

Als ich das nächste Mal aufwache, riecht es nach Kaffee und butterüberdosierten Eiern. Lex placiert einen offenbar frisch gepressten Saft auf dem Tischchen neben mir. Ich bin ehrlich gerührt.

«Aber ich hab doch gar keine Saftpresse.»
«Du bist sowieso der Antichrist unter den Martha Stewarts.»
«Aber Du liebst mich trotzdem.»
«Deswegen.»
«Wie lang bist Du schon hier?»

Blick entlang seinen Augenringen.
«Willkommen daheim, Säfteheld. »

Er löffelt sein Ei im Olivenölbad. Proteintankstelle.
«Wenn Du geglaubt hast, es sei Schlafenszeit, hast Du Dich getäuscht.»

Um fünf wachen wir auf.

«So Schatz. Time to go home.»

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Sex am Sonntag.

Blog 86, 17. Oktober 2010

[nach einer wahren Begebenheit]

Er (an mich, einem Blitz aus muntrem Morgennebel verwandt) 14.10.2010 – 10:11
«zuerst ein schönes warmes Badewasser mit viel Schaum… oder wie wär‘s in einem Jacuzzi…. alles dunkel und ringsum sehr viele Kerzen… feiner Rotwein dazu oder guter Champagner… zusammen planschen… ein gutes Gespräch führen und es lustig haben… dann nehme ich Dein Bein auf meine Schulter und fasse Deinen rechten Fuss… lecke daran und sauge Dir am grossen Zeh und lecke daran… davon kriegen die meisten
[?] Gänsehaut… ich giesse dir den kalten Champagner über die Brüste und lecke ihn wieder auf… auch das macht die Frauen wahnsinnig [!], das warme Badewasser und der eisgekühlte Champagner… sanfte Musik dazu…

Nachdem wir uns gegenseitig eingeseift haben und abgeduscht lege ich mich aufs Bett auf den Rücken und Du kniest Dich auf mein Gesicht so kann ich dich schön lecken…Du kannst auf meiner Zunge reiten…

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 11:05: «Dsching, Dsching, Dschinghis Kahn, hey Reiter –  ho Leute – hey Reiter, immer weiter!»]

…während meine Finger in Deinen beiden Löchern spielen und Dir dann die Brüste massieren [also die Finger] bis es Dir das erste Mal so richtig [voilà – der ominöse Tittenorgasmus!] kommt… dann lege ich Dich auf den Rücken verbinde dir die Augen und spreize Deine Arme und Beine… ein paar Erdbeeren und Champagner träufle ich über deinen Körper und lecke und sauge die Erdbeeren überall auf… anschliessend geniesst du eine Tantramassage… nach einer Ruhepause geht‘s dann vom Vorspiel über zu einem wilden leidenschaftlichen und sehr ausdauernden Sex… meistens [!] sind wir beide immer mega verschwitzt und die Leute ringsum haben vieles [!] mitbekommen… zum Nachspiel darfst du dann wieder die Augen schliessen und eine ausgiebige Ganzkörpermassage geniessen.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 11:06: «Mann und Spa – in Personalunion!»]

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 11:15
«Seufzstöhn. Wie siehst du denn aus? Und wird Dir nicht kotzig, wenn der Champagner sich mit dem Badeschaum vermixt?»

Er (an mich) 14.10.2010 – 11:20
«Wieso, ist ja nicht giftig?! Macht ja nichts. Fotos anbei.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 11:35
«Holymoly. Das Foto im Taucher-Shorty ist gewagt. Bei der Masse. Und dem Eiertötzt.»
]

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 11:40
«Ich bin im Clinch. Das Pogramm [Freud’sches Amuse-Bouche] ist unschlagbar, fast, aber Du, leider so was von gar nicht mein Typ. Dile-Mmmmmmmh-amminonmal!»

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:10
«Bist Du wirklich so oberflächlich und naiv und beurteilst Menschen nur anhand von ein paar Pics??? Was nützt dir ein Model
[sic!] der keine Ahnung hat was eine Frau möchte und ihr nicht geben kann was sie braucht und im Bett eine Niete ist???»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) – 14.10.2010 – 12:30
«Nun… ja.»
]

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:12
«Ich bin seit 4 Jahren hier im XX
[netterweise verfremdet] und hab immer wieder sehr schöne Affären hier… hab schon oft gehört von Frauen wo [sic!] mir sagten, ich sehe ja viel besser aus als auf den Fotos… also ich bin nicht so oberflächlich und beurteile Menschen anhand von Pics… die Chemie muss stimmen… gepflegt sein und sympathisch… ok… it‘s up to you.»

Er (an mich)  08.10.2010 – 12:35
«übrigens hatte schon Abenteuer mit Models… also kann‘s so schlimm nicht sein… Bigsmile.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 12:39
«Unbestreitbar. Der Mann argumentiert mit Stahllogik.»]

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 12:40
«Krasseranz! So richtige Models, mit Laufsteg und Heftli und so? Und muss man denn einen Typen nicht (so klitorisklitze wenigstens) scharf finden, um ihn/ mit ihm vögeln zu wollen? Wenn nicht, wär das nämlich ganz gross und würde das Ganze vereinfachen, massiv, wenn so einfach alles durchginge. Was muss man da für Drogen nehmen für?»

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:48
«Also ich gebe sicher keine Namen raus… das ist Diskretion und Ehrensache… ein Model von Zürich und eines von St. Gallen… jeder Mensch hat was Schönes… und ich suche auch ein wenig Tiefgang
[!] zum mal gute Gespräche in der Badewanne führen und wo auch immer.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 12:50
«Hä?»]

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:51
«Für mich muss eine Frau nicht scharf aussehen… natürlich spielt das Optische ein wenig eine Rolle… Also wenn du 120 kg wärst würde ich Dir auch nicht schreiben… Aber eben die Chemie ist viel wichtiger… schade, wusste nicht
[schon gut, woher denn auch], dass du so oberflächlich bist… mega schad… aber selber schuld… verpasst einiges.»

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 13:00
«Ach, gibt es in St. Gallen auch Models? Sind das die so genannten Ostblock-Chicks? Und Shiseido find ich ganz gut, kennst Du? Die sind zwar glaubs mit Tierversuchen, aber so schlimm ist das nicht, oder schon? Und was für Badewasserzusätze verwendest Du? Auf manche Dinge bin ich nämlich allergisch (Peperoni zum Beispiel) und anderes mag ich nicht so (Kefen, Champignons).

Worüber magst Du denn in der Badewanne sprechen, tiefes? Und wenn Du meinen Fuss leckst, kannst Du denn da überhaupt reden dazu? Sagt man nicht auch, Männer seien des Multitaskens ohn-mächtig? (schade übrigens, dass der Genitiv ausstirbt, ich find das Wort so sexy: Genitiv. Genitiv. Genitiv. Macht mich ganz badewasserwarm. )

Turnt es Dich denn an, wenn die Frauen mit Tiefgang reden und Du währenddessen zwischen den Zehen Schaumblasen durchpustest? Das ginge dann fast besser mit Abwaschmittel, aber das hat meine Vagina nicht so gut vertragen. In der Vergangenheit zumindest. Seither habe ich eine Putzfrau.

Ich quatsch gern über Ontologie. Und ich mag es lieber im Dunkeln. Aber dann würd ich Deine Seifenlaugenblasen nicht sehen können, und ob Du mir den Nagellack vom Zeh kaust. Das wäre schade, hab ich ganz frisch bei der machen lassen vorgestern, bei der Schminkbar, kennst Du? Da sind manchmal auch Models, wenn man viel Glück hat.

Ha! Ohne Licht wär natürlich auch cool, weil Du mir ja nicht gefällst. Weil angeheizt hast Du mich tierisch, ich geb’s zu, ich lese Dein Mail wieder und wieder und wieder durch. XXX»

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 13:20
«Hast Du nicht zufällig einen Kollegen mit dem gleichen Angebot wie Du? »

Er (an mich, ungebeten) 14.10.2010 – 13:24
«Schad bisch so mega oberflächlich und naiv.»

Er (an mich, total unnötig)  14.10.2010 – 13:25
«Aber zum Glück sind das die wenigsten Frauen.»

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 23.00
«Exgüsi, dass ich so oberflächlich bin. Das ist eine der Eigenschaften, die meine Freunde so an mir lieben. Denn sie sagen alle immer: dumm fickt gut. Daran denke ich nämlich ständig.Fickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenficken. Exgüsi.

Darf ich noch mal? Ficken. So, jetzt ist es besser. Exgüsi.

Wenn Du mich nicht willst: hast Du denn einen anderen (hübscheren!) Kollegen mit einem ähnlichen Programm – es dürfte auch noch ein wenig weniger stereotyp sein, wär mir auch egal, bei so Sachen bin ich nicht oberflächlich.)»

Er (an mich)  14.10.2010 – 20:48
«Lach… sicher bin ich da alleine… ich bekomme fast
[!] jedes Mal im Bett Komplimente von den Frauen sie hätten noch nie so schönen zärtlichen Sex erlebt… hatte auch schon Affären mit zwei Bi-Frauen die unabhängig voneinander sagten, sie hätten noch nie einen Mann gehabt der so gut lecken kann wie eine Frau…

Einen zärtlichen Kuss hinters Ohr und auf Deinen Nacken…  kannst ja schon mal das Badewasser einlassen… die Kerzen parat stellen… ich nehme den Champagner und das Massageöl mit… hätte heute Abend Zeit und Lust sowieso immer…
Bacio S*
[netterweise verfremdet] 079 XXX XX XX [netterweise verfremdet]»

Er (an mich, schon wieder)  14.10.2010 – 21:24
«was ist denn nun???  Bist du wirklich so mega oberflächlich und naiv und hast so wenig Tiefgang??? oder doch mal Lust auf einen Drink unverbindlich zum beschnuppern? Schreib mir ein SMS und wir machen was ab…
LG, S*
[netterweise verfremdet] 079 XXX XX XX [netterweise verfremdet]»

Ich (an ihn) 15.10.2010 – 23.32 Uhr
«Das mit den Bi-Frauen find ich krass, das hat mich jetzt grad wieder (und noch mehr!) angemacht. Was ich aber nicht verstehe: wieso akquirierst du  eigentlich hier, wenn Dir die Weiber nur so auf die Zunge fliegen?»

Er (an mich)  15.10.2010 – 23.32 Uhr
«Akquirieren… lach… das mache ich im Geschäft…
[ich will es gar nicht wissen, nein] hier bin ich aus Plausch und Fund… Bin seit vier Jahren hier und suche immer wieder schöne Affären… hatte eine schöne Affäre mit einer von Bern die nun leider zu Ende gegangen ist…

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 17.10.2010 – 16.24
«Ojemine.»]

… und deshalb suche ich wieder … hier suchen viele nur das eine… oder bist du etwa wirklich so naiv und glaubst hier eine feste Beziehung zu finden??? Noch was… wie gesagt ich muss nicht so schlimm aussehen wenn ich auch schon Affären hier hatte mit Models… und beim Sex hat man ja oft [!] die Augen zu und geniesst… lautlach… schad bist du so mega oberflächlich und naiv… ich würde dich gerne verwöhnen… ich bekomme immer wieder Komplimente von Frauen die sagen sie hätten noch nie so schönen zärtlichen Sex gehabt… und immer nur selber die Muschi reiben ist doch langweilig oder nicht? 079 XXX XX XX [ich verkauf die Nummer für 20.-!] einen zärtlichen Kuss hinters Ohr.»

Er (an mich), 17.10.2010 – 23.44
«Wirklich so oberflächlich und naiv? Was arbeitest du denn?»

Ich (an ihn) 17.10.2010 – 16.27
«Das find ich eine gute Überlegung, dass ich die Augen zumachen könnte, damit ich Dich nicht sehen muss. Hat das Berner Model das denn auch so gemacht?

Ich glaub ich bin schrecklich oberflächlich, manchmal reib ich mir sogar die Muschi nur an der Oberfläche also nicht mit dem Finger rein, so wie Du in Deinem ersten Mail geschrieben hast, dem, das mich immer noch so schrecklich heiss macht, wenn ich es wieder lese (ich hab‘s sogar ausgedruckt und im Portmonnee dabei. Dein Foto hab ich mir aber nicht ausgeschnitten, Exgüsi, Du weisst ja… aber es bringt nichts, wenn ich die Augen zumache beim Zahlen, dann würd ich ja die falschen Nötli erwischen unter Umständen.

Ich habe auch viel überlegt wegen dem Oberflächlichen. Was arbeiten eigentlich normale oberflächliche Menschen? Sind das die, die den Models die Cellulite hinten rauf kleben? Oder Leute die Sachen machen wie Glatzenhaare knüpfen oder ihren Audi polieren?

Bist Du ein tiefgründiger Mocken? So wie die Apnoeaalwürger oder Scheidensekretsobjektträgerreiniger? Oder akquirierst Du die schönen Farben für die Nagellacke? RAL 3002 find ich scharf, an den Füssen. Aber nur wenn sie frisch gewaschen sind.»

Ich (an ihn) 17.10.2010 – 16.29
«Ach egal. Ich komm aber zu Dir. Heute, 10.30 pm? Passt? Wasser bitte 35.8° (Oberflächentemperatur).»

 

 

Ich (an ihn) 17.10.2010 – 16.33
«Ich bringe eine Augenbinde mit.»

 

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Loser Mummenschanz.

Blog 85, 22 September 2010

Vor einer Woche hab ich mich als CFO eines Multis aus dem Life Sciences-Cluster beworben. Dank (in Kooperation mit einem Grafikerschnuckel) hervorragend gefälschter Dokumente wie HSG-cum-laude-Abschluss, Doppelzwischenjahreskonfirmation einer Ivy League-Anstalt, MAS in Applied Ethics und zwei-drei sterngreifenden Arbeitszeugnissen durfte ich, halbwegs erwartungsgemäss, zum Hearing antanzen.

Bis ich gestanden habe, nebenher auch Tochter einer (in bis in die frühen 90er weit über die Landesgrenze hinaus) illustren transnistrischen Nobelnutte zu sein, empfanden es die noch weniger als nichtswissende HR-Tante und die beiden wohlstandsgebauchten Anfangsfünfziger nicht als adäquat, mich, durchaus nicht stillos, zur Tür zu geleiten.

Trau niemandem mit hautfarbenen Netzstrümpfen in chanelroten 600 €-Lackpumps. Denen mindestens der eine der beiden garantiert ein Tränchen nachvergossen hat.

*** Wenn sich in einer Lokalität eine Gruppe Weibswesen befindet, wird jedes Kontrastgeschlecht just in dem Moment, in der es zur Tür reinkommt, rauf-, runter- und einmal quer durch geröntgt. Innert einer Zehntelsekunde kann Mann so aufgrund von Gang, Gesicht, Grösse, Haarfarbe, Haarlänge, Händen, Haltung, Hosenart, Jacke, Sauberkeit, Schuhen, Schmuck, Socken etc. durch die Maschen fallen.

In dem Moment aber, in dem eine
«iLike»

sagt, donnert ein virtuelles Richterhämmerli und der Typ ist von ihr ‹besetzt›, und zwar so lang, bis sie,
«Ach, (der) ist (glaub) doch nix»
,

findet.

Absurderweise gilt diese unausgesprochene Regel aus dem Repertoire des female bonding sogar, wenn TypX sich offensichtlicher nicht weniger für Sarah interessiert als, sagen wir mal, für Sandra, wird diese – um es nicht mit Sarah (aber auch nicht mit Smilla, Sally, Sonja und Sugarbabe) zu verbocken (und zwar nachhaltig) TypX die eiskalte Schulter zeigen (respektive ihm darüber hinweg hilflos zulächeln) und auf den nächsten Fisch im Teich warten.
Begehre nicht das Filet Deiner Freundin oder ab in die Ecke, Besen! Seid’s gewesen.

Mögen sie manchmal allzu simpel ticken, lob ich mir hierin die Buben, die diese abstruse Form moralischer Sippenhaftbarkeit nicht kennen, sondern bei denen die einzige und oberste Regel ‹full & open competition› lautet und in deren Rationalität das ‹Zielobjekt› entscheidet – und nicht der Weidmann. Auch der Lochbruderparagraf kann – nach angemessen kurzer Karenzfrist – ausgehebelt, resp. aufgehoben werden, nicht wie bei uns, wo Sex mit dem Ex der anderen (und mögen die im Kindergartenalter kopuliert haben), generell ein Tabubruch ist, der mit einer gefühlten Steinigung vergolten wird.

Dieses ‹virtuelle Schnäbihalten› war mir immer zu blöd. Es mag wohl Ärger bringen, vom einen zu seinem besten Freund zu hupfen, Ringelpiezriesenspass.

Glücklicherweise vermehrt sich die Menschheit – und entsprechend die Durchlaufquote. Drum propagiere ich den Einzelkampf. Und rote Schuhe.

*** Du stehst vor Deinem Lieblingsclub und irgendwie stimmt was nicht. Die Masse der nach Einlass Geifernden scheint deplatziert, das Dings für die Krawattenträger wär am anderen Ende der Stadt, und wo kommt die Horde lärmiger Basler her, morgen ist doch Schule, bist Du am Ende die, die sich weigert, zu erkennen, dass das hier, wenn auch es noch nichts besseres gibt, die beste Zeit hinter sich gelassen hat, und Du hast die Wahl zwischen einem fünften, sechsten Wodka irgendwas und Raushier und Du ziehst, für heute Nacht, eine letzte Runde durch die verschwitzten Gesichter, von denen Du ab und an eins küsst, und auch sie zucken hilf- und ratlos die Schultern, gegen den in seiner Natur badenden Fortschritt ist wenig auszurichten. Adapt – or die.

In der geliebten Bäckerei, die Du nüchtern nie betreten würdest, weil sie ihrer Zunft, simmerehrlich, alle Schande macht, verlangst Du auch einmal mehr irgendwas mit möglichst hohem Fettanteil, tendenziell mit nach Karton schmeckendem Fleischnebenerzeugnis und schiebst das Velo, das Deine Freundin vor zwei Wochen bei Dir vergessen hat, lustlos vor Dir her.

Bei Perla kreuzt Du einen (glaub) gutaussehenden braunäugigen Typen mit ohrlangen dunklen Haaren und Du bleibst stehen und drehst Dich um und überlegst, wo er seinen Koksvorrat ergänzt hat, und er macht einen U-Turn und legt Dir die linke Hand in den Nacken, nicht gerade sanft, und Ihr knutscht etwa sieben Minuten lang, wobei das blöde Velo stört, weshalb Du es fallen lässt, und als Du zum ersten Mal richtig Luft holen kannst, beisst Du ihn in die Unterlippe, pustest ihm die Haare aus den Augen und schwingst Deine roten Schuhe elegant in ein Taxi.

Leichtigkeit des Seins.

Unerträgliche.

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Die Königsdisziplin.

Blog 84, 27. August 2010

Dass sich eine Single-Frau ein (nur bedingt familientaugliches) Haus kauft, ist eine post-feministische Erscheinung und/oder ausguthausbedingte Steuertechnik. Die Liegenschaft meiner Freundin Svet befindet sich ausgerechnet an einem Ort, an dem gemeinhin furzende kurzfellige, kastenförmige Beschäftigungsprogrammteilnehmer ausgesetzt werden. Der Ausblick ab Terrasse lässt dies sogar mich zwischenzeitlich vergessen. Und für die wenigen Male kann ich durchaus vorjährige Paare dem Pampaklater zuführen, das schafft zumindest Platz im Schuhzimmer.

An der frischen Luft mit einer Flasche Château de la Crée gibt’s Körper-Geist-Seelen-Trinity-Update.

«Zieht sich das perfekte Vögelnest rein, aber ohne Bussard? Kommschon! Wartest Du auf den Storch?»
«Weiss nicht. Es hat sich halt nichts ergeben.»
«Hat sich halt nichts ergeben! Quatsch hat sich halt nichts ergeben. Auf die Jagd, Mädchen, Pfeile in den Köcher und ab ins Wild!»

Adultfriendfinder mag sie dann aber doch nicht konsultieren, prüdes Ding.

«Und was machst Du hier abends, allein, Tee und ‹Friends› reinpfeifen? Oder Opernarien mitjaulen?»
Ertappt. Weidmannsunheil.

«Du verdorrst noch. Man verlernt’s zwar nie, aber der Fun-Faktor potenziert sich bekannterweise mit der Frequenz.»
«Ich üb ja schon.»
«Was üb ja schon. Allein?»
«Nun, ja. »

Svet gesteht, dass sie zurzeit an ihrer Lautstärke ‹arbeitet›.
«Immerhin – un projet.
Sollte hier ja kein Problem sein, wo Dich keine Schweine hören können ausser dem Bauer da unten.»
«Ich weiss. Probier ich ja.»
«Aber?»
«Geht irgendwie nicht.»
«Na dann lass doch mal hören.»
«Bist Du verrück?»

Dass wir vor dem Weissen ein paar Martinis gerührt haben, erweist sich als hilfreich. Ohne nennenswerten Widerstand lässt sie sich von mir abführen.

In ihrem Schlafzimmer (an dessem Dekor man die Männerlosigkeit ablesen kann, aber daran werden wir ein andermal arbeiten) deponiere ich sie an der Bettkante, wo sie wie ein verwaistes Blaukehlchen hocken bleibt.

«Lieber Küche? Bad? Wohnzimmerparkett?»
«Du bist verrückt.»
«Natürlich. Crazy fuckin‘ personal Dr. Sommer.»

«Und jetzt?.»
«Was wohl. Ausziehen – wenigstens untenrum!»
«Bist Du verrückt?»
«Dann bleibst Du halt angezogen. Ich geh jetzt vor die Tür. Und dann will ich was zu hören kriegen. Ich geb’ Dir sogar DB-Rabatt: das Fenster bleibt offen.»

«Du bist total verrückt»
,
wiederholt sie, aber ich rede noch zwei Minuten energisch auf sie ein, gehe dann raus, leere die Flasche und rauche drei Zigaretten, zwischen denen ich
«Lauter, Svet, verdammt! Sing für mich, Königin der Nacht!»

rufe.

«Und jetzt?»

Ich meine, ein zartes Stöhnen zu hören, gut möglich aber auch, dass irgend ein auszurottendes, balzwilliges rurales Getier aus seinem Loch gekrochen ist.

Kurz darauf kommt sie zurück. Im Bademantel. Mit leicht geröteten Wangen.

«Ich kann das nicht.»
«Na, war doch gar nicht so schlecht. Für den Anfang.»

«Jetzt Du.»
Trotziger Blick.

Ich parkiere mein Glas auf dem Tisch, stöckle ins Haus und schliesse Tür. Und das Fenster. Natürlich hab ich kein Equipment dabei (geht ohne, wenn auch weit weniger lustig, das Piercing als minimaler Fix-Pimp) und in ihren Schubladen lässt sich (natürlich) auch nichts finden.

Als ich zurückkomme, sitzt Svet aufrecht und mit hellroten Flecken am kafirahmhellen Dekolleté am Tisch.

«Das war ziemlich…»
«…gut.»
«Laut. Ziemlich… laut.»

Ich zucke die Schulter.
«Und da sind zwei Spaziergänger … vorbeigekommen.»
«Na und? Was hast Du gemacht?»


«Gewunken.»

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Date mit dem Gott.

Blog 83, 19. August 2010

[für J.V. und Virginia Woolfe]

Noch nie hatte Simone etwas ähnlich Verrücktes gemacht. Nur eine Ahnung, eine Idee hat sie gehabt, wer der Mann ist (oder sein könnte), den sie in sechs Stunden im Mauerpark treffen würde.

Spontan hatte sie ihn angeklickt, vor einigen Wochen schon, Freund eines Freundes, gefallen hatte er ihr, optisch und in Bezug auf was man sonst noch herauslesen kann (oder zu können meint) aus einem Bild, viel nicht, aber manchmal doch auch nicht wenig, und er hat sie über eine Landesgrenze hinweg geaddet (weil Männer unkritisch sind gegenüber Frauenanfagen, und digital spielt das ja ohnehin keine Rolle, umso besser können sie hier jagen und auch sammeln, kleine Trophäen in Form einer steigenden Zahl im Profil – und Simone hat durchaus etwas Reizvolles). Öfters haben sie von da an gechattet, spätnachts, sich ihre eigene kleine Bühne gezimmert, in der sie Romeo und Julia aufführen und ihr eigenes und einziges Publikum waren. Viel wusste sie dennoch nicht über sein Leben – und er nicht über das ihre.

Nun nehmen derlei Geschichten ja zweierlei Ausgänge; entweder sie nutzen und spülen sich ab oder waschen sich aus, oder aber sie schlängeln vorwärts, holprig, stockend oder preschend, unaufhaltsam aber letztlich (retrospektiv zumindest) immer voran, auf etwas zusteuernd, was durchaus seinen Platz, und vielleicht sogar seine (höhermächtige?) Richtigkeit hat.

Simone (– ob es sich für ihn ähnlich angefühlt hat, wissen wir nicht) war irgendwann zum einen von einer Ungeduld erfüllt, zum anderen (was mit ihren aktuellen Lebensumständen zusammenhängen mag, aber da soll niemand drin rumpsychologisieren) abenteuerlustig und (bis zu einem bis dato ungewohnten Grad) risikofreudig.

So schrieb sie ihrem Prinzen (der zu diesem Zeitpunkt objektiv nicht viel mehr war als ein elektronischer Brieffreund) eines leicht verregneten Nachmittags:
«Ich habe einen Flug gebucht. Komme Freitag in drei Wochen. Fliege Samstagabend zurück»,
was (verzeihenswerterweise) gelogen war, denn sie hatte den Tab von AirBerlin noch offen und wartete auf seine Antwort.

Dass sie dabei die Initiierende war von beiden, machte ihr nichts aus, und sie war auch bereit, das Ergebnis, wie auch immer es herauskommen mochte, zu tragen.

Als nur wenige Minuten später sein

«Ground Control: Sturmfrei gebucht»
aufpoppte, machte ihr Herz (und nicht nur das) ein Sprünglein und sie fragte sich lächelnd, mit welcher Erklärung er seine Wohngenossin ausquartieren würde.

Von da an änderten sich Inhalte und Tonalität ihrer Hin- und Hers. Manchmal waren sie schrecklich alltäglich (möglicherweise, wenn sich bei beiden eine Unsicherheit einschlich, schliesslich ist der unangenehme Fall, dass man jemandem gegenübersteht, den man olfaktorisch nicht erträgt, allen geläufig, und Simone hatte schon darüber nachgedacht, ein Hotelzimmer zu reservieren, als emergency backup sozusagen, hatte sich dann aber gesagt, dass zwei (halbwegs) Erwachsene fähig sein sollten, Unangenehmes offen zu kommunizieren). Daneben gab es aber – spätnachts, meist – durchaus auch ‹Parental Advisory-Dialoge›, nach denen Simone sich (unnötige) Gedanken darüber machen konnte, ob er nicht zu viel (in sie?) hineinprojizieren könnte oder sie ausserhalb des virtuellen Raumes keinen Weg finden würden, in diese köstliche Lust hineinzufinden, derer sie (alleine in Gedanken an ihn oder über die Tastatur mit ihm verbunden) fähig war und die sie manchmal selbst erstaunte und überhaupt, war es ja möglich, dass sie im entscheidenden Moment gar keine verspüren würde oder (noch schlimmer) sich bei ihm nichts regen und bewegen könnte.
Darüber, ob er dem Ganzen mit der vertrauensvollen Unbekümmertheit der Unterdreissigjährigen gegenüberstand, ist nichts bekannt.

Irgendwann war der Tag endlich ins Feld gerückt, und auf mein Anraten hin hatte Simone eine Flasche Becherovka im Gepäck, womit es sich sehr rasch entspannen lässt, und mit der man sich, wenn nötig, angenehm effizient in die Bewusstlosigkeit befördern kann.

«Wird Herzbube Lustknabe?»
tippte sie in der Abflughalle in ihren Status-Update und war beruhigt, als sein
«iLike»

(ist das erstaunlich?) innert Minuten folgte, wie auch zwei Kommentare von anderen, die, (einmal mehr) zu wenig Ahnung hatten, um was es eigentlich geht, aber das kümmerte sie nicht, die jetzt in Gedanken noch einmal ihr Gepäck durchging, aber ja, sie verfügte über Tenue-Optionen für verschiedene Szenarien.

Vier Stunden später erschrak sie einen Moment darüber, dass sie ihn wohl nicht erkannt hätte, wenn er nicht (wie angekündigt) das fastschwarze T-Shirt mit dem dunkelvioletten Siebdruck angehabt hätte und eine Antwort auf die Frage, wie man sich in einer solchen Situation begrüsst, steht ja auch nirgends, aber die beiden haben es elegant umschifft, indem sie auf seinen ziemlich formvollendeten Kniefall

«gänzlich zu Ihren Diensten, Mylady»
mit dem passenden Knicks replizierte und sich eine erste Zweideutigkeit verkniff, die er (falls er gewollt hätte) ihren Augen hätte ablesen können.

Seit Tagen schon waren Simones Innenarmflächen empfindlich, als ob sie einen Bund Brennesseln umarmt hätte, nur angenehmer, köstlich-süss, und in dem Sekundenblick, mit dem sie ihn scannte, während sie sich in die Augen lächelten, setzte das Kribbeln wieder ein und sie wusste:
I got you, Babe.

Ob er ähnliches voraussah, entzieht sich unserer Kenntnis, etwas unsicher gingen sie nebeneinander her. Da sie kein Programm abgemacht hatten, war darüber zu verhandeln und sie zögerte einen Moment (zu lange) damit

«lass tun, weshalb ich gekommen bin»,
zu sagen und damit war ein Geleise rangiert und sie mussten nun diese (meist etwas mühsamen) Hürden des Kennenlernens nehmen.

Nichtsdestotrotz (und abenteuergewiss) wurden die folgenden Stunden zu einem leichtfüssigen Fandango, Simone war die arme, sexy Stadt einigermassen bekannt und das Tor, der Turm oder das Mal waren (glücklicherweise) weder Pflicht noch Kür, stattdessen stolperten sie vom Kaffee über den Drink in eine Flasche Weisswein mit Fleischspiessen von diesem Türken, den sie in einem speziellen Reiseführer entdeckt, und den er noch nicht gekannt hatte. Dann, um halb zwölf etwa, folgte der zweite etwas komische Moment. Sollten (und wollten?) sie nun weiter ziehen, in die Nacht hinein (und dabei wohl lustiges erleben, aber auch Zeit verlieren) oder gälte es, ohne weitere Verzögerung Jovis’ Wohnung anzusteuern?

In der kleinen Bar (Fuchsbau?) versteckten sie ihre grosse weisse North Face-Tasche. Er kannte da und dort Menschen, und ihr machte es Spass, im Wissen, dass er später ihr, und nur,  gehören würde, zu beobachten, wie er sprach, gestikulierte, sich bewegte. Dann fiel ihr der tschechische Trunk ein (nicht, dass mehr anregende Aufheiterung nötig gewesen wäre), und sie checkte ihr Gepäck kurz aus, um ein grosses Glas mit dem edlen Saft zu füllen und sich am Tresen drei Eiswürfel zu erschleichen.

«Trinken»,
hielt sie ihm das Glas hin, und als sie kurz darauf vor der Tür rauchte, verstand sie nichts mehr von der Geschichte, die er erzählte, blieb mit Blick und Verstand an seinen Lippen hängen, und als sie sich beim Hineingehen drehte, lief er ihr praktisch in die Arme ein Anfang war,, endlich, gefunden und so standen sie da, anderen im Weg, bis die sie abgedrängt hatten, an den Rand und blieben eine gute Stunde wohl der wortlosen Kommunikation beschäftigt. Sie wurde erst in den nun wummernden Lärm zurück gestossen, als er

«gehen wir»
sagte und ihr das T-Shirt wieder über die Nieren zog.

Im Taxi meta-morphten die Strassen Berlins in den Rodeo Drive, beim Aussteigen musste sie ihren rechten (?) Camper-Schuh unter dem Fahrersitz suchen. Zwischen Tür und Angel presste er sie gegen den Hohlrahmen und streifte ihr Rock mitsamt Unterwäsche ab, irgendwas hätte sie aus der Schublade ziehen können am Morgen, dachte sie, als er vor ihr (zum zweiten Mal, aber viel länger) knien blieb, aber sie hatte (natürlich) das Exklusivste ausgewählt und konstatierte amüsiert, dass sich das Ganze genau so, wie sie sich das gewünscht und besser noch, als sie es sich vorgestellt hatte, entwickelte und sie mochte seine Zunge (sehr) und seine Hände und den Geruch seiner Haare und seiner Haut hinter dem Ohr und in der kleinen Vertiefung zwischen Hals und Oberarm (in der später ihr linker Fussknöchel zu liegen kommen würde).

Wer von beiden sie und ihn ganz ausgezogen hat, kann sie heute nicht mehr sagen aber sie erinnert sich noch, wie sie (wer hatte die Haustüre zugemacht?) auf dem Boden lagen, knieten und rollten und ist sicher, ein wütendes Klopfen eines erbosten Nachbars gehört zu haben, das aber durch die Geräusche ihres nicht abreissen wollenden Taumels, den sie endlos scheinbar weiter nähren konnte (und sie wollte!) wohl nicht so beantwortet wurde, wie sich das der oder die in seiner oder ihrer Nachtruhe Gestörte gewünscht hatte. Es galt aber einzusehen, dass hier ein Gefecht tobte, bei dem höhere (oder niederere) Mächte im Spiel waren als die eigenen Mickrigkeit.

Haben die beiden gesprochen dabei? Viel sogar (mir unerklärlich), erzählte Simone, mehr als das sogar (ich erlaube mir, die Episode mit den Aprikosen an dieser Stelle auszuklammern), auch gelacht, während und dazwischen, und meist nicht mal beim Positions- oder Raumwechsel, aber zum Beispiel, als er

«drops of Jupiter in her hair»
sagte.

Der dritte komische kurze Moment war, als sie aufwachte, an fremdem Ort, auf dem Arm eines (nicht mehr so) fremden Mannes neben ihr, aber dann freute sie sich ob der Erinnerungen an die Ereignisse der vergangenen Stunden, stand auf, duschte und trank ein Glas warmes Wasser, bevor sie begann, ihn wach zu lecken.

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Roll mir den Teppich, Baby.

Blog 82, 9. August 2010

(für Luke Redford)

Silly hatte ihre Tage. Nach dem siebten Aperol Spritz (oder waren’s doch nur sechs) hat sie dies total vergessen, erst als Marcel ihr gerade einen Finger zwischen die Li
«Schon jemand drin!»

* * * *
Ich mag das, wenn Ereignisse sich ausrollen wie türkische Teppiche (frau darf sich auch eine Yogamatte vorstellen).

Gebannt schaue ich der spastischen Eurythmie der silbernen Tags auf der gedeckt orangen Wand zu. Der Mix aus Goldschläger/Appenzeller-Shots, Vodka Züriwasser und eher lausigem Schaumwein zeitigt interessante Effekte. Am High-tech-Lavabo krieg ich das Wasser nicht zum Laufen. Auch das Trocknen meiner langen nassgeschwitzten Nackenhaare ging einfacher vor dem total take-over von Dyson. Neben mir tupft sich eine Rothaarige Hautfarbe auf den linken Nasenflügel.

«Ai kisst a görl, and ai liketitt»,
flitzt ein halshoher Wirbelwind herein, deren Händen sich der Bewegungssensor nicht verweigert. Die Rote und ich sehen uns über den Spiegel hinweg an. In der nächsten Minute knutschen wir heftig, dann wendet sie sich wieder ihrem Bobbi Brown-Tiegel zu. Ich gebe das Haarprojekt auf. Statt dessen schreibe ich Cyril ein SMS, es muss gegen halb fünf gehen, der Club nie recht voll, alles der Herde hinterher down to Greece, und als ich aufschaue steht da ein auf sein Smartphone fixierter Lockenbube.

«Dir schreib ich grad.»
«Dich ruf ich grad an.»
«Dann geb’ ich Dir doch besser die Nummer.»

Nach fünfzehn Fehlversuchen krieg ich sie endlich in mein Handy getippt. Brav schreibt er ab.
«Hallo?»
«Hab ich dich.»

Berliner ist er, und die mag ich, die Berliner, nicht nur zum Aussaugen.

«Ich hab Lust, Dich zu küssen»,
sagt er und ich zucke mit der Schulter und ich frage mich, einen Moment nur, warum wir uns dazu in der mittleren Kabine einschliessen, wo Obszönitäten an die Wand gekritzelt sind, aber o.k., und ich schliesse die Augen, damit «Vera mag ficken» und «Frauen sind besser bestückt» aufhören, auf und ab zu hüpfen wie die Icons auf meinem Notebook.

Erstaunlich lange gibt sich der Spreesurfer mit dem Geknutsche zufrieden die Gspänli oben fallen mir ein aber ich lass den mal weiter machen jetzt hat er doch schon seine Hose offen und meine auch gar nicht mitgekriegt mache ich jetzt die Augen auf damit ich nicht kotze wegen dem Schwindel und pendle zwischen dem Lustsog (frau darf sich Kundalini-Sexpower vorstellen) meiner blattgoldpatinierten Synapsen und einem profanen Lachanfall.

«Besetzt»,
will ich grad sagen, aber er hat’s selber schon kapiert und es ist ihm egal

«ich will Dich da küssen»
und ich schüttle den Kopf was ein molto vibrato im Hellrot verursacht und einmal mehr kapituliere ich, und schon reibt sich eine geschwollene Eichel an meinem Bauchpiercing und ein Haken  dringt in mein rechtes Schulterblatt ein.

Auf ein ‹Ja!› antwortet ein ‹Au!›, aber der Schmerz hört auf weil er mich verschoben hat und – zuerst verstehe ich «Chemmeribodebad» und denke an Meringues – aber er beisst

«ich komm’ gleich»
in mein Schlüsselbein und ich zucke, wieder, mit der Schulter, auch, als er
«wohin soll ich»

fragt, muss ja eh alles in die Wäsche, aber als ich endlich wieder fokussieren kann, versinkt   – und ich denke –
«wie rücksichtsvoll…»
,
der Mundvoll kondensmilchartiger Flüssigkeit langsam im Standwasser, drei ungleich grosse Tropfen verzieren schillernd den Rand und er will mich nicht davor hinknien lassen, aber ich darf ein Foto machen und auf der Treppe nach oben fällt mir endlich ein, wem die indigoblauen Boxershorts gehören, die die Putzfrau letzte Woche zusammengefaltet auf mein Bett gelegt hat.

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Ray Ban Snob.

Blog 81, 20. Juli 2010

Letztes Wochenende hab ich mich zu was total Idiotischem überreden lassen.
Wandern.

Excuse me?

a)    kann ich früh aufstehen auf den Schlaf nicht ausstehen.
b)    ist functional clothing (Wanderschuhe!) total no-go.
c)    sind die Ozonwerte in den Bergen viel zu tief.
d)    verschwitzte alte Leute besichtigen?
e)    rauf und runter ist total ok. Aber ohne 3-D-Kulisse
f)     gibt’s auf ‹Berggasthöfen› keine anständigen Drinks

«Stell Dir mal vor, Du wärst flexibel!»
«Es wird bestimmt
toll!»

Ich hätte es besser wissen sollen.

«Also gut. Unter drei Bedingungen: 1) ich trage keinen Rucksack 2) kein OeV 3) wir starten nicht vor 11 4) es wird nicht gesungen 5) ich hab ganz übel was gut. Bei jedem einzelnen von Euch.»

Um halb zehn muss ich parat stehen.

Wortkarg sitze ich mit spiegelverglasten Augenringen im Silberflitzer. Gutlaunigkeit ist eine Todsünde. Bis mindestens Mittag.

Irgendwann steigen wir irgendwo aus. Es ist neblig.

«Hab ich’s doch gewusst!»

Sie tauschen ihre marineblauen Espadrilles gegen klobige Lederschuhe, hantieren mit Tupperware und Aluminiumklumpen und gebärden sich, als ob sie einen neuen Kontinent kolonialisieren würden. Zwei haben sogar Stöcke dabei. Ich hab mich gestern noch zu einem Kompromiss durchgerungen und was passables gefunden: Sandfarbene Wüstenstiefel von AIGLE, très cool, und sie erinnern mich an die Palladium, mit denen wir mit vierzehn billiges Bier in der Wohlgroth getrunken haben.

Los geht’s! Hurra!

Sie stochern mit Stecken zwischen Steinen, schwätzen ständig, verziehen wird er sich wohl, der Nebel, bestimmt haben sie nur aufs Züri-Wetter auf Radio 24 heut morgen gehört, City Slicker allesamt, was hab ich hier verloren.

Und dann geht’s bergan. Nach 15 Minuten schon.

Sie lieben es. Das Grün des Waldes, das Grau der Kiesel, das Violett vom Geissklee links. Ich hab einen Schlammfleck auf den Aigle.

Endlose 45 Minuten später sind wir auf der Alp. Looch heisst sie, und ein Loch ist’s, ein dreckiges, ein Kuhstall direkt neben der Küche, ja klar, trinkt ihr Milchkaffee, ich nehm zwei Möhl, anders ist’s nicht machbar, und ein drittes und ein viertes auf den Weg, nachdem wir uns beim Bislen allesamt ob der Bildli, die Toni, der Alpwirtbauer, an die Gäste-WC-Wand gepinnt hat, erfreut haben, schnittige Chicks in satinierten Jane-Fonda-Slips und Gummistiefeln, eine Landwirtschaftsmaschinenbau-Pirelli-Verstümmelung.

Toni, ein etablierter Alki, schiebt mir zum Abschied zwei mit Williams gefüllte Schokobomben zwischen die äh, Finger, Sugardaddy du, Loch-Toni von der Grüsel-Alp, wie der Sonntagsblick den Ernstfall betiteln würde.

Dann der Scheiss-Bergrücken. Leistgrat, Leistkamm, Leistwasauchimmer, Last ist das, eine, aber richtig, Leidensgrad, da nützen auch die Gedanken an Dominiks schön geschwungene Leistengegend nur ganz kurzfristig.

Ach ja, hab ich schon gesagt, dass es neblig war? Neblig und etwa 12° – und jetzt gerade Zeit für meinen dritten Cappuccino und die NZZ am Sonntag von irgendwem ans Bett gebracht? Stattdessen noch mehr Dreck auf den Aigle, drei total unnütze Kühe mitten auf dem Pfad und die anderen immer noch total übermotiviert.

«Wisst ihr was? Ihr könnt alleine da rauf. Ich geh zurück auf die Loch-Alp, zum Grüsel-Toni und seinem Porno-WC.»

Und das mach ich dann auch. Während kurzer Nebelpausen seh ich sie noch am Hang irgendwo, die leuchtrote Windjacke von Sylvie, Mikis hellblaue [!], atmungsaktive und schmutzabweisende Trekking[!]-Hose.
Dann verschluckt sie der verhangene Himmel.

Von Anni ist nichts zu sehen und Toni freut sich, dass ich zurück bin. Nix Sonntagspresse hier, natürlich, stattdessen trinke ich zwei Kafi Looch, und er textet mich voll, bis ich die Locken aus dem Gesicht streiche und er die weissen Kopfhörer entdeckt. Dann ist Ruhe, endlich, und ich falle in einen möhligen Dämmerschlaf.

Das ist mein fünfter (sechster?) Schümlipflümli. Porno-WC-Toni weibelt fleissig zwischen Stallküche und Terrasse hin- und her, ich bin sein Platin-Kunde, sein goldenes Kalb.

Eineinhalb Stunden später sind sie zurück, die Gipfelstürmer von der Hardcorefront. Mit kalten Nasen, Sandwichkrümeln in Pedros Bart und bis an die Knie verdreckten Hosen. Und einem glücksähnlichen Grinsen zwischen roten Bäckchen. Wie süss.

Den ‹Abstieg› find ich dann ungeahnt witzig, besonders das Rutschen der Wüstenstiefelchen auf dem feuchten Gestein, Hoppla!hie, Hoppla!da und ich sitze auf meinem brandneuen ACNE-Hosenboden und Sylvie hält eine Wasserflasche in der Befehlshand.

«Austrinken.»

Sehr lustig, das alles, inspirierend, beschwingend.

Eine Gruppe kommt uns entgegen. Drei Pärli bestimmt und sicher keine Flachländer. Karohemmli, beige Multifunktionshosen mit Beinabnahme. Stramme Wadeln, die Damen, leicht behaart. Hicks!

Mit einem Fundstück in der Luft dirigierend versperre ich ihnen den Weg.

«Herrliche Berge, wonnige Höhepunkte, Bergvaganoven seid Ihr, ja Ihr!»

Keine Reaktion.
«Und jetzt Alle: Herrliche Berge…»

Sie drängen sich vorbei und mich vom Weg ab.
«Typisch Züri-Chick.»

«Was hast Du gesagt?»
Ich bin möglicherweise ziemlich laut.

«Ja! Wahr ist‘s! Ich bin ein verdammter Ray-Ban-Hiker! Und geh nur dein Alphorn reiten; Käseplättli-Fresser!»

Miki hält meinen erhobenen Arm fest und nimmt mir den Stecken weg.

Sie hätten es besser wissen sollen.

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Gewagtes Sprüngli.

Blog 81, 12. Juli 2010

Nach einem ausgedehnten Rückzug von der Stadthitze (die Gemeinde Klosters kann per sofort von der Karte gestrichen werden) habe ich zu Hause einen Brief im Kasten liegen gehabt.

«Brauche dringend Deine Hilfe. Love, Leslie.»

Meines Vaters Schwester. Hat total einen an der Waffel. Seufzend rufe ich zurück.

«Was denn los im Staate Dänemark?»
«Ich will jetzt ins Online-Dating einsteigen.»
«Ins Oneline-Dating-Business?»
«Nein, natürlich ins Online-Dating-Dating.»
«Und François?»
«Was soll mit François sein?»
«Was mit Deinem [zweiten] Mann sein soll?»
«Nun, der lebt ja auch nicht ewig.»

Bestechend.

«Hast Du Dir endlich einen Computer gekauft?»
«Natürlich nicht!»
«Wie stellst Du Dir das Online-Dating-Dating denn vor?»
«Eben, deshalb rufst Du mich ja an.»

Wie Recht sie doch hat.

«In plain text: Ich soll für Dich nicht nur einen Online-Dating-Dating-Account einrichten, sondern den auch grad noch bewirtschaften und Dir per Fax oder Telefon rapportieren?»

«Natürlich nicht per Fax!»
«Sicher. François lebt ja noch.»
«Zwei mal die Woche, schätze ich?»
«Mindestens.»

Perfect Shit. Drei Tage später hab ich einen neuen Brief von Auntie Les im Kasten. Mitsamt Bildli im dekolletierten silberschwarzen Oberteil mit Spitzenbesatz, Hochsteckfrisur und professionell entfernten Altersflecken. ‹Rohrspatz› hat sie sich als Alias ausgerechnet ausgesucht. Auf ‹Nachtigall› beharrt sie dann aber hartnäckig.

Zum Glück gibt’s in der Alterskategorie weit weniger Aktive als in meiner. Im Dreitagestakt meldet der Messenger hin und her, wer wie was gewollt hat, und ich nehme die gnädigen Antworten entgegen. ‹Sergio57› und ‹HotMaxx› darf ich nach kürzester Zeit ihre Mobilnummer angeben.

Mit den Perverslingen in ihren frühen Post-Teenie-Jahren, den Omafickern treib ich meine privaten Spässchen.

Am Samstagnachmittag surf ich mich aus lauter Langeweile quer durch meine eigene Peer-Group. Die Jungs werden sich wundern ob der alten Schachtel, die in ihren intimen Daten rumspioniert hat. Das mit dem Anstupsen und Zuzwinkern lass ich aber sein.

Nach Kandidat 223 (von über 500) hab ich die Nase voll.

Eine Woche später eine üble Überraschung.

Gio.
Was zum Teufel macht der hier?

«Offen für Abenteuer.»
Was zum Teufel will der – von meiner Tante Leslie?

Hier Mitglied seit zweieinhalb Monaten.
Und seit dreieinhalb Jahren (theoretisch zumindest) ‹vergeben›.
An Siena. Die 21jährige Schwester von Dave.
Einem meiner besten Freunde.

Sein Mail an Tantchen ist ziemlich explizit. Leslie hätte heisse Öhrchen.
Na dann bringen wir die beiden doch zusammen.

Es gibt nur einen Ort.

Gio beisst sofort an.

Vier Tage später. Nach ein wenig Negligé-Naschen im Grieder rufe ich Leslie an.

«Bin in 10 Minuten da.»
«Ich habe unseren Stammplatz an der Bar reserviert.»

Auftritt Gio auf dem Velo heranfahrend.
Abtritt Gio ins Innere.
Ob er sich freuen wird ob meiner kleinen Interruption?

Vielleicht bring ich ja ein paar Luxemburgerli mit.

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Nein Danke.

Blog 80, 25 Juni 2010

Wünsche haben wir ja alle. Was der einen die Doppelgarage ist dem anderen die Job-Offer aus Boston, die brünette Slowenin aus der Sonne im Donnerstags-Abo, die Herabsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Rückkehr der Gesundheit, das iPad ohne Fettfingerabdrücke, ein zweiter String zur sternhimmeldunklen Kombi von Agent Provocateur, Frieden für den nahen Osten (inklusive Nordkorea), weniger Verlust bei Börseleien mit Devisen und so weiter und so fort. Und dann sind da auch all die ureingepflanzten, in die Wiegen geleerten, in Form von kleinen Kapitänen, Primaballerinas, Lokführern, Kinderärzten, Tierärztinnen, berühmten, singenden (natürlich!) Schauspielerinnen und Sexgurus.

Und dann gibt’s da noch das mühevoll nur gehauchte ‹Jaaaaaaaaaaaaa!!!› im schwanweissen Hochzeitskleidli. Hier löst mit zwanzig ein eher lordoftheringy-ish schlicht direkt unterhalb der Brust gen Boden gleitendes Gewand das 25-Meter-Tüll-Mary-Poppins-Petticoat ab, das so blöd dicke Waden macht. Aber auch dies gehört zum Prozess, das jahrelange Window-Shopping bei Pro Nuptia & Co, wo man das ganz links dem zweiten von rechts vorziehen würde, wenn’s denn jemals so weit kommen wird, worüber natürlich keine Zweifel bestehen.

Dabei sind wir (weiblich, ledig, ü30) innerhalb der vergangenen zwölf Jahre mit höchster Wahrscheinlichkeit schon einmal vor die Entscheidung gestellt worden, die unser ganzes Leben verändert – und, da wir immer noch da sind, offenbar verdorben – hätte. Bei dem Antrag (umgeben von der lächelnden Wärme eines südthailändischen Sandstrandes, an einem dieser späten Nachmittage, an denen man nicht recht weiss, was noch mit sich anstellen, das war noch vor den Smartphones) ist er zum Glück nicht auf die Knie gegangen, sonst hätten etwa eineinhalb Tausend Menschen das ‹Nein› bezeugen können.

«Willst Du mich heiraten?»
… an den exakten Wortlaut erinnere ich mich nicht, aber so viele Spielarten gibt’s bei dem Game ja nicht.
«Nein Danke,»
hab ich nicht gut sagen können, sonst wär er in der Nacht nicht mehr in mein Bett gekommen, aber das war doch in etwa die Quintessenz meiner Replik auf die leidige Sache, und wir haben den Gegenstand dann auch ruhen gelassen, erst beim Schlussmachen hat er sie aufgetaut, die Schmach, ich hatte es schon gänzlich vergessen.
Hab ich damit meine einzige Chance vertan?

In den letzten Jahren, wo alles sich bandelt und bindet, schwengelt und schwängert, ist er – unter Frauen – ein grosses Thema, ‹der Antrag›, Passepartout in den Hafen.
«Und, hat ER Dich gefragt?»
(…so, wie sich das gehört, IM FALL!!)
Und auf die richtige Antwort folgt dann das
«Jöööö, so herzig!»

Was anderes ist gar nicht vorgesehen in der Szenerie.

Da gibt’s die, die beim Güselrausbringen total casual ‹darüber› reden, neben denen, die schwanger werden und sich absichern müssen und denen mit den so richtig ‹kreativen› Anträgen mit Pomp und Gloria, dem Ring, der im Sushi vorbeifährt, der Rosenblütenschrift im Badezimmer und all den romantischen Mätzchen, bei denen mir so gern die Kotze aus den Ohren rinnt.

http://www.heiratsantrag.ch ist ein wunderbarer Tipp für Männer mit Fantasietotgeburten.
Von den Top-Ten ist wirklich keiner abschlagbar, wahnsinnig gemäss meinem Gusto.

N° 1: Der Heiratsantrag mit einem Flugzeug: «Ihr(e) Liebste(r) fliegt gerne in einem kleinen Flugzeug; vielleicht auch in einem Doppeldecker? Überraschen Sie ihn/sie mit einem Ausflug an den Flugplatz!»
Unglaublich, nicht?

N° 2: Dasselbe im Heissluftballon .
Aber kostenoptimierter.

N° 3, der Blumen-Klassiker, sehr originell: «Welche Frau hat nicht gerne Blumen? Sie gehen in ein Blumengeschäft, welches Sie gut kennen, oder bei dem Sie bereits schöne Sträusse bekommen haben. Sie bestellen einen Blumenstrauss der besonderen [!] Art, rote Rosen [sic!], weisse Callas, Orchideen oder Sonnenblumen [was’n das?]. Je nach Jahreszeit oder Lieblingsblume der Freundin wird die Blumenwahl angepasst. [krass.]
Zu Hause haben Sie bereits verschiedene Kärtchen, bzw. schön geformte Herzblättchen [sic!!!] vorbereitet, auf denen allerlei über Sie und Ihre Beziehung steht. Die ersten Ausflüge, die lieben Gedanken, zusammen erlebte Geschichten. Ein Kärtchen hebt sich vielleicht [!] durch eine andere Form oder eine andere Farbe ab. Auf diesem Kärtchen steht die entscheidende Frage. Alle Kärtchen werden in den Strauss verarbeitet, fragen Sie die Floristin, ob Sie Ihnen bei Ihrem Heiratsantrag behilflich ist, und Sie die Kärtchen in den Strauss einbinden kann. Wir sind uns sicher, Ihre Freundin wird nichts mehr sagen können ausser: JA.»
Genau! Jaaaa! Ich kommeeeeeeeeeee!!

Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt (dem guten Geschmack leider auch nicht). Helikopter, Limousine, im Ausland, in den Bergen, auf einer Wiese, im Wasser – die Frage scheint überall hinzupassen, ja hinzugehören.

Unter der Rubrik ‹verrückt› finden sich Anträge auf dem Gletscher (awesome!), bei einem Fallschirmsprung (uiuiui!), oder sogar im Zoo (läck du mir!). Etwas weniger anstrengend ist’s bei ‹Kurz & Schmerzlos›, da wird der Spiegel im Bad bekritzelt oder ein Post-it an den Kühlschrank gepappt. Wer wäre ohne Hilfe auf die Idee gekommen, ein Dinner ohne Salz zu kochen und im (fast leeren) Salzstreuer einen Zettel «Du bist das lebensnotwendige Salz in meiner Suppe,willst Du…»?
Brillant!

Hat’s jemand noch besser gekonnt? Bitte melden an dani.tonet(at)gmx.ch.
Die beste Idee wird von mir persönlich prämiert.
Mit einer Flasche Champagner.

Oder einem ‹Ja!›.

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Es wäre schön

Blog 79, 10. Juni 2010

Ich liebe es ja, das Singlesein – vor wie nach. Wenn ich um mich sehe und mich umhöre, sogar noch mehr. Auch wenn je älter je mehr alles mit geschwelltem Bauch rumschlurft; sie randvoll mit fremden Organen, er infolge Überkonsums von gerösteten und gesottenen Innereien prall mit weissgelblicher, glibbrig-glitschiger Muskel-Unterlagsmasse.

Aber heut morgen hab ich gedacht: Und dennoch – es wäre schön.
Es wäre schön, jemanden zu haben.

Es wäre schön, jemanden zu haben, zu dem man abends in die (lieber nicht gemeinsame, aber trotzdem) Wohnung tritt und mit dem man ein-zwei Flaschen Wein mit einer Schachtel Zigaretten leert. Und dann, wieso auch nicht, respektive: was sonst? ein Film.
Und, so drei bis vier Mal im Jahr, statt dem Film, gemeinsam gemütlich und vorfreudig, sogar ein wenig aufgeregt, vor dem Internet.

«Kreta wär doch schön!»
«Kenia ist, schau hier, im Angebot!»

«Kenia ist auch schön.»

«Kenia ist sehr schön. Das Licht! Ein Paradies für Fotografen!»
«Dann könntest Du endlich mit Deiner neuen Nikon…»
«Ja, Kenia wäre schon schön.»

Das Angebot kostet dann nur grad 1999.- für zehn Tage, alles inklusive, natürlich. Und dass der Strand «vor drei Jahren von einem kleinen Tsunami betroffen war», hat man zwar irgendwie überlesen, aber was gibt’s Schöneres als ausschlafen bis elf, die allerletzten Reste vom zerfetzten Frühstücksbuffet plündern, auf dem Liegestuhl zwei-drei von einer Schnäppchenarbeitskraft zubereitete Fruchtcocktails schlürfen, ein ‹spannendes› Buch, später, um halb zwei, die Masse bei einer ‹Aqua-Well!›-Lektion beobachten, bei der weder die Teilnehmenden (meist Frauen über 55 und ein paar vergewaltigte Männer) noch die leitende Funktion (knackiger Schwarzer in roter Badehose) sich daran stören, dass niemand weiss, was zu tun wäre, Hauptsache, man bewegt sich.

Ein Mittagsschläfchen vor den übersalzenen Country Fries um drei, dann zurück ins Zimmer, die Klimaanlage an, ein Nickerchen und/oder ein wenig aneinander rummachen – schön.

Am Abend dann entweder mit der Spätschicht ans – nun wärmliche – Buffet oder für einmal besonders gewagt sein und auf die Halbpension pfeifen und stattdessen in einem fremden Hotel  (!) oder sogar einem Restaurant am Strand Fisch bestellen, schliesslich ist man ja am Meer. Oder doch das Pfeffersteak, das zwar lederfaserig ist, schliesslich aber auch nur einen Drittel vom Zuhausepreis kostet, da dürfen, ja müssen Konzessionen gemacht werden.

Und nach einer Woche mit dem Edelweiss-Flieger zurück ins traute Heim. Zuhaus die 216 neuen, sechseinhalb Mega schweren Erinnerungsstützen auf die Festplatte bannen, die Vor- oder Nachbräune mit dem ungetumblerten Tüechli abrubbeln, die Beine rasieren, sich so richtig erholt und gesättigt fühlen und wissen: Das ist mein Leben.

Und ja, er ist es.

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Der spaltende Schöpfer

Blog 78, 26. April 2010

In meinem phasenweise fantastischen aktuellen Stück Buch hat der in die finalen Jahre gekommene Protagonist Ken Toomey grad eine Homofassung der Genesis geliefert. Und die geht so: Zwecks Heilung seines akuten Bored-out-Syndroms wünscht sich Freund Adam ein ähnliches Gegenüber. Der Schöpfervater stillt das Verlangen wunschgemäss und der erste Mensch vergnügte sich so lange freudig mit seines Gleichem, bis die Schlange den beiden den Apfel (eingentlich ein Pfirsich, Frühfehlübersetzungspatzer), aufschwatzt.
Der ernüchterte oberste Boss lässt Adams Augäpfelchen darauf, wo vorher straffes pectorales Adonium gewesen, Hügeli wachsen, schrumpft ihm dafür die Nüsslein, versenkt Aarons Stäbchen zwischen den Lenden und spaltet das Gspänli – sehr zu dessen anfänglichem Entsetzen – unten ein wenig auf. Der Rest ist wie gehabt. Adam adaptiert und findet auch das Schlitzli der transsexuellen Eva ganz nett.

* * * * *

Wer ist nicht permanent auf der Suche? Nach mehr Geld, mehr Macht, mehr gutem Sex, mehr Ruhm, den Ohrringen aus geschwärztem Titan, dem bestgemixten Cape Cod, der schärfsten Autofelge, den zinnoberroten Peep Toes von Miley Cyrus?
Und manchmal auch ganz konkret dem Schlüsselbund, der Zweihunderternote, den Freunden im Club, den Gummis in der Tasche, dem nächste Bier oder der eigenen Adresse im Fonds vom Taxi?

Gestern hab ich erfolglos eine CD gesucht, die nicht hätte in die bräunlichen Pfötchen der Putzfrau oder irgendwem fallen dürfen. Dafür ist ein alter SF-Dokfilm aufgetaucht.

‹Klitoris – die schöne Unbekannte.› Totale Titekloppnis.

Schön? – wer pflegt schone ein Faible für das Atomare?
Unbekannt? – aber Bittschön doch.

Reingeschoben mit dem Scheibchen.
Sie spielen grad Synonyma.

«Perle.»
Gähn.

«Orchidee.»
Dem ist wohl entgangen, dass die liebe Pflanzenfamilie der Orchidaceae ihren Namen den zwei hodenförmigen [!] Wurzelknollen der ihr zugehörigen Gattung der ‹Knabenkräuter› verdankt.

«Eisberg.»
Und es wird immer besser. Zum Glück geht’s nicht um Schwänze.

«Wie ein Vanillecornet», schwätzt Igor Zilincan an diesem sonnigen Nachmittag in der Lettenbadi in sein Ansteckmik und meine Klitoris schämt sich mit Grund in fremden Boden, «mit dem Unterschied, dass, wenn man dran leckt, das Vanillecornet immer kleiner wird – und die Klitoris immer grösser.»

So hab ich mir das noch gar nie überlegt.

Mit dem Bekenntnis, er fände, ‹sie› schmecke gut, wird er, aber nur grad bis zum Votum, ‹sie› sei «‹lässig› zum mit der Zunge bearbeiten [sic!]zum Chip Leader.

Dann der obligate Lernblock. Dass die Klitoris nicht, wie Freund Freud proklamiert, ein verkümmerter Penis ist, sondern exakt umgekehrt, wissen wir seit 1998. Ganze acht Zentimeter misst, Ätsch, unser Dings, das eine Fette im rosa Shirt als «meine beste Freundin» bezeichnet. Und wir glauben’s ihr sogar. Autsch.

Bis 1875 ging man von einer Fortpflanzungsrelevanz der Klitoris aus. Solange durfte drum friedlichst vor sich her gevögelt werden, bis ein Schlaumeier aufzeigte, dass dem Vanillecornet null schwangerschaftsstimulierende Funktion innewohnt, sondern es ganz alleine unserem täglichen Vergnügen dient.

Trächtig werden wir nämlich dank der Hüpfaktivität der Eierstöcke, auch so gut aussehende Unbekannte, was wohl Igor mit denen anzufangen wüsste, ob der neunkuglige Coupes tête-à-tête mag?

Warum um die 70% der Frauen an Orgasmusproblemen leidet, ist mir noch immer schleierig. Physiologisch ist die grosse Masse nämlich absolut kommtauglich. In der klitoralen Forschung redet man drum nicht mehr von der anorgasmischen, sondern der präorgasmischen Frau, der nur jemand den kleinen Tritt in den – respektive eben nicht – versetzen müsst‘ und dann wär Himmelhochjauchzen.

Hilfestellung geben die Sextherapeuten. In der ‹angeleitete Masturbation› (das werde ich mir demnächst mal anschauen gehen), sind die Erfolgserlebnisse entsprechend atemberaubend.

Und wenn sie’s dann mal raus haben, sind wir Frauen auch unglaublich schnell. Und nerven sich über ewiges Weiterstochern (resp. ‹-bearbeiten›, Igor), [cf. auch https://danitonet.wordpress.com/2008/12/11/endlich-mehr-leistung/].

Drum ab und an auch gern ein Date mit der besten Freundin. Der man dabei ja nicht unbedingt ins Antlitz schauen muss.

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Follow me. Follow-up.

Blog 77, 15. April 2010

Noch immer steht Sudathchens Antwort aus, leider, leider, Leidergottes.

Anrufen mag ich nicht. Unsere noch zu werdende Romanze hat ihren Anfang mit Gedrucktem, Geschriebenem gefunden! Ich will Stringenz! Hierin, wenigstens.

Möglicherweise hat der tamilische Billigtranslator meine Liebeserklärung sinnwidrig übersetzet und das emotionale Cachet ward total vorhundet. Damit muss ich nun lernen, umzugehen. Zum Glück ist die Hausbar bestens bestückt.

Massiv mühsamer als schweigende Postfächer ist allerdings die – den schönen Terminus hat Stella entbunden – Überkommunikation, nach einem ONS beispielsweise, aber auch einem stinknormalen Date oder – schlimmstenfalls – einem total nonsexuell motivierten Abend im Kino oder einem Gaststättenbesuch, der ausschliesslich dem Zweck der Nahrungsaufnahme hat dienen sollen.

Wenn dann Sachen wie «Danke für den schönen [maximiert: ‹wundervollen›; noch schlimmer als ‹super angenehmen› oder ‹sehr unterhaltsamen›] Abend» oder «War super mit Dir – wann geht’s weiter?» inboxen, macht’s bei mir grad sämtliche Schotten dicht.

Das (indessen bewüstenprinzte) Sugarbabe dagegen ist dezidiert der Ansicht, dass es sich – wenn sich jemand am frühen morgen aus ihren Laken schält und verflüchtigt (zum Beispiel, weil er oder sie früh ins Büro muss) durchaus gehört, zumindest ein Post-it oder dergleichen zu hinterlassen, oder im Verlauf der folgenden (maximal) 24 Stunden mindestens ein SMS hinterherzuscheiben, «damit man sich nicht ganz wie eine zechgeprellte Nutte vorkommt», insbesondere dann, wenn der Typ, von dem man den Namen behalten hat, weil man noch nüchtern war, als man sich getroffen hat, geräuschlos verschwindet und die Möglichkeit (oder Gefahr) besteht, dass man sich dereinst wieder über den Weg spaziert.

Bloss: Was schreiben?

Vor allem, wenn’s gar nicht gelungen war, das Geächze und Geturne?

Oder nur für eins von beiden?

(Nur dass das klar ist: während der Follow-up ganz klar Männersache ist, besteht ein gewisser Konsens darüber, dass Abschleichmeldungen durchaus für beide Geschlechter adäquat wären.)

Mein Top-Goodbye stammt von einem der vielen Pascals. Dieser hat sich zwar glücklicherweise früh aus dem Staub gemacht hat (und: wer wacht schon nicht lieber ohne fremden Mundgeruch vom Nebenkopf auf dem Kissen auf?), nicht aber, ohne einen Spitzbuben und ein Maisbrötli, frisch ab dem St. Jakobs-Beck ums Eck, hübsch auf meinem Küchentisch zu drapieren. Nachahmer vor, bitte.

Das war aber leider auch das Beste an der ganzen Sache. Und hat ihm in meinem schwarzen Notizbuch immerhin einen Zusatzeintrag gebracht.

Sehr gut kommen auch Zettel/Servietten mit hübschen Grafiken und Zeichnungen an. Die behalte ich zwecks Montagsmalerei-Interpretationscontest mit meinen Gästen immer eine Weile am Kühlschrank. Deren Favorit ist der mit stilsicherer Hand gekugelschreiberte, auf einem monströsen Rotweinfleck stehenden Thonet-Stuhl mit dem Portrait meiner grün-grau geringelten Lieblingssocke, hübsch als Schleife ums Stuhlbein gebunden. Management Summary à la ZHdK-Kid.

Leider sind die Kreativen unter den Abschiedsnachrichtensprechern dandyschnurrbartdünn gesät.

Wenn ich auf das gemeinsames Petit-Déjeuner verzichte und vorzeitig verschwinde, präferiere ich bildende Kunst. Strümpfe oder Höschen werden zwischen Zeitungs- oder Buchseiten geklemmt, über Gurken und Glühbirnen gezogen oder in Müslipackungen versteckt. Ab und an hab ich auch eins dieser Origami-Schwänchen dabei, die meine Cousine wie karottensaftsüchtiges Meerschweinchen am Laufmeter produziert, mit einer Mailadresse drauf dabei, bei der ein automatischer Reply hinterlegt ist.

«Keine gute Idee, Kindchen.»

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Teufelsconnection

Blog 76, 8. April 2010

Da stöckelt unsereins neulich nichts Heilvolles ahnend an einer Tramstation vorbei und – tataaa – DA IST ER. Ein Traumprinz. Mein Gott. Nicht aus Zamunda, aber von einem anderen fernen Ort entstammend, wo sie dunklere Hauttöne mit royalroten Gewändern tragen. Dachschrägengleich sind ihre Throne. Schmelzseimein!

Und er, der Königssohn, sucht eine Gattin sich! Wie anrührend! Wie unendlich romantisch! Wie vorbestimmt wir uns doch sind, ja sein müssen, spühre ich im Moment unserer ersten Begegnung, er, auf Papiere wartend, ich in warmem, heissen Fleisch und Blute.

Wie engelssohnig und teufelsneffig er mich anschaut, von seiner erhabenen, erhöhten Position, knappe elf Zentimeter über meinen Augen am Tramfahrplan angeklebt, von liebenden, liebevollen Händen! Sofort macht mich seine Wortgewandtheit zur Seinen, für ewig, noch ohne dass ich seinen Blick auf mir spüren, seinen Atem an meiner Brust, seine Worte in meinem Ohr vernehmen müsst‘.

Menschheit! Wer könnt hierbei widerstehen!

«bemerken sie für die schweizerischen frauen

Hallo bin ich ein sriklankischer Junge sudath daminda 29 Jahre alt, hit5-9 nie geheiratet, ich bin Teufel Mädchen von Schweiz []18-35] besser
*honest geneiratete Lebendszeit!!!

connet-sudath.daminda@yahoo.com
–00393206330213
»

Mein Preziöschen! Lass mich zu Dir gelangen! Oder daher zu mir!

Ich fliege heim, mir meinen Abgott, meinen Hektor sofort zu sichern. Mühelos fliessen mir die Worte direkt vom Herzen in die Tasten. Sudath! Wie süss hast Du Dein Mail verstümmelt, für mich alleine nur war es bestimmt, connet-sudath statt Contact: sudath, wie weise vorausschauend, wie elegant auf meine Intelligenz vertrauend, oh wie lieb ich Dich, Sohn des Tamil, Tiger verwaister, kriegsblutender Sandstrände!

Das schreib ich ihm, meinem dem einzigen, über alles verehrten, verlangten, begierdeten Rotleib mit der herrschaftlichen Air, dem rosa Daumen, der gestrengen Haltung, dem erlesenen Mimenspiel.

«Sudath!
ich mag dein inserat, an tramstation hängen littering.
ich 31, aber jünger im blick. wie schweizerischen frauen immer, nicht du.

früher ich ass in restaurant indisch. hiess das „govinda“.
reimt schön mit davinda!

ich ass govinda
ich lieb davinda
will viel kinda
goss hinta binda

und:  ich auch „teufel mädchen“
wir gut passen.

wie machen weiter, honest?
lebendszeit schnell weg!

Für immer Connet
Dein Dani Tonet


PS: hit5-9 = dein k.o.-rate?»


Noch hat seine Antwort nicht zu mir gefunden ihren Weg, den sandigen, durch den Dschungel seiner Liebe (oder seiner Brusthaare).

Ich aber plange auf ihn, tag und nacht, qualvoll auf den Knien seines endlichen, endenden Erscheinens harrend. Oh, mein Sudath!

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Mitgegangen fremdgehangen.

Blog 75, 1. April 2010

Wenn ich meinen linken Unterarm acht Zentimeter anhebe und vom Ellbogengelenk aus eine 40%-Rotation im Gegenuhrzeiger ausführe, berührt die Epiphyse meines dritten Mittelhandknochens exakt den Stiel eines angenippten Manhattans.

Heute Dienstag herrscht an der Bar des Hotels Storchen untersättigte Öde, harzähnlich dehnt sich die Zeit gegen Mitternacht. Daniel kurznachrichtet, der Flug von Hamburg sei verspätet, Sorry, werde Dich fürs Warten entschädigen. Und schiebt eines dieser Emoticons hinterher, die stechende Kopfschmerzen verursachen.

Daniel, Daniel, Daniel. Hab ich vor drei Jahren in degustationem vinum kennen gelernt. Im Fünf- bis Siebenmonatsrhythmus trifft man sich seither am trinkbaren Seeausfluss für ein paar Stunden, von denen die Frau glaubt, sie seien Bestandteil seiner Business-Agenda, der häufgen Trips, die ihn zwar dem Schoss des Familienlebens entziehen, sie bis anhin dafür mehr als annehmbar durch sämtliche Finanzkrisen geschippert haben. Soviel zumindest schliesse ich aus seiner Hälfte des Geplappers, das ich an unserer zweiten Nacht im Storchennest zwangsläufig überhöre, worauf ich ihn wissen lasse, dass er das mit der Heimtelefoniererei besser vergesse, wie die Erwähnung von Gemahlin oder Trabanten oder Auskünfte zu maritalen Alltäglichkeiten  generell. Oder dies hier sei eben unser letzter gemeinsamer Moment gewesen, sein Leben interessiere mich einen Dreck.

Männern sind so Sachen ja egal. Meine Girls finden den teiltreuen Daniel unter aller Sau.

* * * * * * * *
Sonntagmorgen, 06.11 Uhr, Happy Beck. Läuft mir mein Ex über den Weg.

Hellwach ist der, ohne dass sich Indizien finden liessen in den Pupillen, aber das Licht ist diffus und es regnet.

Fabio kaut an einem Stück Karton, das hier für wenig Geld unter dem Terminus ‹Wurstweggen› über den Tresen geht. Ich löffle mein tiefgefrorenes Tiramisu auf der Treppe. Seit sicher fünf, wenn nicht sechs Jahren hab ich ihn nicht gesehen, gut gehalten hat er sich.

Ohne Begleiterin lassen sie ihn nicht mehr in den Laden, aus dem ich grad rauskomme, aber ich habe keinen Bock, ihn reinzuschleusen und finde, er sei mit der Kakostomie von dem Geköch ohnehin nicht zumutbar.

Irgendwas muss er sich dennoch eingetrichtert haben, denn als mein Lieblingsbettler seine Runde ums Haus dreht, zupft er ihn am Ärmel.
«Die da hat mich übrigens verlassen. Für einen meiner besten Kumpel.»

Ich hab das gar nicht mehr gewusst. Kein Wunder.
«Fabio. C‘mon. Das ist 15 Jahre her. Get over it.»

Den halbleeren Becher mit dem Angetauten parkiere ich auf Treppenmitte und stecke dem Chauffeur eines dieser alten muffigen Mercedesse ein Zwanzigernötli hin.

* * * * * * * *
Spielwiederholung vor zwei Wochen. Daniel, diesmal direkt aus Beirut dafür pünktlich, ist in ein paar Minuten da. Der Keeper räumt mein erstes Glas mit der Kirsche im Wermutssitzbad ab und stellt ein zweites vor mich hin.

Ich bin schlecht gelaunt.
Frauen dürfen das.

Zimmertanz mit Daniel, an dem die Schattenwürfe von Minaretten haften geblieben sind, nach Pfefferminztee und Honigshisha riecht die Kravatte von Zegna. Tausendundeine Nacht. Trallalla.

Später flackert der Widerschein des Displays seines stummgeschalteten Handys an der Decke. Beharrlich. Fertig. Wieder. Eklig. Daniels verspannt Schienbein sich unter meinem Bizeps.
«Sie ist eben…»
«Schhhh.»

Ich dusche heiss und knöpfe mein Kleid zu, das petrolblaue.

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D-Day Date.

Blog 74, 25. März 2010

Gesucht: (vorzugsweise) humanoides Wesen, das mich ohrfeigt, wenn ich mich nächstes Mal auf eine Blind Date-Anfrage einlasse. Sieben von neun Versuchen sind nämlich Reinfälle. Und dafür hab ich eigentlich keine Zeit. Und überhaupt predige ich allen anderen, sie sollen (aus obgenannten Gründen) die Finger davon lassen. Nur selber kommt mir immer wieder die Disziplin abhanden. Und ja, die Pre-Spannung mag ich eben ganz gerne. Und manchmal scheinen zwei eben doch mehr als sieben. Oder die Hoffnung, geliebter Rohrkrepierer.

Regel Nummer eins beim Blinddaten ist: Das Ding so rasch wie möglich auf realen Boden bringen – oder aber dann gleich in heitren, muntren, lustigen virtuellen Fantasiesphären verbleiben.

‹Dieter› wurde mir von einem guten (wie gut, frag ich mich nun) Kollegen als «high potential» verkauft. («Dani, den musst Du kennenlernen! Guter Kumpel von mir.  Cooler Typ»).

Ich hätte vielleicht gewarnt sein müssen. Aber was wird für die lieben Freunde nicht alles getan.

Sonntagabend. Ich grad frisch von Tom Fords Frühabendvorstellung und drum ausnahmsweise sogar zu früh.

Koffein – oder  Alkoholoide?

Stiefelchen: «Klack-klack-klack. Die 12 Zusatz-Zentimeter stehn Dir hervorragend, Mädchen, hervorragend.»
Grosshirn, links «Tja. 550.- – ausnahmsweise mal nicht im Sand versenkt.»

Wir setzen uns an die Bar, meine Einzelteile und ich und bestellen Cappuccino und gelbes Sprudelwasser.

«Und was bitte zuerst?»
«Alles miteinander, bitte.»

Ich blättere mich quer durch ein sich etwas zerzaust im Zeitungsständer prostituierendes GALA. Der Gedanke an fremde Finger, die, womöglich vorgeleckt, bereits an den Seiten gezupft haben, ekelt mich, wer weiss, wo die schon überall gesteckt haben, Frau Roche soll sich meinetwegen Trichter für Einläufe draus basteln.

Gerade als ich Flûte und Tasse per doppelhändige Reissverschlusstaktik geleert habe, betritt Sparringpartner Dieter die Bühne.

Instinktcontrolllämpchen: «Bleep-bleep-bleep. Dani! Vergiss es. Nix. Aber sowas von!»
Kniggereplik: «Dani! Stay open-minded!»
Lippenbewegung (mit Ton): «Dieter. Kein Problem, ich hab die Zeit genutzt, meine Haushaltungen zu nivellieren.»

Irgendwas antwortet der. Unsicher.  Unscheinbar. Unspannend. Und was der ‹un-› mehr sind.
Die schulterlangen (unkurzen) dunklen (unhellen) lockigen (ungeraden) Haare sind das Spannendste. Und das Bisschen Ticinesi-Dialekt, weil Papa Chef von irgend einem Ente Turistico da unten ist.

Er trinkt Rotwein. Ich versuche, mich mit was Spritzigerem über Wasser zu halten. Dummerweise hab ich gleich anfangs verlauten lassen, ich hätte glücklicherweise überhaupt nichts vor am nächsten Tag.

Instinktcontrolllämpchen: «Bleep-bleep-bleep! »
Kniggereplik: «O-p-e-n-m-i-n-d-e-d!»
Grosshirn, links: «Dani. Pleeze. Shut the Fuck up!»

Gesamtsystem: «Der langweilt mich zu Tode. Mehr als fünf Minuten mach ich’s nicht mehr.»
Moralreplik: «Anstandsminimalzeit!»
Lippenbwegung (mit Ton): «Blablabla.»
Grosshirn, links: «Dieter. Pleeze. SHUT THE FUCK UP!»
Astralchakra: «JAAA! »
Hirnhälfte, rechts, organisiert die Folgewoche bis zur Wahl der Unterwäsche für Mittwochabend und sortiert die App-Icons neu.

Um zwanzig nach Neun sehe ich Dieter doppelt.
Dann treibt er plötzlich mit dem Gesicht nach unten in der Maggia.

Kleinhirn: «Ups. Nu Wech.»
Moralreplik: «Dani!»
Astralchakra: «Hurrah!»
Lippenbwegung (mit Ton): «Dieter. Das war‘s mit uns.»

Dieter, verdutzt: «Wie bitte?»

Instinktcontrolllämpchen: «Sowas von! Sowas von! Sowas von!»
Lippenbwegung (mit Ton): «Ich bin weg.»

Dieter verdattert: «Aber wir sind doch keine halbe Stunde…»

Lippenbewegung (mit Ton): «Schätzchen. Ich sterbe. Und wenn ich mit dem letzten Atemzug hauchen würde: ‹Kannst Du mir das Wasser reichen?› –würdest Du wohl nicht mal den Hahn finden.»

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sex/no sex – no sex/sex-date

Blog 73, 18. März 2010

«The Eine only? Für Sex-Date der anderen Art gesucht: Ausge- und erwachsener Phantasiepilot bis 36. Programm: 22 Minuten. 1 Gedanke. 0 Berührung. 0 Worte. 22_minutes@gmx.net

Send.

Auslegeordnung nach drei Mal Wachsein. Der Response entspricht ziemlich den Erwartungen. Der Grösstteil wird infolge schiefer Phrasen, Emoticons oder debilem Gelaber postwendend gemüllt. Unter den Meistversprechenden entscheide ich mich gegen ‹ralphthing› mit seinem verknappten «sum, ergo cogito» (Flachakademiker) für ‹mark›, der, gänzlich auf Lettern verzichtend, ein Durchschnittsmenschenportrait mit hübschen grauen Kohlensäurebläschen in grünen Augen attacht.

«Fasten your seat belt, Chosen One. Date-Details: Samstag, 5pm. RE Lenzburg-Zürich. Zweiter Erstklasswagen, rechte Seite, drittes Compartiment (falls besetzt: plus 1). Schwarzer Burberry.»

Zehn Minuten später.
«22.»

43 Minuten später.
«?»
«shoot.»

«Und dann?»
«Steige ich zuerst aus.»

2 Minuten später.

«Und dann?»
Ach. Mann.

«N’existe pas.»

«.»
Danke. Mann.

Nach einer Stippvisite im Kunstmuseum (Hugo Suter) fahre ich durchs Rüebliland zurück., wo  ‹mark› wie vereinbart in Lenzburg zusteigt, einen Augenblick nur irritiert ob meinem Bereitsdasein.
Erkennungsnicken. Er setzt sich, deponiert das HOCHPARTERRE auf dem Nebensitz, zippt die Jacke auf, lehnt sich lässig zurück mustert mich mit verschränkten Armen.

Zug fährt los, Sanduhr tickt, Freund iPod spielt ‹The Client› in die Ohren, meinen Lieblings-Sexsound.

‹Mark› wäre kein Trottoirumkehrobjekt, und wenn er die Nacht auf meinem Nachbarsbarhocker verbracht hätte, würde ich ihn am nächsten Tag möglicherweise nicht wiedererkennen.

Auf meine Intuition wird aber Verlass sein, wennauch mein Hirn sich darum bemühen muss, ein geeignetes Intro für ein pornographisches Intro in eine Szenerie zu skizzieren, in der in der ‹mark› überhaupt eine Rolle spielt.

Seines offenbar nicht. Ein hellwacher Scanblick mit geweiteten, maschinenölglänzenden Pupillen streift meinen (geschlossenen) obersten Knopf gleitet und via Halsansatz meiner Wangekontur entlang. Er räuspert sich, löst die Arme, stützt den Kopf mit der linken Hand, steckt die rechte in die Jackentasche und wir verschränken stattdessen die Augen. ‹Marks› starrer Blick klebt an meinen leicht geöffneten, trockenen Lippen, die ich eben mit der Zungenspitze befeuchtet habe.

Der Zug ist leer. Und unnatürlich kühl. Ein stechend heisses, scharfkantiges Adrenalinrinnsal bahnt sich entlang meinem Nacken einen Weg nach unten. Wie eine nachtschwarze Pfütze liegt mein Mantel drei Meter hinter mir auf dem Boden, stattdessen ist ‹mark› über mir, warm, glatt, viel geschmeidiger als gedacht. Verdammt unbequem ist es und das mag ich, viel lieber, Betten sind zum Schlafen da und der Boden hier ist dreckig, aber natürlich knie ich vor ihm, während ich die graue Bluse aufknöpfe und er hilft mir, sie abzustreifen, dass er sie unnötig sorgfältig neben sich legt, registriere ich kaum, weil ich mit beiden Händen seine berlinerblauen Y3 aufknöpfe und mich kurz darauf wundere, wie sich sein Gurt sich plötzlich um meine Handgelenke geschlungen hat, und das war noch bevor…

Wir werden langsamer.
Ich höre auf.
Und bevor wir ganz zum Stillstand kommen, bin ich

verschwundenn.

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Stimmt was nicht.

Blog 72, 25. Februar 2010

Zwei Geschichten.
Finde den (entscheidenden?) Unterschied.

* * * * * * * *

Geschichte A
[Quelle: Vita Dani Tonet]

Ich liebe Ungesundes. Über sämtliche Massen.
Im Bereich der non-liquiden Nahrungsaufnahme eignen sich diesbezüglich sämtliche bestens über meine Stadtteile verteilten New Point & Co.-Trabanten, Pizzaquadratbuden und der ganze globalisierte Superfettverarbeitungsmarkt. Chickenwings mit Tittenfun und cellulitegefüllten Strumpfhosen – Yummie!

In allerallererster Linie mag ich’s aber natürlich klassisch mit Monsieur le Big Mac und seinen Hamburger Quartierkumpanen. Quadrouple fettmariniertes Kleingehacktes (die Spongebob-Brötchen verfüttere ich Jungentchen oder angeleinten Hunden) mit triple Cheese, double Curry und einer Senf Sauce zuoberst…
Besser als Sex.
Sobald‘s bei M was Neues gibt – i’m in.
So diesen Sonntagmorgen, 13.45 Uhr, Stadelhofenplatz.

«Salü. Ein Pommes, large und zwei Burger mit Pain Paillasse.»
Vladimir [Name von mir marginal abgeändert.]
«Hä?»
«Ein Pommes, large und zwei B
urger mit Pain Paillasse. Bitteschön.»

Ratlosgesicht Vladimir.
Ich auch.
Vladimirkopf versus Kassennachbar, Fragezeichengesicht.
Dito ich.

Nachbar Dejan bossy/cool, Dani-Fall übernehmend.
«Ja?»
«Ein Pommes large und zwei, ach was: drei B
urger mit Pain Paillasse. Bitteschön »

Dejan – irritiert.
«Hä? Sowas haben wir nicht.»
«Na! Sowas hängt aber am Plakat draussen. Ziemlich gross sogar. Weltformatig.»

Hilflosgesichter Dejans und Vladimirs, einander zugewandt.
Konsterniertgesichter Dejans und Vladimirs, mir zugewandt.

Ich, mich zwickend feststellend, dass definitiv nicht mehr betrunken, Findergesicht.
«Ha! Da! Dort! Der dort! Den! Links! Oben!»

Unisono Vladimir und Dejan, zwanzigerfangend.
«Ach soooo! Beef Deluxe!»
«Genau, Jungs! Der neue Burger – mit Pain Paillasse, Aimé Pouly, 1993. Bingobongo. Dreimal. Bittschön.»

Vladimir hoffnungslos irritiert.
Hat er ‹pain› und ‹ass› verstanden?

«Nichts, nichts. Alles tiptop. Beef Deluxe. Dreimal. Bittschön. Take-out. Bittschön.»

Vladimir packt die Schachteln in eine Papiertüte.

«Ich brauch keinen Sack.»

Fragegesicht Vladimir, innehaltend.

«Nichts, nichts. Alles bestens!»

Vladimir Studiergesicht.

«Da sind schon die richtigen Burger drin. Nur die Verpackung ist dieselbe.»
«Schon gut, äh, Vladi, äh. Alles bestens.»

* * * * * * * *
Geschichte B
[Quelle: bild.de 16.2.2010]

Offenbar haben Männer wenig Sinn für das Mass der Dinge, zumindest wenn’s ums eigene Ding geht. Da kaufen sie nämlich frischfröhlich viel zu grosse Pariser.

Ausser ‹large› kommt wenig bis nichts in die Tüte, belegt eine Studie des Kinsey Instituts für Sex, Geschlechterforschung und Fortpflanzung.
Von 400 zu ihren Gummigewohnheiten befragten Typen haben rund die Hälfte schon mit Abrutschproblemen zu kämpfen gehabt, weil sie sich in der Grösse vergriffen haben. Offenbar kaufen Männer «instinktiv» (der Instinkt! Was für ein endloses Mysterium!) lieber eins zu gross als richtig sitzend.

(Wir Mädels sind da viel bescheidener. Kaufen lieber eine Kleidergrösse kleiner ein. Und weil das Teil dann lang im Schank hängen muss, ist’s eh noch nachhaltiger.)

Schuld am Fehlgriff im Verhütungsgeschäft sei eine medial motivierte Sehbehinderung; eine pornokonsumbedingte Wahrnehmungsstörung bezüglich der eigenen Schwanzlänge.
Die Forscher schlagen drum vor, die Jungs zu tricksen, indem – analog dem klassischen Packungsbeschiss in der Lebensmittelindustrie – was kleiner ist, als grösser deklariert wird:

«Die Hersteller könnten die kleinste Kondomgrösse künftig vielleicht als Large bezeichnen und eine mittlere Grösse als ‹Extra Large›, schlägt einer der Forscher vor. Auf keinen Fall aber soll man die Dinger mit «gross, mittel und extraklein» anschreiben (sonst gibt’s bald viele viele bunte, ungewollte Babies).

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Zweiundsechzig zu.

Blog 71, 19. Februar 2010

  1. Es ist in erster Linie auch ein unnötiges Accessoire
  2. Es ist in erster Linie auch ziemlich dumm
  3. Es ist in erster Linie auch ein Berufsbettler
  4. Es ist in erster Linie auch ein Early Bird
  5. Es ist in erster Linie auch ein Abstinenzler
  6. Es ist in erster Linie auch ein Aufständischer
  7. Es ist in erster Linie auch Hängebusenverursacher
  8. Es ist in erster Linie auch manierenfrei
  9. Es ist in erster Linie auch lahmarschig
  10. Es ist in erster Linie auch eine Drogenbremse
  11. Es ist in erster Linie auch eine Raumfrage
  12. Es ist in erster Linie auch eine Tabula Rasa
  13. Es ist in erster Linie auch ein Terrorist
  14. Es ist in erster Linie auch Lärmbelästigung
  15. Es ist in erster Linie auch wahrscheinlich ein Arschloch
  16. Es ist in erster Linie auch ein Liebestöter
  17. Es ist in erster Linie auch nicht in einen Schrank sperrbar
  18. Es ist in erster Linie auch geschmack- und stillos
  19. Es ist in erster Linie auch eine Höllenschmerzenqualquelle
  20. Es ist in erster Linie auch eine Dumfpbacke
  21. Es ist in erster Linie auch ein Teenband-Groupie
  22. Es ist in erster Linie auch eine potentielle Arschgeige
  23. Es ist in erster Linie auch ein Schreihals
  24. Es ist in erster Linie auch eine Geldschleuder
  25. Es ist in erster Linie auch ein Karriereshredder
  26. Es ist in erster Linie auch ein Sextöter
  27. Es ist in erster Linie auch ein hausgebackenes Monster
  28. Es ist in erster Linie auch ein Klumpenrisiko
  29. Es ist in erster Linie auch ein Parasit
  30. Es ist in erster Linie auch ein Pleitegeier
  31. Es ist in erster Linie auch mit Wichsern befreundet
  32. Es ist in erster Linie auch ein halbwüchsiger Haschfixer
  33. Es ist in erster Linie auch ein Flexibilitätsverhinderer
  34. Es ist in erster Linie auch ein Mordlustmacher
  35. Es ist in erster Linie auch ein Bettpisser
  36. Es ist in erster Linie auch ein Vaginalstretch
  37. Es ist in erster Linie auch ein generelles Feindbild
  38. Es ist in erster Linie auch ein Teletubbie
  39. Es ist in erster Linie auch ein Schlafkiller
  40. Es ist in erster Linie auch ein Sorgerechtsfall
  41. Es ist in erster Linie auch ein Sprachzerfallförderer
  42. Es ist in erster Linie auch schlecht dressierbar
  43. Es ist in erster Linie auch ein Beziehungskiller
  44. Es ist in erster Linie auch eine Art Brutalozwerg
  45. Es ist in erster Linie auch ein Sterilisationsgrund
  46. Es ist in erster Linie auch ein Nachfrager
  47. Es ist in erster Linie auch ein Spinnenbeinrupfer
  48. Es ist in erster Linie auch ein Fettmacher
  49. Es ist in erster Linie auch ein Freiheitskiller
  50. Es ist in erster Linie auch aufmerksamkeitssyndromgestört
  51. Es ist in erster Linie auch ein Drecksfresser
  52. Es ist in erster Linie auch ein Scheidungsgrund
  53. Es ist in erster Linie auch ein Hämorrhoidenverursacher
  54. Es ist in erster Linie auch ein Freundschaftskiller
  55. Es ist in erster Linie auch ein Kotzbrocken
  56. Es ist in erster Linie auch ein Pain in the Ass
  57. Es ist in erster Linie auch dauerpleite
  58. Es ist in erster Linie auch charakterschädlich
  59. Es ist in erster Linie auch ein Dreckwäschebergbilder
  60. Es ist in erster Linie auch dankensunfähig
  61. Es ist in erster Linie auch nippelfixiert
  62. Es ist in erster Linie auch Anfang unendlichen Ärgers

Wenn Er.
Aber sagt.
Was unwahrscheinlich ist.
Ich will Es.
Mit Dir.
Und nur.
Ist das das Einzige, was zählt.
Offenbar.

Weibsbild
Irrationales.

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Porno mit Schmäh

Blog 70, 12. Februar 2010

Auf meinen Aufruf nach Tipps für pornografisches Filmmaterial, das die Qualität der Gratisangebote übertreffen möge, habe ich, entgegen den Erwartungen, relativ wenig Feedback erhalten.
Das lässt darauf schliessen, dass
a) sich niemand Pornofilme reinzieht
b) alle mit dem bestehenden (Gratis-)Angebot zufrieden sind
c) kaum eine/r bereit war, sich durch Preisgabe seiner Lieblinge zu exponieren

Eine Rückmeldung war dafür umso ausführlicher. Fünf Seiten Ratschläge, feinsäuberlich kategorisiert nach ‹Lesbenfilme, ‹Pornospielfilme›, ‹Hetenporno›, ‹Schwänze›, ‹Mösen›, ‹Kunstporno/Fetish›, ‹Studiofilme mit expliziten Szenen›, ‹von Frauen oder für Paare oder für Anfänger›) und verlinkt. Da scheint jemand ein echtes Hobby zu pflegen. Dankeschön.
Ein paar Tage später lag dann, aus anderer Quelle, ein Produkt namens VIENNESE in meinem Briefkasten, welches sich auf obiger  Elaboriertenliste ebenfalls wiederfand (unter der letzten Kategorie).

Was gibt’s für einen späten Dienstagnachmittag Besseres als die Leinwand mit Porno beleuchten? Schnell ist die Scheibe eingeschoben. Verschiedene Clips mit unterschiedlichem Personal und mannigfachen Locations und Settings stehen zur Wahl. Random Choice wird irgendwo reingeklickt und man findet sich, Ach! wie süss, inmitten einer Chilbiszenerie. Ein Pärchen, Mitte Dreissig, wesarabischen Einschlags (was ihr besser zu Gesicht kommt als ihm), ist offensichtlich schwerst verliebt. Was braucht ein Porno ein Intro?, frag ich, vorspulbereit, ganz im Gegenteil von romantischer Stimmung. Elend ist sein Apportieren eines herzchenförmigen Ballons, Haudenlukasschlagen und Tütschibahnautölen.

Kluge Leute lesen die Messages zwischen den Bildern: der zärtliche Lover wird, aufgepasst!, sehr rasch zum mannstrotzigen Testosteronbullen. Von der herrlichen Metapher rempeln/stossen ganz zu Schweigen. Die Einführung mit rund drei (!) Minuten, unterspült von La Boum-mässigem Soundtrack ist definitiv kein Scharfmacher.

Dann geht’s zur Sache, endlich. In einer Art zum Fickzimmer umfunktioniertem Baucontainer, der als Kabine an einem Riesenrad befestigt ist, finden sich die beiden wieder, was den fantastischen cineastischen Effekt bringt, dass vom Pärchen direkt aus dem (vermutlich unidirektional blickdichten Fenster) auf den Sonnenunter- (und ein paar Minuten später) Sonnenaufgang geschwenkt werden kann. Endlich sind sie gottgeschaffen.
Ihre Assets, neidlos zugegeben, sind ein karamellfarbener (der Gelbstich wurde wohl rausretouchiert), turboschlanker Hardbody samt silikonfreiem rechtsgpiercten Busen, Miniarsch und Gazellenlangebeinchen. Er bringt, neben der Fresse zum Reinschlagen inklusive Schumacherkinn einen, wenn auch definitiv erwachsenen, Adoniskörper mit.
Nach ein wenig Geknutsche und Gefingerle windet sie sich gelecktwerdend auf einer schlichten, rückenstützenfreien Holzbank (man beachte die Zwischenschnitte auf den Vollmondhimmel und ähnliche astronomische Wunderbarkeiten).

Dass die Schamlippen operativ minimiert worden sind, ist offensichtlich, aber die beiden kleinen Ringpiercings oberhalb der Klitoris erwecken den Eindruck, als würde ein abheilender Schnitt von zwei runden Hagraffen zusammengehalten. Ich muss kurz pausieren und die Anatomie aus dem Lehrbuch säuberlich auf den Körper auf dem Bildschirm übertragen. Deserotisierend ich weiss, Sorry. Männliche Erregungszustände lassen sich offenbar durch eine schlechte Intimrasur im Close-up, eine 70er-Jahre-Couch, ein Bikiniabdruck oder eine warzenartige Erhebung an einem Schwanz nicht gleich total zerschlagen. Mein Hirn ist eben doch nicht nur ein Sexualorgan.

Die Ästhetiknote fällt insgesamt dennoch erfreulich hoch aus. Mittlerweile haben sie die Rollen getauscht. Kein Siffredi-Fan find ich trotzdem, dass das Ding ein wenig mächtiger durchaus sein könnte. Dafür schürzt er die Lippen wie ein Gummipuppenmodel.

Mehrere Minuten dauert nun das Gevögels und ich verstehe die Schwierigkeit des Pornomachens, wie rasch ist man gelangweilt und wenn’s eher ein biz soft ist mangelt’s an Optionen, umso mehr, wenn nur grad zwei mitmischen. Die beiden hier sehen wir drum mal oben, mal unten, mal ein wenig seitlich und das Maximum ist schon, dass er sie  im Stehen (in Slowmotion!) von hinten nimmt, was – natürlich – in einen Übergang in die Wiener Skyline (Bluescreen) mündet. Hallelujah!

Was auch leicht irritiert, ist der elektronische Sound, der eher von (generischen) Stöhnlauten begleitet wird, als umgekehrt.
Das grosse Showdown. Nach neun Minuten, bei ihr sieht man ja nichts, aber er zieht irgendwann raus, wie immer, damit man zusehen kann, wie das Sperma rausschiesst, -fliesst und –sprudelt, dabei kenn ich keine einzigen Mann, der Coitus Interruptus besonders geil findet, im Film ist das aber eine Frage der Glaubwürdigkeit (hard facts), sehe ich schon ein, offenbar reichte es nicht, wenn man sähe, wie das Mehlsüppchen wieder aus ihr herausläuft.

Dann wird ein wenig geknutscht und Sperma als Lotion missbraucht, bevor sie einträchtig aus ihrer Kabine gucken, lachen, während das La Boum-Lied wieder intoniert wird und die Sternlein fliegen.

Ich kapiere auch dieses Konzept: Lustkurve ganz nach unten drücken, dann kann’s beim nächsten Clip nur raufgehen. Schliesslich ist die DVD insgesamt 93 Minuten lang.

Wichtige Zusatzinfos vom Vertreiber: Kondome: Nein. Silikon: Ja.
Die Kritik lobt zudem insbesondere die herausragende Kameraarbeit der Debütantin Renee Pornero: «beispielweise gibt‘s bei den Cumshots auch mal einen Gegenschnitt auf den Darsteller». Krass, das.  Anderweitig ist man Fan der «Cumshots in Zeitlupe».
S-s-s-s-s-s-p-r-i-i-i-t-t-t-t-t-z-z-z-z-z-z-.

Fazit. Als Wichsvorlage, klar, am Ende doch, aber eher mässig geeignet.
Definitiv ein Fall für Anfänger. Oder als Hintergrundgeflimmers für eine WG-Party.

Mein Tipp: zu zweit gucken und simultan mitspielen.

http://www.clitcare.ch/shop.php?art_id=1834&catid=7&lang=de

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Liebido

Blog 69, 4. Februar 2010

Steffi betrachtet den hellblauen Dreiviertelsquadratmeter Himmel über ihrem Kopf, ihren Unendlichkeitsausschnitt, den ab und an eine zerzauste Wolke durchzuckelt. Die Matratze, das Duvet, der hölzerne Bettrahmen, all dem haftet noch der Duft des Unverbrauchten an, die dritte Nacht ist es erst, die sie in ihrem neuen, ihrem eigenen Zuhause verbracht hat.

Steffi fühlt in ihren Körper hinein. Aber da ist nichts. Sie steht auf und kramt aus der der schwarzen Schuhschachtel von Repetto mit dem Magnetverschluss im Kleiderschrank den Vibrator hervor. Den hatte Roman ihr geschenkt, vor, wann war das? – vier Jahren ungefähr, als sie noch Sex gehabt hatten, regelmässig, gut auch, ja, bevor er, wann war das? – ach ja, vor einem Monat erst, endlich damit herausgerückt war, dass er «im Verlaufe des vergangenen Semesters» mit ihrer Cousine Coco angebändelt habe. Mit der Base, soso, gratuliere, er ist dem Genpool treu geblieben, teilweise, wie schön. Das letzte Mal Sex hatten sie, vor, wann war das? – neun Monaten gehabt, wenn nicht zehn sogar, krass. Mit achtundzwanzig, hat Steffi immer zu wissen geglaubt, ist Frau libidomässig auf dem aufsteigenden Ast, mehr noch, die Erntezeit beginnt, sagen die lieben Bücher, und sie dauert bis kurz vor Einsetzen der Menopause an. Aber sie und Roman, da war nichts mehr, er hat wenig Interesse an ihrem Körper gezeigt und sie ist froh gewesen, ihn nicht permanent abweisen zu müssen, weil sie gar aber rein gar nichts mehr gespürt hat im Bauch und weiter unten erst recht nicht.
Abgefunden hat sie sich schon fast damit, dass ‹das› bei ihr halt erloschen ist, es kann schliesslich nicht bei allen gleich lang dauern, jemand muss ja das kürzeste Hölzchen ziehen, statistisch rein schon, sonst gäb‘s ja weder Median- noch Mittelwert.

Dass Steffi den Vibrator beim Wohnungsteilen eingepackt hat, war naheliegend, obwohl er ihn bezahlt hatte. Obschon, wenn er die Kusine beim Reinstecken mit irgendwas ansteckte, das wäre. Aber so darf man nicht denken.
Steffi dreht an der schwarzen Verschlusskappe, Roman hatte das immer gemacht, gegen den Uhrzeiger muss man, aber das Ding macht keinen Wank. Sie rüttelt, schüttelt und schraubt, aber nichts. Sie nimmt den Deckel ab. Batterie ausgelaufen.
Also schaut sie weiter den Wolken zu, abgekoppelt von ihrem Unterleib, wie im Tot-Spielen in den letzten Minuten der Yogastunde fühlt sich das an. Shavasana.

Steffi öffnet die Tür, verräumt den Inhalt der Migrossäcke, Macht der Gewohnheit wollte sie für Roman Stracciatellajoghurt in den Korb laden, wird schon werden. Und endlich kann sie auch das Poulet kochen für die Freunde heute Abend, das er nicht mochte wegen der gekochten Trauben der dumme Schnäderfräss.

Zwei Wochen später ist sie plötzlich da. An einem Samstagmorgen, um neun Uhr dreissig, Steffi studiert gerade den heute grauen Himmel durchs Dachfenster, giesst Venus eimerweise Voluptas über sie aus, wabernde, dibbernde, sirrende, flackernde, pulsierende, zuckende, pure Lust fliesst vom Wurzel- ins Kronenchakra, sammelt und mehrt sich im Unterleib und dehnt sich bis in die Ränder ihrer Fingernägel aus, elektrisch geladen ist ihr ganzer Körper. Steffi betrachtet sich nackt im Spiegel, aber aussehen tut sie wie immer. Aber fühlen wie eingedickter Glühwein.
Sie schlüpft in das graue Wollkleid und verlässt das Haus. Das bildet sie sich nicht ein, dass sie jeden, aber wirklich jeden hier auf der Strasse haben könnte. Blicke saugen sich an ihr fest, ihrer schlanken Gestalt, in ihren grauen Augen hinter dem dunkeln Pony.
«Komm mit»,
liegt ihr auf der Zunge und sie ist so sicher, dass jeder, wirklich jeder, ihr heute folgen würde, müsste, überall hin, die Lust in ihrem Körper strahlt zwei, drei, nein fünf Meter weit ab, sehen kann sie es direkt und das bedeutet, dass sie, die Männer, sie auch sehen, die Leidenschaft, den Trieb, von einem ganzen Jahr, mehr noch, gespeichert waren sie, irgendwo, und jetzt, jetzt sind sie zurück gekommen, wie ein Schwindel fühlt sich das an, es brennt zwischen ihren Schenkeln und der da links, mit dem Strubbelkopf, verschlingen könnte sie ihn, sich im Nacken verbeissen, oder besser vielleicht umgekehrt, denn sie ist es ja, die voll ist, übervoll, überlaufend, tausend Männer könnten sich an ihr satt, ja was eigentlich?

«GIGI von Lelo. Er ist der Meister»,
hat ihr ihre Freundin vor zwei Wochen geraten, als sie über ihren fehlenden Sexpower gesprochen haben.

«GIGI von Lelo»,
sagt sie drum zur älteren, dicken, kurzhaarigen, aber sehr netten Frau in der Condomeria. GIGI ist das iPhone unter den Vibratoren. Das weiss-magentafarbene Modell ist ihres, keine Frage.

«GIGI ist die ultimative Spezialistin im Lustbereich: Sie fokussiert sich auf eine der befriedigendsten Quellen der sinnlichen Erfüllung, die eine Frau erleben kann […]. GIGIs abgeflachtes Ende ist perfekt auf die Erkundung der erogensten Zone ausgerichtet. Ihre spezielle Formgebung lädt auch zu verschiedenen klitoralen und vaginalen Stimulationen ein, unterstützt von fünf einfach zu kontrollierenden Vibrationsprogrammen. […] Mit GIGI erreichen Sie ungeahnte Gipfel der Ekstase, die sich kaum beschreiben lassen.»

Die Grauhaarige erklärt ihr, wie GIGI, die Vibratorin, funktioniert. Mit GIGI kommt ein aufladbarer Akku mit Netzteil. Süsses Dingsbums mit optimiertem CO2-Footprint.
In den zwei Stunden, die GIGI geladen wird, badet Steffi in ihrer Lust. Und heissem Schaum, der nach Mandel und Ingwer riecht.

Sauber und dampfend schlüpft sie wieder unter die Decke.
Eine Stunde später ist GIGI noch nicht müde, als Steffi wohlig erschöpft einnickt. Als sie um halb drei wieder erwacht, ist ‹es› immer noch da. Steffi lächelt. Sie weiss. Roman war gestern.
Heute wird es ein anderer sein. Oder einer nach dem anderen.

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Hast Du…?

Blog 68, 25. Januar 2010

Am Wochenende hatte ich die Okkasion, Männern beim Pinkeln zu observieren.

In unserem Alter ist man ja nicht mehr gleichermassen openair-affin wie anno dazumal und pinkelnde Männer sind auch nicht per se wahnsinnig interessant zum Zugucken, aber der Rahmen hat gestimmt und so hab ich mir die kleine Feldstudie nicht entgehen lassen. Obwohl betrunkene Pinkler möglicherweise nicht dem State of the Art des Mannken Pis entsprechen.

Was Männer denken mögen, während das gelbe Wässerchen aus ihnen rausläuft, ist schwer zu schätzen.
Auffallend viele schauen schräg nach links in die Luft, im Stil von «bloss nicht hinschauen, sonst pinkel ich mir am Ende ins Auge» (Analogieschluss: beim Dreiradlernen hat man ihnen beigebracht, dass man, wo man hinsteuert, auch hingelangt.) oder von «bloss nicht hinschauen sonst meinen die anderen, ich sei schwul und/oder schwanzverliebt?»
Andere halten das Brünzelwerkzeug mit beiden Händen umklammert und müssen erst noch ganz genau zuschauen. Ein besonders ungünstiger Krümmungswinkel?

Seriöse Recherche. Was meint die Schweizer Mediendatenbank zu ‹männer and pinkeln›?
Für die Kombi gibt’s über einen Zeitraum von vier Jahren 805 778 Dokumente, wovon 219 465 im letzten Jahr. Das Thema beschäftigt also zu Recht.
Unter den Artikeln finden sich Headlines wie
«Schweizer Hooligans pinkeln an lettisches Denkmal»,
«Mann beim Pinkeln zu Tode gestürzt»,
«Unter uns Männern» (jaja, es geht um die elende Sitzstehdiskussion und Röbi Koller),
«Beim Pinkeln brutal niedergeschlagen»,
«Pinkeln an Bord [Rianair],soll kosten»
«Das machen Männer besser»
etc. etc.

Wieso hat das Gepinkels von Männern so viel Gewicht? Ich kann die Jungs, die auch nur annähernd so oft urinieren müssen wie ich, an drei Fingern abzählen.
Dennoch gibt die Kombi ‹frauen and pinkeln› nur halb so viele Hits her, und auch die  Titel sind viel ungleich unprätentiöser: «Mathematisch sauber pinkeln» (auch hier geht’s aber natürlich um die Streuverluste der Stehmännchen), und Nachhaltigkeit: «Brasilianer sollen beim Duschen pinkeln» (ich hab schon mal ausgerechnet, dass, wenn die 380 000 Zürcherinnen und Zürcher morgens beim Duschen in die Wanne pinkeln würden, wir – Moment – 1 900 000 Liter Spülwasser pro Tag (!) sparen könnten).

Nun ja. Meine Pinkelbuben in den Toi Toi-Kleeblättern benehmen sich am frühen Sonntagmorgen jedenfalls total daneben.
Das Waschbecken keine fünf Meter entfernt, denken sie nicht im Traum (resp. Rausch) daran, dass Mann sich dessen bedienen könnte, im Gegenteil, losgelassen, raufgezippt – und glatt vergessen das Ganze.
Vielleicht, weil das Bier, das oben reingelaufen ist, so gleichartig ausgesehen hat und dann hat man ja mit dem Druck auch noch ein wenig Spritzschaumähnliches produziert im kleinen dreieckigen Becken. Oder so.

Auch auf Google spannent es, wenn sich’s um’s Gebrünzel dreht: In einem Forum bleibt folgende Frage aber unbeantwortet:

«Pinkeln Männer nachm Sex anders???
Hallo! Ich weiss, dass das eine etwas komische Frage ist, aber sie interessiert mich brennend. Habe in einem Film gesehen, dass ein Mann beim Pinkeln sagte: ‹Boah ich pinkel als hätte ich die ganze Nacht Sex gehabt.› Gibt’s da wirklich Unterschiede? Wenn ja was für welche? Ich mag meinen Freund irgendwie nicht fragen – komme mir da so blöde vor. =)
Danke schonmal»

Das würde mich übrigens auch interessieren.

Nachdem sich von meinen Probanden aber von 23 rund 17 die Hände ‹danach› nicht gewaschen haben(Drecksäcke!) hab ich ein Männchen, das mir sein Pfötchen ins Höschen stecken wollte, ohne mit der Wimper zu zucken abgewiesen.

Ich habe dringend mal müssen.

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Anfängerinnenfehler

Blog 67, 20. Januar 2010

Sicher allen (Frauen) schon passiert: zum Feierabenddrink verabredet, total verhängt, obwohl man früh ins Bett hat wollen, weitergezogen, rumgetorkelt, jemanden kennengelernt, heim genommen oder heim gegangen und dann plötzlich

«Verdammtundzugenäht!»

erinnert, dass das ganze Beautyprogramm eigentlich auf den Abend anberaumt gewesen wäre, der soeben einen derart andersartigen Ausklangt nimmt, als geplant.

Es bleiben vier Optionen:
a)    sofortiger Übungsabbruch
b)    Pokerface – und durch
c)    im Bad (einfacher, wenn’s das eigene ist) rasch das Versäumte nachholen
d)    die Action in die Dusche verschieben und gegenseitig ganzkörperrasieren (von Männern präferierte Lösung).

Der ‹Normalfall› sieht nämlich insofern ganz anders aus, als dass Frau jeweils – je nachdem am Donnerstag oder Freitag – ein bis zwei Stunden für das Personal Wellnessing abzwacken muss.

Hierbei werden sämtliche ungelaserten Härchen an Augenbrauen, Schienbeinen, Schamdelta und – je nach Grad der Benachteiligung durch Mama Natur – Unterbauch, Zehen und Oberlippe depiliert.

Dazu eine (übertriebene) generelle Körperhygiene, die Extremhaarglanzundglätte-Pflegespülung, drei-phasiges Make-up, Sonntagsunterwäsche, Mani- und Pediküre, Zahnreinigung (inklusive Seide und Gurgeln), Ohrenstäbcheneinsatz und-und-und.

Bei den Viechern dind die Jungs die Herausgeputzten. Degenerierte Rasse, wir.

Und: Das ganze Equipment kostet natürlich ein Vermögen.

Aber ja – da uns das indirekt auch dazu legitimiert, uns einen unüberschaubaren Schatz an Schuhen zuzulegen, ist alles halb so wild. Unser Fundus an Shirts allein ist fantastisch; quer durch die Farbpaletten reicht das Angebot; von weit über eng oder tailliert bis zu bauchfrei (Frühe-90er-Restanzen) oder hüftdeckend geschnitten liegen die Dinger seiden oder kunststoffig, baumwollen und in allen möglichen Kreuzungen auf- und nebeneinander, uni, gestreift, paillettenverbrämt, siebbedruckt etc. etc.

Und natürlich zu allem (oder eben nur zu etwas) passende Röckli, Jäckli, Pullis, Strümpfe undsoweiter. Obendrauf eine überquellende Schmuckschatulle und Zusatzhaken oder Nägel im Badezimmer, wo die diversen Kettchen und Ketten in jeder erdenklichen Länge ihren verdienten Platz finden, liebstens der Länge und dem Regenbogen nach geordnet.

Aber macht Euch keine Sorgen, Jungs: die Unterhaltskosten sinken rapide, sobald wir unter Eurer Haube sind.

Einhergehend leider auch die Frequenz der Haarentfernung.

* * * * * * * *

Geputzt, gekämmt, parfümiert, keimfrei und glattrasiert steigen wir auf die (möglichst transpirationsresistenten) Hacken und lassen die Türen hinter uns ins Schloss fallen.

In der Hoffnung, dass sich der ganze vermaledeite Aufwand auch gelohnt hat.

Und wenn er das nicht tut, haben wir uns wenigstens gut gefühlt. Schliesslich kauft man das ganze Gespitze und Gestrapse auch, respektive in erster Linie, für sich selbst.

Oder so.

Soviel zum Thema ‹Fassade›.

Vor einem potentiellen Nachtvergnügen ist aber eine weit gewichtigere Regel zu beachten: das Essen.
Wer besonders kostengünstig unterwegs sein möchte, lässt den Magen ganz leer, was den positiven Kollateraleffekt hat, dass sich die Wirkung des Alkohols um schätzungsweise Faktor 5 potenziert.

Das kann, wenn die Menge schlecht dosiert wird, übel ins Auge gehen.

Anderes kann unter Umständen übel in die Nase gehen. Currygerichte zum Beispiel verursachen gravierendere Halitosis als Bier.

Insbesondere auch Flatulenzen animierende Lebensmittel sind in der Vorbereitungsphase strikte zu meiden. Dies wiederum kann Auswirkungen auf den Ernährungsplan der ganzen Woche haben. Ab Mittwoch müsste vorzugsweise Verzicht geübt werden auf (nach ABC) Aprikosen, Artischocken, Ballaststoffe generell, Beerenobst, Bohnen, Feigen, Hefe, Hülsenfrüchte (was immer das ist), (zu viel) Kaffee, Kirschen, Knoblauch, Kohlzeugs, Nüsse, Pfirsich, Zwiebeln.

Wäre ja alles noch einigermassen machbar.

Es wird aber grundsätzlich dringlich von süssem und fettigen Food abgeraten. Und – und damit wird’s richtig bitter – von kohlensäurehaltigen Flüssigkeiten. Das tangiert natürlich Bier (mir egal!). Aber Kohlensäure ist auch im Prosecco (mein Tod!). Im Vodka Lemon (ganz schlimm!). Im Vodka Süssmost (recht schlimm!). Im Vodka Soda (nicht so schlimm!). Im Gin Tonic (nicht so schlimm!). Im Cuba Libre (Cola ist Kacke – drum gar nicht schlimm!).

Bliebe Vodka Züriwasser und Vodka Cranberry (gut gegen Blasenentzündung!), wenn nicht (zu viel) Alkohol per se eben auch unerwünschte Magen-Darm-Problemchen verursachen würde (Mission impossible!).

Noch schlimmer ist aber nur eins: dass Lebensmittel offenbar im Körper diffundieren können.

Und zwar bis in die Schleimhäute. Meine Freundin Sammy spricht in diesem Kontext von ihrer «Onion-Pussy».

Lecker.
Oder eben.

Nicht.

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Crossing the Border. Line.

Blog 66, 13. Januar 2010

Luke B. ist der einzige Mensch auf diesem Acker, der im Besitz einer pornoerotischen Detailaufnahme von mir ist, die er nicht selbst gemacht hat.

Wir sind uns auf einer dieser Websites für Alterstrotzende begegnet. Den meist Pein verheissenden Namen zum Trotz lassen da drauf durchaus amüsante Geschichten erleben. Die Perlen sind allerdings dünnst gesät. Mit wem sich lohnt, über sporadisches Tastenklickern hinaus zu wachsen, ist nach spätestens drei Sätzen klar.

Luke B. hat sich in einer Phase hoher Hormonaktivität in mein Leben gechattet. Mit einem hübschen, sechsundzwanzigjähriger Körper. Letztlich wurden mir aber die Augen zum Fallstrick; ein Traum von dunkelblauer Eiszeit in einem perfekt geschnittenen Gesicht.

Gefühlskälte? Oder Gefühlsleere? Ein echtes Gegenüber? Oder nur Schein?

All das hat meinen Ehrgeiz gestachelt. Und meine Nase tropfte schon von smiley-tippenden Barbaren mit einer Präferenz für – zudem meist fehlerhafte – Worthülsen.

Ein Chatroom ist ein fantastisches Experimentierfeld. Unserer Sprachspielvielfalt zum Dank lässt sich jeder Satz in die beliebige Richtung umleiten.

«So, ich geh jetzt was essen.»
«Ich hab auch Hunger. Aber nicht auf Essbares.»

Haha. Plump & simpel.

«Ich hatte einen scheiss-strengen Tag.»
«Da kann ich ganz gute Ablenkungsmittelchen.»

Haha. Plump & simpel.

«Heute haben wir gegen zwei Idioten gepitcht.
«Ich würde mich gern mit Dir messen.»

(Variante B: Irgendwas mit «Dich ausmessen.»)
Haha. Plump & simpel.

«Mein Hamster ist gestorben.»
«Hat er sich totgevögelt? Könnte mir auch passieren.»

Haha. Plump & Simpel.

Mit Luke war das Thema beim ersten Satz gesetzt. Zwischen zwei und drei Uhr morgens haben wir uns die Hände tot geschrieben. Auch Luke wohnt alleine.

Seine Freundin hatte eines schönen Tages, so wie andere «fick mich» bitten, «schlag mich» gesagt. Und so wie auf Ersteres generell entsprechend auf die Aufforderung reagiert wird, hat auch Luke nicht lange überlegt. Und eine faszinierende neue Form der Katharsis gefunden.

Kainsmal Januszeichen. Ein echter Zwilling, eben. Nicht der Letzte von der Sorte, den ich gefunden habe . Und nicht der harmvollste. Aber dazu ein andermal.

Interessant. Sexy. Hypnotisch. Nicht primär, weil ich Prügelfantasien ausnehmend antörnend finde. Ich wollte herauskriegen, wie man seinen Schalter umlegt.
Schatzsuchezeit, Schlüsselfindezeit.

Ich sende Luke ein Foto.

Ein Close-up. Gesicht. Sehr stark geschminkt, Blick leicht schräg unten direkt in die Linse. Ein Sechstel zugekokste Edelhure, vier Fünftel demütige Unschuld, ein Rest trotzige Rebellion.
Um vier Uhr morgens schicke ich das perfekte Bild ab ab.
Die Antwort sehe ich erst am Abend.

[Übersetzt von Berner Mundart.]
«Mhhh. Ich stelle mir grad vor darauf zu spritzen.»

Wir sprechen wir dieselbe Sprache.

Jede Nacht, die er nicht mit ihr verbringt, treffen wir uns um Schlag eins auf Sykpe, meist wird es vier, fünf Uhr morgens. Pläne und Ideen. Er mailt mir ein Bild. Ich sende eins zurück. Visualisierungen.

Ich mag ihn nicht.
Aber wir verstehen uns super.
Zu gut, am Ende. Eines Tages stolpert seine Freundin über einen unseren Chats.

Der Inhalt hat ihr offenbar weniger gut gefallen. Als uns.
Ich wäre möglicherweise auch etwas ungehalten.

«….Luke?»
«Ungut hier. Melde mich vorläufig nicht mehr. Am 27. bei Dir.»
«Hoppla. 27th it is.»

Wieso er ihr das ganze Rumgezicke nicht einfach aus dem Kopf haut?
Denke ich.

«Luke. Morgen?»
«Dani. Scheisse. Wenn Du wüsstest, wie gern ich kommen…»
«Komm!»
«Geht nicht. Melde mich wieder. Irgendwann»

Ähm. Sorry?

Wer hat hier die Hosen an?

Puff! – ist meine ganze Lust am Berner Experiment wie weggeschlagen.

Eine Woche später lerne ich auf Myspace ‹Don› kennen. Der sagt hübsche Sachen wie:
«Daddy ist eine extrem böse, dominante Anwaltssau, die keine Tabus kennt.»

Und:
«Leck das Scheissloch, Du dreckige Nutte»

Aber das ist, wie gesagt, eine andere Geschichte.

Ein Kommentar

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Halbe Sachen.

Blog 62, 6. Januar 2010

Das Hive. Zu guten alten UG-Zeiten noch massangelegte Hippiekacke sind heute die Line-ups oft zwar nach wie vor was vom Schlausten, was die Stadt zu bieten hat. Die Subjekte, die den Grossteil der Wochenendnachtsfüllungen ausmachen, sind leider suboptimal. In den frühen Morgenstunden transformieren Halbwüchsige kotzbetrunkene, nasenschleimhautverkrustete und passivaggressive Proletarierdrohnen die Wabe zum Haifischbecken, einem Fengshui(wurm)loch.

Ich gehe da drum nur noch hin, wenn mein Lieblings-DJ das Vinylwägeli vorfährt und den Mac eintopft.

So an diesem Abend. An dem gemeinerweise meine gesamte Robinson-Crew über andere Lokalitäten verstreut war oder winterfreundliches Gipfelstürmen mit dem Bettdeckengefärtchen vorziehen wollte. Ohne die hohe Aufkreuzwahrscheinlichkeit eines meiner begehrtesten Jagdfangsammelobjekte hätte ich’s vielleicht auch sein lassen. Aber zwei Fliegen auf der gleichen Klebfläche – schlichtweg zu gut, um ungenutzt zu bleiben. Auch wenn Alleinlosziehen als Weibswesen enorm anstrengend sein kann.

Das Set meines Starmixers startet erst um halb vier, in über zwei Stunden. Ich schlängle mich an die Bar, bestelle einen Vodka Shot und rauche drei Zigaretten. Da und dort ein schattenvertrautes Antlitz. Aber um den Jahreswechsel ist Zürich auch ausserhalb der Hände seiner Stammkundschaft, was doppelt blöd ist, denn das Partyangebot wird, disproportional zur Klientel, jährlich vorzüglicher. Kollateralschäden der Aufhebung des Tanzverbots?

Ein knapp zwanzigjähriges Kid kippt aus der Masse neben mich und quäkt:

«Was hast Du da?»
«Lass mal sehen. Ein leeres Shot-Glas auf ein Uhr. Auf halb vier einen vollen Aschenbecher. Auf elf ein Feuerzeug. Und alles auf einem ziemlich klebrigen Stück Bartresen. Und, ach ja, auf drei Uhr ein lieblichlockiges Jesuskind.»

Selbiges reckt sich auf seine vollen 188 Zentimeter, winkt eines der Barchicks daher und knallt einen Gin-Tonic auf halb zehn.

«Merry Weihnachten, Engelchen.»
«Hat sich da Omas Batzen grad verflüssig?»
«Prost!»
«Gesundheit, Jeezie.»
«Krieg ich dafür einen Kuss?»
«Das liebe Kleingedruckte.»

Das Junge ist für etwa fünf Minuten lustig, wird dann aber zunehmend anzüglich und leimig. Als es grad so richtig lästig zu werden droht, zwängt sich ein Kumpane meines Musterjockeys durch die Menge und verschafft sich Platz Gerettet.

«Charlie.»
«Kennen wir uns?»
«Gleich ja. Magst Du den Tag noch zu Nachtzeiten mit einer guten Tat beginnen? Dann erlöse mich von meinem Nachbarn zur Linken.»

Charlie inszeniert sofort ein Begrüssungstamtam und wickelt mich in einen Disput über Astrophysik. Irgendwann stoppt das kidsche Tippen an meinem linken Ellbogen.

«Wo sind sie allesamt; lasch oder anderweitig engagiert?»
«Schande ist‘s.»
«Kaum ein bekanntes Gesicht.»
«Nicht mal meins.»
«Bis vor fünf Minuten zumindest.»

Mein Supershot will nicht auftauchen. Shit.

In den dreieinhalb Stunden, die Charles M. und ich zusammen tanzen, tratschen und trinken, entwickelt sich die Zwangsschicksalsgenossenschaft zur potenziell lebenslangen Freundschaft.

Charlie ist der effizienteste je erlebte Gläserauffüller. Ich bin dankbar um seine Rückendeckung, die von ennet der Stadtgrenze Zugewanderten sind heute noch unguter drauf. Charlie, wenn auch nicht mein Typ, läuft durchaus unter Prädikat ‹very, very nice› und ich überlege, welches meiner Mitsinglemädchen möglicherweise ernsthafter an ihm Gefallen finden könnte. Als mein DJ die letzte Platte gewendet hat, bin ich noch müder als betrunken und verkündige meinen Abgang.
Charlie schliesst sich an.

«Kommst Du mit zu mir?»
«Danke für’s Angebot. Aber ich bin todkao.»
«Bittebittebittebitte.»

Seine postfesttäglichen Kinderaugen verzögern mein definitives Nein und ich biete an, ihn heimzubegleiten, obschon er – wenn auch in unmittelbarer Bienenstockumgebung – in der meiner exakt entgegengesetzter Richtung wohnt.

Eiskalt ist nur der Vorname. Rock im Winter – wie bescheuert muss ich sein? Ich träume von meinem wärmenden Taxi. Nach knapp zehn Marschminuten sind wir an der Turbinenstrasse angelangt.

«So du. Da wären wir. Ich kehr dann wie gesagt mal um. Danke für alle Amusements.»
«Ach komm. Komm doch noch mit rauf!»
«Charliesternamhimmel. Nein.»
«Wieso denn nicht?.»
«Weil Weihnachten vorbei ist. Und es Viertel vor fünf ist. Und ich morgen um zehn raus muss.»

[Was natürlich gelogen ist.]

«Ich sogar schon um halb neun!»
Mist.

«C’mon! Komm doch noch mit.»
«Nein.»
«Wieso denn nicht?»
«Weil ich am Ende bin. Und du musst sogar noch früher raus als ich.»
«Dann gehen wir zu Dir!»
«Wir stehen vor Deiner Haustür und Du willst zu mir? Das ist eine halbe Stadtlänge entfernt.»
«Egal.»

Mann ist der hartnäckig.

«Kommschon, nimm mich mit! Gehen wir zu Dir! Bittebittebitte.»
Halsstarrig.

«Ich will auch keinen Sex. Echt. Nur ein wenig kuscheln.»

Ach.
Wer’s glaubt.

Das… will ich ja mal sehen.

«OK.»
«OK?»
«OK.»
«Echt?»
«Let’s go.»

Dieses Gefeiertage löst bisweilen bizarre Emotionen aus. Fährt dieser Mensch nun wegen knapp zwei Stunden ‹Kuscheln› quer durch die halbe Stadt mit zu mir, da soll noch wer mitkommen.

Im Taxi zieht er mich an sich. Akute Müdigkeitswillenlosigkeit lässt mich sogleich an seiner Schulter wegnicken.

Aneinandergelehnt wanken wir die Treppe hoch, weil der dämliche Lift mal wieder ausgestiegen ist, blockiert von diesem dämlichen Kinderwagen im dritten Stock.

Ich kriege gerade noch gebongt, drei Aspirin einzuwerfen und das Röckli, die Socken und das T-Shirt abzuschälen, bevor ich mit allerletzter Energie im schwarzen Abercrombie-Tank, den Vic’s Secret-Panties und der Fizzen-Lederkrawatte um den Hals unter die Decke krieche und auf halbem Weg zusammenbreche.

Plötzlich ist Charlie neben mir. Sein Körpergeruch lenkt erfolgreich vom Nikotingestank in meinem Haar, von dem mir noch schlechter geworden ist, ab.

Mittlerweile muss es halb sieben geschlagen haben. In einem komaverwandten Delirium kämpfe ich zwischen dem Ansatz von Charlies Schlüssel- und seinem Brustbein gegen den drohenden Erstickungstod. Die Stickstoffnarkose macht gänzlich widerstandsunfähig. Gentleman Charles nutzt die Situation nicht aus, einzig seine Hände müssen irrtümlicherweise unter mein Shirt gerutscht sein.

Er ist hellwach, während ich im Viertelstundentakt vom Tiefschlaf in einen Halbwachzustand falle. In kurzen luziden Zwischenmomenten frage ich mich, was Charlie daran findet, sich an einer nach durchfeierter Nacht stinkenden und mindestens 40 Grad heissen halbtoten Ophelia festzuklammern. Leicht pervers, das.

Irgendwann werden die Vibes eindeutig sexuell, natürlich.

«Daneee! Wir sind hier! Hier! Hier!»
Locken sie.

Meine Hormone.

Ich ignoriere das penetranter werdende Sirenengeflüster und stelle mich schlafend.
Versprochen ist schliesslich versprochen.

Als ich zehn Minuten später gerade sagen will, dass unter dem Buch links irgendwo  Gummis liegen müssen, schellt Charlie’s iPhone.

Also schliesse ich die Augen wieder und höre zu, wie er sich rücksichtsvoll fluchend aus den Daunen schält und in seine Kleider klettert. Minuten später fällt die Tür ins Schloss.

Neun Stunden später tippe ich die Nummer, die von meinem Lieblingsmagneten an der Espressomaschine gehalten wird, über das SMS.

«Honig vergessen stopp bitte abholen stopp»

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Ménage à Trois.

Blog 64, 15. Dezember 2009

Silke (ja, sie ist Deutsche), genannt ‹Silly› und Roger sind eines von den Pärchen, die quasi zusammen sind, seit sie denken können. Beide im neunundzwanzigsten Altersjahr, gut gebildet, die obligatorischen Mini-Schlenker im CV (aber alles halb so wild) und gut positioniert, haben sie die letzten zehn Jahre ihres Lebens getreulich geteilt, mit einem einzigen viermonatigen Unterbruch im Jahr 2005, während dem Roger mit zwei und Silly mit einem ‹Andern› was hatte. Bei ihr war’s erst der vierte überhaupt.

Ansonsten waren sie sich treu wie Bohnenblust, wessen ich mir sicher bin, weil es mir beide einzeln im Zustand totaler Trunkenheit erzählt haben.

Seit mehr als drei Jahren wird eine hübsche Wohnung im Universitätsquartier bewohnt; sie streckt sich drei Mal wöchentlich im Yoga, er liest Economist oder macht sonstwas und in einer hübschen Regelmässigkeit werden wir Freunde zu fantastischen Abendbrötern geladen.

Und noch immer gibt es das eine oder andere Post-it oder Schöggeli, das man dem anderen am Morgen oder späten Abend in den Weg legt oder klebt. Also alles perfekt.

Ausser beim Sex.

Auch da ‹läuft‘s› zwar an sich leidlich, dass nichts läuft. Oder nicht oft. Oder nicht oft genug. Für Roger zumindest. Silly ist nämlich grad, also, seit etwa dreizehn Monaten, in einer asexuellen Phase. Hat einfach keine Lust. Netterweise nicht nur auf Roger, sondern irgendwie einfach gar nicht (nur ab und an in der Dusche).

Roger findet das zwar nicht wahnsinnig tragisch, aber auch nicht extrem lustig. Und Silly schämt sich manchmal, wenn sie extra erst ins Bett geht, wenn er schon mehr als halb schläft oder am Sonntagmorgen (dem Sexklassikertag) aus den Daunen schlüpft, sobald sie wach ist.

Auch Silly hinterfragt manchmal ihr eigenartiges Verhalten, da ihr aber nichts fehlt, hat sie eher das schleichend schlechte Gewissen, Rogers Ansprüchen als Frau nicht zu genügen, resp. ihren ‹eheähnlichen Pflichten› nicht gebührend nachzukommen.

Dann kommt Roger– über die näheren Umstände ist nichts bekannt – das (durchaus empfehlenswerte) Werk von Barbara Lukesch; ‹Herr Heer, was ist guter Sex?› zwischen die Finger.

Dieses beantwortet auch die Frage, die sich in den allermeisten Langfristverbindungen früher oder später stellt. Nämlich, ob das Sexleben, wenn’s denn unter aller Sau ist, halt geplant werden muss.

Dies als Ideenknochen vorgehalten kriegen, löst generell spontane Ablehnung aus. Geplanter Sex? – wie öde, unromantisch, unerotisch, unspontan, desperate etc!

Papst Heer sieht’s offenbar anders. Er behauptet, dass letztlich alles, worauf wir uns freuen, vorausgeplant wird. Die Ferien: Monate zuvor gebucht. Der Kinobesuch jeden ersten Montag im Monat: fix auf dem Programm. Das Wochenfondue im Winter: der Klassiker. Der Morgen ohne Sonntagszopf: unvorstellbar.
Auch ‹unanständige› Tätigkeiten werden liebend gern vorab fixiert;: wenn sich (üblicherweise) ein Mann mit einer Nutte (oder einer unbezahlten Fremdgehhilfe) vergnügt, ist das ein Date; ein Rendezvous in einem Hotel, einem Auto, einer fremden Wohnung, irgendwo. Und das Versprechen schärft die Vorfreude womöglich während Tagen oder sogar Wochen.

Wieso sich also nicht vom Mittwochabend mit dem eigenen Partner verlocken lassen?

Das leuchtet Roger ein. Und weil er seine Silly so gern hat, organisiert er ein Hotelzimmer für die ‹Startsitzung›. Dort will er sie zuerst nach allen ihm bekannten Regeln der Kunst – und dann vorschlagen, dass dies nun immer so gemacht werde, mit der Option auf mehr, natürlich.

Zufällig kann er sich noch erinnern, dass sie vor acht Wochen menstruiert hat (dummerweise genau als sie das Wochenende in den Bergen verbrachten), rechnet er sicherheitshalber etwas Zeit zu und bucht ein Zimmer in einem Boutique-Hotel (eines dieser ‹Romantic Fuck Spots› schien ihm dann doch zu viel des Guten).

Am Abend kündigt er zu Hause an, dass eine Überraschung anstehe und sie für den Anlass nur ‹das Nötigste› einpacken müsse.

Silly lächelt verführerisch und lässt einen verheissungsvollen Nachsatz verlauten.

«Hmmm… vielleicht sind wir dann ja zu Dritt…»

Nun ist bei Roger Feuer im Dach – resp. im Schritt. Natürlich weiss Silly, dass ein ‹Flotter Dreier› zu seinen allerallerliebsten Lieblingsfantasien gehört. Und nun würde sie ihm genau das…? Seine Supersilly!

Zwar ein wenig frigide im Moment, aber eigentlich ja immer schon ein experimentierfreudiges, aufgeschlossenes Weibsstück!

Roger kann kaum mehr klar denken. Im Internet informiert er sich eingehend, was ein Mann denn mit zwei Frauen auf’s Mal alles anstellen kann, soll und muss. Auf Youporn wird er fündig, aber auch sonst verbirgt sich hinter ‹Dreier›, ‹ménage à trois›, ‹threesome›, ‹trycicle›, ‹guy fucking two chicks› etc. allerlei Lernens- und Wissenswürdiges.

Tag X.

Roger hat – aufgrund der veränderten Umstände – darauf verzichtet, Rosenblätter oder Artverwandtes auszustreuen, sondern vielmehr drei Flaschen Champagner auf Eis und ausreichend Gummis in Bettnähe postiert.

Letzte Woche war er zudem im Erotikmarkt in Volketswil, wo er sich umfassend mit Material eingedeckt hat. Diese Utensilien stehen nun in einer grossen, weissglänzenden Box mit einer dunkelvioletten Seidenschlaufe auf dem Bett.

Bei PKZ hat er sich zudem einen anthrazitfarbenen Seidebademantel gekauft, den er, um nicht so ‹angezogen› zu sein, bereits montiert hat.

Punkt halb neun klopft’s.

Silly steht in der Tür, die rötlichen Locken frisch gewaschen, in einer festlich-weissen Bluse und der schwarze Costume-Hose schlüpft sie durch die Tür.

Und schliesst diese hinter sich.

Roger ist leicht irritiert.

Und ist versucht, die Tür wieder zu öffnen und den Gang runter zu spähen.

Natürlich, sie kommt etwas später.

Begrüssungskuss.

Roger köpft einen Champagner.

«Wie süss von Dir, Rog! Bitte nur einen Schluck.»

Roger ist leicht irritiert.

Sie ist wohl etwas nervös.

Silly guckt ihn erwartungsvoll an.

Er guckt erwartungsvoll zurück.

Leicht irritiert.

«Und?»

Roger kann nicht viel mit dieser Frage anfangen. Und was?

«Was wolltest Du mir sagen?»

Sagen? Er? Was denn?

«Wann kommt denn…?»

Nun strahlt Silly wieder über’s ganze Gesicht.

«Mitte Juni!»

Mitte Juni? Was soll er über ein halbes Jahr auf seinen Dreier warten?

Dann fällt der Zwanziger.

Fertig Essig. Für ihn.

Essig. Gurken. Für sie.

Sich verflüchtigende Fantasien.
Schaffen.
Raum.
Für Freude.

Indessen hat Silly die weisse Blackbox entdeckt.

«Für mich?»

Roger räuspert sich.

Und denkt an die Augenbinde, die Handschellen (im Leopard-Mäntelchen), die Flüssigschokolade, den hellblauen Delfinvibrator, den schwarzen Latexdildo, dieFussfesseln und den Anal Plug.

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Extreme Stalking.

Blog 63, 10. Dezember 2009

Stalking-Professionalisierungs-Ambitionen.
Und zwar nicht Social-Network-Stalking – im Sinne von Ex-Freunden von Freundinnen adden, um sie digital zu überwachen – sondern im wahren, handfesten Leben. Auch wenn es eigentlich viel zu kalt ist für so Gspässli.

Folgende Männerarten sind meine möglichen Stalkingopfer:

  • Polizisten: Verfolgungsresistente Konsorte, das. Tendenziell schlechte Idee.
  • (trinkfeste) Dunkelhaarige: Da es derlei allerorts gratis gibt, käme Stalking Energieverschwendung gleich.
  • Männer mit einem der drei B-Kantons-Sprachfehler (Bärner, bitte!): Reizvoll, aber infolge Reiseaufwand in die Züri West-, Nord- und Ost-Pampen viel zu anstrengend.
  • Tänzermänner: Dass sie dazu neigen, nächtelang im gleichen Club ruzumwedeln, macht dies ebenfalls zum (zu) leichten Spiel.
  • Männer mit cognacfarbenen Fahrrädern: Schwierig für eine Sportsfeindin wie mich und im Winter ohnehin alles Taxi fährt.
  • Männer mit einem total GQ sind, wenn’s um Schuhe geht: Weiter zu verfolgender Ansatz.
  • Kochkönner-Männer: Weiter zu verfolgender Ansatz.

Schuhfetischisten sind relativ einfach zu stalken. Sie grad direkt ab den richtigen Schuhläden aufpflücken, wäre aber allzu simpel. Das mit den Smutjes ist komplizierter. Entweder man kennt sie schon, oder erfährt primär via Whistle-Blowing von ihren Glaskeramikkünsten. Jedoch: Wer kocht, kauft ein. Und gute Köche kaufen edle Esswaren.
Am Helvetiaplatzmarkt ist leider immer bereits Feierabend, wenn ich grad erst meinen ersten Espresso rauslasse. Aber Jungs, die Pfannen bedienen können und entsprechende Ingredienzien einkaufen, sind wohl auch im (blöden) Jelmoli und im Globus aufgreifbar.

Make plan, stick to it.
Globus ***delicatessa, Donnerstag, 0545 pm.
Dummerweise bin ich grad eine halbe Stunde in der Weinabteilung ersoffen. Hoffe, die Crème ist mir deswegen nicht durch die Lappen geronnen.

Soll der Mannskoch bei der Charcuterie gestartstalkt werden? Bei den Austern? Am Käsetresen? Beim Brotstand? Schwierig, schwierig.

Raffinierterweise postiere ich mich in Kassennähe, wo einem die edlen Sachen auf dem Laufband eins nach dem anderen entgegenrollen.

Ich kaufe ein Glas Senf und gestalte mir eine Beschäftigungstherapiestunde damit.

Zwischenfazit. Globus ***delicatessa ist gleich
a) kaum Männer unter 45.
b) kaum Männer unter 45 ohne Chicks vorne- oder hintendran.
c) kaum Männer unter 45 ohne Chicks vorne- oder hintendran, die gut aussehen.
d) kaum Männer unter 45 ohne Chicks vorne- oder hintendran, die gut aussehen UND schlaues Zeug aus ihrem Korb laden.

Dann ein erster Lichtblick.
Geräuchter Mozzarella wird mir entgegen befördert, gefolgt von Ochsenmaultomaten, Lauch (??) irischem Rindsfilet und einem halben Kilo Dinkelmehl. Ein ziemlich guter spanischer Tinto darf ebenfalls mitfahren.

Der Mann dazu… naja. Einen Versuch ist’s allemal wert.
Dezent hefte ich mich an seine Haxen. Erdgeschoss. Ausgang Löwenplatz. Er zweigt nach rechts ab. Ich hinterher. Kurz bei Bernie’s ins Schaufenster geguckt. Dann ein Linksschwenk. Zu einer schwarzen Vespa.
Na toll.
Ciao-ciao.

Alles von vorn. Ich kaufe mir ein zweites Glas Dijon, weil mir nichts Schlaueres einfällt, das sich einigermassen gut in meine Tasche stopfen liesse. Dann telefoniere ich weitschweifig mit einer imaginären Freundin, die unglaublich viel zu plappern hat, das ich nur mit «Mmh», «Ja», «Ahä.», «Neeein!» und «sag auch!» pariere.

Frische italienische Pasta reist mir entgegen. Rosé-Champagner. Sechs Eier. Feuchtgesprühte Gewürze. Carpaccio di tartufi estivi. Rucola. Cantucci Mandorle. Zwei Fenchel. Sauerrahmglacé.

Den Mann mag ich.
Den Mann will ich!
Den Mann krieg ich.

Was treibt der sich mit der Eiscreme noch in dem Laden rum?
Beautyabteilung.
Rasierklingen. Bitte kill diesen süssen Viertagebart nicht!
Er verschwindet.
Was treibt er sich da hinten rum? Das ist nicht sein Revier.
Wo ist er nun?
Da hab ich ihn.
An der Kasse. Was ist das für eine Box, die so rasch in seiner Tüte verschwindet?

Ich glaube es nicht.

Der Mann hat grad eine Schachtel Tampax gekauft.

Wieder runter. Warten.

Frau. Frau. Russe. Frau. Hässliche Frau. Alter Mann. Frau mit Kind. Frau mit Freundin. Frau mit Mann (Russen). Alter Mann. Hässlicher Mann. Bube. Frau mit Mann (Deutsche). Frau. Alter Mann. Schwuler Mann. Frau. Frau. Teenie. Frau mit zwei Kindern. Frau mit Mann.

Ich kaufe ein Glas Senfsamen. Kratze die Etikette ab.

Attraktiver Mann.

Käse auf Band.
Käse ll auf Band.
Käse lll auf Band, Fromage de chèvre.
Paramedi-Brot.
(Paramedi-Brot???)
Tüte mit vier (verschiedenen) Birnenrassen.
Ominöser Beutel vom Meeresfrüchtestand. (Bärenkrebsschwänze?)
AAA-Aceto.
Indischer Basmatireis.

Jagdinstinkt.

Nostrano-Gurken.
Schalotten.
Lingue al Rosmarino.

Was kocht der da zusammen?

Mascarpone.
Salbeiblätter.

Ich krame einen Kaugummi aus den Jeans.

Eine Flasche.
Argentinischer Chardonnay.
Billiger Fusel.
Totale Fehlentscheidung.
Geht gar nicht.

Auch den Hotshot mit den Pferdefiletwürfeln, den sechs (!) ‹Homemade›-Dipsaucen, den obligaten Gläsern Gurken, Maiskolben und Silberzwiebeln lasse ich mir durch die Lappen gleiten. Chinoise ist total passé.
Auch wenn er einen ganz entzückenden Grappa dazugewählt hat.
Und ein Glas mit eingelegten Heringen.
Und ein total Sweet-Ass ist.

Ich bin kurz vor der Kapitulation. Globus auch. Noch 15 Minuten bis Ladenschluss.

Frau im Nerz. Unattraktiver Mann mit Frau. Frau mit Uggs. Alter Mann. Lifting-Chick. Tattrige Frau.

Mann, ca. 35, Dunkelhaarig, Wollschal, Ash-Sneakers. Gestresst. Ein Item auf dem Laufband.

Französische Foie Gras.

Wer kauft französische Foie Gras und sonst nix?
Einer, der schon alles parat hat.
Und das Wichtigste vergessen.

Den schnapp ich mir.

Er hat es auch nicht mehr eilig. Passiert seelenruhig die Brücke, spaziert an der Rio-Bar vorbei, weiter gradaus. Du, ein Kreisnachbar?
Kasernenstrasse, Militärstrasse. Ich hoffe, der plant keine Stadtwanderung. Ich wechsle die Strassenseite. Wir kreuzen verabstandet die Kanonengasse. Die Tellstrasse, die Langstrasse.
Es reicht langsam.
Schöneggstrasse.
Halt, Mann!
Grad vor der Kurve zweigt er tatsächlich rechts ab. Und verschwindet in einem Hauseingang.
Die Tür ist zu.
Sechs Parteien.
Grossartig.
Iranischer, spanischer und bosnischer Name entfallen.
Ein verheiratetes Pärchen.
Einmal WG (oder ‹wilde› Ehe).
Ein Einzelname.
Ich klingle.
Keine Antwort.
Nochmals klingeln.
Keine Antwort.
Die WG.
Klingeln.

Der Türöffner surrt.
Spinnt der?

Alte Holzdielen.
Ich hasse Treppen.
Kein Licht im zweiten Stock.
Da steht er.
Im Türrahmen.

«Na, Foie Gras-Mann?»
«Und wer sind Sie, Madame?»
«Mademoiselle s’il vous plaît»

Ich stelle mich vor.
«Und was verschafft mir die Ehre?»
«Können wir das bei etwas Alkoholhaltigem klären?»
«Bitteschön.»

Zwanzig Minuten später schlüpfe ich in meinen Mantel.
Mit einer Einladung für nächste Woche in der Agenda.
Zum Essen, natürlich.
Und so.

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Jetzt kommt’s aber.

Blog 62, 3. Dezember 2009

«This one time, at band camp.»
Jemand an American Pie vorbeigekommen? Jemand das vaginanaloge Apfelkuchenexperiment («Guys, uh, what exactly does third base feel like?») hinter heimischen Küchentüren nachgestochen? Essen bereitet Freude, Spielen ebenso, und drum lässt sich mit Essen so schön spielen.

Erinnerungswürdig auch die Dreierregel: Weibs-Fakten gehören mal drei multipliziert, Buben-Blabla kann um den selben Faktor dividiert werden.

Letzteres wird so im Raum stehen gelassen. Hingegen habe ich festgestellt, dass den Mädchen beim Sex-Talk ebensowenig zu trauen ist. Im Gegenteil gilt die Faustregel: Je grösser die Klappe, desto weniger klappt‘s.

Die daneben, die schweigen wie eingewinterte Landschildkröten und von denen man sicher ist, dass sie

a) kein Sexleben haben und
(falls doch),
b) garantiert nur Missionarsstellung praktizieren,

sind letztlich die grossen Happy-go-easy-Kommerinnen.

Zu den möglichen physiologischen Hintergründen des Versagens der Poserinnen habe ich bei einer Zürcher Sextherapieinstitutsklinik etwas Reizvolles gefunden.

Die guten News zuerst, meine lieben Frigid-Chicks: Die Himmelspforten stehen (theoretisch) auch Euch offen! Ihr Anorgastinnen könnt durchaus zu Königinnen der Lüste metamorphosieren.

Ohne Ausholen geht es leider nicht:

Die Lust, zu Poppen, oder, akademischer ausgedrückt, «Der Wunsch, Genitalität [sic!] mit dem Erleben von Intimität zu verbinden», basiert bei Männlein und Weiblein letztlich auf dem «Erregungsreflex.» Der wiederum basiert auf einer Kombination von vegetativem Nervensystemezugs (so wie Schwellkörper-Schwellen) und Muskeltonus.

Auf einen einfachen Nenner gebracht: Die, die’s nicht hinkriegen, haben entweder zu wenig Power oder sind, im Gegenteil, viel zu verkrampft. (Gilt übrigens auch für die Männer.)

Und hier liegt auch die Sau begraben: «50% [!] aller sexuellen Probleme stehen in direktem kausalen Zusammenhang mit der Erregungsfunktion».

Hausaufgabenmachen könnte sich also ausnahmsweise lohnen.

Schulbuchmässiger Start durch Analyse des Ist-Zustandes. Nur heisst es hier statt «Bist Du eher der Teint Sable oder der Smokey-Eyes-Typ» sinnigerweise: «Bist Du eher der archaische oder der ondulierende Erregungsmodus-Typ?»

Und wird das abgelesen? An der eigenen Wichsmethode.

Der ‹Archaische Typist eine Art Bewegungsautist. Er stimuliert nur seine tief liegenden Sex-Rezeptoren, und zwar durch «intensives Drücken und Pressen.» Also fast wie Gebären. Nur anders.

Frauen tun ‹es› mittels Pressen der Schenkel (auch gerne mit Kissen, Teddybär etc.), durch kräftiges Anspannen des Beckenbodens [Liebeskugeln-Flashback!] oder indem sie ihre ‹Genitalien› an eine Unterlage quetschen. Zu den bevorzugten Objekten können hier Sofaarmlehne, Bettkante, Badewannenrand und Konsorten gezählt werden.

Jungs daneben klemmen sich das Schnäbi zwischen die Beine, drücken es mit der Hand oder dem Körpergewicht gegen eine Unterlage und pressen mit drei Fingern feste die Eichel zusammen. [Autsch.]

Dabei ist der ganze Körper angespannt, die Atmung geht flach und es dominieren Ruckzuckbewegungen. So kommt der Archaische Typ zwar zack-zack! – aber vor allem mit sich allein.

Mechaniker daneben sind primär männlich und stimulieren ihre oberflächlich liegenden Sexnerven. Auch sie stehen auf raschen Rhythmus bei maximal verkrampftem Körper.
Sie werden je spitzer, desto bewegungsunfähiger. [Flachwichser?]

Die meisten kommen nur, wenn sie ein ganz präzises Ritual befolgen. Bei der kleinsten Störung ist fertig lustig (und  dann muss das blöde Filmli mit dieser bleichen Schlampe mit den geringelten Kniesocken nochmals von vorne angeguckt werden).

Niemanden erstaunt, dass die Mechaniker mit ihrem Hoppelgebumse bei uns Frauen total verpönt sind. (Zitat Simone: «Mann, hast du’s endlich? Dr. House beginnt in zwei Minuten. Und ich will noch ein Stück Cheesecake.»)

Drittens: die Mischtypen aus den obigen Gruppen. Sie operieren mit Dusche, Vibrator oder Kissenficken. Dabei stimulieren sie immerhin die oberflächlichen und die tiefer liegenden Rezeptoren. Aber auch ihnen fehlt’s an der nötigen Lockerheit.

Näher am freien Fall ist der ‹Ondulierende Typ›, der nicht nur an den neuralgischen Stellen, sondern im ganzen Körper spitz wird. Hier sind wir Girls die Discoqueens.

Letztlich doch nicht zum Orgasmus reichte es aber meist, weil die Müskelchen zu lasch sind und die frei floatende Energie drum nicht ‹auf den Punkt› kanalisiert werden kann.

(Ich wette, die Rudolf Steiner-Schüler masturbieren sich durch diese Kategorie. Und Englischwalzer-Tänzer.)

Kaiserkünstler ist der ‹Wellenförmigen Erregungsmodus-Typ›. Er verfügt über den nötigen Power. Und den Trick mit dem total unsexy Namen doppelte Schaukel›.

Dabei werden – wie beim Husten, Lachen Schluchzen [sic!] das Becken und die Schultern «gleichzeitig in der Körperachse bewegt».

Die untere Schaukel› (Beckenbewegung) intensiviert die sexuelle Erregung und die obere Schaukel› (Bewegungen des Oberkörpers) die Gefühlempfindungen.

So kann eine magische Diffusion› von unten nach oben stattfinden, die von oben nach unten rückkanalisiert werden muss.

Und dann macht’s BOOOOOOOOOOOOOOMMMMMMMMMJA.

Voll easy, oder?

Sich in den Mund spucken lassen, um einen Keuchhusten aufzulesen, oder ein Tanzkürsli buchen, um das Ondulieren zu üben, ist sicher ein grandioser Anfang.

Ein paar Pilates-Stunden für die perfekte Bauchatmung könnten auch nicht schaden.
Die zahlt womöglich sogar die Zusatzversicherung.

Ich stelle mir das in der Praxis so vor:

«Ja Baby, gib’s mir! Come-on, Schaukeln-schaukeln-schaukeln!»
«Warte, ich muss noch diffundieren!»
«Jaja, diffundieren, diffundieren!»
«Und rückkoppeln!»
«Genau, ich kopuliere, äh kopple!»
«Ich komme!»
«Es schaukelt! Mir wird schwindlig! Mir ist schlecht!»
«Ich kommeeeeee!»
«Und ich kotzeeeeee!»

* * * * * *

Wer drum findet, er pfeife auf La Petite Mort und mechanisiere lieber archaisch für sich alleine mit sich her und täusche den Rest vor oder hoffe, er sei wenigstens rasch vorbei: Just go for it.

Und wer lieber üben will, melde sich bei mir.

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Hab ich mir gedacht

Blog 61, 26. November 2009

Total Bar. Ich warte mit Sonja auf Simone, die neuerdings unglaublich unpünktlich ist.

Wir nutzen die Zeit mit kugelfreiem Beckenbodentraining. Das geht so: Sobald eine von beiden per Ausruf, Handnotiz oder Fingerzeig eine Zahl benennt, muss sofort zum Beispiel «47!» Mal der verdammte Beckenboden eingesaugt werden. So wie jetzt gerade.

Ich bin bei 23, als Misch zur Tür reinkommt und sich vor uns aufbaut. Ich kann unmöglich gleichzeitig nummerieren und grüssen, Sonja auch nicht und so schauen wir den Misch mit angespannten Kiefermuskeln und zusammengekniffenen Augen an und klemmen um die Wette und irgendwie ist das wie ein doppelter Cyber-Orgasmus im Beisein eines Mannes, der keine Ahnung hat von seinem Glück und Gott sei Dank schon mit ein paar Bieren angefüllt ist und drum nicht schnallt, dass wir etwas very slow sind im Antworten.

«Fertig!»
japst Sonja und schlägt mich damit um zwei Kontraktionen, womit es vier zu sieben steht. Nun drücken wir Misch und entlassen ihn nach weiter hinten, wo ihn die Trinkmannschaft mit mehr gelbem Brautreibmittel erwartet.

Zehn Minuten später ist auch Simone unter uns. Hale-Boppig zur Tür reingeschossen stolpert sie beinahe über ihren viel zu langen Schal in die Arme eines jungen Wollkappenträgers. Des sehr niedlichen jungen Wollkappenträgers, von dem ich gestern erfahren habe, dass er auf dem Weg zum Medicus ist, was hübsch ist (Ärzte sind immer gut, auch da weisse Kitteli halbe Uniformen), aber erst 26, was etwas weniger hübsch, aber immer noch hübsch genug für Augenware ist.

Während sie sich ein paar Nieseltropfen von den roten Backen tupft, fallen die rotweiss gepunkteten Handschuhe und die Angoramütze zu Boden. Sonja bückt sich.

«Kind, wo ist Dein Hirn?»
«Es fehlt am ganzen Menschen.»

Simone ist vor etwa drei Wochen von dieser Welt gegangen.

Zuerst dachten wir, sie hätte die Johanniskapseln wieder angesetzt. Ab und an ist Simone ein wenig stimmungslabil und muss dann gut examiniert werden.

«Warten wir mal ab»,
hab ich gesagt.

Dann hab ich mir ihren iPod ausgeliehen. Neben dem üblichen Simonegemix aus wenig bekannten Pop-Songs, gepaart mit Indie, Singersongwriterstuff, aktiviert Glen Hansard mein Alarmsystem. Elvis Costello bringt das Blaulicht zum Rotieren und bei dreimal hintereinander

«Girl,if you’re wondering
if I want you to (I want you to)
I want you to (I want you to)

I swear it’s true (swear it’s true)
Without you my heart is blue
»

geht der Heulton ab.

‹ER› ist schuld.
Der Typ, den sie an der Reviereröffnung kennen gelernt hat. Unzweifelhaft optisches 1A. Seither sind sie in einem halbwegs stetigen SMS-e-Mail-Facebook-Chat-Kontakt. Gemäss dem, was sie in seine Satzfetzen reininterpretiert, könnte sich durchaus etwas daraus entwickeln.

«Warten wir mal ab»,
denke ich, die das Geplapper unvoreingenommenen Verstandes rezipiert.

‹ER› ist konsequenterweise Simones aktuelles Lieblingsthema. Spricht man sie auf ‹IHN› an (und believe me, das hält nur aus, wem’s nicht grad beschissen geht), straffen sich die Schultern, die Augen weiten und die Stirn glättet sich, ein debilitätsverwandtes Grinslächeln entblösst die schimmerweissen Zähnchen neckisch und das Sprechtempo nimmt um einen Drittel zu. Ein entzückendes Bild. Ihr neu gefundener Positivismus daneben ist unerträglich.

Die Haare frisch gewaschen und sämtliche eventuell störenden immer schön depiliert, hofft Simone nun von Donnerstagabend bis Sonntag in den frühen Morgenstunden, ‹IHM› (halbwegs zufällig) über den Weg zu spazieren und dann würde ‹ER›, wird ‹ER›, ja wird ‹ER› bestimmt, letztes Wochenende ist halt biz dumm gelaufen, dass man sich verpasst hat, aber heute…

«Warten wir mal ab»,
denkt es in mir viel zu laut und ich pappe mir Tesastrips auf den Mund.

Nichtsdestotrotz: Simones Lebensqualität scheint massiv gestiegen. Ihr Schlafbedarf ist von sieben auf beneidenswerte viereinhalb Nachtstunden gesunken. Selbstredend, dass die (einzige) REM-Phase auch ‹IHM› gehört ist. Alles haben ‹SIE BEIDE› in dieser Zeit schon zusammen getrieben; geknutscht, gebadet, gevögelt, geklaut, getanzt, gevögelt, gecubalibriert, gevögelt, gefrühstuckt, gequalmt undsoweiter und wenn sie morgens um halb fünf wieder hellwach im Bett liegt, klopft ihr Herz den Takt der Bewegungen ihrer Hände vor.

Simone hat die Quelle endloser Energiereserven angezapft. Alchemie live.

«Warten wir mal ab»,
denkt es in mir.

Ungerecht fallen sie, die Sterntaler. Als ob ausgerechnet Simone mit ihrer unschlagbaren Flughöhe es noch nötig hätte, lachen ihr Wildfremde auf der Strasse ins Gesicht, räumen im Tram den Sitz für sie frei, schenken ihr Marroni, halten Türen offen und heben mit unglaublicher Dienstfertigkeit all den Krempel auf, den sie ständig verliert und verlauert. Im Ausgang ist sie auch ohne Alkohol total high und nach dem zweiten Drink trägt sie ein fremdes Képi auf dem Kopf und wird von einer Traube elektrisierter Jungs umschwärmt, denen sie tief in die Augen schaut und die sie anstrahlt, wobei sie – total reizunemfpänglich –nur an ‹IHN› denkt. Am Laufband bekommt sie frischgefüllte Flûtes in die Hand gedrückt, wird von Bouncern aus der Reihe gepickt und vorgelassen und in Clubs wegen Drogen angekickt.

Auf dem Laufband hüpft sie, statt zu spazieren wie sich das gehörte, auf dem Heimweg summt sie fröhliche Liedchen und führt kleine interne Pseudodialoge mit ‹IHM›.

Jedes SMS wird vor dem Absenden fünfmal umformuliert, überhaupt fabriziert sie, deren Messages im Schnitt zwanzig Zeichen lang waren, plötzlich Wortgebilde einer die meinige übertreffenden Eloquenz. Ein wenig blumig im Abgang, vielleicht, aber oft träf wie die Schneide meines mit Blut, Schweiss und Hornhaut des nahtoten japanischen Meisters veredelten Gemüsehackmessers.

Mittlerweile habe auch ich ‹IHN› angesichtet. Ordinärintelligent, akzeptabel humorbegabt und alles. Mein Gensatz reagiert aber nicht auf seinen Hormonmix. Und: kleine Hände – schlechtes Zeichen.

«Na? Na? Na? Wie findest Du ‹IHN›? Sag schon! Super, nicht? Süss, nicht? Sag, ja?»
«Nun ja»
,
sage ich und
«warten wir mal ab»
,
denkt es in mir, schliesslich haben wir das allesamt X-mal schon erlebt.

Und zwei Wochen später ist’s irgendwie ausgeträumt, ob er sich einer anderen Option zugewendet oder einfach das Interesse verloren hat, ist nicht eineindeutig und
«hab ich’s mir doch gedacht»
,
denkt es in mir, und ich streiche ihr eine Haarsträhne aus den traurigen Augen, stelle die grosse Tasse Grog vor sie hin und sage
«Austrinken, Mädchen!»

und ein paar Folgen Grey’s Anatomy, wo die Ärzte allesamt sauschön und extrem männlich und super kompetent sind und alle entweder todkrank sind oder beschissene Beziehungen haben und später geht’s ihr schon wieder viel besser.

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True Romance.

Blog 60, 19. November 2009

[Dieser Blog erfolgt gemäss Wunsch von F.Z. aus W. ‹gwundrigis› Frage sei heutemit ebenfalls beantwortet.]

* * * * * * *

Das Blind Date am Dienstagabend im Theater erweist sich als schlaue Idee. Denn der junge Mann gefällt mir auf Anhieb überdurchschnittlich, woran die Flasche Moët, mit der wir unsere Vorstellung im Windschatten der Kirchmauer beginnen, für einmal gänzlich unbeteiligt ist.
Well done, Dani!, denkt es in mir.

Ein nur teilkluger Mann hat mir einst damit die Kappe gefüllt, dass sich die (typischerweise) total verklemmten Schweizstämmigen mit Vorliebe im Kino oder sonstwo treffen, wo nicht geredet werden muss, weil dies umständehalber gar nicht möglich ist.

Er fand das blödsinnig.

Ich finde das grossartig. Erstens kann ich den Unbekannten, der sich plötzlich Arm an Armlehne mit mir in einem abgedunkelten Raum befindet, aus dem Augenwinkel heraus beobachten. Ist das Köpfchen hell? Lacht er, wann er sollte? Beflügelt mich sein Geruch? Reicht sein Geschmack bis zu den Socken? Harmonieren unsere Energiefelder? Kann er still sitzen oder gehört er zur Gattung der Extremitätenvibratoren (dann würde ich mich spätestens in der Pause höflich entschuldigen), versprüht er Charme auf seine Sitznachtbaren rechts und kommentiert er die Extravaganza drei Reihen weiter vorne links?

Nicht auszudenken, wenn während dieser ganzen multidimensionalen Analyse auch noch geschwätzt werden müsste.

Und Dean macht alles richtig.

Und weil wir nicht reden müssen, weil wir nicht können, kann ich mich gaschromatographenähnlich in aller Ruhe auf unsere biochemischen Reaxen konzentrieren. Das Stück hab ich ohnehin schon gesehen.
Und die Vibes, um einen dämlichen Begriff zu bemühen, sind sogar hochqualitativ.

Nach der Pause rücke ich halbwegs unauffällig mein Knie gen‘ rechts. Er bewegt sich nicht. So sitzen wir eine Dreiviertelstunde aneinandergeklebt und ich bin auf gar nichts anderes mehr fokussiert als diesen Unterschenkel in der leicht glänzenden RAL 5004-farbenen G-Star Raw.
Weil das Azuraugenkind (Uniformwirkung; guilty as charged) glücklicherweise praktisch nebenan wohnt, ist es, auch effizienzbezogen kalkuliert, nahe liegend, den Digestif bei ihm einzunehmen.

Nach einer Flasche Rotwein zum ersten Blabla wird es plötzlich in eigenartigen Abständen hell im Innenhof. Schulter an Schulter postieren wir uns mit einem kleinen Feldstecher am Fenster. Ein weibliches Wesen posiert in einem weissen Seidenbademantel auf dem Balkon gegenüber für einen mit Kamera bewaffneten Mann.

Bitzklick-Klickbitz-Blitzkick! Immer wieder pulsiert die Nacht. Sie lehnt im Türrahmen, die Hüfte lasziv nach vorne reckend, dann, am Geländer stehend, rutscht der Bademantel über die Schultern. Sie catwalkt auf den Holzdielen und lässt das gute Stück zu Boden gleiten. Dann verschwinden sie im Inneren, wo das Geblitze in Bälde stoppt.
Weil sie dringend pinkeln muss.

Deans und meine Flasche ist noch nicht ausgetrunken, als er
«zieh dich aus»

sagt. Was ja per se ein unwiderstehlicher Satz ist.

Ich hatte noch nie Sex in einem Zimmer mit einer Hantelbank als (zudem raumbestimmendem) Möblierungselement und was ich als innendekoratrix‘sches Maximal-No-Go bezeichnet hätte, erweist sich als ausnehmend praktisch. Und äusserst stabil.

Als ich zwei Stunden später meine Unterwäsche in die Tasche stopfe, den Zipper meiner Ponyfellstiefeletten wieder hochziehe und durch die Nacht stöckle, schlägt der Kirchturm halb 3. Dummerweise habe ich schon um neun zum Kaffeetrinken abgemacht.

Weil nicht nur ich an Dean Gefallen gefunden habe, sondern Dean auch an mir, beschliessen wir, das mit dem ‹Daten› zu wiederholen. Und weil wir weiterhin keine Lust haben, zu reden und das mit dem Theater passé ist, lassen wir uns etwas anderes einfallen.

«22.18 Uhr Turnhalle Sihlhölzli, erste Toilette links»
schreibe ich Dean zum Beispiel um halb 9. Er hat sich entsprechend einzufinden.

«17.36 Uhr Kantonsschule Stadelhofen, Musik- und Theaterraum»
rächt er sich ein paar Tage später, worauf ich mit
«01.15 Uhr Zoo Zürich, Parkplatz»

kontere.

Da kommt uns aber ein Security mit einer dicken Lampe in die Quere. Nackt ohne Licht im Wald A8-fahren ist aber auch ziemlich lustig.

Sexspot-Spotting macht Alltagswege in der Stadt zu einem besonderen Erlebnis. Wie klettere ich am besten auf dieses Baugerüst? Wann ist der See so temperiert, dass aufs Badi-Enge-Floss rausgeschwommen werden kann? Wie lange bleibt die S7 im Depot in Hinteroberwinterthur? Wie sind die Kundenströme in den Garderoben der grossen Kaufhäuser? [Special Tipp: Jelmoli Sportabteilung, Samstagmorgen, 9.45 Uhr.]

Auf der Liste meiner All-Time-Best-Of hält
«21.58 Tiefenbrunnen, Männergarderobe.»

einen Podestplatz.

Eine sternenklare Vollmondnacht. Kalt. Zuerst. Weiter vorne der Sprungturm. Dahinter die Lichtlein des linken Seeufers. Wie der Spaziergänger mit dem Hund eingebrochen ist, ist magischähnlich schleierhaft. Die Umkleidekabine. Das Geländer. Die Holzbank. Wären Dean oder ich romantisch veranlagt (oder würden auch gern reden) wäre das der einzige valable Ort für einen Heiratsantrag.

Ein paar Mal später haben Dean ich uns getrennt. Was gut schmeckt, soll nicht ausgelutscht werden, hab ich gesagt und auch hierin waren wir uns ohne grosses Gerede einig.

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Regionallust.

Blog 59, 12 November 2009

[Dieser Text ist auf Wunsch von D. R. aus 8004 Zürich entstanden.]

* * * * * * * *
PROLOG:

But that false fruit
Far other operation first displayed,

Carnal desire inflaming; he on Eve

Began to cast lascivious eyes; she him
As wantonly repaid; in lust they burn:
Till Adam thus ‚gan Eve to dalliance move.

(John Milton. Paradise Lost.)

* * * * * * * *

Die beste Metzgerei liegt leider nicht auf Stadtgebiet, sondern im goldufrigen Küsnacht, wo das Haushaltsetat für die entsprechenden Fleischesgelüste das der Normalverbrauchenden um ein Mehrfaches übersteigt. Wenn man sich derart ungern ausserhalb der Stadtgrenze bewegt, tut auch die Metzgerei am Züriberg höchsten Ansprüchen Genüge.
Seit Wochen stehe ich nun im Dreitagerhythmus in jener Fleischbank und sauge den Duft frisch abgehängter Sauen, Lämmer, Rinder und Kälber in meine Lungen.
Im Moment hat es mir das Bündnerfleisch gerade besonders angetan.

«Sie. Heisst es eigentlich ‹ein Laib› Bündnerfleisch?»
«Wir sagen einfach Bündnerfleisch ‹am Stück›.»
«Aber darf ich ‹ein Laib› Bündnerfleisch sagen?»
«Sie dürfen auch ‹einen Laib› Bündnerfleisch kaufen; ja sogar mehrere.»
«Für’s erste würde mir ‹ein Laib› Bündnerfleisch gerade reichen.»
«Na dann darf ich Ihnen ‹einen Laib› Bündnerfleisch reichen?»
«Hmm. Ich warte mal noch ein wenig.»
«Dann darf’s auch heute nichts anderes sein?»
«Danke, mir steht der Sinn nach ‹einem Laib› Bündnerfleisch.»
«Wild wäre grad brandaktuell.»
«Ich hab keinen Bock auf Hirsch, Mann!»
«Nun denn – bis übermorgen, Frau Tonet. Wollen Sie noch ‹ein Redli Wurst› probieren?»
«N e e e i i n !»

Jedes Mal das gleiche, Scherzkeks.

Bündnerfleisch ist klasse. Nur die allerbesten, allerfrischsten, auserwähltesten Muskelstücke von herrlichen, jungen, potenten Rindchen werden – mit allersorgfältigster Spezialbehandlung – zu festen, harten Leibern verzaubert. Dabei bleibt Bündnerfleisch trotz intensivem Drücken und Pressen zart und saftig, die blutige Flüssigkeit verteilt sich perfekt im Inneren. Ausgereifte Meisterstücke.

Bünd-ner-fleisch.
Zuerst ein Kussmund. Dann ein kehliger-hauchender Laut, bevor die Zunge – ganz kurz nur – die Zähne touchiert, um sich sogleich wieder zurückzuziehen und die Lippen beim «Schhh» erwartungsvoll geöffnet zurückzulassen.

Vierzehn Tage und etwa vier Besuche später.

«Grüäzi. Einen Laib Bündnerfleisch, gerne.»
« Frau Tonet! Aber gern doch – endlich!»
«Tja, gut Ding wollt Weile haben.»
«Welches Stück hätten Sie denn gerne? Das hier?»
«Nö. Ich will das da hinten. Das lange, dicke.»
«Natürlich. Das wären dann 35 Zentimeter.»
«Vitsch bien.»

Nach einer kurzen Fahrt in einem nach billigem Zitrusmix-Tannenbaum stinkenden Taxi sind wir endlich bei mir zuhause. Ganz allein zu zweit.

Als erstes befreie ich das arme Ding von seinem Vakuumkleid.

Wow. Der Laib Bündnerfleisch duftet grandios. Würzig. Herb. Männlich. Und fühlt sich wahnsinnig an. Sorgfältig lasse ich das Ding wieder auf den Tisch gleiten.

So ein Laib kann einfach so dastehen. Oder da liegen. Stundenlang könnt man sich in stiller Kontemplation nach dem Verzehr verzehren. Er ist sich selbst genug.
Beinahe.

Ich rieche am Salz auf meiner Haut. So ein Laib Bündnerfleisch liesse sich auch ablecken, anknabbern, abfotografieren, abhobeln, mit Honigsenf eincremen, zerstückeln, zerhacken, zerfetzen…

Besonders mag ich Bündnerfleisch in grossen Stücken, an denen man – an jedem einzelnen – stundenlang lutschen und rumkauen kann, bis am Ende ein weissliches Fasermuster übrig bleibt, das je nachdem auch ausgespuckt werden kann.

Aufregung. Weiss ich zwar, wo das Abenteuer uns hinführen wird, ist der Weg zum Himmel doch sehr vieltreppig. Ich greife zum Messer und eröffne das Gefecht. Stunden dauert der sinnliche Kampf.

Dann bin ich fertig mit dem Laib Bündnerfleisch. Und er auch.

Da wächst nichts nach. Und auch sonst hat so ein Laib Bündnerfleisch durchaus seine Nachteile. Man wird ihn nicht mehr restfrei los. Nur unter Einsatz von Zahnseide.

Das war der Anfang meiner Tour de Suisse.

Weiter geht es via Waadtländer Saucisson über die St. Galler Brat- bis zum Finale Grande: der Berner Zungenwurst.

Und zwischendurch das eine oder andere Basler Läckerli.

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Männer(körper)welt.

Blog 58, 5. November 2009

Wer mich kennt, weiss: Madame steht auf Uniformen. Ob es mit unserer staatsverbrieften Gewaltentrennung oder mit meiner (prä-inseminierten) Vergangenheit zu tun hat – I neither know nor care. Leider gibt es hierzulande kaum welche von den iLike-Navy-Matröschen. Aber ich versteife mich auch leicht in alle anderen Schutzbefehlenden, die mit ihren grauen, blauen, ja vor allem schwarzen (bloss keine Camouflage!) Berufsgewändern und den rätselhaften Codierungen mittels Streifchen, Bändern, Nudeln, Aufnähern, Ansteckern und womöglich sogar Medaillen diesen immensen Liebeskugeleffekt auf mich ausüben.

Selbstredend, dass ich RSS-Feeds der Medienmitteilungen von Stadt- und Kantonspolizei (aka die potenteren mit den hübscheren Uniformen) abonniert habe und drum nicht nur weiss, wann welche Strasse gerade gesperrt wird, wo Enkeltrickbetrüger Alte ausnehmen oder Dackel in den Flüssen absaufen, sondern auch, dass an der Urania-Hauptwache vor ein paar Monaten eine ‹Fachstelle für Feedbackmanagement› (FBM) institutionalisiert worden ist.

Als unmotorisierte und tagsüber meist gesetzestreue Bürgerin komme ich leider kaum in Konflikt mit dem Staat und in Kontakt mit den netten Herren in der aphrodisierenden Kluft mit ihren schicken  Accessoires. Diesem Glück muss nachgeholfen werden.

Und da konstruktive Kritik immer willkommen ist, verlange ich am Mittwoch kurz vor Mittag am Empfang der Giacometti-Halle die werten Herren des FBM zu sprechen.
Die Stelle beantworte eigentlich primär Briefe, Mails und Telefonanrufe, heisst es. Weil ich aber kein Jota von meinem Plan abweiche, Dienstleistungslevel nun mal Dienstleistungslevel sein soll und es sich bei mir zudem um einen verkappten 20-Minuten-Fuzzi auf Testbesuch handeln könnte, greift die vereidigte Empfangslady zum Hörer und innert sehr effizienter Frist werde ich abgeholt und nach oben geleitet. Dutzende umwerfende Polizisten in grossartigen taubenblauen Jacken mit taubengrauen Baumwoll-Baggie-Pants kreuzen unseren Weg und besamen meinen Hormonhaushalt. Schliesslich streckt mir ein Tom D. [Name aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen geändert] eine schlanke, kräftige Hand hin und fragt nach meinen Wünschen. Wenn der wüsste.

Ich placiere eine formvollendete Reklamation gegen den Imbécile, der meine liebste Bar am letzten Samstagmorgen lärmverklagt hat. Dabei hatte ich mit dem Mann im Pyjama eine ausnehmend nette Diskussion vom kleinen Zugangsweg über die Hecke hinweg zu seinem Zürisackbalkon. Meinem Empfinden nach hatten wir uns auch ohne einen Hausbesuch meinerseits gütlich geeinigt. Und dann alarmiert die linke Sau trotzdem die Schmier und plötzlich stehen vier gottähnliche Gesetzeshüter im Raum, was mich in einen üblen Interessenkonflikt stürzt.

Tom D. notiert mit gerunzelter Stirn brav mit, oder tut zumindest so. Schliesslich schaut er mich seufzend an.

«Und Ihr Anliegen an uns, Frau Tonet?»

Strategiewechsel.

«Ich bin dezidiert der Ansicht, dass die uniformierten Einsatzkräfte in der Stadt total unterdotiert sind. Es braucht eine massive Verstärkung der sichtbaren Präsenz! Gerade für Frauen ist dies eminent wichtig, wegen des …äh, Sicherheitsgefühls.»

Er zieht nun beide Brauen hoch, das Kinn senkt sich Richtung Kehlkopf. Ich setze meine grabredenernste Miene auf und versuche gleichzeitig, mit den Wimpern eine Bach-Fuge zu klimpern.
Als er zur Replik ansetzt, klingelt sein Telefon. Ich erlaube ihm queenelisabethanisch (in der Hoffnung, einen brisanten Fall mitlauschen zu können), mir seine Aufmerksamkeit zu entziehen

Dass Tom D. in Zivil im Büro sitzen muss, grenzt übrigens an eine Frechheit.

«Samstagmorgen passt. Um neun?»
Ein halsbrechender, langhändig geplanter Spezialtruppeneinsatz?

«Nee du, ich geh lieber an die Geräte.»
Geräte? Was für Geräte? Schiesskeller? Auch gut!

«Ausdauer können wir ja noch anhängen.»

Irgendwann begreife ich, dass Tom D. sich grad für einen Workout im Fitnesszentrum verabredet. Im Laufe des Gesprächs wird mir auch klar, wo das Drilldich-Rencontre stattfinden soll. Stadtpolizist Tom D. in Trainingskleidern (mit Firmenlogo!) –  mit Garantie ein adretter Anblick.

Statt am Samstagmorgen um sieben direkt ins Bett zu kippen, trinke ich in einem Kafi einen Cappuccino, überschminke meine Augenringe und putze die Zähne mit einem Zitronenschnitz. Punkt acht Uhr durchschreite ich die Wärmewelle der Globus-Eingangstüre. Ist das ein Fitty? Globus verbinde ich mit Essen und Shoppen, deshalb ist mir hier die Szenerie nicht ganz klar… Die schwarz-dunkelvioletten, very fancy Reebok werden wohl nur einmal meine Füsse zieren, aber egal. Auch ein Handtuch und ein sauberes T-Shirt finden den Weg in meine Tasche. Raus aus dem Konsumtempel. Es bleibt genügend Zeit für einen zweiten und dritten Cappuccino, bevor ich um Viertel vor Neun einen Einzeleintritt in die tomsche Formfabrik löse, wo etwa fünfzehn Durchgeknallten bereits das Salzwasser aus den Poren läuft. Igitt.

Ich positioniere mich strategisch neben der einen oder anderen Oma und vor den zwei Schwulen auf einem dieser ‹Supersusis-machen-hier-biz-auf-easy-peasy-fürs-Gewissen-und-den-been-here-been-seen-Effekt›-Fahrrädern. Damit meine Schuhe nicht brandneu ausschauen, habe ich mir vorhin etwas Salatsauce vom Buffet auf die Kappen geschmiert und einen Kaugummi in die Sohle eingeknetet.

Von hier aus hab ich tollen Ausblick. Als mir gerade ein erster Schweisstropfen auf das Schlüsselbein rinnt (es könnte auch die Restanz eines Bieres, das mir jemand im Verlauf der Nacht angeleert hat, sein), taucht Tom D. auf, begleitet von einem ähnlich muskelsehnigen, hellhaarigen Skaterboy. Vor lauter Gucken vergesse ich zu pedalen.

Wie vorausgeahnt, klettert Tom D. (Blondie wartet, wie man das unter Fight-Club-Buddies so macht, nebenher) bald auf einen dieser Schulter- und Rückenmuskulatur-Trainingsgeräte, eine Art unterstütztes Klimmzug-Dings.

Rauf und runter. Rauf und runter. Rauf und runter. Rauf und Runter. Die straffe Haut unter dem hellgrauen Tanktop ist noch immer leicht gebräunt.

Wow. So eine perfekt geformte Hinteransicht gab’s noch nie. Alles spannt und löst sich; der Latissimus dorsi in harmonischer Antagonie mit dem Teres major!
Wowowow.

Auch die perfekte Kollaboration von Supraspinatus mit Teres minor, Infraspinatus und Subscapularis ist ein einziges Blake-Gedicht.

Ich verliere mich total in diesem Wunder der Natur, mein ‹Fett-Weg-Programm› ist längst abgelaufen und ich trete im Leerlauf weiter.

Plötzlich scheinen sich Toms Muskeln zu verselbständigen, ich sehe nur noch überall Zucken und Senken, seitlich verschwindet was, dafür wächst oben aus dem Schulterblatt etwas anderes hervor, Plipp! rechts, Plopp! links, ein Blähen unten, ein Strecken oben und plötzlich muss ich an Gunter Hagens Lederveston denken und wie er diesen Wahnsinnsrücken abhäutet, die pumpenden, kontrahierenden Muskeln freilegt und nach seinem Präparationswerkzeug greift; weg sind das graue, nassgeschwitzte Shirt und die gebräunte, bläulich tätowierte, weiche Haut, gelbweiss und dunkelrot ist Tom D., eine spasmische Masse, eine einzige blutige, blutende Maschine, die auf-ab-auf-ab-auf-ab-auf-ab…

Ich falle beinahe vom Rad und kotze die drei Kaffee und die schätzungsweise vier Gin Tonic und drei Prosecco halb neben den Behälter für die Papiertüechli, mit denen die Gerätschaften aus Hygienegründen nach Verwendung entkeimt werden müssen.

Ich huste den Rest in den Eimer, wische mir den Mund mit dem Handrücken ab und desinfiziere meine in Mitleidenschaft gezogenen neuen Sneakers.

Schon besser.

Ich sehe mich nach Tom D. um. Er arbeitet mittlerweile weiter vorne an seinen ‹Abdominals›.
Mit genüsslichen Schraubbewegungen.

*******

PS: wer das schlauste nächste Blogthema/die schrägsexieste Story  inputtet (an dani.tonet ät gmx.ch), wird nächste Woche ins illegale Restaurant ausgeführt.

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Leftovers.

Blog 57, 29. Oktober 2009

Simone hat Paulo in der Grubenstrasse kennen gelernt. Es ist gegen drei Uhr morgens, sie will gerade gehen, als er plötzlich mit zwei Kollegen auftaucht. Weil sie an den grossen, moccabraunen Augen kleben bleibt, überredet sie sich, zu bleiben, verabschiedet sich von ihren Freundinnen und steuert mit einem frischen Glas Vodka/Süssmost gradlinig auf ihn zu.

«Chin-Chin.»
Das Eis bricht.

Simone und Paulo sinken ineinander ab, vertiefen sich in einem Gespräch über Nebensächlichkeiten, von dem sie am nächsten Tag nur die Hälfte memorisieren kann, teilweise infolge akustischer Hindernisse und ihrem beträchtlichen Alkoholisierungsgrad, aber auch, weil sie sich überhaupt primär darauf konzentriert hat, wie Paulo sich bewegt, artikuliert und wie seine Augen dabei leuchten, als darauf, was dabei herausgekommen ist.

Logo fragt Paulo nach ihrer Nummer, aber Simone lächelt eleusinisch und meint, in Zürich treffe man sich ohnehin früher oder später wieder. So trennen sich ihre Wege auf unbestimmte Zeit. Simone entschwindet in einem Taxi, ohne dass Paulo die Adresse mitkriegt, die sie dem alten Türken nennt. Er geht zu Fuss zum Goldbrunnenplatz.

Drei Wochen sind sie nun schon getrennt und Simone zweifelt bereits latent an ihren eigenen Worten. Dann aber berühren sich ihre Umlaufbahnen am nachtschwangeren Freitagmorgen unter der Autobahnbrücke.

«Du hast Dir ganz schön Zeit gelassen.»
«Du hast am falschen Ort gesucht.»
«Selbstbewusst am Rand der Selbstüberschätzung. Wer sagt, ich hätte gesucht?»
«Niemand. Aber Du schaust drein, als hättest Du gefunden.»

Auch nach dieser Nacht schieben sie lediglich ihre beiden Fahrräder den endlosen Weg der Limmat entlang zurück. Simone verabschiedet sich beim Platzspitz.

«Bis… irgendwann.»
«Ja, bis irgendwann. Bald.»

Erst fünf Tage später findet Zuzana in der Tasche von Paulos Jeans den Zettel mit Simones Natelnummer. Gut sichtbar deponiert sie ihn auf den Herd.

Er schilt sich halblaut einen verdammten Idioten und schreibt Simone – es ist schon weit nach Mitternacht – ein SMS.
«Der Diamant von einer Putzfrau hat Dich heute morgen gefunden.»

Am Donnerstag treffen sie sich auf eine Flasche Pollerhof im Piazza. Es ist schon ziemlich spät, als sie durch den Nieselregen nahe nebeneinander Richtung Innenstadt spazieren. Paulo ist happy. Noch ist alles offen. Das Bier in der leeren Spelunke an der Ecke Hallwylplatz, deren Name sich Paulo nicht merkt, korreliert zwar negativ mit der Präsentation, die er am nächsten Morgen halten muss, aber für Bedenkenzeit ist es ohnehin zu spät.

Simone daneben hat schon nach dem ersten Glas des hellgrünen Österreichers auf der Toilette ihre goldene botswanische Münze in der Luft tanzen lassen. Sie ist nicht auf das Rhinozenross, sondern auf das Staatswappen gefallen und sie hat gelächelt.

Paulo hat bereits aufgehört, damit zu rechnen und zudem ist das dämliche PowerPoint noch nicht ganz fertig und überhaupt ist es tami spät, als sie es sagt.

«Du kommst zu mir.»
Wenn es auch definitiv keine Frage ist, hört es sich doch nicht an wie ein Imperativ und Simone wohnt, zudem alleine, auch grad an der Morgartenstrasse.

«OK»,
denkt sie zwei Stunden später, als sie aufsteht und zur Toilette geht,
«das war ja nun leider wirklich nicht der Hammer.»

Ob Paulo anders empfindet, ist nicht auszumachen, aber als er die Schuhe anzieht, ist sie ein wenig froh, dass er nicht gefragt hat, ob er bleiben dürfe oder solle.

Schon am Sonntag aber treffen sie sich nochmals, wo, weiss ich nicht mehr, und Paulo ist plötzlich wieder in ihrer Wohnung, ihrem Schlafzimmer, in ihrem Bett und diesmal viel forscher, es muss am Pollerhof gelegen haben, oder das Bier war doch zuviel und überhaupt ist eine Sache mit Entwicklungspotential letztlich spannender als Knabenschiessen und Mariä Himmelfahrt zusammen und nächstes Mal nur noch Auffahrt und dann gleich Fronleichnam.

Als Paulo Anstalten macht, zu gehen, zieht Simone ihm die Shorts wieder aus.

Später benutzt er zum ersten Mal ihre Zahnbürste mit.

Irgendwie geht das dann einfach so weiter und ist so weit, so gut. Wenn Simone und Paulo auch kein Pärchen sind, hat das Ganze etwas angenehm Beziehungsverwandtes. Langsam fügen sich Steinchen zusammen, man geht ins Kino oder beugt sich beim Katerfrühstück gemeinsam über eine Sonntagszeitung. Auch Paulos WG-Gspänli Mikael findet Simone recht cool.

Meist übernachtet Paulo aber bei Simone: keine Rücksicht auf Lärmbelastung nehmen zu müssen, macht die Sache eben doch einfacher und für sie ist es auch vorteilhafter, wenn sie nicht die ganze Kosmetikscheisse jedes Mal hin- und herzügeln muss.

Eines Tages bringt Paulo allerdings Gepäck mit. Eine gelbe Zahnbürste.
Die liegt am Abend, als Simone von der Agentur heimkommt, noch immer auf dem Lavabo.

Sie dreht den postgelben Eindringling mit den schwarzweissen Borsten, brandneu, erst zwei Mal benutzt, irritiert in den Händen. Schliesslich stellt sie das Ding in ihren Spiegelschrank, ständig im Augenwinkel mag sie es irgendwie doch nicht haben, wenn auch sie regelmässig sämtliche Körperflüssigkeiten austauschen.

Wann immer sie den Schrank öffnet, fällt ihr Blick nun auf die gelbe Zahnbürste rechts oben. Ein Token. Ein Symbol. Ein fremder Besitz. In ihrer Wohnung. Ein erster Schritt zum Zweitschlüssel? Simone schliesst den Schrank.

«Hoppla!,»
spöttelt Sonja, der aber auch gar nichts verborgen bleibt,
«jetzt aber! Es gilt Ernst!»

«Quatsch. Ist letztlich eine Frage der Hygiene.»
Simone kontert zähneknirschend.

Wochenlang wohnt die ‹Tigerente› in Simones Badezimmer mit. Mal steht sie an ihrem Platz im Schrank, mal schmiegt sie sich sogar im Zahnglashalter an Simones eigenes, perlweisses Bürsteli. Und mehr oder weniger regelmässig kommt sie auch zum Einsatz. Manchmal freut sich Simone sogar ein wenig über den gelben Griff, der aus dem Glas ragt und sie an die Moccaaugen denken lässt.

Als dann, irgendwann später, jemand anderes, mit andersfarbigen Boxershorts und grünen, höchstens grünbraunen, Augen in ihrem Bad steht, ist Simone versucht, ihm die gelbe Zahnbürste hinzustrecken.

Aber irgendwie schafft sie es doch nicht und stopft sie statt dessen zwischen ihre wimpertuscheschwarzen Wattepads in den Mülleimer.

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Sternstunde

Blog 56, 22. Oktober 2009

Im Zweifelsfall entscheide ich, meiner genetisch determinierten Vernunftbegabung zum Trotz, immer zugunsten der Form. Und ich bin zwar emotional und ideell technophil, in der Praxis aber meistens totally lost. Heisst, ich brauche (liebstens männliche) Unterstützung für die Aktivierung meiner Zünden-Drücken-Drehen-Ölheizung, aber auch, um den schon wieder verloren gegangenen Radiosender oder den Timer der Waschmaschine zu programmieren.

Die Verweigerung hängt durchaus auch mit dem Mangel an Ästhetik zusammen.

Welch Lichtblick war deshalb der Markteintritt des kleinen ‹i›! Hoffnungsvoll warte ich nun auf iBeamer, iElektrozahnbürsteli und, wenn wir grad dabei sind, auch iVelopumpe und iHILTI; Bohren ist schliesslich schrecklich sexy.

Digitalisierung ist grossartig. Ausser in der Fotografie. Tausend Mal straffrei knipsen – das macht jeden Idioten zum potentiellen Paparazzo-Casting-Teilnehmer. Kurz umentschlossen hab ich mir deshalb im Internet zwei alte Kameras gekauft; eine Kodak Instamatic 100 und den grossen Bruder 333. Strahlend stelle ich die zwei auf die Theke von Zürichs renommiertestem Fotoladen.

«Läck isch die Frau futzdumm.»
mag er sich zwar denken, ist aber meinem Kinderaugenleuchtencharme völlig erlegen und belehrt mich, dass, leider Gottes, weder Batterien noch Filme für «antike Gschwüre wie diese» noch existieren.

«Antike Geschwüre? Erlauben Sie mal! Die sind maximal so alt wie ich!»
«Nun ja, Mademoiselle, im Kamerazeitalter ist das leider SEHR alt. Bei Ihnen hingegen…»

«Und … was mach ich jetzt?»

Er klettert ins Schaufenster und kramt eine Rollei 35 T, Made in Germany, hervor. Die 25 Mal soviel kostet wie meine beiden offenbar unnützen Lieblinge zusammen.

«Aber Sie! Das ist keine Instamatic. Da hat’s hundert Dinger dran zum Drehen!»
«Natürlich, meine Liebe
[sic!]. Blende und Belichtung.»

«Vergessen Sie’s!»,

sag ich, das schwere, eckige, metallige Wahnsinnsding elektrisiert in den Händen drehend.

Die wogenden Emotionen schwappen flux auf den schnuckeligen Verkäufer, der nun – extra für mich! – dem Baby eine Batterie einlegt und mir mit bewundernswerter Seelenruhe en detail mindestens drei Mal erklärt, wie ich links (denn Sie müssen nur den Nippel) wegen Verwackelungsgefahr 60 irgendwas einstellen (und mit der kleinen Kurbel) dann rechts so lange drehen muss, bis die Kelle auf der Oberseite mit dem (Licht?)Messer übereinstimmt. Das Beste: Mit dem Blitz, den er quasi mitschenken würde, braucht’s die ganzen Knöpfe nicht.

Ich bin total geflasht.
Und restfrei überzeugt.
Und will das Teil grad mitsamt dem Mann heimnehmen.
Und habe aber ein Date mit Markant.
Und hüpfe drum happy aus dem Laden.

Und setze die Kamera auf Dani Tonet’s Wunschliste

Ja! Ich will:

  • täglich frische Aal-Sushis, auch wenn die grad aussterben,
  • dass auf dieser Welt Frieden herrscht und alle Kriege sofort aufhören,
  • ein Schuh-Abo von Christian Louboutin,
  • dass keine Frauen mehr beschnitten oder gesteinigt werden,
  • dass Heidi Klum ihr Schwangerschaftsfett fünf Jahre lang nicht runterkriegt,
  • dass es genug Arbeit für alle Menschen gibt,
  • dass sich meine Bettwäsche von selber wäscht und wechselt (oder dafür ein Gentech-Tier abgerichtet wird),
  • dass die Umweltverschmutzung aufhört und sich unser Planet erholt,
  • dass ich mit Pudelblut Action Painting üben kann,
  • dass die Folter abgeschafft wird,
  • 474 Nagellacke im Kühlschrank, die niemals eintrocknen,
  • dass alle Menschen immer genug zu essen haben,
  • dass Martina Hingis bei mir daheim auf MDMA Pole-Dance übt,
  • dass die Gorillas nicht aussterben,
  • einen dunkelhäutigen, muskulösen Masseur, oben ohne mit weissem Tuch um die Lenden, der nach getaner Arbeit wieder im Schrank verschwindet und keinen Mucks macht,
  • dass AIDS vollständig heilbar wird,
  • dass ich mich von Mittwoch bis Sonntag von Austern, Taittinger und Mohrenköpfen ernähren kann,
  • dass es keine Rassendiskriminierung mehr gibt,
  • dass Mämä mir lebenslänglich ‹entry on demand› gewährt,
  • dass es keine Kindersoldaten mehr geben muss,
  • dass sich Robert Patterson und Mark Wahlberg darum schlammcatchen, wer (zuerst) mit mir Sex haben darf,
  • dass alle Menschen genügend Geld haben,
  • einen frisch geduschten jungen Glarner Alpkäser,
  • dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben,
  • eine eigene Nerz-Farm,
  • dass es keine Kinderprostitution mehr gibt,
  • dass Sven Epiney zwei Mal täglich bei mir abstaubt,
  • dass Waffen nur noch im Museen hängen,
  • drei Flaschen Pimm’s in Flims mit Kaminsims.
  • dass dumme Menschen keine Kinder mehr kriegen können,
  • eine Rollei. Und zwar schnurstracks. Und nicht für 500 Stutz.

Ich jage meinen Mac quer durch die Onlineangebote. Auch auf privatmarkt.ch speise ich ihm ‹Rollei 35 T› ein. Da, spuckt das Schätzchen was Komisches aus: Das Bild eines weissfleischigen Männerkörpers (Américaine, aber kopflos) mit einem genitalen Zensurbalken.

Hallo, Rollei??

Titel: «Büro blowjob»

Hallo, Rollei??

Text:
«
Ich muss leider noch bis um 17:30 im Büro sitzen.
Ich arbeite in einem Grossbetrieb in der Stadt ZH.
Ich suche ein Dame die zu mir kommt, mir einen
Blowjob verpasst und wieder geht.
Bin 35 jährig 177cm 72kg blond und wenig beh… »

Weiter geht’s leider nicht. Vielleicht, weil ihm das Ding schon abgegangen ist, bevor er fertig töggelen konnte.

Und ich denke nur: http://tinyurl.com/danitonet1

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Französisch, s’îl vous plait.

Blog 55, 15. Oktober 2009

Herr D.C. aus dem ländlichen Luzern hat mich gebeten, zur Abwechslung doch bitte mal wegzukommen vom Monothematismus und über etwas mehr ‹Gesellschaftsorientiertes› (wie vage!) zu schreiben.

Nun denn.

Wir werden immer dicker.
‹Unseren› Kids wird in der Primarschule mittlerweile – nach sämtlichen transirgendwasfetthaltigen Vanillegipfeli – sogar die (kariesfördernde!) Banane verboten (ob sie den Aufklärungsunterricht entsprechend mit Dildos machen?).

Seit ein paar Jahren fallen mir aber die vielen Vierzehnjährigen in engen Röhrlijeans auf, denen Fettwülstchen über den Hüften hervorquellen und ‹Bäuchlein› vornedran hängen, die mit den (auch die sind wenigstens stetig gewachsen) Brüsten locker konkurrieren.
André Reithebuch hat sich kürzlich im 20Minuten als Mr. Reitheranzen präsentiert (obwohl Miss Fäh ja geradezu dazu reizte, den Magen zu entleeren).

Neben klassischem Fehlverhalten wie Alkoholexzessen von Donnerstagapéro bis Sonntagafterhour gibt es eine ganze Reihe soziokultureller (for you D.C.!) Faktoren, die die Adipositionierung der Industrienationen vorantreiben. Als da wären ausschliesslich sitzende Tätigkeiten, Bewegungsfäule, Computergaming, Nahrungsaufnahme als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung, Portionengrössen, Glutamat, Mangel an alternativen Produkten etc.

Aber all das interessiert ja nicht.

Die einzige Nation (ausserhalb der Caritasländer natürlich), die noch erfolgreich schlank ist, sind offenbar die Franzosen. Oder hat jemand grad eine fette Franzfrau zur Hand? Mir fallen nur Carla Brunis Schlupfwarzen in der Comte-Ausstellung ein.

Mireille Gulliano behauptet, es genau zu wissen. Und an der ist nur das Portemonnaie dick. Mit French Women Don’t Get Fat hat sie den Nerv von Millionen (Frauen?) getroffen. Der simple Dünnwerden/Dünnbleiben-Französinnentrick ist zudem super simpel: Schlaf. Schlaf, Schlaf und nochmals Schlaf.

Die 10 Schrittchen zur ultimativen Schlankschönheit sind:

«1. Move, move, move during the day!»
Beweg Deinen Arsch, Mädchen. Damit Du abends zur Sau bist. Eine lausige halbe Stunde Yoga oder Nordic Walking (wie sexy!) täglich – und du fällst so was von tot ins Bett!

«2. Stay away from stimulants»
Nulldiät in Bezug auf Koffein, Nikotin, Alk. Denn das Trio schlägt auf die Nerven. Und wer aufgekratzt ist, kann – Pädäräbäm! – natürlich nicht schlafen. (Die Autorin ist wohl noch nie im rauschkomatös irgendwo rumgelegen).

«3. Try to go to bed and wake up at the same time every day.»
Fühle dich bei dir daheim,
gänzlich wie im Erziehungsheim.

«4. Reserve the bedroom for sleeping only.»
Heisst, kein Essen zwischen den Kissen, kein TV-Glotzen, kein Loungen. Ficken bitte nur morgens. Ja, denn nur Männer schlafen ‹danach› wie Götter, Frauen sind so richtig aufgedreht und wollen reden, reden reden.
Und reden macht fett.

«5. Herbal teas work magic.»
Überhaupt besteht Alkohol aus reinen Kalorien. Kamille, ‹wohlriechendes› Eisenkraut und Fenchel beruhigen dagegen herrlich. Dass man nachts vielleicht drei Mal aufsteht, um zu pissen, macht‘s sogar noch besser. Denn hey: Bewegung macht müde!

«6. Turn off the lights earlier
Licht sagt dem Hirn: Achtung, Action! Drum: aus damit. Meinen nervigen Kanarienvogel hab ich damit gekillt, dass ich das Tuch über seinem Käfig eines Morgens vergessen habe, wieder wegzumachen.

«7. Turn off the computer and TV at least a half hour, but preferably an hour, before bedtime.»
Voll easy. Da du ja um sechs aus dem Büro gehst, um die Häuser walkst und um acht ins Bett gehst, bist völlig du de-elektromagnetisiert.

«8. If you can’t sleep for a full half hour, get up and read a book or listen to soothing music for a little while. »
Bloss nicht liegen bleiben und sich zum Schlafen zwingen, das strengt die Nerven an. Und dafür gäbe es bessere Mittelchen. Die sind allerdings verboten.

«9. Avoid having a very large meal before bedtime
Dinner Cancelling olé. Denn wer nicht isst, weil er/sie pennt, wird doppelt dünn.
Nouvelle Cuisine ist so yesterday!

«10. Create an environment that is conducive to sleep »
Am besten was Zappendusteres. Ein privater Samadhi-Tank oder ein Sarg.
Mit einer Plastiktüte über dem Kopf schläft es sich übrigens besonders lang.

That’s it. Full metal Jacket. Die ganze Chose. Des Pudels Kern. Dieser Brunz wurde in 37 Sprachen übersetzt, über eine Kiste mal verkauft und war New York Times #1 Bestseller.

Ok. Die Französinnen mögen, obwohl sie die höchste ausseramerikanische Mc-Donalds-Dichte ihr Eigen nennen, nicht fett sein.

Aber wer will eine Frau, die zwar dünn ist, dafür clean, asexuell, vor dem Schlusssignet Tagesschau am Ende, dafür morgens um sieben Uhr schon tipptoppfit und die literweise nach Scheisse riechende Teekannen in sich hineinleert und Nordic Walking-Stöcke im Entrée deponiert?

Laetitia Casta schwebt kurz durch meine Gedanken, als nacktes Dornröschen auf einem hellblauen Himmelbett, bis auf die Knochenhaut abgemagert.

Was sagte noch Giselle ‹the french bitch›?
«Fuck… fuck… fuckity fuck.»

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Bing Bing Boah.

Blog 54, 7. Oktober 2009

«Dani!»

(Beachte die interpunktionsimplizierte Dringlichkeit.)

«Sonja! ¿Qué pasa?»«Ich war doch gestern beim Chick Doc.»«Jahreskontrolle, ich weiss. Und?»«Ja. Ich hab ein Problem.»
«Krebsabstrich?»

«Njet, der ist OK. Aber mein Beckenbodenmuskeloderwas sei total am Arsch.»
«Himmel. Musst Du in den Inkontinentialkrieg ziehen?»«Schlimmer! Intim-Physio! Ich soll einen (glaubs?) Finger reingedingst kriegen und soll pressen üben. Oder klemmen. Oder wasimmer. »«Üüüübel!»
«Dabei mach ich doch Pilates.»

Ich sag ja: All das Yogazeugs ist der grösste Hippiebrunz ever.

«Und, wann öffnest Du Dich für Dr. M?»
«Gar nicht. Ich hab ihm gesteckt, dass er seine Pfoten sonstwo hintun könne.»

Da fällt mir eine Art ‹Hausmittelchen› gegen lose Beckenböden ein. Bevor ich Sonja damit die Tür einrenne, konsultiere ich Dr. Wikipedia.

«Rin-no-tama [aka Lust- oder Orgasmuskugeln] sind ein Sexhilfsmittel, das ursprünglich aus Japan stammt. Es wird nach Wunsch im Alltag und nicht während des Sexspiels getragen.»

Durchaus plausibel. Sonst: ‹Ääähm, Sorry, da ist schon besetzt.›

«Heute gängige Modelle bestehen aus zwei 3 bis 4 cm grossen Hohlkugeln aus Kunststoff. Diese enthalten jeweils eine kleinere Kugel aus einem schwereren Metall. Die beiden Kugeln sind mit einer kurzen Schnur verbunden. An der unteren Kugel befindet sich eine Rückholschnur [vaginaler Defibrillator?]. Die Kugeln werden in die Scheide eingeführt und in Richtung des Muttermundes geschoben. Während des Gehens oder sonstigen Körperbewegungen [sic!] schwingen die Metallkugeln in den Hohlkugeln und verbreiten als angenehm empfundene [sic!] Vibrationen im Unterleib. Die Schwingungen sind allerdings kaum stark genug, um direkt zum Höhepunkt zu führen, können aber das sexuelle Verlangen steigern.»

Eine Art Tiefen-Om-Singen mit Nebeneffekt.

«Es gibt unterschiedliche Arten, Rin-no-tama zu tragen. […] Die subtilste [sic!] Methode ist wohl folgende: Die Kugeln werden mit dem Pubococcygeus-Muskel (kurz PC-Muskel) gehalten. Dies hat den Nebeneffekt, dass sie so wesentlich zum Training dieses Muskels beitragen. Ein gut trainierter Pubococcygeal-Muskel ist wiederum für die Empfindungen beider Partner beim Liebesspiel vorteilhaft. Ausserdem beugt er einigen Formen der Harninkontinenz vor.»

Eh voilà.

Ich treffe Sonja auf zwei Uhr zum Kaffee im Schoffel und schleppe sie dann in den kleinen Magic X Erotic Megastore am Limmatquai.
Die germaniastämmige Sexworkerin berät uns ausführlich. Modelle ohne Rückholschnürchen beispielsweise seien ‹nur für Fortgeschrittene›.

Aus lustvoller Solidarität greife ich mit zu und schon sind wir im Besitz von «love yourself! – Fun Factory SMARTBALLS – ein zutiefst [sic!] weibliches Vergnügen!» im Wert von 54 Franken 90 in elegantem Schwarz/Silber. Form equals function.

Um Risiken und Aussenwirkungen zu vermeiden, lese ich im Gehen die Packungsbeilage, während Sonja ihr Set einer chinesischen Tellertänzerin gleich am Indexfinger schwingt.

«Eine trainierte Vaginal- und Beckenbodenmuskulatur sorgt auch für mehr Spass beim Sex. Von Hebammen empfohlen.»

Mehr Spass am Sex – molto bene. Aber auf den Einsatz der Hebamme als logische consecutio verzichte ich dankend. In der Umkleidekabine von Company’s streifen wir das neue Indoor-Accessoire unter und trinken Campari auf dem Hechtplatz.

Beim Sitzen merkt sich logischerweise wenig. Vielleicht müsste man die Treppe zur Toilette runterhüpfen? Dong-dong-dong kommen die Dinger in Schwingung. Jippii.

Sonjas Mittagspause ist vorbei. Ich probiere derweil alle möglichen modi vivendi aus; renne, hopse, schlage Räder, spiele Käfer.

Mazza grande. Ganz grosse Klasse. Nach zwei Stunden reicht’s vorerst mit dem Training. Platsch-plopp. Juicy-doo, Hurrah nochmals.

Brav mit warmem Wasser abgewaschen, desinfiziert und zum Trocknen an die Türfalle gehängt.

«Und?»
«Woa! Gut drin gut dran – gut drauf.»
«Na dann: Gut Nacht.»

Samstagnacht, Bombay Bar.
Sing Bing, Swingdaiding, es tanzen so schön, die Geister die ich rief.

Zwischenfazit.
Jungs: vergesst die Suche nach dem G-Punkt.

… Girls: vergesst die Jungs bei der Suche nach dem G-Punkt.

Suchtpotential. Ich trage klein Cheech&Chong permanent. Meine Bewegungsunlust hat sich massiv verringert, ich verbrenne Kalorien am Schwungmeter, lache und singe, tanze, springe.

Friedensnobelpreiswürdig. Wenn Frauen dauerscharf sind können Männer kaum Kriege führen.

Wieso lächeln mich alle an? Der Monobiker mit dem grauen Pulli wendet gar den hübschen Kopf.

Im Toilettenspiegel mein eigenes Grinsen.

Alles klar.

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Liebe ist … kein Zufall.

Blog 53, 1. Oktober 2009

Wer in der digitalen Welt nach seinem Seelenpartner taucht (was sich übrigens nur empfiehlt, wenn man sich im Job todlangweilt oder sozialisoliert, inhaftiert oder notfrustriert ist), hat vor allem eins: die Qual der Wahl.

Soll das künftige Visavis rauchen dürfen? Kinder wollen, haben, sich (wenigstens) vorstellen? Muss sie 100-65-85 sein? Darf er die 190er-Latte berühren? Was mache ich, wenn ich Steinböcke nur mit Waage aszendiert leiden kann? Wer seine Statur mit ‹normal› (statt mit ‹athletisch› oder ‹schlank›) angekreuzt hat, trägt mindestens 6 Kilo zu viel mit sich rum. Und Hauptsache sind letztlich doch die blauen Augen.

Bei der Online-Gspänlisuche wird nichts dem Zufall überlassen, weissknöchlige Hände umkrallen das Schicksalssteuer. Die gravierendste Entscheidung ist die der Plattformwahl.

singles.ch ist bekannterweise die Restschublade. Überhaupt sind Gratisangebote hohler Schall, weil sich alles nur spasseshalber drin rumtreibt oder bereits vergeben und abenteuerbockig ist.

Drum gilt: je teurer – je elitärer – je besser. Je weher am Portemonnaie desto dicker die Hunde.

So selbstpreist sich zum Beispiel ElitePartner.ch als «DIE Plattform für Akademiker & Singles mit Niveau.»

Eine Studie mit über 1000 (deutschen) Mitmischenden beweist: «Akademiker meinen: Die wahrscheinlich [sic!] erfolgreichste Online-Partnervermittlung.»

(Analgo der «wahrscheinlich längsten Praline der Welt.» Dabei: WER hat’s erfunden?)

Schweres Geschütz ist angefahren:

«Renommierte Psychologen entwickelten eigens für ElitePartner ein wissenschaftliches Matching, mit dem Sie besonders hohe Erfolgschancen bei Ihrer Partnersuche haben.»

Backe backe Traummann.

Wer sich ruckzuck in die zehntausenden brach lauernden Singles stürzen will, hat sich zu früh gefreut. Nach dem Basislogin wird das Innerste rausgekehrt. Versaut es mir alle Chancen, wenn ich schon bei Geburtsdatum und Wohnort lüge? Familienstand, Ausbildung, akademischer Grad (die meinen’s ernst), Grösse, Augen- und Haarfarbe. Dann wird’s richtig mühsam:

«Wenn Ihr Wunsch darin besteht, einen Partner zu finden, mit dem Sie auch längerfristig – vielleicht [sic!] sogar ein Leben lang – verbunden bleiben möchten: Was glauben Sie, sind dann für Sie die wirklich [!] entscheidenden Dinge, auf die es in einer glücklichen Beziehung ankommt? Worauf legen Sie besonderen Wert?»

‹Liebe und Zuneigung› steht zur Debatte, aber auch ‹gemeinsame Verantwortung für Kinder übernehmen›. Gleich wird mir schlecht. Auch mit ‹gegenseitige Treue› ist wenig anfangbar.

Die Fussbemerkung zur Optik ist zum Verlieben.

«In vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Menschen manchmal [!] dazu neigen, sich in Bezug auf die eigene Attraktivität etwas [!] zu überschätzen. Das gilt für Männer mehr als für Frauen [q.e.d.!]. Deshalb wird empfohlen, die Ansprüche und Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, sondern einfach [!] realistisch zu sein»

Nach Hobbies & Co. geht’s ab in die Tiefenpsychologie.

«In Diskussionen kann ich meinen Standpunkt darlegen, ohne andere zu verärgern.»

«Ich komme mir mit meinen starken Empfindungen meinem Partner manchmal hilflos und ausgeliefert vor.»

«Ich habe Schwierigkeiten damit, andere Menschen bezüglich ihres Charakters anschaulich zu beschreiben.»

Und speziell für mich:

«Ohne meine Freiräume könnte ich nicht existieren.»

Auf die bevorzugte Wohnform («Künstlerwohnung» vs. «ruhige [!] Stadtvilla» etc.), folgen die Suchtmittel- und Kinderfragen vor der verfügbaren Gefühlsmenge gegenüber Vögeln, Fischen, Katzen und Hunden. Tierlihalter sind auf meiner schwarzen Liste weit oben.

Schliesslich darf ich ‹interessanten Mitgliedern› optionale Gretchenfragen stellen, so wie: ‹Isst Du Kiwi mit Schale?› ‹Putzt du vor Analsex die Zähne?› ‹Was hältst Du von Chihuahua-Trampling?›

Bevor ich erfahre, was es kostet, hier so richtig mitzumischen, gibt’s als Goodie eine Persönlichkeits-(Kurz)Analyse.

«[…] Zu Ihnen passt ein Partner, der einen stärken ausgeprägten Wunsch nach Nähe hat – dabei sollte dieses Nähebedürfnis jedoch nicht allzu stark [!] sein.»

Wow.

«Als Partner passt besonders gut jemand zu Ihnen, der zwar eher [!] Ihren Gegenpart repräsentiert, aber Ihnen dennoch nicht allzu sehr [!] entgegengesetzt ist.»

Wow2.

«Sie haben eine hohe Ausprägung in Richtung Dominanz erzielt. Ideal wäre ein Partner, dessen Ausprägung zwar merklich [!], aber nicht allzu sehr [!] von Ihrem Wert abweicht.»

Wow3.

«Sie glauben sowohl an ‹das Schicksal› und gleichzeitig an das ‹Wachstum› in einer Beziehung. Das ist äußerst [!] positiv, denn Studien zufolge [!] sind diejenigen mit ihrer Partnerschaft besonders zufrieden, die in beiden Bereichen einen hohen Wert erzielen.»

Wow4. Mich kratzt ein Affe am Arsch.

Dann komm’ ich endlich an meine generisch generierten Traumprinzen ran. Immerhin 13 323 passen offenbar just perfect.

Das Abdaten dürfte etwa dreieinhalb Jahre dauern.

Winkeladvokaten tummeln sich genauso im Froschteich wie Beamte, IT-Berater und der Wissenschaftler aus Baden-Württemberg.

Gegen die verschwommenen Gesichter hilft nur die Premium-Mitgliedschaft. Defaultmässig werden 12 Monate (à 48.-) vorgeschlagen, mindestens aber 3. Also 264 Franken.

Die Kohle liegt abgezählt vor mir auf dem Tisch.

Die kann man sicher auch schlauer ausgeben.

Mal sehen.

Rasch in die Stiefel geschlüpft und raus in die Nacht.

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Aber nur unter der Bedingung.

Blog 52, 24. September 2009

Selma, gestern im Bar Sol. In ihrem Umfeld ist eben wieder eine langjährige Beziehung in die Brüche gegangen. Wie immer war sie es, die den entscheidenden Schritt gemacht hat. Und wie immer ist sie es, die dem alten Zopf hinterherleidet, während er, selbst zu bequem zu entscheiden, sich mit seiner neu gewonnenen Freiheit schnellstens und bestens anfreundet. Das ist trotzdem gut so. Denn wie meistens wird er in Kürze weiter kochen. In einem neuen Topf zwar, doch dasselbe Süppchen. Sie aber wird, wie immer, beim nächsten Mal (das wohl noch eine Weile auf sich warten lassen wird) die selben Fehler nicht mehr machen, oder machen lassen. Dafür andere.

Ich erzähle von dem Date, das ich morgen habe und den zwei von letzter Woche.

Selma, seit Jahren ziemlich glücklich verbandelt, seufzt ein wenig neidisch ob der Spannungen des Singlealltags.

Sofort verteidige ich ihren Mackermann, der indessen während mehr als einem Drittel seines Lebens lernen konnte, seine Selma richtig anzupacken und zudem natürlicherweise über die Gabe verfügt, mehr als ihren Wahnsinnsbusen auch nach einer Dekade noch auch non-manuell zu ästimieren.

Dieses Haus scheint also auf stabilem Boden zu ruhen. Und man sollte es dort stehen lassen.

Und doch. Mal wieder fremde Hosen runter zu lassen, birgt für Selma durchaus grossen Reiz. Denn das Stadttor könnte irgendwann schliessen und man wäre nicht draussen, in Freiheit und im Abenteuer, sondern drin, sicher zwar, aber auch gefangen, eingesperrt.

Und ein wenig geht es auch ums Prinzip. Und Selma ist durchaus eine attraktive Erscheinung, die auch im nüchternen Zustand wenig Mühe hätte, einen Folgsmann zu finden.

Gerade hat sie es wieder mal angesprochen.

«Meinst Du, ich bin die letzte Frau, mit der Du in Deinem Leben geschlafen hast?»

Eine schwierige Frage, Glatteisig. Aber auch hier kommen ihnen die unvorstellbar vielen Jahre zugute.

«Hm. Ich glaube nicht. Irgendwie. Auch wenn ich weiss, dass Du die Frau meines Lebens bist.»

Hm. Er also auch.

Ich finde das grossartig. Simple Game: beide wollen extern poppen und doch zusammenbleiben. Also null problemo.
Ich bin immer für kreative Lösungen.

«Schreib ihm doch einen Gutschein: Bon für einmal Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt.»

«Daran hab ich auch schon gedacht.»

«Und was würde das Stecherchen dazu sagen?»

«Er wär vermutlich sogar einverstanden.»

Darauf hebe ich mein Glas.

Sie aber windet sich auf ihrem Stuhl.

«Hmm? Ein Sechser im Lotto und du stocherst im Fettrand Deines Entrecôte rum?»

«Meinst Du, er würde sich dann im Büro oder sonstwo so langsam auf Pirsch begeben? Das würde ich glaub nicht aushalten.»

Berechtigter Einwand. Schliesslich wollen wir ja nicht in der Scheidung enden. Also schreiben wir:

«Bon für einmal Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen.»

«Und wenn er sich dann verknallt?»

Auch das darf natürlich nicht passieren. Ein neuer Passus.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot.»

«Ich stelle mir grad vor, er liegt mit einer anderen Frau in unserem Bett oder unserem Sofa. Oder er vögelt so eine Schlampe auf meinem Küchentisch!»

Das wäre ganz übel. Aber lässt sich abwenden.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu.»

«Aber dann kann ich ja nie mehr in Ruhe in die Ferien oder mal ein Wochenende weg!»

Puh. Madame hat Ansprüche.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit.»

«Und wenn sie besser bläst als ich?»

Mädel, langsam wird’s schwierig. Ich weiss nicht, ob ich das schlucken würde.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit. Kein Oralsex (an Dir).»

«Sollen wir Analsex auch grad reinnehmen? Und wie ist’s mit Knutschen? Und was, wenn er einen Dreier haben könnte?»

«Gut dass Du daran denkst! Knutschen dürfte er aber. Glaubs.»

Das macht dann:

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit. Kein Oralsex (an Dir). Kein Analsex. Der Bon gilt nur für EINE Person.»

Gut so? Können wir endlich in Druck gehen?

«Ach weißt Du, ich würd mir das glaub dann immer so plastisch ausmalen.»

«Selma, mein Herz, weißt Du was? Vergiss es einfach.»

Manchmal sollt der Schuster bei seinen Leisten bleiben.

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Der Chefarzt.

Blog 50, 3. September 2009

Mit Partnervermittlungsinstituten habe ich gemischte Erfahrungen gemacht. Ach Quatsch. Unter dem Strich war (auch wenn ich Kollegschaft mit mittlerweile fünf verheirateten, teilsbekinderten Pärchen pflege, die sich auf diesem fantasievollen Weg kennen gelernt haben, darunter mein eigener Ex) alles Scheisse.

Item. Ein Zeitvertrieb ist’s allemal, und für die exakte Beobachtung der (zwischen-)menschlichen Spezies nicht der allerdümmste.

Eines Mittags treff ich also diesen Chefchirurgen eines unserer Spitäler zum ‹Lunchen› im Terrasse. Der Doktor ist mit 36 Lenzen eigentlich oberhalb meiner Altersgrenze, aber da ich noch kaum Gelegenheit hatte, mit der Kittelspezies zu üben, hab ich mir gedacht: Was soll’s.

Herr Doktor – ein Deutscher – würde gar nicht übel aussehen, hätte er nicht mindestens zehn Kilo Übergewicht unter dem rosa (Autsch!) Polo-Shirt von Hilfiger. Er doziert auch gleich, in der bekannten Selbstverständlichkeit über seine diätischen Massnahmen, da, als er realisiert habe, dass er eines Tages ausgesehen habe wie «eine fette Sau», die Notbremse gezogen habe.

Warum er dann grad die feiste Pasta bestellt, ist mir zwar unbegreiflich, erklärt aber das Wulstproblem.

Er berichtet weiter von seinen diversen, wichtigen (internationalen!) Projekten ohne die Dreh- und Schaufelbewegungen der Gabel zu unterbrechen. Ich beobachte mehr die Bewegung seiner malmenden Lippen denn auf Inhaltliches zu lauschen. Seine Attitüde bezeugt Befehlsgewohntheit, er hat sich förmlich in den Sessel reingfläzt, die Arme über die Lederlehne ausgebreitet, die Beine fussballerstyle gespreizt, die Eier ‹at gunpoint›.

Wir trinken irgend einen Chardonnay. Er langt kräftig zu. Ich hoffe, er muss kein Skalpell mehr führen. Nach dem Kaffee ruft der Blackberry. Ich bin nicht unglücklich darüber und leere in Ruhe die Flasche.

Später hab ich eine Einladung zum Dinner im Postfach. Am Samstag in einem Monat (er reist morgen kongresswärts nach San Francisco), bei ihm zu Hause, «vernachlässigbar wenige Minuten ausserhalb der Stadt mit Sicht auf den schönen Greifensee». Aber ja doch, Herr Doktor.

* * * * * * * *

Er holt mich mit einem SUV der günstigeren Sorte vom Bahnhof ab, kommerzieller House in den Boxen. Wir fahren. «Scheisse, Dani, was machst Du hier in diesem Auto mit diesem Typen?», frage ich mich, zu spät.

Das Haus ist grauenvoll und grauenhaft. Seit einem Jahr geschieden ist die halbe Hauseinrichtung wohl Überbleibsel seiner Frau, der ganze Rest ist so teuer wie geschmacklos. Ich kompensiere mit grosszügigen Schlucken eines ausnahmsweise sehr guten, zu seinem Hemd passenden Rosé, zu dem es Melonenbällchen mit spanischen Rohschinken vom Traiteur gibt.

Das Gespräch plätschert dahin, ich frage viel, um wenig sagen zu müssen und er antwortet noch so bereitwillig und ausführlich.

Ich hab gleich (Ja!, das Haus war mit ausschlaggebend) entschieden, mich von dem Typen nicht auf den Rücken legen zu lassen, auch wenn er offenbar einiges abgenommen hat in den letzten vier Wochen) und werde vorsichtiger mit dem Alkohol, um die Herrschaft über meine geistigen Kräfte nicht zu unterminieren.

Er säuft dafür wie ein Loch, noch vor dem Hauptgang ist die dritte Flasche offen. Es gibt (der Mann, seit zwei Monaten auf ‹eBalance›, weiss ALLES über Kalorienbilanzen – und dann hat man ja auch noch einen Arzttitel) Rindsfilet aus Argentinien («da ist null Fett dran») und ebenfalls grilliertes Gemüse («davon nimmst Du kein Gramm zu!»)

Es dunkelt langsam ein, wird aber deswegen nicht gemütlicher. Die Kühle wird mit einem dieser schrecklichen Gaspilze bekämpft. Gerade als ich langsam tiefer in die Kissen rutsche, sagt er, mit leicht glasigem Blick, so nebenher: «Du hast bestimmt zwei Liebhaber», was nur teilweise zutrifft, denn Jonas darf ruhig mitgezählt werden, so weit ist dieses Genf schliesslich auch nicht ab vom Schuss.

«Sind wir endlich beim Thema, hast dir aber ganz schön Zeit gelassen», denke ich und behalte meine Geheimnisse für mich, um ihn nicht zusätzlich anzustacheln, bin ich doch mit meiner eigenen Wankelmütigkeit nur zu gut vertraut.

Er ist zu betrunken, um sich nicht vom Thema abbringen zu lassen und seine Exfrau («sie hat wohl dieses schöne Haus für Euch ausgesucht?») ist ein dankbarer Lustkiller. Es ist spät.

«Du kannst gut hier übernachten, Platz ist ja genug.»
Allerdings. Etwa fünf Zimmer zuviel.

«Kannst gern mein Bett haben, ich kann auch unten auf der Couch schlafen.»
Allerdings. Das glaub ich sofort.

«Nö Du, geht nicht, ich hab morgen ein strenges Programm, kannst Du mir bitte ein Taxi bestellen?»

Er ist zu gut erzogen, um nicht souverän zu reagieren, wenn wütende Enttäuschung im Kerzenlicht in seinen Augen reflektiert. Ein edles Rindsfilet – für Nix und Wiedernix.

Die nächsten Tage ignoriere ich seine SMS und Mails.
Dafür stehe ich am Donnerstagnachmittag um vier Uhr vor seiner Tür Bürotür.

Das mit dem weissen Kittel musste ich einfach noch in meine Biografie rein…pappen.

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Teilnackte Frauen.

Blog 49, 27 August 2009

Die Hitzetage habe ich zu knapp hundert Prozent in den Zürcher Badeanstalten verbracht. Zwischen Eiskaffees, Fusssohlennässen (Schwimm- und schwimmähnliche Motorik kann ich nicht ab), Frühabendbierchen und Raketenglacés hab ich irgendwann davon abgelassen, Männer zu beobachten, sondern nur noch den Frauen nachgeschaut.

Von denen gibt’s gehäuft in den jeweiligen Séparées der Badis Enge, Uto und – hardcorestyle – Frauenbadi.

Das Uto ist grossartig geeignet für Lattenprostitution. Am Dienstagnachmittag nach Sommerferienende sind hier alle (Wirtschaftskrisenopfer?) um Mitte zwanzig, gehen samstagabends (in High Heels) ans Rundfunk, tragen B-Coups und sind dünn, obwohl sie sich von Zweifelchips und Kamblyguezli ernähren.

Unten, wo die Alten eingesessen hocken, sieht‘s etwas anders aus. Das Ganze scheint sich in zwei Lager zu teilen. Die Seniorinnen sind raschen an Wasser und Latrinen, die Jungschar näher an der Sonne. Weil die topless-Quote unter 30% liegt, zieht es mich ans Stadthausquai.

Am Donnerstagmittag ist’s auch hier noch immer pumpenvoll; wer kreuz und quer auf den Dielen liegt, leidet unter fremden Wasser-, Schweiss- und Sonnencremespritzern

Etwa acht Meter vor mir hat sich die magere Mittvierzigerin ‹Hare Hare› ein Plätzchen ergattert. Ovale Brille mit selbsttönenden Gläsern, kurze, braune Locken unter einer Art weisser Derwisch-Kappe, auf der linken Wange ein kleiner-Finger-grosses hellbraunes Muttermal. Sie zieht das Oberteil über, zurrt es fest und gleitet, einer hungrigen Würgeschlange in einem Leopardenbikini gleich, ins Wasser.

Ängstliche Heteras kolportieren, dass es in der Frauenbadi vor lüsternen Lesben wimmle. ‹Hare Hare› muss eine von ihnen sein. Der limmatabwärts treibende Turban hebt und senkt sich leicht. Als sie unten wieder aussteigt, ist sie ausserhalb meiner Sichtschärfe zum Cellulitebeulenzählen.

Dafür paddelt mir das kugelrunde Gesicht des ‹Bombay Babe› entgegen. Es zieht die langen, schwarzen Haare ab Halsmittel nass hinter sich her. Es erklimmt die Metalltritte. Wow. Ein Traumbusen, eine Grundfläche wie ein Dessertteller und maximal kugelrund! Männern gefällt das wohl weniger. Ich aber würd mich am liebsten kopfüber drauf und drein stürzen. Als dann aber ein Ranzen wie ein verboxtes Daunenkissen mit ihr aus dem Wasser geboren wird, ist’s denn auch vorbei mit dem Greifreiz.

‹Frä Rottenmeier› trägt heute eine kurze, dunkle Bubenfrisur, made by Gidor Haut Coiffure. Sie versteckt sich so gut wie möglich in einem schwarzen Einteiler mit einer Art Regenbogenforellenmuster. Ihr faltiger Hals lässt mich ungern darüber nachdenken, wie es unten dran weiter gehen mag. Schnell weggeguckt zu den ‹3 Bibis›, ungeschminkt, knapp im Teenie-Alter, die sich auf der Treppe aneinanderdrängen. Keimende Brüstchen, Hauche von Nichts hinter weiss-rot gepunkteten Bikinioberteilen und unbewachsene Schambereiche unter passenden Mini-Höschen. Gesprächsthema sind die Ferien in Finnland, wo die 17-jährige Cousine offenbar nachts «Hihi, auf dem Hotelgang in Unterhosen [Zwischenrufe, grösste Aufregung] Ja, echt, rumgetanzt ist.» Das sind noch Skandale. Das Wasser ist 26° heiss. Die ‹3 Bibis› spielen Schere-Stein-Papier drum, wer zuerst rein muss, Stufe für Stufe.

Neid. Ich will zurück in diese heile Welt, wo ist die VIP-List?

Koffein. Auf dem Weg zur Toilette passiere ich ‹Burka Jadoch!›, zu zweit an der Zahl. Das Haupt in eine Art schwarzen Haarsack verpackt, sitzen sie auf den obersten Treppenstufen des Kinderbeckens und tätscheln die Hintern der Babies auf ihren Knien. Die Kinderwägen sind praktischerweise gleich am Beckenrand parkiert, damit

a) niemand sonst Platz hat und

b) alles schön in Sicherheit ist,

man weiss ja nie.

Kriegsgebiet ganz ohne Bademodenprobleme; man trägt ganz einfach langes T-Shirt.

Die ‹Kultur-Lesbe› hat sich direkt neben ‹Hare Hare› reingequetscht, Hornbrille, blonder Pferdeschwanz, Enddreissigerin, riesiger Vorbau in einem schwarzen Bikini parkiert. ‹Hare Hare› starrt genauso fasziniert wie ich. Sie hat dünne, weisse Beine, aber einen grossen, kugligen, unschwangeren Dickbauch. Verraten haben sie die hellgrünen Rändchen am Bikini.

Dann ein weiterer Lichtblick. ‹Bambi›, zarte zwanzig, Gazellenkörper, kleine Brüste mit hellen, passend kleinen Brustwarzen, umrahmt von einem Bikiniabdruck. Die langen, dunklen Locken sind hochgesteckt, runde Wimpern als Blickfang im zierlichen Gesicht. Mindestens zwanzig Augenpaare beobachten, wie ihr Wahnsinnskörper sanft unter den Wassermassen verschwindet und wie sie dann mit kräftigen Zügen das Becken durchquert, immer und immer wieder, ohne einen roten Kopf zu kriegen.

Um mich von diesem Anblick zu erholen, rolle auf den Rücken und lege mir das Shirt über den Kopf. Die Konversation von Mutter und Tochter schräg gegenüber (für Mama und mich ist sonnenklar, dass die Kleine den Waschlappen rausschmeissen muss) wird immer unspannender. Sachte döse ich weg.

Eine Stunde später hat sich das Bild massiv verändert.

Wohin ich auch blicke: fette Hintern, wulstige Bäuche, Schenkel voller Beulen, schmale, furchige Lippen, übergebräunte Haut, magersüchtige Oberarme und hohle Brustkästen, welke Busen oder überquellende, weisse Prallballone ohne Form und Halt.

Mir wird irgendwie … kotzig.

So ist das: dann ist der Mensch ein Mensch. Face it. Das sind sie. ‹Die Zürcherinnen›.

Das sind wir. Das ist die unge-DOVE-te Realität, das ist das Leben ohne Photoshop.

Ich schiebe mir die neuen Ray-Bans näher an die Augen, packe meine Siebensachen und bin weg.

Denn Spannern die quasi-zufällig am Geländer ausserhalb rumhängen zische ich verächtlich zu, bevor ich sie, wie immer, mit meinem Handy fotografiere.

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Welcher denn nun?

Blog 48, 20. August 2009

Nach dem 250-Gramm-Beefburger mit Country Fries und viel Weisswein piepiept in den ersten zehn Kinominuten das Handy, das ich (natürlich) vergessen habe, zum Stummen zu bringen.

Nate. Nate ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, mit dem ich was hatte, bis er vor zwei Jahren (s)eine blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte akquiriert hat, die bis heute seine ungeteilte Aufmerksamkeit fordert. Nate mit den Sternentattoos in den Leisten. Nate, in den ich am Streetparadeweekend reingetanzt bin und der mich, als seine blonde, langhaarige, langbeinige, um zwei Jahre gealterte Schnitte grad auf der Toilette weilte, gefragt hat, ob wir mal wieder vögeln wollen. Klar, hab ich gesagt.

Vor allem, weil die blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte zwar um zwei Jahre gealtert aber immer noch fünf Jahre jünger ist als ich.

In den ersten zehn Kinominuten piepiept also Nate und fragt, was ich am Donnerstag um 2200 vorhabe.

Dann der Film.

Fünf Frauen und vier Männer. (Heisst: eine geht leer aus.) Die Struktur ist simpel:

Frau_01 ist total erfolglos und pendelt zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Mann_01 (eigentlich ein Freund von Mann_03, der Frau_01 gedatet hat, aber nichts von ihr wollte) wird zum persönlichen Beziehungsberater von Frau_01.

Und verliebt sich Ende (natürlich!) in sie – und sie sich in ihn. Ende gut, alles gut

Frau_02 und Mann_02 sind seit sieben Jahren fast ganz glücklich verheiratet. Frau_02 will unbedingt heiraten. Mann_02 ist – obwohl er Frau_02 abgöttisch liebt – grundsätzlich gegen die Ehe. Sie trennen sich. Durch widrigste Umstände finden sie wieder zusammen.

Als Frau_02 schliesslich einwilligt, auf die Ehe zu verzichten, macht Mann_02 (natürlich!) gleich einen Antrag. Ende gut, alles gut.

Mann_03 steht total auf die Yogalehrerin Frau_03. Frau_03 hat sich aber in Mann_04 verknallt, der mit Frau_04 fast ganz glücklich verheiratet ist (Frau_04 hat auf Heirat bestanden!).

Frau_03 und Mann_04 haben eine heisse Affäre. Sie fliegen auf und Frau_04 verlässt Mann_04.

Am Ende sind Mann_04 und Frau_04 alleine. Frau_03, eh eine Schlampe ist, reist nach Indien. Ende gut, alles gut. [Und merke: Frauen, besteht nicht auf Heirat!]

Mann_03 und Frau_05 (eine Freundin von Frau_03) verlieben relativ unspektakulär ineinander. Ende gut, alles gut.

In den letzten zehn Minuten piepiept mein Handy.

Andy. Andy ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, ohne blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte. Und ohne Sternentattoos in den Leisten.

Andy fragt, was ich am Donnerstagabend vorhabe.

Während ich die Schnitte und den Sternenhimmel gegen andere Qualitäten abwäge, ist vorn an der Leinwand Ende gut, alles aufgestanden und weg.

Selma wischt sich neben mir den letzten Rest Tränen aus den Augen und sagt, während wir die Treppe runter stolpern, sie wolle auch mal wieder so richtig frisch verliebt sein und alles.

Zwei Zigaretten später hat sie es sich anders überlegt und freut sich, dass sie heim kann zu ihrem Macker. Wo sie laut unter der Bettdecke furzen darf.

Ende gut, alles gut.

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Alles unter Kontrolle.

Blog 47, 13. August 2009

Saskia ist 168 Zentimeter gross und bringt knappe 50 Kilogramm Muskel und Knochen auf die Waagschale. Hals über Kopf hat sich Rudy in die adrette Brünette mit dem kinnlangen Bob, den zierlichen Hüften und dem waschbrettflachen Bauch verguckt. Mit seinen musikalischen Talenten (und der zugehörigen CD-Collection), etwas westamerikanischem Charme und dem darin wohnhaft scheinenden Weltmannstum sowie seinen beruflichen Erfolgsgeschichten gelingt es ihm, ihr Herz nach einigen Werbewochen zu erobern. Saskia gefällt an Rudy – wenn er auch alles andere als ein Hingucker ist – zudem, dass er, im Unterschied zu den anderen Männern, die sie kennen gelernt hat in den letzten Monaten und Jahren, sehr kinderaffin ist. Sein Drängeln diesbezüglich schiebt sie jeweils sanft, aber bestimmt zurück, will sie ja auch, aber halt nicht grad. Die nächsten drei Lebensjahre sind dem bevorstehenden Executive MBA und den entsprechenden Karrierefrüchten vorbehalten.

Ihren unregelmässigen Zyklus ist sich Saskia seit langem gewohnt und sie ist auch nicht traurig, wenn sie wochenlang nicht menstruieren muss, im Gegenteil: Je weniger Tampon desto Lebendqualität. Umso bestürzter  ist sie drum, als ihr der Frauenarzt bei der Jahresroutineüberholung mit einem süssen Lächeln mitteilt, dass sie schwanger sei.

Schwanger? Jetzt? Sie? Unmöglich. Sie verhüte zwar mit Gummi, aber da sei nichts kaputt gegangen, könne gar nicht, allermeistens sei sie es nämlich selbst, die Rudys eingeknotete Flüssigkeit im Abfall entsorge, weil er dazu neige, das neben dem Bett oder Sofa hingelegte Depot zu ‹vergessen›. Man müsse umgehend einen zweiten Test machen.

Dr. Blanchard ist leicht erstaunt ob dieser Reaktion, vermeldet aber, dass der Zustand garantiert sei und zudem bereits in die siebzehnte Woche fortgeschritten ist. Er könne gern zum Beweis das Ultraschallgerät einführen.

«Und wieso merk ich davon nichts?»

Saskia ist kreidebleich. Auch die Übelkeit ist jetzt da.

Dr. Blanchard erklärt, wenn auch einiges gewöhnt, mittlerweile doch leicht alarmiert, dass dies, bei ihrem tiefen BMI, wohl möglich sei, der Bauch wölbe sich unterschiedlich rasch, ob sie aber kein Spannen in den Brüsten gespürt habe?

Jetzt wo er’s sagt ist’s klar; aber bis vor drei Minuten hat Saskia ihre Überempfindlichkeit auf den (über)fälligen Zyklus geführt.

«Ich will aber kein Kind! … Oder wenigstens nicht jetzt!»

«Sie können nicht mehr abtreiben, Frau P. Der Fötus ist schon zu gross. »

«Ist Ihnen der Vater des Kindes bekannt??»
«Natürlich! Mein Partner. Rudy.»

«Dann würde ich vorschlagen, dass Sie sich darauf einstellen, Eltern zu werden, Frau P. Alles Gute!»

Saskia könnte kotzen.
Auskotzen, das Ding, das sich, wieauchimmer, an einem Durexgummi vorbeigemogelt hat! Schluchzend ruft sie Rudy an, der sofort alles stehen und liegen lässt, sich auf sein weisses Velo schwingt, zu ihr rast und sie tröstet.

Nach ein paar Wochen hat sich Saskia an den Gedanken gewöhnen müssen, bald mit Rudy eine Familie zu sein. Sie weiss, dass sie den Heiratsantrag, der am Wochenende bevorsteht, annehmen wird. Für den Abschluss des MBA wird es allerdings nicht mehr reichen.

Ein paar Monate später ist Rob Louis dann da. Die Geburt war ein dreissigstündiger Horror, aber wie es so geht, das erste zahnlose verziehen der Mundwinkel und die unfokussierten blauen Kulleräuglein  – und alles ist vergessen.

Beim Gedanken an die Karriere, die nun lange wird ruhen müssen, lässt Frau T, wie sie seit acht Wochen heisst, den Blick über Mann, Kind und Ring schweifen und schläft dann – der Bauch wieder flach wie vor neun Monaten – auf dem frisch bezogenen Kissen ein.

Nach ein paar Wochen hat sie völlig adaptiert.

Rudy kümmert sich liebevoll um klein Rob, ein Herz und eine Seele sind die beiden, fast schon bräuchte es Saskia nicht, Rob scheint Rudy genug zu sein. Das denkt Saskia ab und zu, wenn ihr Herz und Hirn ganz nüchtern sind.

Dann findet sie ihren Mann auch beinahe hässlich, wenn sie ihn so schräg von hinten betrachtet.

«Schatz, ich muss Dir etwas beichten.»

Rudy eröffnet die kleine Feier zum ersten Hochzeitstag. Rob, glücklicherweise ein ruhiges Kind, schlummert friedlich in seiner Wiege.

Er habe damals, als sie so niedlich angeheitert von der Party mit ihre Freundinnen heimgekommen sei und sie Sex gehabt hätten, ‹zwischendurch den Gummi ausgezogen›.

«Du hast WAS?»

Sie wisse ja, wie er die Dinger gehasst habe, weil er einfach nichts spüre beim Vögeln, wenn ‹er› so eingepfercht sei.

«Du hast WAS?»

Und er habe ja eh unbedingt Kinder wollen. Das habe er immer gesagt. Und sie sehe ja, dass er ein exzellenter Vater sei. Nicht? Zudem liebe er sie über alle Massen. Schatz.

«Du hast WAS?»

Rudy ist erstaunt, dass der Schuss so nach hinten losgeht, sie ist doch glücklich, seine Saskia! Das sieht er ja. Und alles hat sie, alles!

Fünf Monate später sieht Rudy nur noch wenig von Rob. Saskia hat gedroht, ihn öffentlich anzuprangern, wenn die Scheidung nicht innert Wochen durch sei.

Das ‹unsichere› Vergnügen hat nun seinen Preis. Genau 9600.-

Pro Monat.

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Threesome.

Blog 46, 6. August 2009

Neben mir liest eine etwa fünfzigjährige, attraktive Blondine mit Power-Yogafigur ein gelbes Buch mit dem Titel «Warum Männer mauern – Wie Sie Ihren passiv-aggressiven Mann besser verstehen und mit ihm glücklich werden».

Ob es genusmaskulin auffällt, dass die meisten Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig irgendwann ihren Geburtstag unter dem Prädikat ‹women only› zelebrieren?

Die, die auch in den Folgejahren weiter als unhappy single vegetieren, ziehen diesen netten Brauch vorzugsweise unlimitiert weiter. Denn «so unter Frauen ist es ja ohnehin viiiel gemütlicher!»

Liebstens trifft man sich zum Abfeiern des Alterns an einem Samstag- oder Sonntagmorgen zum Cüpli-Brunch im Toto oder im Blunt; schliesslich soll niemand auf die Idee kommen, es handle sich bei der netten Gruppierung um einen Polterabend.

Ist das weibliche Réduit in den Schutz eigene Herde Not oder Tugend?

Der Vorteil ist, dass die singuläre Singelin in der Menge nicht auffällt – jede könnte betroffen sein. Und man kann sich optimal damit entschuldigen, dass es ohnehin schwierig und viiiel zu komplex gewesen wäre, unter den laufenden Affären denjenigen herauszuschälen, der das Privileg verdient hätte, mit am Tisch zu sitzen.

Der Nachteil liegt ebenso auf der Hand: Parties aller Art sind ideale Kennenlernereien – umso mehr, wenn die potentiellen Kandidaten sogar im Umfeld der eigenen Freunde rumschwimmen. Das minimiert das Risiko, sich mit einen Psychopathen einzulassen.

Und ist es nicht so dass auch das ‹getrennte Schlafzimmer› – während unseren Jugendjahren der sicherste Vorbote der Elternscheidung – je länger (oder je älter) desto Usance wird?

Ist das geteilte Singleleben der Preis der Individualisierung?

Dazu kommt, dass die postmoderne, finanziell unabhängige Frau im Restaurant paritätisch teilt sich dafür in der Partnerwahl viel selektiver ist (auch wenn die Spezies ‹Dieselnutte› deswegen noch nicht ausgestorben ist.)

Ist Segregation die Endlösung?

Wer das Glück hat, sein dreissigstes Lebensjahr erreicht zu haben, ist mit Sicherheit beziehungsgeschädigt und / oder nach zwei bis zwanzig Pleiten, Pech & Pannen desillusioniert (die Geschichte vom Märliprinzen erzähle ich ein anderes Mal), heldenhaft vernarbt und tüchtig traumatisiert.

Zwischensubsumma:

  • Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt.
  • Die Kehrmedaille der Emanzipierung ist das Multioptionsprinzip.
  • Frauenkörper wollen Kinder gebären.
  • Männerkörper wollen Frauenkörper schwängern.
  • Sex ausserhalb der Ehe oder (Langzeit-)Beziehung ist meistens viel besser (und immer abwechslungsreicher!)
  • (ewige) Treue ist eine Illusion.
  • Will jemand lernen müssen, mit einem Passivaggressiven leben zu können?
  • Man stirbt allein. Für alles andere gibt’s Freunde.
  • Das tönt alles ziemlich beschissen.

Good News: Katharsis ist in Reichweite!

Mein aktuelles Lieblingsmodell lebt meine entfernten Cousine aus Westnordeutschland. Cousine Sinikka ist 33, single und tiefschwanger.

Und verheiratet. Mit Tim, einem Glanzstück der Gattung ‹hammerhammer›.

Sinikka und Tim bewohnen ein frisch gekauftes 190 m2-Häuschen. Das Babyzimmer ist fertig eingerichtet, obwohl’s noch vier Monate ist bis Showdown.

Tim hat ein eigenes Schlafzimmer.

Vor der Beamerwand steht ein Monstersofa. Das Gemöbels ist so gross, dass auch die rundliche Sofia locker Platz hat, meistens inmitten von Sinikka und Tim. Sofia und Sinikka haben selten Sex, ein paar Mal im Jahr, wenn sie grad Lust haben.

Mit Tim hat keine der beiden Sex.

Tim ist stockschwul, also die Idealgeburt eines Vaters.
Wenn die Familie der Zukunft aus zwei coolen, schwach bisexuelle Müttern und einem wahnsinnig gutaussehenden Homodaddy (der als Designer ein Vermögen verdient und seit er zehn Jahre alt ist unbedingt Nachwuchs möchte) besteht, sage sogar ich: JA ICH WILL!

Sofia ist unfruchtbar, deshalb hat Sinikka ihre Gebärmutter geopfert. Gleich nach der Geburt wird sie ihren ‹Love Channel› operativ wiederverengen und auf den Bürostuhl zurückkehren, damit Sofie, die Herzensmama, schön daheim bleiben und das Goof aufziehen kann.

Der Rest vom Sexhunger – inklusive der von Tim – wird ausnahmslos auswärts gestillt.

Der perfekte Deal.

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books. water. drugs. sleep.

Le Blog macht grad Sommerpause. Kommt bald zurück.

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Sie ist es.

Blog 45, 16. Juli 2009

Die zweite (oder dritte?) grosse Liebe meines Lebens ist mit – nicht gerade süssen, sondern vielmehr schwermetallenen, langblonden, kiffenden – sechzehn Jahren drei Wochen lang an Pfeifferschem Drüsenfieber, auch bekannt unter dem Namen ‹Kusskrankheit›, darniedergelegen.

Den Geruch, den Chris danach, in den zwei Wochen vor unserer Trennung, ausgeschwitzt hat, kann ich noch immer jederzeit im Zerebralspeicher abrufen; einen ranzig-bitteren Mix aus Chemie und verseuchtem Hämoglobin. (Der Gestank war aber weniger Schlussmachgrund als Chris‘ bester Freund Andreas).

Vor kurzem hat mein Kamerad Laurent seine etwa siebzehnte Beziehung beendet. Ein Jahr beinahe hat er’s immerhin durchgehalten mit der Dame. Trotz Ermüdungserscheinungen habe ich mich dazu durchgerungen, nachzufragen, weshalb es denn auch diesmal wieder nicht hat sein sollen.

Et voilà, das Geschichtchen.

«Weisst Du, letztlich war sie nicht die Frau meines Lebens.»

«Offenbar.»

«Da ist es besser, man geht.»

«Besser. Definitiv.»

«…Dani?»

«Lori?»

«Ich hab die Frau meines Lebens gefunden.»

«Ach, was!»

[Dem spinnt’s total, hab ich gedacht. Typischer Frischalleinfühlschmerz.]

«Du wirst es nicht glauben.»

«Klingt, als will ich’s nicht mal hören.»

«Es ist Zdenka.»

«Stinka-Zdenka?»

«Dani, bitte!»

«Sorry.»

«…DIE Zdenka?»

«Yep.»

Da hab ich ihm das Telefon aufgelegt.

Nase so voll wie nach einem G.

Scheisse, aber echt.

Zdenka. Zdenka mit Schuhgrösse 35 und Kleidergrösse 34.

Natürlich hab ich eine halbe Stunde später wieder angerufen.

Dafür sind wir Freunde ja da.

Zdenka die Tschechen-Zora.

Z d e n k a. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Zdenka. Loris Exex. Aber nicht nur. Auch Loris Exexexex.

Heisst: Freundin Nummer dreizehn: Schluss. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber.

Und jetzt: zurück zu Zdenka.

Zurück zu Zdenka, die’s nicht goutiert hat, dass Lori mal kurz («In einem Anfall kompletter geistiger Umnachtung») die Hand in Barbaras Höschen gesteckt hat.

«Laurent?»

«…Dani.»

«Bitte, bitte, bitte nicht. NICHT.»

«Ach, sie will mich eh nicht zurück. Das heisst, doch. Aber erst nach neun Bewährungsmonaten.»

«Nach neun Monaten Zölibat?»

«Ähm. Yep.»

«Ähä.»

«Ich werde es hinkriegen.»

«Ähä.»

«Nenn mir einen guten Grund. Nein, nenn mir zehn Gründe, gut können sie gar nicht sein.»

[Drei Stunden später, per Mail:]

«1. Ich denke nur noch an sie. Bei Tag und bei Nacht. Ich träume sogar von ihr.

2. Ich bin ständig total scharf auf sie, andere Frauen interessieren mich einen Dreck.

3. Ich finde sie immer noch… einfach GROSSARTIG.

4. Wir treffen uns wieder regelmässig und verstehen uns super.

5 . Ich kann nicht mehr schlafen.

6. Ich kann kaum mehr essen.

7. Sie zweimal zu verlassen waren die grössten Fehler meines Lebens.

8 . Niemand kennt mich besser als sie.

9 . Alles was mich jemals an ihr gestört habe, finde ich nun wunderbar.

10. Ich bin bereit, sie mit all ihren Fehlern und Schwächen zu akzeptieren.

11. Ich weiss und spüre es: SIE IST ES EINFACH.»

Der Gute hat einen an der Waffel. Aber dikke.

Zdenkamich hat ihm ins Rückenmark gebislet. Oder Becherovka gefixt.

Ich order ihm einen Exorzisten.

Allzu gut erinnere ich mich an die ersten beiden Runden mit dem Dummchen. Hin und weg war der Gute, primär ob ihrem hirnfreien Sex-appeal.

Hingehalten hat‘s jeweils für einen Monat. Maximal.

Und nun stilisiert er sie dirnix wieder zur grössten Liebe aller Zeiten?

Den Brunz, den er mir da zusammenlistet, erinnert mich an meine Prä-BRAVO-Zeiten, der Mann krankt offensichtlich an einem Hormondefekt. Hoffentlich temporär.

Jetzt will er eine Schwangerschaftsdauer lang auf sie warten, sie dann in seine starken Ärmchen schliessen, aufs weisse Pferd heben und mit ihr ins Schloss Jindřichův Hradec entreiten, wo sie die dritte Entjungferung feiern können?

«Lorimeinlieber. Muss ich lügen?»

«Schone mich! Ich leide genug an der Qual, die grosse Liebe, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben, aber nicht leben zu können! Nach der zweitgrössten Liebe suchen zu müssen, scheint mir – schlichtweg – unerträglich!»

Die Sache stinkt. Bis hinter den Himmel.

«Kauf Dir ein Blacksocks-Abo, Romeo. Und hol Dir einen Porno in der Videothek.»

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My best friend’s wedding.

Blog 44, 9. Juli 2009

Mit den Exinnen und Exen, die wir in unserem Biografie-Package mitschleifen, ist das ja so eine Sache..

Während die einen schön säuberlich nachbearbeitet, etikettiert und archiviert sind, liegen andere wie Bomben im Magen, prall gefüllt mit Hass und Zorn aus tiefster Herzensmitte, bereits bei der Erwähnung des zugehörigen Namens funkt die Lunte, und verletzter Stolz und das ganze blutende Ego kommen zum Vorschein. Wieder andere tragen wir auch nach Jahren schon wie alte Pelzmäntel in den Kellerabteilen mit uns rum, oder haben sie als kleine oder grosse Rucksäcke und Bauchtäschchen stets mit dabei, wenn wir auch jemand anderen am Händchen halten.

Bei zwei von meinen kann ich mich ohne fotografische Zeitdokumente nicht mehr an die Augenfarbe erinnern. Und bei Martin studier’ ich seit Tagen am Namen seiner Schwester rum, die ich immerhin bei jeder Familienfestivität (und sie fanden leider in hoher Frequenz statt) zu Gesicht bekam. Auf einer Dämliche-Puten-Skala hat sie’s gut und gern auf eine 8.5 gebracht.

Natürlich hab ich auch Lieblings-Exen.

Und ich hab all die Exen und Exinnen meiner Freunde und Freundinnen. Von denen ist Ion mein liebster Freundesfreund-Ex. Ion hat meine Freundin Solonge während immerhin acht Monaten durchs Leben begleitet. Die beiden waren extrem glücklich. Seit einem kurzen Zwischenglück mit einem Pascal ist Solonge jetzt wieder alleine glücklich.

Meine Favoriten-Freundesfreund-Exin ist Anna. Weil Ralph aber zu meinen wirklich dicken Lieblingsfreunden gehört und sich die beiden (weil Ralph die Sache verbockt hat), so richtig verfeindet haben, leben Anna und ich eine Form der telekinetischen Fernliebe.

Ralph und Anna waren ein perfektes Paar. Sie Frau Dr. Kunsthistorikerin mit einer eigenen Galerie (ja, Papa hat Geld, aber trotzdem) auf dem Direktweg zur Art Basel, er Leiter eines Heims für ziemlich schwer erziehbare Jugendliche. Ihre (ehemalige) gemeinsame Wohnung: Viereinhalb Viermeterdecken-Jugendstilzimmer an der Tödistrasse mit original ungewachsten Fischgratböden, Bulthaup-Kochinsel, Füsschen-Badewanne mit Regenbrause etc. Ach ja: Plus eigene 20qm-Terrasse mit Glühbirnenbeleuchtung, chilenischer Hängematte und einem dieser Dampflok-Weltmeister-Grilldinger. Alles äusserst adrett mit Original-Designermöbeln dekoriert. Selbstredend war Anna für die Wandornamente zuständig. Nicht genug, sehen Anna und Ralph beide blendend aus, sind kerngesund, supersportlich und überhaupt. Im Kühlschrank stets nur Comestible-Gemüse, Fleisch vom Biobauern, Alpkäse vom Markt und Sündenpfühlchen von Teuscher. Und – nein, es gab da wirklich keinen Makel – sie hatten natürlich auch ein grossartiges Sexleben. Das haben mir beide getrennt befragt ständig und gerne bestätigt. Alle haben sie beneidet.

Dass es trotzdem nicht geklappt hat, ist eine ganz andere und dumme Geschichte, die ich hier und heute aber nicht erzählen will.

Als Anna, nachdem Ralph die Sache verbockt hat, über Nacht aus dem gemeinsamen Reich ausgezogen ist und innert Wochenfrist ihre Bilder abgeholt und den ganzen während fünf Jahren zusammen angesammelten Hausrat bis auf das wenige, was beide in den eheähnlichen Zustand eingebracht haben, an ein Brockenhaus verschenkt hat (sie war wirklich sehr enttäuscht), lebte Ralph noch rund sechs Wochen im ausgehöhlten Walbauch.Immerhin kamen die grossen Fenster besser zur Geltung.

Ralph war am Boden zerstört. Und da lag er auch meistens, wenn ich mit Zigaretten, Schnaps und einem halben Kilo Rind bei ihm reinschneite.

«Du musst hier raus.»

«Ich weiss.»

«Dann mach.»

«Und wenn sie doch zurück kommt?»

«Vergiss es.»

Ich hab ihn dann in einer Wohnung an der Zentralstrasse mit zwei niedlichen Zimmerchen und einem gemütlichen Balkon einquartiert.

Wie Männer so sind, hat sich Ralph denn auch rasch wieder gefangen. Nach zweieinhalb Leidensmonaten fing er an, wieder auszugehen. Und wenn gut aussehende Männer, die dazu noch in sozialen Berufen aktiv sind (in leitender Position womöglich), ausgehen, finden das die Weiblein ziemlich attraktiv.

Immer öfter, wenn ich einen Kontrollbesuch machen wollte, standen Dornröschenpeeptoes, Sandaletten oder Stiefeletten in den Grössen 36 bis 39 ordentlich neben seinen Turnschuhen vor der Tür. Ich war beruhigt.

Nach fünf Monaten hatte er sich in seinem neuen Leben eingerichtet.

«Heut hab ich mir endlich Tisch und Stühle gekauft. Nico hat seinen alten gerade abgeholt.»

«Grossartig!»

«Kommst Du übermorgen zum Trinken?»

Ich war länger nicht mehr bei ihm gewesen.

«Hübsch.»

«Danke!»

Das war eiskalt gelogen.

Ein schwarzer Holztisch und Thonet-Imitate von Interio. Ein dunkelgrünes Ecksofa von Möbel Pfister. Zwei schwarze Regale, ein heller Teppich und ein Bild von Ikea. Ein Ficus Benjamini in einem blauen Topf. Eine bemalte Truhe vom Brockenhaus und – ein kleiner Lichtblick – eine 60er-Jahre-Minibar von Hektor-Living.

Das war also Ralph. Ohne Anna.

Im Kühlschrank halbverfaulter Rucola-Salat und drei vertrocknete Limes, drei Bierdosen und Fertig-Tomatensauce. Von Aldi.

Die gab’s dann auch zum Abendessen. Mit Migros-Eierteigwaren, einem faden Salat und schrecklichem Besteck. Das Pferd war von der Quartiersmetzg. Wein erstklassig. Der Grappa erst recht.

Gutes Fleisch und guter Wein. Das ist Ralph.

Der Rest: verstaucht kann man nicht sagen. Geprellt um Geschmack, der gute Ralph.

Ralph ohne Anna. Ist das so? Sind wir, reduziert auf uns selbst, nur halb so gut?

Erschreckend. Aber drum heisst’s wohl so schön ‹die bessere Hälfte›.

Ach, hätte er’s doch bloss nicht verbockt.

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Ob er das darf?

Blog 43, 2. Juli 2009

Simone hatte – der Ausdruck ist ja so charmant –‹a crush on him›.Bei ‹him› handelt es sich um Marco Mancuso, einen Demi-Parmigiano mit hellgrünen Augen und grossen braunen Locken, die sein schmal geschnittenes Gesicht im waxlosen Pflegefall optimal umrahmen. Wer an ihm Details bemängelt, will wohl seinen Geist, (der Mann übt den Arztberuf aus), seinen kräftigen Körperbau und die vollen Lippen preisen, aber das Fehlen von Witz, die allseits intensive Körperbehaarung und die etwas zu vernachlässigten Bisswerkzeuge bedauern.

Simone hat sich darob nur zeitweise stören mögen; meist war sie, wie bemerkt, durchwegs entzückt ob ihm, der sich zudem – auf so tschinggenuntypische Weise – scheu, ja fast schon verklemmt gab im gemeinsamen Umgang. Als sie ihn an einem wundersam warmen Frühlingstag nach einem leicht alkoholischen Getränk ‹auf dem Kies› auf dem leeren Helvetiaplatz umschlungen und geküsst hatte, schien er gar ein wenig erschrocken.

Simone befleissigte sich noch ein Momentchen und verbalisierte zu einem gegebenen Zeitpunkt die leisen Empfindungen, die sie zu verspüren glaubte. Monsignore Mancuso bedauerte sehr, diese im Moment zumindest nicht im geforderten Sinne erwidern zu können. So gab Simone das Werben auf und verhielt sich fortan kühler und unzugänglicher.

Dessen ungeachtet sah man sich weiterhin ab und an, wohl auch in Ermangelung von etwas anderem oder zumindest besserem. Auch das mit dem Schnäbeln liess Simone fortan tunlichst bleiben und Marco schien es nicht zu vermissen. So wendete Simone ihre Aufmerksamkeit zwischenzeitlich anderen Herren zu, worob Marco etwas in Vergessenheit geriet.

Nun wollte es das Schicksal, dass Simone und ihre Hausbewohnerin Sonja eine kleine Festivität im trauten Heime planten, zu der ebenfalls geladene Marco auch erschien.

Simone hatte sich in dieser Nacht um andere mehr zu kümmern und Marco schien etwas verloren in der grossen Runde. Sonja sah sich deshalb genötigt, sich der Verlegenheit des gutaussehenden jungen Mannes anzunehmen, indem sie ihn, wie es ihrer Art entspricht, gehörig anstachelte, um ihn zum Leben zu erwecken. Dies schien Marco zu gefallen, liess er sich doch gern herausfordern und versuchte, aus sich heraus ähnliche Sprachspiele zu generieren und Sonja zu weiteren ähnlichen Aktivitäten zu verführen.

Gleich am nächsten Morgen fügte Marco Sonja zu seinen Gesichtsbuchfreunden hinzu. Ein durchaus reger Mailverkehr nahm seinen Anfang. Marco entsprach Sonjas Vorstellungen eines potenziellen Bräutigams zwar nicht, mit anmutigen Briefchen bedacht und nach seinem Befinden befragt zu werden, war jedoch annehmlich.Weil Sonja darauf bald für ein ihr geeigneter scheinendes Wesen entflammte, dünnte der Verkehr zwischen den beiden stetig aus.

Darüber war Simone nicht traurig, empfand sie doch Marcos Scharren an den Toren ihrer Freundin leicht befremdlich, wenn es ihr auch fern lag, sich zwischen ein sich gegebenenfalls anbahnendes Glück zu zwängen.

Wenige Monate später hatte sich zwischen Marco und Simone ein neuen Faden gespannt. Da Simone sich aber der vorsichtigen Zurückweisung Marcos noch immer lebendig bewusst war, wusste sie selbst nicht, wie gross ihr Verlangen wirklich war, sich in seine Augen zu versenken und sie sagte sich, umso froher zu sein, einen Freund gefunden zu haben, mit dem sich angenehme Stunden verbringen liessen.

Marco verkehrt infolge seiner beruflichen Tätigkeit bei einer privaten Klinik an einem waldigen Hügel mit einem Klientel, das als recht gut situiert bezeichnet werden darf. Als er eines Mittwochabends zu einer kleinen Gartenfeier geladen wurde, fragte er Simone, ob sie ihn begleiten möge. Diese sagte sogleich zu, da ihr das Anwesen, in dem die Feierlichkeit stattfinden würde, von Namen her bekannt war.

Was niemand zum Vornhinein wusste: An diesem Abend würde Stella ebenfalls zugegen sein, eine enge Vertraute Simones. Was das ein freudiges Aufeinandertreffen der beiden jungen Damen! Marco und Stella waren sich an besagtem Fest bereits kurz begegnet und schienen deshalb ebenfalls bereits vertraut. Nur wenige Worte wechselten die beiden aber an diesem Abend, an dem sich Marco rührend um Simone kümmerte.

Wenige Tage später erfuhr Simone, dass Marco Stella am Morgen des Donnerstags bereits auf dem Gesichtsbuch aufgesucht und ihr eine Notiz geschrieben hatte. Da erinnerte sie sich auch, wie Marco sie, die zu diesem Zeitpunkt keinerlei Bedenken gehegt hatte, ganz unauffällig, als hätte er es bereits gewusst, aber wieder vergessen, nach Stellas Familiennamen gefragt hatte.

Stella fühlte aber ihrerseits kein vertieftes Interesse am jungen Ingenieurssohn, wenn ihr auch seine flattierenden Annäherungen insgesamt nicht ungelegen waren.

Simone aber wunderte sich ob Marco. Sonja und Stella waren so unterschiedlich wie die Tag- und Nachtgestirne! Wie konnte er sich, in Aufeinanderfolge zumindest, für beide begeistern? Anstatt damit sich selbst nur zu löchern, setzte sich Simone hin und fragte ihn dasselbe geradeheraus in einem getippten Zettel. Gleichzeitig fügte sie, wie es ihr sinnvoll erschien, an, dass ihr ‹hortus› wohl ein ‹locus amoenus› sei, sie diesen aber für ihn ‹conclusus› sehe, da sie sich weder als Schleuse sehe noch, zumal ungefragt, als solche zu betätigen gedenke.

Daraufhin versiegten die Worte zwischen Marco und Simone. Und zwischen Marco und Sonja. Und zwischen Marco und Stella.

End of the Story: Ein offenbar desperater, suchender, frauenscharfer, wahlloser, gut situierter, bestens aussehender Typ ist auf dem freien Markt verfügbar.
Bloss: wer will schon sowas?

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Frauengespräche.

Blog 42, 25. Juni 2009

Noch vor der zweiten Flasche Wein, die Selma vom letzten Elternbesuch hat mitlaufen lassen, sind wir beim Thema. Es fängt harmlos an, indem ich die noch immer recht frisch verliebte Sara nach der geradigen Qualität ihres Sexlebens frage.

Erwartungsgemäss bestätigt sich: Pärchen verfügen zwar (durch die permanente Verfügbarkeit des Anderen) eine gewisse Regelmässigkeit in Bezug auf Frequenz, wir Singles vögeln dafür wenn, dann gleich richtig. Und: bei uns können sich glücklicherweise keine bemühenden Gewohnheiten einschleichen («Er macht immer…», «Sie macht immer…»); Experimentierfreude, Hemmungs- und eine gewisse Rücksichtslosigkeit bleiben brav erhalten. Dafür – ich gebe es zu – gibt’s für Singles ab und an auch Nullnummern, wenn man sich infolge Alkoholüberkonsums vergreift oder so viel kifft, dass die horizontale Lage automatisch traumlos macht.

Männer um die dreissig, stellen wir fest, sind zudem leider definitiv nicht mehr die potenten Hengstchen, die sie mit neunzehn noch waren. Bye-bye Libido. Da ist nicht nur schlecht.

Falles die Liebesglut aber weiter proportional abnehmen wird: ‹Guetnacht am Sächsi› – im wahrsten Sinne des Wortes. Alle sieben Tage entspricht am Ende doch nur der Periodizität des Niederurner Wochenblatts.

Angeregt durch viel kühlen Chardonnay aus dem Burgenland und die Vorzüge und Nachteile unserer fixen und temporären Gespielen sind wir uneinig über eine Beobachtung, die Selma neuerdings macht.

«Wir fragen uns gerade, wieso Du in letzter Zeit beim Sex manchmal [das ‹immer› fällt nach kurzer Erörterung wieder raus] Deinen Schwanz am Schaft festhältst»,

SMSen wir ihrem Langzeitlover Lars.

Während Sara vermutet, dass dies zur Vermeidung eines vorzeitigen Orgasmus diene, behaupte ich, dass er im Gegenteil einer zusätzlichen Stimulation bedürfe.

Lars ist folgsam. Drei Minuten später schnurrt das iPhone.

«Ich wusste gar nicht, dass ich das bei Dani auch mache.»

«Wie denn, mit Handschellen? Rück schon raus, wir kommen sonst nicht weiter mit unseren Analysen.»

Während Lars überlegt, wenden wir der offenbar individuellen Notwendigkeit von Gleitcrèmes zu.

«Kurze Erklärung: Empfindungsoptimierung: mehr reiben als rollen.»

Ausgelassene Diskussion. Was reiben, was rollen? Mit einer leeren Flasche und einer Serviette demonstriert Selma den Unterschied.

«Vorhaut-Rollen? Ist das der Beschneidungseffekt oder was?»

«Gut kombiniert, Mädels.»

Ich will es genau wissen und schnapp mir Selmas Mobile.

«Als Bremse oder zum Beschleunigen? PS: Achtung, Glatteis.»

Nun bleibt’s zehn Minuten ruhig. Vermutlich muss die portable Playstation grad herhalten. Als wir schon längst weiter sind, leuchtet das Display.

«Wann trägst Du mal wieder Strapse, Baby?»

«Träum ruhig weiter Schuckel.»

«Selma, so geht das nicht. Jetzt montierst Du die Dinger, gehst heim und kletterst auf den Typen drauf.»

«Aber ich hab gar nicht so Zeugs.»

«Nichts? Nada? Niente?»

«Ein Cockring sollte noch irgendwo rumliegen. Wenn er nicht schon längt im Abfall gelandet ist.»

Nun, dieses Problem lässt sich ziemlich leicht lösen. Ich hole meine Special-Box aus dem Schrank und wir kramen die richtigen Utensilien für Selma raus. Eine entzückende Modeschau! Den ausgeleierten schwarzen Slip entsorge ich im Badezimmereimer. Eine gute Stunde später ist sie ready to rumble.

«Hab Spass, Kleines.»,

Sara und ich winken der blonden Hochsteckfrisur hinterher und leeren, was noch offen rumsteht.

Fünfundzwanzig Minuten später singt mein Nokia.

«Fuck. Lars schläft schon. Hörbar tief.»

«Na und? Dann weck ihn gefälligst auf!»

Sieben Minuten später.

«Nein Danke. Nicht mit den Blähungen.»

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Look who’s talking

Blog 41, 18. Juni 2009

Heute hatte ich das Privileg, im Tram (ich verabscheue diese weissblauen Massentransportmittel) ein epochales Gespräch mitzuhören. In den Sitzreihen vor mir drei Frauen, Mitte bis Ende dreissig. Schräg gegenüber auf dem Einzelsitz Nummer eins, dunkler Kurzhaarschnitt, die Schenkel wie ein Diego Benaglio beim Wimpernzupfen gespreizt, damit der tief hängende Bauch (siebter Monat?) genüsslich dazwischen darniedersinken kann. Von Nummer zwei und drei sehe ich nur Hinterköpfe und Hälse. Man befindet sich allesamt im gleichen ‚Zustand’. Die fruchtbare Trinitas kommt nämlich grad vom Geburtsvorbereitungskurs für künstlich befruchtete ü30erinnen.

Nummer eins (schlank, ecrufarbenes V-Neck-Shirt, schwarze Birkenstock-Sandalen, unlackierte Zehennägel) erzählt gerade genüsslich, dass sie noch immer reinhauen kann, ohne ein Gramm zuzulegen (kein Wunder, Alkoholabstinenz ist die beste Diät).
Nummer zwei (orange gefärbte, schulterlange, dünne Haare, blasser, nichtssagender Nacken, mausfarbenes Oberteil, geschmacklose Haarklammer) seufzt es neidvoll.

  • Hach. Ich darf dafür überhaupt nichts mehr essen.
  • Wieso denn nicht?
  • Ich hab eh schon 15 Kilo zuviel. [Allerdings.]
  • Jaaa … aber das geht doch auch wieder weg.
  • [Hört lieber sich selbst reden] Auf Salziges hab ich nämlich gar keine Lust, auch sonst nicht auf all das, wo man überall liest. Ich hab einfach auf alles Appetit.
  • Dann iss doch einfach!
  • Das kannst DU gut sagen, Du nimmst ja nicht zu.
  • Ich ess halt sehr gesund.
  • Ich auch! [Absolut! Alles nur Bio-Kaloriechen.]

Die dritte im Bunde (blond, Pferdeschwanz, lila Lacoste-Poloshirt), die jüngste der Truppe, hat sich  aufs Nicken spezialisiert. Mit ihrem dürren Hals hat sie wohl schon vor der Befruchtung kaum was gegessen.

  • [Neuer Anlauf] Ich bin irgendwie soo wütend heute!
  • Aber weshalb denn?
  • Die Hebamme hat gesagt, ich solle keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehmen. Oder nur ganz wenig. Und ich liiiiebe Kohlenhydrate!
  • [Unisono, entrüstet.] Was? Wieso denn das?
  • [Die Aufmerksamkeit geniessend:] Dabei hab ich SOLCHE Lust auf Kohlenhydrate!
  • [Alarmiert] Und warum solltest Du denn keine essen?
  • Weil sonst das Kind zu gross wird.

Zwischen den Stationen Kaserne und Stauffacher füllt sich der Dreier mit blankem Entsetzen.
Ein Kind, am Wachstum hindern, in ventro bereits! Auf low-carb-Diet gesetzte Föten!
Diese Hebamme verdient den Tod!
Grad als Birkenstock mit Coolness berichtet, dass ihr ghanesischer Macker nicht bei der Geburt dabeisein wird, weil das ‚da unten’ [geographisch, nicht physiologisch] eine reine Weibsangelegenheit sei (es lebe die Emanzipation!) darf ich, (Hurrah!), aussteigen.

Später dann, nach Dinner for One (Pasta, eine Flasche chilenischer Weisser), Economist, Serienplausch und Skype-Geplätscher, will ich noch einige Facebook-Nachrichten beantworten.
Auf der ‚Home-Site’ lachen mir schon wieder diese Schnuckelchen entgegen. Sunnita, Remo, Davide und wie sie alle heissen. Babyfotos. Embryonenbilder. Schreihalschnappschüsse. Görendias.
Weshalb muss das Heranwachsen jedes angehenden Idioten online dokumentiert werden? Wieso eröffnen sie den Trabanten keine eigenen Accounts und befreunden Klein-Anna mit Klein-Mark und Klein-Rotkäppchen? Und lassen uns Erwachsene aus dem Spiel? Marina interessiert mich nicht, weder im Zirkus noch im Zoo, in der Badewanne, schlafend, auf Papis Schoss, im Schlafanzug, mit verschmiertem Maul, mit zahnlosem Grinsen, verkackten Hosen, fleckigem Lätzchen, rotflaumiger Glatze, Badeschaumrücken undsoweiter und so fort.
Mich interessieren auch keine Weihnachts-, Geburtstags, Ostern-, Pfingst-, Auffahrts- und Fronleichnamsdokumentationen. Echt  n i c h t. Ehrlich.

Auch Status-Updates wie „Sucht mal wieder Loris Lieblingsauto“ sind genau so jämmerlich wie „hat noch Stillmilch übrig zum Kochen“.

Wenn alle Kinder mit allen Kindern ‚friend’ wären, gäbs vielleicht dereinst auch keinen Krieg mehr!
Und man stelle sich all die spannenden Gruppen vor: Nuggi-Groupies, Windelsparwoche-bei  Aldi-Fetischisteni, Babyficker-Lynchtruppe undsoweiter. Und die Events erst: „Linus sagt schon sagt ‚Pipi machen!’“, „Noras Baby Shower“, „Hannes’ [garantiert alkfreie].B-Day-Fete“
Wenn alle aufhören würden, Kohlenhydrate zu essen, würde sich das Übel vielleicht ja doch verkleinern.

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