Monatsarchiv: September 2008

Inho und der kleine Mann

Shannon hat mir erzählt, dass ihr Sohn Moritz, mein Patenkind, mit Dauermasturbieren angefangen habe. An sich bei Männern nichts Aussergewöhnliches. Nur ist petit Maurice gerade mal drei Jahre alt.
Ohne dieses relevante Vorwissen hab ich Shannon eines schönen Singlesamstagnachmittags einen Besuch abgestattet. Mitten im friedlichen Zopfteigtierchenbasteln ist der Kleine plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Nichts ahnend mach ich mich auf die Suche und finde ihn im Bettchen liegend, die Hand zwischen den Beinen, angestrengt hin- und her rutschend, die grossen Locken im Nacken schweissgekräuselt. Wortlos grossäugig steh ich vor Shannon, den Daumen gen Kinderzimmer, die neue Löwenhöhle, gerichtet. „Alles im grünen Bereich“, beruhigt sie mich, der niedliche Kinderarzt habe zugesichert, dass das zur aktuellen Entwicklungsphase gehöre. Lustig findet sie’s ja auch nicht, aber solang er nicht ihre – und, Bittschön!, meine – Hosenbeine missbraucht, lässt sie ihn gewähren. Etwa zwanzig Minuten später, mein Gott ist der ausdauernd, steht der transpirierende Moritz in der Küche und gräbt die schuldhaften Fingerchen in einen Teighaufen.
Ich setz meinen Scheinigenheil auf.
„Wo warst Du denn?“
„Im Zimmer.“
„Und was hast Du im Zimmer gemacht, hmm?“
Mal schauen wann sie lernen, zu lügen.
„Schnäbi reiben.“
So so.
„Und das ist gut?“
Das war eine blöde Idee von mir, denn jetzt ist er in den Demonstrationsmodus gefallen. Auf dem Sofa. Shannon, leicht entnervt, schickt ihn weg. Stracks verschwindet er im Schlafzimmer. Wenn Shannon hundertfache Tode sterben sollte, will ich dieses Kind nicht in meinem Haushalt haben.

Am Abend betrinke ich mich ganz furchtbar. Frühmorgens werde ich angechattet. Ein Bürschchen, gerade den Teeniejahren entwachsen und, gleich mir, um halb vier Uhr nachtaktiv und hormonell, wenn auch nicht, ungleich mir, promillemässig, gut dotiert, aktiv.
Schnuckliges Geschöpf, dunkelblond und hellblauäugig, der Körper, sagt sein Strandfoto, an der Schwelle zum Mannwerden, was unmittelbar Retro-Gefühle bei mir auslöst; zu seinen Gunsten. Hardcore frech, das Gemüse. Ein ‚Tschütteler’. Dass er noch Reifezeit braucht, scheint ihm bewusst, sein Alias endet auf -inho.
Let’s get down to business.
„und bist du denn wild und laut beim sex baby hmm??? ich mags wenn eine geil reitet uhhhh.“
Au Mannkind, wenn schon ohne Contenance, dann bittschön zumindest mit Elegance.
„haha will doch nur bissel reden weil bin so spitz süsse und massiere mich grad ;-)…“

So geht das noch ein wenig weiterinho, es gelingt ihm gar, mich ins Skype-Hype-Happyland zu locken, wo er seine Webcam aktiviert.
Ich: „Geht nicht. Kaputtbenutzt.“
Dabei will ich nur mein von Chesterfield und Champagner gezeichnetes Gesicht nicht präsentieren, Alter macht eben doch eitel. Er schluckt. Auch das.

Als ich von der Toilette zurückkomme, das im Glas sprudelnde Alka Seltzer balancierend, liegt Adonis in günstigen Boxershorts in blauer Bettwäsche. 320 x 240 Pixel gross.
„Bettzeit, Inho?“
Das Kind ist offensichtlich auch grad in einer Entwicklungsphase. Alles im grünen Bereich, man muss sie gewähren lassen. Sonst drohen Traumata und sie enden als verwahrte Triebtäter. Seufz.
„Hey turnt dich das an?“
Wahnsinn, Billy, ich mach mir gleich in die Hose.
A propos. Moritz blieb (noch) brav im Cordhöschen stecken. Inho aber lässt grad die Hüllen fallen… und sieht plötzlich gar nicht mehr so blut- ähm jung aus, damn, klein Moritz mit den vier Zentimetern ist vergessen und ein gutes Stück nüchterner rücke ich näher an den Bildschirm.
So spannend ist’s denn leider auch nicht. Zu oft gesehen, was hier reibt und früher rutschte. Inho wird flüsterleise, die Eltern im Nebenzimmer in der Nachtruhe.
„Zeig mal dein Gesicht, dein Schwanz interessiert mich eigentlich nicht.“
Er rückt vor seine Webcam und beschämt mich mit seinen zwanzig Jahren und seinem verlegenen Blick, aus ist’s mit der Koketterie, die Linse eben doch das Tor zur Seele.
OK, ich erlöse dich.
Schon ist er wieder hochgerutscht und weiter geht’s, meine verbale Unterstützung ist gefragt, ich lalle etwas vor mich hin und dann ist auch schon Showdown.

Telefon mit Shannon. Du bei Moritz, sag mal, da kommt nichts, ähm, raus, oder?
Ich will ja weder heiraten noch Kinder werfen, aber allenfalls müssen meine frisch verliebten und Solo-Freundinnen vor ungeahnten Gefahren bewahrt werden.
Aber es sei ‚nur’ der Schwellkörper, der so verdammt früh aktiviert werde, igittigitt, das reicht mir schon.
Inho der Nimmersatt?
„hatte es dir gefallen gestern ;)?? warst ja noch lange online 5 uhr hmm.“

Plötzlich schiebt sich Moritz’ heller Schopf über Inhos Gesicht, mir wird ein wenig schwindlig und ich falle vorwärts in die Vergangenheit.

Sing und schwing das Bein,
lass die Sorgen Sorgen sein,
schaltet wieder ein,
zum nächsten Fraggle-Spass.

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I scream. You porn.

(Ein Selbstunbefriedigungsversuch.)

Dass ich mich bis anhin noch nicht ins DuPorno-Land verirrt habe hat weniger mit Prüderie als vielmehr mit meiner grundsätzlichen Aversion gegen Filmli, die ich nicht selbst verantworte, zu tun. Gilt also auch für die Clips, die Ihr mir auf mein Facebook-Profil appliziert. Und natürlich für die DuRöhre, Urmutter aller autodidaktischen Stars&Sternchen, Bildräuber und Regisseure.

Auf Suzys Anregung (muss die Gurke beim dritten Pimms gewesen sein), stelle ich mich dem nun. Abendfüllend und auf Nachtreize hoffend.

DuPorno ist Besitztum von Lord Sam Anonymus, DuRöhre (natürlich) Adoptivkind des Buntebuchstaben-Imperiums (gewinnt deshalb im Buntebuchstabenfight um Faktor 100). DuRöhre zeichnet gemäss Expertise für 10 Prozent des gesamten iDatenverkehrs verantwortlich. Frau weiss aber: Sex sells. Und wenn’s Saftiges nur auf DuPorno gibt, könnte die Site der DuRöhre bald den Rang ablaufen; bereits hat sie’s nämlich auf der Weltrangliste der meistgeklickten Websites auf Platz 32 geschafft.

But: Let’s get physical.

Startseitenvergleich: DuRöhre im propernetten Weiss, DuPorno in sündigem Schwarz. Explizit pornographische Löchli lächeln mir ins Gesicht, bestens verschlagwortet: «Anal Creampie», oder, wenn auch weniger anmächelig, «Old is Gold» und «Thick cum on hot tits», da passt mir schon le Zizi auf dem Startbild nicht. Die Schau beginnt. Ich zieh mir «amateur ex girlfriend fucking» rein, und hoff auf Aufklärung bezüglich des Bezugswortes von ‹Amateur›. Als Konkurrenz wähl ich – ebenfalls ab Startseite (‹Most Active Videos›) «Hamilton & Raikonen» [sic!]. Dass es hier voll abgehen wird, ist Programm, Homophilie ist trendy.

DuRöhre zuerst. 2:49 Minuten. Sprache: Babylonisch. Hektisch, zutiefst erregte Männerstimme, laufend lauter und schneller werdend, viele schtiös und gjös, dann, plötzlich, weibliche Klänge, ebenfalls klimatischem Kreischen nah, selbstlautarm und reich an r vor und auf b, weiss nicht, ob die Exaltation die Vokale frisst, oder wir bei «Ljubljana Live am Abendsky» sind. Im Bild: Wildes Balzgehabe von Räikkönen und Hamilton, bis zum Hals versenkt im Männerfetisch aus rot gespritztem Metall mit aphrodisierend kontrastierendem schwarzen Gummi. Der Mann hat das Ruder in der Hand. Da schaltet sich die Fistelstimme aus dem Off zu, heftigst geht es nun zu und her, zumindest soweit ich verstehe, was ich sehe, fremd sind mir diese Taktiken und Positionswechsel. Hamilton nimmt Räikkönen von hinten! Dann sind sie in der Parallel-Löffelstellung, bevor sich Räikkönen an Hamiltons Arsch festsaugt. Sie holen das Letzte aus sich raus. Steigerungslauf der Stimmen aus dem Hintergrund, dann, plötzlich, (Lust-)Tropfen auf der Kameralinse. Aber die beiden ziehen’s noch eine Runde weiter, es wird geritten, was das Zeug hält, die ganzen Pferde explodieren unter der Hose äh Haube. Plötzlich ein vorne auf Stoss-Stangen-Spanking lauernder dritter Player im fancy Silberdress! Gnadenlos wird er von der harten Spielwiese gedrängt, aber dann kommen weitere dazu, wir sind mitten in einem Gang Bang der ganz toughen Sorte. Dann zeigt Ferrari seine Potenz und drückt ab. Räikkönen bumst!
– voll in die Wand.

Fertig luschtig. Wow, ich bin schweissgebadet.

Der andere Clip: Satte 20 Minuten 48 Sekunden. Sprache: anglikanisch, stark reduziertes Vokabular. Ein scheu in die Kamera schauendes Blondchen sich bis auf Hömmli und Hösli ausgezogen – muss sie ganz alleine bleiben? – ach nein, da klettert schon der Ex (?) Amateur (?) fudiblutt obendrauf und zack sind wir (er vor allem) mittendrin im Missionarsspass (ich harre schon der Teebeuteltechnik in actio!)  Knutsch-knutsch und das Händchen im Slip, selbigen ausziehend, die wohlgeformten Beinchen verbreitert und das Zünglein an der Waage. Offensichtlich logistisch komplex mit der Kamera, die will auf dem Stativ die Augen nicht am rechten Ort haben, konstatiert sein prüfender Rück-Blick, also wird sie gaaanz in nahe rangerückt. Nur: wo’s naturgemäss eher dunkel ist, bringt’s schlicht nix. Ein schwarzes Loch. Eindrucksvoll. Aber das Mädchen macht dafür ein-zwei Tönlein im Hintergrund. Dann ist auch sie splittrig, aber jetzt ist, scheisse, ganz Sense wegen einer dreiminütigen Bildstörung. (Amateur!). Ah voilà, da ist er wieder, aber der hat da was im Steissbeinbereich, einen braunen Fleck oder Dreck, der hüpft wie die Hoden auf und ab. Rammeltechnik, gähn, aber ihr scheint es zu behagen, hau den Lukas, denk ich, der Fuss baumelt im Takt über seinem Oberschenkel. «Come» grunz-grunz und auf steht er und macht irgendwas aber ich seh nur seinen weissen Arsch. …was ist jetzt? Ach, wohl nur eine Zwischen-uiuiui-Phase, er will ja schliesslich nicht schon jetzt ablosen. Auf und ab und auf und ab und auf und ab, Gummi hab ich hier keinen gesehen, dafür einen grauen Plastik-Vorhang hinten, vor der Kiefertäfer-Wand und neben dem weissen Draht-Rollgestell. Das Mädchen kommt eventuell, es kneift jedenfalls in das schwarzbraune Ding am Rücken.

Kamerawechsel. Side shot, Américaine. Endlich wird das Blondie mal gekehrt, immerhin schon Halbzeit. «O my god» wiederholt sie glaubwürdig, als hätte sie ihn gesehen, mitten im Federnest. Farbenflimmern vermiest mir wieder das Vergnügen. Jetzt will sie, dass er aufhört, er aber nicht, obwohl sie schon ganz erschöpft «Ohbabitte» sagt und dann weiterbetet. «Oh baby» wird zu «go baby», sie bewegt nicht mal mehr ansatzweise das Becken mit sondern vergräbt sich ganz im Kissen. Hilft nix. Neue Taktik: «Baby come-on fuck me» und ein (verhältnismässiger) Heiden-Lärm scheinen ihn etwas zu beschleunigen. Endlich sieht man mal mehr, nämlich den Schatten seiner dichten, bis zum Nabel wuchernden Schambehaarung, unglaublich was der Mann schlecht UND ineffizient ist, den hätt ich auch dismissed. Endlich hat auch er Gott gesichtet und bricht darob auf ihrem Rücken zusammen. Seine letzte Amtshandlung gilt der Kamera. Danke.

Ich brauche ein Pralinato. Und einen Grappa.

Eins zu Doppelnull für DuRöhre. (Nebenbei: F1 und Co. gehören für mich zu den meistgehassten Autistenhobbies.)
Fazit: Wenn Du schon lausigen Sex hast, dann bitte Pfoten weg vom Rec-Button. Und: Ich zahle nach wie vor gern für Qualitätsbilder.

«amateur_soffie_fucking_again_and_taking_load» ist auch dann wenig empfehlenswert, wenn man vor lauter Langeweile schon im Sarg liegt. Das weibliche Dings bräuchte eine Zahnkorrektur. Und gefälligst einen Einkaufs-Assistenten in der Lingerie-Abteilung.

Dritter Versuch. Ich füttere DuPornos Suchmaschine. ‹Apocalypse›. No matches found. ‹Häschen›. No matches found.
Andersrum. Ich geb «amateur ex girflfriend» bei DuRöhre ein. Ein paar Treffer: bei «Ex-girlfriend webcam video» bestätige ich meine Adultessenz, bevor eine 17jährige im Tanga mit einem Stuhl tanzen darf, während im Hintergrund die Hauskatze durch die Stube tappst. Süsser Hintern, immerhin, wenn auch ein Mismatch mit den Clown-Kniesocken. Nach einer Minute hab ich die Message raus, das Gehopse und Geschwinge dauert noch 3:59 Minuten an. Kaum nackte Haut – feel the difference!

Gegenversuch: Was macht DuPorno mit ‹Hamilton›?
«EX Slut Lindsay Hamilton».
Das möchtet Ihr nicht sehen.

Ich schwör’s.

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Ein Mann, kein Wort

Das Blöde am Single sein ist ja auch, dass man niemanden hat, mit dem man sich in die Haare kriegen und dem man Playstation-Games wie Cookies zerbröseln, Zahnbürsten scheren, Socken auf den Boden bostichen oder das Zwetschgenjoghurt mit Wasabi veredeln kann. So kann ich bei Bedarf nur ganz allein vor mich hinfluchen und zetern, was bedeutend weniger Spass macht, als seinen ganzen Dreck einem Vis-à-vis um die Ohren zu schleudern und die spielend erlernten, grundsätzlich hoch gehaltenen Maximen der gewaltfreien Kommunikation mit dem ersten «Arschloch» in den Wind zu streichen.

‹Streiten will gelernt sein?› Keine Rede, wenn das zartkleine Ego den Rappel kriegt, sich mit Hassgefühlen aufbläht, die den Nacken hoch kriechen, das Hirn wie New Orleans flachschwemmen und die Syntax nur noch «Du!irgendwas!»-Sätze fabriziert.

Sandy zum Beispiel. Verbringt ein wundervolles Weekend mit Ihrem neuen Freund. Zwei Nächte im Südtirol, Bozen-Besichtigung, Wandern hier (wasimmer daran schön sei soll), Wellness da, den Digestif in der einzigen annähernd hippen Bar und den Dreigänger davor im fast schon romantischen Landgasthof. Charly verzichtet ganze drei Mal auf ‹Sport Aktuell› (ein ziemlich grosses Opfer!). Immerhin gibt’s dafür beide Nächte und einmal am Morgen Sex als Supplement. Auch die Heimfahrt friedlich, Sandy fährt und macht ihre Sache anständig. So far so good.

Während sie zuhaus die Taschen ausräumt, kümmert er sich um den Poulet-Curry Salat (Bell), köpft dann ein Bier und setzt sich vor die 50 Zoll’, die Sandy niemals in die gemeinsame Wohnung übersiedeln lassen wird. Nach dem Salatgenuss kuschelt sie sich auf dem Sofa an ihn, ein DVD rundet das schöne Gemeinsam ab. Sandy pflegt sich nach dem Abspann nachthübsch, Charly blättert in der Küche durch die NZZ am Sonntag. Statt links zweigt er dann aber wieder rechts ab und reaktiviert den TV. Sandy ruft durch die Daunen.

«Charly?»

«Hmm.»

«Was machst du?»

«F1 schauen.»

«Jetzt läuft Autorennen?»

«HD-Recorder.»

Schweigen.

«Es ist schon zwölf.»

Nun trennen sich der beiden Wege. Charly ist gänzlich in die Tücken und Reize der schnellen Autöli vertieft. Auch bei Sandy läuft ein Film. Der geht etwa so: Und dann waren sie gemeinsam im Wochenende und dann hatten sie eine wirklich (wirklich!) ganz schöne Zeit zusammen und er hat auch fast nicht TV geschaut weil sie ihm besseres gezeigt hat und dann war man ihm zuliebe an jeder Garage die Neuwagen angucken und dann hat er ja trotzdem immer am Abend kurz die Nachrichten schauen können und dann war sie ja wirklich gut im Bett und dann war da so viel Nähe und er hat zugehört und sogar recht persönliche Sachen erzählt und sie hat gedacht, sie kennt

«Charlie?»

«Hmmm?»

ihn langsam so gut und dann hat er doch so den Plausch gehabt am Wandern obwohl er eigentlich gemeint hat er hasst es und dann hat sie ihn doch auch ausschlafen lassen obwohl sie so viel früher schon hätte loslaufen wollen und die Route hat sie auch

«Willst Du nicht ins Bett kommen?»

«Gleich.»

abgekürzt damit er nicht grad so viel bergauf muss und im Wellness ist man lang in der Sauna geblieben weil er die Hitze mag und dann hat sie eigentlich diese Stellung gar nicht soo gern nun ja schon aber nicht so wie er und dann dann kommt man nach Hause und sie geht extra zu ihm weil sein Arbeitsweg von ihr aus mühsam ist und dann kann er nichts aber auch nichts besseres als vor die Glotze hängen dabei hat sie doch schon

«Charlie!»

«Ich kann nicht schlafen bei dem Scheissmotorenlärm!»

tausend mal gesagt dass sie das nicht mag und überhaupt wie viel ist sie ihm denn wert etwa nicht mal so viel wie ein verdammtes verfluchtes Autorennen?

Und dann lodert das Feuer unterm Dach hervor und Sandy steht im Negligé auf den kühlen Steinplatten und Charlie findet sie trotzdem nicht mal hübsch weil sie ihm schon tierisch auf den Sack geht, spinnt die jetzt, hat er sich doch die grösste Mühe gegeben und drei Tage lang nur nach ihrer Pfeife getanzt.

Sandy verbringt den Rest der Nacht dann in ihrem eigenen Bett. Nach einem Schmollmontag und zwei bis drei Telefonstunden später ist’s dann am Mittwochmittag wieder gut. Bis zur nächsten HG-Detonation, schliesslich steht das Plasmadings immer noch da rum.

Mit der situativen Überlegenheit meines Happy-Single-Status mache ich Sandy weis, dass jeder Mann ausgeprägt pathologisch weltabgewandte Züge aufweist und man ihm einfach genügend Raum für sein privates Autisten-Hobby, wie Spielkonsolen-Gamen (Staatsfeind Nummer 1), TV-Glotzen, ambitioniertes Modellheli-Bauen, Uhren- oder Töff-Heftli-Lesen, dilettantisches Liedli-Mixen, online Texas Hold’em-Pseudopokern, Zinnsoldaten-Malen, Marathon-Laufen (und natürlich ständig dafür trainieren) oder Permanent-Sounds- und Sexclips-Downloaden, zugestehen soll – und alles wird gut.

Denn es hat aber auch gar nichts mit dir als Frau zu tun, sondern nur mit seinem ureigenen ‹Ich-bin-ein-Genus-maskulin-und-du-bist-anstrengend-anders-Komma-deshalb-beschäftige-ich-mich-jetzt-mit-etwas-Komma-das-nach-meinen-Gesetzen-der-Logik-funktioniert-Komma-hock-mich-in-meine-Höhle-und-regenerie-vor-mich-hin-Punkt-lass-mich-in-Ruhe-Ausrufezeichen›-Selbstgefühl.

Nach einer Flasche Nulleiner Château Coutet Barsac auf meinem kleinen Balkon ist Sandy weg und ich konstatiere erleichtert, dass Affären eben doch ihre besondere Qualität haben.

Bevor Power-Buttons gedrückt werden, bin ich jedenfalls immer schon wieder weg.

Im Bad hängt die Neonröhre, die Reto vor einer Woche erst repariert hat, im Wackelkontaktstatus fest und – als wäre das nicht genug – eine riesige Spinne klebt direkt über meinem Bett. Ich fluche Höllenhunde und Mordio, aber die DVD verfehlt das meterdicke Kreuzding auch beim dritten Versuch.

Ich verziehe mich mit der Restpackung Truffes Cru Sauvage aufs Sofa und zieh mir den ganzen Serienrestabend auf SF2 (mit allen Wiederholungen) rein.

Spätnachts das SMS von Sandy.

«Bin immer noch genervt. 1000 Danke für Wein und Weisheit. Du bist zu beneiden, echt.»

«A votre service. seventwentyfour.»

«Merci. hast du noch nachtbesuch gekriegt 😉 ? oder was treibst du so?»

«Ach, nichts.»

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