Monatsarchiv: Oktober 2008

Weisse Massai sucht Wüstensohn zwecks gemeinsamen Sandsturms

(Blog Nummer 11)

Männer. Dies ist kein Witz. Das ist ein echter sexologischer Notfall.

Sugarbabe needs Sex.
(Ausrufezeichen.)

Nicht vierzig Tage; vierzig Monde bald, unaufhaltbare, unaushaltbare, ist ‹es› her. Noch immer aber reitet sie (so spät durch Savannannacht und Windsturm) tapfer über das nicht teilen wollende Sandmeer, die zarte Zeltaraberin Sug Arbabe al Fackatah ben Nimmsiplies.

Dank der christlichen Askese in der Wüste gleichermassen geläutert wie revirginisiert, die Hitze von Milliarden täglich in flirrender Dürre (umesuscht!) aufgehitzter potentieller Gänse-häutchen konservierend gleich einer auf göttlichen Guss wartenden Feigenkaktusblüte.

Ich hab ihr die Feuchtträume vom Himmel versprochen, auf Paulo Coelhos Analchimist ge-schworen, an dieser Stelle eine Karawane mutwilliger Sandflöhe zu akquirieren, um die Drainage zu stoppen, bevor die handgeklöppelten Spitzen unter dem Kaftan zu Staub zer-fallen.

Lasset mich nicht im Stich, o Ihr Prinzen der Sahara, Hengste der Tundra, Neffen der Steppe, Löwen Namibias, lasset mich (vor allem aber: Sug Arbabe) nicht im sauertrockenen Regen stehen. Die Periode der Dürre muss ihr Ende finden.

(Und Danis Ruf steht auf dem Spiel.)

Walle walle, manche Strecke
dass zum Zwecke
Wasser fliesse
und mit weichem, vollen Schwalle
zur Oase sich ergiesse.

(Und Euer Ruf steht auf dem Spiel, Schweizermänner und Stammhalter zugewandter Orte.)

Da wir hier nicht auf dem Sandstrich stehen und ich (nicht unbezahlt) Frauenhandel betreibe, sind der Anforderungen zwar nicht viele, aber das Kamelchen hat dennoch sein (krisenre-sistentes) Goldkopfpreisli:

Wanted: Wüstensohn
Falls Du NICHT (Ausrufezeichen) zu den
(zweitmeinungsbelegt oder versiegelbrieft) denkfähigen, (grazil) wünschelberuteten, (ausge-reiften) vollentwickelten Beduinen
mit
(marginalen) Skaterboyapplikationen und (vorzugsweise) (stimulativem) Zynismus gehörst,
die zudem
(ausgesprochen) zungenfertig, (masslos) geistesgegenwärtigen, (immerhin) erfolgreich, (hochgradig) eloquent und (optional) dunkellockig sind, dann
TRIFFT OBIGES ALLES HOFFENTLICH WENIGSTENS AUF DEINEN BESTEN FREUND ODER BRUDER ZU.

Melde Dich!

Es locken … 1001 Nächte (oder mindestens eine angebrochene) unter barem Sternenhimmel (wahlweise auch unter Beton-, Täfer- oder Tapetendächern), und – als Supplement – zwei Weinschläuche vom Mercado di Gran Canaria (1983), ein Paar beiger Jodhpurhosen mit roten Dragonerstreifen, zwei dürftige, von mir gestiftete, hellblaue indische Maharadschapantoffeln mit Paillettenverzierungen und ein ausgetragener Tschador mit Arafat-Muster, der aber nach Lemon Pie von Starbuck’s reicht.

Und, natürlich (und nicht zuletzt): Sug Arbabe (Ausrufezeichen).
Was gibt’s zu ihr zu sagen? Ihr Humor ist so trocken wie und Ihr Haar so schwarz wie ihre Aphorismen. Dazu ist sie so alt wie frau heut zu sein hat, wirft einen gradebeinigen Schmal-schatten, ist helläugig und, falls blitzgescheit ein Adjektiv ist, die Donnergöttin in Person.

Also, der Stich ist bei Euch, lasst mich nicht im.

Dies ist keine Desperato-Hydrations-Aktion bevor die Pflanzen heute eingewintert werden, sondern ein purer Vertrauensbeweis erster Sahnengüte meiner Freundin Sug Arbabes in meine säerischen Fähigkeiten.

Drum: haltet Eure Fackeln in den Sturm, Jungs!

Bewerben könnt Ihr Euch bei mir. Via Facebook-Gruppe ‹Sug Arbabe al Fackatah ben Nimmsiplies›. Oder per Mail: sugarbabe-and-den-mann@weibsvolk.org

I’ll keep you posted.

Die Exklusivrechte sind bei mir.

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Gestatten, mein Name ist Punkt. G-Punkt. (Wer sucht, der findet, Teil ll)

Nachtrag zum letzten Blog zwecks Anschwellen der Allgemeinbildung: Irgendwo in der helveto-germanischen Hemisphäre muss ein wüster HC-HP-Pornoring die Zauberstäbe swingern. Wer sucht, findet mich mittlerweile nämlich auch – trotz grammatikalischer inkorrektheit – mit Kombis wie «snape schiebt sein schwanz in harry» oder «snape vögelt harry hart». Aiuto! Äh: Expecto Penetrationem!

Für heut hab ich mich aber versprochenerweise auf die Suche nach dem magischen Knopf im weiblichen Vaginalbereich gemacht. Mythos oder nicht – medizinaltechnisch ist der G-Spot ein trinkgeldgrosses Gebiet, das unter besonders geeigneten Laborbedingungen (warm, dunkel, feucht) von Ernst Gräfenberg entdeckt worden ist und zwar ums Jahr 499 pCC (nach Cristoforo Colombo). Seit einiger Zeit ist der G-Spot im Geschwätz, weil man sich diese erogene Zone angeblich chirurgisch aufpeppen (resp. aufpoppen) lassen kann (mit zwei Optionen, davon langatmiger die Eigenfettverspritzung). So spart man sich für eine Weile den Aufpreis für die Noppenkondome und kann in der Dildoabteilung die hübscheren, aalglatten, functionfollowsformvollendeten Dingsda ins Einkaufskörbli legen. Wenn der Hügel nicht zum Propheten etc.

Neulich beim Frühstück, die gute alte Mädchenrunde. Nachdem Sadie bei zwei Rühreiern ohne Salz gebeichtet hat, dass sie mit einem Typen im Bett war, den ich aus dem Kindergarten kenne (und er war übrigens genau so gut, wie er aussieht) und Sugarbabe ihrem Jahres-Sexziel einen südenglischen Schritt näher gekommen ist, war der Fragenball bei Sonja, die vierzehn Monate bei ‹Detlef dem Rainfall› hängen geblieben ist, obgleich er sich nach dreizehn Wochen schon als Klassenwiederholer herauskristallisiert hat. Hirn halb, unten dafür volle Kraft voraus. Kann Sex wirklich so gut sein, dass man über ein halbes Jahr lang auf der Titanic zu Boden sinkt?

Offenbar ja.

Detlef hatte nämlich den G-Punkt-Trick raus. Mit googleintensiver Recherche auf Seiten, von denen honorable Mistressen wie wir noch nie gehört haben, hat er sich auf die Schleimspur der ominösen pawlow’schen ‹Klingel des Jaulens› gemacht. Und ist irgendwann in der Praxis fündig geworden. Kleine Streitigkeiten und grosses Nerve-Reiben hin oder her: Finger rein, Schalter gedrückt und gülden ward das Himmelszelt.

Sugarbabe und Stella hängen die Kinnladen bis zu den Knien. G-Punkt kennen sie wohl vom Hörensagen, aber das Sehen ist ihnen darob noch nie vergangen. Sie hielten den Schnittpunkt zwischen Orgasmus und Ohnmacht für den raffinierten Trick eines antiemanzipierten alten Sacks, der in der Zeit kurz vor der sexuellen Revolution die Unterdrückung der weiblichen Sexualität – und damit der Frau herself – wieder zuzementieren wollte. Ihr genügt nicht, Weibsbilder, die ihr unfähig seid in die höchsten Sphären der Wollust vorzudringen! Drum tifig den Finger raus und kusch zurück an den Herd.

Sadie, die gute Hausfrau, denkt allzeit praktisch.

«Einer, der den G-Punkt nicht findet, kommt mir gar nicht in die Hütte.»

Bamm. Fadengrad – dreht sich der Spiess wieder gegen das Geschlecht mit dem Spiess. Der ewige Spiess-Ruten-Lauf. Dabei geht’s denen doch schon schlecht genug. Die Spermiogramme werden immer lausiger, Erektionsstörungen werden zur Regel (und starten früher) und dann auch noch der Hodenkrebs. Performance, Performance Performance.

Arme Jungs!

Sugababe, grossäugig.

«Findest Du denn den G-Punkt auch selbst?»

Sonja, grinsend.

«Ich grüble aus Prinzip nicht in mir rum. Das überlass ich anderen.»

Sadie, abgeklärt.

«Ich hab ihn auch schon gefunden»

(Dass es mein Kindergartenschlägereiengatte nicht geschafft hat, ist wenn auch späte, dennoch wohlige Genugtuung.)

Ich halt mich zurück. Die wissen noch nicht, dass ich mir das Ding in München hab plastisch optimieren lassen. Ich brauch noch ein paar Testäffchen, bevor ich abschliessend beurteilen kann, dass sich Aufwand und Kosten gelohnt haben.

Stella und Sugarbabe verabschieden sich.

«Wir gehen dann mal.»

«Nach Hause.»

«Grübeln.»

«Aber nicht zu viel sinnieren. Ganz nach Gefühl gehen.»

«Wer grübelt, der»

«… sollte danach die Hände waschen.»

Also Jungs, schnappt Euch das GPS und macht Euch auf zum Gipfelsturm. Praktisch im Winter: Ihr müsst Euch dazu nicht mal ausziehen. Aber nicht vergessen: Wer googelt, der sollte davor die Pfötchen waschen.

Zum Trost: Der Optionen sind gar viele. Wenn Ihr’s bei Gräfenberg nicht hinkriegt, könnt ihr auf die gute alte C-Punkt-Variante zurückgreifen (fortgeschrittenere finden den U-Punkt). Und im Zweifelsfall: der A-Punkt funktioniert garantiert immer.

Falls alles zu nichts führt: Finger ab de Röschti. Und heim mit Euch. Aber bitte nicht erst am nächsten Morgen.

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Wer sucht, der findet irgendwas.

Eichingers RAF-Zweieinhalbstünder lohnt sich. Die Rückschau auf die Schamfrisuren der 69er ist sehr hübsch, und einige Bleibtreu’sche Aperçus gewähren hohen Hörwert. In den aktiven Sprachgebrauch aufgenommen verdient beispielsweise das (mit Kundalini-Energie intonierte) «Was ist ’n das für eine bourgeoise Frage!»

 

Der (zwischen-)menschliche Ausdruck als Resultat und logische Konsequenz des Werte- und Bildungshintergrunds. Angewandte Soziolinguistik kann auch an dieser Stelle zu erstaunlichen Resultaten führen. Kein Wunder, wird ja gerade im Kontext der sog. neuen Medien permanent der ethische Zerfall einer (idealisierten) Gesellschaft moniert. Genau diese Errungenschaften ermöglichen aber durchaus tiefe Einsicht in die Gewohnheiten meiner Leser- und Nutzerschaft (keine Sorge, es wird kein IP-Adressen-Sudoku gespielt).

Aktuell verzeichnet der danitonet-Blog 2477 Hits (die Hunderten eigenen Zugriffe werden nicht gezählt). Dank der unglaublichen inhaltlichen und sprachlichen Varianz findet ihn auch, wer ihn gar nicht gesuchmaschinengewaschen hat. «restposten dani» zum Beispiel ist eine klassische Fehlleitung hierher, wie auch «kiefertÄfer» und degoutante Kombinationen wie «stiefkinder oralsex» und «buben blasen» (diese IPs gehen stracks ins Netz der Cyberdreckwasserpolizei.)

 

Nach «dani tonet» steht an zweiter Stelle meiner Suchstatistik (erstaunlicherweise) «youporno», dicht gefolgt von (verständlicherweise) «duporno». Auch wer simpel und ehrlich «porno» eingibt, wird mir zugeführt. Vielen Dank! Da gilt: je ‹Porno› desto ‹Dani Tonet›, werde ich in der Tradition des ceterum censeo carthaginem weiterhin exzessiv von eindeutigem Wortmaterial Gebrauch machen; es wird nämlich der Styorpor normalerweise zur Objektsicherung eingesetzt, insbesondere weil Philippo R. Nowak ein grandioser Skiläufer war und man bei Whitney-Britney Toi-Toi auch ohne Erlaubnis ein sinnloses Wort wie ‹Porno› anhängen kann und schon ist die Pornostatistik um vier resp. fünf Pornonennungen gestiegen. To beep or not to be.

 

In den obersten Rängen figuriert auch die berühmt-beliebte «Teebeuteltechnik» (cf. https://danitonet.wordpress.com/2008/08/14/puste-kuchen/).Seit ich sie selbst täglich anwende, passen sechsundzwanzig (geschälte) Baumnüsse oder drei Kugeln Ben & Jerry’s in meinen Mund. Beides voluminöser als drei Hodensäcke. Übung macht den Tee trinkbar.

 

Unermüdlich scheint das Thema ohnehin, wie diverse Einzelnennungen belegen: «männliche hoden in den mund» ist the question, oder – wodurch auch immer – «schleck mir meine dicken hoden», klassisch, «freundin blowjob» und langweilig «er liess seinen schwanz in meine hand» werden von mir aufgefangen. So ein Blog hat offensichtlich durchaus einen edukativen Wert. Gilt auch für «domitilla cantat» (cf. Blog https://danitonet.wordpress.com/2008/08/28/unter-des-kaiser-kleidern/).

 

Richtig spannend wird’s bei «hoden angucken sauna», «sandy sex südtirol» (autsch, hoffentlich keine Treffer auf youporn und «rammeltechnik». Internet eignet sich eben auch für seriöse Recherchen.

 

Von einem eindeutigen Haute Coiffure-Trend zeugen Google-Treffer wie «men intimfrisur», «was ist unter den kleider», «dichte schambehaarung», «zeige bilder von intimfrisuren» – Achtung es wird immer besser! – «dichte pelzige schamhaare» sowie (vom gleichen verzweifelten Sucher) «dicke pelzige schwarze schamhaare».

 

Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen (aber nicht im Hals stecken lassen!) Dicke, dichte, pelzige, schwarze (was sonst!) Schamhaare. Die sich anfühlen wie ein Bataillon auf dem Rücken liegender, weichgespülter toter Kellerspinnen. Mjammy!

Ich hoffe, die Herren waren ob der Realitäten nicht allzu enttäuscht. Simone war’s nämlich letzten Winter (noch) nicht nach dichten pelzigen Schamhaaren zumute:

«Ich glaub so schwarze [Hosenträger] mit weissen Nähten hat man zu Nazizeiten getragen. […Nach fünf Minuten, beinahe sicher zuhause, tauchte Herr Hintertür plötzlich auf gleicher Höhe neben ihr auf, bis zur Nase] in einen dicken Schal eingewickelt und mit frisch durchlüfteten Kringeln.» (cf. https://danitonet.wordpress.com/2008/08/06/sex-mit-dem-ex/)

 

Und das war’s dann schon mit der Analogie. Sorry, Herr Pelzlecker. Ab heute werden sie bei mir aber noch fündiger.

 

Fazit. Gemessen am Suchverhalten lässt sich die Leserschaft über die Gauss’sche Glocke kurven. 80% gutbourgeoise Fragen, 10% leicht pervertiert, 10% lebensunfähig und analphabetisch. Da bei mir aber das Angebot die Nachfrage steuert, lässt dies unschöne Rückschlüsse auf meine eigene Persönlichkeit zu. Konkret: wenn ich nur alte Wollsocken verticke, gibt’s bei mir nur alte Wollsocken.

Deshalb mehr zum Thema «G-Punkt. Wer sucht, gewinnt.» am nächsten Donnerstag.

 

 

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Face the Facts

Mein kleiner Bruder hat mich, einige Jahre ist das her, mal allen Ernstes gefragt, ob ich noch niemals jemanden mit einer Tackermaschine hätte ‹zu Boden nageln› wollen. So schlecht schien mir die Idee heut morgen um neun plötzlich nicht mehr. Aber das war noch vor

«Tschüs Du..»

«Ciao. Du kommst raus unten, die Tür ist jetzt offen.»

«Schade. An die geschlossenen Türen könnt ich mich durchaus gewöhnen.»

«Tja. Ich glaub ein Mal reicht mir.»

«Sicher….?»

«Du ich muss gleich.»

«Schade. Das war eben ein ziemlich unerwarteter Segen.»

«Yep, könnte man so sagen.»

«Jetzt werd ich noch am Türschild Deinen Namen ablesen.»

«Tu das.»

«Bevor du mich aussperrst.»

Genau.

«Und nie mehr wieder reinlässt.»

Who knows.

aber das war noch vor, was eben rausgeht, hier reinkam. Die Uhr schlägt halb zwölf. Ich bin hungrig.

Mathias hab ich am Karaoke from Hell – Seasons Opening mitlaufen lassen, keine Ahnung, weshalb, er stand mit seinem Bier halt so da und ich mit meinem Drink daneben und irgendwie, nun ja wie’s halt so geht, manchmal eine gute Idee, dann wieder weniger, am Ende hält sich’s wohl so ungefähr die Waage.

Wer sagt, ich hätte ein paar männliche Hormone zuviel, soll lernen, dass Frauen, die nach dem Sex nicht einfach nur schlafen wollen, schlicht Verlustängste haben, infolge schlechter Selbstvertrauen. Komm wir kuscheln noch ein wenig hat ja nichts gekostet drum halt mich noch ein Bisschen fest wenigstens und schleich dich nicht davon sag mir wie toll ich war lass weder Zettel noch Geld auf dem Nachttisch liegen sei bitte noch da wenn ich erwache spritz nicht den Spiegel voll beim Zähneputzen lass uns heiraten in einem Monat ich bleib besser die ganze Nacht wach und passe auf auf uns.

Mir wär zuliebst, sie packten ihre Shorts, Slips und Schlipse zusammen und machten sich gleich vom Acker, Wiedersehen nicht ganz ausgeschlossen. So schlecht hat er seine Sache nicht gemacht, der Mathias, auf mein Gespür kann ich mich doch ab und an noch verlassen. Als ich mit dem zweiten Kaffee und der dritten Zigarette auf dem Balkon stehe wuselt der noch immer in meiner Wohnung rum, Langduscher kann ich nicht ausstehen.

«Ich geh dann mal.»

«Okay. Die Tür unten ist wohl noch geschlossen, die paranoiden Nachbarn gehen erst um neun. Nimm den Schlüssel mit runter, kannst ihn in den Briefkasten legen, ich hol ihn dann später.»

«Ich kann auch aufschliessen und ihn nochmals raufbringen.»

«Keine Umstände.»

«Na dann.»

«Na dann: einen schönen Tag.»

«Bis bald.»

«Yep.»

Ich atme tief durch eine frische Chesterfield, unter mir der Morgenverkehr, die Fraggles seit bald zwei Stunden am Pressluftpusten. Ich muss los, um zehn sollt ich im Felix sein.

Verdammter Hirnamputant! Der Typ gehört eingesperrt, Höllenhunde, was hab ich Vollidiotin mir da geangelt, Scheissmathias noch mal ist natürlich schon über alle Berge, verdammter Idiot.

Face the facts. Ich hab noch zehn Zigaretten im Päckli und zwei Schluck kalten Kaffee. Ich steh in grauen Sportsocken, rotem Spitzenslip, schwarzem Tank-Top und meiner uralten Barbour-Wachsjacke auf dem Balkon im dritten Stock, muss mitteldringend für kleine Mädchen, frier mir den Arsch ab und unten reissen sie schon wieder die Strasse auf. Das Beste: ein kleiner dämlicher Wichser, den ich ziemlich zufällig gestern gevögelt hab, hat mich gerade aus meiner Wohnung gesperrt. Die Dreifachverglasung scheint mir fragwürdig kompatibel mit dem alten Metallaschenbecher. Verflucht. Derart bescheuert hat der Tölpel doch gar nicht ausgesehen. Mathias. ‹Geschenk Gottes›. Na ja, göttlich wär übertrieben, dafür hab ich nun die Bescherung, Scheisse wie peinlich ist denn das?

Das Feuerzeug macht’s auch nicht mehr lange. Lageanalyse.

Die begriffsstutzigen Fraggles winken zurück, Volltrottel, können die eine Anmache nicht von einer Frau in Not unterscheiden? «Hallo! Hilfe!», nein, nicht Die Art von Hilfe, verdammt, redet keiner von Euch die Landessprache, kann ja nicht sein, da, eine Frau mit Kinderwagen, «Hallo Sie da, Hilfe!», nein, nur weil ich ungeduscht vom dritten Stock runterschreie, bin ich noch lange keine durchgeknallte Psychopathin, gehen sie doch nicht einfach weiter, weit ist’s ja mit der Tugend nicht mehr her in diesem Scheissland, ist das schweinekalt. Zehntausende Menschen tagaus tagein und grad jetzt muss keine Sau mehr hier durch, kann ja nicht sein, fucking Fraggles, ich zieh mich bestimmt nicht aus hier oben, haut ab zurück ins Pfefferland Herrgott noch mal.

«Hallo! Hallo! Sie da, ja Sie mein ich! Können Sie mir helfen? Ob Du mir helfen kannst. Ja. Mein… meine Freundin hat mich dummerweise ausgesperrt. Ausgesperrt. Ja. Auf den Balkon. Genau», Schlaumeier, «was? Ich hör Dich so schlecht. Meine Schlüssel sind im Briefkasten. Ja im Haus drin, blöderweise. Nein. Die Tür ist zu. Genau. Du bist ein Engel. Ja. Bei allen. Wie? Ja, wohl alle schon weg. Ja, danke.»

Weg ist er. Komm ja zurück, Bürschchen.

«Niemand da, hab ich gedacht. Wie? Was? Ich versteh Dich nicht.»

Ob jemand einen Ersatzschlüssel hat? Ersatzschlüssel? Ja. Meine Mutter. Die Natelnummer? Keine Ahnung. Was? Kann ich nicht auswendig. Was? Nein, echt nicht, keine Ahnung. Hä? Ja die Verwaltung. Wie? Livit. Li-Vit. L-i-v-i-t. Was?».

Hat der Typ doch sein Handy zuhause. Sieben verhagelte Katzen noch mal. «Danke für’s Wiederkommen.»

Die drittletzte Zigarette. Wehe du haust ab. Vom Restaurant aus anrufen. Für eine halbnackte Brünette mit ungeputzten Zähnen und Scheissfrisur?

«Schon zurück? Wie? Sie schicken den Hauswart? Halbe Stunde?» Bis dann bin ich tot. «Wie? Macht nichts. Hä? Schubs mal die verdammten Gelbhelme ins Loch, das sie grad buddeln! Was? Ja den dicken kleinen zuerst.» Humor hat er ja, der Typ. Und schlecht ausschauen tut er auch nicht, Anzugfuzzy hin oder her.

«Nene, schön warm hier oben. Hä? Spätsommerlich, genau. Yoga? Genau, Rasenteppich-Balkonschlampen-Yoga. Ra-sen-tep-pich-Bal-kon… Nein, nicht rasend. Rasentepp, ach, vergiss es. Starbucks? Für mich ein Cappuccino. Einmal geworfen. Genau. Thrown. Not stirred. Aber geh du doch. Wieso warten? Wie? Akt der was? Ach, Solidarität.»

Gott ist der süss. Gib mir eine Zahnbürste, Gott, bitte. Und mein Kajal. Und den Deo. Nach etwa zwanzig Minuten Schreien über fünfzehn Meter und zweihundert Dezibel Pressluft ist Hauswart Hauri endlich da. Mister Unbekannterfrauenindernotrotkreuzler lässt sich die Tür aufschliessen. Zwei Minuten später bin ich endlich erlöst.

«Wow. Es gibt noch nette Menschen. Und dann noch gutaussehende. Es gibt also noch gutaussehende, nette Menschen. Unglaublich. Gutaussehende, attraktive, nette Menschen. Männer. Wow.» Ich bin ziemlich durch den Wind.

«Trinkst Du einen Kaffee? Minimal-Merci?»

Während die Napoli auf dem Gasherd steht und sich Superman in meiner Wohnung umsieht, flitz ich, Gummispuren vernichtend, unter die Dusche, die Zahnbürste im Mund.

Wie ich das hingekriegt hab? Verrat ich nicht. Nur soviel: ein guter Kaffee ist ein heisser Anfang.

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High Flight with Harry Potter.

Wenn vier Singlefrauen um die dreissig sechzehn Tage lang von einer griechischen Insel zur nächsten tänzeln, hinterlassen sie primär Tausende Kaugummipapierchen und Zigarettenstummel, leere Gläser, Flaschen und Watterondellen, aber auch Slips und Schmuckstücke, blondierte Haarsträhnen in nonexistenten Siphons, Flip-Flop-Abdrücke und tiefe Löcher in den paillettenbesetzten und gehäkelten Portemonnaies. Zeugen singen zudem Liedchen von ouzoaufgeweichten Lachanfällen, Markigem mit minimalem cerebralem Einsatz, fragwürdigen Anmach- und Abschleppereien, Streitigkeiten um Nichtigkeiten infolge prä- oder postmenstrueller Syndromata etc..
Allein der umfassende kollektive Vergangenheitsbewältigungsversuch allein kann Wochen andauern, Adam Riese peilt 4 Mal rund 15 Jahre Geschlechtsreife über den Daumen und kollabiert ob der Möglichkeit von unendlich recycle- und repetierbarem Klatsch und Tratsch zu rund sechzig aktuellen und ehemaligen Erfahrungsberichten um das Gegengeschlecht. Nektar, Ambrosia und Fringe Benefit für mich: Materialvorrat für Wochen.

Aber eins nach dem Anderen. Eines schönen Morgens, resp. um etwa zwei Uhr, sitzen wir parlierend, einen Bellini in der Hand, die Füsse im Pool mit den ambitionierten Aqua-Gymnastik-Tussis, die klatschend in knalligen Bikinis vor dem brustpelzigen Animator Charis Papavernaschis um die Wette auf- und abhüpfen. (Randbemerkung: Auch nach Mykonos reisen nur Idioten.)
Kurzprofil: Von uns vieren liest Sugarbabe liebstens Gala, Stella mit besonderer Hingabe antiquierte Klassiker à la Anna Karenina ist tot, ich (mit der Nagelschere bewaffnet) alte Pornomagazine und Nummer vier Eso-Scheisse in Sonderhaufengrösse (Dein Seelenpartner sucht Dich! oder Dein Körper  liebt dich jetzt ganz besonders). In dieser eigentümlichen Interessenskumulation kommen wir auf Harry Potter zu sprechen, wohl infolge der Analogie von Charis’ Brust zu Dany Radcliffes intensiver Bauch- (und entsprechend vermuteter Scham-)Behaarung. Ich gestehe dieserstellig, dass ich seit 2004 unter den Passivmembern der NGG (Nickelbrillen-Groupie-Gesellschaft) figuriere. Ich zeichne zudem für die Petition WFDIHP8EGW (Wir fordern dass in Harry Potter 8 endlich gevögelt wird) verantwortlich und warte mit Spannung auf das Feedback der Verlagsheinis zu den 472 eingesandten Unterschriftenbögen.

Stella und ich bespritzen grad unbemerkt die hochgesteckten Frisürchen der Poolschlampen. Als wir seufzend über Snapes SM-Kellerverlies schweben, schaltet sich InStyle-Spice mitten in der Quiddich-Debatte ein.

„Nimbus 2000? Das ist ein Sextoy.“
„Nein Schätzchen, der Nimbus 2000 ist der beste Renn-Besen auf dem Planeten.“

Sugababe bleibt bei ihrer Behauptung und verwettet vier Vodka-Lemon gegen Stella.
Der Task bleibt ungeklärt. Zuhause mach ich mich an die Recherche, einen Solidaritätsdrink hab ich proaktiv zum Verschwinden gebracht, Simsalabim, ganz einfach war das.

Schnell komm ich der Sache auf die Spur. Spiegel.de deckt Ungutes auf. Mit seinem zinnorganischen Verbindungen und chlorierten Kunststoffen sei der Spielzeug-Zauberbesen Nimbus 2000 eine echte Schadstoffbombe. Aha! Schlechte Noten verteilte auch der Spiel-gut-Ausschuss, der den pädagogischen Wert der Fanartikel beurteilte. Harry Potter sei ursprünglich nicht dafür gedacht worden, „für was er jetzt missbraucht wird.“
Oha jetzt kommt’s aber knüppeldick.
„Nämlich den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Hmm. Sieg für Gala-Spice? Simsalabim Nummer zwei für mich.

Expecto Patronum!

… Und da ist HP nicht mehr schwerelos geniessbar. Das Empire Rowling hat seinen Heiligenschein verloren. Der Nimbus 2000 outet sich als Highflyer. Der etwas anderen Art.

„Harry Potter broom Harry Potter broom sweeps Britain“, titelt eine zweifelhafte Website.
Dabei wollte Mattel mit dem Nimbus 2000 Vibrating Action Broom mit seinem Swooshing-through-the-Air-Sound doch nur die (uneigennützigen) Eltern der (anständigen) kleinen HP-Fans in die Spielzeugabteilung locken.
Das Ding kann die Schwerkraft nicht aufheben. Egal. Es kann viel mehr! Ungeahnt sind die Steighöhen. Dank geringer Falltiefe landet frau vorzugsweise zuckend auf dem Rücken, die Beine um den … Zauberstab geschlungen.

Autsch. Das gute Ding verfügt über einen 63 Zoll-Stock, Buchenholz massiv, von tamilischen Heimatwerks-Schnitzexperten mit Hingabe und Liebe gefertigt. Ride a Tsunami!
Stundenlang können sich ordentliche Töchter, Mütter und Grossmütter mit diesem Putzwerkzeug vergnügen. Eine Vierzehnjährige klagt, dass ihr Besen immer klebrig ist. Nachdem ihre Mama ihr Schlafzimmer aufgeräumt hat. Und dann sind auch alle Borsten steif! Hart ist es, das Leben, wahrlich. Bleibt nur Flucht nach vorn. Zum Beispiel nach Mykonos.
Oder direkt in den Himmel. Mit dem Nimbus 2000. Das Ding muss ich haben. Harry, ich Ähm, komme!

Leider, erfahre ich, hat’s das satanische Spielstück nicht lang gemacht. Die Sittenwächter sind nach Produktionsstopp ins Nirwana entschwunden. Die letzten Nimben zwischen den Schenkeln. Vibrantissimo.
Dagegen hilft der 1-2-3-Second-Hand-Dabei. Zwei 2000 sind aktuell gelistet. 19.99 und 15 USD haben sie (während der Rezession) noch an materiellem Wert.

„These brooms were banned from the shelf because people were using them for other purposes then what was intended.“
Meiner ist aber in tiptoppem Zustand, er kommt „from a non smoking environment!!“ [sic!]. Er ist zwar nicht ganz neu, aber in tipptoppem Zustand und, besonders wichtig: „i have tested it and it works.“ Egal, dass die drei benötigten Batterien nicht dabei sind, weil sie sie grad noch runtergeholt hat.
Tic –Tac zick-zack-zück die Mastercard.

Drei – Zwei – Eins! … mei..

Verdammte Scheisse, jetzt hat mein Meerschweinchen gerade ein Kondom gefressen.

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