Monatsarchiv: Dezember 2008

Sag’s doch einfach.

Sissy hat Patric zum dritten Mal getroffen. Ein richtiges Date war’s eigentlich nicht, denn die beiden kennen sich schon seit Jahren, haben sie doch beide bei PWC gearbeitet, damals, grad nach der Uni und sich dann nie ganz aus den Augen verloren. Für Sissy war Patric zu keinem Zeitpunkt eine Option dargestellt. Und das nicht nur optisch. Aber sie mochte ihn ganz gut und das Sozialleben besteht schliesslich nicht nur aus Liebschaften, sondern auch aus ‹Freunden› und ‹Kollegen›.

Dass aus dem ‹Abmachen› plötzlich ein ‹Daten› wurde, also ein ‹hidden meaning› in den sporadischen Treffen injiziert worden wäre, hat Sissy irgendwie verpasst. Wieso auch nicht mit Patric am Sonntagnachmittag in den Zoo gehen? – Das macht sie mit ihrem Gottebüebli schliesslich auch. Und ins Kino geht man eh mit Hans und Heiri. Und gute Kollegen lädt man schliesslich auch mal zum Abendessen ein, nicht nur am Singlesonntagabend wenn man vor Langeweile und Einsamkeit darbt wie die Karotte im Wochenbett, sondern durchaus auch mal an einem der verheissungsvolleren Wochen-End-Tage. Und so ein wenig Zweisamkeit probeleben schadet auch nicht nach dem dritten Singlejahr, man muss ja schliesslich in Übung bleiben, das Kompromisseingehenwollen geht ja ziemlich rassig ab.
Nach einer Flasche Weisswein zum Apéro, einem halben Liter Roten und einem vom Reformhaus vorgemischten Eierschwämmlirisotto lässt Sissy zwischen zwei Anekdoten aus den Pubertätskapriolen ihres Nachzüglerbruders verlauten, sie hätte Kopfweh.

Patrics Santaclaus-Hohoho-ähnliche Laute sind unterspurt von Murmelworten wie «Frauen» und «typisch» und Sissy fragt sich plötzlich, ob er auch nur im Leisesten, Mindesten, Geringsten irgendwann in den letzten dreieinviertel Stunden (oder, schlimmer, Wochen, Monaten oder Jahren) auf die abstruse Idee gekommen ist, dass sie jemals mit ihm hätte in die Klappe hüpfen wollen, denn sie hätte auch nach der trippelten Menge Alkoholoide niemals auch nur den leisesten Gedanken daran verschenkt. Plötzlich schaut sie Patric mit anderen Augen an. Und plötzlich findet sie ihn irgendwie doof. Und auch alles, was erin den letzten Stunden, Wochen, Monaten und Jahren gesagt hat, auch. Und sie hat ja immer gesagt, dass er ihr nicht besonders gefällt. Aber eigentlich gefällt er ihr überhaupt nicht.
Das Kopfweh wird dann so stark, dass sich Patric besser auf den Heimweg macht.

Mann und Frau gleich Sex – oder Ex? (oder wenigstens seriell?)

Mein ‹Kollege› (?) Gregor wünscht sich, dass von Anfang klar(er) kommuniziert werden kann. Warum kann man die Chicks nicht einfach beim Meeting Point schon fragen «Was meinst Du, kommt’s heut noch zum Sex zwischen uns oder nicht?»
Er fänd das viel effizienter.

Ich bin im Grundsatz einig. Das Wissen, dass es in spätestens fünf Stunden Sex gibt, kann was ziemlich anregendes haben. Auch sonst hab ich schon gute Erfahrungen mit dem Klartextkonzept gemacht. Zum Beispiel mit Florian, mit dem ich letzte Woche in einem Club etwas geschäkert hab. Beim Tanzen packt er mich und findet: « Weisst Du, eigentlich geht’s mir nur ums Ficken. Aber ein wenig tanzen geht notfalls auch in Ordnung.» Ich hab das irgendwie gut gefunden.
Auch, dass es beim Tanzen geblieben ist.

Drei Haken hat das Ganze allerdings:

a) Was ist, wenn sie ‹eher nein› sagt? Kriegt ihr dann plötzlich Migräne?
b) Wenn du als Frau so direkt bist, kommt’s nicht gut, auch wenn sie nicht enden wollen, zu betonen, dass das die Erfüllung jedes Träumes ist, die schöne (bestenfalls) Unbekannte, die anrauscht, sich das Schlafittchen schnappt und ihn in die Toilette schleppt. Aber: Das Restwenig Jagdtrieb darf dem Mann nicht (auch noch) streitig gemacht werden.
c) Männer gehen fälschlicherweise davon aus, dass Frauen insgeheim von Anfang an beschlossen haben, ob’s am Ende ‹was gibt› oder nicht und sie die Jungs stundenlang zappeln und werben (und Drinks bezahlen) lassen, um ihnen dann am Schluss die Gnade zu erweisen. Oder eben nicht. Und das stimmt nicht. Sex ja oder nein hängt nicht nur vom Knistern in der Luft, der Dosis Spiritus oder seinen hässlichen Schuhen, dem süssen Schmuck am Hals oder der spannenden Linie der Vene am Innenarm ab, sondern von einem einzigen doofen Spruch oder Witz, der einem in letzer Sekunde möglicherweise der Lust beraubt.

Ich zumindest würde aber öfters mal ‹Dankenein› sagen, wenn man mich schon um zehn pm und vor dem zweiten Pimm‘s fragt. Aber die Chancen können in der Spätfolge durchaus, wenn das etablierte Prozedere seinen Lauf nimmt. Nicht vergessen: Manchinnen saufen das gegenüber attraktiv. Anderinnen trinken, um das nicht mehr so straffe eigene Bindegewebe zu vergessen.

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Kodak Instamatic.

Blog 18

 

Ich hab hat eine niedliche Foto-Sammlung auf meinem Handy. Neben einigen selbstgeschnappschossten Sujets (vornehmlich spannende Muster von Bodenkaugummis oder illegal entsorgte Hundekacksäckli) findet sich da der eine oder andere Roland.

Zum Beispiel Roland, strahlend, zwischen dem verschmierten Daumen und Zeigefinger eine Zuckerwatte (für seinen Göttisohn) geklemmt. Roland, strahlend, im Hintergrund das Yawl-Rigg (seines Onkels). Roland, strahlend, vor unberührten Sanddünen (inklusive Oakley-Sportbrille). Grossartig. Roland, strahlend, neben einem Grande-two-pound-cinnamon-latte-(to-go) mit Namensetikette. Roland, dem (irgendwo auf der Welt) grad die untergehende Sonne aus dem Arsch scheint.

 

Allesamt Zeugnisse davon, wie sehr Roman, das Kameraauge auf sich selbst richtend, an mich gedacht hat. In fast allen Lebenslagen. Quasi.

 

Als ich dann, nach Ablauf der 24-Monate-Frist, mein Natel-Abo verlängert und ein noch hightechigeres Gerät hinterher geworfen gekriegt hab, hab ich entdeckt, dass Roland, strahlend, die identischen Bildli auch an – je nach dem zwei oder auch vier – andere, mir (wenigstens) fremde Nummern versandt hat.

Das war’s dann mit mir und Roland.

Aber nicht mit dem Photophänomen. Neuerdings krieg ich Bildli von Thomi, Mike und Serge. Auch die sind viel unterwegs. Und denken immer an mich. Ein richtiges virtuelles Poesiealbum.

Ich frag mich aber: Was soll das? Und, vor allem: was soll ich damit? Ausdrucken und eine Kühlschrankgalerie eröffnen? Ein Memory basteln? Gut und recht, wenn das Ego im Zentrum steht und im – mehr oder weniger – goldenen Schnitt festgehalten wird. Für die Ewigkeit. Aber muss man dabei Dritte als externe Natelharddisks missbrauchen?

 

Offensichtlich sind wir, wenn auch mittlerweile alle um die drei Jahrzehnte alt, keinen Schritt weiter als damals, ende Primarschule, wo man mittwochs und samstags den Schwarzweiss-Fotoapparat beim Central mit Fränklern stopft und galt: Wer in Fötelisammlungen drin ist, ist dabei. Wer in möglichst vielen Fötelisammlungen drin ist, ist der Coole von der Schule.

Exakt wie bei Facebook: je mehr drin, je dabei, desto Lebensqualität. Der ewige Kampf gegen Vergänglichkeit und Vergessenheit.

 

Meine MMS-Kronjuwele ist ein Fotoquartett. Fast schon ein Daumenkino. Nacktföteli. Uuu! Nicht von mir, natürlich. Pascal le Beau. Vom Kopf bis zum erigierten Zeh.

Ich zeig die nicht gross rum. Nicht aus Respekt gegenüber seiner privaten Intimsphäre, die er in dem Moment verwirkt hat, in dem er send gedrückt hat.

Aber wir Frauen sind ja nicht speziell schlüsselreizaffin. Und Männer interessieren sich nicht für die Schwänze anderer. Und dann ist Pascal auch noch (mit einer anderen) verlobt. Und war es bereits, als er sendgedrückt hat. Und wir haben uns im Guten getrennt. Gut für ihn.

 

Markus hat in der fünften Klasse ein Polaroid-Föteli von seinem Dings rumgezeigt. Aber natürlich nicht allen. Nur den Auserwählten. Das war ziemlich eklig.

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Endlich. Mehr Leistung.

Blog 17

Wie das so geht: Die wirklich hübschen Details unserer Geschichten und Geschichtchen erzählen oder erfahren wir tendenziell im Nachhinein, wenn man sich, während man seinen eigenen Worten lauscht, nicht mehr permanent fragen muss «was zum Teufel mach ich da eigentlich?»

Ab wie vielen Wochen hat man den Titel des Lebenspartners oder der Lebenspartnerin abverdient?

Sonja hatte diesen Sommer ein ausgiebiges ‹Gschleipf› mit Detlef dem G-Punkt-Genie. (https://danitonet.wordpress.com/2008/10/23/gestatten-mein-name-ist-punkt-g-punkt-wer-sucht-der-findet-teil-ll/). Nachdem Detlef dann [Anm. d. Red: endlich!] mehr oder minder charmant konsequent darauf hingewiesen worden ist, das Beziehungszeitliche zu segnen und er den Inhalt dieser Botschaft zu guter Letzt auch verstanden und umgesetzt hat (indem er sich wenige Tage später mit einer fadenscheinigen Person haltehändchend auf dem Üetliberg schlendernd besichtigen liess), war Sonja zwar um einen Master of G Spot ärmer, dafür um einen Totsch in ihrer Biografie reicher.

Endlich wieder Kaffee und Zigaretten zum Frühstück.

Wie sich das gehört.

Endlich keine dieser beknackten Smoothies und (mit vermüesletem Rauchlachs angereichertes, peterliverziertes) Omelett mehr.

Endlich keine Kamelhaare mehr im Entrée.

Endlich keinen Microscooter mehr an der freien Hand auf der anderen Seite.

Endlich keine Croc’s mehr im Blickfeld.

Endlich nicht mehr einschlafen.

Während dem Sex. Wenn das Gräfenberg’sche Zonen-Exploring vorbei ist. Zum dritten Male. Aber er immer noch nicht fertig. Gott.

Endlich keine sich im Steissbereich sammelnden Rinnsale mehr.

Endlich keine sich an Haarstähnen abseilende und auf ihre Stirn oder die (geschlossenen) Lider perlende Schweisströpfchen mehr.

Einmal, als das angestrengte Geruckels auch nach einem Mini-Powernap nicht aufgehört hat und sogar das allerletzte Nachzügler-Lustgefühl mit dem TGV in Lyon angekommen ist, hat Sonja Detlef gefragt, warum er sich eigentlich abrackere wie ein die Abhalfterung fürchtendes Ross.

Weil er bereits letztes Mal [Anm. d. Red: also am Morgen zuvor] schon nicht so gut performt habe. So Detlefs denkwürdige Replik.

Was um Himmels Willen wollte er (notabene auf Kosten der Abnutzung ihrer Genitalien) beweisen?

Invalid

Ejaculatio praecox ist scheisse, selbstredend. Aber mit Ejaculatio retardata (ein vermuteter Vorläufer von Anorgasmie) durchaus noch zu toppen.

Dass Frauen mehr Zeit brauchen, ist ein dummes Ondit zum Zwecke der Invalidisierung des weiblichen Geschlechts. Oder: das war vielleicht mal. Willkommen im Zeitalter nach der sexuellen Revolution.

Eine gute Performance heisst drum keinesfalls: je länger je besser. Sondern, die Karre so steuern, dass nicht der Reservetank angezapft werden muss, wenn das Rennen schon lang verloren ist. It’s all about Timing. Und Technik. UND Grösse.

Drum der simple Rat (und der gilt ganz besonders für die, deren Hauptqualitäten im penislosen g-punkten liegen): sieben Minuten Überzeit sind mehr als genug. Sonst überschreitet das Gedankenshopping die Kreditkarten-Limite.

Und, bitte, nicht vergessen: Wenn alles nichts hilft: raus damit und help yourself. In Gottes Namen.

Sonja kann wieder in Frieden und Ruhe schlafen.

Endlich.

Ohne dass einer dabei sein Schnäbi reinhat.

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Was sie wollen.

Blog 16

Da gibt’s einen in Zürich, der behauptet, er wisse es. Und damit Geld verdient.

A.F. – The Man. Anachronistische nadelgestreiften Accessoires verleihen dem stocklos behüteten Kavelier der Schule von gestern eine schnöselhafte Couleur. Wässrigeblaue Augen mögen von intensivem Alkoholzuspruch zeugen. Alles in allem: definitiv nicht mein Typ. Keiner, nach dem frau sich den Hals verkehren würde, nicht im überschaubaren Club, auf der vollen Strasse schon gar nicht. Dennoch hat er’s in die NZZ am Sonntag gebracht.

Er weiss.

Was Frauen wollen.

Behauptet er.

Und – er kriegt sie auch.

Sagt er.

Und Du kannst das auch.

Glaubt er.

Für läppische 3230 weiht er Dich rätzfätz zum Don Giovanotti.

Schreibt er.

Gigoloterie ist lernbar – welch Offenbarung!

Ich weiss auch, was Frauen wollen. Ganz einfach. Häufig. Manchmal, wenigstens. Und irgendwie wohl doch nicht, letztlich. Die Kriegsjahre, die die Schweizermänner glücklicherweise nicht derart dezimiert haben, sind vorbei und die goldenen Nachkriegsjährchen ebenfalls. Essig mit der Zeit, in der wir Frauen hinter den Herdplatten für das gattliche Wohlergehen sorgten, Kegel schniegelten und striegelten und ohne eigenes Vermögen auf dem Konto brav und angepasst in Heiraten vor uns hinvegetierten bis in die späten Siebziger. Die Emanzipation ging Hand in Hand einher mit dem Siegeszug der elektrischen Waschmaschine. Welch ein Zeitgewinn!

Und, effizienzorientiert wie Frauen von Natur aus sind, haben sie die ersparte Zeit in ihre persönliche Weiterentwicklung investiert. Das Schulsystem war (absurderweise) immer schon auf weibliche Qualitäten (ruhig sein, zuhören) ausgerichtet. Der Siegeszug des weiblichen Geschlechts nahm seinen Lauft. Frauen drücken heute im Schnitt länger die Schulbank. Das heisst: bis die besser ausgebildeten Weibchen mehr Führungspositionen innehaben, ist nur noch eine Frage der Zeit. Das macht Angst. Zum Beispiel der Volkspartei, die findet, vier Frauen im Bundesrat seien (mindestens) ein Schlumpfinchen zuviel und deshalb zwei Bauern aufs Schachbrett stellen. Aber fertig abgedriftet.

Noch gar nicht lang ist’s her, das war alles ganz einfach. Da hatte ein Mann zu sein wie Richard Gere in Pretty Woman oder in einer anderen seiner bärenäugigen Parts, die einem heutertage nach wenigen Minuten kotzen lassen. Aktuelle Role Models sind dünn gesägt. David Beckham – vor der Zenithübertretung – hat Profil wohl nicht schlecht erfüllt. Linkerhand der fürsorgliche, rührige Familienpapa und daneben das wilde Tier auf dem Rasen. Und im Bett natürlich, die Potenz ist ja augenscheinlich. Frauen wollen beides. Alles. Das ganze Spektrum. Von Anständig über charmant und distinguiert esoterisch formvollendet gebildet undsoweiter bis sensibel und zärtlich. Und dazu animalisch, biestig, cholerisch, draufgängerisch, egomanisch, bis machohaft, testosteronend, transpirierend, unabhängig und wild. Solche Männer sagen, „Schnauze, Baby und komm her“ und, drei-vier Stunden später, „Liebste, das verstehe ich vollumfänglich, du hast Recht, so zu reagieren, komm, ich koch uns einen ayurvedischen Blütentee.

Beides. Alles. Und zwar auf Knopfdruck. Sonst verzichten wir dankend. Sorgen können wir nämlich für uns selbst.

Das macht den Mann zum Luxusartikel, ein Supplement. Und stellt ihn vor Probleme. Dafür lernt er, zu reden. Mit seinem Therapeuten.

Was Mr. Augenwasser in seinem Boot Camp «AFQ» (Alpha Male Qualities) vermittelt, hat er der NZZ nicht verraten. Schliesslich lebt er davon. Seine 3-Phase-Strategie lässt aber erahnen, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat: in der ersten Phase hat man Mr. Social zu inkarnieren, dann Mr. Comfort und zum Schluss Mr. Seducer. Der Plan hat nur ein Ziel: Sex. Die Versprechungen sind hoch: in maximal sieben Stunden ist man am Ziel (ohne Angaben, auf wie viele Jahre sich diese verteilen und, falls am Stück, ob man dann noch Kraft für dafür in petto hat).

Ich trau der Sache nicht. Denn ich weiss, der einzig wahre Rat wäre: Vergiss es. Unter dem Strich wirst du niemals genügen.

Möglicherweise könnte aber ein kleiner Spezialkurs die Chancen der Mitglieder unserer wachsenden deutschen Exilcommunity erhöhen. Die kommen bei den Schweizerfrauen offenbar ganz schlecht an und weg.

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