Monatsarchiv: Januar 2009

Gesucht: (temporärer) Heizkörper.

Blog 23

Sol und Simone finden Ende Oktober: Kälte ist beschissen. Aber Kälte: kommt bestimmt. Und Nacht.
Das muss irgendwie überbrückt werden. Wie wär’s mit einem Mann als Zeitvertrieb und Zusatzofen? Aber im Frühling, wenn die eigene Hypophyse wieder wärmendes Material produziert, muss er wieder weg. Das sollte doch zu finden sein, denken die zwei und zwar mit Leichtigkeit und am schnellsten wohl über eine Annonce. Anschlagzettel in den Bars und Clubs, die man selber frequentiert? Oder kann man sich dann da nicht mehr sehen lassen, je nachdem? Ist die Auswahl zu klein?
Einmal mehr wird Urbi et Orpi strapaziert, der e-Newsletter, damals für eine Community von Coolen, heut Wohnungstauschmarkt für Hinz und Kunz und die wachsende Zürcher @web.de und @gmx.de-Gemeinschaft.

Die Girls feilen an ihrem Text. Dann lassen sie den Hund ab der Leine.

MANN FÜR DEN WINTER.
Da die Jagdsaison aus meteorologischen Gründen erschwert ist, suchen zwei Girls (29/30, fit & gescheit) eine temporäre feste Beziehung für den Zeitraum vom 1.12.08 bis 1.3.09 (maximal bis 1.4.09). Bist Du inspiriert, clever, gutaussehend und experimentierfreudig? Dann freuen wir uns auf Deine Ideen und Dein Foto.

Pacifico1 beisst als erster an, ein Mark van Huisseling-Verschnitt (vielleicht ist er’s ja). Kurz und bündig.

‹‹Interessante Nachricht. Habt Ihr auch ein Foto?
…auf ein winterlich kaltes Bier in Züri?››

Urteil: Desinspirierend.
Dominik fasst sich etwas langatmiger

‹Hallo
Habe das Inserat unten gesehen und fand es interessant
[Danke, gnädig!] Habe noch nie so was gelesen, dass so was gesucht wird. Aber clever, gutaussehend und experimentierfreudig bin ich schon [spürt man sofort!]. Ideen hätte ich auch und Fotos auch. Inspiration habe ich auch, sonst hätte mich das Mail nicht zum schreiben inspiriert [wie raffiniert!].
Hmmm…., die letzte Frau, der ich meine Bilder schickte, meinte, dass ich toll aussehe [sogar mit Zeugenangaben!] Um mal Oberflächlichkeit etwas zu reduzieren, wo alles nur ums Äussere geht, schicke ich Euch Bilder nur sofern ich auch eine Antwort kriege.››

Weisst Du was, Dominik? Schieb dir dein Gefasel sonst wo hin. Auch Hans schreiben sie grad ab, der ist ‹‹in den Vierzigern, flexibel und für (fast) alles zu verwenden!›› [= alt und verbraucht?]

So leicht ist‘s offenbar doch nicht… Oder möchte jemand Nico Laus haben?

‹‹Sali ihr Zwei

Danke, dass ich mal herzhaft lachen durfte…echt klasse. […Blabla..] In dem von euch genannten Zeitraum kann ich noch derartige [er würd lieber knutschen als vögeln] Termine reinschieben;-) Hahahaha. [zum Totlachen, echt.]

So denn, ich bin 28, akad., extrovertiert, infantil [= sexy?], desorientiert [=sexy?], aber lieb [=sexy?] und co. [was denn noch?]. und scheisse sehe ich auch nicht aus [= sexy?] – und dick bin ich auch nicht.
Kann zudem kochen und saugut knutschen
[= sexy!]. Kann euch ja mal ein par Fotos rüberballern [so wie Fürze, nachdem Du gekocht hast?] …aber erst, wenn ihr damit angefangen habt [= sexy?].
Man, hab ich Hunger…ich geh jetzt schnell in die Cefeteria und ess ne Wurst (klingt ekelig, ist aber voll geil) [= sexy?].

Muss noch mehr zu Nico Laus gesagt werden? I don’t think so. Next ist Caro, die ihren besten Kumpel verschachern will.

‹Ich habe ich einen besten Freund, der unbedingt eine tolle Frau an seiner Seite verdient hat! Er ist 34, gross, sportlich, eher der nordländische Typ, aber nicht blond. sehr charming, humorvoll, offen für vieles, kann leider nicht kochen, dafür kennt er die feinsten Restis in der Stadt 😉
Was haltet ihr davon, heute Abend auf einen Drink zu gehen mit ihm und mir irgendwo in der Stadt? wenn ihr wollt, bring ich auch mehrere Exemplare [sic!] mit.››

Natürlich waren Simone und Sol zur Stelle. Der Nordländer und Konsorten müssen dann aber die Schnäbis eingezogen haben – jedenfalls hören die zwei nichts mehr von Caro.
Als einziger macht sich Theo Gedanken über seine Zukunft. Abgeschrieben wurde er nicht wegen seiner Ratsherrengänge im Format des Washingtoner Kapitols oder seiner Zwergenhaftigkeit, sondern infolge seiner Unfähigkeit zur Konzentration auf das Wesentliche. Bis Theos mail gelesen ist, ist der März auch schon vorbei.

‹‹Hi Ihr Auf-Zeit-Jägerinnen
…und was ist, wenn sich das Ablaufdatum nicht so einfach einhalten lässt?
Bekomm ich dann Ärger mit Euren vom Auslandstudium zurückgekehrten Männern?! Je nach dem würde ich es mit ihnen aufnehmen können/wollen. Was soll ich Euch erzählen von mir?

Wollt ich Referenzen über meine Sozialkompetenzen oder nur meine Masse?
Extrovertiert und gerne in Gesellschaft, lebensfroh und auch ein Geniesser, selbstständig und doch von allem abhängig, dynamisierend, charmant und unverklemmt, ….ein ruhender Pol, manchmal [= also im Herzen ein Langweiler].

Sonnezeichen [Sogar mit Fachbegriff!]: Widder/ Aszendent: Stier. [Quasi von Natur aus gehörnt?]
Chinesisches Zeichen: [Eso-Fritze? Besserwisser?]
Grösse auch im liegen [wie ist das zu verstehen?]: 172cm [Grösse ist gut!]
Gewicht: 68kg, BMI so um die 22 glaub ich, da ist nicht viel Fett dran… [Allerdings. Viel Muskel aber auch nicht.]

Sport (wichtig): Motorrad, Snowboard, Krafttraining und so achli Fitness [genau. Von allem ein Bizli.] Musik: Bumbum [Uuu!], Rock, Goa, Elektro und good old Techno es muss einfach stimmig sein und die Leute sollen tanzen. Bei Ambiente natürlich [logo!] kuscheln und sich gegenseitig anwärmen.

IQ: keine Ahnung, es reicht gut zum leben. Eröffne demnächst meine eigene Firma [krass!]. So ab 1.3.2008 habe ich dann auch fast keine Zeit mehr für stundelange Kuscheleinheiten [hat irgendjemand hier von stundenlangen Kuscheleinheiten geredet?] und wild things [sofort her mit Dir, Dr. Prachtsexemplar!].››

Sol und Simone wissen gar nicht wo anfangen mit Neinsagen. Da nehmen sie noch lieber den Marc mit dem kecken Käppi. Auch hier muss man die Spreu vom Geplapper trennen – sogar, wenn der Mann ein ‹Privatkonzertchen› in Petto hält.

‹‹[…Blabla…] da ich noch kein entsprechendes Mandat für diesen Winter habe, könnte ich mir ja mal überlegen, mich zu bewerben [tu das doch, bitte]. mit ‹sportiv und akad.› kann ich mithalten, zudem gehöre ich zu der seltenen [jetzt kommt die Beweihräucherung] Spezies Mann, die auch beim Bewegen zur Musik [man beachte die Formulierung] nicht aussieht, als würde man(n) zu den Worten anstatt zum takt tanzen. […Blabla…]››

Sol und Simones Favorit wäre ja ‹Ben Stiller›, der Superschnuckel mit Chlausenmütze.
‹‹it needs two for tango››. Leider sind seine Füsse beim vorgeschlagenen Bewerbungstermin bereits erkaltet.
Ich nehm’s gleich vorweg. Das Rennen macht schliesslich, eine Art Notlösung infolge fortgeschrittener Zeit, Kristian, dem (aber das sollen die zwei erst später rausfinden) ‹Christian› zu hundskommun war.

‹‹[…] Am liebsten wär mir ein spontanes, unverbindliches [eigentlich hätte das sie gewarnt lassen sein sollen] live-Treffen, denn so erfahren beide Parteien am schnellsten, ob die aufgenommene Fährte weiterverfolgt werden kann oder soll. Seid ihr dabei?››

Ja. Sie waren’s. Und so treffen sich Sol und Simone eines schönen Donnerstagabends mit Kristian im Plüsch. Gleich beim Eingang entdecken sie einen mutmasslichen Kadaver und flüstern sich ‹‹den bitte nicht!›› und huschen in die hinteren Gefilde des Lokals. Aber: er ist es. Natürlich.
Man barhockt sich, bestellt Bier und Wein. Chris… äh Kristian ist langweilig wie er aussieht, jedes Wort muss ihm aus der Nasenhöhle gesaugt werden. Sol kramt sogar mögliche Sandkastenfreunde des gebürtigen Berners (wo sie studiert hat) aus den Hirnwindungen. Nichts. Und schlimmer: Der Typ will und will und will und will nicht abzischen, obwohl er gleich zu Gesprächsbeginn gesagt hat, dass er früh raus muss am nächsten Tag. Heieiei!
Die Rettung folgt schliesslich durch die unfreiwilligen Befreiungsarmee in Form von Marco, Jo und Sean. Sol und Simone stürzen sich förmlich auf die drei.
Chkristian sitzt noch etwa zehn Minuten neben zwei verwaisten Stühlen, bevor er sich endlich vom Acker macht.

Sol und Simone geben in Folge das Wintermann-Projekt auf.
Und vielleicht werden sie lesbisch und bleiben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

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Yes we can.

Blog 22

«Dani, lass Dir eins gesagt sein.»
Auweia, was jetzt wohl kommt?

«Es gibt nichts, was es nicht gibt.»
Ach.

Was nicht gesagt sein muss: Mütter sind allwissend. Wenn ich jetzt, seelenfriedlich, den Mac auf dem Schoss und umzingelt von AHV-Nünipässlern durchs verschneite Zürcher Oberland gleitend darüber nachdenke, nüchternen Verstandes und Pansens‘, ist alles logisch, wenn auch durchzogen mit Restanzen von Ekel. Was wiederum praktisch ist, da, was Busen hat, tendenziell dauerdiätiert. Mehr Grund also für Publicity für dieses internet’sche Peripheriegoldvreneli. Sind in Zeiten der Konjunkturstagnation Innovationen bekannterweise gefragt. Dazu passt, dass (wie allerorts zu lesen war) der Mensch, wenn der Gurt zur Hüftcorsage wird, sich zunehmend zuhause einmummt (‹Cocooning›).

Beate Uhse floriert gemäss Eigenangaben antizyklisch, weil man sich in Notzeiten auf die Früchte des eigenen Gartens beschränkt (resp. sich damit begnügt), für den man neues (Stech-)Werkzeug anschafft. Immer noch günstiger als eine Woche Balearen!
Wer sich allein vergnügen will/muss, kauft entsprechend Equipment für Autisten. Zuliebst, wenn dieses direkt dem Zentrum der Lust erstammt – da könnte Restnestwärme dranhängen.

Die Schreibe ist von http://www.meinslip.ch, ‹der Schweizer [Aufgepasst!] Dufthöschen-Community›.

Anregend wird ins Thema eingeführt.
«Hallo liebe Dufthöschen-Gemeinschaft. Auf http://www.meinslip.ch habt Ihr die Möglichkeit, auf einfachste Weise [also ohne, dass man jemanden umständlichst dazu vögeln müsste] getragene Slips, Hotpans [sic!], Tangas, Dessus [sic!], oder auch gebrauchte Sexspielsachen zu erwerben.»

Ein Secondhand-Shop der besonderen Art. Mit professionellem Controlling.
«Wir von MeinSlip.ch sind auch bemüht das [sic!] Ihr keine Fakes Inserate [sic!] zu sehen bekommt. Jeder User, der seine getragenen Höschen bei uns anbietet wird überprüft.
Damit ist sichergestellt das [sic!] das Höschen auch echt ist!!!»
Wie wohl? Le ‹Maître d’Odeur› himself?

Wie so ein getragenes Höschen riecht? Ich hab meine string-, slip- und pantiestragenden Freundinnen gebeten, die Riechorgane in die Wäsche zu tauchen.

«Ich parfumier meine Unterwäsche. Bei mir riecht alles immer nach Lancôme.»
«Hmm. Gute Frage. Milchig-cremig. Ein wenig pudrig. Mit einer Note Shiitake.»
«Ich kann’s echt grad nicht sagen. Ich hab den ganzen Tag nur Babyscheisse in der Nase.»
« Meine Unterhosen riechen nach dem Klebstoff der Slipeinlagen.»
«Jetzt grad? Nach Bianchi und dem Eisenwarenhändler an der Hohlstrasse.»
Ansprechend aromatisch.

Sorayas Spürsinn sagt:
«Spezielle Frage. Ich würde sagen, anfangs etwas in Richtung gesäuerte Milchprodukte. Quark mit irgendwas (Spargel?). Aber eher verkochte, im Kühlschrank vergessene? Mungosprossen, die zu lange in ihren Saft rum lagen? Oder auch kräftige Bouillon. Wartet man länger wird’s dann eher zur Fischsuppe –  aber irgendwie süsslich-fischig. Gezuckerte Bouillabaisse?»

Na toll. Ich glaub, ich kleb mir jetzt auch Einlagen in den Schritt.

Offenbar gibt’s aber einen (exquisiten?) Kreis von Zuckerbouillabaisse-Gourmands hierzulande. Manche stehen dabei sogar auf den Fleischvogel in der Brühe. Zu Verkauf bei myslip.ch steht drum auch Serenas Vibrator:

«Mein kleines Spielzeug, hol es Dir schnell!!! Willst du meinen geilen kleinen Vibrator mit dem ich vorher schön gespielt habe??? Na dann hol in dir doch!!!!!! Ich schicke ihn luftdicht [logo!] verpackt und diskret zu dir!!! Das Porto ist im Preis inbegriffen!!! »

Und das für ganze fünfzig Stutz. Schnäppchenalarm! Serena hat mehr noch zu bieten (immer schön mit Bild, übrigens!), zum Beispiel einen (getragenen) Büstenhalter:

«Mein verschwitzter schwarzer Sport-BH [besonders sportlich sieht sie zwar nicht aus, tönen tut’s aber gut.] Los hol dir [wie denn? Wird ja alles versandt] meinen verschwitzen BH und lass dich von meinem Duft berauschen!!! [Alternatives Anästhetikum?]»
Dieses schöne Teil gibt‘s für schweissnasse 39 Fränkli.

Die ‹geile Hausfrau› von nebenan (könnte durchaus meine dumme Zicke von Nachbarin sein), hat ein anderes Feld besetzt. Im ähnlichen Preissegment gibt‘s bei ihr zudem mehr Stoff:
«Strumpfhose – Nun, es komm die Zeit, wo ich wieder Strumpfhosen tragen werde [quasi ein saisonales Angebot] aber ohne Unterhöschen! Möchtest du meine Strumpfhosen beschnuppern sehr intensiver Duft!!! [so wie Boullalbaisse mit Mäusepisse?]»
Da nähmt ich doch lieber den Geilehausfrauen-Slip: «Mein Fützli [wie züchtig!] ist immer geil und feucht. Möchtest du dich überzeugen: mein Slip den ich trage sagt alles!!»
Ebenfalls für schlappe 45.- zu haben.

Was bei einen feucht ist, ist bei Susan triefnass.
«Nassgeriebenes [oder nassgepisstes?] Höschen. Hi. Ich bin ständig geil und mache es mir am liebsten mit Höschen. Jetzt dachte ich mir [!!] du willst vielleicht daran riechen. Deshalb verkaufe ich es dir»
Wie grossherzig! Wie altruistisch! Bei anderen gilt. Ich bin auch ein Prinz Charles: «gut duftender in [!!] der Muschi aufbewarter [sic!] Slip zu verkaufen.»
Das Ding wird mir auch zerknüllt ankommen!

Gezuckerte Fischsuppe mit Nagetierurin. Lara, 21-jährige Alchimistin, fügt eine weitere Essenz bei: «Gebe erstmals [!] mein 3 Tage [!!] getragenes Höschen zum Verkauf.»

Das Olfaktorische ist das eine. In diesem Kontext müssten meine Adidas Roma, die ich seit 19 Jahren mit mir rumzügle, ein Vermögen wert sein. Wie auch die Socken, die man in den Gummistiefeln getragen hat. Oder das offene Joghurt, das ich vor den Ferien nach dem Bettfrühstück auf dem Boden hab liegen lassen.

Als Business-Modell hingegen ist meinslip.ch eine wahre Goldgrube. Wenn ich da für ein Billighöschen im H&M-Ausverkauf 3.90 Franken rechne, plus 2.20 Franken (maximal) Versandkosten und dann einen fünfundvierziger verrechne, macht das satte 38.90.- Franken Gewinn.
Und: nie mehr waschen. Ergo: Achtung, fertig, los!
«Geld mit deinem getragenen Slip verdienen – Gleich hier anmelden!»

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While you’re at it.

Blog 21

Ich schulde Raoul Antwort auf einen letztjährigen Kommentar, der da lautet:
20.12.2008: «Ich bin wohl etwas downer to earth als viele meiner Geschlechtsgenossen, und ich sage auch mal ‹Stecher› [was sagt man denn oben im Himmel?]. Letzthin habe ich den Ausdruck wieder vermehrt gebraucht und einige offenbar irritiert. Frage an die Expertin: wann darf ich den Ausdrucks ‹Stecher› verwenden, wann sollte ich ihn meiden?
XXX Raul»

Hurrah – ich bin auch eine Zeitschriftentante! Das gibt mir die Freiheit, etwas auszuholen.
Neulich hab ich nämlich im Men’s Health, meiner – nach den Nutrition-Facts von Kaugummis und Bergdoktor-Heftchen – drittgenehmsten Lektüre, Aufschluss gefunden. Es ging (ganz wie bei Dr. Thomas Burgner übrigens) um Timing, ein allzeit delikates Thema. Wann es Zeit ist, heimzugehen, hab ich bereits erörtert [https://danitonet.wordpress.com/2008/08/28/unter-des-kaiser-kleidern], wie auch, wann man mit Vögeln aufhören sollte [https://danitonet.wordpress.com/2008/12/11/endlich-mehr-leistung]. Die dramatischere Frage ist doch aber, wann man damit anfangen soll, denn letztendlich ist die Strichliste entscheidend ausschlaggebend. Quantität vor Qualität, maximale Erfahrungsvielfalt als zahlkräftigstes Element der Postmilleniumsgesellschaft.

Men’s Health sticht deshalb, einmal mehr, den Nagel ins richtige Loch:
«Wenn es einen Mann richtig erwischt hat [gibt’s das überhaupt?], ist er meistens ziemlich vorsichtig, was den ersten Sex mit seiner neuen Flamme angeht. Er will ihr ehrenhaft zeigen, dass es ihm nicht nur um das Eine geht [was schon im Ansatz gelogen ist]. Das ist im Prinzip lobenswert, kann aber schlimme Folgen haben.»

Achtung, jetzt wird’s reizvoll!
«Wer zu lange wartet, riskiert, aus der Sicht der Frau enteiert [sic!] zu werden, das bedeutet: Er entwickelt sich zu einem guten Kumpel und muss irgendwann zusehen, wie die Liebste mit einem anderen in die Kiste geht. Deswegen sollten ein erwachsener Mann und eine erwachsene Frau [man beachte die suspekte Verwendung des Zusatzes ‹erwachsen› in diesem Kontext!] nach dem dritten Date unbedingt Sex haben! Beim ersten Date ist es zu früh, es sei denn, beide wollen nur eine heisse Nacht erleben, mehr nicht […].
Wenn der Mann alles richtig gemacht hat, charmant und witzig war, wird sie vielleicht [sic!] schon in der ersten Nacht von seinen Fähigkeiten als Liebhaber träumen. Beim zweiten Date muss das aufkeimende Begehren der Frau mit Gesten und Komplimenten massiv angestachelt werden, sie muss aber noch ein wenig zappeln. Beim dritten Treffen ist die Dame dann reif [Aha; erwachsen gleich reif gleich ü40!], hat sich schon Tage vorher überlegt, welche Dessous sie anzieht [selig glaube!] und zählt gierig die Minuten, bis sie ihre Schätze [herrlicher Euphemismus für Atomgemüse zwischen Orangendellen!] endlich zeigen darf. Jedenfalls, wenn Ihr Auftreten bislang Eindruck hinterlassen hat. Aber ansonsten hätten Sie das dritte Date ja auch gar nicht erst erlebt [grossartig formallogisch aufgearbeitet!].»

Dieses elende «Three strikes, and you are out» (respektive: in) -Zeugs geht mir auf den Stock wie die US-Einreiseformalismen. Ist es nicht vielmehr so, dass wir Frauen darauf abgerichtet worden sind, uns nicht zu schnell zu verschenken (womit wir wieder bei den Schätzen wären), auf rares Engelchen zu machen, damit wir nicht in die Kategorie ‹just fuck – never marry› ge…stossen werden?

Dabei, ökonomisch gedacht, zwei Dates mit einem beim dritten Date lausigen Lover endlose, unwiederbringbare Stunden zuviel sind. Besser, man würd’ gleich zur Sache liegen. Eventuell hat man sich ja nachher nichts mehr zu sagen. Und könnt dann wenigstens weiterpoppen. Oder eben aufs nächste Tram warten.
Und, bevor ich’s vergesse: Unsere beste Unterwäsche tragen wir, wennschon, beim ersten Date. Danach müsste Mann gemäss Waschplan-Schnitt 6 Tage Geduld zeigen. Aber Jungs können Hans und Moritz eh nicht von Carine Gilson (Kleinodien!) unterscheiden. Deshalb lieber nackt als im Pelz.

Soviel dazu. Und, Raoul, ein Management Summary zu Deiner Frage zur Verwendung von ‹Stecher› (‹Spritzer› wär übrigens, effizienzorientiertmodern, adäquater):

‹Stecher› sagen ist nicht per se verwendungswürdig oder nicht. It all depends. Vom Timing. Vom Zeitpunkt. Vom Moment. Vom Kontext. Von der Tonalität. Vom Publikum. Gegenüber der ‹Herz Dame› würde ich tendenziell eine wohlklingendere Wendung wählen, ist ‹Stecher› doch der H&M unter den Fickwörtern.

Falls Du aber primär ‹Stecher› sagst, weil du gerade zwei Mal im Jahr einen ‹Lucky Strike› landest, dann würde ich die zwei trotz ausgeprägten Verbalästhetizismus’ gerade sein lassen.

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Matchmaker. Rainmaker.

Blog 20

Vor einer Weile hab ich mich für eine Schweizer Datingshow beworben. Genau. Die, die keine Sau schaut und die (spätestens nach der dreiundzwanzigsten Wiederholung) dann doch alle gesehen haben (die nonsingle und männlich tendenziell unfreiwillig vor oder nach irgendwelchen Hockey- oder Fussball-Summaries, die eiskalten, saisonalbedingt nichtpedikürten Pfötchen ihrer Partnerinnen unter dem A…llerwertesten verstaut).

Ein süsses Foto hab ich von mir eingesandt, le Moustache frisch barbiert und mit Murrey’s airwax pomadiert, die Augen schwarz getüncht, die obersten drei der vier Knöpfe der ungebügelten Schneeweisschen-Weste weit geschlossen, gradlinig in die Linse gezwinkert. Und natürlich ist ein paar Tage später der Standbefehl eingegangen.
Zur zu frühen Morgenstunde musst ich ein Taxi in die züriwestsche Industriehaine zwingen, wo meine Zuhälterinnentauglichkeit unter Beweis gestellt wurde. Obwohl meinereins mit einer Dumpfbacke und einem kleinwüchsigen Männervernascher durchaus mitpimpen könnte, bestand meine Ambition primär im Aufmischen der Schlieremerchind.

Schnauzeidank krieg ich gleich beim Entrée die Linse einer bei diesem Nationalstolz von einem Sender rumschwirrenden Praktikantinnenkamerakinder, auf mich gezielt. Ich halt das kaffeefleckige Cosmopolitan vor die alkoholgebleichte Visage und entziehe mich allen Statements, was das Interesse nicht wirklich vermindert. Ich verkrümle mich deshalb auf die Toilette, rauche ein paar Zigaretten und kokle dabei das zehnseitige Vertragswerk, das ich eben unterzeichnet habe an. Das darf ich nicht, und das darf ich nicht, und das muss ich bis ans Lebensende und das gehört unter Androhung der Todesstrafe zu den don’ts (wie zum Beispiel auch das Ausplappern der Vertragsinhalte). Und ich hab auch alles schon vergessen. Burn after Reading.)

Ich glätte le Moustache mit Spucke, schmiere noch mehr indische Asche um die Augen, putze mit dem Finger den frischen Teerbelag von den Lumineers und setz mich wieder auf eine der Warteraumsfestbänke. Die Kamera ist jetzt bei der Trize-Miss-Zentralschweiz 2005, die einen nervositätsbedingten Schweissfleck im Studentengräbli hat, dämliches Landei, man trägt auch keine rosa T-Shirts mit Schweissdrüsenüberfunktion.
Mein vierter Automatenespresso besänftigt den Kater leider auch nicht wirklich.
Schliesslich führt mich der (wenigstens passabel aussehende) Aufnahmeleiter vor die Jury.

Dead Woman walking.
Zu dritt hocken sie hinter dem Richterpult. Hinter sich eine hübsche Grafik, alles schon mal anderer Stelle gesichtet, nur der Text ist neu. Willkommen bei ‹Pisst’s heute? – Das Casting›.

Als ich vor die abgetakelte Ganzkopfmècheszahlerin und dem auch im Sitzen nicht grösser gewordenen Romantikdialektler torkle, merk ich, dass mein Hosenladen offen steht. Ups. Mit einem Anflug von Erstaunen registriere ich am rechten Bankrand ein weiteres ebenso unförmiges wie unfähiges Mitglied des Supreme Court. Den Wetterfrosch himself. Mich beisst ein Storch. Lang lebe das Lokalfernsehen.

«Salüü Dani, säuselt Alphablondie.»
Gleich fragt sie mich, was ich in meinem Kühlschrank stehen habe.
«Pimm’s. Etwa vier Flaschen. Nein, drei sind’s glaub noch», komm ich ihr zuvor.
Was die so guckt? Bin ich etwa die mit dem IQ einer durchschnittlichen 80er-Jahre Bilddiagonale?

Der kleine Henker springt ein.
«Dani. Erzähl uns doch mal was von Dir.»
«Aha. Wir backen Allgemeinplätzchen. Natürlich. Gratulation zur neuen Sendung.»

Frau Buser möchte mich dismissionieren. Der kleine Auch. Die Wetterkröte starrt auf den weit geschlossen Blusenkragen, bläst die Backen und quakt.
«Wohldenn, Dani. In Deiner Bewerbung steht, dass Du Blog-Autorin bist. Worum geht’s denn dabei?»
«Meteorologie.»
Petrus ist nun aufgewickt und schaut mir zum ersten Mal in die Augen, Zahn um Zahn.

«Was dürfen wir uns darunter vorstellen?»
«Nun, ich schreibe über die verschiedenen Liegen, äh, Lagen, oder das vaginale Klima, das nach steifen Brisen lechzt, adiabatische Abkühlungen jenseits des Analen, welche Scheisstypen man im Regen stehen lassen und dergleichen mehr. Also ich seh mich drum als absolute Starbesetzung für Pisst’s heute?»

Die Wetterkröte sinniert irritiert über Cumulonimbus (oder den Nimbus 2000) nach. Das Hellharige schweigt.
Besonders lustig finden sie mich nicht. Aber ich sie wollen mich fertig machen, bevor sie mich rauskippen. Codewort ‹Leidernein›.

Der kleine Kuppler zieht die Galgenschnur.
«Nun, Dani, dann zeig uns doch zum Schluss noch, ob Du sonst noch was kannst. Schau dort in Kamera zwei und eröffne für uns eine Sendung.»

Dani, geblendet von all dem Licht im Raum, zieht die Janis-Joplin-Brille auf, die ihr der jüdische Künstler gestern in den frühen Morgenstunden in die Jeans gesteckt hat und räuspert sich.
«Hallo Tröten und Idiotinnen. Willkommen bei einer weiteren überflüssigen Episode von Pisst’s heute. Hinter mir pisst sich die 23-jährige mickrige Melanie grad in die Hosen, völlig grundlos, wird sie doch auch heute allein ins Bett fallen, wenn auch wenigstens sturzbesoffen auf unsere Kosten, Konzessionsgelder können wir Euch ja dummerweise immer noch keine abknöpfen. Und dann ist da auch noch der dumme Dirk. Er ist Sodomist. Und wir haben ja giggerige Gänse, spröde Schnepfen und kichernde Kühe à gogo an Lager. Wie zum Beispiel Amanda, Mirella und Karen, die hinten grad noch die Pickel aus dem Gesicht geschminkt kriegen. Dirk wird sich wünschen, es gäbe einen Publikumsjoker. Tja, Pech gehabt.»

Die zwei Schicksalsgöttinen sind ruhig. Der Wettergott ist – für einmal – ruhig. Ich ziehe die linke Augenbraue hoch und schaue sie erwartungsvoll an.

«Dani (schwuler Blick auf meine Unterlagen) Tonet. Was zum Teufel hast Du hier verloren?»
«Keine Ahnung. Ich bin eines Morgens aufgewacht und hab gedacht: Pisst’s heute? Und die Antwort war: Scheisse, Mann, was heisst hier heute? Es pisst jeden Samstag.»

Ein Kommentar

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