Monatsarchiv: Mai 2009

I kissed a Girl.

I kissed a Girl.

Blog 38, 28. Mai 2009

[für Sonja]

Meine Cousine heiratet. Wir haben immer geglaubt, zu wissen, dass sie die allerallerletzte ist, die einen abkriegen wird. Nun ja. Ihr ‹Spouse› ist Engländer, ein waschechter Bristolian (oder Bristolese?). Und da fliegen wir nun (fast) alle zusammen hin; Vater plus Freundin, Geschwister plus Anhang, Tante plus Mann, Tochter von Tante plus Freund. Plus Dani.

‹Anne, sag mal, da gibt’s hoffentlich ein paar hübsche männliche Einzelmasken an Eurer Fete? In Bristol würd ich ganz gern eine Flagge parken.›
‹Sieht schlecht aus, Cousinchen, nix Singletisch. Aber Du könntest am Kindertisch mitfeiern.›
‹Ihr kennt ausser mir keine Singles?›
‹Hier heiratet man halt früh. Und von meiner Seite haben alle abgesagt. Zu weit für einsame Nächte.›
‹Scheisse. Gibt’s genug zu trinken?›
‹Welcome to bloody Britain, Sweetie.›

Paps und ich trinken im Flieger den Trolley leer, er aus beruflicher, ich aus privater Motivation. Angekommen beziehen alle ihre Doppel- und Dani ihr Einzelzimmer. Die Hausbar very british, indeed. Neben dem Kühlschrank steht ein Teekocher. Knapp zwanzig Grad. Grog-Time.
Am nächsten Morgen die Kirche. Ich stehe lange am Eingang, damit mich alle registrieren können, schlüpfe dann in die hinterste Bankreihe und schleiche mich acht Minuten nach Start raus.
Bald wird Anne von und vor Gott vereint sein.
Eigentlich wollte ich pünktlich zu you may kiss the bride! zurück sein. Aber ich bin nicht allein da draussen. Maria-José Fernandez de Santa Irchendwas de Irchendwo, hockt im Schneidersitz auf dem Kies. Südamerikanerin, aber scheinbar ohne südamerikanisches Blut, die vormals wohl dunklen Haare knallorange gefärbt, der Bubikopf nur drei Zentimeter länger als die Fransen, die ihr bis zu den Augenlidern reichen. Die Haut ist ebenfalls viel zu blass, das Spanglish ähnlich entzückend, besonders im Mix mit der Kehlkopfkrebsstimme. Maria-José raucht zwei Zigaretten zugleich; eine hält sie in der Linken, die andere klemmt (vermutlich ob dem Handygespräch vergessen) im Mundwinkel.

‹Hi. Mari-Jo.›
‹Dani [resp. Dany].›
‹Groom-Side?›
‹Bright-Bride-Happy-go-Lucky-Side.›
‹Ah, just fuck it.›
‹And where’s your honey? ›
‹Back home. He’s sick.›

Eine Strohwitwe als potentielle Tischgenossin, welch Geschenk des Himmels, Amen.
Bis sich die Kirche wieder von innen öffnet, hat Mari-Jo ihr (und mein halbes) Päckchen verqualmt und ihr Lebensflickwerk kanzleimarktstandmässig vor mir ausgerollt.
Das Hochzeitspaar, höchstglücklich, tritt unter den bewölkten Himmel. Fotoapparate blitzen, klicken und verpixeln. Wir gratulieren. Am Apéro gibt’s irgendwas elisabethanisches Unessbares und sehr viel zu trinken. Das haben sie drauf, die Angelsachsen.
Danach zum Glück keine Car-Tour, sondern Freizeit bis um sieben, wo man sich zum grossen Fressen in einem Castle in der Nähe wieder zusammenfinden wird.

Die Hotelbaar ist beinahe geleert. Daddy hat seinen dunkelgrauen Nadelstreifenanzug montiert, das Plus ein paar Falten aus dem Gesicht gepudert. Geschwister plus sehen aus als würden sie morgen selbst vor den Altar treten und Dani hat das etwas zu kurze Schwarze zu den violetten Stilettos übergestreift. Damit stöckelt sie durch den Raum, auf der Suche nach dem Ball (des Bräutigams Hobby), an dem ein Zettel mit ihrem Namen klebt.
Platz gefunden. Papa plus sitzen schräg vis-à-vis. Auch sonst nur graues Haar. Geschwister plus sind an einem Tisch mit anderen gut aussehenden jungen Pärchen.

Mein schwerer Blick findet Mari-Jo in einem engen, langen, froschgrünen, rückenfreien Kleid, die auf die Reklamation eines ekligen Tischgenossen hin gerade eine Zigarette in ihrer Untertasse ausdrückt. Ich gleite (sofern das mit dem Miniding möglich ist) auf den freien Platz neben ihr und zieh die unbequemen Schuhe, die ich nur wegen der roten Sohle gekauft habe, aus.
Mari-Jo, die an der University of Bristol Filmwissenschaften studiert, verlässt den Tisch schon vor der Vorspeise zwei Mal. Zwischen ihren Gläsern liegen vier angefangene Päckchen Marlboro. Ich liebe sie und der Rest des Tisches hasst uns – zumindest die Frauen mit den frisch polierten Eheringen.
Nach einem ganz, ganz, ganz hässlichen Salat mit einer Art warmen Algenstengeln mit Zimtbelag und anderen undefinierbaren Dingen (in Senf eingelegte Pfefferminzschokolade?) schliesse ich mich ihr an und wir rauchen ein paar Zigaretten im lauschigen Hof. Nach dem Essen packen Gareths Cricket-Kollegen Instrumente aus und singen melancholische Bierschlachtlieder, während wir uns, vom Regen befeuchtet, in die Toilette im oberen Stock des niedlichen Schlösschens (die etwa so gross ist wie mein Wohnzimmer zuhause) verziehen.
Mari-Jo hat, während Anne und Gareth sich für den Brauttanz aufgestellt haben, zwei fast volle Weinflaschen von einem Servierwagen geklaut. Gleich verschwindet sie ganz in ihrem Qualm. Sie steckt mir eine Zigarette zwischen die Zehen (die Schuhe sind unter dem Tisch liegen geblieben) und setzt die Flasche an.

Fünfzehn Minuten später stehen wir beide vor dem goldgerahmten Gipsspiegel und vergleichen Zahnstellungen, Irisfarben, Nasenrücken, Schlüsselbeine und Bauchnäbel. Mari-Jo zeigt die Narben ihrer Brustvergrösserung, zwei unauffällige zentimeterlange Schnittchen links und rechts aussen am Ansatz. Made in Rio.

Sie küsst zuerst den Spiegel (mit Zigarette im Mundwinkel) und dann mich.
Damit stösst sie (nach vier Jahren) Sam vom Thrönchen. Der Marlboro-Cherry-Mix ist fantastique. Und sie kriegt’s irgendwie sogar hin, gleichzeitig zu rauchen. Ich bin beeindruckt.

‹And your home-honey?›
‹Robin es un hipocondríaco! Fuck him.›

Die brasilianischen Schönheitschirurgen haben’s wirklich raus. Gerade als Mari-Jo den Reissverschluss meines Kleidchens aufzippert, steht, ¡puta madre! das Plus von Papa Tonet im Türrahmen. Die halbnackte Mari-Jo winkt sie heran
‹Come here, Baby, let’s party!›
während ich meine Lippen nachmale.

Stiefmama, total ab der Rolle, tritt zurück.
Bei der Verfolgung stolpert Mari-Jo unglücklich über den Froschstoff zwischen ihren Knöcheln und kotzt einen spannenden Mix aus ‹Cold Roast Scottish Beef with Horseradish Cream› und ‹Syrup Sponge Pudding with Lashings of Custard› auf den Teppich.

Bristol really rocks! – nicht nur wegen Damien Hirst und Bansky.

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Touch of the Heart.

Blog 37, 20. Mai 2009

Moni ist 34 schon gaaaaaaaaaanz lang Single. Und irgendwann ist sie auch über die Rum-vögelphase hinaus ‹gewachsen› (das scheint tatsächlich zu gehen), das mit dem Anmachen – Abschleppen – Am-falschen-Ort-Aufwachen hat offenbar auch seine Halbwertszeitigkeiten (und hinten, oben, vorne undsoweiter bleibt letztlich hinten, oben, vorne undsoweiter).

Vor ein paar Wochen dann ist eine asiatische Delegation zu Besuch (eine akzeptierte Form der Industriespionage) und es gilt, ein attraktives Programm für die möglicherweise solven-ten Schlitzäuglein zu organisieren. Man wird also erst in Zürich rumgondeln und dann den obligaten Trip aufs Jungfraujoch draufpacken, inklusive Übernachtung in Grindelwald. Moni bucht Hotelzimmer, einen Car und den gut trainierten Reiseführer, dessen All-in-One-Angebot den CEO ebenfalls überzeugt.

Ebensolcher gute Fang holt die fünfzehn Personen am Carparkplatz am Stadthausquai ab, wo das schöne Reisli beginnt. Gegen Abend merkt Moni, dass ihr der Typ in live sogar noch besser gefällt. Ihre Assistentin und Vertraute versucht, das Glück zu beschleunigen und per-foriert Mirko P. mit Fragen, um ihn in der Nähe zu halten. Und Mirko scheint das Geplänkel mit den jungen Damen den kleinen Schlipsträgern mit den Fotoapparaten und den Notiz-blocks vorzuziehen. Abends, in Grindelwald, sind Führer und Fahrer aber an einem anderen Ort einquartiert. Das Angebot zum Hook-up hat Mirko abgelehnt.
Auf der Heimfahrt zieht Moni sämtliche Register und quetscht ihm beim Ausstieg ihr Visiten-kärtchen zwischen die Finger; vielleicht will er ja die Firma mal besichtigen kommen? Mann hat ja tendenziell grosses Interesse – insbesondere an dieser Form von Industrie.

Eine Woche später hat sich Mr. Superguide noch nicht gemeldet, obwohl er, so Moni, non-verbal durchaus Interesse bekundet hat. Wir sind bei der ersten Gimlet-Runde und Moni schwärmt und schwärmt und schwärmt und schwärmt und ist ganz kirre, jede Sekunde der Carfahrt, jeder kluge Satz in Deutsch und Japsisch wird wiederholt. Langweilig.

Moni ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht auf Facebook. Dort finden wir Mirko zwar, können ihn aber nicht ausspionieren. Also adde ich den Jungen kurzerhand. Moni ist in heller Aufregung. Zwei Stunden später können wir bereits ernten. Mirko und ich sind jetzt di-cke.

Hoi Dani!

Du, das tuet mer hurrä [??] leid, aber ich chan mi mit em beschte willä nümmä a dich erinne-re, au wenn mr din namä sehr bekannt vor chunt.

lg mirko

Zehn Minuten später folgt:

Aaah, jetzt… klar! Sorry.. Isch mer extrem peinlich, aber jetzt han is au entlich kapiert 😉
Hey, gahts dr guet?

Nun bin ich irritiert.
Hat er unser Spiel durchschaut und einen online Link zwischen Moni und mir gefunden?
Eine Reihe Fotos sind gepostet; vier davon zeigen ihn mit einer Frau an der Seite, könnte die beste aber durchaus auch die Freundin sein. Moni ist enttäuscht. Noch geben wir nicht auf.

Hallo Mirko
Ich mag Dein Profil. Coole Pix. Allerdings glaub ich nicht (mehr) dass Du der Mirko P. ist, der mit meinem Bruder früher Basketball gespielt hat (oder meine Mutter würde sagen: «Der ist aber gut rausgekommen!»). Woher kennst Du mich denn – glaubenderweise?
Eigenartigerweise kommt mir dafür Deine Freundin (?) vertraut vor. Sind wir hier alle auf ominöse Art miteinander verbandelt?

Minuten später.

Dani, Dani!
Die Spannung steigt [der Trick wirkt immer: hochdeutsch merzt Mundart aus. Ist so ein Über-legenheitsding] Ich habe Dich für eine Sandkasten-Kollegin aus Biberbrugg gehalten. Kennst Du einen Andy Bickel? Meine Freundin [voilà!] heisst Diana Krueger und kommt aus Stutt-gart. Sie hat allerdings lange in Basel gearbeitet. Vielleicht hilft das weiter? Im Moment woh-nen wir grad in Freiburg im Breisgau.

Er bleibt maximal uninteressant. Moni trauert noch immer.

Ich beobachte das rundum bei Zwangsasketinnen. Ihre Nervenenden sind (auch wenn man das glauben würde) alles andere als abgestumpft, im Gegenteil. Sogar zufällige oder eindeutig asexuelle Berührungen von Freunden und Verwandten bringen emotionales Gletschereis zur Schmelze – en Masse.

Aus dem gleichen Grund, behaupte ich, gehen die Alten zu Stosszeiten einkaufen: um gratis eine Prise Körperkontakt zu ergattern – und sei’ auch nur an der Migroskasse. Sind Männer auch so? Oder sind die happy, wenn sie ihren Schwanz in die Hand nehmen können?

Meine Mädels sehen sich schon im Trauzimmer, wenn sie einmal speziell nett (eigene Wahrnehmung!) angelächelt, respektive wahrgenommen – und nicht einfach als other hu-man being ignoriert worden sind. Dass man einen Abend lang mit einem Typen quatschen kann (oder sogar noch ein wenig Fummeln danach, oder sogar mehr) und das aber auch gar nichts bedeuten muss, ist in ihrer Vorstellungskraft in die Ferne gerückt.

Dass dies das Finden zusätzlich erschwert, ist einleuchtend. Frage bloss: was tun?
Moni werde ich nun wohl mal an eine dieser Nurkuschel-Nosex-Feten schicken. Oder ihr ei-nen Callboy buchen. Hat jemand eine gute Adresse?

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Fit for Fun.

Blog 36, 14. Mai 2009

Sonja hat neulich im Modus grösster Aufregung überlaut ins Handy gemeint

‹Ich hab grad den Mann für Dich entdeckt!›,

[was heissen musste: blitzgescheit, also im Vollstbesitz seiner geistigen (und möglichst vieler physischer) Kräfte, eloquent, widerstandsfähig, ausdauernd, lebensgewandt, ca. 185 cm, möglichst dicht- (nicht überall) und dunkelhaarig, attraktiv, pervers, blauäugig, von Humor und dummen Ideen stotzend, reise- und feierfreudig, trinkfest, unverheiratet, bindungsfähig (aber nicht –willig), unabhängig, gebildet, kreativ, wohlerzogen, etc.]

Natürlich musste die Sache einen Haken haben. Hatte sie auch.

‹Er trainiert immer am Donnerstagabend im Holmes, so zwischen halb 7 und 8.›

Fuck. Ich und Sport. Ich und Fitnesszentrum ganz zu Schweigen (ausser die Nass- und Relax-Zonen, die sind ganz gut zu gebrauchen; man kann sogar im Ruheraum vom Hamam Sex haben).

‹Wie sicher bist Du?›

‹108%.›

Nun denn. Frau kümmert sich also um einen Einzeleintritt in eine Welt, in der Dumme bereit sind, für den Aufbau ihrer Gewebefasern zu zahlen. Und das nicht zu knapp. (Und dann dieser Claim, Bitteschön: are you fit for business? Unsere Devise ist: ein gesundes Leben ist ein glückliches Leben. Goodness!) Zum Glück bin ich ab halb sieben abends eh meist nicht mehr nüchtern.

Ich stelle eingangs klar, dass ich keinen Tätschmeister um mich haben will, der mich am Händchen packt und rumführt oder gar fürsorglich tatscht, ob die Qualen an meinem Trizeps bereits Spuren hinterlassen.

Zum Glück war ich neulich an der Trainerfete im Plazda, die schwarzen Hosen mit den goldenen Stripes machen sich auch im originalen Kontext ganz ausgezeichnet. Ich platzier mich also strategisch schlau auf einem der Liegevelos (stark schwitzen ist unsexy) und tu grad, als wär ich die schaumgeborene Venus zwischen den glänzenden Foltergerätschaften. Sonja ist auch da, natürlich, schliesslich muss ich das Mensch identifizieren können.

Nach etwa zwanzig Minuten hab ich die entsprechende Zeitung ausgelesen und keinen Bock mehr, in Pedalen zu treten, die mich nicht vorwärts bringen. Ich belege eine der strangen Gerätschaften, schraub irgendwas an den Gewichten rum und setz mich rein. ‹Abdominals› werden hier getrimmt.

‹Schön die Wirbelsäule gerade halten! Jetzt ausatmen und laaaaaangsam ausdrehen. ›

Die fremde Hand auf meinem linken Schulterblatt übt sanften Druck nach rechts.

‹Du musst wohl das Gewicht etwas runterschrauben.›

Ach ja?

Und schon hab ich ganz tierisch die Lust verloren. Ich besteige einen Normalo-Home-Trainer, stell den Widerstand auf nahezu Null und schnapp mir ein Bolero. Sonja, mittlerweile hochroten Kopfes, hat den Hotshot noch nicht gesichtet.

Es dunkelt langsam ein. Mister Wunderbar will heut nicht auftauchen. Ich spüle die Anstrengung mit etwas Mittelprozentigem runter und suche noch bis halb drei Uhr morgens auf eigene Faust nach der Wundertüte. Vergeblich.

Eine Woche darauf wird das Experiment wiederholt. Die ca. 173 Kalorien, die ich letztes Mal abgebaut habe, sind immer noch deutlich zu spüren; dünn bin ich geworden, wie Anton. Paarungssuche ist offenbar ein grandioser Fitnessfaktor.

‹Ein ganz klein wenig musst Du schon schwitzen, das ist ausgezeichnet für den Pheromon-Haushalt. Zudem steht der Typ bestimmt auf sportliche Frauen, so wie der aussieht.›

Heiei. Was lass ich hier nicht alles mit mir anstellen.

Diesmal hab ich Glück. Auch ohne Sonjas weit aufgerissene Augen und der nicht zu übersehenden Pantomime hab ich ihn gleich entdeckt. Damn, she is right, sowas gehörte fast schon eingesperrt. Ich beobachte ihn eine geschlagene Stunde beim Workout. Fuck.

In der ‹Sukhothai Sports Lounge› zieh ich mir wartenderweise einen Power-Irgendwas-Shake rein.

Aber das Goldstück entschwindet nach Absolvieren seines Programms auf direktestem Weg.

‹Na, hab ich recht gehabt?›

‹Yeppa. Aber er ist mir entkommen. Duscht – welch Schande – grad einsam und alleine.›

‹Dann bis nächste Woche?›

‹Nein. Mit dem Laden hier bin ich fertig. Aber schuldest Du mir nicht noch was, von wegen letzen Monat, dieser blonde im La Catrina…?›

Wie es sich für eine wirklich wirklich gute Freundin gehört, steigt Sonja sofort von ihrem Monster runter.

Ich warte mit einem zweiten Supershake in der coolen Lounge.

‹Joachim B.›

‹Joachim?? Auweia.›

‹Jo. Klingt doch super. Bang-Bang-Jo-Jo.›

Ich check Jo-Man auf Xing und Facebook. Und werde fündig. Natürlich. Hübsch, hübsch, wenn auch schlimmstenfalls etwas bieder, der Herr Banker. Wenigstens IT-Abteilung.

Ich schreib den Mann an und schlage vor, dass wir uns – da ich die traditionelle Ausübung von Sport nicht besonders angenehm und inspirierend fände – nächste Woche nach seinem Programm auf ein paar Drinks treffen könnten oder er – falls er nicht auf Bewegung verzichten möchte – mich im Dampfbad erwarten könne.

Ich warte 20 Stunden bevor ich meinen FB-Account checke.

Keine Antwort.

Arschloch.

Sein Profil: Recent activities.

Joachim B. went from being ‹single› to ‹in a relationship›

Na, Kleiner? Bammel gekriegt?

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Na dann Prost.

Blog 35, 7. Mai 2009

Ich stehe an der Bar. Um mir das Rauchen abzugewöhnen, halt ich mich mit links an meinem dritten (oder ist es schon das vierte?) Eve fest und führe mit der rechten jeweils die Shot-Gläser, die mir Geerd van Irgendwaas (der seine tour du monde spannenderweise mit der Destination Zürich begonnen hat), hinstellt, an die knallrote Kriegsbemalung.
Hinter Geerd, der die Pläne seiner viermonatigen Exkursion vor mir ausfaltet, hab ich Hannes ideal im Blickfeld. Nur knapp haben wir uns zugenickt, als ich den Laden vor einer halben Stunde betreten habe. Von experimenteller Leidenschaft und blauen Fleckengeprägte Szenen machen Netzhaut-Revue. Doch Hannes ist definitiv, feinsäuberlich mit Häkchen versehen, auf der Liste weiter nach unten gerutscht. Der Mann ist irgendwie nicht ganz sauber. Über den langen Zeitraum von drei Jahren haben wir, mal mehr, mal weniger, miteinander getechtelt, bevor definitiv Zeit war für den Tapeten- resp. Therapeutenwechsel.

Während Geerd grad blümerant per Interrail nach Istanbul (?) oder so pilgert, beobachte ich, wie Hannes eine maximal 18jährige, kurzhaarige, niedliche Landratte bescharwenzelt. Er zieht offenbar alle Register; ich kann ihr Gekicher bis über Geerds linke Schulter hören, während Hannes’ Hand an ihrem Steissbein (wer trägt heute noch rückenfreie Shirts mit Boa-Constrictor-Print?) nach irgendwas zu suchen scheint.
Seine Zudringlichkeiten stören einen jungen Mann mit schief aufgesetzter Baseballmütze empfindlich. Bocksteif lehnt er an der Pornostange der kleinen Tanzfläche und starrt wütend auf den hannes’schen Handrücken, der wie ein Geschwür unter dem Schlangenleibchen wuchert. Nervös zieht er an einer Kette Zigaretten.

Proost!
…wünscht mir Geerd, zum fünften Mal wohl schon; bald werde ich das Poledancing-Ding benötigen, um in der Vertikalen zu bleiben. Neuken in de keuken (oder wie ging das schon wieder?) Ein guter Koch war er ja schon, Johannes-Man.
Geerd hat noch keinen Schlafplatz und spekuliert darauf, nicht den ganzen Rest der Nacht an der Langstrasse verbringen zu müssen. Der Arme hat bereits einen unerwartet grossen Teil seines Ferienbatzens verprasst. Tja, Zürich ist ein Teures Pflaster, nicht nur im Monopoly.
Da fallen mir plötzlich die Giftpfeile auf, die aus einer anderen Ecke ebenfalls auf den beutescharfen Hannes abgefeuert werden. Der arme Bursche heut kein optimales Energiefeld gefunden. Eine niedliche Brünette starrt mit strichschmalen Lippen auf den fleissig flirtenden Hannes P, während ihre (blonde) Freundin – offenbar beruhigend – auf sie einredet und sie schliesslich toilettenwärts wegzieht. Ich kippe meinen Irgendwas und entschuldige mich kurz bei Geerd, der erschrickt, dass jemand zweites das Wort ergriffen hat.

Während ich in der linken Kabine eine Zigarette (meine sechste heute) anzünde, spitz ich die Ohren.
Das verdammte Arschloch!
Ey, Katy, reg dich ab. Der Typ ist es doch nicht wert.
Hast Du den Goof gesehen, den er anbaggert?
Ja, hab ich. Sagt doch alles!
Und mir die grosse Liebe geschworen.

Ich bin hellhörig. Die grosse Liebe geschworen? Mein Hannes? Unmöglich.
Das verdammte, verdammte Arschloch!
Ja, das ist er. Echt. Komm, Katy, lass uns einfach gehen. Vergiss den Typen.
Dieses verdammte, verdammte, verdammte Arschloch.

Schluchzen. Blondes Murmeln.
Ich schnapp mir mein Bier und sperr die Türe auf.
Sorry, Mädchen, vergiss den Typen, echt, der ist nicht ganz sauber.
Wer bist Du denn?

Dani stellt sich vor.

Und woher kennst Du den Hannes?
Dani erklärt kurz.
Drei Jahre? Du hattest drei Jahre lang was mit Hannes?
Dani ist affirmativ.
Hannes war die letzten fünf Jahre mein Freund.
Fester Freund?
War das der falsche Zeitpunkt, ihr mitzuteilen, dass drei meiner nicht-näheren Bekanntinnen auch was mit Hannes gehabt haben in den vergangenen vierzehn Monaten. Aber ich sag‘s ja: der Typ ist nicht ganz sauber.
Während mir grad das eine oder andere Licht aufgeht, versucht die Freundin erfolglos, Brunhilde zu besänftigen. Die stürmt aus der Toilette. Direkt auf die Tanzfläche.

Hups. Ich schnapp mein Frauenbier, schnippe die Zigarette ins Lavabo und ab hinterher. Gerade rechtzeitig seh ich eine dunkelblau lackierte Rechte auf eine hannes’sche linke Wange klatschen. Wow, das hat geknallt. Hannes, ganz im Hier und Jetzt, befreit sein Pfötchen aus der Schlangenhaut und – ich glaub‘s nicht! – schlägt prompt zurück.
Ich hab ja gesagt, der Typ ist nicht ganz sauber.

Da leint sich der junge Schnuderi mit dem Tschäpper von der Stange (es gibt sie eben doch noch, die Männer mit Cohones. Nur sind die IQ meist etwas niedriger) und zieht dem Hannes – zack! – glatt die Bierflasche über den dichtbehaarten Hinterkopf. Das Schlangenmädchen kreischt. Die Flasche ist noch ganz, war wohl noch zu voll.
Hannes geht sauber zu Boden.
Kein Blut fliesst.
1…-2…-3…-
zähle ich ihn an und wende mich dann wieder Geerd und meinem nächsten Shot zu.
Der blöde Oranje hat von allem nichts mitbekommen.
Proost!, Op Uw Gezonheid!

Ein Kommentar

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