Fit for Fun.

Blog 36, 14. Mai 2009

Sonja hat neulich im Modus grösster Aufregung überlaut ins Handy gemeint

‹Ich hab grad den Mann für Dich entdeckt!›,

[was heissen musste: blitzgescheit, also im Vollstbesitz seiner geistigen (und möglichst vieler physischer) Kräfte, eloquent, widerstandsfähig, ausdauernd, lebensgewandt, ca. 185 cm, möglichst dicht- (nicht überall) und dunkelhaarig, attraktiv, pervers, blauäugig, von Humor und dummen Ideen stotzend, reise- und feierfreudig, trinkfest, unverheiratet, bindungsfähig (aber nicht –willig), unabhängig, gebildet, kreativ, wohlerzogen, etc.]

Natürlich musste die Sache einen Haken haben. Hatte sie auch.

‹Er trainiert immer am Donnerstagabend im Holmes, so zwischen halb 7 und 8.›

Fuck. Ich und Sport. Ich und Fitnesszentrum ganz zu Schweigen (ausser die Nass- und Relax-Zonen, die sind ganz gut zu gebrauchen; man kann sogar im Ruheraum vom Hamam Sex haben).

‹Wie sicher bist Du?›

‹108%.›

Nun denn. Frau kümmert sich also um einen Einzeleintritt in eine Welt, in der Dumme bereit sind, für den Aufbau ihrer Gewebefasern zu zahlen. Und das nicht zu knapp. (Und dann dieser Claim, Bitteschön: are you fit for business? Unsere Devise ist: ein gesundes Leben ist ein glückliches Leben. Goodness!) Zum Glück bin ich ab halb sieben abends eh meist nicht mehr nüchtern.

Ich stelle eingangs klar, dass ich keinen Tätschmeister um mich haben will, der mich am Händchen packt und rumführt oder gar fürsorglich tatscht, ob die Qualen an meinem Trizeps bereits Spuren hinterlassen.

Zum Glück war ich neulich an der Trainerfete im Plazda, die schwarzen Hosen mit den goldenen Stripes machen sich auch im originalen Kontext ganz ausgezeichnet. Ich platzier mich also strategisch schlau auf einem der Liegevelos (stark schwitzen ist unsexy) und tu grad, als wär ich die schaumgeborene Venus zwischen den glänzenden Foltergerätschaften. Sonja ist auch da, natürlich, schliesslich muss ich das Mensch identifizieren können.

Nach etwa zwanzig Minuten hab ich die entsprechende Zeitung ausgelesen und keinen Bock mehr, in Pedalen zu treten, die mich nicht vorwärts bringen. Ich belege eine der strangen Gerätschaften, schraub irgendwas an den Gewichten rum und setz mich rein. ‹Abdominals› werden hier getrimmt.

‹Schön die Wirbelsäule gerade halten! Jetzt ausatmen und laaaaaangsam ausdrehen. ›

Die fremde Hand auf meinem linken Schulterblatt übt sanften Druck nach rechts.

‹Du musst wohl das Gewicht etwas runterschrauben.›

Ach ja?

Und schon hab ich ganz tierisch die Lust verloren. Ich besteige einen Normalo-Home-Trainer, stell den Widerstand auf nahezu Null und schnapp mir ein Bolero. Sonja, mittlerweile hochroten Kopfes, hat den Hotshot noch nicht gesichtet.

Es dunkelt langsam ein. Mister Wunderbar will heut nicht auftauchen. Ich spüle die Anstrengung mit etwas Mittelprozentigem runter und suche noch bis halb drei Uhr morgens auf eigene Faust nach der Wundertüte. Vergeblich.

Eine Woche darauf wird das Experiment wiederholt. Die ca. 173 Kalorien, die ich letztes Mal abgebaut habe, sind immer noch deutlich zu spüren; dünn bin ich geworden, wie Anton. Paarungssuche ist offenbar ein grandioser Fitnessfaktor.

‹Ein ganz klein wenig musst Du schon schwitzen, das ist ausgezeichnet für den Pheromon-Haushalt. Zudem steht der Typ bestimmt auf sportliche Frauen, so wie der aussieht.›

Heiei. Was lass ich hier nicht alles mit mir anstellen.

Diesmal hab ich Glück. Auch ohne Sonjas weit aufgerissene Augen und der nicht zu übersehenden Pantomime hab ich ihn gleich entdeckt. Damn, she is right, sowas gehörte fast schon eingesperrt. Ich beobachte ihn eine geschlagene Stunde beim Workout. Fuck.

In der ‹Sukhothai Sports Lounge› zieh ich mir wartenderweise einen Power-Irgendwas-Shake rein.

Aber das Goldstück entschwindet nach Absolvieren seines Programms auf direktestem Weg.

‹Na, hab ich recht gehabt?›

‹Yeppa. Aber er ist mir entkommen. Duscht – welch Schande – grad einsam und alleine.›

‹Dann bis nächste Woche?›

‹Nein. Mit dem Laden hier bin ich fertig. Aber schuldest Du mir nicht noch was, von wegen letzen Monat, dieser blonde im La Catrina…?›

Wie es sich für eine wirklich wirklich gute Freundin gehört, steigt Sonja sofort von ihrem Monster runter.

Ich warte mit einem zweiten Supershake in der coolen Lounge.

‹Joachim B.›

‹Joachim?? Auweia.›

‹Jo. Klingt doch super. Bang-Bang-Jo-Jo.›

Ich check Jo-Man auf Xing und Facebook. Und werde fündig. Natürlich. Hübsch, hübsch, wenn auch schlimmstenfalls etwas bieder, der Herr Banker. Wenigstens IT-Abteilung.

Ich schreib den Mann an und schlage vor, dass wir uns – da ich die traditionelle Ausübung von Sport nicht besonders angenehm und inspirierend fände – nächste Woche nach seinem Programm auf ein paar Drinks treffen könnten oder er – falls er nicht auf Bewegung verzichten möchte – mich im Dampfbad erwarten könne.

Ich warte 20 Stunden bevor ich meinen FB-Account checke.

Keine Antwort.

Arschloch.

Sein Profil: Recent activities.

Joachim B. went from being ‹single› to ‹in a relationship›

Na, Kleiner? Bammel gekriegt?

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Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

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