Monatsarchiv: Juni 2009

Frauengespräche.

Blog 42, 25. Juni 2009

Noch vor der zweiten Flasche Wein, die Selma vom letzten Elternbesuch hat mitlaufen lassen, sind wir beim Thema. Es fängt harmlos an, indem ich die noch immer recht frisch verliebte Sara nach der geradigen Qualität ihres Sexlebens frage.

Erwartungsgemäss bestätigt sich: Pärchen verfügen zwar (durch die permanente Verfügbarkeit des Anderen) eine gewisse Regelmässigkeit in Bezug auf Frequenz, wir Singles vögeln dafür wenn, dann gleich richtig. Und: bei uns können sich glücklicherweise keine bemühenden Gewohnheiten einschleichen («Er macht immer…», «Sie macht immer…»); Experimentierfreude, Hemmungs- und eine gewisse Rücksichtslosigkeit bleiben brav erhalten. Dafür – ich gebe es zu – gibt’s für Singles ab und an auch Nullnummern, wenn man sich infolge Alkoholüberkonsums vergreift oder so viel kifft, dass die horizontale Lage automatisch traumlos macht.

Männer um die dreissig, stellen wir fest, sind zudem leider definitiv nicht mehr die potenten Hengstchen, die sie mit neunzehn noch waren. Bye-bye Libido. Da ist nicht nur schlecht.

Falles die Liebesglut aber weiter proportional abnehmen wird: ‹Guetnacht am Sächsi› – im wahrsten Sinne des Wortes. Alle sieben Tage entspricht am Ende doch nur der Periodizität des Niederurner Wochenblatts.

Angeregt durch viel kühlen Chardonnay aus dem Burgenland und die Vorzüge und Nachteile unserer fixen und temporären Gespielen sind wir uneinig über eine Beobachtung, die Selma neuerdings macht.

«Wir fragen uns gerade, wieso Du in letzter Zeit beim Sex manchmal [das ‹immer› fällt nach kurzer Erörterung wieder raus] Deinen Schwanz am Schaft festhältst»,

SMSen wir ihrem Langzeitlover Lars.

Während Sara vermutet, dass dies zur Vermeidung eines vorzeitigen Orgasmus diene, behaupte ich, dass er im Gegenteil einer zusätzlichen Stimulation bedürfe.

Lars ist folgsam. Drei Minuten später schnurrt das iPhone.

«Ich wusste gar nicht, dass ich das bei Dani auch mache.»

«Wie denn, mit Handschellen? Rück schon raus, wir kommen sonst nicht weiter mit unseren Analysen.»

Während Lars überlegt, wenden wir der offenbar individuellen Notwendigkeit von Gleitcrèmes zu.

«Kurze Erklärung: Empfindungsoptimierung: mehr reiben als rollen.»

Ausgelassene Diskussion. Was reiben, was rollen? Mit einer leeren Flasche und einer Serviette demonstriert Selma den Unterschied.

«Vorhaut-Rollen? Ist das der Beschneidungseffekt oder was?»

«Gut kombiniert, Mädels.»

Ich will es genau wissen und schnapp mir Selmas Mobile.

«Als Bremse oder zum Beschleunigen? PS: Achtung, Glatteis.»

Nun bleibt’s zehn Minuten ruhig. Vermutlich muss die portable Playstation grad herhalten. Als wir schon längst weiter sind, leuchtet das Display.

«Wann trägst Du mal wieder Strapse, Baby?»

«Träum ruhig weiter Schuckel.»

«Selma, so geht das nicht. Jetzt montierst Du die Dinger, gehst heim und kletterst auf den Typen drauf.»

«Aber ich hab gar nicht so Zeugs.»

«Nichts? Nada? Niente?»

«Ein Cockring sollte noch irgendwo rumliegen. Wenn er nicht schon längt im Abfall gelandet ist.»

Nun, dieses Problem lässt sich ziemlich leicht lösen. Ich hole meine Special-Box aus dem Schrank und wir kramen die richtigen Utensilien für Selma raus. Eine entzückende Modeschau! Den ausgeleierten schwarzen Slip entsorge ich im Badezimmereimer. Eine gute Stunde später ist sie ready to rumble.

«Hab Spass, Kleines.»,

Sara und ich winken der blonden Hochsteckfrisur hinterher und leeren, was noch offen rumsteht.

Fünfundzwanzig Minuten später singt mein Nokia.

«Fuck. Lars schläft schon. Hörbar tief.»

«Na und? Dann weck ihn gefälligst auf!»

Sieben Minuten später.

«Nein Danke. Nicht mit den Blähungen.»

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Look who’s talking

Blog 41, 18. Juni 2009

Heute hatte ich das Privileg, im Tram (ich verabscheue diese weissblauen Massentransportmittel) ein epochales Gespräch mitzuhören. In den Sitzreihen vor mir drei Frauen, Mitte bis Ende dreissig. Schräg gegenüber auf dem Einzelsitz Nummer eins, dunkler Kurzhaarschnitt, die Schenkel wie ein Diego Benaglio beim Wimpernzupfen gespreizt, damit der tief hängende Bauch (siebter Monat?) genüsslich dazwischen darniedersinken kann. Von Nummer zwei und drei sehe ich nur Hinterköpfe und Hälse. Man befindet sich allesamt im gleichen ‚Zustand’. Die fruchtbare Trinitas kommt nämlich grad vom Geburtsvorbereitungskurs für künstlich befruchtete ü30erinnen.

Nummer eins (schlank, ecrufarbenes V-Neck-Shirt, schwarze Birkenstock-Sandalen, unlackierte Zehennägel) erzählt gerade genüsslich, dass sie noch immer reinhauen kann, ohne ein Gramm zuzulegen (kein Wunder, Alkoholabstinenz ist die beste Diät).
Nummer zwei (orange gefärbte, schulterlange, dünne Haare, blasser, nichtssagender Nacken, mausfarbenes Oberteil, geschmacklose Haarklammer) seufzt es neidvoll.

  • Hach. Ich darf dafür überhaupt nichts mehr essen.
  • Wieso denn nicht?
  • Ich hab eh schon 15 Kilo zuviel. [Allerdings.]
  • Jaaa … aber das geht doch auch wieder weg.
  • [Hört lieber sich selbst reden] Auf Salziges hab ich nämlich gar keine Lust, auch sonst nicht auf all das, wo man überall liest. Ich hab einfach auf alles Appetit.
  • Dann iss doch einfach!
  • Das kannst DU gut sagen, Du nimmst ja nicht zu.
  • Ich ess halt sehr gesund.
  • Ich auch! [Absolut! Alles nur Bio-Kaloriechen.]

Die dritte im Bunde (blond, Pferdeschwanz, lila Lacoste-Poloshirt), die jüngste der Truppe, hat sich  aufs Nicken spezialisiert. Mit ihrem dürren Hals hat sie wohl schon vor der Befruchtung kaum was gegessen.

  • [Neuer Anlauf] Ich bin irgendwie soo wütend heute!
  • Aber weshalb denn?
  • Die Hebamme hat gesagt, ich solle keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehmen. Oder nur ganz wenig. Und ich liiiiebe Kohlenhydrate!
  • [Unisono, entrüstet.] Was? Wieso denn das?
  • [Die Aufmerksamkeit geniessend:] Dabei hab ich SOLCHE Lust auf Kohlenhydrate!
  • [Alarmiert] Und warum solltest Du denn keine essen?
  • Weil sonst das Kind zu gross wird.

Zwischen den Stationen Kaserne und Stauffacher füllt sich der Dreier mit blankem Entsetzen.
Ein Kind, am Wachstum hindern, in ventro bereits! Auf low-carb-Diet gesetzte Föten!
Diese Hebamme verdient den Tod!
Grad als Birkenstock mit Coolness berichtet, dass ihr ghanesischer Macker nicht bei der Geburt dabeisein wird, weil das ‚da unten’ [geographisch, nicht physiologisch] eine reine Weibsangelegenheit sei (es lebe die Emanzipation!) darf ich, (Hurrah!), aussteigen.

Später dann, nach Dinner for One (Pasta, eine Flasche chilenischer Weisser), Economist, Serienplausch und Skype-Geplätscher, will ich noch einige Facebook-Nachrichten beantworten.
Auf der ‚Home-Site’ lachen mir schon wieder diese Schnuckelchen entgegen. Sunnita, Remo, Davide und wie sie alle heissen. Babyfotos. Embryonenbilder. Schreihalschnappschüsse. Görendias.
Weshalb muss das Heranwachsen jedes angehenden Idioten online dokumentiert werden? Wieso eröffnen sie den Trabanten keine eigenen Accounts und befreunden Klein-Anna mit Klein-Mark und Klein-Rotkäppchen? Und lassen uns Erwachsene aus dem Spiel? Marina interessiert mich nicht, weder im Zirkus noch im Zoo, in der Badewanne, schlafend, auf Papis Schoss, im Schlafanzug, mit verschmiertem Maul, mit zahnlosem Grinsen, verkackten Hosen, fleckigem Lätzchen, rotflaumiger Glatze, Badeschaumrücken undsoweiter und so fort.
Mich interessieren auch keine Weihnachts-, Geburtstags, Ostern-, Pfingst-, Auffahrts- und Fronleichnamsdokumentationen. Echt  n i c h t. Ehrlich.

Auch Status-Updates wie „Sucht mal wieder Loris Lieblingsauto“ sind genau so jämmerlich wie „hat noch Stillmilch übrig zum Kochen“.

Wenn alle Kinder mit allen Kindern ‚friend’ wären, gäbs vielleicht dereinst auch keinen Krieg mehr!
Und man stelle sich all die spannenden Gruppen vor: Nuggi-Groupies, Windelsparwoche-bei  Aldi-Fetischisteni, Babyficker-Lynchtruppe undsoweiter. Und die Events erst: „Linus sagt schon sagt ‚Pipi machen!’“, „Noras Baby Shower“, „Hannes’ [garantiert alkfreie].B-Day-Fete“
Wenn alle aufhören würden, Kohlenhydrate zu essen, würde sich das Übel vielleicht ja doch verkleinern.

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Mal links, mal rechts.

Blog 40, 11. Juni 2009

«Du spinnst total.»

«Tu ich nicht! Ich fühl doch, dass was nicht stimmt.»

«Du bist paranoid, Schatz.»

«Schwörst Du’s?»

«Was, schwören?»

«Das nichts ist.»

«Natürlich ist nichts.»

«Schwörst Du’s?»

«Du spinnst wirklich. Ich weiss nicht echt. Du gehörst doch in Behandlung.»

Natürlich WILL Mirena gar nicht glauben, dass David sie betrügen könnte. Aber was tun, wenn einen die Intuition mit dem Vorschlaghammer prügelt? Aber: vielleicht hat David ja Recht und sie ist wirklich total psycho? Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht und Leiden… So ist das nämlich.

Soll sie doch die Therapeutin anrufen, bei der sie vor ein paar Jahren einige Stunden abgesessen hat, um über Roger hinwegzukommen? Ist es ihr Schicksal, von allen hintergangen zu werden? Oder projiziert sie am Ende ihre Vergangenheit auf David?

Trotzdem: der benimmt sich komisch. Aber wenn sie ihm mit ihrem Misstrauen weiterhin auf den Sack, geht ohnehin alles bachab. Deshalb muss stimmen, was er sagt.

Bin ich die Einzige? Ist sie mir treu? Ewige Fragen. In einem Internet-Forum hat neulich wieder jemand wissen wollen, was zu tun ist, wenn der Partner ‹fremd geht›. Ein gefressenes Thema, zudem nun wirklich keiner keine Meinung hat.

Der Diskurs erstreckt sich auf drei Ebenen:

a) Definition. Wo fängt’s an, wo hört’s auf?

Einig sind sich die meisten, dass ‹es› halt irgendwie einfach, nun ja…

«Wenn im Urlaub mal was passiert» ist’s aber (offenbar) was ganz anderes, als eine Affäre, definiert « durch Wiederholung», sowie – was immer das meint – «vorsätzliches Fremdgehen».

Ist dem so? Zählt am Ende nicht nur die nackte Tatsache? Ist Alkohol ein mildernder Umstand? Und ‹darf› man sich für die wohlverdienten Ferien am schönen Strand nicht wirklich noch ein kleines ‹Extra› gönnen? Wenn da schon alles in süssen Badeanzügen rumrennt und die Körper eingeölt wie sexfeucht in der Sonne glänzen. Aber auch die Wintersportorte, wo Bretterhütten so feste an ‹Power mit dem Bauer› erinnern und die Bilder der den ersten Porno-Streifen auf RTL (‹Bumsfidel im Muotatal›) aus den Tiefen der Erinnerungen auftauchen?

Für Frauen viel wichtiger ist, ob es ihm WRIKLICH «nur um Sex» ging, oder – was viel schlimmer wäre! – veritable Gefühle zwischen die quietschenden Latten getropft sind.

Was ich praktisch ebenfalls nur von den Ladies höre, ist das – notabene sehr häufig praktizierte – ‹virtuelle› Fremdvögeln. Wo hört denn die Unschuld auf? Ist der ‹Brainfuck› durch seine Nicht-Greifbarkeit nicht «eigentlich viel fieser?» Wer kann sie erraten?

b) Gestehen versus Verschweigen resp. Wissenwollen versus Ignoranz.

Gehören «jegliches Verstecken, Lügen oder Abstreiten» zu den No-Gos? Oder soll man lieber nicht wissen wollen, «wie oft man sich noch verarschen lassen will» und drum die Oron mit Wachs verpaxen? Kann Offenheit die Beziehung auch auf einen höheren (oder auch tieferen) Level bringen? Und, stell Dir vor!, Du erfährst nach fünf herrlichen Beziehungsjahren, dass er oder sie seit drei Jahren – nicht oft, nur so fünf, sechs Mal im Jahr – ihren Spass mit anderen gesucht und gefunden hat? Dann kommt man sich doch «erst recht HARDCORE [sic!] verarscht vor…». Nun, niemand hat behauptet, das Leben sei leicht.

Der Tenor geht generell Richtung zugeben. Denn: was stillschweigend gemacht (oder akzeptiert) ist, führt, durch seine Konsequenzlosigkeit, «automatisch zur Wiederholung». Und das ist ja das Letzte, was die ‹Opferseite› haben will.

Auch beim Geständnis sind hingegen Nuancen zu berücksichtigen. Soll die Beziehung daran (zwangs)wachsen oder hofft man nur auf Absolution? Falls dem so wäre, gilt für die post-seitengesprungene Phase: «die Eier haben und es danach gewissentlich vergessen».

c) Konsequenz versus Toleranz.

«Mal über den Zaun fressen» müsse ja nicht zwingend zur Trennung einer gut (?) funktionierenden Beziehung führen, meint einer. Eine kontert esoterisch, dass, «freier lebt, wer verzeihen kann».

Vielleicht sollten gewisse Dinge besser bereits bei der Partnerwahl berücksichtigt werden. Falls man nämlich was abkriegt, bei dem oder der das Fremdgehen in der «Persönlichkeitsstruktur» angelegt ist, wäre es durchwegs von Vorteil, man würde dies «möglichst schnell erfahren». Hopp und weg!

Eine ‹offene Beziehung› als Swingerpaar, kann sich kaum jemand vorstellen, so tief ist uns die Monogamie als einzig akzeptierte Lebensform eingeimpft, schliesslich sind «sogar die Enten ein Leben lang treu». Und die schwulen Pinguine kümmern sich rührend einträchtig um den (nicht-gemeinsamen) Nachwuchs.

Offenbar hatten die meisten Foren-User bereits das Vergnügen mit dem Fremdgang, aktiv und/ oder passiv. Nur eine behauptet, ihren Partner dermassen gut zu kennen, dass sie «es von Meilen her riechen würde und ganz genau wüsste, ob und wenn er fremd geht oder gegangen ist».

Mirena hat sich übrigens tatsächlich bei Frau Höhninger (die auch Feldenkrais im Angebot führt) angemeldet und fünf Sessions lang an ihrer übersteigerten Eifersucht gearbeitet.

Bis sie eine Abends im gemeinsamen Abfalleimer im gemeinsamen Büro das Mail einer gemeinsamen (wie Mirena geglaubt hat) Freundin findet. Die Analsex offenbar ziemlich toll findet. Vorzugsweise mit David.

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Stehende Revolution.

Blog 39, 4. Juni 2009

Fight Club.
Ohne die elende Diskussion darüber, ob das Buch besser oder nicht etc. zu perpetuieren: der Film ist klasse. Und besonders spannend die Mini-Genitalschau ganz zum Schluss mit der (grossen) offenen Frage: ist das gute Stück erigiert? Und falls ja: vollständig?
Nicht, dass sich etwas daran ändern würde, dass Norton (und Brad, bevor er Kindergärtner wurde) besser in persona in jederfraus Leben liegen würden, kann man sich in trauten Kreisen doch erstaunlich lange über diese Frage – und ihre Konsequenzen – auslassen.

‹Bei Männern stehen Selbstvertrauen und Zufriedenheit oft im Zusammenhang mit der eigenen Erektionsqualität.›
Behauptet eine deutsche Website. (Und ich weiss jetzt, woran’s hängt, wenn der niedliche Anzugkasper mittags im La Stanza jeweils so miesepetrig im Salat stochert.)

Weit mehr noch gibt’s auf http://www.mann-info.de zu lernen:
‹Vor genau 10 Jahren startete eine weltweite Bewegung: Männer gewannen ihr Selbstbewusstsein zurück, Paare erlebten wieder eine erfüllte Sexualität.›

Vor einer Dekade waren wir allesamt längst sexuell aktiv. Bei mir aktuell waren damals kleine weisse, rosa und gelbliche Dinger, Lochpapierchen und Mini-Grips, mit denen Zürcher Clubs und Wiesen und Wälder der verlasseneren Schweizer Regionen frequentiert worden sind. Anders war da, ja. Aber eine sexuelle Revolution? Handelt es sich hier vielleicht um eine neue Loge? Cum & Dick statt Skulls & Bones?

Weit gefehlt. Vor rund zehn Jährchen nämlich haben die Männer (wohl nicht die, die damals ihre randschwarzen Pupillen im Spiegel gemessen haben) ‹ihre verloren gegangene Erektionsfähigkeit› wieder gewonnen. Nichtsdestotrotz dank findigen Pipetten der Pharmaindustrie. ‹Viva la Revolución› lobt sich die Homepage denn stinkend.
Unter der Rubrik ‹für revolutionäre Männer› gibt’s ein tolles Quiz mit Fragen wie ‹Ich stehe vor allem auf wilden und ungezügelten Sex›, oder ‹Das Bild vom potenten Mann, das in den Medien vermittelt wird, verunsichert mich.›
Bei diesem ultimativen Männertest bin ich als Draufgänger ziemlich gut weggekommen:
‹Dieser Typ braucht Sex wie die Luft zum Atmen. Möglichst wild, ausschweifend und viel, dann fühlt er sich selbstbewusst und als ganzer Mann. Der Draufgänger ist meist Single.›

Touché! Aber: selbst ich gelte als potentieller Potenzmittelkunde, denn mein hoher Stellenwert der Liebeskraft ‹bringt natürlich auch latent vorhandene Versagensängste mit sich.›

Die Frauenabteilung ist ungleich unspannender. Hier geht’s – wie so gern – um Soft Skills. Wir sollen lernen, ‹richtig› zu reagieren, wenn bei ihm das dritte Bein lahmt.
Wichtigster Tipp: ‹Bloss keine Szene machen!› Lieber abwarten (und sich selig masturbieren) und dann, bei einem gemütlichen Spaziergang, so ganz between the lines und zwei Cumulo-Nimbus-Wölkchen, etwas im Stile von ‹ich habe den Eindruck, dass es Dich belastet, wie unser Liebesleben im Moment läuft. Wenn Du mal darüber sprechen willst, gerne›, einfliessen lassen.

Genau! JA GERNE, lass uns dein Versagen in aller Breite und Tiefe BESPRECHEN, Schatzi, Du kannst mir alles sagen, nicht, dass mich das besonders anturnt, aber ich hab ja noch Deine Kreditkarte und die Hälfte des Hauses bringt mir auch nicht grad viel und da ist ja ohnehin noch der Tanzlehrer, mit dem ich ab und an… Also ALLES nicht so schlimm!

Vielleicht müsste man die Pillen mit LSD beschichten, damit die Sache einen urbanen Kick bekommt? Stehn oder nicht stehn, ist hier der Shakespeare.
Auf den Che Viagra natürlich Antwort hat. Stolz präsentiert er die vierstufige ‹Erection Hardness Grading Scale›:

I.    Penis ist grösser, aber nicht hart [sieht zumindest besser aus]
II.    Penis ist hart, aber nicht hart genug für die Penetration [auch nicht hart genug zum kochen?]
III.   Penis ist hart genug für die Penetration, aber nicht komplett hart
IV.    Penis ist komplett hart und komplett steif [Hurra! Es kann losgehen!]

Wessen Selbstbewusstsein anhand dieser Skala nun eingebrochen ist, der sollte vielleicht mal seinen Arzt zum Dinner laden. Ich glaub, die Pillen sind blau, eine typische Männerfarbe, technisch, kühl, klar, stark. (Die blaue Pille, die ich mal erwischt hatte, war ziemlich sicher mit was gestreckt, was in die Rubrik Ungeziefervernichtung fällt.)
Übrigens: es sind keineswegs nur alte Säcke, die Tabletten schlucken müssen, es kann – so Grafik – bereits um die 30 rum losgehen mit dem Hampelmannen.

Interessanterweise hatte ich gerade vorgestern die Gelegenheit, einen Härtegrad lll zu diagnostizieren. Ramon hat’s nicht besonders witzig gefunden. Ein Kerlchen mit mehr Härtegrad auf der Platte hätte wohl gesagt, ‹Ach geh. Zum Blasen reiche es allemal.›
Bei Ramon hingegen ist das Ding mühsamerweise grad in Phase ll runter… gehangen.
Ich hab ihm dann selbst überlassen, es wieder hinzukriegen.
Aber das gemeinsame Experimentieren bleibt wohl in der Pilotphase stecken. Oder eben nicht.

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