Monatsarchiv: August 2009

Teilnackte Frauen.

Blog 49, 27 August 2009

Die Hitzetage habe ich zu knapp hundert Prozent in den Zürcher Badeanstalten verbracht. Zwischen Eiskaffees, Fusssohlennässen (Schwimm- und schwimmähnliche Motorik kann ich nicht ab), Frühabendbierchen und Raketenglacés hab ich irgendwann davon abgelassen, Männer zu beobachten, sondern nur noch den Frauen nachgeschaut.

Von denen gibt’s gehäuft in den jeweiligen Séparées der Badis Enge, Uto und – hardcorestyle – Frauenbadi.

Das Uto ist grossartig geeignet für Lattenprostitution. Am Dienstagnachmittag nach Sommerferienende sind hier alle (Wirtschaftskrisenopfer?) um Mitte zwanzig, gehen samstagabends (in High Heels) ans Rundfunk, tragen B-Coups und sind dünn, obwohl sie sich von Zweifelchips und Kamblyguezli ernähren.

Unten, wo die Alten eingesessen hocken, sieht‘s etwas anders aus. Das Ganze scheint sich in zwei Lager zu teilen. Die Seniorinnen sind raschen an Wasser und Latrinen, die Jungschar näher an der Sonne. Weil die topless-Quote unter 30% liegt, zieht es mich ans Stadthausquai.

Am Donnerstagmittag ist’s auch hier noch immer pumpenvoll; wer kreuz und quer auf den Dielen liegt, leidet unter fremden Wasser-, Schweiss- und Sonnencremespritzern

Etwa acht Meter vor mir hat sich die magere Mittvierzigerin ‹Hare Hare› ein Plätzchen ergattert. Ovale Brille mit selbsttönenden Gläsern, kurze, braune Locken unter einer Art weisser Derwisch-Kappe, auf der linken Wange ein kleiner-Finger-grosses hellbraunes Muttermal. Sie zieht das Oberteil über, zurrt es fest und gleitet, einer hungrigen Würgeschlange in einem Leopardenbikini gleich, ins Wasser.

Ängstliche Heteras kolportieren, dass es in der Frauenbadi vor lüsternen Lesben wimmle. ‹Hare Hare› muss eine von ihnen sein. Der limmatabwärts treibende Turban hebt und senkt sich leicht. Als sie unten wieder aussteigt, ist sie ausserhalb meiner Sichtschärfe zum Cellulitebeulenzählen.

Dafür paddelt mir das kugelrunde Gesicht des ‹Bombay Babe› entgegen. Es zieht die langen, schwarzen Haare ab Halsmittel nass hinter sich her. Es erklimmt die Metalltritte. Wow. Ein Traumbusen, eine Grundfläche wie ein Dessertteller und maximal kugelrund! Männern gefällt das wohl weniger. Ich aber würd mich am liebsten kopfüber drauf und drein stürzen. Als dann aber ein Ranzen wie ein verboxtes Daunenkissen mit ihr aus dem Wasser geboren wird, ist’s denn auch vorbei mit dem Greifreiz.

‹Frä Rottenmeier› trägt heute eine kurze, dunkle Bubenfrisur, made by Gidor Haut Coiffure. Sie versteckt sich so gut wie möglich in einem schwarzen Einteiler mit einer Art Regenbogenforellenmuster. Ihr faltiger Hals lässt mich ungern darüber nachdenken, wie es unten dran weiter gehen mag. Schnell weggeguckt zu den ‹3 Bibis›, ungeschminkt, knapp im Teenie-Alter, die sich auf der Treppe aneinanderdrängen. Keimende Brüstchen, Hauche von Nichts hinter weiss-rot gepunkteten Bikinioberteilen und unbewachsene Schambereiche unter passenden Mini-Höschen. Gesprächsthema sind die Ferien in Finnland, wo die 17-jährige Cousine offenbar nachts «Hihi, auf dem Hotelgang in Unterhosen [Zwischenrufe, grösste Aufregung] Ja, echt, rumgetanzt ist.» Das sind noch Skandale. Das Wasser ist 26° heiss. Die ‹3 Bibis› spielen Schere-Stein-Papier drum, wer zuerst rein muss, Stufe für Stufe.

Neid. Ich will zurück in diese heile Welt, wo ist die VIP-List?

Koffein. Auf dem Weg zur Toilette passiere ich ‹Burka Jadoch!›, zu zweit an der Zahl. Das Haupt in eine Art schwarzen Haarsack verpackt, sitzen sie auf den obersten Treppenstufen des Kinderbeckens und tätscheln die Hintern der Babies auf ihren Knien. Die Kinderwägen sind praktischerweise gleich am Beckenrand parkiert, damit

a) niemand sonst Platz hat und

b) alles schön in Sicherheit ist,

man weiss ja nie.

Kriegsgebiet ganz ohne Bademodenprobleme; man trägt ganz einfach langes T-Shirt.

Die ‹Kultur-Lesbe› hat sich direkt neben ‹Hare Hare› reingequetscht, Hornbrille, blonder Pferdeschwanz, Enddreissigerin, riesiger Vorbau in einem schwarzen Bikini parkiert. ‹Hare Hare› starrt genauso fasziniert wie ich. Sie hat dünne, weisse Beine, aber einen grossen, kugligen, unschwangeren Dickbauch. Verraten haben sie die hellgrünen Rändchen am Bikini.

Dann ein weiterer Lichtblick. ‹Bambi›, zarte zwanzig, Gazellenkörper, kleine Brüste mit hellen, passend kleinen Brustwarzen, umrahmt von einem Bikiniabdruck. Die langen, dunklen Locken sind hochgesteckt, runde Wimpern als Blickfang im zierlichen Gesicht. Mindestens zwanzig Augenpaare beobachten, wie ihr Wahnsinnskörper sanft unter den Wassermassen verschwindet und wie sie dann mit kräftigen Zügen das Becken durchquert, immer und immer wieder, ohne einen roten Kopf zu kriegen.

Um mich von diesem Anblick zu erholen, rolle auf den Rücken und lege mir das Shirt über den Kopf. Die Konversation von Mutter und Tochter schräg gegenüber (für Mama und mich ist sonnenklar, dass die Kleine den Waschlappen rausschmeissen muss) wird immer unspannender. Sachte döse ich weg.

Eine Stunde später hat sich das Bild massiv verändert.

Wohin ich auch blicke: fette Hintern, wulstige Bäuche, Schenkel voller Beulen, schmale, furchige Lippen, übergebräunte Haut, magersüchtige Oberarme und hohle Brustkästen, welke Busen oder überquellende, weisse Prallballone ohne Form und Halt.

Mir wird irgendwie … kotzig.

So ist das: dann ist der Mensch ein Mensch. Face it. Das sind sie. ‹Die Zürcherinnen›.

Das sind wir. Das ist die unge-DOVE-te Realität, das ist das Leben ohne Photoshop.

Ich schiebe mir die neuen Ray-Bans näher an die Augen, packe meine Siebensachen und bin weg.

Denn Spannern die quasi-zufällig am Geländer ausserhalb rumhängen zische ich verächtlich zu, bevor ich sie, wie immer, mit meinem Handy fotografiere.

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Welcher denn nun?

Blog 48, 20. August 2009

Nach dem 250-Gramm-Beefburger mit Country Fries und viel Weisswein piepiept in den ersten zehn Kinominuten das Handy, das ich (natürlich) vergessen habe, zum Stummen zu bringen.

Nate. Nate ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, mit dem ich was hatte, bis er vor zwei Jahren (s)eine blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte akquiriert hat, die bis heute seine ungeteilte Aufmerksamkeit fordert. Nate mit den Sternentattoos in den Leisten. Nate, in den ich am Streetparadeweekend reingetanzt bin und der mich, als seine blonde, langhaarige, langbeinige, um zwei Jahre gealterte Schnitte grad auf der Toilette weilte, gefragt hat, ob wir mal wieder vögeln wollen. Klar, hab ich gesagt.

Vor allem, weil die blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte zwar um zwei Jahre gealtert aber immer noch fünf Jahre jünger ist als ich.

In den ersten zehn Kinominuten piepiept also Nate und fragt, was ich am Donnerstag um 2200 vorhabe.

Dann der Film.

Fünf Frauen und vier Männer. (Heisst: eine geht leer aus.) Die Struktur ist simpel:

Frau_01 ist total erfolglos und pendelt zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Mann_01 (eigentlich ein Freund von Mann_03, der Frau_01 gedatet hat, aber nichts von ihr wollte) wird zum persönlichen Beziehungsberater von Frau_01.

Und verliebt sich Ende (natürlich!) in sie – und sie sich in ihn. Ende gut, alles gut

Frau_02 und Mann_02 sind seit sieben Jahren fast ganz glücklich verheiratet. Frau_02 will unbedingt heiraten. Mann_02 ist – obwohl er Frau_02 abgöttisch liebt – grundsätzlich gegen die Ehe. Sie trennen sich. Durch widrigste Umstände finden sie wieder zusammen.

Als Frau_02 schliesslich einwilligt, auf die Ehe zu verzichten, macht Mann_02 (natürlich!) gleich einen Antrag. Ende gut, alles gut.

Mann_03 steht total auf die Yogalehrerin Frau_03. Frau_03 hat sich aber in Mann_04 verknallt, der mit Frau_04 fast ganz glücklich verheiratet ist (Frau_04 hat auf Heirat bestanden!).

Frau_03 und Mann_04 haben eine heisse Affäre. Sie fliegen auf und Frau_04 verlässt Mann_04.

Am Ende sind Mann_04 und Frau_04 alleine. Frau_03, eh eine Schlampe ist, reist nach Indien. Ende gut, alles gut. [Und merke: Frauen, besteht nicht auf Heirat!]

Mann_03 und Frau_05 (eine Freundin von Frau_03) verlieben relativ unspektakulär ineinander. Ende gut, alles gut.

In den letzten zehn Minuten piepiept mein Handy.

Andy. Andy ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, ohne blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte. Und ohne Sternentattoos in den Leisten.

Andy fragt, was ich am Donnerstagabend vorhabe.

Während ich die Schnitte und den Sternenhimmel gegen andere Qualitäten abwäge, ist vorn an der Leinwand Ende gut, alles aufgestanden und weg.

Selma wischt sich neben mir den letzten Rest Tränen aus den Augen und sagt, während wir die Treppe runter stolpern, sie wolle auch mal wieder so richtig frisch verliebt sein und alles.

Zwei Zigaretten später hat sie es sich anders überlegt und freut sich, dass sie heim kann zu ihrem Macker. Wo sie laut unter der Bettdecke furzen darf.

Ende gut, alles gut.

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Alles unter Kontrolle.

Blog 47, 13. August 2009

Saskia ist 168 Zentimeter gross und bringt knappe 50 Kilogramm Muskel und Knochen auf die Waagschale. Hals über Kopf hat sich Rudy in die adrette Brünette mit dem kinnlangen Bob, den zierlichen Hüften und dem waschbrettflachen Bauch verguckt. Mit seinen musikalischen Talenten (und der zugehörigen CD-Collection), etwas westamerikanischem Charme und dem darin wohnhaft scheinenden Weltmannstum sowie seinen beruflichen Erfolgsgeschichten gelingt es ihm, ihr Herz nach einigen Werbewochen zu erobern. Saskia gefällt an Rudy – wenn er auch alles andere als ein Hingucker ist – zudem, dass er, im Unterschied zu den anderen Männern, die sie kennen gelernt hat in den letzten Monaten und Jahren, sehr kinderaffin ist. Sein Drängeln diesbezüglich schiebt sie jeweils sanft, aber bestimmt zurück, will sie ja auch, aber halt nicht grad. Die nächsten drei Lebensjahre sind dem bevorstehenden Executive MBA und den entsprechenden Karrierefrüchten vorbehalten.

Ihren unregelmässigen Zyklus ist sich Saskia seit langem gewohnt und sie ist auch nicht traurig, wenn sie wochenlang nicht menstruieren muss, im Gegenteil: Je weniger Tampon desto Lebendqualität. Umso bestürzter  ist sie drum, als ihr der Frauenarzt bei der Jahresroutineüberholung mit einem süssen Lächeln mitteilt, dass sie schwanger sei.

Schwanger? Jetzt? Sie? Unmöglich. Sie verhüte zwar mit Gummi, aber da sei nichts kaputt gegangen, könne gar nicht, allermeistens sei sie es nämlich selbst, die Rudys eingeknotete Flüssigkeit im Abfall entsorge, weil er dazu neige, das neben dem Bett oder Sofa hingelegte Depot zu ‹vergessen›. Man müsse umgehend einen zweiten Test machen.

Dr. Blanchard ist leicht erstaunt ob dieser Reaktion, vermeldet aber, dass der Zustand garantiert sei und zudem bereits in die siebzehnte Woche fortgeschritten ist. Er könne gern zum Beweis das Ultraschallgerät einführen.

«Und wieso merk ich davon nichts?»

Saskia ist kreidebleich. Auch die Übelkeit ist jetzt da.

Dr. Blanchard erklärt, wenn auch einiges gewöhnt, mittlerweile doch leicht alarmiert, dass dies, bei ihrem tiefen BMI, wohl möglich sei, der Bauch wölbe sich unterschiedlich rasch, ob sie aber kein Spannen in den Brüsten gespürt habe?

Jetzt wo er’s sagt ist’s klar; aber bis vor drei Minuten hat Saskia ihre Überempfindlichkeit auf den (über)fälligen Zyklus geführt.

«Ich will aber kein Kind! … Oder wenigstens nicht jetzt!»

«Sie können nicht mehr abtreiben, Frau P. Der Fötus ist schon zu gross. »

«Ist Ihnen der Vater des Kindes bekannt??»
«Natürlich! Mein Partner. Rudy.»

«Dann würde ich vorschlagen, dass Sie sich darauf einstellen, Eltern zu werden, Frau P. Alles Gute!»

Saskia könnte kotzen.
Auskotzen, das Ding, das sich, wieauchimmer, an einem Durexgummi vorbeigemogelt hat! Schluchzend ruft sie Rudy an, der sofort alles stehen und liegen lässt, sich auf sein weisses Velo schwingt, zu ihr rast und sie tröstet.

Nach ein paar Wochen hat sich Saskia an den Gedanken gewöhnen müssen, bald mit Rudy eine Familie zu sein. Sie weiss, dass sie den Heiratsantrag, der am Wochenende bevorsteht, annehmen wird. Für den Abschluss des MBA wird es allerdings nicht mehr reichen.

Ein paar Monate später ist Rob Louis dann da. Die Geburt war ein dreissigstündiger Horror, aber wie es so geht, das erste zahnlose verziehen der Mundwinkel und die unfokussierten blauen Kulleräuglein  – und alles ist vergessen.

Beim Gedanken an die Karriere, die nun lange wird ruhen müssen, lässt Frau T, wie sie seit acht Wochen heisst, den Blick über Mann, Kind und Ring schweifen und schläft dann – der Bauch wieder flach wie vor neun Monaten – auf dem frisch bezogenen Kissen ein.

Nach ein paar Wochen hat sie völlig adaptiert.

Rudy kümmert sich liebevoll um klein Rob, ein Herz und eine Seele sind die beiden, fast schon bräuchte es Saskia nicht, Rob scheint Rudy genug zu sein. Das denkt Saskia ab und zu, wenn ihr Herz und Hirn ganz nüchtern sind.

Dann findet sie ihren Mann auch beinahe hässlich, wenn sie ihn so schräg von hinten betrachtet.

«Schatz, ich muss Dir etwas beichten.»

Rudy eröffnet die kleine Feier zum ersten Hochzeitstag. Rob, glücklicherweise ein ruhiges Kind, schlummert friedlich in seiner Wiege.

Er habe damals, als sie so niedlich angeheitert von der Party mit ihre Freundinnen heimgekommen sei und sie Sex gehabt hätten, ‹zwischendurch den Gummi ausgezogen›.

«Du hast WAS?»

Sie wisse ja, wie er die Dinger gehasst habe, weil er einfach nichts spüre beim Vögeln, wenn ‹er› so eingepfercht sei.

«Du hast WAS?»

Und er habe ja eh unbedingt Kinder wollen. Das habe er immer gesagt. Und sie sehe ja, dass er ein exzellenter Vater sei. Nicht? Zudem liebe er sie über alle Massen. Schatz.

«Du hast WAS?»

Rudy ist erstaunt, dass der Schuss so nach hinten losgeht, sie ist doch glücklich, seine Saskia! Das sieht er ja. Und alles hat sie, alles!

Fünf Monate später sieht Rudy nur noch wenig von Rob. Saskia hat gedroht, ihn öffentlich anzuprangern, wenn die Scheidung nicht innert Wochen durch sei.

Das ‹unsichere› Vergnügen hat nun seinen Preis. Genau 9600.-

Pro Monat.

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Threesome.

Blog 46, 6. August 2009

Neben mir liest eine etwa fünfzigjährige, attraktive Blondine mit Power-Yogafigur ein gelbes Buch mit dem Titel «Warum Männer mauern – Wie Sie Ihren passiv-aggressiven Mann besser verstehen und mit ihm glücklich werden».

Ob es genusmaskulin auffällt, dass die meisten Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig irgendwann ihren Geburtstag unter dem Prädikat ‹women only› zelebrieren?

Die, die auch in den Folgejahren weiter als unhappy single vegetieren, ziehen diesen netten Brauch vorzugsweise unlimitiert weiter. Denn «so unter Frauen ist es ja ohnehin viiiel gemütlicher!»

Liebstens trifft man sich zum Abfeiern des Alterns an einem Samstag- oder Sonntagmorgen zum Cüpli-Brunch im Toto oder im Blunt; schliesslich soll niemand auf die Idee kommen, es handle sich bei der netten Gruppierung um einen Polterabend.

Ist das weibliche Réduit in den Schutz eigene Herde Not oder Tugend?

Der Vorteil ist, dass die singuläre Singelin in der Menge nicht auffällt – jede könnte betroffen sein. Und man kann sich optimal damit entschuldigen, dass es ohnehin schwierig und viiiel zu komplex gewesen wäre, unter den laufenden Affären denjenigen herauszuschälen, der das Privileg verdient hätte, mit am Tisch zu sitzen.

Der Nachteil liegt ebenso auf der Hand: Parties aller Art sind ideale Kennenlernereien – umso mehr, wenn die potentiellen Kandidaten sogar im Umfeld der eigenen Freunde rumschwimmen. Das minimiert das Risiko, sich mit einen Psychopathen einzulassen.

Und ist es nicht so dass auch das ‹getrennte Schlafzimmer› – während unseren Jugendjahren der sicherste Vorbote der Elternscheidung – je länger (oder je älter) desto Usance wird?

Ist das geteilte Singleleben der Preis der Individualisierung?

Dazu kommt, dass die postmoderne, finanziell unabhängige Frau im Restaurant paritätisch teilt sich dafür in der Partnerwahl viel selektiver ist (auch wenn die Spezies ‹Dieselnutte› deswegen noch nicht ausgestorben ist.)

Ist Segregation die Endlösung?

Wer das Glück hat, sein dreissigstes Lebensjahr erreicht zu haben, ist mit Sicherheit beziehungsgeschädigt und / oder nach zwei bis zwanzig Pleiten, Pech & Pannen desillusioniert (die Geschichte vom Märliprinzen erzähle ich ein anderes Mal), heldenhaft vernarbt und tüchtig traumatisiert.

Zwischensubsumma:

  • Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt.
  • Die Kehrmedaille der Emanzipierung ist das Multioptionsprinzip.
  • Frauenkörper wollen Kinder gebären.
  • Männerkörper wollen Frauenkörper schwängern.
  • Sex ausserhalb der Ehe oder (Langzeit-)Beziehung ist meistens viel besser (und immer abwechslungsreicher!)
  • (ewige) Treue ist eine Illusion.
  • Will jemand lernen müssen, mit einem Passivaggressiven leben zu können?
  • Man stirbt allein. Für alles andere gibt’s Freunde.
  • Das tönt alles ziemlich beschissen.

Good News: Katharsis ist in Reichweite!

Mein aktuelles Lieblingsmodell lebt meine entfernten Cousine aus Westnordeutschland. Cousine Sinikka ist 33, single und tiefschwanger.

Und verheiratet. Mit Tim, einem Glanzstück der Gattung ‹hammerhammer›.

Sinikka und Tim bewohnen ein frisch gekauftes 190 m2-Häuschen. Das Babyzimmer ist fertig eingerichtet, obwohl’s noch vier Monate ist bis Showdown.

Tim hat ein eigenes Schlafzimmer.

Vor der Beamerwand steht ein Monstersofa. Das Gemöbels ist so gross, dass auch die rundliche Sofia locker Platz hat, meistens inmitten von Sinikka und Tim. Sofia und Sinikka haben selten Sex, ein paar Mal im Jahr, wenn sie grad Lust haben.

Mit Tim hat keine der beiden Sex.

Tim ist stockschwul, also die Idealgeburt eines Vaters.
Wenn die Familie der Zukunft aus zwei coolen, schwach bisexuelle Müttern und einem wahnsinnig gutaussehenden Homodaddy (der als Designer ein Vermögen verdient und seit er zehn Jahre alt ist unbedingt Nachwuchs möchte) besteht, sage sogar ich: JA ICH WILL!

Sofia ist unfruchtbar, deshalb hat Sinikka ihre Gebärmutter geopfert. Gleich nach der Geburt wird sie ihren ‹Love Channel› operativ wiederverengen und auf den Bürostuhl zurückkehren, damit Sofie, die Herzensmama, schön daheim bleiben und das Goof aufziehen kann.

Der Rest vom Sexhunger – inklusive der von Tim – wird ausnahmslos auswärts gestillt.

Der perfekte Deal.

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