Monatsarchiv: September 2009

Aber nur unter der Bedingung.

Blog 52, 24. September 2009

Selma, gestern im Bar Sol. In ihrem Umfeld ist eben wieder eine langjährige Beziehung in die Brüche gegangen. Wie immer war sie es, die den entscheidenden Schritt gemacht hat. Und wie immer ist sie es, die dem alten Zopf hinterherleidet, während er, selbst zu bequem zu entscheiden, sich mit seiner neu gewonnenen Freiheit schnellstens und bestens anfreundet. Das ist trotzdem gut so. Denn wie meistens wird er in Kürze weiter kochen. In einem neuen Topf zwar, doch dasselbe Süppchen. Sie aber wird, wie immer, beim nächsten Mal (das wohl noch eine Weile auf sich warten lassen wird) die selben Fehler nicht mehr machen, oder machen lassen. Dafür andere.

Ich erzähle von dem Date, das ich morgen habe und den zwei von letzter Woche.

Selma, seit Jahren ziemlich glücklich verbandelt, seufzt ein wenig neidisch ob der Spannungen des Singlealltags.

Sofort verteidige ich ihren Mackermann, der indessen während mehr als einem Drittel seines Lebens lernen konnte, seine Selma richtig anzupacken und zudem natürlicherweise über die Gabe verfügt, mehr als ihren Wahnsinnsbusen auch nach einer Dekade noch auch non-manuell zu ästimieren.

Dieses Haus scheint also auf stabilem Boden zu ruhen. Und man sollte es dort stehen lassen.

Und doch. Mal wieder fremde Hosen runter zu lassen, birgt für Selma durchaus grossen Reiz. Denn das Stadttor könnte irgendwann schliessen und man wäre nicht draussen, in Freiheit und im Abenteuer, sondern drin, sicher zwar, aber auch gefangen, eingesperrt.

Und ein wenig geht es auch ums Prinzip. Und Selma ist durchaus eine attraktive Erscheinung, die auch im nüchternen Zustand wenig Mühe hätte, einen Folgsmann zu finden.

Gerade hat sie es wieder mal angesprochen.

«Meinst Du, ich bin die letzte Frau, mit der Du in Deinem Leben geschlafen hast?»

Eine schwierige Frage, Glatteisig. Aber auch hier kommen ihnen die unvorstellbar vielen Jahre zugute.

«Hm. Ich glaube nicht. Irgendwie. Auch wenn ich weiss, dass Du die Frau meines Lebens bist.»

Hm. Er also auch.

Ich finde das grossartig. Simple Game: beide wollen extern poppen und doch zusammenbleiben. Also null problemo.
Ich bin immer für kreative Lösungen.

«Schreib ihm doch einen Gutschein: Bon für einmal Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt.»

«Daran hab ich auch schon gedacht.»

«Und was würde das Stecherchen dazu sagen?»

«Er wär vermutlich sogar einverstanden.»

Darauf hebe ich mein Glas.

Sie aber windet sich auf ihrem Stuhl.

«Hmm? Ein Sechser im Lotto und du stocherst im Fettrand Deines Entrecôte rum?»

«Meinst Du, er würde sich dann im Büro oder sonstwo so langsam auf Pirsch begeben? Das würde ich glaub nicht aushalten.»

Berechtigter Einwand. Schliesslich wollen wir ja nicht in der Scheidung enden. Also schreiben wir:

«Bon für einmal Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen.»

«Und wenn er sich dann verknallt?»

Auch das darf natürlich nicht passieren. Ein neuer Passus.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot.»

«Ich stelle mir grad vor, er liegt mit einer anderen Frau in unserem Bett oder unserem Sofa. Oder er vögelt so eine Schlampe auf meinem Küchentisch!»

Das wäre ganz übel. Aber lässt sich abwenden.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu.»

«Aber dann kann ich ja nie mehr in Ruhe in die Ferien oder mal ein Wochenende weg!»

Puh. Madame hat Ansprüche.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit.»

«Und wenn sie besser bläst als ich?»

Mädel, langsam wird’s schwierig. Ich weiss nicht, ob ich das schlucken würde.

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit. Kein Oralsex (an Dir).»

«Sollen wir Analsex auch grad reinnehmen? Und wie ist’s mit Knutschen? Und was, wenn er einen Dreier haben könnte?»

«Gut dass Du daran denkst! Knutschen dürfte er aber. Glaubs.»

Das macht dann:

«Bon für EINMAL Auswärtsvögeln, einlösbar zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nur Spontanaktionen. Keine Telefonnummer, kein Mail, kein Facebook. Absolutes Nachbearbeitungsverbot. Unsere Wohnung ist tabu. Nicht während meiner [gehen wir grad auf Nummer sicher] Ferien oder Weiterbildungsabwesenheit. Kein Oralsex (an Dir). Kein Analsex. Der Bon gilt nur für EINE Person.»

Gut so? Können wir endlich in Druck gehen?

«Ach weißt Du, ich würd mir das glaub dann immer so plastisch ausmalen.»

«Selma, mein Herz, weißt Du was? Vergiss es einfach.»

Manchmal sollt der Schuster bei seinen Leisten bleiben.

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Du. Oder keiner.

Blog 51, 10. September 2009

Sasha ist seit mehr als drei Jahren Single. In dieser ‹Zwischenphase› hat sie aber kein Betonritzengräsleindasein gefristet, sondern war mit einer schönen Sinuskurve auf dem Aussenmarkt aktiv. Neben kürzeren Trockenphasen hat sie’s auf fünf Monatsaffären, eine halbjährige Halbbeziehung und etwas um die dreissig One-Night-Stands gebracht.

Bei meinem letzten Besuch entdecke ich – das Browserfrenster ist offen – dass sie offenbar bei mehreren Online-Partnervermittlungsinstituten angemeldet ist. Meine hochgezogenen Augenbrauen samt Stirnrunzeln quittiert sie mit Tränen im Augenwinkel und dem Geständnis, dass sich die Titanin unter den Hardcoresingles eigentlich überreif fühlt für eine feste Beziehung.

Nur ist ER offenbar entweder schon tot, noch ungeboren wahnsinnig gut versteckt.

Ich geb’s zu: ich habe sie nicht um Erlaubnis gefragt.

Und mein bisheriger Erfolg mit einem ähnlichen Projekt (https://danitonet.wordpress.com/2008/10/30/wuestensohn-gesucht/) ist halbwegs kläglich gescheitert.

Aber Sasha ist fruchtbar
Und Sasha ist total klug.
Und Sasha ist hübsch.
Und Sasha hat ‹Spirit›.
Und Sasha ist sexy.
Sasha ist super.

Und ich mag Hochzeitsfeiern.(So ab zwei Uhr morgens, wenn der Pflichtteil vorbei ist).

Deshalb such ich jetzt für Sasha den Mann. Bitte ernst meinen. ONS kann sie sich nämlich ziemlich gut selber organisieren.

Also, Danileser, bist Du:

  • jüngstens 30, ältestens 36 (Sasha ist so alt wie ich)
  • mindestens ein High Heel grösser (Sasha misst 167.5)
  • klug (vorzugsweise klüger als Sasha; könnte aber schwierig werden
  • nicht auf den Mund gefallen (Sasha hat eine grosse Klappe)
  • angekommen im Leben (Sasha braucht ein echtes Gegenüber)
  • von dir überzeugt, aber nicht eingenommen (Sasha mag weder Susis noch Arschlöcher)
  • kräftig, aber nicht aufgeblasen (Sasha findet Gewichlistemmer scheisse)
  • Kopfbehaart (Sasha mag Kappen und Mützen, aber nicht aus Haut)
  • Alles andere als Blond (Sasha würde zur Not auch Rot nehmen)
  • einer mit Schalk in den Augen (mit Sasha geht’s sonst gar nicht)
  • offen für alles und in jeder Hinsicht (rechts ist für Sasha No-Go,ein enger Horizont der totale Turnoff)
  • mehrsprachig (Sasha ist Globetrotteress)
  • buchstabenfreundlich (Sasha mag Paperbacks)
  • nachhaltigkeitsaffin (Sasha trennt sogar Joghurtdeckeli)
  • fussballfeindlich (Sasha sind zwei Bälle zwischen den Beinen mehr als genug
  • draussentauglich (Sasha rennt gern bei Gewitter rum)
  • ein Städter im Herz mit einer Naturseele (andersrum ginge für Sasha auch)
  • konsequenter Sitzpinkler und Händchenwascher? (Sasha mag’s sauber)
  • kultiviert und stilvoll (Sasha braucht tonhallentaugliches Schuhwerk)
  • jenseits der Drogentestphase (für Sasha ist eine Linie ab und zu OK)
  • eher Vodka Lemon als Hopfen und Malz (Sasha hasst Stinkatem)
  • handwerklich begabt (Sasha findet, das gilt auch für Waschmaschine, Staubsauger und andere Putzgerätschaften)
  • genussorientiert (Sasha verabscheut Kalorienzähler)
  • gleichermassen mitteilungsbedürftig wie zuhörfähig? (Sasha will einen, der die Venus-Mars-Grenze überwunden hat)
  • kinderfreundlich (Sasha will dann mal)
  • erfahren (Sasha meint: auch im Leben)
  • unfähig, T-Shirts (ohne Spezialprint) und Socken verkehrt herum in den Waschkorb zu schmeissen? (Sasha ist auch ein wenig Anankastin)
  • lieber Chez Babette als im Toto (Terrasse geht für Sasha gar nicht)
  • frohnatürlich (Sasha hasst Lebensverweigerer)
  • eher ein Künstler als ein Banker (Sasha hätt liebstens was dazwischen)
  • (nice to have) mit asiatischem Einschlag gesegnet (Sasha mag auch arabisches Blut, beides bitte nicht zu Lasten der Körpergrösse)

So das wär’s.

Mal zum Anfang zumindest.

Falls Du grad «Ha! Das bin ja ich!» denkst, meld Dich bitte fotografisch begleitet bei dani.tonet(at)gmx.ch

Alles weitere dann bilateral.

PS (wichtig): deine Körperteile sollten nicht angeschrieben sein.

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Der Chefarzt.

Blog 50, 3. September 2009

Mit Partnervermittlungsinstituten habe ich gemischte Erfahrungen gemacht. Ach Quatsch. Unter dem Strich war (auch wenn ich Kollegschaft mit mittlerweile fünf verheirateten, teilsbekinderten Pärchen pflege, die sich auf diesem fantasievollen Weg kennen gelernt haben, darunter mein eigener Ex) alles Scheisse.

Item. Ein Zeitvertrieb ist’s allemal, und für die exakte Beobachtung der (zwischen-)menschlichen Spezies nicht der allerdümmste.

Eines Mittags treff ich also diesen Chefchirurgen eines unserer Spitäler zum ‹Lunchen› im Terrasse. Der Doktor ist mit 36 Lenzen eigentlich oberhalb meiner Altersgrenze, aber da ich noch kaum Gelegenheit hatte, mit der Kittelspezies zu üben, hab ich mir gedacht: Was soll’s.

Herr Doktor – ein Deutscher – würde gar nicht übel aussehen, hätte er nicht mindestens zehn Kilo Übergewicht unter dem rosa (Autsch!) Polo-Shirt von Hilfiger. Er doziert auch gleich, in der bekannten Selbstverständlichkeit über seine diätischen Massnahmen, da, als er realisiert habe, dass er eines Tages ausgesehen habe wie «eine fette Sau», die Notbremse gezogen habe.

Warum er dann grad die feiste Pasta bestellt, ist mir zwar unbegreiflich, erklärt aber das Wulstproblem.

Er berichtet weiter von seinen diversen, wichtigen (internationalen!) Projekten ohne die Dreh- und Schaufelbewegungen der Gabel zu unterbrechen. Ich beobachte mehr die Bewegung seiner malmenden Lippen denn auf Inhaltliches zu lauschen. Seine Attitüde bezeugt Befehlsgewohntheit, er hat sich förmlich in den Sessel reingfläzt, die Arme über die Lederlehne ausgebreitet, die Beine fussballerstyle gespreizt, die Eier ‹at gunpoint›.

Wir trinken irgend einen Chardonnay. Er langt kräftig zu. Ich hoffe, er muss kein Skalpell mehr führen. Nach dem Kaffee ruft der Blackberry. Ich bin nicht unglücklich darüber und leere in Ruhe die Flasche.

Später hab ich eine Einladung zum Dinner im Postfach. Am Samstag in einem Monat (er reist morgen kongresswärts nach San Francisco), bei ihm zu Hause, «vernachlässigbar wenige Minuten ausserhalb der Stadt mit Sicht auf den schönen Greifensee». Aber ja doch, Herr Doktor.

* * * * * * * *

Er holt mich mit einem SUV der günstigeren Sorte vom Bahnhof ab, kommerzieller House in den Boxen. Wir fahren. «Scheisse, Dani, was machst Du hier in diesem Auto mit diesem Typen?», frage ich mich, zu spät.

Das Haus ist grauenvoll und grauenhaft. Seit einem Jahr geschieden ist die halbe Hauseinrichtung wohl Überbleibsel seiner Frau, der ganze Rest ist so teuer wie geschmacklos. Ich kompensiere mit grosszügigen Schlucken eines ausnahmsweise sehr guten, zu seinem Hemd passenden Rosé, zu dem es Melonenbällchen mit spanischen Rohschinken vom Traiteur gibt.

Das Gespräch plätschert dahin, ich frage viel, um wenig sagen zu müssen und er antwortet noch so bereitwillig und ausführlich.

Ich hab gleich (Ja!, das Haus war mit ausschlaggebend) entschieden, mich von dem Typen nicht auf den Rücken legen zu lassen, auch wenn er offenbar einiges abgenommen hat in den letzten vier Wochen) und werde vorsichtiger mit dem Alkohol, um die Herrschaft über meine geistigen Kräfte nicht zu unterminieren.

Er säuft dafür wie ein Loch, noch vor dem Hauptgang ist die dritte Flasche offen. Es gibt (der Mann, seit zwei Monaten auf ‹eBalance›, weiss ALLES über Kalorienbilanzen – und dann hat man ja auch noch einen Arzttitel) Rindsfilet aus Argentinien («da ist null Fett dran») und ebenfalls grilliertes Gemüse («davon nimmst Du kein Gramm zu!»)

Es dunkelt langsam ein, wird aber deswegen nicht gemütlicher. Die Kühle wird mit einem dieser schrecklichen Gaspilze bekämpft. Gerade als ich langsam tiefer in die Kissen rutsche, sagt er, mit leicht glasigem Blick, so nebenher: «Du hast bestimmt zwei Liebhaber», was nur teilweise zutrifft, denn Jonas darf ruhig mitgezählt werden, so weit ist dieses Genf schliesslich auch nicht ab vom Schuss.

«Sind wir endlich beim Thema, hast dir aber ganz schön Zeit gelassen», denke ich und behalte meine Geheimnisse für mich, um ihn nicht zusätzlich anzustacheln, bin ich doch mit meiner eigenen Wankelmütigkeit nur zu gut vertraut.

Er ist zu betrunken, um sich nicht vom Thema abbringen zu lassen und seine Exfrau («sie hat wohl dieses schöne Haus für Euch ausgesucht?») ist ein dankbarer Lustkiller. Es ist spät.

«Du kannst gut hier übernachten, Platz ist ja genug.»
Allerdings. Etwa fünf Zimmer zuviel.

«Kannst gern mein Bett haben, ich kann auch unten auf der Couch schlafen.»
Allerdings. Das glaub ich sofort.

«Nö Du, geht nicht, ich hab morgen ein strenges Programm, kannst Du mir bitte ein Taxi bestellen?»

Er ist zu gut erzogen, um nicht souverän zu reagieren, wenn wütende Enttäuschung im Kerzenlicht in seinen Augen reflektiert. Ein edles Rindsfilet – für Nix und Wiedernix.

Die nächsten Tage ignoriere ich seine SMS und Mails.
Dafür stehe ich am Donnerstagnachmittag um vier Uhr vor seiner Tür Bürotür.

Das mit dem weissen Kittel musste ich einfach noch in meine Biografie rein…pappen.

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