Monatsarchiv: Oktober 2009

Leftovers.

Blog 57, 29. Oktober 2009

Simone hat Paulo in der Grubenstrasse kennen gelernt. Es ist gegen drei Uhr morgens, sie will gerade gehen, als er plötzlich mit zwei Kollegen auftaucht. Weil sie an den grossen, moccabraunen Augen kleben bleibt, überredet sie sich, zu bleiben, verabschiedet sich von ihren Freundinnen und steuert mit einem frischen Glas Vodka/Süssmost gradlinig auf ihn zu.

«Chin-Chin.»
Das Eis bricht.

Simone und Paulo sinken ineinander ab, vertiefen sich in einem Gespräch über Nebensächlichkeiten, von dem sie am nächsten Tag nur die Hälfte memorisieren kann, teilweise infolge akustischer Hindernisse und ihrem beträchtlichen Alkoholisierungsgrad, aber auch, weil sie sich überhaupt primär darauf konzentriert hat, wie Paulo sich bewegt, artikuliert und wie seine Augen dabei leuchten, als darauf, was dabei herausgekommen ist.

Logo fragt Paulo nach ihrer Nummer, aber Simone lächelt eleusinisch und meint, in Zürich treffe man sich ohnehin früher oder später wieder. So trennen sich ihre Wege auf unbestimmte Zeit. Simone entschwindet in einem Taxi, ohne dass Paulo die Adresse mitkriegt, die sie dem alten Türken nennt. Er geht zu Fuss zum Goldbrunnenplatz.

Drei Wochen sind sie nun schon getrennt und Simone zweifelt bereits latent an ihren eigenen Worten. Dann aber berühren sich ihre Umlaufbahnen am nachtschwangeren Freitagmorgen unter der Autobahnbrücke.

«Du hast Dir ganz schön Zeit gelassen.»
«Du hast am falschen Ort gesucht.»
«Selbstbewusst am Rand der Selbstüberschätzung. Wer sagt, ich hätte gesucht?»
«Niemand. Aber Du schaust drein, als hättest Du gefunden.»

Auch nach dieser Nacht schieben sie lediglich ihre beiden Fahrräder den endlosen Weg der Limmat entlang zurück. Simone verabschiedet sich beim Platzspitz.

«Bis… irgendwann.»
«Ja, bis irgendwann. Bald.»

Erst fünf Tage später findet Zuzana in der Tasche von Paulos Jeans den Zettel mit Simones Natelnummer. Gut sichtbar deponiert sie ihn auf den Herd.

Er schilt sich halblaut einen verdammten Idioten und schreibt Simone – es ist schon weit nach Mitternacht – ein SMS.
«Der Diamant von einer Putzfrau hat Dich heute morgen gefunden.»

Am Donnerstag treffen sie sich auf eine Flasche Pollerhof im Piazza. Es ist schon ziemlich spät, als sie durch den Nieselregen nahe nebeneinander Richtung Innenstadt spazieren. Paulo ist happy. Noch ist alles offen. Das Bier in der leeren Spelunke an der Ecke Hallwylplatz, deren Name sich Paulo nicht merkt, korreliert zwar negativ mit der Präsentation, die er am nächsten Morgen halten muss, aber für Bedenkenzeit ist es ohnehin zu spät.

Simone daneben hat schon nach dem ersten Glas des hellgrünen Österreichers auf der Toilette ihre goldene botswanische Münze in der Luft tanzen lassen. Sie ist nicht auf das Rhinozenross, sondern auf das Staatswappen gefallen und sie hat gelächelt.

Paulo hat bereits aufgehört, damit zu rechnen und zudem ist das dämliche PowerPoint noch nicht ganz fertig und überhaupt ist es tami spät, als sie es sagt.

«Du kommst zu mir.»
Wenn es auch definitiv keine Frage ist, hört es sich doch nicht an wie ein Imperativ und Simone wohnt, zudem alleine, auch grad an der Morgartenstrasse.

«OK»,
denkt sie zwei Stunden später, als sie aufsteht und zur Toilette geht,
«das war ja nun leider wirklich nicht der Hammer.»

Ob Paulo anders empfindet, ist nicht auszumachen, aber als er die Schuhe anzieht, ist sie ein wenig froh, dass er nicht gefragt hat, ob er bleiben dürfe oder solle.

Schon am Sonntag aber treffen sie sich nochmals, wo, weiss ich nicht mehr, und Paulo ist plötzlich wieder in ihrer Wohnung, ihrem Schlafzimmer, in ihrem Bett und diesmal viel forscher, es muss am Pollerhof gelegen haben, oder das Bier war doch zuviel und überhaupt ist eine Sache mit Entwicklungspotential letztlich spannender als Knabenschiessen und Mariä Himmelfahrt zusammen und nächstes Mal nur noch Auffahrt und dann gleich Fronleichnam.

Als Paulo Anstalten macht, zu gehen, zieht Simone ihm die Shorts wieder aus.

Später benutzt er zum ersten Mal ihre Zahnbürste mit.

Irgendwie geht das dann einfach so weiter und ist so weit, so gut. Wenn Simone und Paulo auch kein Pärchen sind, hat das Ganze etwas angenehm Beziehungsverwandtes. Langsam fügen sich Steinchen zusammen, man geht ins Kino oder beugt sich beim Katerfrühstück gemeinsam über eine Sonntagszeitung. Auch Paulos WG-Gspänli Mikael findet Simone recht cool.

Meist übernachtet Paulo aber bei Simone: keine Rücksicht auf Lärmbelastung nehmen zu müssen, macht die Sache eben doch einfacher und für sie ist es auch vorteilhafter, wenn sie nicht die ganze Kosmetikscheisse jedes Mal hin- und herzügeln muss.

Eines Tages bringt Paulo allerdings Gepäck mit. Eine gelbe Zahnbürste.
Die liegt am Abend, als Simone von der Agentur heimkommt, noch immer auf dem Lavabo.

Sie dreht den postgelben Eindringling mit den schwarzweissen Borsten, brandneu, erst zwei Mal benutzt, irritiert in den Händen. Schliesslich stellt sie das Ding in ihren Spiegelschrank, ständig im Augenwinkel mag sie es irgendwie doch nicht haben, wenn auch sie regelmässig sämtliche Körperflüssigkeiten austauschen.

Wann immer sie den Schrank öffnet, fällt ihr Blick nun auf die gelbe Zahnbürste rechts oben. Ein Token. Ein Symbol. Ein fremder Besitz. In ihrer Wohnung. Ein erster Schritt zum Zweitschlüssel? Simone schliesst den Schrank.

«Hoppla!,»
spöttelt Sonja, der aber auch gar nichts verborgen bleibt,
«jetzt aber! Es gilt Ernst!»

«Quatsch. Ist letztlich eine Frage der Hygiene.»
Simone kontert zähneknirschend.

Wochenlang wohnt die ‹Tigerente› in Simones Badezimmer mit. Mal steht sie an ihrem Platz im Schrank, mal schmiegt sie sich sogar im Zahnglashalter an Simones eigenes, perlweisses Bürsteli. Und mehr oder weniger regelmässig kommt sie auch zum Einsatz. Manchmal freut sich Simone sogar ein wenig über den gelben Griff, der aus dem Glas ragt und sie an die Moccaaugen denken lässt.

Als dann, irgendwann später, jemand anderes, mit andersfarbigen Boxershorts und grünen, höchstens grünbraunen, Augen in ihrem Bad steht, ist Simone versucht, ihm die gelbe Zahnbürste hinzustrecken.

Aber irgendwie schafft sie es doch nicht und stopft sie statt dessen zwischen ihre wimpertuscheschwarzen Wattepads in den Mülleimer.

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Sternstunde

Blog 56, 22. Oktober 2009

Im Zweifelsfall entscheide ich, meiner genetisch determinierten Vernunftbegabung zum Trotz, immer zugunsten der Form. Und ich bin zwar emotional und ideell technophil, in der Praxis aber meistens totally lost. Heisst, ich brauche (liebstens männliche) Unterstützung für die Aktivierung meiner Zünden-Drücken-Drehen-Ölheizung, aber auch, um den schon wieder verloren gegangenen Radiosender oder den Timer der Waschmaschine zu programmieren.

Die Verweigerung hängt durchaus auch mit dem Mangel an Ästhetik zusammen.

Welch Lichtblick war deshalb der Markteintritt des kleinen ‹i›! Hoffnungsvoll warte ich nun auf iBeamer, iElektrozahnbürsteli und, wenn wir grad dabei sind, auch iVelopumpe und iHILTI; Bohren ist schliesslich schrecklich sexy.

Digitalisierung ist grossartig. Ausser in der Fotografie. Tausend Mal straffrei knipsen – das macht jeden Idioten zum potentiellen Paparazzo-Casting-Teilnehmer. Kurz umentschlossen hab ich mir deshalb im Internet zwei alte Kameras gekauft; eine Kodak Instamatic 100 und den grossen Bruder 333. Strahlend stelle ich die zwei auf die Theke von Zürichs renommiertestem Fotoladen.

«Läck isch die Frau futzdumm.»
mag er sich zwar denken, ist aber meinem Kinderaugenleuchtencharme völlig erlegen und belehrt mich, dass, leider Gottes, weder Batterien noch Filme für «antike Gschwüre wie diese» noch existieren.

«Antike Geschwüre? Erlauben Sie mal! Die sind maximal so alt wie ich!»
«Nun ja, Mademoiselle, im Kamerazeitalter ist das leider SEHR alt. Bei Ihnen hingegen…»

«Und … was mach ich jetzt?»

Er klettert ins Schaufenster und kramt eine Rollei 35 T, Made in Germany, hervor. Die 25 Mal soviel kostet wie meine beiden offenbar unnützen Lieblinge zusammen.

«Aber Sie! Das ist keine Instamatic. Da hat’s hundert Dinger dran zum Drehen!»
«Natürlich, meine Liebe
[sic!]. Blende und Belichtung.»

«Vergessen Sie’s!»,

sag ich, das schwere, eckige, metallige Wahnsinnsding elektrisiert in den Händen drehend.

Die wogenden Emotionen schwappen flux auf den schnuckeligen Verkäufer, der nun – extra für mich! – dem Baby eine Batterie einlegt und mir mit bewundernswerter Seelenruhe en detail mindestens drei Mal erklärt, wie ich links (denn Sie müssen nur den Nippel) wegen Verwackelungsgefahr 60 irgendwas einstellen (und mit der kleinen Kurbel) dann rechts so lange drehen muss, bis die Kelle auf der Oberseite mit dem (Licht?)Messer übereinstimmt. Das Beste: Mit dem Blitz, den er quasi mitschenken würde, braucht’s die ganzen Knöpfe nicht.

Ich bin total geflasht.
Und restfrei überzeugt.
Und will das Teil grad mitsamt dem Mann heimnehmen.
Und habe aber ein Date mit Markant.
Und hüpfe drum happy aus dem Laden.

Und setze die Kamera auf Dani Tonet’s Wunschliste

Ja! Ich will:

  • täglich frische Aal-Sushis, auch wenn die grad aussterben,
  • dass auf dieser Welt Frieden herrscht und alle Kriege sofort aufhören,
  • ein Schuh-Abo von Christian Louboutin,
  • dass keine Frauen mehr beschnitten oder gesteinigt werden,
  • dass Heidi Klum ihr Schwangerschaftsfett fünf Jahre lang nicht runterkriegt,
  • dass es genug Arbeit für alle Menschen gibt,
  • dass sich meine Bettwäsche von selber wäscht und wechselt (oder dafür ein Gentech-Tier abgerichtet wird),
  • dass die Umweltverschmutzung aufhört und sich unser Planet erholt,
  • dass ich mit Pudelblut Action Painting üben kann,
  • dass die Folter abgeschafft wird,
  • 474 Nagellacke im Kühlschrank, die niemals eintrocknen,
  • dass alle Menschen immer genug zu essen haben,
  • dass Martina Hingis bei mir daheim auf MDMA Pole-Dance übt,
  • dass die Gorillas nicht aussterben,
  • einen dunkelhäutigen, muskulösen Masseur, oben ohne mit weissem Tuch um die Lenden, der nach getaner Arbeit wieder im Schrank verschwindet und keinen Mucks macht,
  • dass AIDS vollständig heilbar wird,
  • dass ich mich von Mittwoch bis Sonntag von Austern, Taittinger und Mohrenköpfen ernähren kann,
  • dass es keine Rassendiskriminierung mehr gibt,
  • dass Mämä mir lebenslänglich ‹entry on demand› gewährt,
  • dass es keine Kindersoldaten mehr geben muss,
  • dass sich Robert Patterson und Mark Wahlberg darum schlammcatchen, wer (zuerst) mit mir Sex haben darf,
  • dass alle Menschen genügend Geld haben,
  • einen frisch geduschten jungen Glarner Alpkäser,
  • dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben,
  • eine eigene Nerz-Farm,
  • dass es keine Kinderprostitution mehr gibt,
  • dass Sven Epiney zwei Mal täglich bei mir abstaubt,
  • dass Waffen nur noch im Museen hängen,
  • drei Flaschen Pimm’s in Flims mit Kaminsims.
  • dass dumme Menschen keine Kinder mehr kriegen können,
  • eine Rollei. Und zwar schnurstracks. Und nicht für 500 Stutz.

Ich jage meinen Mac quer durch die Onlineangebote. Auch auf privatmarkt.ch speise ich ihm ‹Rollei 35 T› ein. Da, spuckt das Schätzchen was Komisches aus: Das Bild eines weissfleischigen Männerkörpers (Américaine, aber kopflos) mit einem genitalen Zensurbalken.

Hallo, Rollei??

Titel: «Büro blowjob»

Hallo, Rollei??

Text:
«
Ich muss leider noch bis um 17:30 im Büro sitzen.
Ich arbeite in einem Grossbetrieb in der Stadt ZH.
Ich suche ein Dame die zu mir kommt, mir einen
Blowjob verpasst und wieder geht.
Bin 35 jährig 177cm 72kg blond und wenig beh… »

Weiter geht’s leider nicht. Vielleicht, weil ihm das Ding schon abgegangen ist, bevor er fertig töggelen konnte.

Und ich denke nur: http://tinyurl.com/danitonet1

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Französisch, s’îl vous plait.

Blog 55, 15. Oktober 2009

Herr D.C. aus dem ländlichen Luzern hat mich gebeten, zur Abwechslung doch bitte mal wegzukommen vom Monothematismus und über etwas mehr ‹Gesellschaftsorientiertes› (wie vage!) zu schreiben.

Nun denn.

Wir werden immer dicker.
‹Unseren› Kids wird in der Primarschule mittlerweile – nach sämtlichen transirgendwasfetthaltigen Vanillegipfeli – sogar die (kariesfördernde!) Banane verboten (ob sie den Aufklärungsunterricht entsprechend mit Dildos machen?).

Seit ein paar Jahren fallen mir aber die vielen Vierzehnjährigen in engen Röhrlijeans auf, denen Fettwülstchen über den Hüften hervorquellen und ‹Bäuchlein› vornedran hängen, die mit den (auch die sind wenigstens stetig gewachsen) Brüsten locker konkurrieren.
André Reithebuch hat sich kürzlich im 20Minuten als Mr. Reitheranzen präsentiert (obwohl Miss Fäh ja geradezu dazu reizte, den Magen zu entleeren).

Neben klassischem Fehlverhalten wie Alkoholexzessen von Donnerstagapéro bis Sonntagafterhour gibt es eine ganze Reihe soziokultureller (for you D.C.!) Faktoren, die die Adipositionierung der Industrienationen vorantreiben. Als da wären ausschliesslich sitzende Tätigkeiten, Bewegungsfäule, Computergaming, Nahrungsaufnahme als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung, Portionengrössen, Glutamat, Mangel an alternativen Produkten etc.

Aber all das interessiert ja nicht.

Die einzige Nation (ausserhalb der Caritasländer natürlich), die noch erfolgreich schlank ist, sind offenbar die Franzosen. Oder hat jemand grad eine fette Franzfrau zur Hand? Mir fallen nur Carla Brunis Schlupfwarzen in der Comte-Ausstellung ein.

Mireille Gulliano behauptet, es genau zu wissen. Und an der ist nur das Portemonnaie dick. Mit French Women Don’t Get Fat hat sie den Nerv von Millionen (Frauen?) getroffen. Der simple Dünnwerden/Dünnbleiben-Französinnentrick ist zudem super simpel: Schlaf. Schlaf, Schlaf und nochmals Schlaf.

Die 10 Schrittchen zur ultimativen Schlankschönheit sind:

«1. Move, move, move during the day!»
Beweg Deinen Arsch, Mädchen. Damit Du abends zur Sau bist. Eine lausige halbe Stunde Yoga oder Nordic Walking (wie sexy!) täglich – und du fällst so was von tot ins Bett!

«2. Stay away from stimulants»
Nulldiät in Bezug auf Koffein, Nikotin, Alk. Denn das Trio schlägt auf die Nerven. Und wer aufgekratzt ist, kann – Pädäräbäm! – natürlich nicht schlafen. (Die Autorin ist wohl noch nie im rauschkomatös irgendwo rumgelegen).

«3. Try to go to bed and wake up at the same time every day.»
Fühle dich bei dir daheim,
gänzlich wie im Erziehungsheim.

«4. Reserve the bedroom for sleeping only.»
Heisst, kein Essen zwischen den Kissen, kein TV-Glotzen, kein Loungen. Ficken bitte nur morgens. Ja, denn nur Männer schlafen ‹danach› wie Götter, Frauen sind so richtig aufgedreht und wollen reden, reden reden.
Und reden macht fett.

«5. Herbal teas work magic.»
Überhaupt besteht Alkohol aus reinen Kalorien. Kamille, ‹wohlriechendes› Eisenkraut und Fenchel beruhigen dagegen herrlich. Dass man nachts vielleicht drei Mal aufsteht, um zu pissen, macht‘s sogar noch besser. Denn hey: Bewegung macht müde!

«6. Turn off the lights earlier
Licht sagt dem Hirn: Achtung, Action! Drum: aus damit. Meinen nervigen Kanarienvogel hab ich damit gekillt, dass ich das Tuch über seinem Käfig eines Morgens vergessen habe, wieder wegzumachen.

«7. Turn off the computer and TV at least a half hour, but preferably an hour, before bedtime.»
Voll easy. Da du ja um sechs aus dem Büro gehst, um die Häuser walkst und um acht ins Bett gehst, bist völlig du de-elektromagnetisiert.

«8. If you can’t sleep for a full half hour, get up and read a book or listen to soothing music for a little while. »
Bloss nicht liegen bleiben und sich zum Schlafen zwingen, das strengt die Nerven an. Und dafür gäbe es bessere Mittelchen. Die sind allerdings verboten.

«9. Avoid having a very large meal before bedtime
Dinner Cancelling olé. Denn wer nicht isst, weil er/sie pennt, wird doppelt dünn.
Nouvelle Cuisine ist so yesterday!

«10. Create an environment that is conducive to sleep »
Am besten was Zappendusteres. Ein privater Samadhi-Tank oder ein Sarg.
Mit einer Plastiktüte über dem Kopf schläft es sich übrigens besonders lang.

That’s it. Full metal Jacket. Die ganze Chose. Des Pudels Kern. Dieser Brunz wurde in 37 Sprachen übersetzt, über eine Kiste mal verkauft und war New York Times #1 Bestseller.

Ok. Die Französinnen mögen, obwohl sie die höchste ausseramerikanische Mc-Donalds-Dichte ihr Eigen nennen, nicht fett sein.

Aber wer will eine Frau, die zwar dünn ist, dafür clean, asexuell, vor dem Schlusssignet Tagesschau am Ende, dafür morgens um sieben Uhr schon tipptoppfit und die literweise nach Scheisse riechende Teekannen in sich hineinleert und Nordic Walking-Stöcke im Entrée deponiert?

Laetitia Casta schwebt kurz durch meine Gedanken, als nacktes Dornröschen auf einem hellblauen Himmelbett, bis auf die Knochenhaut abgemagert.

Was sagte noch Giselle ‹the french bitch›?
«Fuck… fuck… fuckity fuck.»

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Bing Bing Boah.

Blog 54, 7. Oktober 2009

«Dani!»

(Beachte die interpunktionsimplizierte Dringlichkeit.)

«Sonja! ¿Qué pasa?»«Ich war doch gestern beim Chick Doc.»«Jahreskontrolle, ich weiss. Und?»«Ja. Ich hab ein Problem.»
«Krebsabstrich?»

«Njet, der ist OK. Aber mein Beckenbodenmuskeloderwas sei total am Arsch.»
«Himmel. Musst Du in den Inkontinentialkrieg ziehen?»«Schlimmer! Intim-Physio! Ich soll einen (glaubs?) Finger reingedingst kriegen und soll pressen üben. Oder klemmen. Oder wasimmer. »«Üüüübel!»
«Dabei mach ich doch Pilates.»

Ich sag ja: All das Yogazeugs ist der grösste Hippiebrunz ever.

«Und, wann öffnest Du Dich für Dr. M?»
«Gar nicht. Ich hab ihm gesteckt, dass er seine Pfoten sonstwo hintun könne.»

Da fällt mir eine Art ‹Hausmittelchen› gegen lose Beckenböden ein. Bevor ich Sonja damit die Tür einrenne, konsultiere ich Dr. Wikipedia.

«Rin-no-tama [aka Lust- oder Orgasmuskugeln] sind ein Sexhilfsmittel, das ursprünglich aus Japan stammt. Es wird nach Wunsch im Alltag und nicht während des Sexspiels getragen.»

Durchaus plausibel. Sonst: ‹Ääähm, Sorry, da ist schon besetzt.›

«Heute gängige Modelle bestehen aus zwei 3 bis 4 cm grossen Hohlkugeln aus Kunststoff. Diese enthalten jeweils eine kleinere Kugel aus einem schwereren Metall. Die beiden Kugeln sind mit einer kurzen Schnur verbunden. An der unteren Kugel befindet sich eine Rückholschnur [vaginaler Defibrillator?]. Die Kugeln werden in die Scheide eingeführt und in Richtung des Muttermundes geschoben. Während des Gehens oder sonstigen Körperbewegungen [sic!] schwingen die Metallkugeln in den Hohlkugeln und verbreiten als angenehm empfundene [sic!] Vibrationen im Unterleib. Die Schwingungen sind allerdings kaum stark genug, um direkt zum Höhepunkt zu führen, können aber das sexuelle Verlangen steigern.»

Eine Art Tiefen-Om-Singen mit Nebeneffekt.

«Es gibt unterschiedliche Arten, Rin-no-tama zu tragen. […] Die subtilste [sic!] Methode ist wohl folgende: Die Kugeln werden mit dem Pubococcygeus-Muskel (kurz PC-Muskel) gehalten. Dies hat den Nebeneffekt, dass sie so wesentlich zum Training dieses Muskels beitragen. Ein gut trainierter Pubococcygeal-Muskel ist wiederum für die Empfindungen beider Partner beim Liebesspiel vorteilhaft. Ausserdem beugt er einigen Formen der Harninkontinenz vor.»

Eh voilà.

Ich treffe Sonja auf zwei Uhr zum Kaffee im Schoffel und schleppe sie dann in den kleinen Magic X Erotic Megastore am Limmatquai.
Die germaniastämmige Sexworkerin berät uns ausführlich. Modelle ohne Rückholschnürchen beispielsweise seien ‹nur für Fortgeschrittene›.

Aus lustvoller Solidarität greife ich mit zu und schon sind wir im Besitz von «love yourself! – Fun Factory SMARTBALLS – ein zutiefst [sic!] weibliches Vergnügen!» im Wert von 54 Franken 90 in elegantem Schwarz/Silber. Form equals function.

Um Risiken und Aussenwirkungen zu vermeiden, lese ich im Gehen die Packungsbeilage, während Sonja ihr Set einer chinesischen Tellertänzerin gleich am Indexfinger schwingt.

«Eine trainierte Vaginal- und Beckenbodenmuskulatur sorgt auch für mehr Spass beim Sex. Von Hebammen empfohlen.»

Mehr Spass am Sex – molto bene. Aber auf den Einsatz der Hebamme als logische consecutio verzichte ich dankend. In der Umkleidekabine von Company’s streifen wir das neue Indoor-Accessoire unter und trinken Campari auf dem Hechtplatz.

Beim Sitzen merkt sich logischerweise wenig. Vielleicht müsste man die Treppe zur Toilette runterhüpfen? Dong-dong-dong kommen die Dinger in Schwingung. Jippii.

Sonjas Mittagspause ist vorbei. Ich probiere derweil alle möglichen modi vivendi aus; renne, hopse, schlage Räder, spiele Käfer.

Mazza grande. Ganz grosse Klasse. Nach zwei Stunden reicht’s vorerst mit dem Training. Platsch-plopp. Juicy-doo, Hurrah nochmals.

Brav mit warmem Wasser abgewaschen, desinfiziert und zum Trocknen an die Türfalle gehängt.

«Und?»
«Woa! Gut drin gut dran – gut drauf.»
«Na dann: Gut Nacht.»

Samstagnacht, Bombay Bar.
Sing Bing, Swingdaiding, es tanzen so schön, die Geister die ich rief.

Zwischenfazit.
Jungs: vergesst die Suche nach dem G-Punkt.

… Girls: vergesst die Jungs bei der Suche nach dem G-Punkt.

Suchtpotential. Ich trage klein Cheech&Chong permanent. Meine Bewegungsunlust hat sich massiv verringert, ich verbrenne Kalorien am Schwungmeter, lache und singe, tanze, springe.

Friedensnobelpreiswürdig. Wenn Frauen dauerscharf sind können Männer kaum Kriege führen.

Wieso lächeln mich alle an? Der Monobiker mit dem grauen Pulli wendet gar den hübschen Kopf.

Im Toilettenspiegel mein eigenes Grinsen.

Alles klar.

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Liebe ist … kein Zufall.

Blog 53, 1. Oktober 2009

Wer in der digitalen Welt nach seinem Seelenpartner taucht (was sich übrigens nur empfiehlt, wenn man sich im Job todlangweilt oder sozialisoliert, inhaftiert oder notfrustriert ist), hat vor allem eins: die Qual der Wahl.

Soll das künftige Visavis rauchen dürfen? Kinder wollen, haben, sich (wenigstens) vorstellen? Muss sie 100-65-85 sein? Darf er die 190er-Latte berühren? Was mache ich, wenn ich Steinböcke nur mit Waage aszendiert leiden kann? Wer seine Statur mit ‹normal› (statt mit ‹athletisch› oder ‹schlank›) angekreuzt hat, trägt mindestens 6 Kilo zu viel mit sich rum. Und Hauptsache sind letztlich doch die blauen Augen.

Bei der Online-Gspänlisuche wird nichts dem Zufall überlassen, weissknöchlige Hände umkrallen das Schicksalssteuer. Die gravierendste Entscheidung ist die der Plattformwahl.

singles.ch ist bekannterweise die Restschublade. Überhaupt sind Gratisangebote hohler Schall, weil sich alles nur spasseshalber drin rumtreibt oder bereits vergeben und abenteuerbockig ist.

Drum gilt: je teurer – je elitärer – je besser. Je weher am Portemonnaie desto dicker die Hunde.

So selbstpreist sich zum Beispiel ElitePartner.ch als «DIE Plattform für Akademiker & Singles mit Niveau.»

Eine Studie mit über 1000 (deutschen) Mitmischenden beweist: «Akademiker meinen: Die wahrscheinlich [sic!] erfolgreichste Online-Partnervermittlung.»

(Analgo der «wahrscheinlich längsten Praline der Welt.» Dabei: WER hat’s erfunden?)

Schweres Geschütz ist angefahren:

«Renommierte Psychologen entwickelten eigens für ElitePartner ein wissenschaftliches Matching, mit dem Sie besonders hohe Erfolgschancen bei Ihrer Partnersuche haben.»

Backe backe Traummann.

Wer sich ruckzuck in die zehntausenden brach lauernden Singles stürzen will, hat sich zu früh gefreut. Nach dem Basislogin wird das Innerste rausgekehrt. Versaut es mir alle Chancen, wenn ich schon bei Geburtsdatum und Wohnort lüge? Familienstand, Ausbildung, akademischer Grad (die meinen’s ernst), Grösse, Augen- und Haarfarbe. Dann wird’s richtig mühsam:

«Wenn Ihr Wunsch darin besteht, einen Partner zu finden, mit dem Sie auch längerfristig – vielleicht [sic!] sogar ein Leben lang – verbunden bleiben möchten: Was glauben Sie, sind dann für Sie die wirklich [!] entscheidenden Dinge, auf die es in einer glücklichen Beziehung ankommt? Worauf legen Sie besonderen Wert?»

‹Liebe und Zuneigung› steht zur Debatte, aber auch ‹gemeinsame Verantwortung für Kinder übernehmen›. Gleich wird mir schlecht. Auch mit ‹gegenseitige Treue› ist wenig anfangbar.

Die Fussbemerkung zur Optik ist zum Verlieben.

«In vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Menschen manchmal [!] dazu neigen, sich in Bezug auf die eigene Attraktivität etwas [!] zu überschätzen. Das gilt für Männer mehr als für Frauen [q.e.d.!]. Deshalb wird empfohlen, die Ansprüche und Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, sondern einfach [!] realistisch zu sein»

Nach Hobbies & Co. geht’s ab in die Tiefenpsychologie.

«In Diskussionen kann ich meinen Standpunkt darlegen, ohne andere zu verärgern.»

«Ich komme mir mit meinen starken Empfindungen meinem Partner manchmal hilflos und ausgeliefert vor.»

«Ich habe Schwierigkeiten damit, andere Menschen bezüglich ihres Charakters anschaulich zu beschreiben.»

Und speziell für mich:

«Ohne meine Freiräume könnte ich nicht existieren.»

Auf die bevorzugte Wohnform («Künstlerwohnung» vs. «ruhige [!] Stadtvilla» etc.), folgen die Suchtmittel- und Kinderfragen vor der verfügbaren Gefühlsmenge gegenüber Vögeln, Fischen, Katzen und Hunden. Tierlihalter sind auf meiner schwarzen Liste weit oben.

Schliesslich darf ich ‹interessanten Mitgliedern› optionale Gretchenfragen stellen, so wie: ‹Isst Du Kiwi mit Schale?› ‹Putzt du vor Analsex die Zähne?› ‹Was hältst Du von Chihuahua-Trampling?›

Bevor ich erfahre, was es kostet, hier so richtig mitzumischen, gibt’s als Goodie eine Persönlichkeits-(Kurz)Analyse.

«[…] Zu Ihnen passt ein Partner, der einen stärken ausgeprägten Wunsch nach Nähe hat – dabei sollte dieses Nähebedürfnis jedoch nicht allzu stark [!] sein.»

Wow.

«Als Partner passt besonders gut jemand zu Ihnen, der zwar eher [!] Ihren Gegenpart repräsentiert, aber Ihnen dennoch nicht allzu sehr [!] entgegengesetzt ist.»

Wow2.

«Sie haben eine hohe Ausprägung in Richtung Dominanz erzielt. Ideal wäre ein Partner, dessen Ausprägung zwar merklich [!], aber nicht allzu sehr [!] von Ihrem Wert abweicht.»

Wow3.

«Sie glauben sowohl an ‹das Schicksal› und gleichzeitig an das ‹Wachstum› in einer Beziehung. Das ist äußerst [!] positiv, denn Studien zufolge [!] sind diejenigen mit ihrer Partnerschaft besonders zufrieden, die in beiden Bereichen einen hohen Wert erzielen.»

Wow4. Mich kratzt ein Affe am Arsch.

Dann komm’ ich endlich an meine generisch generierten Traumprinzen ran. Immerhin 13 323 passen offenbar just perfect.

Das Abdaten dürfte etwa dreieinhalb Jahre dauern.

Winkeladvokaten tummeln sich genauso im Froschteich wie Beamte, IT-Berater und der Wissenschaftler aus Baden-Württemberg.

Gegen die verschwommenen Gesichter hilft nur die Premium-Mitgliedschaft. Defaultmässig werden 12 Monate (à 48.-) vorgeschlagen, mindestens aber 3. Also 264 Franken.

Die Kohle liegt abgezählt vor mir auf dem Tisch.

Die kann man sicher auch schlauer ausgeben.

Mal sehen.

Rasch in die Stiefel geschlüpft und raus in die Nacht.

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