Männer(körper)welt.

Blog 58, 5. November 2009

Wer mich kennt, weiss: Madame steht auf Uniformen. Ob es mit unserer staatsverbrieften Gewaltentrennung oder mit meiner (prä-inseminierten) Vergangenheit zu tun hat – I neither know nor care. Leider gibt es hierzulande kaum welche von den iLike-Navy-Matröschen. Aber ich versteife mich auch leicht in alle anderen Schutzbefehlenden, die mit ihren grauen, blauen, ja vor allem schwarzen (bloss keine Camouflage!) Berufsgewändern und den rätselhaften Codierungen mittels Streifchen, Bändern, Nudeln, Aufnähern, Ansteckern und womöglich sogar Medaillen diesen immensen Liebeskugeleffekt auf mich ausüben.

Selbstredend, dass ich RSS-Feeds der Medienmitteilungen von Stadt- und Kantonspolizei (aka die potenteren mit den hübscheren Uniformen) abonniert habe und drum nicht nur weiss, wann welche Strasse gerade gesperrt wird, wo Enkeltrickbetrüger Alte ausnehmen oder Dackel in den Flüssen absaufen, sondern auch, dass an der Urania-Hauptwache vor ein paar Monaten eine ‹Fachstelle für Feedbackmanagement› (FBM) institutionalisiert worden ist.

Als unmotorisierte und tagsüber meist gesetzestreue Bürgerin komme ich leider kaum in Konflikt mit dem Staat und in Kontakt mit den netten Herren in der aphrodisierenden Kluft mit ihren schicken  Accessoires. Diesem Glück muss nachgeholfen werden.

Und da konstruktive Kritik immer willkommen ist, verlange ich am Mittwoch kurz vor Mittag am Empfang der Giacometti-Halle die werten Herren des FBM zu sprechen.
Die Stelle beantworte eigentlich primär Briefe, Mails und Telefonanrufe, heisst es. Weil ich aber kein Jota von meinem Plan abweiche, Dienstleistungslevel nun mal Dienstleistungslevel sein soll und es sich bei mir zudem um einen verkappten 20-Minuten-Fuzzi auf Testbesuch handeln könnte, greift die vereidigte Empfangslady zum Hörer und innert sehr effizienter Frist werde ich abgeholt und nach oben geleitet. Dutzende umwerfende Polizisten in grossartigen taubenblauen Jacken mit taubengrauen Baumwoll-Baggie-Pants kreuzen unseren Weg und besamen meinen Hormonhaushalt. Schliesslich streckt mir ein Tom D. [Name aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen geändert] eine schlanke, kräftige Hand hin und fragt nach meinen Wünschen. Wenn der wüsste.

Ich placiere eine formvollendete Reklamation gegen den Imbécile, der meine liebste Bar am letzten Samstagmorgen lärmverklagt hat. Dabei hatte ich mit dem Mann im Pyjama eine ausnehmend nette Diskussion vom kleinen Zugangsweg über die Hecke hinweg zu seinem Zürisackbalkon. Meinem Empfinden nach hatten wir uns auch ohne einen Hausbesuch meinerseits gütlich geeinigt. Und dann alarmiert die linke Sau trotzdem die Schmier und plötzlich stehen vier gottähnliche Gesetzeshüter im Raum, was mich in einen üblen Interessenkonflikt stürzt.

Tom D. notiert mit gerunzelter Stirn brav mit, oder tut zumindest so. Schliesslich schaut er mich seufzend an.

«Und Ihr Anliegen an uns, Frau Tonet?»

Strategiewechsel.

«Ich bin dezidiert der Ansicht, dass die uniformierten Einsatzkräfte in der Stadt total unterdotiert sind. Es braucht eine massive Verstärkung der sichtbaren Präsenz! Gerade für Frauen ist dies eminent wichtig, wegen des …äh, Sicherheitsgefühls.»

Er zieht nun beide Brauen hoch, das Kinn senkt sich Richtung Kehlkopf. Ich setze meine grabredenernste Miene auf und versuche gleichzeitig, mit den Wimpern eine Bach-Fuge zu klimpern.
Als er zur Replik ansetzt, klingelt sein Telefon. Ich erlaube ihm queenelisabethanisch (in der Hoffnung, einen brisanten Fall mitlauschen zu können), mir seine Aufmerksamkeit zu entziehen

Dass Tom D. in Zivil im Büro sitzen muss, grenzt übrigens an eine Frechheit.

«Samstagmorgen passt. Um neun?»
Ein halsbrechender, langhändig geplanter Spezialtruppeneinsatz?

«Nee du, ich geh lieber an die Geräte.»
Geräte? Was für Geräte? Schiesskeller? Auch gut!

«Ausdauer können wir ja noch anhängen.»

Irgendwann begreife ich, dass Tom D. sich grad für einen Workout im Fitnesszentrum verabredet. Im Laufe des Gesprächs wird mir auch klar, wo das Drilldich-Rencontre stattfinden soll. Stadtpolizist Tom D. in Trainingskleidern (mit Firmenlogo!) –  mit Garantie ein adretter Anblick.

Statt am Samstagmorgen um sieben direkt ins Bett zu kippen, trinke ich in einem Kafi einen Cappuccino, überschminke meine Augenringe und putze die Zähne mit einem Zitronenschnitz. Punkt acht Uhr durchschreite ich die Wärmewelle der Globus-Eingangstüre. Ist das ein Fitty? Globus verbinde ich mit Essen und Shoppen, deshalb ist mir hier die Szenerie nicht ganz klar… Die schwarz-dunkelvioletten, very fancy Reebok werden wohl nur einmal meine Füsse zieren, aber egal. Auch ein Handtuch und ein sauberes T-Shirt finden den Weg in meine Tasche. Raus aus dem Konsumtempel. Es bleibt genügend Zeit für einen zweiten und dritten Cappuccino, bevor ich um Viertel vor Neun einen Einzeleintritt in die tomsche Formfabrik löse, wo etwa fünfzehn Durchgeknallten bereits das Salzwasser aus den Poren läuft. Igitt.

Ich positioniere mich strategisch neben der einen oder anderen Oma und vor den zwei Schwulen auf einem dieser ‹Supersusis-machen-hier-biz-auf-easy-peasy-fürs-Gewissen-und-den-been-here-been-seen-Effekt›-Fahrrädern. Damit meine Schuhe nicht brandneu ausschauen, habe ich mir vorhin etwas Salatsauce vom Buffet auf die Kappen geschmiert und einen Kaugummi in die Sohle eingeknetet.

Von hier aus hab ich tollen Ausblick. Als mir gerade ein erster Schweisstropfen auf das Schlüsselbein rinnt (es könnte auch die Restanz eines Bieres, das mir jemand im Verlauf der Nacht angeleert hat, sein), taucht Tom D. auf, begleitet von einem ähnlich muskelsehnigen, hellhaarigen Skaterboy. Vor lauter Gucken vergesse ich zu pedalen.

Wie vorausgeahnt, klettert Tom D. (Blondie wartet, wie man das unter Fight-Club-Buddies so macht, nebenher) bald auf einen dieser Schulter- und Rückenmuskulatur-Trainingsgeräte, eine Art unterstütztes Klimmzug-Dings.

Rauf und runter. Rauf und runter. Rauf und runter. Rauf und Runter. Die straffe Haut unter dem hellgrauen Tanktop ist noch immer leicht gebräunt.

Wow. So eine perfekt geformte Hinteransicht gab’s noch nie. Alles spannt und löst sich; der Latissimus dorsi in harmonischer Antagonie mit dem Teres major!
Wowowow.

Auch die perfekte Kollaboration von Supraspinatus mit Teres minor, Infraspinatus und Subscapularis ist ein einziges Blake-Gedicht.

Ich verliere mich total in diesem Wunder der Natur, mein ‹Fett-Weg-Programm› ist längst abgelaufen und ich trete im Leerlauf weiter.

Plötzlich scheinen sich Toms Muskeln zu verselbständigen, ich sehe nur noch überall Zucken und Senken, seitlich verschwindet was, dafür wächst oben aus dem Schulterblatt etwas anderes hervor, Plipp! rechts, Plopp! links, ein Blähen unten, ein Strecken oben und plötzlich muss ich an Gunter Hagens Lederveston denken und wie er diesen Wahnsinnsrücken abhäutet, die pumpenden, kontrahierenden Muskeln freilegt und nach seinem Präparationswerkzeug greift; weg sind das graue, nassgeschwitzte Shirt und die gebräunte, bläulich tätowierte, weiche Haut, gelbweiss und dunkelrot ist Tom D., eine spasmische Masse, eine einzige blutige, blutende Maschine, die auf-ab-auf-ab-auf-ab-auf-ab…

Ich falle beinahe vom Rad und kotze die drei Kaffee und die schätzungsweise vier Gin Tonic und drei Prosecco halb neben den Behälter für die Papiertüechli, mit denen die Gerätschaften aus Hygienegründen nach Verwendung entkeimt werden müssen.

Ich huste den Rest in den Eimer, wische mir den Mund mit dem Handrücken ab und desinfiziere meine in Mitleidenschaft gezogenen neuen Sneakers.

Schon besser.

Ich sehe mich nach Tom D. um. Er arbeitet mittlerweile weiter vorne an seinen ‹Abdominals›.
Mit genüsslichen Schraubbewegungen.

*******

PS: wer das schlauste nächste Blogthema/die schrägsexieste Story  inputtet (an dani.tonet ät gmx.ch), wird nächste Woche ins illegale Restaurant ausgeführt.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

3 Antworten zu “Männer(körper)welt.

  1. Schreib doch mal was über Bauchnäbel, bitte. Wieso? Keine Ahnung, kam mir grad so in den Sinn und ich finde, schöne Bauchnäbel sind völligkompletttotal unterbewertet. Genau.

  2. der pop

    ich wär für einen ONS Knigge, do und don’t aus der weiblichen Sicht..

  3. gwundrigi

    he dani, hast du schon mal jemanden belauscht, der sex in der umkleide vom jelmoli oder sonstwo hatte ? oder kennst du jemanden, der das mal gemacht hat ? nähm mich unghüür wunder, ob’s das wirklich gibt.

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