D-Day Date.

Blog 74, 25. März 2010

Gesucht: (vorzugsweise) humanoides Wesen, das mich ohrfeigt, wenn ich mich nächstes Mal auf eine Blind Date-Anfrage einlasse. Sieben von neun Versuchen sind nämlich Reinfälle. Und dafür hab ich eigentlich keine Zeit. Und überhaupt predige ich allen anderen, sie sollen (aus obgenannten Gründen) die Finger davon lassen. Nur selber kommt mir immer wieder die Disziplin abhanden. Und ja, die Pre-Spannung mag ich eben ganz gerne. Und manchmal scheinen zwei eben doch mehr als sieben. Oder die Hoffnung, geliebter Rohrkrepierer.

Regel Nummer eins beim Blinddaten ist: Das Ding so rasch wie möglich auf realen Boden bringen – oder aber dann gleich in heitren, muntren, lustigen virtuellen Fantasiesphären verbleiben.

‹Dieter› wurde mir von einem guten (wie gut, frag ich mich nun) Kollegen als «high potential» verkauft. («Dani, den musst Du kennenlernen! Guter Kumpel von mir.  Cooler Typ»).

Ich hätte vielleicht gewarnt sein müssen. Aber was wird für die lieben Freunde nicht alles getan.

Sonntagabend. Ich grad frisch von Tom Fords Frühabendvorstellung und drum ausnahmsweise sogar zu früh.

Koffein – oder  Alkoholoide?

Stiefelchen: «Klack-klack-klack. Die 12 Zusatz-Zentimeter stehn Dir hervorragend, Mädchen, hervorragend.»
Grosshirn, links «Tja. 550.- – ausnahmsweise mal nicht im Sand versenkt.»

Wir setzen uns an die Bar, meine Einzelteile und ich und bestellen Cappuccino und gelbes Sprudelwasser.

«Und was bitte zuerst?»
«Alles miteinander, bitte.»

Ich blättere mich quer durch ein sich etwas zerzaust im Zeitungsständer prostituierendes GALA. Der Gedanke an fremde Finger, die, womöglich vorgeleckt, bereits an den Seiten gezupft haben, ekelt mich, wer weiss, wo die schon überall gesteckt haben, Frau Roche soll sich meinetwegen Trichter für Einläufe draus basteln.

Gerade als ich Flûte und Tasse per doppelhändige Reissverschlusstaktik geleert habe, betritt Sparringpartner Dieter die Bühne.

Instinktcontrolllämpchen: «Bleep-bleep-bleep. Dani! Vergiss es. Nix. Aber sowas von!»
Kniggereplik: «Dani! Stay open-minded!»
Lippenbewegung (mit Ton): «Dieter. Kein Problem, ich hab die Zeit genutzt, meine Haushaltungen zu nivellieren.»

Irgendwas antwortet der. Unsicher.  Unscheinbar. Unspannend. Und was der ‹un-› mehr sind.
Die schulterlangen (unkurzen) dunklen (unhellen) lockigen (ungeraden) Haare sind das Spannendste. Und das Bisschen Ticinesi-Dialekt, weil Papa Chef von irgend einem Ente Turistico da unten ist.

Er trinkt Rotwein. Ich versuche, mich mit was Spritzigerem über Wasser zu halten. Dummerweise hab ich gleich anfangs verlauten lassen, ich hätte glücklicherweise überhaupt nichts vor am nächsten Tag.

Instinktcontrolllämpchen: «Bleep-bleep-bleep! »
Kniggereplik: «O-p-e-n-m-i-n-d-e-d!»
Grosshirn, links: «Dani. Pleeze. Shut the Fuck up!»

Gesamtsystem: «Der langweilt mich zu Tode. Mehr als fünf Minuten mach ich’s nicht mehr.»
Moralreplik: «Anstandsminimalzeit!»
Lippenbwegung (mit Ton): «Blablabla.»
Grosshirn, links: «Dieter. Pleeze. SHUT THE FUCK UP!»
Astralchakra: «JAAA! »
Hirnhälfte, rechts, organisiert die Folgewoche bis zur Wahl der Unterwäsche für Mittwochabend und sortiert die App-Icons neu.

Um zwanzig nach Neun sehe ich Dieter doppelt.
Dann treibt er plötzlich mit dem Gesicht nach unten in der Maggia.

Kleinhirn: «Ups. Nu Wech.»
Moralreplik: «Dani!»
Astralchakra: «Hurrah!»
Lippenbwegung (mit Ton): «Dieter. Das war‘s mit uns.»

Dieter, verdutzt: «Wie bitte?»

Instinktcontrolllämpchen: «Sowas von! Sowas von! Sowas von!»
Lippenbwegung (mit Ton): «Ich bin weg.»

Dieter verdattert: «Aber wir sind doch keine halbe Stunde…»

Lippenbewegung (mit Ton): «Schätzchen. Ich sterbe. Und wenn ich mit dem letzten Atemzug hauchen würde: ‹Kannst Du mir das Wasser reichen?› –würdest Du wohl nicht mal den Hahn finden.»

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

2 Antworten zu “D-Day Date.

  1. güggeli

    wobei noch viele mühe bekunden, hähne zu finden. scheints. unter uns: du musst den misthaufen besteigen. Emo[quietsch]

  2. Toothbrush from Hell

    Nur ohrfeigen??

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