Mitgegangen fremdgehangen.

Blog 75, 1. April 2010

Wenn ich meinen linken Unterarm acht Zentimeter anhebe und vom Ellbogengelenk aus eine 40%-Rotation im Gegenuhrzeiger ausführe, berührt die Epiphyse meines dritten Mittelhandknochens exakt den Stiel eines angenippten Manhattans.

Heute Dienstag herrscht an der Bar des Hotels Storchen untersättigte Öde, harzähnlich dehnt sich die Zeit gegen Mitternacht. Daniel kurznachrichtet, der Flug von Hamburg sei verspätet, Sorry, werde Dich fürs Warten entschädigen. Und schiebt eines dieser Emoticons hinterher, die stechende Kopfschmerzen verursachen.

Daniel, Daniel, Daniel. Hab ich vor drei Jahren in degustationem vinum kennen gelernt. Im Fünf- bis Siebenmonatsrhythmus trifft man sich seither am trinkbaren Seeausfluss für ein paar Stunden, von denen die Frau glaubt, sie seien Bestandteil seiner Business-Agenda, der häufgen Trips, die ihn zwar dem Schoss des Familienlebens entziehen, sie bis anhin dafür mehr als annehmbar durch sämtliche Finanzkrisen geschippert haben. Soviel zumindest schliesse ich aus seiner Hälfte des Geplappers, das ich an unserer zweiten Nacht im Storchennest zwangsläufig überhöre, worauf ich ihn wissen lasse, dass er das mit der Heimtelefoniererei besser vergesse, wie die Erwähnung von Gemahlin oder Trabanten oder Auskünfte zu maritalen Alltäglichkeiten  generell. Oder dies hier sei eben unser letzter gemeinsamer Moment gewesen, sein Leben interessiere mich einen Dreck.

Männern sind so Sachen ja egal. Meine Girls finden den teiltreuen Daniel unter aller Sau.

* * * * * * * *
Sonntagmorgen, 06.11 Uhr, Happy Beck. Läuft mir mein Ex über den Weg.

Hellwach ist der, ohne dass sich Indizien finden liessen in den Pupillen, aber das Licht ist diffus und es regnet.

Fabio kaut an einem Stück Karton, das hier für wenig Geld unter dem Terminus ‹Wurstweggen› über den Tresen geht. Ich löffle mein tiefgefrorenes Tiramisu auf der Treppe. Seit sicher fünf, wenn nicht sechs Jahren hab ich ihn nicht gesehen, gut gehalten hat er sich.

Ohne Begleiterin lassen sie ihn nicht mehr in den Laden, aus dem ich grad rauskomme, aber ich habe keinen Bock, ihn reinzuschleusen und finde, er sei mit der Kakostomie von dem Geköch ohnehin nicht zumutbar.

Irgendwas muss er sich dennoch eingetrichtert haben, denn als mein Lieblingsbettler seine Runde ums Haus dreht, zupft er ihn am Ärmel.
«Die da hat mich übrigens verlassen. Für einen meiner besten Kumpel.»

Ich hab das gar nicht mehr gewusst. Kein Wunder.
«Fabio. C‘mon. Das ist 15 Jahre her. Get over it.»

Den halbleeren Becher mit dem Angetauten parkiere ich auf Treppenmitte und stecke dem Chauffeur eines dieser alten muffigen Mercedesse ein Zwanzigernötli hin.

* * * * * * * *
Spielwiederholung vor zwei Wochen. Daniel, diesmal direkt aus Beirut dafür pünktlich, ist in ein paar Minuten da. Der Keeper räumt mein erstes Glas mit der Kirsche im Wermutssitzbad ab und stellt ein zweites vor mich hin.

Ich bin schlecht gelaunt.
Frauen dürfen das.

Zimmertanz mit Daniel, an dem die Schattenwürfe von Minaretten haften geblieben sind, nach Pfefferminztee und Honigshisha riecht die Kravatte von Zegna. Tausendundeine Nacht. Trallalla.

Später flackert der Widerschein des Displays seines stummgeschalteten Handys an der Decke. Beharrlich. Fertig. Wieder. Eklig. Daniels verspannt Schienbein sich unter meinem Bizeps.
«Sie ist eben…»
«Schhhh.»

Ich dusche heiss und knöpfe mein Kleid zu, das petrolblaue.

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Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

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