Follow me. Follow-up.

Blog 77, 15. April 2010

Noch immer steht Sudathchens Antwort aus, leider, leider, Leidergottes.

Anrufen mag ich nicht. Unsere noch zu werdende Romanze hat ihren Anfang mit Gedrucktem, Geschriebenem gefunden! Ich will Stringenz! Hierin, wenigstens.

Möglicherweise hat der tamilische Billigtranslator meine Liebeserklärung sinnwidrig übersetzet und das emotionale Cachet ward total vorhundet. Damit muss ich nun lernen, umzugehen. Zum Glück ist die Hausbar bestens bestückt.

Massiv mühsamer als schweigende Postfächer ist allerdings die – den schönen Terminus hat Stella entbunden – Überkommunikation, nach einem ONS beispielsweise, aber auch einem stinknormalen Date oder – schlimmstenfalls – einem total nonsexuell motivierten Abend im Kino oder einem Gaststättenbesuch, der ausschliesslich dem Zweck der Nahrungsaufnahme hat dienen sollen.

Wenn dann Sachen wie «Danke für den schönen [maximiert: ‹wundervollen›; noch schlimmer als ‹super angenehmen› oder ‹sehr unterhaltsamen›] Abend» oder «War super mit Dir – wann geht’s weiter?» inboxen, macht’s bei mir grad sämtliche Schotten dicht.

Das (indessen bewüstenprinzte) Sugarbabe dagegen ist dezidiert der Ansicht, dass es sich – wenn sich jemand am frühen morgen aus ihren Laken schält und verflüchtigt (zum Beispiel, weil er oder sie früh ins Büro muss) durchaus gehört, zumindest ein Post-it oder dergleichen zu hinterlassen, oder im Verlauf der folgenden (maximal) 24 Stunden mindestens ein SMS hinterherzuscheiben, «damit man sich nicht ganz wie eine zechgeprellte Nutte vorkommt», insbesondere dann, wenn der Typ, von dem man den Namen behalten hat, weil man noch nüchtern war, als man sich getroffen hat, geräuschlos verschwindet und die Möglichkeit (oder Gefahr) besteht, dass man sich dereinst wieder über den Weg spaziert.

Bloss: Was schreiben?

Vor allem, wenn’s gar nicht gelungen war, das Geächze und Geturne?

Oder nur für eins von beiden?

(Nur dass das klar ist: während der Follow-up ganz klar Männersache ist, besteht ein gewisser Konsens darüber, dass Abschleichmeldungen durchaus für beide Geschlechter adäquat wären.)

Mein Top-Goodbye stammt von einem der vielen Pascals. Dieser hat sich zwar glücklicherweise früh aus dem Staub gemacht hat (und: wer wacht schon nicht lieber ohne fremden Mundgeruch vom Nebenkopf auf dem Kissen auf?), nicht aber, ohne einen Spitzbuben und ein Maisbrötli, frisch ab dem St. Jakobs-Beck ums Eck, hübsch auf meinem Küchentisch zu drapieren. Nachahmer vor, bitte.

Das war aber leider auch das Beste an der ganzen Sache. Und hat ihm in meinem schwarzen Notizbuch immerhin einen Zusatzeintrag gebracht.

Sehr gut kommen auch Zettel/Servietten mit hübschen Grafiken und Zeichnungen an. Die behalte ich zwecks Montagsmalerei-Interpretationscontest mit meinen Gästen immer eine Weile am Kühlschrank. Deren Favorit ist der mit stilsicherer Hand gekugelschreiberte, auf einem monströsen Rotweinfleck stehenden Thonet-Stuhl mit dem Portrait meiner grün-grau geringelten Lieblingssocke, hübsch als Schleife ums Stuhlbein gebunden. Management Summary à la ZHdK-Kid.

Leider sind die Kreativen unter den Abschiedsnachrichtensprechern dandyschnurrbartdünn gesät.

Wenn ich auf das gemeinsames Petit-Déjeuner verzichte und vorzeitig verschwinde, präferiere ich bildende Kunst. Strümpfe oder Höschen werden zwischen Zeitungs- oder Buchseiten geklemmt, über Gurken und Glühbirnen gezogen oder in Müslipackungen versteckt. Ab und an hab ich auch eins dieser Origami-Schwänchen dabei, die meine Cousine wie karottensaftsüchtiges Meerschweinchen am Laufmeter produziert, mit einer Mailadresse drauf dabei, bei der ein automatischer Reply hinterlegt ist.

«Keine gute Idee, Kindchen.»

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

6 Antworten zu “Follow me. Follow-up.

  1. Toothbrush from Hell

    Was sollen wir denn schreiben? War schön mit dir, das nächste Mal von hinten, oder so? Die wirkliche Wahrheit möchte ja keine hören…

  2. akade

    mademoiselle tonet schreibenderweise das wasser zu reichen, dürfte in der tat schwierig sein. aber hier wieder einmal zur erinnerung, werte herrenwelt: es geht ja hier nicht um den inhalt (bekanntlicherweise gibt es da situationsbedingt nicht allzu viel zu sagen) sondern um die FORM. nicht ‚was‘ sondern ‚wie‘. (wer hier schon an die grenzen seiner vorstellungskraft stösst, möge es durch repetition verinnerlichen – als mantra auf den badezimmerspiegel schreiben oder so)

  3. ich kann dir meine nummer geben, übungszweckhalber.

  4. akade

    Wem jetzt, der infernalischen Zahnbürste oder mir?

  5. die infernalischen borsten. du kannst beim feed-back helfen.

  6. Toothbrush from Hell

    Du hast in meinem Kopf einen Wirbelsturm hinterlassen, schade wenn es kein zweites Mal gibt, mir wäre da noch einiges eingefallen… Oder so?

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