Monatsarchiv: Juni 2010

Nein Danke.

Blog 80, 25 Juni 2010

Wünsche haben wir ja alle. Was der einen die Doppelgarage ist dem anderen die Job-Offer aus Boston, die brünette Slowenin aus der Sonne im Donnerstags-Abo, die Herabsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Rückkehr der Gesundheit, das iPad ohne Fettfingerabdrücke, ein zweiter String zur sternhimmeldunklen Kombi von Agent Provocateur, Frieden für den nahen Osten (inklusive Nordkorea), weniger Verlust bei Börseleien mit Devisen und so weiter und so fort. Und dann sind da auch all die ureingepflanzten, in die Wiegen geleerten, in Form von kleinen Kapitänen, Primaballerinas, Lokführern, Kinderärzten, Tierärztinnen, berühmten, singenden (natürlich!) Schauspielerinnen und Sexgurus.

Und dann gibt’s da noch das mühevoll nur gehauchte ‹Jaaaaaaaaaaaaa!!!› im schwanweissen Hochzeitskleidli. Hier löst mit zwanzig ein eher lordoftheringy-ish schlicht direkt unterhalb der Brust gen Boden gleitendes Gewand das 25-Meter-Tüll-Mary-Poppins-Petticoat ab, das so blöd dicke Waden macht. Aber auch dies gehört zum Prozess, das jahrelange Window-Shopping bei Pro Nuptia & Co, wo man das ganz links dem zweiten von rechts vorziehen würde, wenn’s denn jemals so weit kommen wird, worüber natürlich keine Zweifel bestehen.

Dabei sind wir (weiblich, ledig, ü30) innerhalb der vergangenen zwölf Jahre mit höchster Wahrscheinlichkeit schon einmal vor die Entscheidung gestellt worden, die unser ganzes Leben verändert – und, da wir immer noch da sind, offenbar verdorben – hätte. Bei dem Antrag (umgeben von der lächelnden Wärme eines südthailändischen Sandstrandes, an einem dieser späten Nachmittage, an denen man nicht recht weiss, was noch mit sich anstellen, das war noch vor den Smartphones) ist er zum Glück nicht auf die Knie gegangen, sonst hätten etwa eineinhalb Tausend Menschen das ‹Nein› bezeugen können.

«Willst Du mich heiraten?»
… an den exakten Wortlaut erinnere ich mich nicht, aber so viele Spielarten gibt’s bei dem Game ja nicht.
«Nein Danke,»
hab ich nicht gut sagen können, sonst wär er in der Nacht nicht mehr in mein Bett gekommen, aber das war doch in etwa die Quintessenz meiner Replik auf die leidige Sache, und wir haben den Gegenstand dann auch ruhen gelassen, erst beim Schlussmachen hat er sie aufgetaut, die Schmach, ich hatte es schon gänzlich vergessen.
Hab ich damit meine einzige Chance vertan?

In den letzten Jahren, wo alles sich bandelt und bindet, schwengelt und schwängert, ist er – unter Frauen – ein grosses Thema, ‹der Antrag›, Passepartout in den Hafen.
«Und, hat ER Dich gefragt?»
(…so, wie sich das gehört, IM FALL!!)
Und auf die richtige Antwort folgt dann das
«Jöööö, so herzig!»

Was anderes ist gar nicht vorgesehen in der Szenerie.

Da gibt’s die, die beim Güselrausbringen total casual ‹darüber› reden, neben denen, die schwanger werden und sich absichern müssen und denen mit den so richtig ‹kreativen› Anträgen mit Pomp und Gloria, dem Ring, der im Sushi vorbeifährt, der Rosenblütenschrift im Badezimmer und all den romantischen Mätzchen, bei denen mir so gern die Kotze aus den Ohren rinnt.

http://www.heiratsantrag.ch ist ein wunderbarer Tipp für Männer mit Fantasietotgeburten.
Von den Top-Ten ist wirklich keiner abschlagbar, wahnsinnig gemäss meinem Gusto.

N° 1: Der Heiratsantrag mit einem Flugzeug: «Ihr(e) Liebste(r) fliegt gerne in einem kleinen Flugzeug; vielleicht auch in einem Doppeldecker? Überraschen Sie ihn/sie mit einem Ausflug an den Flugplatz!»
Unglaublich, nicht?

N° 2: Dasselbe im Heissluftballon .
Aber kostenoptimierter.

N° 3, der Blumen-Klassiker, sehr originell: «Welche Frau hat nicht gerne Blumen? Sie gehen in ein Blumengeschäft, welches Sie gut kennen, oder bei dem Sie bereits schöne Sträusse bekommen haben. Sie bestellen einen Blumenstrauss der besonderen [!] Art, rote Rosen [sic!], weisse Callas, Orchideen oder Sonnenblumen [was’n das?]. Je nach Jahreszeit oder Lieblingsblume der Freundin wird die Blumenwahl angepasst. [krass.]
Zu Hause haben Sie bereits verschiedene Kärtchen, bzw. schön geformte Herzblättchen [sic!!!] vorbereitet, auf denen allerlei über Sie und Ihre Beziehung steht. Die ersten Ausflüge, die lieben Gedanken, zusammen erlebte Geschichten. Ein Kärtchen hebt sich vielleicht [!] durch eine andere Form oder eine andere Farbe ab. Auf diesem Kärtchen steht die entscheidende Frage. Alle Kärtchen werden in den Strauss verarbeitet, fragen Sie die Floristin, ob Sie Ihnen bei Ihrem Heiratsantrag behilflich ist, und Sie die Kärtchen in den Strauss einbinden kann. Wir sind uns sicher, Ihre Freundin wird nichts mehr sagen können ausser: JA.»
Genau! Jaaaa! Ich kommeeeeeeeeeee!!

Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt (dem guten Geschmack leider auch nicht). Helikopter, Limousine, im Ausland, in den Bergen, auf einer Wiese, im Wasser – die Frage scheint überall hinzupassen, ja hinzugehören.

Unter der Rubrik ‹verrückt› finden sich Anträge auf dem Gletscher (awesome!), bei einem Fallschirmsprung (uiuiui!), oder sogar im Zoo (läck du mir!). Etwas weniger anstrengend ist’s bei ‹Kurz & Schmerzlos›, da wird der Spiegel im Bad bekritzelt oder ein Post-it an den Kühlschrank gepappt. Wer wäre ohne Hilfe auf die Idee gekommen, ein Dinner ohne Salz zu kochen und im (fast leeren) Salzstreuer einen Zettel «Du bist das lebensnotwendige Salz in meiner Suppe,willst Du…»?
Brillant!

Hat’s jemand noch besser gekonnt? Bitte melden an dani.tonet(at)gmx.ch.
Die beste Idee wird von mir persönlich prämiert.
Mit einer Flasche Champagner.

Oder einem ‹Ja!›.

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Es wäre schön

Blog 79, 10. Juni 2010

Ich liebe es ja, das Singlesein – vor wie nach. Wenn ich um mich sehe und mich umhöre, sogar noch mehr. Auch wenn je älter je mehr alles mit geschwelltem Bauch rumschlurft; sie randvoll mit fremden Organen, er infolge Überkonsums von gerösteten und gesottenen Innereien prall mit weissgelblicher, glibbrig-glitschiger Muskel-Unterlagsmasse.

Aber heut morgen hab ich gedacht: Und dennoch – es wäre schön.
Es wäre schön, jemanden zu haben.

Es wäre schön, jemanden zu haben, zu dem man abends in die (lieber nicht gemeinsame, aber trotzdem) Wohnung tritt und mit dem man ein-zwei Flaschen Wein mit einer Schachtel Zigaretten leert. Und dann, wieso auch nicht, respektive: was sonst? ein Film.
Und, so drei bis vier Mal im Jahr, statt dem Film, gemeinsam gemütlich und vorfreudig, sogar ein wenig aufgeregt, vor dem Internet.

«Kreta wär doch schön!»
«Kenia ist, schau hier, im Angebot!»

«Kenia ist auch schön.»

«Kenia ist sehr schön. Das Licht! Ein Paradies für Fotografen!»
«Dann könntest Du endlich mit Deiner neuen Nikon…»
«Ja, Kenia wäre schon schön.»

Das Angebot kostet dann nur grad 1999.- für zehn Tage, alles inklusive, natürlich. Und dass der Strand «vor drei Jahren von einem kleinen Tsunami betroffen war», hat man zwar irgendwie überlesen, aber was gibt’s Schöneres als ausschlafen bis elf, die allerletzten Reste vom zerfetzten Frühstücksbuffet plündern, auf dem Liegestuhl zwei-drei von einer Schnäppchenarbeitskraft zubereitete Fruchtcocktails schlürfen, ein ‹spannendes› Buch, später, um halb zwei, die Masse bei einer ‹Aqua-Well!›-Lektion beobachten, bei der weder die Teilnehmenden (meist Frauen über 55 und ein paar vergewaltigte Männer) noch die leitende Funktion (knackiger Schwarzer in roter Badehose) sich daran stören, dass niemand weiss, was zu tun wäre, Hauptsache, man bewegt sich.

Ein Mittagsschläfchen vor den übersalzenen Country Fries um drei, dann zurück ins Zimmer, die Klimaanlage an, ein Nickerchen und/oder ein wenig aneinander rummachen – schön.

Am Abend dann entweder mit der Spätschicht ans – nun wärmliche – Buffet oder für einmal besonders gewagt sein und auf die Halbpension pfeifen und stattdessen in einem fremden Hotel  (!) oder sogar einem Restaurant am Strand Fisch bestellen, schliesslich ist man ja am Meer. Oder doch das Pfeffersteak, das zwar lederfaserig ist, schliesslich aber auch nur einen Drittel vom Zuhausepreis kostet, da dürfen, ja müssen Konzessionen gemacht werden.

Und nach einer Woche mit dem Edelweiss-Flieger zurück ins traute Heim. Zuhaus die 216 neuen, sechseinhalb Mega schweren Erinnerungsstützen auf die Festplatte bannen, die Vor- oder Nachbräune mit dem ungetumblerten Tüechli abrubbeln, die Beine rasieren, sich so richtig erholt und gesättigt fühlen und wissen: Das ist mein Leben.

Und ja, er ist es.

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