Es wäre schön

Blog 79, 10. Juni 2010

Ich liebe es ja, das Singlesein – vor wie nach. Wenn ich um mich sehe und mich umhöre, sogar noch mehr. Auch wenn je älter je mehr alles mit geschwelltem Bauch rumschlurft; sie randvoll mit fremden Organen, er infolge Überkonsums von gerösteten und gesottenen Innereien prall mit weissgelblicher, glibbrig-glitschiger Muskel-Unterlagsmasse.

Aber heut morgen hab ich gedacht: Und dennoch – es wäre schön.
Es wäre schön, jemanden zu haben.

Es wäre schön, jemanden zu haben, zu dem man abends in die (lieber nicht gemeinsame, aber trotzdem) Wohnung tritt und mit dem man ein-zwei Flaschen Wein mit einer Schachtel Zigaretten leert. Und dann, wieso auch nicht, respektive: was sonst? ein Film.
Und, so drei bis vier Mal im Jahr, statt dem Film, gemeinsam gemütlich und vorfreudig, sogar ein wenig aufgeregt, vor dem Internet.

«Kreta wär doch schön!»
«Kenia ist, schau hier, im Angebot!»

«Kenia ist auch schön.»

«Kenia ist sehr schön. Das Licht! Ein Paradies für Fotografen!»
«Dann könntest Du endlich mit Deiner neuen Nikon…»
«Ja, Kenia wäre schon schön.»

Das Angebot kostet dann nur grad 1999.- für zehn Tage, alles inklusive, natürlich. Und dass der Strand «vor drei Jahren von einem kleinen Tsunami betroffen war», hat man zwar irgendwie überlesen, aber was gibt’s Schöneres als ausschlafen bis elf, die allerletzten Reste vom zerfetzten Frühstücksbuffet plündern, auf dem Liegestuhl zwei-drei von einer Schnäppchenarbeitskraft zubereitete Fruchtcocktails schlürfen, ein ‹spannendes› Buch, später, um halb zwei, die Masse bei einer ‹Aqua-Well!›-Lektion beobachten, bei der weder die Teilnehmenden (meist Frauen über 55 und ein paar vergewaltigte Männer) noch die leitende Funktion (knackiger Schwarzer in roter Badehose) sich daran stören, dass niemand weiss, was zu tun wäre, Hauptsache, man bewegt sich.

Ein Mittagsschläfchen vor den übersalzenen Country Fries um drei, dann zurück ins Zimmer, die Klimaanlage an, ein Nickerchen und/oder ein wenig aneinander rummachen – schön.

Am Abend dann entweder mit der Spätschicht ans – nun wärmliche – Buffet oder für einmal besonders gewagt sein und auf die Halbpension pfeifen und stattdessen in einem fremden Hotel  (!) oder sogar einem Restaurant am Strand Fisch bestellen, schliesslich ist man ja am Meer. Oder doch das Pfeffersteak, das zwar lederfaserig ist, schliesslich aber auch nur einen Drittel vom Zuhausepreis kostet, da dürfen, ja müssen Konzessionen gemacht werden.

Und nach einer Woche mit dem Edelweiss-Flieger zurück ins traute Heim. Zuhaus die 216 neuen, sechseinhalb Mega schweren Erinnerungsstützen auf die Festplatte bannen, die Vor- oder Nachbräune mit dem ungetumblerten Tüechli abrubbeln, die Beine rasieren, sich so richtig erholt und gesättigt fühlen und wissen: Das ist mein Leben.

Und ja, er ist es.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

3 Antworten zu “Es wäre schön

  1. micha

    ja. in der tat. obwohl in kenia hab ich glaubs hausverbot. aber sonst, sofort.

  2. Endlich wieder…

    „vergewaltigte Männer“… die tun mir auch immer leid. Nicht.

  3. charles

    du hast vergessen die fotos von den kindern, die einen reifen mit einem stecken vor sich her treiben, zu erwähnen.

    aber ansonsten: gefällt!

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