Gewagtes Sprüngli.

Blog 81, 12. Juli 2010

Nach einem ausgedehnten Rückzug von der Stadthitze (die Gemeinde Klosters kann per sofort von der Karte gestrichen werden) habe ich zu Hause einen Brief im Kasten liegen gehabt.

«Brauche dringend Deine Hilfe. Love, Leslie.»

Meines Vaters Schwester. Hat total einen an der Waffel. Seufzend rufe ich zurück.

«Was denn los im Staate Dänemark?»
«Ich will jetzt ins Online-Dating einsteigen.»
«Ins Oneline-Dating-Business?»
«Nein, natürlich ins Online-Dating-Dating.»
«Und François?»
«Was soll mit François sein?»
«Was mit Deinem [zweiten] Mann sein soll?»
«Nun, der lebt ja auch nicht ewig.»

Bestechend.

«Hast Du Dir endlich einen Computer gekauft?»
«Natürlich nicht!»
«Wie stellst Du Dir das Online-Dating-Dating denn vor?»
«Eben, deshalb rufst Du mich ja an.»

Wie Recht sie doch hat.

«In plain text: Ich soll für Dich nicht nur einen Online-Dating-Dating-Account einrichten, sondern den auch grad noch bewirtschaften und Dir per Fax oder Telefon rapportieren?»

«Natürlich nicht per Fax!»
«Sicher. François lebt ja noch.»
«Zwei mal die Woche, schätze ich?»
«Mindestens.»

Perfect Shit. Drei Tage später hab ich einen neuen Brief von Auntie Les im Kasten. Mitsamt Bildli im dekolletierten silberschwarzen Oberteil mit Spitzenbesatz, Hochsteckfrisur und professionell entfernten Altersflecken. ‹Rohrspatz› hat sie sich als Alias ausgerechnet ausgesucht. Auf ‹Nachtigall› beharrt sie dann aber hartnäckig.

Zum Glück gibt’s in der Alterskategorie weit weniger Aktive als in meiner. Im Dreitagestakt meldet der Messenger hin und her, wer wie was gewollt hat, und ich nehme die gnädigen Antworten entgegen. ‹Sergio57› und ‹HotMaxx› darf ich nach kürzester Zeit ihre Mobilnummer angeben.

Mit den Perverslingen in ihren frühen Post-Teenie-Jahren, den Omafickern treib ich meine privaten Spässchen.

Am Samstagnachmittag surf ich mich aus lauter Langeweile quer durch meine eigene Peer-Group. Die Jungs werden sich wundern ob der alten Schachtel, die in ihren intimen Daten rumspioniert hat. Das mit dem Anstupsen und Zuzwinkern lass ich aber sein.

Nach Kandidat 223 (von über 500) hab ich die Nase voll.

Eine Woche später eine üble Überraschung.

Gio.
Was zum Teufel macht der hier?

«Offen für Abenteuer.»
Was zum Teufel will der – von meiner Tante Leslie?

Hier Mitglied seit zweieinhalb Monaten.
Und seit dreieinhalb Jahren (theoretisch zumindest) ‹vergeben›.
An Siena. Die 21jährige Schwester von Dave.
Einem meiner besten Freunde.

Sein Mail an Tantchen ist ziemlich explizit. Leslie hätte heisse Öhrchen.
Na dann bringen wir die beiden doch zusammen.

Es gibt nur einen Ort.

Gio beisst sofort an.

Vier Tage später. Nach ein wenig Negligé-Naschen im Grieder rufe ich Leslie an.

«Bin in 10 Minuten da.»
«Ich habe unseren Stammplatz an der Bar reserviert.»

Auftritt Gio auf dem Velo heranfahrend.
Abtritt Gio ins Innere.
Ob er sich freuen wird ob meiner kleinen Interruption?

Vielleicht bring ich ja ein paar Luxemburgerli mit.

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