Roll mir den Teppich, Baby.

Blog 82, 9. August 2010

(für Luke Redford)

Silly hatte ihre Tage. Nach dem siebten Aperol Spritz (oder waren’s doch nur sechs) hat sie dies total vergessen, erst als Marcel ihr gerade einen Finger zwischen die Li
«Schon jemand drin!»

* * * *
Ich mag das, wenn Ereignisse sich ausrollen wie türkische Teppiche (frau darf sich auch eine Yogamatte vorstellen).

Gebannt schaue ich der spastischen Eurythmie der silbernen Tags auf der gedeckt orangen Wand zu. Der Mix aus Goldschläger/Appenzeller-Shots, Vodka Züriwasser und eher lausigem Schaumwein zeitigt interessante Effekte. Am High-tech-Lavabo krieg ich das Wasser nicht zum Laufen. Auch das Trocknen meiner langen nassgeschwitzten Nackenhaare ging einfacher vor dem total take-over von Dyson. Neben mir tupft sich eine Rothaarige Hautfarbe auf den linken Nasenflügel.

«Ai kisst a görl, and ai liketitt»,
flitzt ein halshoher Wirbelwind herein, deren Händen sich der Bewegungssensor nicht verweigert. Die Rote und ich sehen uns über den Spiegel hinweg an. In der nächsten Minute knutschen wir heftig, dann wendet sie sich wieder ihrem Bobbi Brown-Tiegel zu. Ich gebe das Haarprojekt auf. Statt dessen schreibe ich Cyril ein SMS, es muss gegen halb fünf gehen, der Club nie recht voll, alles der Herde hinterher down to Greece, und als ich aufschaue steht da ein auf sein Smartphone fixierter Lockenbube.

«Dir schreib ich grad.»
«Dich ruf ich grad an.»
«Dann geb’ ich Dir doch besser die Nummer.»

Nach fünfzehn Fehlversuchen krieg ich sie endlich in mein Handy getippt. Brav schreibt er ab.
«Hallo?»
«Hab ich dich.»

Berliner ist er, und die mag ich, die Berliner, nicht nur zum Aussaugen.

«Ich hab Lust, Dich zu küssen»,
sagt er und ich zucke mit der Schulter und ich frage mich, einen Moment nur, warum wir uns dazu in der mittleren Kabine einschliessen, wo Obszönitäten an die Wand gekritzelt sind, aber o.k., und ich schliesse die Augen, damit «Vera mag ficken» und «Frauen sind besser bestückt» aufhören, auf und ab zu hüpfen wie die Icons auf meinem Notebook.

Erstaunlich lange gibt sich der Spreesurfer mit dem Geknutsche zufrieden die Gspänli oben fallen mir ein aber ich lass den mal weiter machen jetzt hat er doch schon seine Hose offen und meine auch gar nicht mitgekriegt mache ich jetzt die Augen auf damit ich nicht kotze wegen dem Schwindel und pendle zwischen dem Lustsog (frau darf sich Kundalini-Sexpower vorstellen) meiner blattgoldpatinierten Synapsen und einem profanen Lachanfall.

«Besetzt»,
will ich grad sagen, aber er hat’s selber schon kapiert und es ist ihm egal

«ich will Dich da küssen»
und ich schüttle den Kopf was ein molto vibrato im Hellrot verursacht und einmal mehr kapituliere ich, und schon reibt sich eine geschwollene Eichel an meinem Bauchpiercing und ein Haken  dringt in mein rechtes Schulterblatt ein.

Auf ein ‹Ja!› antwortet ein ‹Au!›, aber der Schmerz hört auf weil er mich verschoben hat und – zuerst verstehe ich «Chemmeribodebad» und denke an Meringues – aber er beisst

«ich komm’ gleich»
in mein Schlüsselbein und ich zucke, wieder, mit der Schulter, auch, als er
«wohin soll ich»

fragt, muss ja eh alles in die Wäsche, aber als ich endlich wieder fokussieren kann, versinkt   – und ich denke –
«wie rücksichtsvoll…»
,
der Mundvoll kondensmilchartiger Flüssigkeit langsam im Standwasser, drei ungleich grosse Tropfen verzieren schillernd den Rand und er will mich nicht davor hinknien lassen, aber ich darf ein Foto machen und auf der Treppe nach oben fällt mir endlich ein, wem die indigoblauen Boxershorts gehören, die die Putzfrau letzte Woche zusammengefaltet auf mein Bett gelegt hat.

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Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

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