Loser Mummenschanz.

Blog 85, 22 September 2010

Vor einer Woche hab ich mich als CFO eines Multis aus dem Life Sciences-Cluster beworben. Dank (in Kooperation mit einem Grafikerschnuckel) hervorragend gefälschter Dokumente wie HSG-cum-laude-Abschluss, Doppelzwischenjahreskonfirmation einer Ivy League-Anstalt, MAS in Applied Ethics und zwei-drei sterngreifenden Arbeitszeugnissen durfte ich, halbwegs erwartungsgemäss, zum Hearing antanzen.

Bis ich gestanden habe, nebenher auch Tochter einer (in bis in die frühen 90er weit über die Landesgrenze hinaus) illustren transnistrischen Nobelnutte zu sein, empfanden es die noch weniger als nichtswissende HR-Tante und die beiden wohlstandsgebauchten Anfangsfünfziger nicht als adäquat, mich, durchaus nicht stillos, zur Tür zu geleiten.

Trau niemandem mit hautfarbenen Netzstrümpfen in chanelroten 600 €-Lackpumps. Denen mindestens der eine der beiden garantiert ein Tränchen nachvergossen hat.

*** Wenn sich in einer Lokalität eine Gruppe Weibswesen befindet, wird jedes Kontrastgeschlecht just in dem Moment, in der es zur Tür reinkommt, rauf-, runter- und einmal quer durch geröntgt. Innert einer Zehntelsekunde kann Mann so aufgrund von Gang, Gesicht, Grösse, Haarfarbe, Haarlänge, Händen, Haltung, Hosenart, Jacke, Sauberkeit, Schuhen, Schmuck, Socken etc. durch die Maschen fallen.

In dem Moment aber, in dem eine
«iLike»

sagt, donnert ein virtuelles Richterhämmerli und der Typ ist von ihr ‹besetzt›, und zwar so lang, bis sie,
«Ach, (der) ist (glaub) doch nix»
,

findet.

Absurderweise gilt diese unausgesprochene Regel aus dem Repertoire des female bonding sogar, wenn TypX sich offensichtlicher nicht weniger für Sarah interessiert als, sagen wir mal, für Sandra, wird diese – um es nicht mit Sarah (aber auch nicht mit Smilla, Sally, Sonja und Sugarbabe) zu verbocken (und zwar nachhaltig) TypX die eiskalte Schulter zeigen (respektive ihm darüber hinweg hilflos zulächeln) und auf den nächsten Fisch im Teich warten.
Begehre nicht das Filet Deiner Freundin oder ab in die Ecke, Besen! Seid’s gewesen.

Mögen sie manchmal allzu simpel ticken, lob ich mir hierin die Buben, die diese abstruse Form moralischer Sippenhaftbarkeit nicht kennen, sondern bei denen die einzige und oberste Regel ‹full & open competition› lautet und in deren Rationalität das ‹Zielobjekt› entscheidet – und nicht der Weidmann. Auch der Lochbruderparagraf kann – nach angemessen kurzer Karenzfrist – ausgehebelt, resp. aufgehoben werden, nicht wie bei uns, wo Sex mit dem Ex der anderen (und mögen die im Kindergartenalter kopuliert haben), generell ein Tabubruch ist, der mit einer gefühlten Steinigung vergolten wird.

Dieses ‹virtuelle Schnäbihalten› war mir immer zu blöd. Es mag wohl Ärger bringen, vom einen zu seinem besten Freund zu hupfen, Ringelpiezriesenspass.

Glücklicherweise vermehrt sich die Menschheit – und entsprechend die Durchlaufquote. Drum propagiere ich den Einzelkampf. Und rote Schuhe.

*** Du stehst vor Deinem Lieblingsclub und irgendwie stimmt was nicht. Die Masse der nach Einlass Geifernden scheint deplatziert, das Dings für die Krawattenträger wär am anderen Ende der Stadt, und wo kommt die Horde lärmiger Basler her, morgen ist doch Schule, bist Du am Ende die, die sich weigert, zu erkennen, dass das hier, wenn auch es noch nichts besseres gibt, die beste Zeit hinter sich gelassen hat, und Du hast die Wahl zwischen einem fünften, sechsten Wodka irgendwas und Raushier und Du ziehst, für heute Nacht, eine letzte Runde durch die verschwitzten Gesichter, von denen Du ab und an eins küsst, und auch sie zucken hilf- und ratlos die Schultern, gegen den in seiner Natur badenden Fortschritt ist wenig auszurichten. Adapt – or die.

In der geliebten Bäckerei, die Du nüchtern nie betreten würdest, weil sie ihrer Zunft, simmerehrlich, alle Schande macht, verlangst Du auch einmal mehr irgendwas mit möglichst hohem Fettanteil, tendenziell mit nach Karton schmeckendem Fleischnebenerzeugnis und schiebst das Velo, das Deine Freundin vor zwei Wochen bei Dir vergessen hat, lustlos vor Dir her.

Bei Perla kreuzt Du einen (glaub) gutaussehenden braunäugigen Typen mit ohrlangen dunklen Haaren und Du bleibst stehen und drehst Dich um und überlegst, wo er seinen Koksvorrat ergänzt hat, und er macht einen U-Turn und legt Dir die linke Hand in den Nacken, nicht gerade sanft, und Ihr knutscht etwa sieben Minuten lang, wobei das blöde Velo stört, weshalb Du es fallen lässt, und als Du zum ersten Mal richtig Luft holen kannst, beisst Du ihn in die Unterlippe, pustest ihm die Haare aus den Augen und schwingst Deine roten Schuhe elegant in ein Taxi.

Leichtigkeit des Seins.

Unerträgliche.

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Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

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