Schäfchen, weisse und schwarze.

[hübschen Baslern (Plural) gewidmet]

Blog 88, 24. November 2010

Fesselspiele sind ja ganz lustig; auch, weil – je nach Level – nicht nur der Ganoven-, sondern auch der doppelte Bulin, der Klemmheist-, der Garda-, der Prohaska- oder der Bandschlingenknoten, vielleicht gar der Schostek, zum Einsatz kommen. Leider hat die (möglicherweise) Stunden dauernde Phase des kunstvoll gefesselt Werdens aber auch etwas Profanes, ja sogar Langweiliges, das sich am besten mit Ego-Monologen überbrücken lässt.

* **

Ich liege auf dem Sofa, das Bettzeug ist total verschmiert mit in Mascarpone aufgelöstem Kakaopulver. Löffellos Tiramisu essen ist fantastisch und die Idee, sich die kühlschrankkalte Masse überall hin zu schmieren, hab ich, vor ein paar Stunden zumindest, auch ganz gross gefunden.

Jetzt teste ich allein, was ich mit Samadi letzte Woche diskutiert habe: Was passiert, wenn man an dem Punkt, an dem man eigentlich seinen Kopf (oder ihn oder seine Hand), teilweise sogar brachial, als Folge totaler Überreizung von sich stossen müsste, nicht aufhört?

Das Ergebnis ist zweipunktig: a) legt man besser ein Tuch aufs Sofa und b) hört’s dann schlichtweg nicht auf – und scheitert drum letztlich an der Erschöpfung des Gegenübers, respektive, in meinem Fall am Akku des Vibrators und am schlechten Gewissen wegen fehlendem Tuch auf dem Sofa meines Roomies.

* **

Kielwasser-Samstag!
An unserer Party mit und für Freunde haben sich zum Glück auch ein paar Unbekannte eingefunden. Ein scharfkantiger kleiner Kauz, irgendwie noch attraktiv, der in der Bar zu wohnen scheint (und sich entsprechend ernährt), beisst mich ständig von allen Seiten ins Schlüsselbein.

Stella bemerkt mein allmähliches Schwachwerden und zieht die Bremse mit
«Dani, NJET! Nicht mit dem!»
,
und ich antworte
«aber ich bin im Modus!»
,
worauf sie sich umsieht und erst
«dann knutsch mit mir!»
,
vorschlägt,
und dann
«oder nimm ihn!»
,
– und damit meint sie ihren Freund –,
was ein rührendes Zeichen echter Freundschaft ist.

Zwei Minuten später schiebt sie mir diesen Pariser, mit dem nicht memorisierbaren bretonischen Vornamen, den sie in einer Ecke entdeckt hat, unter die Nase und vois-là, le Français wird, suffliert vom Alkohol, sogar plus que fédéral, bilingue bin ich (Fellatio nicht eingerechnet), und der Mann mit den stark gebogenen schwarzen Wimpern und den Kringellocken finde ich ganz niedlich (und ich mag Quantenphysiker grundsätzlich), bis er mich langweilt mit seiner romantischen Vorstellung der Fraufürsleben inklusive Kasumpel (denkt mit 29 ans Kindermachen!), die er demnächst in seiner Heimatstadt der Liebe zu finden gedenke, und ich monologisiere (innen)
«Schengen heisst auch, Freiheit des Gehens»
,
und gehe auch, Richtung Toilette nämlich, dummerweise direkt in die Arme eines anderen.

Vorsichtig – aufgrund frischer Erfahrung – frage ich den
«sprichst Du französisch?»
,
und der antwortet
«nein, griechisch»,

und ich sage
«
Efcharistó,
womit sich meine Griechischkenntnisse auch gleich erschöpfen, dafür knutschen wir (was ich, im Nachhinein, auch etwas komisch finde) und zwischendurch sagt er
«Marko»
,
woraus ich schliesse, dass ich gefragt haben muss, und ergänze
«Marko mit ‹k›»,

und er sagt
«woher weisst Du das»
,
und ich habe keine Ahnung, aber er kommt aus Mazedonien und ich weiss noch, dass ich mich gefragt habe, wieso Marko aus Mazedonien griechisch spricht, aber ich krieg die Karte in meinem Kopf nicht zusammen, dafür fällt mir Wag the Dog ein, also knutschen wir weiter bis ich merke
«ich muss zur Toilette»
,
wo ich über Sugarbabe und Kristof (auch mit K), unsere Eingangskontrolle (wo ich schon lange Wachablösung machen sollte) stolpere, und wir trinken einen Shot, und als ich endlich die Tür öffne, steht Efcharistó! hinter mir, und ich denke, nun denn, und er schliesst die Tür (von innen) und mit der selben Hand zieht er, irgendwie, in einer perfekt einstudierten Bewegung – und ich denke
«der Mann kann sicher auch knüpfen»
,
meinen Rock samt T-Shirt hoch und meinen String samt Nylons runter und ich finde
«Marko aus Mazedonien ist tammi schnell»
,
weil mit der anderen Hand hat er seine Hose aufgemacht und runter gelassen und einen Finger in mich geschoben, und ich realisiere, wie ich das alles gar nicht richtig mitkriege und der Shot haut rein und ich scheine plötzlich zu schrumpfen und höre
«und wenn er dann sagt: Sie hatte einen Unfall, ich bring Dich gleich ins Spital, steigst Du trotzdem NIEMALS ein!»
,
und frage mich, was meine Mutter in meinem WC zu suchen hat (mit Marko aus Mazedonien!), aber da gleitet dieses Aktenzeichen XY-Signet vor meine Scheibe und Marko aus Mazedonien nestelt irgendwas in seiner Hosentasche und ich lasse seinen los und sage
«ich muss was trinken»
,
und er findet
«ist doch feucht genug»
,
und ich sage
«Schlecht. Cola»
,
und das ist glaubwürdig und wahr, und ich öffne die Tür, und er sagt
«warte, ich muss meine Hose wieder anziehen»
,
und das geht plötzlich tammilangsam, und dann bin ich raus und sage zu Sammy an der Bar
«Shot, bitte, ich war mit Marko aus Mazedonien und meiner Mutter auf der Toilette»
,
(und war notabene noch immer nicht auf Toilette) und sie meint wissend
«Marko aus Mazedonien»
,
als wäre das ein alter Bekannter und doppelt
«und niemand hätte dich schreien gehört»
,
nach, und wir trinken die Shots nickend, und irgendwer hat zugehört und sagt
«Selber schuld, wer zweimal Nein stimmt, aus Prinzip und zum links und intellektuell sein»
,
und ich denke an Paris und dieses nicht lokalisierbare Mazedonien.

Da kommt, endlich, Lukas zur Tür rein und Stella hat mich überall gesucht und ist erleichtert und warnt erneut
«nicht den Beisser!»
,
denn der schaut von dort drüben her und ich sage
«und auch nicht Marko aus Mazedonien. Ich geh jetzt nämlich mit Lukas»
,
und sie küsst mich, und er fragt
«zu mir?»
,
und ich halte
«zu mir»
,
für sicherer.

Dafür müsste ich jetzt waschen und hab dieses Problem mit dem Sofa.
Und sage trotzdem 2 x ‹Nein›.
Dafür nicht mehr so rasch
‹Efcharistó›.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Life, Sex, Relaltionships & Stuff

6 Antworten zu “Schäfchen, weisse und schwarze.

  1. saltpuz

    Gefällt mir! – Die schönste mazedonische Eroberungsgeschichte seit Alexander dem Grossen.

  2. Ich

    Mädchen, schreib mal wieder was – ist ja langweilig hier

  3. Trojka

    Hallo liebe Frau Tonet
    Schon lange nix mehr gehört von ihnen.

    Schwanger?

    Gruss Trojka

  4. Trojka

    „coming“

    Und das aus dem Munde iner Frau…Balsam für die Seele! 😉

  5. pete

    hopefully hat lukas dein zusage angenommen und ist mit zu dir? wurde mehr als nur eine nacht daraus? hat es sich gelohnt? we need some more blogs. fortsetzung?

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