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tunnel of love

im tantrahimmel. taumel der ekstase.
bald aber (energiespar-) licht am anfang des tunnels.

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Ein Kommentar

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Schäfchen, weisse und schwarze.

[hübschen Baslern (Plural) gewidmet]

Blog 88, 24. November 2010

Fesselspiele sind ja ganz lustig; auch, weil – je nach Level – nicht nur der Ganoven-, sondern auch der doppelte Bulin, der Klemmheist-, der Garda-, der Prohaska- oder der Bandschlingenknoten, vielleicht gar der Schostek, zum Einsatz kommen. Leider hat die (möglicherweise) Stunden dauernde Phase des kunstvoll gefesselt Werdens aber auch etwas Profanes, ja sogar Langweiliges, das sich am besten mit Ego-Monologen überbrücken lässt.

* **

Ich liege auf dem Sofa, das Bettzeug ist total verschmiert mit in Mascarpone aufgelöstem Kakaopulver. Löffellos Tiramisu essen ist fantastisch und die Idee, sich die kühlschrankkalte Masse überall hin zu schmieren, hab ich, vor ein paar Stunden zumindest, auch ganz gross gefunden.

Jetzt teste ich allein, was ich mit Samadi letzte Woche diskutiert habe: Was passiert, wenn man an dem Punkt, an dem man eigentlich seinen Kopf (oder ihn oder seine Hand), teilweise sogar brachial, als Folge totaler Überreizung von sich stossen müsste, nicht aufhört?

Das Ergebnis ist zweipunktig: a) legt man besser ein Tuch aufs Sofa und b) hört’s dann schlichtweg nicht auf – und scheitert drum letztlich an der Erschöpfung des Gegenübers, respektive, in meinem Fall am Akku des Vibrators und am schlechten Gewissen wegen fehlendem Tuch auf dem Sofa meines Roomies.

* **

Kielwasser-Samstag!
An unserer Party mit und für Freunde haben sich zum Glück auch ein paar Unbekannte eingefunden. Ein scharfkantiger kleiner Kauz, irgendwie noch attraktiv, der in der Bar zu wohnen scheint (und sich entsprechend ernährt), beisst mich ständig von allen Seiten ins Schlüsselbein.

Stella bemerkt mein allmähliches Schwachwerden und zieht die Bremse mit
«Dani, NJET! Nicht mit dem!»
,
und ich antworte
«aber ich bin im Modus!»
,
worauf sie sich umsieht und erst
«dann knutsch mit mir!»
,
vorschlägt,
und dann
«oder nimm ihn!»
,
– und damit meint sie ihren Freund –,
was ein rührendes Zeichen echter Freundschaft ist.

Zwei Minuten später schiebt sie mir diesen Pariser, mit dem nicht memorisierbaren bretonischen Vornamen, den sie in einer Ecke entdeckt hat, unter die Nase und vois-là, le Français wird, suffliert vom Alkohol, sogar plus que fédéral, bilingue bin ich (Fellatio nicht eingerechnet), und der Mann mit den stark gebogenen schwarzen Wimpern und den Kringellocken finde ich ganz niedlich (und ich mag Quantenphysiker grundsätzlich), bis er mich langweilt mit seiner romantischen Vorstellung der Fraufürsleben inklusive Kasumpel (denkt mit 29 ans Kindermachen!), die er demnächst in seiner Heimatstadt der Liebe zu finden gedenke, und ich monologisiere (innen)
«Schengen heisst auch, Freiheit des Gehens»
,
und gehe auch, Richtung Toilette nämlich, dummerweise direkt in die Arme eines anderen.

Vorsichtig – aufgrund frischer Erfahrung – frage ich den
«sprichst Du französisch?»
,
und der antwortet
«nein, griechisch»,

und ich sage
«
Efcharistó,
womit sich meine Griechischkenntnisse auch gleich erschöpfen, dafür knutschen wir (was ich, im Nachhinein, auch etwas komisch finde) und zwischendurch sagt er
«Marko»
,
woraus ich schliesse, dass ich gefragt haben muss, und ergänze
«Marko mit ‹k›»,

und er sagt
«woher weisst Du das»
,
und ich habe keine Ahnung, aber er kommt aus Mazedonien und ich weiss noch, dass ich mich gefragt habe, wieso Marko aus Mazedonien griechisch spricht, aber ich krieg die Karte in meinem Kopf nicht zusammen, dafür fällt mir Wag the Dog ein, also knutschen wir weiter bis ich merke
«ich muss zur Toilette»
,
wo ich über Sugarbabe und Kristof (auch mit K), unsere Eingangskontrolle (wo ich schon lange Wachablösung machen sollte) stolpere, und wir trinken einen Shot, und als ich endlich die Tür öffne, steht Efcharistó! hinter mir, und ich denke, nun denn, und er schliesst die Tür (von innen) und mit der selben Hand zieht er, irgendwie, in einer perfekt einstudierten Bewegung – und ich denke
«der Mann kann sicher auch knüpfen»
,
meinen Rock samt T-Shirt hoch und meinen String samt Nylons runter und ich finde
«Marko aus Mazedonien ist tammi schnell»
,
weil mit der anderen Hand hat er seine Hose aufgemacht und runter gelassen und einen Finger in mich geschoben, und ich realisiere, wie ich das alles gar nicht richtig mitkriege und der Shot haut rein und ich scheine plötzlich zu schrumpfen und höre
«und wenn er dann sagt: Sie hatte einen Unfall, ich bring Dich gleich ins Spital, steigst Du trotzdem NIEMALS ein!»
,
und frage mich, was meine Mutter in meinem WC zu suchen hat (mit Marko aus Mazedonien!), aber da gleitet dieses Aktenzeichen XY-Signet vor meine Scheibe und Marko aus Mazedonien nestelt irgendwas in seiner Hosentasche und ich lasse seinen los und sage
«ich muss was trinken»
,
und er findet
«ist doch feucht genug»
,
und ich sage
«Schlecht. Cola»
,
und das ist glaubwürdig und wahr, und ich öffne die Tür, und er sagt
«warte, ich muss meine Hose wieder anziehen»
,
und das geht plötzlich tammilangsam, und dann bin ich raus und sage zu Sammy an der Bar
«Shot, bitte, ich war mit Marko aus Mazedonien und meiner Mutter auf der Toilette»
,
(und war notabene noch immer nicht auf Toilette) und sie meint wissend
«Marko aus Mazedonien»
,
als wäre das ein alter Bekannter und doppelt
«und niemand hätte dich schreien gehört»
,
nach, und wir trinken die Shots nickend, und irgendwer hat zugehört und sagt
«Selber schuld, wer zweimal Nein stimmt, aus Prinzip und zum links und intellektuell sein»
,
und ich denke an Paris und dieses nicht lokalisierbare Mazedonien.

Da kommt, endlich, Lukas zur Tür rein und Stella hat mich überall gesucht und ist erleichtert und warnt erneut
«nicht den Beisser!»
,
denn der schaut von dort drüben her und ich sage
«und auch nicht Marko aus Mazedonien. Ich geh jetzt nämlich mit Lukas»
,
und sie küsst mich, und er fragt
«zu mir?»
,
und ich halte
«zu mir»
,
für sicherer.

Dafür müsste ich jetzt waschen und hab dieses Problem mit dem Sofa.
Und sage trotzdem 2 x ‹Nein›.
Dafür nicht mehr so rasch
‹Efcharistó›.

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Ich habe ihn geliebt. Echt.

Blog 87, 12. November 2010

«Hallo Dani. Lange nicht gesehen. Ich komm eben aus den Ferien zurück. Stellen wir mal wieder was an? LG, Philippe.»

Wieder? Und wer zum -† ist Philippe?

Nach einem halben Tag Memory-Mühe, fällt mir ein drittklassiges Dates mit einem Zappel (war das im August?) ein. Nach zweieinhalb Campari Soda im Si o No war ich schwer davon ausgegangen, dass man sich bezüglich des gegenseitigen Attraktionsgrad einig sei. Offenbar doch nicht. Zweite Chance? Nicht bei mir.

Vier Tage später meldet sich ein jahrlang Vergessener mit zweideutigen Ideen. Und jäh verstehe ich, warum: In weniger als vierzehn Monaten geht die Welt unter. Und es spätherbstet.
Und wie Rilke räsonierte:
«Wer jetzt allein ist, der wird es lange bleiben.»

Nestwärmeschreie.

Gott, das ist alles so billig. Meines Empfindens dürfte sich der Sommer auf die Möglichkeit reduzieren, permanent High Heels tragen zu können. Mit dem Gehitze kann ich überhaupt nichts anfangen. Entgegen der Meinung der Masse, die lieber piepmatzmässig im Zweiernest überwintert, steigt bei mir mit sinkenden Temperaturen die polyorientierte Experimentierfreude.

Da Empathie aber vom Pöbel als massgebendes Element sozialer Verträglichkeit gewertet wird, bitte ich Alexis, sich für ein Vabanque zur Verfügung zu stellen: ‹Lex & Dani – sie liebten sich für eine Woche›. Er willigt so sofort ein, dass ich einen Moment seine Motivation hinterfrage.

An einem bierseligen Abend disputieren wir die Modalitäten. Beziehung. Heiligesch. Wie geht das schon wieder?

«Ich nehme an, wir wohnen zusammen?»
Und schon haben wir es. Dieses… Wort.
‹Wir›.

«Puuh. Muss das sein?»
«Come-on, Mädchen. All in. Oder fold.»
«D‘accord. Aber ‹wir› wohnen, wennschon, bei mir. Vom Muster deines Aalto wird mir schlecht.»
«Ganz schön kompliziert, das Du.»
«Anspruchsvoll, das Ich. Und Du hast gerade für die volle Ladung Scheisse votiert.»
«Eine gemeinsame Wohnung definiert sich gemeinhin durch Einrichtungskompromisse.»

Seufz.

«Bon. Du darfst den Weinbestand auffüllen!»
«Der TV kommt mit.»
«Das Teil kommt so was von nicht mit! Dafür der Vitra-Sessel, der kann dann bleiben, wenn wir uns trennen. Und der schwarze Shaggy-Teppich.»
« Wozu dein Lieblingswieschen? Hat man in Beziehungen nicht ohnehin keinen Sex?»
«Auch wahr. Aber Du sollst Dich ja schon ein wenig zuhause fühlen bei ‹uns›.»
«Der TV kommt mit.»
«Okay. Aber bei ‹uns› herrscht striktes Fussballverbot.»
«Wo bleibt die Toleranz, Daniherz?»
«‹Nathan der Weise› hab ich längst gelesen. Liebling.»

Wird wohl eine lange Woche.

Samstagnachmittag. Zwei kopfschüttelnde Kollegen helfen ihm, den Teppich, vier Kisten, eine Sporttasche und eine grässliche Zimmerpflanze (dazu da, mich zu ärgern) zu zügeln. Sie trinken Bier, während ich gestresst und zickig tue, wie sich das gehört und das dämliche Nespressodings im Keller verstecke.

Zum Glück muss Lex gleich weiter, Hochzeitsparty der Schwester seiner Ex (gibt ja Frauen, die ihre Verflossenen als Antisingle-Schutzschild buchen) und wird am Brienzer-, Thuner- oder Woimmersee nächtigen. Unser Reich ist also mein.

Als ich am Sonntag gegen sieben heimkomme, ist er schon da.
«Was gibt’s denn zu essen, Herzchen?»,
fragt er süffisant.

«Rohes Fleisch»,
falle ich ihm frischverliebtenähnlich um den Hals und amüsiere mich ob seines konsternierten Gesichtsausdrucks.

Danach verquatschen wir mit zwei Château Lascombes 03 in die Puppen, bis das Theater per gemeinsames Zähneputzen einen romantischen Exitus findet. Gar nicht so schlecht, das Arrangement.

Als ich am Montag heimkomme, läuft die verdammte Kiste. Lex schläft auf dem Sofa. Ich stupse die dreiviertelleere Bierflasche mit der Fussspitze an und beobachte das Versickern des Goldbraun im Shaggy. Wäre es uncharmant, ihn hier liegen zu lassen?

Ich weiss nicht, ob ihn das Klavierkonzert (Rachmaninoff, Nr. 2, Op.18) weckt oder dass ich auf seinem Brustkasten knie.
«Hola Principessa. Oje. Dieses Glitzern in den Augen kenne ich.»

«Partytime»,
flüstere ich.

Dienstag sind wir beide nicht zu Hause und Mittwoch übernachte ich woanders. An die Doppelkiste könnte ich mich glatt gewöhnen.

Wird er vermissen, dass ich drei bis fünf Mal täglich anrufe?
«Schatz
[ein Wort mit Todesstrafpotenzial] ich stehe gerade im Globus, brauchen ‹wir› noch was?»
oder
«Du glaubst nicht, was mir gerade passiert ist, ich war im Odeon…»,

oder
«Jetzt hat Charles angerufen, bei Brunello…»,

… und dann ein end- und belangloses Gebabbel über Alltäglichkeiten. Part of the Game.

Er revanchiert sich mit grandiosen SMS und halbseitigen e-Mails, in denen er mich ‹Zuckerleck› und ‹Shaggybangy› nennt. Ich wappne mich für den Gegenschlag auf http://kosenamen.sradonia.net.

Den Donnerstag opfern wir einem Duett nach Drehbuch. Gemeinsames Kochen (heisst: ich trinke Martini und unterstütze den Entstehungsprozess seines Tartars aus salzweissem Krabbenfleisch mit Aphorismen und Limericks), gefolgt von gemeinsamem DVD-gucken (Cold Souls), bei dem unsere Füsse gemeinsam einen Hocker teilen und wir abwechselnd gemeinsam Mandeln im Honig- und Schokomantel von Fine Food in den Topf unserer gemeinsamen Zimmerpflanze spicken. Einer meiner Zigarettenstummel landet blöderweise auf dem gemeinsamen Teppich.

Danach entschuldige ich mich mit Kopfschmerzen ins Bett. Hehe. Willkommen im real life, Baby. Es besteht auf gemeinsamer Kissennutzung, kuriose Ersatzehepflichthandlung.

Freitag sind wir physisch getrennt, aber durch einen intensiven SMS-Dialog verbunden unterwegs, kommen synchron kurz nach vier schon heim und runden den Abend mit Goslings Black Seal ab.

Samstagnachmittag. Einkaufen im Jelmoli. Hurra Pärchenfete! Sonja kommt mit Florian und Michael (mein Beuteschema!) mit irgend einer Doris. Es gibt scharfe Kürbis-Orangensuppe mit irgendwas, Marronirisotto (wegen Irgendeinervegidoris) und Zabaglione mit Dahlienblüten. Ich suche den Champagner aus.

Lex macht sich als perfekter Gastgeber auch fantastisch als Pärchenhälfte. Kost mich konstant (mündlich und manuell), und überhaupt stehen wir den anderen in nichts nach (den Kurzdisput zwischen Dore und Michi – «Jetzt iss doch nicht immer so schnell» – quittiere ich mit empathischem Verachtungsblick). Vom obligaten Müntschi nach dem ‹Anstossen› bin ich Extremfan. Wir wiederholen es bis zum Exzess.

«Prost, Schatz.»
«Prost, mein Gummihäschen.»
«Prost, mein Utzibutzi.»
«Prost, mein Apfelpopöchen.»
«Prost, mein Suppihuppi.»

Vier Stunden später.
«Jungs,Mädels! Wohin geht’s weiter?»

Man tauscht Blicke. Flo und Michi unterdrücken Interesse.
«Nun, denke, wir verabschieden uns sonst langsam.»

Au ja, hinfort mit Euch!

Ich hindere Alexis am Abwaschen, und wir ziehen los. Im Sherif starten wir mit dem Begiessen der tristen Tatsachen. Nach fünf bis acht weiteren Stopps muss ich heim. Das Intensivmischtrinken schreit nach Alka Seltzer-Ponstan-Cocktail.
Alexis will in seine Jacke schlüpfen.

«Bleib mal schön hier, Texlex. Nix mit Co-Abhängigkeitszeugs.»

Er instruiert den Taxifahrer. Der Muff im Fonds unterstützt meinen Brechreiz.

Als ich das nächste Mal aufwache, riecht es nach Kaffee und butterüberdosierten Eiern. Lex placiert einen offenbar frisch gepressten Saft auf dem Tischchen neben mir. Ich bin ehrlich gerührt.

«Aber ich hab doch gar keine Saftpresse.»
«Du bist sowieso der Antichrist unter den Martha Stewarts.»
«Aber Du liebst mich trotzdem.»
«Deswegen.»
«Wie lang bist Du schon hier?»

Blick entlang seinen Augenringen.
«Willkommen daheim, Säfteheld. »

Er löffelt sein Ei im Olivenölbad. Proteintankstelle.
«Wenn Du geglaubt hast, es sei Schlafenszeit, hast Du Dich getäuscht.»

Um fünf wachen wir auf.

«So Schatz. Time to go home.»

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Sex am Sonntag.

Blog 86, 17. Oktober 2010

[nach einer wahren Begebenheit]

Er (an mich, einem Blitz aus muntrem Morgennebel verwandt) 14.10.2010 – 10:11
«zuerst ein schönes warmes Badewasser mit viel Schaum… oder wie wär‘s in einem Jacuzzi…. alles dunkel und ringsum sehr viele Kerzen… feiner Rotwein dazu oder guter Champagner… zusammen planschen… ein gutes Gespräch führen und es lustig haben… dann nehme ich Dein Bein auf meine Schulter und fasse Deinen rechten Fuss… lecke daran und sauge Dir am grossen Zeh und lecke daran… davon kriegen die meisten
[?] Gänsehaut… ich giesse dir den kalten Champagner über die Brüste und lecke ihn wieder auf… auch das macht die Frauen wahnsinnig [!], das warme Badewasser und der eisgekühlte Champagner… sanfte Musik dazu…

Nachdem wir uns gegenseitig eingeseift haben und abgeduscht lege ich mich aufs Bett auf den Rücken und Du kniest Dich auf mein Gesicht so kann ich dich schön lecken…Du kannst auf meiner Zunge reiten…

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 11:05: «Dsching, Dsching, Dschinghis Kahn, hey Reiter –  ho Leute – hey Reiter, immer weiter!»]

…während meine Finger in Deinen beiden Löchern spielen und Dir dann die Brüste massieren [also die Finger] bis es Dir das erste Mal so richtig [voilà – der ominöse Tittenorgasmus!] kommt… dann lege ich Dich auf den Rücken verbinde dir die Augen und spreize Deine Arme und Beine… ein paar Erdbeeren und Champagner träufle ich über deinen Körper und lecke und sauge die Erdbeeren überall auf… anschliessend geniesst du eine Tantramassage… nach einer Ruhepause geht‘s dann vom Vorspiel über zu einem wilden leidenschaftlichen und sehr ausdauernden Sex… meistens [!] sind wir beide immer mega verschwitzt und die Leute ringsum haben vieles [!] mitbekommen… zum Nachspiel darfst du dann wieder die Augen schliessen und eine ausgiebige Ganzkörpermassage geniessen.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 11:06: «Mann und Spa – in Personalunion!»]

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 11:15
«Seufzstöhn. Wie siehst du denn aus? Und wird Dir nicht kotzig, wenn der Champagner sich mit dem Badeschaum vermixt?»

Er (an mich) 14.10.2010 – 11:20
«Wieso, ist ja nicht giftig?! Macht ja nichts. Fotos anbei.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 11:35
«Holymoly. Das Foto im Taucher-Shorty ist gewagt. Bei der Masse. Und dem Eiertötzt.»
]

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 11:40
«Ich bin im Clinch. Das Pogramm [Freud’sches Amuse-Bouche] ist unschlagbar, fast, aber Du, leider so was von gar nicht mein Typ. Dile-Mmmmmmmh-amminonmal!»

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:10
«Bist Du wirklich so oberflächlich und naiv und beurteilst Menschen nur anhand von ein paar Pics??? Was nützt dir ein Model
[sic!] der keine Ahnung hat was eine Frau möchte und ihr nicht geben kann was sie braucht und im Bett eine Niete ist???»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) – 14.10.2010 – 12:30
«Nun… ja.»
]

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:12
«Ich bin seit 4 Jahren hier im XX
[netterweise verfremdet] und hab immer wieder sehr schöne Affären hier… hab schon oft gehört von Frauen wo [sic!] mir sagten, ich sehe ja viel besser aus als auf den Fotos… also ich bin nicht so oberflächlich und beurteile Menschen anhand von Pics… die Chemie muss stimmen… gepflegt sein und sympathisch… ok… it‘s up to you.»

Er (an mich)  08.10.2010 – 12:35
«übrigens hatte schon Abenteuer mit Models… also kann‘s so schlimm nicht sein… Bigsmile.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 12:39
«Unbestreitbar. Der Mann argumentiert mit Stahllogik.»]

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 12:40
«Krasseranz! So richtige Models, mit Laufsteg und Heftli und so? Und muss man denn einen Typen nicht (so klitorisklitze wenigstens) scharf finden, um ihn/ mit ihm vögeln zu wollen? Wenn nicht, wär das nämlich ganz gross und würde das Ganze vereinfachen, massiv, wenn so einfach alles durchginge. Was muss man da für Drogen nehmen für?»

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:48
«Also ich gebe sicher keine Namen raus… das ist Diskretion und Ehrensache… ein Model von Zürich und eines von St. Gallen… jeder Mensch hat was Schönes… und ich suche auch ein wenig Tiefgang
[!] zum mal gute Gespräche in der Badewanne führen und wo auch immer.»

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 14.10.2010 – 12:50
«Hä?»]

Er (an mich)  14.10.2010 – 12:51
«Für mich muss eine Frau nicht scharf aussehen… natürlich spielt das Optische ein wenig eine Rolle… Also wenn du 120 kg wärst würde ich Dir auch nicht schreiben… Aber eben die Chemie ist viel wichtiger… schade, wusste nicht
[schon gut, woher denn auch], dass du so oberflächlich bist… mega schad… aber selber schuld… verpasst einiges.»

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 13:00
«Ach, gibt es in St. Gallen auch Models? Sind das die so genannten Ostblock-Chicks? Und Shiseido find ich ganz gut, kennst Du? Die sind zwar glaubs mit Tierversuchen, aber so schlimm ist das nicht, oder schon? Und was für Badewasserzusätze verwendest Du? Auf manche Dinge bin ich nämlich allergisch (Peperoni zum Beispiel) und anderes mag ich nicht so (Kefen, Champignons).

Worüber magst Du denn in der Badewanne sprechen, tiefes? Und wenn Du meinen Fuss leckst, kannst Du denn da überhaupt reden dazu? Sagt man nicht auch, Männer seien des Multitaskens ohn-mächtig? (schade übrigens, dass der Genitiv ausstirbt, ich find das Wort so sexy: Genitiv. Genitiv. Genitiv. Macht mich ganz badewasserwarm. )

Turnt es Dich denn an, wenn die Frauen mit Tiefgang reden und Du währenddessen zwischen den Zehen Schaumblasen durchpustest? Das ginge dann fast besser mit Abwaschmittel, aber das hat meine Vagina nicht so gut vertragen. In der Vergangenheit zumindest. Seither habe ich eine Putzfrau.

Ich quatsch gern über Ontologie. Und ich mag es lieber im Dunkeln. Aber dann würd ich Deine Seifenlaugenblasen nicht sehen können, und ob Du mir den Nagellack vom Zeh kaust. Das wäre schade, hab ich ganz frisch bei der machen lassen vorgestern, bei der Schminkbar, kennst Du? Da sind manchmal auch Models, wenn man viel Glück hat.

Ha! Ohne Licht wär natürlich auch cool, weil Du mir ja nicht gefällst. Weil angeheizt hast Du mich tierisch, ich geb’s zu, ich lese Dein Mail wieder und wieder und wieder durch. XXX»

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 13:20
«Hast Du nicht zufällig einen Kollegen mit dem gleichen Angebot wie Du? »

Er (an mich, ungebeten) 14.10.2010 – 13:24
«Schad bisch so mega oberflächlich und naiv.»

Er (an mich, total unnötig)  14.10.2010 – 13:25
«Aber zum Glück sind das die wenigsten Frauen.»

Ich (an ihn) 14.10.2010 – 23.00
«Exgüsi, dass ich so oberflächlich bin. Das ist eine der Eigenschaften, die meine Freunde so an mir lieben. Denn sie sagen alle immer: dumm fickt gut. Daran denke ich nämlich ständig.Fickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenfickenficken. Exgüsi.

Darf ich noch mal? Ficken. So, jetzt ist es besser. Exgüsi.

Wenn Du mich nicht willst: hast Du denn einen anderen (hübscheren!) Kollegen mit einem ähnlichen Programm – es dürfte auch noch ein wenig weniger stereotyp sein, wär mir auch egal, bei so Sachen bin ich nicht oberflächlich.)»

Er (an mich)  14.10.2010 – 20:48
«Lach… sicher bin ich da alleine… ich bekomme fast
[!] jedes Mal im Bett Komplimente von den Frauen sie hätten noch nie so schönen zärtlichen Sex erlebt… hatte auch schon Affären mit zwei Bi-Frauen die unabhängig voneinander sagten, sie hätten noch nie einen Mann gehabt der so gut lecken kann wie eine Frau…

Einen zärtlichen Kuss hinters Ohr und auf Deinen Nacken…  kannst ja schon mal das Badewasser einlassen… die Kerzen parat stellen… ich nehme den Champagner und das Massageöl mit… hätte heute Abend Zeit und Lust sowieso immer…
Bacio S*
[netterweise verfremdet] 079 XXX XX XX [netterweise verfremdet]»

Er (an mich, schon wieder)  14.10.2010 – 21:24
«was ist denn nun???  Bist du wirklich so mega oberflächlich und naiv und hast so wenig Tiefgang??? oder doch mal Lust auf einen Drink unverbindlich zum beschnuppern? Schreib mir ein SMS und wir machen was ab…
LG, S*
[netterweise verfremdet] 079 XXX XX XX [netterweise verfremdet]»

Ich (an ihn) 15.10.2010 – 23.32 Uhr
«Das mit den Bi-Frauen find ich krass, das hat mich jetzt grad wieder (und noch mehr!) angemacht. Was ich aber nicht verstehe: wieso akquirierst du  eigentlich hier, wenn Dir die Weiber nur so auf die Zunge fliegen?»

Er (an mich)  15.10.2010 – 23.32 Uhr
«Akquirieren… lach… das mache ich im Geschäft…
[ich will es gar nicht wissen, nein] hier bin ich aus Plausch und Fund… Bin seit vier Jahren hier und suche immer wieder schöne Affären… hatte eine schöne Affäre mit einer von Bern die nun leider zu Ende gegangen ist…

[Dani (in ihrem Köpfchen drin) 17.10.2010 – 16.24
«Ojemine.»]

… und deshalb suche ich wieder … hier suchen viele nur das eine… oder bist du etwa wirklich so naiv und glaubst hier eine feste Beziehung zu finden??? Noch was… wie gesagt ich muss nicht so schlimm aussehen wenn ich auch schon Affären hier hatte mit Models… und beim Sex hat man ja oft [!] die Augen zu und geniesst… lautlach… schad bist du so mega oberflächlich und naiv… ich würde dich gerne verwöhnen… ich bekomme immer wieder Komplimente von Frauen die sagen sie hätten noch nie so schönen zärtlichen Sex gehabt… und immer nur selber die Muschi reiben ist doch langweilig oder nicht? 079 XXX XX XX [ich verkauf die Nummer für 20.-!] einen zärtlichen Kuss hinters Ohr.»

Er (an mich), 17.10.2010 – 23.44
«Wirklich so oberflächlich und naiv? Was arbeitest du denn?»

Ich (an ihn) 17.10.2010 – 16.27
«Das find ich eine gute Überlegung, dass ich die Augen zumachen könnte, damit ich Dich nicht sehen muss. Hat das Berner Model das denn auch so gemacht?

Ich glaub ich bin schrecklich oberflächlich, manchmal reib ich mir sogar die Muschi nur an der Oberfläche also nicht mit dem Finger rein, so wie Du in Deinem ersten Mail geschrieben hast, dem, das mich immer noch so schrecklich heiss macht, wenn ich es wieder lese (ich hab‘s sogar ausgedruckt und im Portmonnee dabei. Dein Foto hab ich mir aber nicht ausgeschnitten, Exgüsi, Du weisst ja… aber es bringt nichts, wenn ich die Augen zumache beim Zahlen, dann würd ich ja die falschen Nötli erwischen unter Umständen.

Ich habe auch viel überlegt wegen dem Oberflächlichen. Was arbeiten eigentlich normale oberflächliche Menschen? Sind das die, die den Models die Cellulite hinten rauf kleben? Oder Leute die Sachen machen wie Glatzenhaare knüpfen oder ihren Audi polieren?

Bist Du ein tiefgründiger Mocken? So wie die Apnoeaalwürger oder Scheidensekretsobjektträgerreiniger? Oder akquirierst Du die schönen Farben für die Nagellacke? RAL 3002 find ich scharf, an den Füssen. Aber nur wenn sie frisch gewaschen sind.»

Ich (an ihn) 17.10.2010 – 16.29
«Ach egal. Ich komm aber zu Dir. Heute, 10.30 pm? Passt? Wasser bitte 35.8° (Oberflächentemperatur).»

 

 

Ich (an ihn) 17.10.2010 – 16.33
«Ich bringe eine Augenbinde mit.»

 

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Loser Mummenschanz.

Blog 85, 22 September 2010

Vor einer Woche hab ich mich als CFO eines Multis aus dem Life Sciences-Cluster beworben. Dank (in Kooperation mit einem Grafikerschnuckel) hervorragend gefälschter Dokumente wie HSG-cum-laude-Abschluss, Doppelzwischenjahreskonfirmation einer Ivy League-Anstalt, MAS in Applied Ethics und zwei-drei sterngreifenden Arbeitszeugnissen durfte ich, halbwegs erwartungsgemäss, zum Hearing antanzen.

Bis ich gestanden habe, nebenher auch Tochter einer (in bis in die frühen 90er weit über die Landesgrenze hinaus) illustren transnistrischen Nobelnutte zu sein, empfanden es die noch weniger als nichtswissende HR-Tante und die beiden wohlstandsgebauchten Anfangsfünfziger nicht als adäquat, mich, durchaus nicht stillos, zur Tür zu geleiten.

Trau niemandem mit hautfarbenen Netzstrümpfen in chanelroten 600 €-Lackpumps. Denen mindestens der eine der beiden garantiert ein Tränchen nachvergossen hat.

*** Wenn sich in einer Lokalität eine Gruppe Weibswesen befindet, wird jedes Kontrastgeschlecht just in dem Moment, in der es zur Tür reinkommt, rauf-, runter- und einmal quer durch geröntgt. Innert einer Zehntelsekunde kann Mann so aufgrund von Gang, Gesicht, Grösse, Haarfarbe, Haarlänge, Händen, Haltung, Hosenart, Jacke, Sauberkeit, Schuhen, Schmuck, Socken etc. durch die Maschen fallen.

In dem Moment aber, in dem eine
«iLike»

sagt, donnert ein virtuelles Richterhämmerli und der Typ ist von ihr ‹besetzt›, und zwar so lang, bis sie,
«Ach, (der) ist (glaub) doch nix»
,

findet.

Absurderweise gilt diese unausgesprochene Regel aus dem Repertoire des female bonding sogar, wenn TypX sich offensichtlicher nicht weniger für Sarah interessiert als, sagen wir mal, für Sandra, wird diese – um es nicht mit Sarah (aber auch nicht mit Smilla, Sally, Sonja und Sugarbabe) zu verbocken (und zwar nachhaltig) TypX die eiskalte Schulter zeigen (respektive ihm darüber hinweg hilflos zulächeln) und auf den nächsten Fisch im Teich warten.
Begehre nicht das Filet Deiner Freundin oder ab in die Ecke, Besen! Seid’s gewesen.

Mögen sie manchmal allzu simpel ticken, lob ich mir hierin die Buben, die diese abstruse Form moralischer Sippenhaftbarkeit nicht kennen, sondern bei denen die einzige und oberste Regel ‹full & open competition› lautet und in deren Rationalität das ‹Zielobjekt› entscheidet – und nicht der Weidmann. Auch der Lochbruderparagraf kann – nach angemessen kurzer Karenzfrist – ausgehebelt, resp. aufgehoben werden, nicht wie bei uns, wo Sex mit dem Ex der anderen (und mögen die im Kindergartenalter kopuliert haben), generell ein Tabubruch ist, der mit einer gefühlten Steinigung vergolten wird.

Dieses ‹virtuelle Schnäbihalten› war mir immer zu blöd. Es mag wohl Ärger bringen, vom einen zu seinem besten Freund zu hupfen, Ringelpiezriesenspass.

Glücklicherweise vermehrt sich die Menschheit – und entsprechend die Durchlaufquote. Drum propagiere ich den Einzelkampf. Und rote Schuhe.

*** Du stehst vor Deinem Lieblingsclub und irgendwie stimmt was nicht. Die Masse der nach Einlass Geifernden scheint deplatziert, das Dings für die Krawattenträger wär am anderen Ende der Stadt, und wo kommt die Horde lärmiger Basler her, morgen ist doch Schule, bist Du am Ende die, die sich weigert, zu erkennen, dass das hier, wenn auch es noch nichts besseres gibt, die beste Zeit hinter sich gelassen hat, und Du hast die Wahl zwischen einem fünften, sechsten Wodka irgendwas und Raushier und Du ziehst, für heute Nacht, eine letzte Runde durch die verschwitzten Gesichter, von denen Du ab und an eins küsst, und auch sie zucken hilf- und ratlos die Schultern, gegen den in seiner Natur badenden Fortschritt ist wenig auszurichten. Adapt – or die.

In der geliebten Bäckerei, die Du nüchtern nie betreten würdest, weil sie ihrer Zunft, simmerehrlich, alle Schande macht, verlangst Du auch einmal mehr irgendwas mit möglichst hohem Fettanteil, tendenziell mit nach Karton schmeckendem Fleischnebenerzeugnis und schiebst das Velo, das Deine Freundin vor zwei Wochen bei Dir vergessen hat, lustlos vor Dir her.

Bei Perla kreuzt Du einen (glaub) gutaussehenden braunäugigen Typen mit ohrlangen dunklen Haaren und Du bleibst stehen und drehst Dich um und überlegst, wo er seinen Koksvorrat ergänzt hat, und er macht einen U-Turn und legt Dir die linke Hand in den Nacken, nicht gerade sanft, und Ihr knutscht etwa sieben Minuten lang, wobei das blöde Velo stört, weshalb Du es fallen lässt, und als Du zum ersten Mal richtig Luft holen kannst, beisst Du ihn in die Unterlippe, pustest ihm die Haare aus den Augen und schwingst Deine roten Schuhe elegant in ein Taxi.

Leichtigkeit des Seins.

Unerträgliche.

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Die Königsdisziplin.

Blog 84, 27. August 2010

Dass sich eine Single-Frau ein (nur bedingt familientaugliches) Haus kauft, ist eine post-feministische Erscheinung und/oder ausguthausbedingte Steuertechnik. Die Liegenschaft meiner Freundin Svet befindet sich ausgerechnet an einem Ort, an dem gemeinhin furzende kurzfellige, kastenförmige Beschäftigungsprogrammteilnehmer ausgesetzt werden. Der Ausblick ab Terrasse lässt dies sogar mich zwischenzeitlich vergessen. Und für die wenigen Male kann ich durchaus vorjährige Paare dem Pampaklater zuführen, das schafft zumindest Platz im Schuhzimmer.

An der frischen Luft mit einer Flasche Château de la Crée gibt’s Körper-Geist-Seelen-Trinity-Update.

«Zieht sich das perfekte Vögelnest rein, aber ohne Bussard? Kommschon! Wartest Du auf den Storch?»
«Weiss nicht. Es hat sich halt nichts ergeben.»
«Hat sich halt nichts ergeben! Quatsch hat sich halt nichts ergeben. Auf die Jagd, Mädchen, Pfeile in den Köcher und ab ins Wild!»

Adultfriendfinder mag sie dann aber doch nicht konsultieren, prüdes Ding.

«Und was machst Du hier abends, allein, Tee und ‹Friends› reinpfeifen? Oder Opernarien mitjaulen?»
Ertappt. Weidmannsunheil.

«Du verdorrst noch. Man verlernt’s zwar nie, aber der Fun-Faktor potenziert sich bekannterweise mit der Frequenz.»
«Ich üb ja schon.»
«Was üb ja schon. Allein?»
«Nun, ja. »

Svet gesteht, dass sie zurzeit an ihrer Lautstärke ‹arbeitet›.
«Immerhin – un projet.
Sollte hier ja kein Problem sein, wo Dich keine Schweine hören können ausser dem Bauer da unten.»
«Ich weiss. Probier ich ja.»
«Aber?»
«Geht irgendwie nicht.»
«Na dann lass doch mal hören.»
«Bist Du verrück?»

Dass wir vor dem Weissen ein paar Martinis gerührt haben, erweist sich als hilfreich. Ohne nennenswerten Widerstand lässt sie sich von mir abführen.

In ihrem Schlafzimmer (an dessem Dekor man die Männerlosigkeit ablesen kann, aber daran werden wir ein andermal arbeiten) deponiere ich sie an der Bettkante, wo sie wie ein verwaistes Blaukehlchen hocken bleibt.

«Lieber Küche? Bad? Wohnzimmerparkett?»
«Du bist verrückt.»
«Natürlich. Crazy fuckin‘ personal Dr. Sommer.»

«Und jetzt?.»
«Was wohl. Ausziehen – wenigstens untenrum!»
«Bist Du verrückt?»
«Dann bleibst Du halt angezogen. Ich geh jetzt vor die Tür. Und dann will ich was zu hören kriegen. Ich geb’ Dir sogar DB-Rabatt: das Fenster bleibt offen.»

«Du bist total verrückt»
,
wiederholt sie, aber ich rede noch zwei Minuten energisch auf sie ein, gehe dann raus, leere die Flasche und rauche drei Zigaretten, zwischen denen ich
«Lauter, Svet, verdammt! Sing für mich, Königin der Nacht!»

rufe.

«Und jetzt?»

Ich meine, ein zartes Stöhnen zu hören, gut möglich aber auch, dass irgend ein auszurottendes, balzwilliges rurales Getier aus seinem Loch gekrochen ist.

Kurz darauf kommt sie zurück. Im Bademantel. Mit leicht geröteten Wangen.

«Ich kann das nicht.»
«Na, war doch gar nicht so schlecht. Für den Anfang.»

«Jetzt Du.»
Trotziger Blick.

Ich parkiere mein Glas auf dem Tisch, stöckle ins Haus und schliesse Tür. Und das Fenster. Natürlich hab ich kein Equipment dabei (geht ohne, wenn auch weit weniger lustig, das Piercing als minimaler Fix-Pimp) und in ihren Schubladen lässt sich (natürlich) auch nichts finden.

Als ich zurückkomme, sitzt Svet aufrecht und mit hellroten Flecken am kafirahmhellen Dekolleté am Tisch.

«Das war ziemlich…»
«…gut.»
«Laut. Ziemlich… laut.»

Ich zucke die Schulter.
«Und da sind zwei Spaziergänger … vorbeigekommen.»
«Na und? Was hast Du gemacht?»


«Gewunken.»

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Date mit dem Gott.

Blog 83, 19. August 2010

[für J.V. und Virginia Woolfe]

Noch nie hatte Simone etwas ähnlich Verrücktes gemacht. Nur eine Ahnung, eine Idee hat sie gehabt, wer der Mann ist (oder sein könnte), den sie in sechs Stunden im Mauerpark treffen würde.

Spontan hatte sie ihn angeklickt, vor einigen Wochen schon, Freund eines Freundes, gefallen hatte er ihr, optisch und in Bezug auf was man sonst noch herauslesen kann (oder zu können meint) aus einem Bild, viel nicht, aber manchmal doch auch nicht wenig, und er hat sie über eine Landesgrenze hinweg geaddet (weil Männer unkritisch sind gegenüber Frauenanfagen, und digital spielt das ja ohnehin keine Rolle, umso besser können sie hier jagen und auch sammeln, kleine Trophäen in Form einer steigenden Zahl im Profil – und Simone hat durchaus etwas Reizvolles). Öfters haben sie von da an gechattet, spätnachts, sich ihre eigene kleine Bühne gezimmert, in der sie Romeo und Julia aufführen und ihr eigenes und einziges Publikum waren. Viel wusste sie dennoch nicht über sein Leben – und er nicht über das ihre.

Nun nehmen derlei Geschichten ja zweierlei Ausgänge; entweder sie nutzen und spülen sich ab oder waschen sich aus, oder aber sie schlängeln vorwärts, holprig, stockend oder preschend, unaufhaltsam aber letztlich (retrospektiv zumindest) immer voran, auf etwas zusteuernd, was durchaus seinen Platz, und vielleicht sogar seine (höhermächtige?) Richtigkeit hat.

Simone (– ob es sich für ihn ähnlich angefühlt hat, wissen wir nicht) war irgendwann zum einen von einer Ungeduld erfüllt, zum anderen (was mit ihren aktuellen Lebensumständen zusammenhängen mag, aber da soll niemand drin rumpsychologisieren) abenteuerlustig und (bis zu einem bis dato ungewohnten Grad) risikofreudig.

So schrieb sie ihrem Prinzen (der zu diesem Zeitpunkt objektiv nicht viel mehr war als ein elektronischer Brieffreund) eines leicht verregneten Nachmittags:
«Ich habe einen Flug gebucht. Komme Freitag in drei Wochen. Fliege Samstagabend zurück»,
was (verzeihenswerterweise) gelogen war, denn sie hatte den Tab von AirBerlin noch offen und wartete auf seine Antwort.

Dass sie dabei die Initiierende war von beiden, machte ihr nichts aus, und sie war auch bereit, das Ergebnis, wie auch immer es herauskommen mochte, zu tragen.

Als nur wenige Minuten später sein

«Ground Control: Sturmfrei gebucht»
aufpoppte, machte ihr Herz (und nicht nur das) ein Sprünglein und sie fragte sich lächelnd, mit welcher Erklärung er seine Wohngenossin ausquartieren würde.

Von da an änderten sich Inhalte und Tonalität ihrer Hin- und Hers. Manchmal waren sie schrecklich alltäglich (möglicherweise, wenn sich bei beiden eine Unsicherheit einschlich, schliesslich ist der unangenehme Fall, dass man jemandem gegenübersteht, den man olfaktorisch nicht erträgt, allen geläufig, und Simone hatte schon darüber nachgedacht, ein Hotelzimmer zu reservieren, als emergency backup sozusagen, hatte sich dann aber gesagt, dass zwei (halbwegs) Erwachsene fähig sein sollten, Unangenehmes offen zu kommunizieren). Daneben gab es aber – spätnachts, meist – durchaus auch ‹Parental Advisory-Dialoge›, nach denen Simone sich (unnötige) Gedanken darüber machen konnte, ob er nicht zu viel (in sie?) hineinprojizieren könnte oder sie ausserhalb des virtuellen Raumes keinen Weg finden würden, in diese köstliche Lust hineinzufinden, derer sie (alleine in Gedanken an ihn oder über die Tastatur mit ihm verbunden) fähig war und die sie manchmal selbst erstaunte und überhaupt, war es ja möglich, dass sie im entscheidenden Moment gar keine verspüren würde oder (noch schlimmer) sich bei ihm nichts regen und bewegen könnte.
Darüber, ob er dem Ganzen mit der vertrauensvollen Unbekümmertheit der Unterdreissigjährigen gegenüberstand, ist nichts bekannt.

Irgendwann war der Tag endlich ins Feld gerückt, und auf mein Anraten hin hatte Simone eine Flasche Becherovka im Gepäck, womit es sich sehr rasch entspannen lässt, und mit der man sich, wenn nötig, angenehm effizient in die Bewusstlosigkeit befördern kann.

«Wird Herzbube Lustknabe?»
tippte sie in der Abflughalle in ihren Status-Update und war beruhigt, als sein
«iLike»

(ist das erstaunlich?) innert Minuten folgte, wie auch zwei Kommentare von anderen, die, (einmal mehr) zu wenig Ahnung hatten, um was es eigentlich geht, aber das kümmerte sie nicht, die jetzt in Gedanken noch einmal ihr Gepäck durchging, aber ja, sie verfügte über Tenue-Optionen für verschiedene Szenarien.

Vier Stunden später erschrak sie einen Moment darüber, dass sie ihn wohl nicht erkannt hätte, wenn er nicht (wie angekündigt) das fastschwarze T-Shirt mit dem dunkelvioletten Siebdruck angehabt hätte und eine Antwort auf die Frage, wie man sich in einer solchen Situation begrüsst, steht ja auch nirgends, aber die beiden haben es elegant umschifft, indem sie auf seinen ziemlich formvollendeten Kniefall

«gänzlich zu Ihren Diensten, Mylady»
mit dem passenden Knicks replizierte und sich eine erste Zweideutigkeit verkniff, die er (falls er gewollt hätte) ihren Augen hätte ablesen können.

Seit Tagen schon waren Simones Innenarmflächen empfindlich, als ob sie einen Bund Brennesseln umarmt hätte, nur angenehmer, köstlich-süss, und in dem Sekundenblick, mit dem sie ihn scannte, während sie sich in die Augen lächelten, setzte das Kribbeln wieder ein und sie wusste:
I got you, Babe.

Ob er ähnliches voraussah, entzieht sich unserer Kenntnis, etwas unsicher gingen sie nebeneinander her. Da sie kein Programm abgemacht hatten, war darüber zu verhandeln und sie zögerte einen Moment (zu lange) damit

«lass tun, weshalb ich gekommen bin»,
zu sagen und damit war ein Geleise rangiert und sie mussten nun diese (meist etwas mühsamen) Hürden des Kennenlernens nehmen.

Nichtsdestotrotz (und abenteuergewiss) wurden die folgenden Stunden zu einem leichtfüssigen Fandango, Simone war die arme, sexy Stadt einigermassen bekannt und das Tor, der Turm oder das Mal waren (glücklicherweise) weder Pflicht noch Kür, stattdessen stolperten sie vom Kaffee über den Drink in eine Flasche Weisswein mit Fleischspiessen von diesem Türken, den sie in einem speziellen Reiseführer entdeckt, und den er noch nicht gekannt hatte. Dann, um halb zwölf etwa, folgte der zweite etwas komische Moment. Sollten (und wollten?) sie nun weiter ziehen, in die Nacht hinein (und dabei wohl lustiges erleben, aber auch Zeit verlieren) oder gälte es, ohne weitere Verzögerung Jovis’ Wohnung anzusteuern?

In der kleinen Bar (Fuchsbau?) versteckten sie ihre grosse weisse North Face-Tasche. Er kannte da und dort Menschen, und ihr machte es Spass, im Wissen, dass er später ihr, und nur,  gehören würde, zu beobachten, wie er sprach, gestikulierte, sich bewegte. Dann fiel ihr der tschechische Trunk ein (nicht, dass mehr anregende Aufheiterung nötig gewesen wäre), und sie checkte ihr Gepäck kurz aus, um ein grosses Glas mit dem edlen Saft zu füllen und sich am Tresen drei Eiswürfel zu erschleichen.

«Trinken»,
hielt sie ihm das Glas hin, und als sie kurz darauf vor der Tür rauchte, verstand sie nichts mehr von der Geschichte, die er erzählte, blieb mit Blick und Verstand an seinen Lippen hängen, und als sie sich beim Hineingehen drehte, lief er ihr praktisch in die Arme ein Anfang war,, endlich, gefunden und so standen sie da, anderen im Weg, bis die sie abgedrängt hatten, an den Rand und blieben eine gute Stunde wohl der wortlosen Kommunikation beschäftigt. Sie wurde erst in den nun wummernden Lärm zurück gestossen, als er

«gehen wir»
sagte und ihr das T-Shirt wieder über die Nieren zog.

Im Taxi meta-morphten die Strassen Berlins in den Rodeo Drive, beim Aussteigen musste sie ihren rechten (?) Camper-Schuh unter dem Fahrersitz suchen. Zwischen Tür und Angel presste er sie gegen den Hohlrahmen und streifte ihr Rock mitsamt Unterwäsche ab, irgendwas hätte sie aus der Schublade ziehen können am Morgen, dachte sie, als er vor ihr (zum zweiten Mal, aber viel länger) knien blieb, aber sie hatte (natürlich) das Exklusivste ausgewählt und konstatierte amüsiert, dass sich das Ganze genau so, wie sie sich das gewünscht und besser noch, als sie es sich vorgestellt hatte, entwickelte und sie mochte seine Zunge (sehr) und seine Hände und den Geruch seiner Haare und seiner Haut hinter dem Ohr und in der kleinen Vertiefung zwischen Hals und Oberarm (in der später ihr linker Fussknöchel zu liegen kommen würde).

Wer von beiden sie und ihn ganz ausgezogen hat, kann sie heute nicht mehr sagen aber sie erinnert sich noch, wie sie (wer hatte die Haustüre zugemacht?) auf dem Boden lagen, knieten und rollten und ist sicher, ein wütendes Klopfen eines erbosten Nachbars gehört zu haben, das aber durch die Geräusche ihres nicht abreissen wollenden Taumels, den sie endlos scheinbar weiter nähren konnte (und sie wollte!) wohl nicht so beantwortet wurde, wie sich das der oder die in seiner oder ihrer Nachtruhe Gestörte gewünscht hatte. Es galt aber einzusehen, dass hier ein Gefecht tobte, bei dem höhere (oder niederere) Mächte im Spiel waren als die eigenen Mickrigkeit.

Haben die beiden gesprochen dabei? Viel sogar (mir unerklärlich), erzählte Simone, mehr als das sogar (ich erlaube mir, die Episode mit den Aprikosen an dieser Stelle auszuklammern), auch gelacht, während und dazwischen, und meist nicht mal beim Positions- oder Raumwechsel, aber zum Beispiel, als er

«drops of Jupiter in her hair»
sagte.

Der dritte komische kurze Moment war, als sie aufwachte, an fremdem Ort, auf dem Arm eines (nicht mehr so) fremden Mannes neben ihr, aber dann freute sie sich ob der Erinnerungen an die Ereignisse der vergangenen Stunden, stand auf, duschte und trank ein Glas warmes Wasser, bevor sie begann, ihn wach zu lecken.

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