Roll mir den Teppich, Baby.

Blog 82, 9. August 2010

(für Luke Redford)

Silly hatte ihre Tage. Nach dem siebten Aperol Spritz (oder waren’s doch nur sechs) hat sie dies total vergessen, erst als Marcel ihr gerade einen Finger zwischen die Li
«Schon jemand drin!»

* * * *
Ich mag das, wenn Ereignisse sich ausrollen wie türkische Teppiche (frau darf sich auch eine Yogamatte vorstellen).

Gebannt schaue ich der spastischen Eurythmie der silbernen Tags auf der gedeckt orangen Wand zu. Der Mix aus Goldschläger/Appenzeller-Shots, Vodka Züriwasser und eher lausigem Schaumwein zeitigt interessante Effekte. Am High-tech-Lavabo krieg ich das Wasser nicht zum Laufen. Auch das Trocknen meiner langen nassgeschwitzten Nackenhaare ging einfacher vor dem total take-over von Dyson. Neben mir tupft sich eine Rothaarige Hautfarbe auf den linken Nasenflügel.

«Ai kisst a görl, and ai liketitt»,
flitzt ein halshoher Wirbelwind herein, deren Händen sich der Bewegungssensor nicht verweigert. Die Rote und ich sehen uns über den Spiegel hinweg an. In der nächsten Minute knutschen wir heftig, dann wendet sie sich wieder ihrem Bobbi Brown-Tiegel zu. Ich gebe das Haarprojekt auf. Statt dessen schreibe ich Cyril ein SMS, es muss gegen halb fünf gehen, der Club nie recht voll, alles der Herde hinterher down to Greece, und als ich aufschaue steht da ein auf sein Smartphone fixierter Lockenbube.

«Dir schreib ich grad.»
«Dich ruf ich grad an.»
«Dann geb’ ich Dir doch besser die Nummer.»

Nach fünfzehn Fehlversuchen krieg ich sie endlich in mein Handy getippt. Brav schreibt er ab.
«Hallo?»
«Hab ich dich.»

Berliner ist er, und die mag ich, die Berliner, nicht nur zum Aussaugen.

«Ich hab Lust, Dich zu küssen»,
sagt er und ich zucke mit der Schulter und ich frage mich, einen Moment nur, warum wir uns dazu in der mittleren Kabine einschliessen, wo Obszönitäten an die Wand gekritzelt sind, aber o.k., und ich schliesse die Augen, damit «Vera mag ficken» und «Frauen sind besser bestückt» aufhören, auf und ab zu hüpfen wie die Icons auf meinem Notebook.

Erstaunlich lange gibt sich der Spreesurfer mit dem Geknutsche zufrieden die Gspänli oben fallen mir ein aber ich lass den mal weiter machen jetzt hat er doch schon seine Hose offen und meine auch gar nicht mitgekriegt mache ich jetzt die Augen auf damit ich nicht kotze wegen dem Schwindel und pendle zwischen dem Lustsog (frau darf sich Kundalini-Sexpower vorstellen) meiner blattgoldpatinierten Synapsen und einem profanen Lachanfall.

«Besetzt»,
will ich grad sagen, aber er hat’s selber schon kapiert und es ist ihm egal

«ich will Dich da küssen»
und ich schüttle den Kopf was ein molto vibrato im Hellrot verursacht und einmal mehr kapituliere ich, und schon reibt sich eine geschwollene Eichel an meinem Bauchpiercing und ein Haken  dringt in mein rechtes Schulterblatt ein.

Auf ein ‹Ja!› antwortet ein ‹Au!›, aber der Schmerz hört auf weil er mich verschoben hat und – zuerst verstehe ich «Chemmeribodebad» und denke an Meringues – aber er beisst

«ich komm’ gleich»
in mein Schlüsselbein und ich zucke, wieder, mit der Schulter, auch, als er
«wohin soll ich»

fragt, muss ja eh alles in die Wäsche, aber als ich endlich wieder fokussieren kann, versinkt   – und ich denke –
«wie rücksichtsvoll…»
,
der Mundvoll kondensmilchartiger Flüssigkeit langsam im Standwasser, drei ungleich grosse Tropfen verzieren schillernd den Rand und er will mich nicht davor hinknien lassen, aber ich darf ein Foto machen und auf der Treppe nach oben fällt mir endlich ein, wem die indigoblauen Boxershorts gehören, die die Putzfrau letzte Woche zusammengefaltet auf mein Bett gelegt hat.

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Ray Ban Snob.

Blog 81, 20. Juli 2010

Letztes Wochenende hab ich mich zu was total Idiotischem überreden lassen.
Wandern.

Excuse me?

a)    kann ich früh aufstehen auf den Schlaf nicht ausstehen.
b)    ist functional clothing (Wanderschuhe!) total no-go.
c)    sind die Ozonwerte in den Bergen viel zu tief.
d)    verschwitzte alte Leute besichtigen?
e)    rauf und runter ist total ok. Aber ohne 3-D-Kulisse
f)     gibt’s auf ‹Berggasthöfen› keine anständigen Drinks

«Stell Dir mal vor, Du wärst flexibel!»
«Es wird bestimmt
toll!»

Ich hätte es besser wissen sollen.

«Also gut. Unter drei Bedingungen: 1) ich trage keinen Rucksack 2) kein OeV 3) wir starten nicht vor 11 4) es wird nicht gesungen 5) ich hab ganz übel was gut. Bei jedem einzelnen von Euch.»

Um halb zehn muss ich parat stehen.

Wortkarg sitze ich mit spiegelverglasten Augenringen im Silberflitzer. Gutlaunigkeit ist eine Todsünde. Bis mindestens Mittag.

Irgendwann steigen wir irgendwo aus. Es ist neblig.

«Hab ich’s doch gewusst!»

Sie tauschen ihre marineblauen Espadrilles gegen klobige Lederschuhe, hantieren mit Tupperware und Aluminiumklumpen und gebärden sich, als ob sie einen neuen Kontinent kolonialisieren würden. Zwei haben sogar Stöcke dabei. Ich hab mich gestern noch zu einem Kompromiss durchgerungen und was passables gefunden: Sandfarbene Wüstenstiefel von AIGLE, très cool, und sie erinnern mich an die Palladium, mit denen wir mit vierzehn billiges Bier in der Wohlgroth getrunken haben.

Los geht’s! Hurra!

Sie stochern mit Stecken zwischen Steinen, schwätzen ständig, verziehen wird er sich wohl, der Nebel, bestimmt haben sie nur aufs Züri-Wetter auf Radio 24 heut morgen gehört, City Slicker allesamt, was hab ich hier verloren.

Und dann geht’s bergan. Nach 15 Minuten schon.

Sie lieben es. Das Grün des Waldes, das Grau der Kiesel, das Violett vom Geissklee links. Ich hab einen Schlammfleck auf den Aigle.

Endlose 45 Minuten später sind wir auf der Alp. Looch heisst sie, und ein Loch ist’s, ein dreckiges, ein Kuhstall direkt neben der Küche, ja klar, trinkt ihr Milchkaffee, ich nehm zwei Möhl, anders ist’s nicht machbar, und ein drittes und ein viertes auf den Weg, nachdem wir uns beim Bislen allesamt ob der Bildli, die Toni, der Alpwirtbauer, an die Gäste-WC-Wand gepinnt hat, erfreut haben, schnittige Chicks in satinierten Jane-Fonda-Slips und Gummistiefeln, eine Landwirtschaftsmaschinenbau-Pirelli-Verstümmelung.

Toni, ein etablierter Alki, schiebt mir zum Abschied zwei mit Williams gefüllte Schokobomben zwischen die äh, Finger, Sugardaddy du, Loch-Toni von der Grüsel-Alp, wie der Sonntagsblick den Ernstfall betiteln würde.

Dann der Scheiss-Bergrücken. Leistgrat, Leistkamm, Leistwasauchimmer, Last ist das, eine, aber richtig, Leidensgrad, da nützen auch die Gedanken an Dominiks schön geschwungene Leistengegend nur ganz kurzfristig.

Ach ja, hab ich schon gesagt, dass es neblig war? Neblig und etwa 12° – und jetzt gerade Zeit für meinen dritten Cappuccino und die NZZ am Sonntag von irgendwem ans Bett gebracht? Stattdessen noch mehr Dreck auf den Aigle, drei total unnütze Kühe mitten auf dem Pfad und die anderen immer noch total übermotiviert.

«Wisst ihr was? Ihr könnt alleine da rauf. Ich geh zurück auf die Loch-Alp, zum Grüsel-Toni und seinem Porno-WC.»

Und das mach ich dann auch. Während kurzer Nebelpausen seh ich sie noch am Hang irgendwo, die leuchtrote Windjacke von Sylvie, Mikis hellblaue [!], atmungsaktive und schmutzabweisende Trekking[!]-Hose.
Dann verschluckt sie der verhangene Himmel.

Von Anni ist nichts zu sehen und Toni freut sich, dass ich zurück bin. Nix Sonntagspresse hier, natürlich, stattdessen trinke ich zwei Kafi Looch, und er textet mich voll, bis ich die Locken aus dem Gesicht streiche und er die weissen Kopfhörer entdeckt. Dann ist Ruhe, endlich, und ich falle in einen möhligen Dämmerschlaf.

Das ist mein fünfter (sechster?) Schümlipflümli. Porno-WC-Toni weibelt fleissig zwischen Stallküche und Terrasse hin- und her, ich bin sein Platin-Kunde, sein goldenes Kalb.

Eineinhalb Stunden später sind sie zurück, die Gipfelstürmer von der Hardcorefront. Mit kalten Nasen, Sandwichkrümeln in Pedros Bart und bis an die Knie verdreckten Hosen. Und einem glücksähnlichen Grinsen zwischen roten Bäckchen. Wie süss.

Den ‹Abstieg› find ich dann ungeahnt witzig, besonders das Rutschen der Wüstenstiefelchen auf dem feuchten Gestein, Hoppla!hie, Hoppla!da und ich sitze auf meinem brandneuen ACNE-Hosenboden und Sylvie hält eine Wasserflasche in der Befehlshand.

«Austrinken.»

Sehr lustig, das alles, inspirierend, beschwingend.

Eine Gruppe kommt uns entgegen. Drei Pärli bestimmt und sicher keine Flachländer. Karohemmli, beige Multifunktionshosen mit Beinabnahme. Stramme Wadeln, die Damen, leicht behaart. Hicks!

Mit einem Fundstück in der Luft dirigierend versperre ich ihnen den Weg.

«Herrliche Berge, wonnige Höhepunkte, Bergvaganoven seid Ihr, ja Ihr!»

Keine Reaktion.
«Und jetzt Alle: Herrliche Berge…»

Sie drängen sich vorbei und mich vom Weg ab.
«Typisch Züri-Chick.»

«Was hast Du gesagt?»
Ich bin möglicherweise ziemlich laut.

«Ja! Wahr ist‘s! Ich bin ein verdammter Ray-Ban-Hiker! Und geh nur dein Alphorn reiten; Käseplättli-Fresser!»

Miki hält meinen erhobenen Arm fest und nimmt mir den Stecken weg.

Sie hätten es besser wissen sollen.

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Gewagtes Sprüngli.

Blog 81, 12. Juli 2010

Nach einem ausgedehnten Rückzug von der Stadthitze (die Gemeinde Klosters kann per sofort von der Karte gestrichen werden) habe ich zu Hause einen Brief im Kasten liegen gehabt.

«Brauche dringend Deine Hilfe. Love, Leslie.»

Meines Vaters Schwester. Hat total einen an der Waffel. Seufzend rufe ich zurück.

«Was denn los im Staate Dänemark?»
«Ich will jetzt ins Online-Dating einsteigen.»
«Ins Oneline-Dating-Business?»
«Nein, natürlich ins Online-Dating-Dating.»
«Und François?»
«Was soll mit François sein?»
«Was mit Deinem [zweiten] Mann sein soll?»
«Nun, der lebt ja auch nicht ewig.»

Bestechend.

«Hast Du Dir endlich einen Computer gekauft?»
«Natürlich nicht!»
«Wie stellst Du Dir das Online-Dating-Dating denn vor?»
«Eben, deshalb rufst Du mich ja an.»

Wie Recht sie doch hat.

«In plain text: Ich soll für Dich nicht nur einen Online-Dating-Dating-Account einrichten, sondern den auch grad noch bewirtschaften und Dir per Fax oder Telefon rapportieren?»

«Natürlich nicht per Fax!»
«Sicher. François lebt ja noch.»
«Zwei mal die Woche, schätze ich?»
«Mindestens.»

Perfect Shit. Drei Tage später hab ich einen neuen Brief von Auntie Les im Kasten. Mitsamt Bildli im dekolletierten silberschwarzen Oberteil mit Spitzenbesatz, Hochsteckfrisur und professionell entfernten Altersflecken. ‹Rohrspatz› hat sie sich als Alias ausgerechnet ausgesucht. Auf ‹Nachtigall› beharrt sie dann aber hartnäckig.

Zum Glück gibt’s in der Alterskategorie weit weniger Aktive als in meiner. Im Dreitagestakt meldet der Messenger hin und her, wer wie was gewollt hat, und ich nehme die gnädigen Antworten entgegen. ‹Sergio57› und ‹HotMaxx› darf ich nach kürzester Zeit ihre Mobilnummer angeben.

Mit den Perverslingen in ihren frühen Post-Teenie-Jahren, den Omafickern treib ich meine privaten Spässchen.

Am Samstagnachmittag surf ich mich aus lauter Langeweile quer durch meine eigene Peer-Group. Die Jungs werden sich wundern ob der alten Schachtel, die in ihren intimen Daten rumspioniert hat. Das mit dem Anstupsen und Zuzwinkern lass ich aber sein.

Nach Kandidat 223 (von über 500) hab ich die Nase voll.

Eine Woche später eine üble Überraschung.

Gio.
Was zum Teufel macht der hier?

«Offen für Abenteuer.»
Was zum Teufel will der – von meiner Tante Leslie?

Hier Mitglied seit zweieinhalb Monaten.
Und seit dreieinhalb Jahren (theoretisch zumindest) ‹vergeben›.
An Siena. Die 21jährige Schwester von Dave.
Einem meiner besten Freunde.

Sein Mail an Tantchen ist ziemlich explizit. Leslie hätte heisse Öhrchen.
Na dann bringen wir die beiden doch zusammen.

Es gibt nur einen Ort.

Gio beisst sofort an.

Vier Tage später. Nach ein wenig Negligé-Naschen im Grieder rufe ich Leslie an.

«Bin in 10 Minuten da.»
«Ich habe unseren Stammplatz an der Bar reserviert.»

Auftritt Gio auf dem Velo heranfahrend.
Abtritt Gio ins Innere.
Ob er sich freuen wird ob meiner kleinen Interruption?

Vielleicht bring ich ja ein paar Luxemburgerli mit.

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Nein Danke.

Blog 80, 25 Juni 2010

Wünsche haben wir ja alle. Was der einen die Doppelgarage ist dem anderen die Job-Offer aus Boston, die brünette Slowenin aus der Sonne im Donnerstags-Abo, die Herabsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Rückkehr der Gesundheit, das iPad ohne Fettfingerabdrücke, ein zweiter String zur sternhimmeldunklen Kombi von Agent Provocateur, Frieden für den nahen Osten (inklusive Nordkorea), weniger Verlust bei Börseleien mit Devisen und so weiter und so fort. Und dann sind da auch all die ureingepflanzten, in die Wiegen geleerten, in Form von kleinen Kapitänen, Primaballerinas, Lokführern, Kinderärzten, Tierärztinnen, berühmten, singenden (natürlich!) Schauspielerinnen und Sexgurus.

Und dann gibt’s da noch das mühevoll nur gehauchte ‹Jaaaaaaaaaaaaa!!!› im schwanweissen Hochzeitskleidli. Hier löst mit zwanzig ein eher lordoftheringy-ish schlicht direkt unterhalb der Brust gen Boden gleitendes Gewand das 25-Meter-Tüll-Mary-Poppins-Petticoat ab, das so blöd dicke Waden macht. Aber auch dies gehört zum Prozess, das jahrelange Window-Shopping bei Pro Nuptia & Co, wo man das ganz links dem zweiten von rechts vorziehen würde, wenn’s denn jemals so weit kommen wird, worüber natürlich keine Zweifel bestehen.

Dabei sind wir (weiblich, ledig, ü30) innerhalb der vergangenen zwölf Jahre mit höchster Wahrscheinlichkeit schon einmal vor die Entscheidung gestellt worden, die unser ganzes Leben verändert – und, da wir immer noch da sind, offenbar verdorben – hätte. Bei dem Antrag (umgeben von der lächelnden Wärme eines südthailändischen Sandstrandes, an einem dieser späten Nachmittage, an denen man nicht recht weiss, was noch mit sich anstellen, das war noch vor den Smartphones) ist er zum Glück nicht auf die Knie gegangen, sonst hätten etwa eineinhalb Tausend Menschen das ‹Nein› bezeugen können.

«Willst Du mich heiraten?»
… an den exakten Wortlaut erinnere ich mich nicht, aber so viele Spielarten gibt’s bei dem Game ja nicht.
«Nein Danke,»
hab ich nicht gut sagen können, sonst wär er in der Nacht nicht mehr in mein Bett gekommen, aber das war doch in etwa die Quintessenz meiner Replik auf die leidige Sache, und wir haben den Gegenstand dann auch ruhen gelassen, erst beim Schlussmachen hat er sie aufgetaut, die Schmach, ich hatte es schon gänzlich vergessen.
Hab ich damit meine einzige Chance vertan?

In den letzten Jahren, wo alles sich bandelt und bindet, schwengelt und schwängert, ist er – unter Frauen – ein grosses Thema, ‹der Antrag›, Passepartout in den Hafen.
«Und, hat ER Dich gefragt?»
(…so, wie sich das gehört, IM FALL!!)
Und auf die richtige Antwort folgt dann das
«Jöööö, so herzig!»

Was anderes ist gar nicht vorgesehen in der Szenerie.

Da gibt’s die, die beim Güselrausbringen total casual ‹darüber› reden, neben denen, die schwanger werden und sich absichern müssen und denen mit den so richtig ‹kreativen› Anträgen mit Pomp und Gloria, dem Ring, der im Sushi vorbeifährt, der Rosenblütenschrift im Badezimmer und all den romantischen Mätzchen, bei denen mir so gern die Kotze aus den Ohren rinnt.

http://www.heiratsantrag.ch ist ein wunderbarer Tipp für Männer mit Fantasietotgeburten.
Von den Top-Ten ist wirklich keiner abschlagbar, wahnsinnig gemäss meinem Gusto.

N° 1: Der Heiratsantrag mit einem Flugzeug: «Ihr(e) Liebste(r) fliegt gerne in einem kleinen Flugzeug; vielleicht auch in einem Doppeldecker? Überraschen Sie ihn/sie mit einem Ausflug an den Flugplatz!»
Unglaublich, nicht?

N° 2: Dasselbe im Heissluftballon .
Aber kostenoptimierter.

N° 3, der Blumen-Klassiker, sehr originell: «Welche Frau hat nicht gerne Blumen? Sie gehen in ein Blumengeschäft, welches Sie gut kennen, oder bei dem Sie bereits schöne Sträusse bekommen haben. Sie bestellen einen Blumenstrauss der besonderen [!] Art, rote Rosen [sic!], weisse Callas, Orchideen oder Sonnenblumen [was’n das?]. Je nach Jahreszeit oder Lieblingsblume der Freundin wird die Blumenwahl angepasst. [krass.]
Zu Hause haben Sie bereits verschiedene Kärtchen, bzw. schön geformte Herzblättchen [sic!!!] vorbereitet, auf denen allerlei über Sie und Ihre Beziehung steht. Die ersten Ausflüge, die lieben Gedanken, zusammen erlebte Geschichten. Ein Kärtchen hebt sich vielleicht [!] durch eine andere Form oder eine andere Farbe ab. Auf diesem Kärtchen steht die entscheidende Frage. Alle Kärtchen werden in den Strauss verarbeitet, fragen Sie die Floristin, ob Sie Ihnen bei Ihrem Heiratsantrag behilflich ist, und Sie die Kärtchen in den Strauss einbinden kann. Wir sind uns sicher, Ihre Freundin wird nichts mehr sagen können ausser: JA.»
Genau! Jaaaa! Ich kommeeeeeeeeeee!!

Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt (dem guten Geschmack leider auch nicht). Helikopter, Limousine, im Ausland, in den Bergen, auf einer Wiese, im Wasser – die Frage scheint überall hinzupassen, ja hinzugehören.

Unter der Rubrik ‹verrückt› finden sich Anträge auf dem Gletscher (awesome!), bei einem Fallschirmsprung (uiuiui!), oder sogar im Zoo (läck du mir!). Etwas weniger anstrengend ist’s bei ‹Kurz & Schmerzlos›, da wird der Spiegel im Bad bekritzelt oder ein Post-it an den Kühlschrank gepappt. Wer wäre ohne Hilfe auf die Idee gekommen, ein Dinner ohne Salz zu kochen und im (fast leeren) Salzstreuer einen Zettel «Du bist das lebensnotwendige Salz in meiner Suppe,willst Du…»?
Brillant!

Hat’s jemand noch besser gekonnt? Bitte melden an dani.tonet(at)gmx.ch.
Die beste Idee wird von mir persönlich prämiert.
Mit einer Flasche Champagner.

Oder einem ‹Ja!›.

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Es wäre schön

Blog 79, 10. Juni 2010

Ich liebe es ja, das Singlesein – vor wie nach. Wenn ich um mich sehe und mich umhöre, sogar noch mehr. Auch wenn je älter je mehr alles mit geschwelltem Bauch rumschlurft; sie randvoll mit fremden Organen, er infolge Überkonsums von gerösteten und gesottenen Innereien prall mit weissgelblicher, glibbrig-glitschiger Muskel-Unterlagsmasse.

Aber heut morgen hab ich gedacht: Und dennoch – es wäre schön.
Es wäre schön, jemanden zu haben.

Es wäre schön, jemanden zu haben, zu dem man abends in die (lieber nicht gemeinsame, aber trotzdem) Wohnung tritt und mit dem man ein-zwei Flaschen Wein mit einer Schachtel Zigaretten leert. Und dann, wieso auch nicht, respektive: was sonst? ein Film.
Und, so drei bis vier Mal im Jahr, statt dem Film, gemeinsam gemütlich und vorfreudig, sogar ein wenig aufgeregt, vor dem Internet.

«Kreta wär doch schön!»
«Kenia ist, schau hier, im Angebot!»

«Kenia ist auch schön.»

«Kenia ist sehr schön. Das Licht! Ein Paradies für Fotografen!»
«Dann könntest Du endlich mit Deiner neuen Nikon…»
«Ja, Kenia wäre schon schön.»

Das Angebot kostet dann nur grad 1999.- für zehn Tage, alles inklusive, natürlich. Und dass der Strand «vor drei Jahren von einem kleinen Tsunami betroffen war», hat man zwar irgendwie überlesen, aber was gibt’s Schöneres als ausschlafen bis elf, die allerletzten Reste vom zerfetzten Frühstücksbuffet plündern, auf dem Liegestuhl zwei-drei von einer Schnäppchenarbeitskraft zubereitete Fruchtcocktails schlürfen, ein ‹spannendes› Buch, später, um halb zwei, die Masse bei einer ‹Aqua-Well!›-Lektion beobachten, bei der weder die Teilnehmenden (meist Frauen über 55 und ein paar vergewaltigte Männer) noch die leitende Funktion (knackiger Schwarzer in roter Badehose) sich daran stören, dass niemand weiss, was zu tun wäre, Hauptsache, man bewegt sich.

Ein Mittagsschläfchen vor den übersalzenen Country Fries um drei, dann zurück ins Zimmer, die Klimaanlage an, ein Nickerchen und/oder ein wenig aneinander rummachen – schön.

Am Abend dann entweder mit der Spätschicht ans – nun wärmliche – Buffet oder für einmal besonders gewagt sein und auf die Halbpension pfeifen und stattdessen in einem fremden Hotel  (!) oder sogar einem Restaurant am Strand Fisch bestellen, schliesslich ist man ja am Meer. Oder doch das Pfeffersteak, das zwar lederfaserig ist, schliesslich aber auch nur einen Drittel vom Zuhausepreis kostet, da dürfen, ja müssen Konzessionen gemacht werden.

Und nach einer Woche mit dem Edelweiss-Flieger zurück ins traute Heim. Zuhaus die 216 neuen, sechseinhalb Mega schweren Erinnerungsstützen auf die Festplatte bannen, die Vor- oder Nachbräune mit dem ungetumblerten Tüechli abrubbeln, die Beine rasieren, sich so richtig erholt und gesättigt fühlen und wissen: Das ist mein Leben.

Und ja, er ist es.

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Der spaltende Schöpfer

Blog 78, 26. April 2010

In meinem phasenweise fantastischen aktuellen Stück Buch hat der in die finalen Jahre gekommene Protagonist Ken Toomey grad eine Homofassung der Genesis geliefert. Und die geht so: Zwecks Heilung seines akuten Bored-out-Syndroms wünscht sich Freund Adam ein ähnliches Gegenüber. Der Schöpfervater stillt das Verlangen wunschgemäss und der erste Mensch vergnügte sich so lange freudig mit seines Gleichem, bis die Schlange den beiden den Apfel (eingentlich ein Pfirsich, Frühfehlübersetzungspatzer), aufschwatzt.
Der ernüchterte oberste Boss lässt Adams Augäpfelchen darauf, wo vorher straffes pectorales Adonium gewesen, Hügeli wachsen, schrumpft ihm dafür die Nüsslein, versenkt Aarons Stäbchen zwischen den Lenden und spaltet das Gspänli – sehr zu dessen anfänglichem Entsetzen – unten ein wenig auf. Der Rest ist wie gehabt. Adam adaptiert und findet auch das Schlitzli der transsexuellen Eva ganz nett.

* * * * *

Wer ist nicht permanent auf der Suche? Nach mehr Geld, mehr Macht, mehr gutem Sex, mehr Ruhm, den Ohrringen aus geschwärztem Titan, dem bestgemixten Cape Cod, der schärfsten Autofelge, den zinnoberroten Peep Toes von Miley Cyrus?
Und manchmal auch ganz konkret dem Schlüsselbund, der Zweihunderternote, den Freunden im Club, den Gummis in der Tasche, dem nächste Bier oder der eigenen Adresse im Fonds vom Taxi?

Gestern hab ich erfolglos eine CD gesucht, die nicht hätte in die bräunlichen Pfötchen der Putzfrau oder irgendwem fallen dürfen. Dafür ist ein alter SF-Dokfilm aufgetaucht.

‹Klitoris – die schöne Unbekannte.› Totale Titekloppnis.

Schön? – wer pflegt schone ein Faible für das Atomare?
Unbekannt? – aber Bittschön doch.

Reingeschoben mit dem Scheibchen.
Sie spielen grad Synonyma.

«Perle.»
Gähn.

«Orchidee.»
Dem ist wohl entgangen, dass die liebe Pflanzenfamilie der Orchidaceae ihren Namen den zwei hodenförmigen [!] Wurzelknollen der ihr zugehörigen Gattung der ‹Knabenkräuter› verdankt.

«Eisberg.»
Und es wird immer besser. Zum Glück geht’s nicht um Schwänze.

«Wie ein Vanillecornet», schwätzt Igor Zilincan an diesem sonnigen Nachmittag in der Lettenbadi in sein Ansteckmik und meine Klitoris schämt sich mit Grund in fremden Boden, «mit dem Unterschied, dass, wenn man dran leckt, das Vanillecornet immer kleiner wird – und die Klitoris immer grösser.»

So hab ich mir das noch gar nie überlegt.

Mit dem Bekenntnis, er fände, ‹sie› schmecke gut, wird er, aber nur grad bis zum Votum, ‹sie› sei «‹lässig› zum mit der Zunge bearbeiten [sic!]zum Chip Leader.

Dann der obligate Lernblock. Dass die Klitoris nicht, wie Freund Freud proklamiert, ein verkümmerter Penis ist, sondern exakt umgekehrt, wissen wir seit 1998. Ganze acht Zentimeter misst, Ätsch, unser Dings, das eine Fette im rosa Shirt als «meine beste Freundin» bezeichnet. Und wir glauben’s ihr sogar. Autsch.

Bis 1875 ging man von einer Fortpflanzungsrelevanz der Klitoris aus. Solange durfte drum friedlichst vor sich her gevögelt werden, bis ein Schlaumeier aufzeigte, dass dem Vanillecornet null schwangerschaftsstimulierende Funktion innewohnt, sondern es ganz alleine unserem täglichen Vergnügen dient.

Trächtig werden wir nämlich dank der Hüpfaktivität der Eierstöcke, auch so gut aussehende Unbekannte, was wohl Igor mit denen anzufangen wüsste, ob der neunkuglige Coupes tête-à-tête mag?

Warum um die 70% der Frauen an Orgasmusproblemen leidet, ist mir noch immer schleierig. Physiologisch ist die grosse Masse nämlich absolut kommtauglich. In der klitoralen Forschung redet man drum nicht mehr von der anorgasmischen, sondern der präorgasmischen Frau, der nur jemand den kleinen Tritt in den – respektive eben nicht – versetzen müsst‘ und dann wär Himmelhochjauchzen.

Hilfestellung geben die Sextherapeuten. In der ‹angeleitete Masturbation› (das werde ich mir demnächst mal anschauen gehen), sind die Erfolgserlebnisse entsprechend atemberaubend.

Und wenn sie’s dann mal raus haben, sind wir Frauen auch unglaublich schnell. Und nerven sich über ewiges Weiterstochern (resp. ‹-bearbeiten›, Igor), [cf. auch https://danitonet.wordpress.com/2008/12/11/endlich-mehr-leistung/].

Drum ab und an auch gern ein Date mit der besten Freundin. Der man dabei ja nicht unbedingt ins Antlitz schauen muss.

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Follow me. Follow-up.

Blog 77, 15. April 2010

Noch immer steht Sudathchens Antwort aus, leider, leider, Leidergottes.

Anrufen mag ich nicht. Unsere noch zu werdende Romanze hat ihren Anfang mit Gedrucktem, Geschriebenem gefunden! Ich will Stringenz! Hierin, wenigstens.

Möglicherweise hat der tamilische Billigtranslator meine Liebeserklärung sinnwidrig übersetzet und das emotionale Cachet ward total vorhundet. Damit muss ich nun lernen, umzugehen. Zum Glück ist die Hausbar bestens bestückt.

Massiv mühsamer als schweigende Postfächer ist allerdings die – den schönen Terminus hat Stella entbunden – Überkommunikation, nach einem ONS beispielsweise, aber auch einem stinknormalen Date oder – schlimmstenfalls – einem total nonsexuell motivierten Abend im Kino oder einem Gaststättenbesuch, der ausschliesslich dem Zweck der Nahrungsaufnahme hat dienen sollen.

Wenn dann Sachen wie «Danke für den schönen [maximiert: ‹wundervollen›; noch schlimmer als ‹super angenehmen› oder ‹sehr unterhaltsamen›] Abend» oder «War super mit Dir – wann geht’s weiter?» inboxen, macht’s bei mir grad sämtliche Schotten dicht.

Das (indessen bewüstenprinzte) Sugarbabe dagegen ist dezidiert der Ansicht, dass es sich – wenn sich jemand am frühen morgen aus ihren Laken schält und verflüchtigt (zum Beispiel, weil er oder sie früh ins Büro muss) durchaus gehört, zumindest ein Post-it oder dergleichen zu hinterlassen, oder im Verlauf der folgenden (maximal) 24 Stunden mindestens ein SMS hinterherzuscheiben, «damit man sich nicht ganz wie eine zechgeprellte Nutte vorkommt», insbesondere dann, wenn der Typ, von dem man den Namen behalten hat, weil man noch nüchtern war, als man sich getroffen hat, geräuschlos verschwindet und die Möglichkeit (oder Gefahr) besteht, dass man sich dereinst wieder über den Weg spaziert.

Bloss: Was schreiben?

Vor allem, wenn’s gar nicht gelungen war, das Geächze und Geturne?

Oder nur für eins von beiden?

(Nur dass das klar ist: während der Follow-up ganz klar Männersache ist, besteht ein gewisser Konsens darüber, dass Abschleichmeldungen durchaus für beide Geschlechter adäquat wären.)

Mein Top-Goodbye stammt von einem der vielen Pascals. Dieser hat sich zwar glücklicherweise früh aus dem Staub gemacht hat (und: wer wacht schon nicht lieber ohne fremden Mundgeruch vom Nebenkopf auf dem Kissen auf?), nicht aber, ohne einen Spitzbuben und ein Maisbrötli, frisch ab dem St. Jakobs-Beck ums Eck, hübsch auf meinem Küchentisch zu drapieren. Nachahmer vor, bitte.

Das war aber leider auch das Beste an der ganzen Sache. Und hat ihm in meinem schwarzen Notizbuch immerhin einen Zusatzeintrag gebracht.

Sehr gut kommen auch Zettel/Servietten mit hübschen Grafiken und Zeichnungen an. Die behalte ich zwecks Montagsmalerei-Interpretationscontest mit meinen Gästen immer eine Weile am Kühlschrank. Deren Favorit ist der mit stilsicherer Hand gekugelschreiberte, auf einem monströsen Rotweinfleck stehenden Thonet-Stuhl mit dem Portrait meiner grün-grau geringelten Lieblingssocke, hübsch als Schleife ums Stuhlbein gebunden. Management Summary à la ZHdK-Kid.

Leider sind die Kreativen unter den Abschiedsnachrichtensprechern dandyschnurrbartdünn gesät.

Wenn ich auf das gemeinsames Petit-Déjeuner verzichte und vorzeitig verschwinde, präferiere ich bildende Kunst. Strümpfe oder Höschen werden zwischen Zeitungs- oder Buchseiten geklemmt, über Gurken und Glühbirnen gezogen oder in Müslipackungen versteckt. Ab und an hab ich auch eins dieser Origami-Schwänchen dabei, die meine Cousine wie karottensaftsüchtiges Meerschweinchen am Laufmeter produziert, mit einer Mailadresse drauf dabei, bei der ein automatischer Reply hinterlegt ist.

«Keine gute Idee, Kindchen.»

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