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Crossing the Border. Line.

Blog 66, 13. Januar 2010

Luke B. ist der einzige Mensch auf diesem Acker, der im Besitz einer pornoerotischen Detailaufnahme von mir ist, die er nicht selbst gemacht hat.

Wir sind uns auf einer dieser Websites für Alterstrotzende begegnet. Den meist Pein verheissenden Namen zum Trotz lassen da drauf durchaus amüsante Geschichten erleben. Die Perlen sind allerdings dünnst gesät. Mit wem sich lohnt, über sporadisches Tastenklickern hinaus zu wachsen, ist nach spätestens drei Sätzen klar.

Luke B. hat sich in einer Phase hoher Hormonaktivität in mein Leben gechattet. Mit einem hübschen, sechsundzwanzigjähriger Körper. Letztlich wurden mir aber die Augen zum Fallstrick; ein Traum von dunkelblauer Eiszeit in einem perfekt geschnittenen Gesicht.

Gefühlskälte? Oder Gefühlsleere? Ein echtes Gegenüber? Oder nur Schein?

All das hat meinen Ehrgeiz gestachelt. Und meine Nase tropfte schon von smiley-tippenden Barbaren mit einer Präferenz für – zudem meist fehlerhafte – Worthülsen.

Ein Chatroom ist ein fantastisches Experimentierfeld. Unserer Sprachspielvielfalt zum Dank lässt sich jeder Satz in die beliebige Richtung umleiten.

«So, ich geh jetzt was essen.»
«Ich hab auch Hunger. Aber nicht auf Essbares.»

Haha. Plump & simpel.

«Ich hatte einen scheiss-strengen Tag.»
«Da kann ich ganz gute Ablenkungsmittelchen.»

Haha. Plump & simpel.

«Heute haben wir gegen zwei Idioten gepitcht.
«Ich würde mich gern mit Dir messen.»

(Variante B: Irgendwas mit «Dich ausmessen.»)
Haha. Plump & simpel.

«Mein Hamster ist gestorben.»
«Hat er sich totgevögelt? Könnte mir auch passieren.»

Haha. Plump & Simpel.

Mit Luke war das Thema beim ersten Satz gesetzt. Zwischen zwei und drei Uhr morgens haben wir uns die Hände tot geschrieben. Auch Luke wohnt alleine.

Seine Freundin hatte eines schönen Tages, so wie andere «fick mich» bitten, «schlag mich» gesagt. Und so wie auf Ersteres generell entsprechend auf die Aufforderung reagiert wird, hat auch Luke nicht lange überlegt. Und eine faszinierende neue Form der Katharsis gefunden.

Kainsmal Januszeichen. Ein echter Zwilling, eben. Nicht der Letzte von der Sorte, den ich gefunden habe . Und nicht der harmvollste. Aber dazu ein andermal.

Interessant. Sexy. Hypnotisch. Nicht primär, weil ich Prügelfantasien ausnehmend antörnend finde. Ich wollte herauskriegen, wie man seinen Schalter umlegt.
Schatzsuchezeit, Schlüsselfindezeit.

Ich sende Luke ein Foto.

Ein Close-up. Gesicht. Sehr stark geschminkt, Blick leicht schräg unten direkt in die Linse. Ein Sechstel zugekokste Edelhure, vier Fünftel demütige Unschuld, ein Rest trotzige Rebellion.
Um vier Uhr morgens schicke ich das perfekte Bild ab ab.
Die Antwort sehe ich erst am Abend.

[Übersetzt von Berner Mundart.]
«Mhhh. Ich stelle mir grad vor darauf zu spritzen.»

Wir sprechen wir dieselbe Sprache.

Jede Nacht, die er nicht mit ihr verbringt, treffen wir uns um Schlag eins auf Sykpe, meist wird es vier, fünf Uhr morgens. Pläne und Ideen. Er mailt mir ein Bild. Ich sende eins zurück. Visualisierungen.

Ich mag ihn nicht.
Aber wir verstehen uns super.
Zu gut, am Ende. Eines Tages stolpert seine Freundin über einen unseren Chats.

Der Inhalt hat ihr offenbar weniger gut gefallen. Als uns.
Ich wäre möglicherweise auch etwas ungehalten.

«….Luke?»
«Ungut hier. Melde mich vorläufig nicht mehr. Am 27. bei Dir.»
«Hoppla. 27th it is.»

Wieso er ihr das ganze Rumgezicke nicht einfach aus dem Kopf haut?
Denke ich.

«Luke. Morgen?»
«Dani. Scheisse. Wenn Du wüsstest, wie gern ich kommen…»
«Komm!»
«Geht nicht. Melde mich wieder. Irgendwann»

Ähm. Sorry?

Wer hat hier die Hosen an?

Puff! – ist meine ganze Lust am Berner Experiment wie weggeschlagen.

Eine Woche später lerne ich auf Myspace ‹Don› kennen. Der sagt hübsche Sachen wie:
«Daddy ist eine extrem böse, dominante Anwaltssau, die keine Tabus kennt.»

Und:
«Leck das Scheissloch, Du dreckige Nutte»

Aber das ist, wie gesagt, eine andere Geschichte.

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Ein Kommentar

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