Schlagwort-Archive: Dani Tonet

Sternstunde

Blog 56, 22. Oktober 2009

Im Zweifelsfall entscheide ich, meiner genetisch determinierten Vernunftbegabung zum Trotz, immer zugunsten der Form. Und ich bin zwar emotional und ideell technophil, in der Praxis aber meistens totally lost. Heisst, ich brauche (liebstens männliche) Unterstützung für die Aktivierung meiner Zünden-Drücken-Drehen-Ölheizung, aber auch, um den schon wieder verloren gegangenen Radiosender oder den Timer der Waschmaschine zu programmieren.

Die Verweigerung hängt durchaus auch mit dem Mangel an Ästhetik zusammen.

Welch Lichtblick war deshalb der Markteintritt des kleinen ‹i›! Hoffnungsvoll warte ich nun auf iBeamer, iElektrozahnbürsteli und, wenn wir grad dabei sind, auch iVelopumpe und iHILTI; Bohren ist schliesslich schrecklich sexy.

Digitalisierung ist grossartig. Ausser in der Fotografie. Tausend Mal straffrei knipsen – das macht jeden Idioten zum potentiellen Paparazzo-Casting-Teilnehmer. Kurz umentschlossen hab ich mir deshalb im Internet zwei alte Kameras gekauft; eine Kodak Instamatic 100 und den grossen Bruder 333. Strahlend stelle ich die zwei auf die Theke von Zürichs renommiertestem Fotoladen.

«Läck isch die Frau futzdumm.»
mag er sich zwar denken, ist aber meinem Kinderaugenleuchtencharme völlig erlegen und belehrt mich, dass, leider Gottes, weder Batterien noch Filme für «antike Gschwüre wie diese» noch existieren.

«Antike Geschwüre? Erlauben Sie mal! Die sind maximal so alt wie ich!»
«Nun ja, Mademoiselle, im Kamerazeitalter ist das leider SEHR alt. Bei Ihnen hingegen…»

«Und … was mach ich jetzt?»

Er klettert ins Schaufenster und kramt eine Rollei 35 T, Made in Germany, hervor. Die 25 Mal soviel kostet wie meine beiden offenbar unnützen Lieblinge zusammen.

«Aber Sie! Das ist keine Instamatic. Da hat’s hundert Dinger dran zum Drehen!»
«Natürlich, meine Liebe
[sic!]. Blende und Belichtung.»

«Vergessen Sie’s!»,

sag ich, das schwere, eckige, metallige Wahnsinnsding elektrisiert in den Händen drehend.

Die wogenden Emotionen schwappen flux auf den schnuckeligen Verkäufer, der nun – extra für mich! – dem Baby eine Batterie einlegt und mir mit bewundernswerter Seelenruhe en detail mindestens drei Mal erklärt, wie ich links (denn Sie müssen nur den Nippel) wegen Verwackelungsgefahr 60 irgendwas einstellen (und mit der kleinen Kurbel) dann rechts so lange drehen muss, bis die Kelle auf der Oberseite mit dem (Licht?)Messer übereinstimmt. Das Beste: Mit dem Blitz, den er quasi mitschenken würde, braucht’s die ganzen Knöpfe nicht.

Ich bin total geflasht.
Und restfrei überzeugt.
Und will das Teil grad mitsamt dem Mann heimnehmen.
Und habe aber ein Date mit Markant.
Und hüpfe drum happy aus dem Laden.

Und setze die Kamera auf Dani Tonet’s Wunschliste

Ja! Ich will:

  • täglich frische Aal-Sushis, auch wenn die grad aussterben,
  • dass auf dieser Welt Frieden herrscht und alle Kriege sofort aufhören,
  • ein Schuh-Abo von Christian Louboutin,
  • dass keine Frauen mehr beschnitten oder gesteinigt werden,
  • dass Heidi Klum ihr Schwangerschaftsfett fünf Jahre lang nicht runterkriegt,
  • dass es genug Arbeit für alle Menschen gibt,
  • dass sich meine Bettwäsche von selber wäscht und wechselt (oder dafür ein Gentech-Tier abgerichtet wird),
  • dass die Umweltverschmutzung aufhört und sich unser Planet erholt,
  • dass ich mit Pudelblut Action Painting üben kann,
  • dass die Folter abgeschafft wird,
  • 474 Nagellacke im Kühlschrank, die niemals eintrocknen,
  • dass alle Menschen immer genug zu essen haben,
  • dass Martina Hingis bei mir daheim auf MDMA Pole-Dance übt,
  • dass die Gorillas nicht aussterben,
  • einen dunkelhäutigen, muskulösen Masseur, oben ohne mit weissem Tuch um die Lenden, der nach getaner Arbeit wieder im Schrank verschwindet und keinen Mucks macht,
  • dass AIDS vollständig heilbar wird,
  • dass ich mich von Mittwoch bis Sonntag von Austern, Taittinger und Mohrenköpfen ernähren kann,
  • dass es keine Rassendiskriminierung mehr gibt,
  • dass Mämä mir lebenslänglich ‹entry on demand› gewährt,
  • dass es keine Kindersoldaten mehr geben muss,
  • dass sich Robert Patterson und Mark Wahlberg darum schlammcatchen, wer (zuerst) mit mir Sex haben darf,
  • dass alle Menschen genügend Geld haben,
  • einen frisch geduschten jungen Glarner Alpkäser,
  • dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben,
  • eine eigene Nerz-Farm,
  • dass es keine Kinderprostitution mehr gibt,
  • dass Sven Epiney zwei Mal täglich bei mir abstaubt,
  • dass Waffen nur noch im Museen hängen,
  • drei Flaschen Pimm’s in Flims mit Kaminsims.
  • dass dumme Menschen keine Kinder mehr kriegen können,
  • eine Rollei. Und zwar schnurstracks. Und nicht für 500 Stutz.

Ich jage meinen Mac quer durch die Onlineangebote. Auch auf privatmarkt.ch speise ich ihm ‹Rollei 35 T› ein. Da, spuckt das Schätzchen was Komisches aus: Das Bild eines weissfleischigen Männerkörpers (Américaine, aber kopflos) mit einem genitalen Zensurbalken.

Hallo, Rollei??

Titel: «Büro blowjob»

Hallo, Rollei??

Text:
«
Ich muss leider noch bis um 17:30 im Büro sitzen.
Ich arbeite in einem Grossbetrieb in der Stadt ZH.
Ich suche ein Dame die zu mir kommt, mir einen
Blowjob verpasst und wieder geht.
Bin 35 jährig 177cm 72kg blond und wenig beh… »

Weiter geht’s leider nicht. Vielleicht, weil ihm das Ding schon abgegangen ist, bevor er fertig töggelen konnte.

Und ich denke nur: http://tinyurl.com/danitonet1

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Du. Oder keiner.

Blog 51, 10. September 2009

Sasha ist seit mehr als drei Jahren Single. In dieser ‹Zwischenphase› hat sie aber kein Betonritzengräsleindasein gefristet, sondern war mit einer schönen Sinuskurve auf dem Aussenmarkt aktiv. Neben kürzeren Trockenphasen hat sie’s auf fünf Monatsaffären, eine halbjährige Halbbeziehung und etwas um die dreissig One-Night-Stands gebracht.

Bei meinem letzten Besuch entdecke ich – das Browserfrenster ist offen – dass sie offenbar bei mehreren Online-Partnervermittlungsinstituten angemeldet ist. Meine hochgezogenen Augenbrauen samt Stirnrunzeln quittiert sie mit Tränen im Augenwinkel und dem Geständnis, dass sich die Titanin unter den Hardcoresingles eigentlich überreif fühlt für eine feste Beziehung.

Nur ist ER offenbar entweder schon tot, noch ungeboren wahnsinnig gut versteckt.

Ich geb’s zu: ich habe sie nicht um Erlaubnis gefragt.

Und mein bisheriger Erfolg mit einem ähnlichen Projekt (https://danitonet.wordpress.com/2008/10/30/wuestensohn-gesucht/) ist halbwegs kläglich gescheitert.

Aber Sasha ist fruchtbar
Und Sasha ist total klug.
Und Sasha ist hübsch.
Und Sasha hat ‹Spirit›.
Und Sasha ist sexy.
Sasha ist super.

Und ich mag Hochzeitsfeiern.(So ab zwei Uhr morgens, wenn der Pflichtteil vorbei ist).

Deshalb such ich jetzt für Sasha den Mann. Bitte ernst meinen. ONS kann sie sich nämlich ziemlich gut selber organisieren.

Also, Danileser, bist Du:

  • jüngstens 30, ältestens 36 (Sasha ist so alt wie ich)
  • mindestens ein High Heel grösser (Sasha misst 167.5)
  • klug (vorzugsweise klüger als Sasha; könnte aber schwierig werden
  • nicht auf den Mund gefallen (Sasha hat eine grosse Klappe)
  • angekommen im Leben (Sasha braucht ein echtes Gegenüber)
  • von dir überzeugt, aber nicht eingenommen (Sasha mag weder Susis noch Arschlöcher)
  • kräftig, aber nicht aufgeblasen (Sasha findet Gewichlistemmer scheisse)
  • Kopfbehaart (Sasha mag Kappen und Mützen, aber nicht aus Haut)
  • Alles andere als Blond (Sasha würde zur Not auch Rot nehmen)
  • einer mit Schalk in den Augen (mit Sasha geht’s sonst gar nicht)
  • offen für alles und in jeder Hinsicht (rechts ist für Sasha No-Go,ein enger Horizont der totale Turnoff)
  • mehrsprachig (Sasha ist Globetrotteress)
  • buchstabenfreundlich (Sasha mag Paperbacks)
  • nachhaltigkeitsaffin (Sasha trennt sogar Joghurtdeckeli)
  • fussballfeindlich (Sasha sind zwei Bälle zwischen den Beinen mehr als genug
  • draussentauglich (Sasha rennt gern bei Gewitter rum)
  • ein Städter im Herz mit einer Naturseele (andersrum ginge für Sasha auch)
  • konsequenter Sitzpinkler und Händchenwascher? (Sasha mag’s sauber)
  • kultiviert und stilvoll (Sasha braucht tonhallentaugliches Schuhwerk)
  • jenseits der Drogentestphase (für Sasha ist eine Linie ab und zu OK)
  • eher Vodka Lemon als Hopfen und Malz (Sasha hasst Stinkatem)
  • handwerklich begabt (Sasha findet, das gilt auch für Waschmaschine, Staubsauger und andere Putzgerätschaften)
  • genussorientiert (Sasha verabscheut Kalorienzähler)
  • gleichermassen mitteilungsbedürftig wie zuhörfähig? (Sasha will einen, der die Venus-Mars-Grenze überwunden hat)
  • kinderfreundlich (Sasha will dann mal)
  • erfahren (Sasha meint: auch im Leben)
  • unfähig, T-Shirts (ohne Spezialprint) und Socken verkehrt herum in den Waschkorb zu schmeissen? (Sasha ist auch ein wenig Anankastin)
  • lieber Chez Babette als im Toto (Terrasse geht für Sasha gar nicht)
  • frohnatürlich (Sasha hasst Lebensverweigerer)
  • eher ein Künstler als ein Banker (Sasha hätt liebstens was dazwischen)
  • (nice to have) mit asiatischem Einschlag gesegnet (Sasha mag auch arabisches Blut, beides bitte nicht zu Lasten der Körpergrösse)

So das wär’s.

Mal zum Anfang zumindest.

Falls Du grad «Ha! Das bin ja ich!» denkst, meld Dich bitte fotografisch begleitet bei dani.tonet(at)gmx.ch

Alles weitere dann bilateral.

PS (wichtig): deine Körperteile sollten nicht angeschrieben sein.

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Alles unter Kontrolle.

Blog 47, 13. August 2009

Saskia ist 168 Zentimeter gross und bringt knappe 50 Kilogramm Muskel und Knochen auf die Waagschale. Hals über Kopf hat sich Rudy in die adrette Brünette mit dem kinnlangen Bob, den zierlichen Hüften und dem waschbrettflachen Bauch verguckt. Mit seinen musikalischen Talenten (und der zugehörigen CD-Collection), etwas westamerikanischem Charme und dem darin wohnhaft scheinenden Weltmannstum sowie seinen beruflichen Erfolgsgeschichten gelingt es ihm, ihr Herz nach einigen Werbewochen zu erobern. Saskia gefällt an Rudy – wenn er auch alles andere als ein Hingucker ist – zudem, dass er, im Unterschied zu den anderen Männern, die sie kennen gelernt hat in den letzten Monaten und Jahren, sehr kinderaffin ist. Sein Drängeln diesbezüglich schiebt sie jeweils sanft, aber bestimmt zurück, will sie ja auch, aber halt nicht grad. Die nächsten drei Lebensjahre sind dem bevorstehenden Executive MBA und den entsprechenden Karrierefrüchten vorbehalten.

Ihren unregelmässigen Zyklus ist sich Saskia seit langem gewohnt und sie ist auch nicht traurig, wenn sie wochenlang nicht menstruieren muss, im Gegenteil: Je weniger Tampon desto Lebendqualität. Umso bestürzter  ist sie drum, als ihr der Frauenarzt bei der Jahresroutineüberholung mit einem süssen Lächeln mitteilt, dass sie schwanger sei.

Schwanger? Jetzt? Sie? Unmöglich. Sie verhüte zwar mit Gummi, aber da sei nichts kaputt gegangen, könne gar nicht, allermeistens sei sie es nämlich selbst, die Rudys eingeknotete Flüssigkeit im Abfall entsorge, weil er dazu neige, das neben dem Bett oder Sofa hingelegte Depot zu ‹vergessen›. Man müsse umgehend einen zweiten Test machen.

Dr. Blanchard ist leicht erstaunt ob dieser Reaktion, vermeldet aber, dass der Zustand garantiert sei und zudem bereits in die siebzehnte Woche fortgeschritten ist. Er könne gern zum Beweis das Ultraschallgerät einführen.

«Und wieso merk ich davon nichts?»

Saskia ist kreidebleich. Auch die Übelkeit ist jetzt da.

Dr. Blanchard erklärt, wenn auch einiges gewöhnt, mittlerweile doch leicht alarmiert, dass dies, bei ihrem tiefen BMI, wohl möglich sei, der Bauch wölbe sich unterschiedlich rasch, ob sie aber kein Spannen in den Brüsten gespürt habe?

Jetzt wo er’s sagt ist’s klar; aber bis vor drei Minuten hat Saskia ihre Überempfindlichkeit auf den (über)fälligen Zyklus geführt.

«Ich will aber kein Kind! … Oder wenigstens nicht jetzt!»

«Sie können nicht mehr abtreiben, Frau P. Der Fötus ist schon zu gross. »

«Ist Ihnen der Vater des Kindes bekannt??»
«Natürlich! Mein Partner. Rudy.»

«Dann würde ich vorschlagen, dass Sie sich darauf einstellen, Eltern zu werden, Frau P. Alles Gute!»

Saskia könnte kotzen.
Auskotzen, das Ding, das sich, wieauchimmer, an einem Durexgummi vorbeigemogelt hat! Schluchzend ruft sie Rudy an, der sofort alles stehen und liegen lässt, sich auf sein weisses Velo schwingt, zu ihr rast und sie tröstet.

Nach ein paar Wochen hat sich Saskia an den Gedanken gewöhnen müssen, bald mit Rudy eine Familie zu sein. Sie weiss, dass sie den Heiratsantrag, der am Wochenende bevorsteht, annehmen wird. Für den Abschluss des MBA wird es allerdings nicht mehr reichen.

Ein paar Monate später ist Rob Louis dann da. Die Geburt war ein dreissigstündiger Horror, aber wie es so geht, das erste zahnlose verziehen der Mundwinkel und die unfokussierten blauen Kulleräuglein  – und alles ist vergessen.

Beim Gedanken an die Karriere, die nun lange wird ruhen müssen, lässt Frau T, wie sie seit acht Wochen heisst, den Blick über Mann, Kind und Ring schweifen und schläft dann – der Bauch wieder flach wie vor neun Monaten – auf dem frisch bezogenen Kissen ein.

Nach ein paar Wochen hat sie völlig adaptiert.

Rudy kümmert sich liebevoll um klein Rob, ein Herz und eine Seele sind die beiden, fast schon bräuchte es Saskia nicht, Rob scheint Rudy genug zu sein. Das denkt Saskia ab und zu, wenn ihr Herz und Hirn ganz nüchtern sind.

Dann findet sie ihren Mann auch beinahe hässlich, wenn sie ihn so schräg von hinten betrachtet.

«Schatz, ich muss Dir etwas beichten.»

Rudy eröffnet die kleine Feier zum ersten Hochzeitstag. Rob, glücklicherweise ein ruhiges Kind, schlummert friedlich in seiner Wiege.

Er habe damals, als sie so niedlich angeheitert von der Party mit ihre Freundinnen heimgekommen sei und sie Sex gehabt hätten, ‹zwischendurch den Gummi ausgezogen›.

«Du hast WAS?»

Sie wisse ja, wie er die Dinger gehasst habe, weil er einfach nichts spüre beim Vögeln, wenn ‹er› so eingepfercht sei.

«Du hast WAS?»

Und er habe ja eh unbedingt Kinder wollen. Das habe er immer gesagt. Und sie sehe ja, dass er ein exzellenter Vater sei. Nicht? Zudem liebe er sie über alle Massen. Schatz.

«Du hast WAS?»

Rudy ist erstaunt, dass der Schuss so nach hinten losgeht, sie ist doch glücklich, seine Saskia! Das sieht er ja. Und alles hat sie, alles!

Fünf Monate später sieht Rudy nur noch wenig von Rob. Saskia hat gedroht, ihn öffentlich anzuprangern, wenn die Scheidung nicht innert Wochen durch sei.

Das ‹unsichere› Vergnügen hat nun seinen Preis. Genau 9600.-

Pro Monat.

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Sie ist es.

Blog 45, 16. Juli 2009

Die zweite (oder dritte?) grosse Liebe meines Lebens ist mit – nicht gerade süssen, sondern vielmehr schwermetallenen, langblonden, kiffenden – sechzehn Jahren drei Wochen lang an Pfeifferschem Drüsenfieber, auch bekannt unter dem Namen ‹Kusskrankheit›, darniedergelegen.

Den Geruch, den Chris danach, in den zwei Wochen vor unserer Trennung, ausgeschwitzt hat, kann ich noch immer jederzeit im Zerebralspeicher abrufen; einen ranzig-bitteren Mix aus Chemie und verseuchtem Hämoglobin. (Der Gestank war aber weniger Schlussmachgrund als Chris‘ bester Freund Andreas).

Vor kurzem hat mein Kamerad Laurent seine etwa siebzehnte Beziehung beendet. Ein Jahr beinahe hat er’s immerhin durchgehalten mit der Dame. Trotz Ermüdungserscheinungen habe ich mich dazu durchgerungen, nachzufragen, weshalb es denn auch diesmal wieder nicht hat sein sollen.

Et voilà, das Geschichtchen.

«Weisst Du, letztlich war sie nicht die Frau meines Lebens.»

«Offenbar.»

«Da ist es besser, man geht.»

«Besser. Definitiv.»

«…Dani?»

«Lori?»

«Ich hab die Frau meines Lebens gefunden.»

«Ach, was!»

[Dem spinnt’s total, hab ich gedacht. Typischer Frischalleinfühlschmerz.]

«Du wirst es nicht glauben.»

«Klingt, als will ich’s nicht mal hören.»

«Es ist Zdenka.»

«Stinka-Zdenka?»

«Dani, bitte!»

«Sorry.»

«…DIE Zdenka?»

«Yep.»

Da hab ich ihm das Telefon aufgelegt.

Nase so voll wie nach einem G.

Scheisse, aber echt.

Zdenka. Zdenka mit Schuhgrösse 35 und Kleidergrösse 34.

Natürlich hab ich eine halbe Stunde später wieder angerufen.

Dafür sind wir Freunde ja da.

Zdenka die Tschechen-Zora.

Z d e n k a. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Zdenka. Loris Exex. Aber nicht nur. Auch Loris Exexexex.

Heisst: Freundin Nummer dreizehn: Schluss. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber.

Und jetzt: zurück zu Zdenka.

Zurück zu Zdenka, die’s nicht goutiert hat, dass Lori mal kurz («In einem Anfall kompletter geistiger Umnachtung») die Hand in Barbaras Höschen gesteckt hat.

«Laurent?»

«…Dani.»

«Bitte, bitte, bitte nicht. NICHT.»

«Ach, sie will mich eh nicht zurück. Das heisst, doch. Aber erst nach neun Bewährungsmonaten.»

«Nach neun Monaten Zölibat?»

«Ähm. Yep.»

«Ähä.»

«Ich werde es hinkriegen.»

«Ähä.»

«Nenn mir einen guten Grund. Nein, nenn mir zehn Gründe, gut können sie gar nicht sein.»

[Drei Stunden später, per Mail:]

«1. Ich denke nur noch an sie. Bei Tag und bei Nacht. Ich träume sogar von ihr.

2. Ich bin ständig total scharf auf sie, andere Frauen interessieren mich einen Dreck.

3. Ich finde sie immer noch… einfach GROSSARTIG.

4. Wir treffen uns wieder regelmässig und verstehen uns super.

5 . Ich kann nicht mehr schlafen.

6. Ich kann kaum mehr essen.

7. Sie zweimal zu verlassen waren die grössten Fehler meines Lebens.

8 . Niemand kennt mich besser als sie.

9 . Alles was mich jemals an ihr gestört habe, finde ich nun wunderbar.

10. Ich bin bereit, sie mit all ihren Fehlern und Schwächen zu akzeptieren.

11. Ich weiss und spüre es: SIE IST ES EINFACH.»

Der Gute hat einen an der Waffel. Aber dikke.

Zdenkamich hat ihm ins Rückenmark gebislet. Oder Becherovka gefixt.

Ich order ihm einen Exorzisten.

Allzu gut erinnere ich mich an die ersten beiden Runden mit dem Dummchen. Hin und weg war der Gute, primär ob ihrem hirnfreien Sex-appeal.

Hingehalten hat‘s jeweils für einen Monat. Maximal.

Und nun stilisiert er sie dirnix wieder zur grössten Liebe aller Zeiten?

Den Brunz, den er mir da zusammenlistet, erinnert mich an meine Prä-BRAVO-Zeiten, der Mann krankt offensichtlich an einem Hormondefekt. Hoffentlich temporär.

Jetzt will er eine Schwangerschaftsdauer lang auf sie warten, sie dann in seine starken Ärmchen schliessen, aufs weisse Pferd heben und mit ihr ins Schloss Jindřichův Hradec entreiten, wo sie die dritte Entjungferung feiern können?

«Lorimeinlieber. Muss ich lügen?»

«Schone mich! Ich leide genug an der Qual, die grosse Liebe, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben, aber nicht leben zu können! Nach der zweitgrössten Liebe suchen zu müssen, scheint mir – schlichtweg – unerträglich!»

Die Sache stinkt. Bis hinter den Himmel.

«Kauf Dir ein Blacksocks-Abo, Romeo. Und hol Dir einen Porno in der Videothek.»

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Mal links, mal rechts.

Blog 40, 11. Juni 2009

«Du spinnst total.»

«Tu ich nicht! Ich fühl doch, dass was nicht stimmt.»

«Du bist paranoid, Schatz.»

«Schwörst Du’s?»

«Was, schwören?»

«Das nichts ist.»

«Natürlich ist nichts.»

«Schwörst Du’s?»

«Du spinnst wirklich. Ich weiss nicht echt. Du gehörst doch in Behandlung.»

Natürlich WILL Mirena gar nicht glauben, dass David sie betrügen könnte. Aber was tun, wenn einen die Intuition mit dem Vorschlaghammer prügelt? Aber: vielleicht hat David ja Recht und sie ist wirklich total psycho? Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht und Leiden… So ist das nämlich.

Soll sie doch die Therapeutin anrufen, bei der sie vor ein paar Jahren einige Stunden abgesessen hat, um über Roger hinwegzukommen? Ist es ihr Schicksal, von allen hintergangen zu werden? Oder projiziert sie am Ende ihre Vergangenheit auf David?

Trotzdem: der benimmt sich komisch. Aber wenn sie ihm mit ihrem Misstrauen weiterhin auf den Sack, geht ohnehin alles bachab. Deshalb muss stimmen, was er sagt.

Bin ich die Einzige? Ist sie mir treu? Ewige Fragen. In einem Internet-Forum hat neulich wieder jemand wissen wollen, was zu tun ist, wenn der Partner ‹fremd geht›. Ein gefressenes Thema, zudem nun wirklich keiner keine Meinung hat.

Der Diskurs erstreckt sich auf drei Ebenen:

a) Definition. Wo fängt’s an, wo hört’s auf?

Einig sind sich die meisten, dass ‹es› halt irgendwie einfach, nun ja…

«Wenn im Urlaub mal was passiert» ist’s aber (offenbar) was ganz anderes, als eine Affäre, definiert « durch Wiederholung», sowie – was immer das meint – «vorsätzliches Fremdgehen».

Ist dem so? Zählt am Ende nicht nur die nackte Tatsache? Ist Alkohol ein mildernder Umstand? Und ‹darf› man sich für die wohlverdienten Ferien am schönen Strand nicht wirklich noch ein kleines ‹Extra› gönnen? Wenn da schon alles in süssen Badeanzügen rumrennt und die Körper eingeölt wie sexfeucht in der Sonne glänzen. Aber auch die Wintersportorte, wo Bretterhütten so feste an ‹Power mit dem Bauer› erinnern und die Bilder der den ersten Porno-Streifen auf RTL (‹Bumsfidel im Muotatal›) aus den Tiefen der Erinnerungen auftauchen?

Für Frauen viel wichtiger ist, ob es ihm WRIKLICH «nur um Sex» ging, oder – was viel schlimmer wäre! – veritable Gefühle zwischen die quietschenden Latten getropft sind.

Was ich praktisch ebenfalls nur von den Ladies höre, ist das – notabene sehr häufig praktizierte – ‹virtuelle› Fremdvögeln. Wo hört denn die Unschuld auf? Ist der ‹Brainfuck› durch seine Nicht-Greifbarkeit nicht «eigentlich viel fieser?» Wer kann sie erraten?

b) Gestehen versus Verschweigen resp. Wissenwollen versus Ignoranz.

Gehören «jegliches Verstecken, Lügen oder Abstreiten» zu den No-Gos? Oder soll man lieber nicht wissen wollen, «wie oft man sich noch verarschen lassen will» und drum die Oron mit Wachs verpaxen? Kann Offenheit die Beziehung auch auf einen höheren (oder auch tieferen) Level bringen? Und, stell Dir vor!, Du erfährst nach fünf herrlichen Beziehungsjahren, dass er oder sie seit drei Jahren – nicht oft, nur so fünf, sechs Mal im Jahr – ihren Spass mit anderen gesucht und gefunden hat? Dann kommt man sich doch «erst recht HARDCORE [sic!] verarscht vor…». Nun, niemand hat behauptet, das Leben sei leicht.

Der Tenor geht generell Richtung zugeben. Denn: was stillschweigend gemacht (oder akzeptiert) ist, führt, durch seine Konsequenzlosigkeit, «automatisch zur Wiederholung». Und das ist ja das Letzte, was die ‹Opferseite› haben will.

Auch beim Geständnis sind hingegen Nuancen zu berücksichtigen. Soll die Beziehung daran (zwangs)wachsen oder hofft man nur auf Absolution? Falls dem so wäre, gilt für die post-seitengesprungene Phase: «die Eier haben und es danach gewissentlich vergessen».

c) Konsequenz versus Toleranz.

«Mal über den Zaun fressen» müsse ja nicht zwingend zur Trennung einer gut (?) funktionierenden Beziehung führen, meint einer. Eine kontert esoterisch, dass, «freier lebt, wer verzeihen kann».

Vielleicht sollten gewisse Dinge besser bereits bei der Partnerwahl berücksichtigt werden. Falls man nämlich was abkriegt, bei dem oder der das Fremdgehen in der «Persönlichkeitsstruktur» angelegt ist, wäre es durchwegs von Vorteil, man würde dies «möglichst schnell erfahren». Hopp und weg!

Eine ‹offene Beziehung› als Swingerpaar, kann sich kaum jemand vorstellen, so tief ist uns die Monogamie als einzig akzeptierte Lebensform eingeimpft, schliesslich sind «sogar die Enten ein Leben lang treu». Und die schwulen Pinguine kümmern sich rührend einträchtig um den (nicht-gemeinsamen) Nachwuchs.

Offenbar hatten die meisten Foren-User bereits das Vergnügen mit dem Fremdgang, aktiv und/ oder passiv. Nur eine behauptet, ihren Partner dermassen gut zu kennen, dass sie «es von Meilen her riechen würde und ganz genau wüsste, ob und wenn er fremd geht oder gegangen ist».

Mirena hat sich übrigens tatsächlich bei Frau Höhninger (die auch Feldenkrais im Angebot führt) angemeldet und fünf Sessions lang an ihrer übersteigerten Eifersucht gearbeitet.

Bis sie eine Abends im gemeinsamen Abfalleimer im gemeinsamen Büro das Mail einer gemeinsamen (wie Mirena geglaubt hat) Freundin findet. Die Analsex offenbar ziemlich toll findet. Vorzugsweise mit David.

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Stehende Revolution.

Blog 39, 4. Juni 2009

Fight Club.
Ohne die elende Diskussion darüber, ob das Buch besser oder nicht etc. zu perpetuieren: der Film ist klasse. Und besonders spannend die Mini-Genitalschau ganz zum Schluss mit der (grossen) offenen Frage: ist das gute Stück erigiert? Und falls ja: vollständig?
Nicht, dass sich etwas daran ändern würde, dass Norton (und Brad, bevor er Kindergärtner wurde) besser in persona in jederfraus Leben liegen würden, kann man sich in trauten Kreisen doch erstaunlich lange über diese Frage – und ihre Konsequenzen – auslassen.

‹Bei Männern stehen Selbstvertrauen und Zufriedenheit oft im Zusammenhang mit der eigenen Erektionsqualität.›
Behauptet eine deutsche Website. (Und ich weiss jetzt, woran’s hängt, wenn der niedliche Anzugkasper mittags im La Stanza jeweils so miesepetrig im Salat stochert.)

Weit mehr noch gibt’s auf http://www.mann-info.de zu lernen:
‹Vor genau 10 Jahren startete eine weltweite Bewegung: Männer gewannen ihr Selbstbewusstsein zurück, Paare erlebten wieder eine erfüllte Sexualität.›

Vor einer Dekade waren wir allesamt längst sexuell aktiv. Bei mir aktuell waren damals kleine weisse, rosa und gelbliche Dinger, Lochpapierchen und Mini-Grips, mit denen Zürcher Clubs und Wiesen und Wälder der verlasseneren Schweizer Regionen frequentiert worden sind. Anders war da, ja. Aber eine sexuelle Revolution? Handelt es sich hier vielleicht um eine neue Loge? Cum & Dick statt Skulls & Bones?

Weit gefehlt. Vor rund zehn Jährchen nämlich haben die Männer (wohl nicht die, die damals ihre randschwarzen Pupillen im Spiegel gemessen haben) ‹ihre verloren gegangene Erektionsfähigkeit› wieder gewonnen. Nichtsdestotrotz dank findigen Pipetten der Pharmaindustrie. ‹Viva la Revolución› lobt sich die Homepage denn stinkend.
Unter der Rubrik ‹für revolutionäre Männer› gibt’s ein tolles Quiz mit Fragen wie ‹Ich stehe vor allem auf wilden und ungezügelten Sex›, oder ‹Das Bild vom potenten Mann, das in den Medien vermittelt wird, verunsichert mich.›
Bei diesem ultimativen Männertest bin ich als Draufgänger ziemlich gut weggekommen:
‹Dieser Typ braucht Sex wie die Luft zum Atmen. Möglichst wild, ausschweifend und viel, dann fühlt er sich selbstbewusst und als ganzer Mann. Der Draufgänger ist meist Single.›

Touché! Aber: selbst ich gelte als potentieller Potenzmittelkunde, denn mein hoher Stellenwert der Liebeskraft ‹bringt natürlich auch latent vorhandene Versagensängste mit sich.›

Die Frauenabteilung ist ungleich unspannender. Hier geht’s – wie so gern – um Soft Skills. Wir sollen lernen, ‹richtig› zu reagieren, wenn bei ihm das dritte Bein lahmt.
Wichtigster Tipp: ‹Bloss keine Szene machen!› Lieber abwarten (und sich selig masturbieren) und dann, bei einem gemütlichen Spaziergang, so ganz between the lines und zwei Cumulo-Nimbus-Wölkchen, etwas im Stile von ‹ich habe den Eindruck, dass es Dich belastet, wie unser Liebesleben im Moment läuft. Wenn Du mal darüber sprechen willst, gerne›, einfliessen lassen.

Genau! JA GERNE, lass uns dein Versagen in aller Breite und Tiefe BESPRECHEN, Schatzi, Du kannst mir alles sagen, nicht, dass mich das besonders anturnt, aber ich hab ja noch Deine Kreditkarte und die Hälfte des Hauses bringt mir auch nicht grad viel und da ist ja ohnehin noch der Tanzlehrer, mit dem ich ab und an… Also ALLES nicht so schlimm!

Vielleicht müsste man die Pillen mit LSD beschichten, damit die Sache einen urbanen Kick bekommt? Stehn oder nicht stehn, ist hier der Shakespeare.
Auf den Che Viagra natürlich Antwort hat. Stolz präsentiert er die vierstufige ‹Erection Hardness Grading Scale›:

I.    Penis ist grösser, aber nicht hart [sieht zumindest besser aus]
II.    Penis ist hart, aber nicht hart genug für die Penetration [auch nicht hart genug zum kochen?]
III.   Penis ist hart genug für die Penetration, aber nicht komplett hart
IV.    Penis ist komplett hart und komplett steif [Hurra! Es kann losgehen!]

Wessen Selbstbewusstsein anhand dieser Skala nun eingebrochen ist, der sollte vielleicht mal seinen Arzt zum Dinner laden. Ich glaub, die Pillen sind blau, eine typische Männerfarbe, technisch, kühl, klar, stark. (Die blaue Pille, die ich mal erwischt hatte, war ziemlich sicher mit was gestreckt, was in die Rubrik Ungeziefervernichtung fällt.)
Übrigens: es sind keineswegs nur alte Säcke, die Tabletten schlucken müssen, es kann – so Grafik – bereits um die 30 rum losgehen mit dem Hampelmannen.

Interessanterweise hatte ich gerade vorgestern die Gelegenheit, einen Härtegrad lll zu diagnostizieren. Ramon hat’s nicht besonders witzig gefunden. Ein Kerlchen mit mehr Härtegrad auf der Platte hätte wohl gesagt, ‹Ach geh. Zum Blasen reiche es allemal.›
Bei Ramon hingegen ist das Ding mühsamerweise grad in Phase ll runter… gehangen.
Ich hab ihm dann selbst überlassen, es wieder hinzukriegen.
Aber das gemeinsame Experimentieren bleibt wohl in der Pilotphase stecken. Oder eben nicht.

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Touch of the Heart.

Blog 37, 20. Mai 2009

Moni ist 34 schon gaaaaaaaaaanz lang Single. Und irgendwann ist sie auch über die Rum-vögelphase hinaus ‹gewachsen› (das scheint tatsächlich zu gehen), das mit dem Anmachen – Abschleppen – Am-falschen-Ort-Aufwachen hat offenbar auch seine Halbwertszeitigkeiten (und hinten, oben, vorne undsoweiter bleibt letztlich hinten, oben, vorne undsoweiter).

Vor ein paar Wochen dann ist eine asiatische Delegation zu Besuch (eine akzeptierte Form der Industriespionage) und es gilt, ein attraktives Programm für die möglicherweise solven-ten Schlitzäuglein zu organisieren. Man wird also erst in Zürich rumgondeln und dann den obligaten Trip aufs Jungfraujoch draufpacken, inklusive Übernachtung in Grindelwald. Moni bucht Hotelzimmer, einen Car und den gut trainierten Reiseführer, dessen All-in-One-Angebot den CEO ebenfalls überzeugt.

Ebensolcher gute Fang holt die fünfzehn Personen am Carparkplatz am Stadthausquai ab, wo das schöne Reisli beginnt. Gegen Abend merkt Moni, dass ihr der Typ in live sogar noch besser gefällt. Ihre Assistentin und Vertraute versucht, das Glück zu beschleunigen und per-foriert Mirko P. mit Fragen, um ihn in der Nähe zu halten. Und Mirko scheint das Geplänkel mit den jungen Damen den kleinen Schlipsträgern mit den Fotoapparaten und den Notiz-blocks vorzuziehen. Abends, in Grindelwald, sind Führer und Fahrer aber an einem anderen Ort einquartiert. Das Angebot zum Hook-up hat Mirko abgelehnt.
Auf der Heimfahrt zieht Moni sämtliche Register und quetscht ihm beim Ausstieg ihr Visiten-kärtchen zwischen die Finger; vielleicht will er ja die Firma mal besichtigen kommen? Mann hat ja tendenziell grosses Interesse – insbesondere an dieser Form von Industrie.

Eine Woche später hat sich Mr. Superguide noch nicht gemeldet, obwohl er, so Moni, non-verbal durchaus Interesse bekundet hat. Wir sind bei der ersten Gimlet-Runde und Moni schwärmt und schwärmt und schwärmt und schwärmt und ist ganz kirre, jede Sekunde der Carfahrt, jeder kluge Satz in Deutsch und Japsisch wird wiederholt. Langweilig.

Moni ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht auf Facebook. Dort finden wir Mirko zwar, können ihn aber nicht ausspionieren. Also adde ich den Jungen kurzerhand. Moni ist in heller Aufregung. Zwei Stunden später können wir bereits ernten. Mirko und ich sind jetzt di-cke.

Hoi Dani!

Du, das tuet mer hurrä [??] leid, aber ich chan mi mit em beschte willä nümmä a dich erinne-re, au wenn mr din namä sehr bekannt vor chunt.

lg mirko

Zehn Minuten später folgt:

Aaah, jetzt… klar! Sorry.. Isch mer extrem peinlich, aber jetzt han is au entlich kapiert 😉
Hey, gahts dr guet?

Nun bin ich irritiert.
Hat er unser Spiel durchschaut und einen online Link zwischen Moni und mir gefunden?
Eine Reihe Fotos sind gepostet; vier davon zeigen ihn mit einer Frau an der Seite, könnte die beste aber durchaus auch die Freundin sein. Moni ist enttäuscht. Noch geben wir nicht auf.

Hallo Mirko
Ich mag Dein Profil. Coole Pix. Allerdings glaub ich nicht (mehr) dass Du der Mirko P. ist, der mit meinem Bruder früher Basketball gespielt hat (oder meine Mutter würde sagen: «Der ist aber gut rausgekommen!»). Woher kennst Du mich denn – glaubenderweise?
Eigenartigerweise kommt mir dafür Deine Freundin (?) vertraut vor. Sind wir hier alle auf ominöse Art miteinander verbandelt?

Minuten später.

Dani, Dani!
Die Spannung steigt [der Trick wirkt immer: hochdeutsch merzt Mundart aus. Ist so ein Über-legenheitsding] Ich habe Dich für eine Sandkasten-Kollegin aus Biberbrugg gehalten. Kennst Du einen Andy Bickel? Meine Freundin [voilà!] heisst Diana Krueger und kommt aus Stutt-gart. Sie hat allerdings lange in Basel gearbeitet. Vielleicht hilft das weiter? Im Moment woh-nen wir grad in Freiburg im Breisgau.

Er bleibt maximal uninteressant. Moni trauert noch immer.

Ich beobachte das rundum bei Zwangsasketinnen. Ihre Nervenenden sind (auch wenn man das glauben würde) alles andere als abgestumpft, im Gegenteil. Sogar zufällige oder eindeutig asexuelle Berührungen von Freunden und Verwandten bringen emotionales Gletschereis zur Schmelze – en Masse.

Aus dem gleichen Grund, behaupte ich, gehen die Alten zu Stosszeiten einkaufen: um gratis eine Prise Körperkontakt zu ergattern – und sei’ auch nur an der Migroskasse. Sind Männer auch so? Oder sind die happy, wenn sie ihren Schwanz in die Hand nehmen können?

Meine Mädels sehen sich schon im Trauzimmer, wenn sie einmal speziell nett (eigene Wahrnehmung!) angelächelt, respektive wahrgenommen – und nicht einfach als other hu-man being ignoriert worden sind. Dass man einen Abend lang mit einem Typen quatschen kann (oder sogar noch ein wenig Fummeln danach, oder sogar mehr) und das aber auch gar nichts bedeuten muss, ist in ihrer Vorstellungskraft in die Ferne gerückt.

Dass dies das Finden zusätzlich erschwert, ist einleuchtend. Frage bloss: was tun?
Moni werde ich nun wohl mal an eine dieser Nurkuschel-Nosex-Feten schicken. Oder ihr ei-nen Callboy buchen. Hat jemand eine gute Adresse?

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