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Die Königsdisziplin.

Blog 84, 27. August 2010

Dass sich eine Single-Frau ein (nur bedingt familientaugliches) Haus kauft, ist eine post-feministische Erscheinung und/oder ausguthausbedingte Steuertechnik. Die Liegenschaft meiner Freundin Svet befindet sich ausgerechnet an einem Ort, an dem gemeinhin furzende kurzfellige, kastenförmige Beschäftigungsprogrammteilnehmer ausgesetzt werden. Der Ausblick ab Terrasse lässt dies sogar mich zwischenzeitlich vergessen. Und für die wenigen Male kann ich durchaus vorjährige Paare dem Pampaklater zuführen, das schafft zumindest Platz im Schuhzimmer.

An der frischen Luft mit einer Flasche Château de la Crée gibt’s Körper-Geist-Seelen-Trinity-Update.

«Zieht sich das perfekte Vögelnest rein, aber ohne Bussard? Kommschon! Wartest Du auf den Storch?»
«Weiss nicht. Es hat sich halt nichts ergeben.»
«Hat sich halt nichts ergeben! Quatsch hat sich halt nichts ergeben. Auf die Jagd, Mädchen, Pfeile in den Köcher und ab ins Wild!»

Adultfriendfinder mag sie dann aber doch nicht konsultieren, prüdes Ding.

«Und was machst Du hier abends, allein, Tee und ‹Friends› reinpfeifen? Oder Opernarien mitjaulen?»
Ertappt. Weidmannsunheil.

«Du verdorrst noch. Man verlernt’s zwar nie, aber der Fun-Faktor potenziert sich bekannterweise mit der Frequenz.»
«Ich üb ja schon.»
«Was üb ja schon. Allein?»
«Nun, ja. »

Svet gesteht, dass sie zurzeit an ihrer Lautstärke ‹arbeitet›.
«Immerhin – un projet.
Sollte hier ja kein Problem sein, wo Dich keine Schweine hören können ausser dem Bauer da unten.»
«Ich weiss. Probier ich ja.»
«Aber?»
«Geht irgendwie nicht.»
«Na dann lass doch mal hören.»
«Bist Du verrück?»

Dass wir vor dem Weissen ein paar Martinis gerührt haben, erweist sich als hilfreich. Ohne nennenswerten Widerstand lässt sie sich von mir abführen.

In ihrem Schlafzimmer (an dessem Dekor man die Männerlosigkeit ablesen kann, aber daran werden wir ein andermal arbeiten) deponiere ich sie an der Bettkante, wo sie wie ein verwaistes Blaukehlchen hocken bleibt.

«Lieber Küche? Bad? Wohnzimmerparkett?»
«Du bist verrückt.»
«Natürlich. Crazy fuckin‘ personal Dr. Sommer.»

«Und jetzt?.»
«Was wohl. Ausziehen – wenigstens untenrum!»
«Bist Du verrückt?»
«Dann bleibst Du halt angezogen. Ich geh jetzt vor die Tür. Und dann will ich was zu hören kriegen. Ich geb’ Dir sogar DB-Rabatt: das Fenster bleibt offen.»

«Du bist total verrückt»
,
wiederholt sie, aber ich rede noch zwei Minuten energisch auf sie ein, gehe dann raus, leere die Flasche und rauche drei Zigaretten, zwischen denen ich
«Lauter, Svet, verdammt! Sing für mich, Königin der Nacht!»

rufe.

«Und jetzt?»

Ich meine, ein zartes Stöhnen zu hören, gut möglich aber auch, dass irgend ein auszurottendes, balzwilliges rurales Getier aus seinem Loch gekrochen ist.

Kurz darauf kommt sie zurück. Im Bademantel. Mit leicht geröteten Wangen.

«Ich kann das nicht.»
«Na, war doch gar nicht so schlecht. Für den Anfang.»

«Jetzt Du.»
Trotziger Blick.

Ich parkiere mein Glas auf dem Tisch, stöckle ins Haus und schliesse Tür. Und das Fenster. Natürlich hab ich kein Equipment dabei (geht ohne, wenn auch weit weniger lustig, das Piercing als minimaler Fix-Pimp) und in ihren Schubladen lässt sich (natürlich) auch nichts finden.

Als ich zurückkomme, sitzt Svet aufrecht und mit hellroten Flecken am kafirahmhellen Dekolleté am Tisch.

«Das war ziemlich…»
«…gut.»
«Laut. Ziemlich… laut.»

Ich zucke die Schulter.
«Und da sind zwei Spaziergänger … vorbeigekommen.»
«Na und? Was hast Du gemacht?»


«Gewunken.»

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Nein Danke.

Blog 80, 25 Juni 2010

Wünsche haben wir ja alle. Was der einen die Doppelgarage ist dem anderen die Job-Offer aus Boston, die brünette Slowenin aus der Sonne im Donnerstags-Abo, die Herabsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Rückkehr der Gesundheit, das iPad ohne Fettfingerabdrücke, ein zweiter String zur sternhimmeldunklen Kombi von Agent Provocateur, Frieden für den nahen Osten (inklusive Nordkorea), weniger Verlust bei Börseleien mit Devisen und so weiter und so fort. Und dann sind da auch all die ureingepflanzten, in die Wiegen geleerten, in Form von kleinen Kapitänen, Primaballerinas, Lokführern, Kinderärzten, Tierärztinnen, berühmten, singenden (natürlich!) Schauspielerinnen und Sexgurus.

Und dann gibt’s da noch das mühevoll nur gehauchte ‹Jaaaaaaaaaaaaa!!!› im schwanweissen Hochzeitskleidli. Hier löst mit zwanzig ein eher lordoftheringy-ish schlicht direkt unterhalb der Brust gen Boden gleitendes Gewand das 25-Meter-Tüll-Mary-Poppins-Petticoat ab, das so blöd dicke Waden macht. Aber auch dies gehört zum Prozess, das jahrelange Window-Shopping bei Pro Nuptia & Co, wo man das ganz links dem zweiten von rechts vorziehen würde, wenn’s denn jemals so weit kommen wird, worüber natürlich keine Zweifel bestehen.

Dabei sind wir (weiblich, ledig, ü30) innerhalb der vergangenen zwölf Jahre mit höchster Wahrscheinlichkeit schon einmal vor die Entscheidung gestellt worden, die unser ganzes Leben verändert – und, da wir immer noch da sind, offenbar verdorben – hätte. Bei dem Antrag (umgeben von der lächelnden Wärme eines südthailändischen Sandstrandes, an einem dieser späten Nachmittage, an denen man nicht recht weiss, was noch mit sich anstellen, das war noch vor den Smartphones) ist er zum Glück nicht auf die Knie gegangen, sonst hätten etwa eineinhalb Tausend Menschen das ‹Nein› bezeugen können.

«Willst Du mich heiraten?»
… an den exakten Wortlaut erinnere ich mich nicht, aber so viele Spielarten gibt’s bei dem Game ja nicht.
«Nein Danke,»
hab ich nicht gut sagen können, sonst wär er in der Nacht nicht mehr in mein Bett gekommen, aber das war doch in etwa die Quintessenz meiner Replik auf die leidige Sache, und wir haben den Gegenstand dann auch ruhen gelassen, erst beim Schlussmachen hat er sie aufgetaut, die Schmach, ich hatte es schon gänzlich vergessen.
Hab ich damit meine einzige Chance vertan?

In den letzten Jahren, wo alles sich bandelt und bindet, schwengelt und schwängert, ist er – unter Frauen – ein grosses Thema, ‹der Antrag›, Passepartout in den Hafen.
«Und, hat ER Dich gefragt?»
(…so, wie sich das gehört, IM FALL!!)
Und auf die richtige Antwort folgt dann das
«Jöööö, so herzig!»

Was anderes ist gar nicht vorgesehen in der Szenerie.

Da gibt’s die, die beim Güselrausbringen total casual ‹darüber› reden, neben denen, die schwanger werden und sich absichern müssen und denen mit den so richtig ‹kreativen› Anträgen mit Pomp und Gloria, dem Ring, der im Sushi vorbeifährt, der Rosenblütenschrift im Badezimmer und all den romantischen Mätzchen, bei denen mir so gern die Kotze aus den Ohren rinnt.

http://www.heiratsantrag.ch ist ein wunderbarer Tipp für Männer mit Fantasietotgeburten.
Von den Top-Ten ist wirklich keiner abschlagbar, wahnsinnig gemäss meinem Gusto.

N° 1: Der Heiratsantrag mit einem Flugzeug: «Ihr(e) Liebste(r) fliegt gerne in einem kleinen Flugzeug; vielleicht auch in einem Doppeldecker? Überraschen Sie ihn/sie mit einem Ausflug an den Flugplatz!»
Unglaublich, nicht?

N° 2: Dasselbe im Heissluftballon .
Aber kostenoptimierter.

N° 3, der Blumen-Klassiker, sehr originell: «Welche Frau hat nicht gerne Blumen? Sie gehen in ein Blumengeschäft, welches Sie gut kennen, oder bei dem Sie bereits schöne Sträusse bekommen haben. Sie bestellen einen Blumenstrauss der besonderen [!] Art, rote Rosen [sic!], weisse Callas, Orchideen oder Sonnenblumen [was’n das?]. Je nach Jahreszeit oder Lieblingsblume der Freundin wird die Blumenwahl angepasst. [krass.]
Zu Hause haben Sie bereits verschiedene Kärtchen, bzw. schön geformte Herzblättchen [sic!!!] vorbereitet, auf denen allerlei über Sie und Ihre Beziehung steht. Die ersten Ausflüge, die lieben Gedanken, zusammen erlebte Geschichten. Ein Kärtchen hebt sich vielleicht [!] durch eine andere Form oder eine andere Farbe ab. Auf diesem Kärtchen steht die entscheidende Frage. Alle Kärtchen werden in den Strauss verarbeitet, fragen Sie die Floristin, ob Sie Ihnen bei Ihrem Heiratsantrag behilflich ist, und Sie die Kärtchen in den Strauss einbinden kann. Wir sind uns sicher, Ihre Freundin wird nichts mehr sagen können ausser: JA.»
Genau! Jaaaa! Ich kommeeeeeeeeeee!!

Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt (dem guten Geschmack leider auch nicht). Helikopter, Limousine, im Ausland, in den Bergen, auf einer Wiese, im Wasser – die Frage scheint überall hinzupassen, ja hinzugehören.

Unter der Rubrik ‹verrückt› finden sich Anträge auf dem Gletscher (awesome!), bei einem Fallschirmsprung (uiuiui!), oder sogar im Zoo (läck du mir!). Etwas weniger anstrengend ist’s bei ‹Kurz & Schmerzlos›, da wird der Spiegel im Bad bekritzelt oder ein Post-it an den Kühlschrank gepappt. Wer wäre ohne Hilfe auf die Idee gekommen, ein Dinner ohne Salz zu kochen und im (fast leeren) Salzstreuer einen Zettel «Du bist das lebensnotwendige Salz in meiner Suppe,willst Du…»?
Brillant!

Hat’s jemand noch besser gekonnt? Bitte melden an dani.tonet(at)gmx.ch.
Die beste Idee wird von mir persönlich prämiert.
Mit einer Flasche Champagner.

Oder einem ‹Ja!›.

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Crossing the Border. Line.

Blog 66, 13. Januar 2010

Luke B. ist der einzige Mensch auf diesem Acker, der im Besitz einer pornoerotischen Detailaufnahme von mir ist, die er nicht selbst gemacht hat.

Wir sind uns auf einer dieser Websites für Alterstrotzende begegnet. Den meist Pein verheissenden Namen zum Trotz lassen da drauf durchaus amüsante Geschichten erleben. Die Perlen sind allerdings dünnst gesät. Mit wem sich lohnt, über sporadisches Tastenklickern hinaus zu wachsen, ist nach spätestens drei Sätzen klar.

Luke B. hat sich in einer Phase hoher Hormonaktivität in mein Leben gechattet. Mit einem hübschen, sechsundzwanzigjähriger Körper. Letztlich wurden mir aber die Augen zum Fallstrick; ein Traum von dunkelblauer Eiszeit in einem perfekt geschnittenen Gesicht.

Gefühlskälte? Oder Gefühlsleere? Ein echtes Gegenüber? Oder nur Schein?

All das hat meinen Ehrgeiz gestachelt. Und meine Nase tropfte schon von smiley-tippenden Barbaren mit einer Präferenz für – zudem meist fehlerhafte – Worthülsen.

Ein Chatroom ist ein fantastisches Experimentierfeld. Unserer Sprachspielvielfalt zum Dank lässt sich jeder Satz in die beliebige Richtung umleiten.

«So, ich geh jetzt was essen.»
«Ich hab auch Hunger. Aber nicht auf Essbares.»

Haha. Plump & simpel.

«Ich hatte einen scheiss-strengen Tag.»
«Da kann ich ganz gute Ablenkungsmittelchen.»

Haha. Plump & simpel.

«Heute haben wir gegen zwei Idioten gepitcht.
«Ich würde mich gern mit Dir messen.»

(Variante B: Irgendwas mit «Dich ausmessen.»)
Haha. Plump & simpel.

«Mein Hamster ist gestorben.»
«Hat er sich totgevögelt? Könnte mir auch passieren.»

Haha. Plump & Simpel.

Mit Luke war das Thema beim ersten Satz gesetzt. Zwischen zwei und drei Uhr morgens haben wir uns die Hände tot geschrieben. Auch Luke wohnt alleine.

Seine Freundin hatte eines schönen Tages, so wie andere «fick mich» bitten, «schlag mich» gesagt. Und so wie auf Ersteres generell entsprechend auf die Aufforderung reagiert wird, hat auch Luke nicht lange überlegt. Und eine faszinierende neue Form der Katharsis gefunden.

Kainsmal Januszeichen. Ein echter Zwilling, eben. Nicht der Letzte von der Sorte, den ich gefunden habe . Und nicht der harmvollste. Aber dazu ein andermal.

Interessant. Sexy. Hypnotisch. Nicht primär, weil ich Prügelfantasien ausnehmend antörnend finde. Ich wollte herauskriegen, wie man seinen Schalter umlegt.
Schatzsuchezeit, Schlüsselfindezeit.

Ich sende Luke ein Foto.

Ein Close-up. Gesicht. Sehr stark geschminkt, Blick leicht schräg unten direkt in die Linse. Ein Sechstel zugekokste Edelhure, vier Fünftel demütige Unschuld, ein Rest trotzige Rebellion.
Um vier Uhr morgens schicke ich das perfekte Bild ab ab.
Die Antwort sehe ich erst am Abend.

[Übersetzt von Berner Mundart.]
«Mhhh. Ich stelle mir grad vor darauf zu spritzen.»

Wir sprechen wir dieselbe Sprache.

Jede Nacht, die er nicht mit ihr verbringt, treffen wir uns um Schlag eins auf Sykpe, meist wird es vier, fünf Uhr morgens. Pläne und Ideen. Er mailt mir ein Bild. Ich sende eins zurück. Visualisierungen.

Ich mag ihn nicht.
Aber wir verstehen uns super.
Zu gut, am Ende. Eines Tages stolpert seine Freundin über einen unseren Chats.

Der Inhalt hat ihr offenbar weniger gut gefallen. Als uns.
Ich wäre möglicherweise auch etwas ungehalten.

«….Luke?»
«Ungut hier. Melde mich vorläufig nicht mehr. Am 27. bei Dir.»
«Hoppla. 27th it is.»

Wieso er ihr das ganze Rumgezicke nicht einfach aus dem Kopf haut?
Denke ich.

«Luke. Morgen?»
«Dani. Scheisse. Wenn Du wüsstest, wie gern ich kommen…»
«Komm!»
«Geht nicht. Melde mich wieder. Irgendwann»

Ähm. Sorry?

Wer hat hier die Hosen an?

Puff! – ist meine ganze Lust am Berner Experiment wie weggeschlagen.

Eine Woche später lerne ich auf Myspace ‹Don› kennen. Der sagt hübsche Sachen wie:
«Daddy ist eine extrem böse, dominante Anwaltssau, die keine Tabus kennt.»

Und:
«Leck das Scheissloch, Du dreckige Nutte»

Aber das ist, wie gesagt, eine andere Geschichte.

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Leftovers.

Blog 57, 29. Oktober 2009

Simone hat Paulo in der Grubenstrasse kennen gelernt. Es ist gegen drei Uhr morgens, sie will gerade gehen, als er plötzlich mit zwei Kollegen auftaucht. Weil sie an den grossen, moccabraunen Augen kleben bleibt, überredet sie sich, zu bleiben, verabschiedet sich von ihren Freundinnen und steuert mit einem frischen Glas Vodka/Süssmost gradlinig auf ihn zu.

«Chin-Chin.»
Das Eis bricht.

Simone und Paulo sinken ineinander ab, vertiefen sich in einem Gespräch über Nebensächlichkeiten, von dem sie am nächsten Tag nur die Hälfte memorisieren kann, teilweise infolge akustischer Hindernisse und ihrem beträchtlichen Alkoholisierungsgrad, aber auch, weil sie sich überhaupt primär darauf konzentriert hat, wie Paulo sich bewegt, artikuliert und wie seine Augen dabei leuchten, als darauf, was dabei herausgekommen ist.

Logo fragt Paulo nach ihrer Nummer, aber Simone lächelt eleusinisch und meint, in Zürich treffe man sich ohnehin früher oder später wieder. So trennen sich ihre Wege auf unbestimmte Zeit. Simone entschwindet in einem Taxi, ohne dass Paulo die Adresse mitkriegt, die sie dem alten Türken nennt. Er geht zu Fuss zum Goldbrunnenplatz.

Drei Wochen sind sie nun schon getrennt und Simone zweifelt bereits latent an ihren eigenen Worten. Dann aber berühren sich ihre Umlaufbahnen am nachtschwangeren Freitagmorgen unter der Autobahnbrücke.

«Du hast Dir ganz schön Zeit gelassen.»
«Du hast am falschen Ort gesucht.»
«Selbstbewusst am Rand der Selbstüberschätzung. Wer sagt, ich hätte gesucht?»
«Niemand. Aber Du schaust drein, als hättest Du gefunden.»

Auch nach dieser Nacht schieben sie lediglich ihre beiden Fahrräder den endlosen Weg der Limmat entlang zurück. Simone verabschiedet sich beim Platzspitz.

«Bis… irgendwann.»
«Ja, bis irgendwann. Bald.»

Erst fünf Tage später findet Zuzana in der Tasche von Paulos Jeans den Zettel mit Simones Natelnummer. Gut sichtbar deponiert sie ihn auf den Herd.

Er schilt sich halblaut einen verdammten Idioten und schreibt Simone – es ist schon weit nach Mitternacht – ein SMS.
«Der Diamant von einer Putzfrau hat Dich heute morgen gefunden.»

Am Donnerstag treffen sie sich auf eine Flasche Pollerhof im Piazza. Es ist schon ziemlich spät, als sie durch den Nieselregen nahe nebeneinander Richtung Innenstadt spazieren. Paulo ist happy. Noch ist alles offen. Das Bier in der leeren Spelunke an der Ecke Hallwylplatz, deren Name sich Paulo nicht merkt, korreliert zwar negativ mit der Präsentation, die er am nächsten Morgen halten muss, aber für Bedenkenzeit ist es ohnehin zu spät.

Simone daneben hat schon nach dem ersten Glas des hellgrünen Österreichers auf der Toilette ihre goldene botswanische Münze in der Luft tanzen lassen. Sie ist nicht auf das Rhinozenross, sondern auf das Staatswappen gefallen und sie hat gelächelt.

Paulo hat bereits aufgehört, damit zu rechnen und zudem ist das dämliche PowerPoint noch nicht ganz fertig und überhaupt ist es tami spät, als sie es sagt.

«Du kommst zu mir.»
Wenn es auch definitiv keine Frage ist, hört es sich doch nicht an wie ein Imperativ und Simone wohnt, zudem alleine, auch grad an der Morgartenstrasse.

«OK»,
denkt sie zwei Stunden später, als sie aufsteht und zur Toilette geht,
«das war ja nun leider wirklich nicht der Hammer.»

Ob Paulo anders empfindet, ist nicht auszumachen, aber als er die Schuhe anzieht, ist sie ein wenig froh, dass er nicht gefragt hat, ob er bleiben dürfe oder solle.

Schon am Sonntag aber treffen sie sich nochmals, wo, weiss ich nicht mehr, und Paulo ist plötzlich wieder in ihrer Wohnung, ihrem Schlafzimmer, in ihrem Bett und diesmal viel forscher, es muss am Pollerhof gelegen haben, oder das Bier war doch zuviel und überhaupt ist eine Sache mit Entwicklungspotential letztlich spannender als Knabenschiessen und Mariä Himmelfahrt zusammen und nächstes Mal nur noch Auffahrt und dann gleich Fronleichnam.

Als Paulo Anstalten macht, zu gehen, zieht Simone ihm die Shorts wieder aus.

Später benutzt er zum ersten Mal ihre Zahnbürste mit.

Irgendwie geht das dann einfach so weiter und ist so weit, so gut. Wenn Simone und Paulo auch kein Pärchen sind, hat das Ganze etwas angenehm Beziehungsverwandtes. Langsam fügen sich Steinchen zusammen, man geht ins Kino oder beugt sich beim Katerfrühstück gemeinsam über eine Sonntagszeitung. Auch Paulos WG-Gspänli Mikael findet Simone recht cool.

Meist übernachtet Paulo aber bei Simone: keine Rücksicht auf Lärmbelastung nehmen zu müssen, macht die Sache eben doch einfacher und für sie ist es auch vorteilhafter, wenn sie nicht die ganze Kosmetikscheisse jedes Mal hin- und herzügeln muss.

Eines Tages bringt Paulo allerdings Gepäck mit. Eine gelbe Zahnbürste.
Die liegt am Abend, als Simone von der Agentur heimkommt, noch immer auf dem Lavabo.

Sie dreht den postgelben Eindringling mit den schwarzweissen Borsten, brandneu, erst zwei Mal benutzt, irritiert in den Händen. Schliesslich stellt sie das Ding in ihren Spiegelschrank, ständig im Augenwinkel mag sie es irgendwie doch nicht haben, wenn auch sie regelmässig sämtliche Körperflüssigkeiten austauschen.

Wann immer sie den Schrank öffnet, fällt ihr Blick nun auf die gelbe Zahnbürste rechts oben. Ein Token. Ein Symbol. Ein fremder Besitz. In ihrer Wohnung. Ein erster Schritt zum Zweitschlüssel? Simone schliesst den Schrank.

«Hoppla!,»
spöttelt Sonja, der aber auch gar nichts verborgen bleibt,
«jetzt aber! Es gilt Ernst!»

«Quatsch. Ist letztlich eine Frage der Hygiene.»
Simone kontert zähneknirschend.

Wochenlang wohnt die ‹Tigerente› in Simones Badezimmer mit. Mal steht sie an ihrem Platz im Schrank, mal schmiegt sie sich sogar im Zahnglashalter an Simones eigenes, perlweisses Bürsteli. Und mehr oder weniger regelmässig kommt sie auch zum Einsatz. Manchmal freut sich Simone sogar ein wenig über den gelben Griff, der aus dem Glas ragt und sie an die Moccaaugen denken lässt.

Als dann, irgendwann später, jemand anderes, mit andersfarbigen Boxershorts und grünen, höchstens grünbraunen, Augen in ihrem Bad steht, ist Simone versucht, ihm die gelbe Zahnbürste hinzustrecken.

Aber irgendwie schafft sie es doch nicht und stopft sie statt dessen zwischen ihre wimpertuscheschwarzen Wattepads in den Mülleimer.

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Sternstunde

Blog 56, 22. Oktober 2009

Im Zweifelsfall entscheide ich, meiner genetisch determinierten Vernunftbegabung zum Trotz, immer zugunsten der Form. Und ich bin zwar emotional und ideell technophil, in der Praxis aber meistens totally lost. Heisst, ich brauche (liebstens männliche) Unterstützung für die Aktivierung meiner Zünden-Drücken-Drehen-Ölheizung, aber auch, um den schon wieder verloren gegangenen Radiosender oder den Timer der Waschmaschine zu programmieren.

Die Verweigerung hängt durchaus auch mit dem Mangel an Ästhetik zusammen.

Welch Lichtblick war deshalb der Markteintritt des kleinen ‹i›! Hoffnungsvoll warte ich nun auf iBeamer, iElektrozahnbürsteli und, wenn wir grad dabei sind, auch iVelopumpe und iHILTI; Bohren ist schliesslich schrecklich sexy.

Digitalisierung ist grossartig. Ausser in der Fotografie. Tausend Mal straffrei knipsen – das macht jeden Idioten zum potentiellen Paparazzo-Casting-Teilnehmer. Kurz umentschlossen hab ich mir deshalb im Internet zwei alte Kameras gekauft; eine Kodak Instamatic 100 und den grossen Bruder 333. Strahlend stelle ich die zwei auf die Theke von Zürichs renommiertestem Fotoladen.

«Läck isch die Frau futzdumm.»
mag er sich zwar denken, ist aber meinem Kinderaugenleuchtencharme völlig erlegen und belehrt mich, dass, leider Gottes, weder Batterien noch Filme für «antike Gschwüre wie diese» noch existieren.

«Antike Geschwüre? Erlauben Sie mal! Die sind maximal so alt wie ich!»
«Nun ja, Mademoiselle, im Kamerazeitalter ist das leider SEHR alt. Bei Ihnen hingegen…»

«Und … was mach ich jetzt?»

Er klettert ins Schaufenster und kramt eine Rollei 35 T, Made in Germany, hervor. Die 25 Mal soviel kostet wie meine beiden offenbar unnützen Lieblinge zusammen.

«Aber Sie! Das ist keine Instamatic. Da hat’s hundert Dinger dran zum Drehen!»
«Natürlich, meine Liebe
[sic!]. Blende und Belichtung.»

«Vergessen Sie’s!»,

sag ich, das schwere, eckige, metallige Wahnsinnsding elektrisiert in den Händen drehend.

Die wogenden Emotionen schwappen flux auf den schnuckeligen Verkäufer, der nun – extra für mich! – dem Baby eine Batterie einlegt und mir mit bewundernswerter Seelenruhe en detail mindestens drei Mal erklärt, wie ich links (denn Sie müssen nur den Nippel) wegen Verwackelungsgefahr 60 irgendwas einstellen (und mit der kleinen Kurbel) dann rechts so lange drehen muss, bis die Kelle auf der Oberseite mit dem (Licht?)Messer übereinstimmt. Das Beste: Mit dem Blitz, den er quasi mitschenken würde, braucht’s die ganzen Knöpfe nicht.

Ich bin total geflasht.
Und restfrei überzeugt.
Und will das Teil grad mitsamt dem Mann heimnehmen.
Und habe aber ein Date mit Markant.
Und hüpfe drum happy aus dem Laden.

Und setze die Kamera auf Dani Tonet’s Wunschliste

Ja! Ich will:

  • täglich frische Aal-Sushis, auch wenn die grad aussterben,
  • dass auf dieser Welt Frieden herrscht und alle Kriege sofort aufhören,
  • ein Schuh-Abo von Christian Louboutin,
  • dass keine Frauen mehr beschnitten oder gesteinigt werden,
  • dass Heidi Klum ihr Schwangerschaftsfett fünf Jahre lang nicht runterkriegt,
  • dass es genug Arbeit für alle Menschen gibt,
  • dass sich meine Bettwäsche von selber wäscht und wechselt (oder dafür ein Gentech-Tier abgerichtet wird),
  • dass die Umweltverschmutzung aufhört und sich unser Planet erholt,
  • dass ich mit Pudelblut Action Painting üben kann,
  • dass die Folter abgeschafft wird,
  • 474 Nagellacke im Kühlschrank, die niemals eintrocknen,
  • dass alle Menschen immer genug zu essen haben,
  • dass Martina Hingis bei mir daheim auf MDMA Pole-Dance übt,
  • dass die Gorillas nicht aussterben,
  • einen dunkelhäutigen, muskulösen Masseur, oben ohne mit weissem Tuch um die Lenden, der nach getaner Arbeit wieder im Schrank verschwindet und keinen Mucks macht,
  • dass AIDS vollständig heilbar wird,
  • dass ich mich von Mittwoch bis Sonntag von Austern, Taittinger und Mohrenköpfen ernähren kann,
  • dass es keine Rassendiskriminierung mehr gibt,
  • dass Mämä mir lebenslänglich ‹entry on demand› gewährt,
  • dass es keine Kindersoldaten mehr geben muss,
  • dass sich Robert Patterson und Mark Wahlberg darum schlammcatchen, wer (zuerst) mit mir Sex haben darf,
  • dass alle Menschen genügend Geld haben,
  • einen frisch geduschten jungen Glarner Alpkäser,
  • dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben,
  • eine eigene Nerz-Farm,
  • dass es keine Kinderprostitution mehr gibt,
  • dass Sven Epiney zwei Mal täglich bei mir abstaubt,
  • dass Waffen nur noch im Museen hängen,
  • drei Flaschen Pimm’s in Flims mit Kaminsims.
  • dass dumme Menschen keine Kinder mehr kriegen können,
  • eine Rollei. Und zwar schnurstracks. Und nicht für 500 Stutz.

Ich jage meinen Mac quer durch die Onlineangebote. Auch auf privatmarkt.ch speise ich ihm ‹Rollei 35 T› ein. Da, spuckt das Schätzchen was Komisches aus: Das Bild eines weissfleischigen Männerkörpers (Américaine, aber kopflos) mit einem genitalen Zensurbalken.

Hallo, Rollei??

Titel: «Büro blowjob»

Hallo, Rollei??

Text:
«
Ich muss leider noch bis um 17:30 im Büro sitzen.
Ich arbeite in einem Grossbetrieb in der Stadt ZH.
Ich suche ein Dame die zu mir kommt, mir einen
Blowjob verpasst und wieder geht.
Bin 35 jährig 177cm 72kg blond und wenig beh… »

Weiter geht’s leider nicht. Vielleicht, weil ihm das Ding schon abgegangen ist, bevor er fertig töggelen konnte.

Und ich denke nur: http://tinyurl.com/danitonet1

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Welcher denn nun?

Blog 48, 20. August 2009

Nach dem 250-Gramm-Beefburger mit Country Fries und viel Weisswein piepiept in den ersten zehn Kinominuten das Handy, das ich (natürlich) vergessen habe, zum Stummen zu bringen.

Nate. Nate ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, mit dem ich was hatte, bis er vor zwei Jahren (s)eine blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte akquiriert hat, die bis heute seine ungeteilte Aufmerksamkeit fordert. Nate mit den Sternentattoos in den Leisten. Nate, in den ich am Streetparadeweekend reingetanzt bin und der mich, als seine blonde, langhaarige, langbeinige, um zwei Jahre gealterte Schnitte grad auf der Toilette weilte, gefragt hat, ob wir mal wieder vögeln wollen. Klar, hab ich gesagt.

Vor allem, weil die blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte zwar um zwei Jahre gealtert aber immer noch fünf Jahre jünger ist als ich.

In den ersten zehn Kinominuten piepiept also Nate und fragt, was ich am Donnerstag um 2200 vorhabe.

Dann der Film.

Fünf Frauen und vier Männer. (Heisst: eine geht leer aus.) Die Struktur ist simpel:

Frau_01 ist total erfolglos und pendelt zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Mann_01 (eigentlich ein Freund von Mann_03, der Frau_01 gedatet hat, aber nichts von ihr wollte) wird zum persönlichen Beziehungsberater von Frau_01.

Und verliebt sich Ende (natürlich!) in sie – und sie sich in ihn. Ende gut, alles gut

Frau_02 und Mann_02 sind seit sieben Jahren fast ganz glücklich verheiratet. Frau_02 will unbedingt heiraten. Mann_02 ist – obwohl er Frau_02 abgöttisch liebt – grundsätzlich gegen die Ehe. Sie trennen sich. Durch widrigste Umstände finden sie wieder zusammen.

Als Frau_02 schliesslich einwilligt, auf die Ehe zu verzichten, macht Mann_02 (natürlich!) gleich einen Antrag. Ende gut, alles gut.

Mann_03 steht total auf die Yogalehrerin Frau_03. Frau_03 hat sich aber in Mann_04 verknallt, der mit Frau_04 fast ganz glücklich verheiratet ist (Frau_04 hat auf Heirat bestanden!).

Frau_03 und Mann_04 haben eine heisse Affäre. Sie fliegen auf und Frau_04 verlässt Mann_04.

Am Ende sind Mann_04 und Frau_04 alleine. Frau_03, eh eine Schlampe ist, reist nach Indien. Ende gut, alles gut. [Und merke: Frauen, besteht nicht auf Heirat!]

Mann_03 und Frau_05 (eine Freundin von Frau_03) verlieben relativ unspektakulär ineinander. Ende gut, alles gut.

In den letzten zehn Minuten piepiept mein Handy.

Andy. Andy ist ein wahnsinnig schnuckliger Typ, ohne blonde, langhaarige, langbeinige Schnitte. Und ohne Sternentattoos in den Leisten.

Andy fragt, was ich am Donnerstagabend vorhabe.

Während ich die Schnitte und den Sternenhimmel gegen andere Qualitäten abwäge, ist vorn an der Leinwand Ende gut, alles aufgestanden und weg.

Selma wischt sich neben mir den letzten Rest Tränen aus den Augen und sagt, während wir die Treppe runter stolpern, sie wolle auch mal wieder so richtig frisch verliebt sein und alles.

Zwei Zigaretten später hat sie es sich anders überlegt und freut sich, dass sie heim kann zu ihrem Macker. Wo sie laut unter der Bettdecke furzen darf.

Ende gut, alles gut.

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Alles unter Kontrolle.

Blog 47, 13. August 2009

Saskia ist 168 Zentimeter gross und bringt knappe 50 Kilogramm Muskel und Knochen auf die Waagschale. Hals über Kopf hat sich Rudy in die adrette Brünette mit dem kinnlangen Bob, den zierlichen Hüften und dem waschbrettflachen Bauch verguckt. Mit seinen musikalischen Talenten (und der zugehörigen CD-Collection), etwas westamerikanischem Charme und dem darin wohnhaft scheinenden Weltmannstum sowie seinen beruflichen Erfolgsgeschichten gelingt es ihm, ihr Herz nach einigen Werbewochen zu erobern. Saskia gefällt an Rudy – wenn er auch alles andere als ein Hingucker ist – zudem, dass er, im Unterschied zu den anderen Männern, die sie kennen gelernt hat in den letzten Monaten und Jahren, sehr kinderaffin ist. Sein Drängeln diesbezüglich schiebt sie jeweils sanft, aber bestimmt zurück, will sie ja auch, aber halt nicht grad. Die nächsten drei Lebensjahre sind dem bevorstehenden Executive MBA und den entsprechenden Karrierefrüchten vorbehalten.

Ihren unregelmässigen Zyklus ist sich Saskia seit langem gewohnt und sie ist auch nicht traurig, wenn sie wochenlang nicht menstruieren muss, im Gegenteil: Je weniger Tampon desto Lebendqualität. Umso bestürzter  ist sie drum, als ihr der Frauenarzt bei der Jahresroutineüberholung mit einem süssen Lächeln mitteilt, dass sie schwanger sei.

Schwanger? Jetzt? Sie? Unmöglich. Sie verhüte zwar mit Gummi, aber da sei nichts kaputt gegangen, könne gar nicht, allermeistens sei sie es nämlich selbst, die Rudys eingeknotete Flüssigkeit im Abfall entsorge, weil er dazu neige, das neben dem Bett oder Sofa hingelegte Depot zu ‹vergessen›. Man müsse umgehend einen zweiten Test machen.

Dr. Blanchard ist leicht erstaunt ob dieser Reaktion, vermeldet aber, dass der Zustand garantiert sei und zudem bereits in die siebzehnte Woche fortgeschritten ist. Er könne gern zum Beweis das Ultraschallgerät einführen.

«Und wieso merk ich davon nichts?»

Saskia ist kreidebleich. Auch die Übelkeit ist jetzt da.

Dr. Blanchard erklärt, wenn auch einiges gewöhnt, mittlerweile doch leicht alarmiert, dass dies, bei ihrem tiefen BMI, wohl möglich sei, der Bauch wölbe sich unterschiedlich rasch, ob sie aber kein Spannen in den Brüsten gespürt habe?

Jetzt wo er’s sagt ist’s klar; aber bis vor drei Minuten hat Saskia ihre Überempfindlichkeit auf den (über)fälligen Zyklus geführt.

«Ich will aber kein Kind! … Oder wenigstens nicht jetzt!»

«Sie können nicht mehr abtreiben, Frau P. Der Fötus ist schon zu gross. »

«Ist Ihnen der Vater des Kindes bekannt??»
«Natürlich! Mein Partner. Rudy.»

«Dann würde ich vorschlagen, dass Sie sich darauf einstellen, Eltern zu werden, Frau P. Alles Gute!»

Saskia könnte kotzen.
Auskotzen, das Ding, das sich, wieauchimmer, an einem Durexgummi vorbeigemogelt hat! Schluchzend ruft sie Rudy an, der sofort alles stehen und liegen lässt, sich auf sein weisses Velo schwingt, zu ihr rast und sie tröstet.

Nach ein paar Wochen hat sich Saskia an den Gedanken gewöhnen müssen, bald mit Rudy eine Familie zu sein. Sie weiss, dass sie den Heiratsantrag, der am Wochenende bevorsteht, annehmen wird. Für den Abschluss des MBA wird es allerdings nicht mehr reichen.

Ein paar Monate später ist Rob Louis dann da. Die Geburt war ein dreissigstündiger Horror, aber wie es so geht, das erste zahnlose verziehen der Mundwinkel und die unfokussierten blauen Kulleräuglein  – und alles ist vergessen.

Beim Gedanken an die Karriere, die nun lange wird ruhen müssen, lässt Frau T, wie sie seit acht Wochen heisst, den Blick über Mann, Kind und Ring schweifen und schläft dann – der Bauch wieder flach wie vor neun Monaten – auf dem frisch bezogenen Kissen ein.

Nach ein paar Wochen hat sie völlig adaptiert.

Rudy kümmert sich liebevoll um klein Rob, ein Herz und eine Seele sind die beiden, fast schon bräuchte es Saskia nicht, Rob scheint Rudy genug zu sein. Das denkt Saskia ab und zu, wenn ihr Herz und Hirn ganz nüchtern sind.

Dann findet sie ihren Mann auch beinahe hässlich, wenn sie ihn so schräg von hinten betrachtet.

«Schatz, ich muss Dir etwas beichten.»

Rudy eröffnet die kleine Feier zum ersten Hochzeitstag. Rob, glücklicherweise ein ruhiges Kind, schlummert friedlich in seiner Wiege.

Er habe damals, als sie so niedlich angeheitert von der Party mit ihre Freundinnen heimgekommen sei und sie Sex gehabt hätten, ‹zwischendurch den Gummi ausgezogen›.

«Du hast WAS?»

Sie wisse ja, wie er die Dinger gehasst habe, weil er einfach nichts spüre beim Vögeln, wenn ‹er› so eingepfercht sei.

«Du hast WAS?»

Und er habe ja eh unbedingt Kinder wollen. Das habe er immer gesagt. Und sie sehe ja, dass er ein exzellenter Vater sei. Nicht? Zudem liebe er sie über alle Massen. Schatz.

«Du hast WAS?»

Rudy ist erstaunt, dass der Schuss so nach hinten losgeht, sie ist doch glücklich, seine Saskia! Das sieht er ja. Und alles hat sie, alles!

Fünf Monate später sieht Rudy nur noch wenig von Rob. Saskia hat gedroht, ihn öffentlich anzuprangern, wenn die Scheidung nicht innert Wochen durch sei.

Das ‹unsichere› Vergnügen hat nun seinen Preis. Genau 9600.-

Pro Monat.

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