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Ménage à Trois.

Blog 64, 15. Dezember 2009

Silke (ja, sie ist Deutsche), genannt ‹Silly› und Roger sind eines von den Pärchen, die quasi zusammen sind, seit sie denken können. Beide im neunundzwanzigsten Altersjahr, gut gebildet, die obligatorischen Mini-Schlenker im CV (aber alles halb so wild) und gut positioniert, haben sie die letzten zehn Jahre ihres Lebens getreulich geteilt, mit einem einzigen viermonatigen Unterbruch im Jahr 2005, während dem Roger mit zwei und Silly mit einem ‹Andern› was hatte. Bei ihr war’s erst der vierte überhaupt.

Ansonsten waren sie sich treu wie Bohnenblust, wessen ich mir sicher bin, weil es mir beide einzeln im Zustand totaler Trunkenheit erzählt haben.

Seit mehr als drei Jahren wird eine hübsche Wohnung im Universitätsquartier bewohnt; sie streckt sich drei Mal wöchentlich im Yoga, er liest Economist oder macht sonstwas und in einer hübschen Regelmässigkeit werden wir Freunde zu fantastischen Abendbrötern geladen.

Und noch immer gibt es das eine oder andere Post-it oder Schöggeli, das man dem anderen am Morgen oder späten Abend in den Weg legt oder klebt. Also alles perfekt.

Ausser beim Sex.

Auch da ‹läuft‘s› zwar an sich leidlich, dass nichts läuft. Oder nicht oft. Oder nicht oft genug. Für Roger zumindest. Silly ist nämlich grad, also, seit etwa dreizehn Monaten, in einer asexuellen Phase. Hat einfach keine Lust. Netterweise nicht nur auf Roger, sondern irgendwie einfach gar nicht (nur ab und an in der Dusche).

Roger findet das zwar nicht wahnsinnig tragisch, aber auch nicht extrem lustig. Und Silly schämt sich manchmal, wenn sie extra erst ins Bett geht, wenn er schon mehr als halb schläft oder am Sonntagmorgen (dem Sexklassikertag) aus den Daunen schlüpft, sobald sie wach ist.

Auch Silly hinterfragt manchmal ihr eigenartiges Verhalten, da ihr aber nichts fehlt, hat sie eher das schleichend schlechte Gewissen, Rogers Ansprüchen als Frau nicht zu genügen, resp. ihren ‹eheähnlichen Pflichten› nicht gebührend nachzukommen.

Dann kommt Roger– über die näheren Umstände ist nichts bekannt – das (durchaus empfehlenswerte) Werk von Barbara Lukesch; ‹Herr Heer, was ist guter Sex?› zwischen die Finger.

Dieses beantwortet auch die Frage, die sich in den allermeisten Langfristverbindungen früher oder später stellt. Nämlich, ob das Sexleben, wenn’s denn unter aller Sau ist, halt geplant werden muss.

Dies als Ideenknochen vorgehalten kriegen, löst generell spontane Ablehnung aus. Geplanter Sex? – wie öde, unromantisch, unerotisch, unspontan, desperate etc!

Papst Heer sieht’s offenbar anders. Er behauptet, dass letztlich alles, worauf wir uns freuen, vorausgeplant wird. Die Ferien: Monate zuvor gebucht. Der Kinobesuch jeden ersten Montag im Monat: fix auf dem Programm. Das Wochenfondue im Winter: der Klassiker. Der Morgen ohne Sonntagszopf: unvorstellbar.
Auch ‹unanständige› Tätigkeiten werden liebend gern vorab fixiert;: wenn sich (üblicherweise) ein Mann mit einer Nutte (oder einer unbezahlten Fremdgehhilfe) vergnügt, ist das ein Date; ein Rendezvous in einem Hotel, einem Auto, einer fremden Wohnung, irgendwo. Und das Versprechen schärft die Vorfreude womöglich während Tagen oder sogar Wochen.

Wieso sich also nicht vom Mittwochabend mit dem eigenen Partner verlocken lassen?

Das leuchtet Roger ein. Und weil er seine Silly so gern hat, organisiert er ein Hotelzimmer für die ‹Startsitzung›. Dort will er sie zuerst nach allen ihm bekannten Regeln der Kunst – und dann vorschlagen, dass dies nun immer so gemacht werde, mit der Option auf mehr, natürlich.

Zufällig kann er sich noch erinnern, dass sie vor acht Wochen menstruiert hat (dummerweise genau als sie das Wochenende in den Bergen verbrachten), rechnet er sicherheitshalber etwas Zeit zu und bucht ein Zimmer in einem Boutique-Hotel (eines dieser ‹Romantic Fuck Spots› schien ihm dann doch zu viel des Guten).

Am Abend kündigt er zu Hause an, dass eine Überraschung anstehe und sie für den Anlass nur ‹das Nötigste› einpacken müsse.

Silly lächelt verführerisch und lässt einen verheissungsvollen Nachsatz verlauten.

«Hmmm… vielleicht sind wir dann ja zu Dritt…»

Nun ist bei Roger Feuer im Dach – resp. im Schritt. Natürlich weiss Silly, dass ein ‹Flotter Dreier› zu seinen allerallerliebsten Lieblingsfantasien gehört. Und nun würde sie ihm genau das…? Seine Supersilly!

Zwar ein wenig frigide im Moment, aber eigentlich ja immer schon ein experimentierfreudiges, aufgeschlossenes Weibsstück!

Roger kann kaum mehr klar denken. Im Internet informiert er sich eingehend, was ein Mann denn mit zwei Frauen auf’s Mal alles anstellen kann, soll und muss. Auf Youporn wird er fündig, aber auch sonst verbirgt sich hinter ‹Dreier›, ‹ménage à trois›, ‹threesome›, ‹trycicle›, ‹guy fucking two chicks› etc. allerlei Lernens- und Wissenswürdiges.

Tag X.

Roger hat – aufgrund der veränderten Umstände – darauf verzichtet, Rosenblätter oder Artverwandtes auszustreuen, sondern vielmehr drei Flaschen Champagner auf Eis und ausreichend Gummis in Bettnähe postiert.

Letzte Woche war er zudem im Erotikmarkt in Volketswil, wo er sich umfassend mit Material eingedeckt hat. Diese Utensilien stehen nun in einer grossen, weissglänzenden Box mit einer dunkelvioletten Seidenschlaufe auf dem Bett.

Bei PKZ hat er sich zudem einen anthrazitfarbenen Seidebademantel gekauft, den er, um nicht so ‹angezogen› zu sein, bereits montiert hat.

Punkt halb neun klopft’s.

Silly steht in der Tür, die rötlichen Locken frisch gewaschen, in einer festlich-weissen Bluse und der schwarze Costume-Hose schlüpft sie durch die Tür.

Und schliesst diese hinter sich.

Roger ist leicht irritiert.

Und ist versucht, die Tür wieder zu öffnen und den Gang runter zu spähen.

Natürlich, sie kommt etwas später.

Begrüssungskuss.

Roger köpft einen Champagner.

«Wie süss von Dir, Rog! Bitte nur einen Schluck.»

Roger ist leicht irritiert.

Sie ist wohl etwas nervös.

Silly guckt ihn erwartungsvoll an.

Er guckt erwartungsvoll zurück.

Leicht irritiert.

«Und?»

Roger kann nicht viel mit dieser Frage anfangen. Und was?

«Was wolltest Du mir sagen?»

Sagen? Er? Was denn?

«Wann kommt denn…?»

Nun strahlt Silly wieder über’s ganze Gesicht.

«Mitte Juni!»

Mitte Juni? Was soll er über ein halbes Jahr auf seinen Dreier warten?

Dann fällt der Zwanziger.

Fertig Essig. Für ihn.

Essig. Gurken. Für sie.

Sich verflüchtigende Fantasien.
Schaffen.
Raum.
Für Freude.

Indessen hat Silly die weisse Blackbox entdeckt.

«Für mich?»

Roger räuspert sich.

Und denkt an die Augenbinde, die Handschellen (im Leopard-Mäntelchen), die Flüssigschokolade, den hellblauen Delfinvibrator, den schwarzen Latexdildo, dieFussfesseln und den Anal Plug.

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