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Hab ich mir gedacht

Blog 61, 26. November 2009

Total Bar. Ich warte mit Sonja auf Simone, die neuerdings unglaublich unpünktlich ist.

Wir nutzen die Zeit mit kugelfreiem Beckenbodentraining. Das geht so: Sobald eine von beiden per Ausruf, Handnotiz oder Fingerzeig eine Zahl benennt, muss sofort zum Beispiel «47!» Mal der verdammte Beckenboden eingesaugt werden. So wie jetzt gerade.

Ich bin bei 23, als Misch zur Tür reinkommt und sich vor uns aufbaut. Ich kann unmöglich gleichzeitig nummerieren und grüssen, Sonja auch nicht und so schauen wir den Misch mit angespannten Kiefermuskeln und zusammengekniffenen Augen an und klemmen um die Wette und irgendwie ist das wie ein doppelter Cyber-Orgasmus im Beisein eines Mannes, der keine Ahnung hat von seinem Glück und Gott sei Dank schon mit ein paar Bieren angefüllt ist und drum nicht schnallt, dass wir etwas very slow sind im Antworten.

«Fertig!»
japst Sonja und schlägt mich damit um zwei Kontraktionen, womit es vier zu sieben steht. Nun drücken wir Misch und entlassen ihn nach weiter hinten, wo ihn die Trinkmannschaft mit mehr gelbem Brautreibmittel erwartet.

Zehn Minuten später ist auch Simone unter uns. Hale-Boppig zur Tür reingeschossen stolpert sie beinahe über ihren viel zu langen Schal in die Arme eines jungen Wollkappenträgers. Des sehr niedlichen jungen Wollkappenträgers, von dem ich gestern erfahren habe, dass er auf dem Weg zum Medicus ist, was hübsch ist (Ärzte sind immer gut, auch da weisse Kitteli halbe Uniformen), aber erst 26, was etwas weniger hübsch, aber immer noch hübsch genug für Augenware ist.

Während sie sich ein paar Nieseltropfen von den roten Backen tupft, fallen die rotweiss gepunkteten Handschuhe und die Angoramütze zu Boden. Sonja bückt sich.

«Kind, wo ist Dein Hirn?»
«Es fehlt am ganzen Menschen.»

Simone ist vor etwa drei Wochen von dieser Welt gegangen.

Zuerst dachten wir, sie hätte die Johanniskapseln wieder angesetzt. Ab und an ist Simone ein wenig stimmungslabil und muss dann gut examiniert werden.

«Warten wir mal ab»,
hab ich gesagt.

Dann hab ich mir ihren iPod ausgeliehen. Neben dem üblichen Simonegemix aus wenig bekannten Pop-Songs, gepaart mit Indie, Singersongwriterstuff, aktiviert Glen Hansard mein Alarmsystem. Elvis Costello bringt das Blaulicht zum Rotieren und bei dreimal hintereinander

«Girl,if you’re wondering
if I want you to (I want you to)
I want you to (I want you to)

I swear it’s true (swear it’s true)
Without you my heart is blue
»

geht der Heulton ab.

‹ER› ist schuld.
Der Typ, den sie an der Reviereröffnung kennen gelernt hat. Unzweifelhaft optisches 1A. Seither sind sie in einem halbwegs stetigen SMS-e-Mail-Facebook-Chat-Kontakt. Gemäss dem, was sie in seine Satzfetzen reininterpretiert, könnte sich durchaus etwas daraus entwickeln.

«Warten wir mal ab»,
denke ich, die das Geplapper unvoreingenommenen Verstandes rezipiert.

‹ER› ist konsequenterweise Simones aktuelles Lieblingsthema. Spricht man sie auf ‹IHN› an (und believe me, das hält nur aus, wem’s nicht grad beschissen geht), straffen sich die Schultern, die Augen weiten und die Stirn glättet sich, ein debilitätsverwandtes Grinslächeln entblösst die schimmerweissen Zähnchen neckisch und das Sprechtempo nimmt um einen Drittel zu. Ein entzückendes Bild. Ihr neu gefundener Positivismus daneben ist unerträglich.

Die Haare frisch gewaschen und sämtliche eventuell störenden immer schön depiliert, hofft Simone nun von Donnerstagabend bis Sonntag in den frühen Morgenstunden, ‹IHM› (halbwegs zufällig) über den Weg zu spazieren und dann würde ‹ER›, wird ‹ER›, ja wird ‹ER› bestimmt, letztes Wochenende ist halt biz dumm gelaufen, dass man sich verpasst hat, aber heute…

«Warten wir mal ab»,
denkt es in mir viel zu laut und ich pappe mir Tesastrips auf den Mund.

Nichtsdestotrotz: Simones Lebensqualität scheint massiv gestiegen. Ihr Schlafbedarf ist von sieben auf beneidenswerte viereinhalb Nachtstunden gesunken. Selbstredend, dass die (einzige) REM-Phase auch ‹IHM› gehört ist. Alles haben ‹SIE BEIDE› in dieser Zeit schon zusammen getrieben; geknutscht, gebadet, gevögelt, geklaut, getanzt, gevögelt, gecubalibriert, gevögelt, gefrühstuckt, gequalmt undsoweiter und wenn sie morgens um halb fünf wieder hellwach im Bett liegt, klopft ihr Herz den Takt der Bewegungen ihrer Hände vor.

Simone hat die Quelle endloser Energiereserven angezapft. Alchemie live.

«Warten wir mal ab»,
denkt es in mir.

Ungerecht fallen sie, die Sterntaler. Als ob ausgerechnet Simone mit ihrer unschlagbaren Flughöhe es noch nötig hätte, lachen ihr Wildfremde auf der Strasse ins Gesicht, räumen im Tram den Sitz für sie frei, schenken ihr Marroni, halten Türen offen und heben mit unglaublicher Dienstfertigkeit all den Krempel auf, den sie ständig verliert und verlauert. Im Ausgang ist sie auch ohne Alkohol total high und nach dem zweiten Drink trägt sie ein fremdes Képi auf dem Kopf und wird von einer Traube elektrisierter Jungs umschwärmt, denen sie tief in die Augen schaut und die sie anstrahlt, wobei sie – total reizunemfpänglich –nur an ‹IHN› denkt. Am Laufband bekommt sie frischgefüllte Flûtes in die Hand gedrückt, wird von Bouncern aus der Reihe gepickt und vorgelassen und in Clubs wegen Drogen angekickt.

Auf dem Laufband hüpft sie, statt zu spazieren wie sich das gehörte, auf dem Heimweg summt sie fröhliche Liedchen und führt kleine interne Pseudodialoge mit ‹IHM›.

Jedes SMS wird vor dem Absenden fünfmal umformuliert, überhaupt fabriziert sie, deren Messages im Schnitt zwanzig Zeichen lang waren, plötzlich Wortgebilde einer die meinige übertreffenden Eloquenz. Ein wenig blumig im Abgang, vielleicht, aber oft träf wie die Schneide meines mit Blut, Schweiss und Hornhaut des nahtoten japanischen Meisters veredelten Gemüsehackmessers.

Mittlerweile habe auch ich ‹IHN› angesichtet. Ordinärintelligent, akzeptabel humorbegabt und alles. Mein Gensatz reagiert aber nicht auf seinen Hormonmix. Und: kleine Hände – schlechtes Zeichen.

«Na? Na? Na? Wie findest Du ‹IHN›? Sag schon! Super, nicht? Süss, nicht? Sag, ja?»
«Nun ja»
,
sage ich und
«warten wir mal ab»
,
denkt es in mir, schliesslich haben wir das allesamt X-mal schon erlebt.

Und zwei Wochen später ist’s irgendwie ausgeträumt, ob er sich einer anderen Option zugewendet oder einfach das Interesse verloren hat, ist nicht eineindeutig und
«hab ich’s mir doch gedacht»
,
denkt es in mir, und ich streiche ihr eine Haarsträhne aus den traurigen Augen, stelle die grosse Tasse Grog vor sie hin und sage
«Austrinken, Mädchen!»

und ein paar Folgen Grey’s Anatomy, wo die Ärzte allesamt sauschön und extrem männlich und super kompetent sind und alle entweder todkrank sind oder beschissene Beziehungen haben und später geht’s ihr schon wieder viel besser.

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Bing Bing Boah.

Blog 54, 7. Oktober 2009

«Dani!»

(Beachte die interpunktionsimplizierte Dringlichkeit.)

«Sonja! ¿Qué pasa?»«Ich war doch gestern beim Chick Doc.»«Jahreskontrolle, ich weiss. Und?»«Ja. Ich hab ein Problem.»
«Krebsabstrich?»

«Njet, der ist OK. Aber mein Beckenbodenmuskeloderwas sei total am Arsch.»
«Himmel. Musst Du in den Inkontinentialkrieg ziehen?»«Schlimmer! Intim-Physio! Ich soll einen (glaubs?) Finger reingedingst kriegen und soll pressen üben. Oder klemmen. Oder wasimmer. »«Üüüübel!»
«Dabei mach ich doch Pilates.»

Ich sag ja: All das Yogazeugs ist der grösste Hippiebrunz ever.

«Und, wann öffnest Du Dich für Dr. M?»
«Gar nicht. Ich hab ihm gesteckt, dass er seine Pfoten sonstwo hintun könne.»

Da fällt mir eine Art ‹Hausmittelchen› gegen lose Beckenböden ein. Bevor ich Sonja damit die Tür einrenne, konsultiere ich Dr. Wikipedia.

«Rin-no-tama [aka Lust- oder Orgasmuskugeln] sind ein Sexhilfsmittel, das ursprünglich aus Japan stammt. Es wird nach Wunsch im Alltag und nicht während des Sexspiels getragen.»

Durchaus plausibel. Sonst: ‹Ääähm, Sorry, da ist schon besetzt.›

«Heute gängige Modelle bestehen aus zwei 3 bis 4 cm grossen Hohlkugeln aus Kunststoff. Diese enthalten jeweils eine kleinere Kugel aus einem schwereren Metall. Die beiden Kugeln sind mit einer kurzen Schnur verbunden. An der unteren Kugel befindet sich eine Rückholschnur [vaginaler Defibrillator?]. Die Kugeln werden in die Scheide eingeführt und in Richtung des Muttermundes geschoben. Während des Gehens oder sonstigen Körperbewegungen [sic!] schwingen die Metallkugeln in den Hohlkugeln und verbreiten als angenehm empfundene [sic!] Vibrationen im Unterleib. Die Schwingungen sind allerdings kaum stark genug, um direkt zum Höhepunkt zu führen, können aber das sexuelle Verlangen steigern.»

Eine Art Tiefen-Om-Singen mit Nebeneffekt.

«Es gibt unterschiedliche Arten, Rin-no-tama zu tragen. […] Die subtilste [sic!] Methode ist wohl folgende: Die Kugeln werden mit dem Pubococcygeus-Muskel (kurz PC-Muskel) gehalten. Dies hat den Nebeneffekt, dass sie so wesentlich zum Training dieses Muskels beitragen. Ein gut trainierter Pubococcygeal-Muskel ist wiederum für die Empfindungen beider Partner beim Liebesspiel vorteilhaft. Ausserdem beugt er einigen Formen der Harninkontinenz vor.»

Eh voilà.

Ich treffe Sonja auf zwei Uhr zum Kaffee im Schoffel und schleppe sie dann in den kleinen Magic X Erotic Megastore am Limmatquai.
Die germaniastämmige Sexworkerin berät uns ausführlich. Modelle ohne Rückholschnürchen beispielsweise seien ‹nur für Fortgeschrittene›.

Aus lustvoller Solidarität greife ich mit zu und schon sind wir im Besitz von «love yourself! – Fun Factory SMARTBALLS – ein zutiefst [sic!] weibliches Vergnügen!» im Wert von 54 Franken 90 in elegantem Schwarz/Silber. Form equals function.

Um Risiken und Aussenwirkungen zu vermeiden, lese ich im Gehen die Packungsbeilage, während Sonja ihr Set einer chinesischen Tellertänzerin gleich am Indexfinger schwingt.

«Eine trainierte Vaginal- und Beckenbodenmuskulatur sorgt auch für mehr Spass beim Sex. Von Hebammen empfohlen.»

Mehr Spass am Sex – molto bene. Aber auf den Einsatz der Hebamme als logische consecutio verzichte ich dankend. In der Umkleidekabine von Company’s streifen wir das neue Indoor-Accessoire unter und trinken Campari auf dem Hechtplatz.

Beim Sitzen merkt sich logischerweise wenig. Vielleicht müsste man die Treppe zur Toilette runterhüpfen? Dong-dong-dong kommen die Dinger in Schwingung. Jippii.

Sonjas Mittagspause ist vorbei. Ich probiere derweil alle möglichen modi vivendi aus; renne, hopse, schlage Räder, spiele Käfer.

Mazza grande. Ganz grosse Klasse. Nach zwei Stunden reicht’s vorerst mit dem Training. Platsch-plopp. Juicy-doo, Hurrah nochmals.

Brav mit warmem Wasser abgewaschen, desinfiziert und zum Trocknen an die Türfalle gehängt.

«Und?»
«Woa! Gut drin gut dran – gut drauf.»
«Na dann: Gut Nacht.»

Samstagnacht, Bombay Bar.
Sing Bing, Swingdaiding, es tanzen so schön, die Geister die ich rief.

Zwischenfazit.
Jungs: vergesst die Suche nach dem G-Punkt.

… Girls: vergesst die Jungs bei der Suche nach dem G-Punkt.

Suchtpotential. Ich trage klein Cheech&Chong permanent. Meine Bewegungsunlust hat sich massiv verringert, ich verbrenne Kalorien am Schwungmeter, lache und singe, tanze, springe.

Friedensnobelpreiswürdig. Wenn Frauen dauerscharf sind können Männer kaum Kriege führen.

Wieso lächeln mich alle an? Der Monobiker mit dem grauen Pulli wendet gar den hübschen Kopf.

Im Toilettenspiegel mein eigenes Grinsen.

Alles klar.

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Sie ist es.

Blog 45, 16. Juli 2009

Die zweite (oder dritte?) grosse Liebe meines Lebens ist mit – nicht gerade süssen, sondern vielmehr schwermetallenen, langblonden, kiffenden – sechzehn Jahren drei Wochen lang an Pfeifferschem Drüsenfieber, auch bekannt unter dem Namen ‹Kusskrankheit›, darniedergelegen.

Den Geruch, den Chris danach, in den zwei Wochen vor unserer Trennung, ausgeschwitzt hat, kann ich noch immer jederzeit im Zerebralspeicher abrufen; einen ranzig-bitteren Mix aus Chemie und verseuchtem Hämoglobin. (Der Gestank war aber weniger Schlussmachgrund als Chris‘ bester Freund Andreas).

Vor kurzem hat mein Kamerad Laurent seine etwa siebzehnte Beziehung beendet. Ein Jahr beinahe hat er’s immerhin durchgehalten mit der Dame. Trotz Ermüdungserscheinungen habe ich mich dazu durchgerungen, nachzufragen, weshalb es denn auch diesmal wieder nicht hat sein sollen.

Et voilà, das Geschichtchen.

«Weisst Du, letztlich war sie nicht die Frau meines Lebens.»

«Offenbar.»

«Da ist es besser, man geht.»

«Besser. Definitiv.»

«…Dani?»

«Lori?»

«Ich hab die Frau meines Lebens gefunden.»

«Ach, was!»

[Dem spinnt’s total, hab ich gedacht. Typischer Frischalleinfühlschmerz.]

«Du wirst es nicht glauben.»

«Klingt, als will ich’s nicht mal hören.»

«Es ist Zdenka.»

«Stinka-Zdenka?»

«Dani, bitte!»

«Sorry.»

«…DIE Zdenka?»

«Yep.»

Da hab ich ihm das Telefon aufgelegt.

Nase so voll wie nach einem G.

Scheisse, aber echt.

Zdenka. Zdenka mit Schuhgrösse 35 und Kleidergrösse 34.

Natürlich hab ich eine halbe Stunde später wieder angerufen.

Dafür sind wir Freunde ja da.

Zdenka die Tschechen-Zora.

Z d e n k a. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Zdenka. Loris Exex. Aber nicht nur. Auch Loris Exexexex.

Heisst: Freundin Nummer dreizehn: Schluss. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber. Dann: Zdenka. Dann: eine drüber.

Und jetzt: zurück zu Zdenka.

Zurück zu Zdenka, die’s nicht goutiert hat, dass Lori mal kurz («In einem Anfall kompletter geistiger Umnachtung») die Hand in Barbaras Höschen gesteckt hat.

«Laurent?»

«…Dani.»

«Bitte, bitte, bitte nicht. NICHT.»

«Ach, sie will mich eh nicht zurück. Das heisst, doch. Aber erst nach neun Bewährungsmonaten.»

«Nach neun Monaten Zölibat?»

«Ähm. Yep.»

«Ähä.»

«Ich werde es hinkriegen.»

«Ähä.»

«Nenn mir einen guten Grund. Nein, nenn mir zehn Gründe, gut können sie gar nicht sein.»

[Drei Stunden später, per Mail:]

«1. Ich denke nur noch an sie. Bei Tag und bei Nacht. Ich träume sogar von ihr.

2. Ich bin ständig total scharf auf sie, andere Frauen interessieren mich einen Dreck.

3. Ich finde sie immer noch… einfach GROSSARTIG.

4. Wir treffen uns wieder regelmässig und verstehen uns super.

5 . Ich kann nicht mehr schlafen.

6. Ich kann kaum mehr essen.

7. Sie zweimal zu verlassen waren die grössten Fehler meines Lebens.

8 . Niemand kennt mich besser als sie.

9 . Alles was mich jemals an ihr gestört habe, finde ich nun wunderbar.

10. Ich bin bereit, sie mit all ihren Fehlern und Schwächen zu akzeptieren.

11. Ich weiss und spüre es: SIE IST ES EINFACH.»

Der Gute hat einen an der Waffel. Aber dikke.

Zdenkamich hat ihm ins Rückenmark gebislet. Oder Becherovka gefixt.

Ich order ihm einen Exorzisten.

Allzu gut erinnere ich mich an die ersten beiden Runden mit dem Dummchen. Hin und weg war der Gute, primär ob ihrem hirnfreien Sex-appeal.

Hingehalten hat‘s jeweils für einen Monat. Maximal.

Und nun stilisiert er sie dirnix wieder zur grössten Liebe aller Zeiten?

Den Brunz, den er mir da zusammenlistet, erinnert mich an meine Prä-BRAVO-Zeiten, der Mann krankt offensichtlich an einem Hormondefekt. Hoffentlich temporär.

Jetzt will er eine Schwangerschaftsdauer lang auf sie warten, sie dann in seine starken Ärmchen schliessen, aufs weisse Pferd heben und mit ihr ins Schloss Jindřichův Hradec entreiten, wo sie die dritte Entjungferung feiern können?

«Lorimeinlieber. Muss ich lügen?»

«Schone mich! Ich leide genug an der Qual, die grosse Liebe, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben, aber nicht leben zu können! Nach der zweitgrössten Liebe suchen zu müssen, scheint mir – schlichtweg – unerträglich!»

Die Sache stinkt. Bis hinter den Himmel.

«Kauf Dir ein Blacksocks-Abo, Romeo. Und hol Dir einen Porno in der Videothek.»

Ein Kommentar

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Touch of the Heart.

Blog 37, 20. Mai 2009

Moni ist 34 schon gaaaaaaaaaanz lang Single. Und irgendwann ist sie auch über die Rum-vögelphase hinaus ‹gewachsen› (das scheint tatsächlich zu gehen), das mit dem Anmachen – Abschleppen – Am-falschen-Ort-Aufwachen hat offenbar auch seine Halbwertszeitigkeiten (und hinten, oben, vorne undsoweiter bleibt letztlich hinten, oben, vorne undsoweiter).

Vor ein paar Wochen dann ist eine asiatische Delegation zu Besuch (eine akzeptierte Form der Industriespionage) und es gilt, ein attraktives Programm für die möglicherweise solven-ten Schlitzäuglein zu organisieren. Man wird also erst in Zürich rumgondeln und dann den obligaten Trip aufs Jungfraujoch draufpacken, inklusive Übernachtung in Grindelwald. Moni bucht Hotelzimmer, einen Car und den gut trainierten Reiseführer, dessen All-in-One-Angebot den CEO ebenfalls überzeugt.

Ebensolcher gute Fang holt die fünfzehn Personen am Carparkplatz am Stadthausquai ab, wo das schöne Reisli beginnt. Gegen Abend merkt Moni, dass ihr der Typ in live sogar noch besser gefällt. Ihre Assistentin und Vertraute versucht, das Glück zu beschleunigen und per-foriert Mirko P. mit Fragen, um ihn in der Nähe zu halten. Und Mirko scheint das Geplänkel mit den jungen Damen den kleinen Schlipsträgern mit den Fotoapparaten und den Notiz-blocks vorzuziehen. Abends, in Grindelwald, sind Führer und Fahrer aber an einem anderen Ort einquartiert. Das Angebot zum Hook-up hat Mirko abgelehnt.
Auf der Heimfahrt zieht Moni sämtliche Register und quetscht ihm beim Ausstieg ihr Visiten-kärtchen zwischen die Finger; vielleicht will er ja die Firma mal besichtigen kommen? Mann hat ja tendenziell grosses Interesse – insbesondere an dieser Form von Industrie.

Eine Woche später hat sich Mr. Superguide noch nicht gemeldet, obwohl er, so Moni, non-verbal durchaus Interesse bekundet hat. Wir sind bei der ersten Gimlet-Runde und Moni schwärmt und schwärmt und schwärmt und schwärmt und ist ganz kirre, jede Sekunde der Carfahrt, jeder kluge Satz in Deutsch und Japsisch wird wiederholt. Langweilig.

Moni ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht auf Facebook. Dort finden wir Mirko zwar, können ihn aber nicht ausspionieren. Also adde ich den Jungen kurzerhand. Moni ist in heller Aufregung. Zwei Stunden später können wir bereits ernten. Mirko und ich sind jetzt di-cke.

Hoi Dani!

Du, das tuet mer hurrä [??] leid, aber ich chan mi mit em beschte willä nümmä a dich erinne-re, au wenn mr din namä sehr bekannt vor chunt.

lg mirko

Zehn Minuten später folgt:

Aaah, jetzt… klar! Sorry.. Isch mer extrem peinlich, aber jetzt han is au entlich kapiert 😉
Hey, gahts dr guet?

Nun bin ich irritiert.
Hat er unser Spiel durchschaut und einen online Link zwischen Moni und mir gefunden?
Eine Reihe Fotos sind gepostet; vier davon zeigen ihn mit einer Frau an der Seite, könnte die beste aber durchaus auch die Freundin sein. Moni ist enttäuscht. Noch geben wir nicht auf.

Hallo Mirko
Ich mag Dein Profil. Coole Pix. Allerdings glaub ich nicht (mehr) dass Du der Mirko P. ist, der mit meinem Bruder früher Basketball gespielt hat (oder meine Mutter würde sagen: «Der ist aber gut rausgekommen!»). Woher kennst Du mich denn – glaubenderweise?
Eigenartigerweise kommt mir dafür Deine Freundin (?) vertraut vor. Sind wir hier alle auf ominöse Art miteinander verbandelt?

Minuten später.

Dani, Dani!
Die Spannung steigt [der Trick wirkt immer: hochdeutsch merzt Mundart aus. Ist so ein Über-legenheitsding] Ich habe Dich für eine Sandkasten-Kollegin aus Biberbrugg gehalten. Kennst Du einen Andy Bickel? Meine Freundin [voilà!] heisst Diana Krueger und kommt aus Stutt-gart. Sie hat allerdings lange in Basel gearbeitet. Vielleicht hilft das weiter? Im Moment woh-nen wir grad in Freiburg im Breisgau.

Er bleibt maximal uninteressant. Moni trauert noch immer.

Ich beobachte das rundum bei Zwangsasketinnen. Ihre Nervenenden sind (auch wenn man das glauben würde) alles andere als abgestumpft, im Gegenteil. Sogar zufällige oder eindeutig asexuelle Berührungen von Freunden und Verwandten bringen emotionales Gletschereis zur Schmelze – en Masse.

Aus dem gleichen Grund, behaupte ich, gehen die Alten zu Stosszeiten einkaufen: um gratis eine Prise Körperkontakt zu ergattern – und sei’ auch nur an der Migroskasse. Sind Männer auch so? Oder sind die happy, wenn sie ihren Schwanz in die Hand nehmen können?

Meine Mädels sehen sich schon im Trauzimmer, wenn sie einmal speziell nett (eigene Wahrnehmung!) angelächelt, respektive wahrgenommen – und nicht einfach als other hu-man being ignoriert worden sind. Dass man einen Abend lang mit einem Typen quatschen kann (oder sogar noch ein wenig Fummeln danach, oder sogar mehr) und das aber auch gar nichts bedeuten muss, ist in ihrer Vorstellungskraft in die Ferne gerückt.

Dass dies das Finden zusätzlich erschwert, ist einleuchtend. Frage bloss: was tun?
Moni werde ich nun wohl mal an eine dieser Nurkuschel-Nosex-Feten schicken. Oder ihr ei-nen Callboy buchen. Hat jemand eine gute Adresse?

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